Rudolph Von Habsburg Ein Heldengedicht In Zwolf Gesangen Johann
Chapter 19
Fern, vom gehügelten Sand', ersah der Führer der Kunen, Suhol, der Eber genannt, dem Trentschins Gebiether den Herold Sendete: daß er ihm eine sein Volk, wie dort in dem Vortrab Trautmansdorf vor allen zuerst vordrang mit den Reitern. Das empört' ihm die Brust, und, unbändigen Zorns, wie ihm stets noch Jugendlichheiß das Blut in dem leichtaufbrausenden Herzen Kochte, schwang er sein Eisen zur Luft, und begann vor dem Volk so: »Seht, dort fechten sie schon, und tränken ihr Schwert mit des Feindes Dampfendem Blut', -- erringen wohl auch sich die Beute vor andern, Da wir, müßig im Hinterhalt, des unsicheren Vortheils Harren! Soll denn die Beut' und der Siegsruhm stets nur die Deutschen Lohnen im Schlachtengefild? Stets sollen wir jenen zurücksteh'n, Eng' in die Ordnung gebannt? Nicht also gefällt es dem Kunen: Denn er schwärmt in dem Feld, wie ein brausendes Donnergewitter, Frei umher, und erfüllt es mit Angst, Verderben, und Jammer. Auf, wir wollen hinaus, dem Feind' in die Seite zu fallen Mit entsetzenverbreitender Hand! So holen wir Beut' uns Selber, und Ruhm wird uns, die Sieger, nur herrlicher lohnen.« Alsbald gab er dem Rosse den Sporn, und es jagte sein Volk ihm Dann im brausenden Flug rasch nach: umschwärmend das Häuflein Kunrings, und schnellend zugleich von dem weitgehörneten Bogen Pfeile, so dicht, daß rings sich in nächtliches Dunkel der Luftraum Hüllete. Bald traf hier, bald dort der befiederte Mordstahl Reiter und Roß, und verwundete viel' in der nahenden Kriegsschar; Doch als solches die Pfeile verschoß, den entleereten Köcher Und den Bogen, vereint, mit der Schnur auf den Rücken zurückwarf: Da griff's rasch nach dem Säbel, und hieb mit Gejauchz' in die Feind' ein. Kunring hatte den Speer gesenkt; das unbändige Reitroß Links gespornt, und rechts, und die wildumschwärmenden Krieger Niedergeworfen, bis ihm ihr Feldherr, Suhol, der Eber, Seitwärts nahend im Flug, mit dem Säbel die Lenden durchrannte. Alsbald sank er vom Sattel herab: die erschrockenen Krieger Wichen zurück, und im Feld hin scholl Geschrei und Getümmel.
Ottgar bebte vor Zorn, da er so, im beginnenden Kampf schon Wieder die Gegner im Vortheil sah, und die Seinen im Feld hin Flüchteten. Sieh', da schwang sich, ergrimmt, der finstere Katwald Aus den Lüften herab, und rief im Geistergelispel: »Wehe, du schaust die Deinen besiegt, noch ehe die Gegner All' ihr Schwert entblößten, und eh' den ragenden Speer sie Senkten zum Todesstoß'! Unglücklicher, willst du noch zaudern? Wähle sogleich die tapfersten dir aus des Heeres Geschwadern; Führe sie kühn selbst vor, zu erwecken den Muth in dem Herzen Aller umher: so erringst du vielleicht den herrlichsten Sieg noch!« Ottgar rief alsbald nach Lobkowitz, schreiend hinüber: »Tapferer Greis, nun vor mit deinen geharnischten Reitern, Hier den allentscheidenden Sieg mir heut zu erkämpfen! Groß ist der Ruhm, den dieser mir beut; doch größer die Freundschaft Noch, und die Liebe, die ich, dein König, dankbargesinnet, Dir werkthätig bewies seit dreißig entflohenen Jahren. Dessen gedenk' anjetzt, und vergilt mir mehr, als die Schuld war!« Dann entsendet' er dort an Zierotin, und den Herzog Bayerns die Herolde: Muth und dauernde Kraft in dem Busen Beider zu wecken, und hier entboth er, gewaltigen Ausrufs, Selber die Kühnsten im Heer', und führte sie rasch in die Feldschlacht.
Nicht entging es dem Blick des erhabenen Kaisers, wie tapfer Trautmansdorf vordrang, und die stürmenden Schützen zurückwarf: Freud' erfüllte sein Herz; doch bald versiegte sie wieder, Als der Kune so frech, der Willkühr fröhnend, zum Angriff Flog. Kein Sterblicher hemmte den Fels, der, rollend aus Alphöh'n, Schneller und schneller herab in das Thal mit donnerndem Sprung fleugt: D'rum geboth er auch jetzt, den edelen Rittern und Feldherrn, Winkend, das Feldgeschrei. Urplötzlich ertönte der Aufruf: »Gott mit uns!« im östreichischen Heer', und »Praga!« zur Losung Allentscheidender Schlacht, in dem böhmischen, lauter und lauter, Durch drometenden Schall und den Lärm fortwirbelnder Trommeln, Und in dem staubumwölkten Gefild traf Reiter und Fußvolk, Ritter und Knappe zugleich in schrecklicher Eile zusammen. Wie, herstürmend, der Donner rollt, daß die Vesten des Erdballs Zittern, ritt im Galopp mit den schwergeharnischten Reitern Lobkowitz näher, und schlug der Kunen umschwärmende Scharen Mordend zur Erd', als Suhol, ihr jüngsterlesener Führer, Sank vor seiner Gewalt, und, entmuthigt die andern entflohen. Sieh', auch Trautmansdorf, von den Reitern entblößt, und der Unzahl Bloßgestellt, wich nun vor Lobkowitz! Aber dem Leu'n gleich, Der, von unbändigen Rüden verfolgt, noch häufig sich wendet, Und noch manchen zerreißt mit den schrecklichen Zähnen: so wies er Ihm die muthige Stirn', da er fechtend die Scharen zurückzog.
Meinhard warf sich zuvor rechts hin auf Heinrich, den Herzog Bayerns: denn voll Kraft und verwegenen Muthes im Schlachtfeld, Waren die Krieger aus Kärnthen und Krain ihm gefolgt, und es stürmten Oestreichs Tapfere links, geführt von dem kühnen Capellen, Gegen die Sachsen vor, die Mansfeld, furchtbaren Grimmes Würgen heißt. Da war, entlang die feindlichen Reihen, Schrecklicher Mord, Wehklag', Aufjauchzen und Jammern zu hören: Da zu schau'n das Entsetzliche: wie der erbitterten Gegner Manche, schon nahe dem Tod, sich im Staub noch, würgend, umfaßten, Und das Blut der Erschlagenen, gleich aufschäumenden Bächen, Wogte hinauf und herab in dem grau'numnachteten Schlachtfeld. Bis an des Himmels Gewölb' empor die mittägliche Sonne Sich erhob, die heut' ihr strahlendes Antlitz in Wolken Hüllete, wies die Völkerschlacht, wie auf stürmischer Meerfluth Ein entmastetes Schiff, hinauf und hinunter im Kreis' treibt, Sich im wechselnden Glück; doch jetzt gelang es dem Helden Lobkowitz, rasch vorstürmend im Feld, der mittleren Heerschar Obzusiegen. Sie wich nur langsam, und stellte sich wieder, Gegen den Feind, erneut, die tödliche Waffe zu führen; Aber mit leuchtendem Blick und muthgerötheten Wangen, Sprengte der König das Roß von Reihen zu Reihen. Er schalt, bath, Und bewegte sein Heer noch eilender vor in dem Blachfeld. »Jetzo hinan,« so rief er, und schrie, daß die Völker erbebten, »Jetzo nur muthig hinan: denn Ottgar führt euch als Sieger! Seht, wie Jene vor euch entflieh'n; fort, schmettert sie nieder!« Also braus'te das Wort, empörend, ihm von den Lippen. Wie den nächtlich umwüthenden Brand, der viele der Häuser Schon vernichtete, noch das Volk zu bewältigen hoffet: Denn still ruhen die Lüft' umher; doch plötzlich erhebt sich Ein feindseliger Sturm, und unaufhaltsam hinunter Wälzt sich von neuem der Strom des empöreten Feuers: so stürmten Ottgars Völker dahin, und drängten die Gegner im Blachfeld, Immer rascher und rascher zurück. Ein Körnchen Gewichts mehr Auf die Schale des Leu'n, und den himmelannahenden Räumen, Seinem erkorenen Reich', entsank der Adler auf immer.
Rudolph sah des Augenblicks kurzdauernden Zeitraum Lang, bestürzt, umher, und ihm dunkelten nächtlich die Augen. Deutschlands Ruh', und des Reiches Wohl, dem, herrschend mit Thatkraft, Er sich geweiht, ersah er von neuem gefährdet, und allwärts Wieder entfesselt die Wuth der grau'nverbreitenden Willkühr; Doch bald schwang sich sein Geist aus der Erdennacht in des Himmels Ewiges Lichtreich auf, wo ein mächtiger Helfer ihm lebte. Schnell verließ er den Sattel, und lag auf den Knieen im Staub dort, Laut aufrufend vor allem Volk mit gefalteten Händen: »Ewiger, komm' uns, errettend, zu Hülf'! Ach, wende die Augen Nicht von uns ab: denn nicht entzündeten, frevelnden Muthes, Wir den blutigen Streit: nur unversöhnlicher Rachgier, Und zermalmender Wuth steh'n wir, abwehrend, entgegen! Gib uns den Sieg! Ein Gelübd lebt mir, erhebend, im Herzen: Denn ich schaue dein Heil, wie der erste der christlichen Kaiser, Huldausstrahlend, vor mir: des weltversöhnenden Kreuzes Heiliges Zeichen, in dem ich den Sieg erringen, und dankbar Ihm, zu verehrendem Dienst, für immer und ewige Zeiten, Stiften ein Gotteshaus, und zu ihm versammeln die Jungfrau'n Werde zu Tulln, am Ufer der freihinrollenden Donau. Sey dem Gelübd von dir, Allmächtiger, Huld und Erhörung!« Als er's rief, da fuhr ein leuchtender Strahl aus den Wolken, Und erfüllt' ihn mit Muth und Freudigkeit. Sieh', auf dem Lichtstrahl Schwebt' ein Engel daher, und hieß die Scharen der Geister, Welche die Schlacht herab aus dem Uebersinnlichen lockte, Flieh'n, daß keiner im Kampf sich den Gegnern als Helfer erweise! Alle gehorchten, und sah'n, umher in den Wolken sich lagernd, Noch voll Gier auf die Streiter herab; nur einer aus allen, Marbod, stand, und sann den Worten des bethenden Kaisers Trauernd nach. Da erklang urplötzlich ein Ruf aus den Wolken. Ha, sie rissen entzwei: Erwine, die liebende Gattinn, Sank ihm, weinend vor Wonn', an die Brust. Sie entschwebten des Erdballs Dunkeln Gefilden, vereint, auf dem Sirius, der in dem Sternreich Herrschet, im Lauf des vom Ewigen nur ermessenen Zeitraums, Huldbeglückt, und des Erdenjammers vergessend, zu weilen.
Aber mit leuchtendem Blick' erhob der Kaiser der Deutschen Sich von dem Staub': ein Strahl der himmlischhohen Begeistrung Glänzt' in ihm, und auf seinen gerötheten Wangen. Betroffen Staunten die Krieger ihn an; doch all' aufjauchzten mit einmal, Als er das schnaubende Roß vortummelte, dann mit dem Schlachtschwert Auf den nahenden Feind hinwies, und, ermuthigend, ausrief: »Gott ist mit uns! Eilt jetzt, gleich loderndem Feuer im Saatfeld, Gegen den Feind; vertilgt ihm schnell die Haufen, und schafft mir Heut' unendlichen Ruhm, da ich euerem Muthe vertraute. Euer zugleich ist der Ruhm und der Dank noch spätester Nachwelt: Denn wir kämpfen für Deutschlands Glück, als Deutsche, der Ahnen Werth, die, tapfergesinnt, sich nie im Joche des Fremdlings Beugeten. Hört, der Herr ist mit uns, und scheuet den Tod nicht, Hier der heiligen Pflicht und des Vaterlandes gedenkend!« All' entflammte sein Wort: ein jeglicher Mann in den Reihen Lechzte vor Gier, schnell vorzudringen im Feld', und zu sterben Dort den Tod für das Vaterland und die heilige Freiheit. Aber nach Albrecht sah vor allen sein hoher Erzeuger Mit bedeutendem Blick', und freudiger ging er im Schlachtfeld, Hoch in der Linken die Kreuzesfahn', in der Rechten das Schlachtschwert Führend, ihm vor. Das Panier von Oestreich, als ihm des Greises Arm ermattete, trug der hochgesinnete Kampfheld, Lichtenstein, und die Reichsfahn' ihm der tapfere Markgraf Hochberg vor in die Schlacht. D'rauf folgten die älteren Ritter Ihm mit den Edeln aus Zürch, die, heute zu Rittern geschlagen, Kühn voreileten. Laut ermahnt' er sie noch mit den Worten: »Jünglinge, vor, und ahmt die Tapferen, die sich schon früher Als die Meister im Feld' erprobten, jetzt in dem Kampf nach!« Jen' entgegneten jauchzenden Rufs: »Wir halten dir Wort, Herr!« Und entfloh'n. Doch schnell vorstürmten die muthigen Scharen, Die sein Erzeugter ihm warb in den rheinischen Landen, in Schwaben, Und in dem Schweizerland, und die vor allen gewaltig, Altgedient, und in jeder der Kriegsarbeiten erfahren, Ihm auch heut' errangen den Sieg in dem Kampf der Entscheidung.
So, wie der eiserne Keil, vom gewichtigen Hammer getrieben, Den mit kräftiger Hand im Gehölz aufschwinget der Löhner, Krachend, entzwei den Stamm des hundertjährigen Eichbaums Spaltet, daß rings umher die Splitter fliegen: so drang jetzt Rudolphs raschgeordnete Macht in das feindliche Heer ein. Kreischender rief die Dromete zum Sturm; die erregende Trommel Scholl ergrimmter, und rings, und überall drängten die Führer Mit gewaltigem Schrei den Krieger vor zu dem Angriff, Daß er noch heißer entbrenne vor Gier: muthfest und entschlossen Niederzuschmettern, was entgegen sich warf in der Feldschlacht, Und entsetzlich war das Gewürg' in dem Waffengetümmel; Doch, wie ein Felsendamm in dem waldumschatteten Weiher Sich entgegenstemmt den Gewässern des thauenden Frühlings, Unerschüttert und fest: so stemmte sich, eiserngesinnet, Ottgar hier dem stürmenden Feind' entgegen, und wich nicht. Stundenlang fortwährete schon das tödliche Ringen Tausender gegen einander im Feld! Den tapferen Böhmen, Die in der Heerschar Lobkowitz lenkt', vereinte der König Bayerns und Sachsens Macht, und führte sie selbst in die Schlacht vor. Zahllos lag sein Volk, erwürgt, auf dem Boden; unzählig Warf auch er die Gegner, entseelt, in den Staub, und es ragten Von den hundert, zuvor zu Rittern geschlagenen Zürchern, Jetzo nur wenige mehr. Wie im hagelgetroffenen Saatfeld Einzeln die Halme noch steh'n, die andern bedecken den Boden Weit, zermalmt von dem sausenden Eis: so ragten auch hier nur Einzeln die Helden noch auf, die aus Zürch gezogen; verwundet, Oder todt, verlor sich im Feld das tapfere Häuflein, Niedergeworfen durch Ottgars Kraft und zerschmetterndes Eisen.
Doch stets näher kam dem gewaltigen König des Todes Dunkles Geschick. Bald sinkt er in Staub, all' irdischer Hoheit, Macht, und Würde beraubt, dem ärmsten im Heere vergleichbar: Denn zu entscheidender That aufboth der Edle von Tauffers Nun die Schützen Tyrols. Er drang im brausenden Schlachtfeld Dort mit den kühnen entsetzlicher vor, und, nimmer ermüdend, Spanneten sie die Sehn' an der Armbrust; legten den Pfeil an, Zielten, und schnellten ihn fort in die Luft. Unhemmbaren Fluges, Saus't er in Eile dahin, und traf stets sicher in's Leben: Denn gewohnt ist das Aug' und die Hand tyrolischer Schützen, Mitten in Feindesbrust des Todes Geschoße zu senden. Doch nun winkte der Held dem Geübtesten, der in den Gauen Rings umher, im _Kreis_- so wie auch _Hauptschießen_ berühmt war: Wenn Zielscheiben, erhöht vor dem Thor' an festlichen Tagen, Manchen des Schützenvolks aufregeten, stets in der Mitte Drüben zu treffen, und stets zu erringen das Beste vor allen.[7] »Martin,« so rief er ihm zu, »sieh' hin, wie der König von Böhmen Dort vortummelt das Roß in dem Feld', und unsere Völker, Jenem Unsterblichen gleich, der Pharao's Erstlinge tilgte, Niederwirft! Versuche denn jetzt, ob, sausenden Flugs, nicht Ein befiederter Pfeil, durch dich geschnellt von der Armbrust, Ihn erreicht, und erlegt -- dir Lohn und auch Ehre gewinnet.« Jener entgegnet' ihm laut: »Nicht geiz' ich nach Gold und nach Silber: Zierlein nah', und nicht fern dem wunderlieblichen Innsbruck, Ruht mein Haus an der Felsenwand, die hoch in die Wolken Aufragt, reingezimmert erst jüngst, und mit Habe gesegnet; Doch so ich heute im Feld den blutgierathmenden König, Oder sein Roß, mit dem tödlichen Pfeil durchbohrete: ha, da Rühmt von der Martinswand mich noch die späteste Nachwelt!« D'rauf entsandt' er den Pfeil: er durchbohrte dem Rosse des Königs, Sausend, die Brust, da es auf in die Luft sich bäumte, des Reiters Ingrimm theilend; es sank auf den Rücken, und warf ihn herunter. Wildes Getümmel erscholl um den Stürzenden. Reisige schwangen Alsbald sich vom Sattel herab, vor Gefahr ihn zu schirmen; Doch erhob er sich schnell, und ermahnte, besteigend das Streitroß, Das ein Reiter ihm both, mit donnernder Stimme die Krieger: Nimmer zu rasten vom Streit', und den herrlicherrungenen Vortheil Rasch zu verfolgen: schon nahe dem Ziel des entscheidenden Sieges.
Aber im Feld verhallte sein Ruf. Der furchtbare Keil drang Vor mit zermalmender Kraft; vordrang, die Fahn' in der Linken, Und in der Rechten das würgende Schwert, des Kaisers Erzeugter, Also auch Lichtenstein und Hochberg; also der Ritter Glänzende Schar, und, vereint, der tapferen Schweizer und Schwaben Siegsruhmdürstende Macht. Doch, als der erhabene Herrscher Auch den Trentschiner entboth, mit den kühnen, magyarischen Reitern Einzubrechen im Sturm in die Seite des Feindes, und Meinhard Dort, hier Otto von Meissau, gleich dem tapferen Helden Trautmansdorf, ihr Volk vortummelten: siehe, da wankte Ottgars Macht. Wie ein Wald an den schwer zu erklimmenden Höhen, Losgewühlt aus dem Grund von innenaufschwellenden Wässern, Erst nur langsam, nur zitternd sich regt; dann plötzlich zum Abgrund Taumelt mit Erd' und Gestein, wild durcheinander geschleudert: So, nach gewaltigem Kampf, dem entscheidenden, wankten, und stürzten Ottgars Völker dahin; nachbraus'te der Feind, in dem Rücken Rastlos würgend, und sät' ergrimmt die Leichen im Feld hin. Allwärts war auch das blitzende Schwert des Kaisers zu schauen, Und zu vernehmen sein Ruf, der vorwärts drängte die Scharen; Dennoch vergaß er auch, mitten im Kampf, der verwundeten Krieger Nicht; er hieß mit gebiethendem Wink sie zurück, nach dem Rückhalt Tragen, und dort der Sorgfalt kundiger Aerzte vertrauen. Aber warum hält er nun plötzlich sein feuriges Roß an? Ach, ein Verwundeter streckt, mit lächelndsterbenden Augen, Seine Rechte nach ihm empor, und ruft ihm ein »Leb'wohl!« Matt, doch freundlich noch zu! Sein Müller, der tapfere Held war's. Tief, zu den Mähnen des Rosses hinab, sank leise des Kaisers Blässeres Antlitz: er sah mit starrendem Aug' in die Augen Seines Getreu'n, bis, thränenumhüllt, ihm's dunkelte. Stöhnend Gab er dem Rosse den Sporn, und flog wie ein brausender Sturmwind Dort nun wieder hinaus, wo am lautesten tönte der Schlachtruf.
Wohlgeordnet, und schnell: denn Lobkowitz deckte des Heeres Rücken, voll Heldenkraft mit den schwergeharnischten Reitern, Zog sich Ottgar jetzt nach den mittleren Höhen von Spannberg Aufwärts, dort dem Feind', erneu't die Spitze zu biethen: Denn weit überwog an der Zahl, in dem Waffengemeng schon Seine des Kaisers Macht, und siehe, noch stand in dem Rückhalt Milota! Laut entboth er vor sich den muthigen Feldherrn, Zierotin, und begann: »Nicht kam uns zuvor in dem Schlachtfeld Milota, selbstvorschauenden Blicks, zu Hülfe. Noch steht er, Ungeschwächt, mit der Schar der tapferen Mährer im Rückhalt; Doch jetzt brech' er vor, und fall' in die Seite des Gegners, Links anstürmend, da wir zugleich mit vereintem Vermögen, Und unhemmbarer Kraft, auf den mittleren Haufen uns werfen. Groß ist erst die Gefahr, so er säumt; ihm vertrau' ich: er eile!« Rief's, und im sausenden Flug fortsprengte der edele Feldherr. Aber des Siegers Heer drang Ottgarn näher und näher. Wie vom verwundeten Leu'n, so sehr er auch strebt, zu entkommen, Sich die lautumbellende Schar gewaltiger Rüden Nicht mehr fernt; ihn, stets blutgieriger, treibt, und bedränget, Bis er, ermattet, sinkt auf den sandigen Höhen: so ließ auch Jetzt von dem König, im Kampf, nicht mehr der verfolgende Feind ab: Denn mit flammendem Muth und unwiderstehlicher Thatkraft Eilte, zum Siege geführt von dem tapferen Grafen von Nürnberg, Schwabens Heldenvolk und der Schweiz gefürchtete Kriegsschar, Rasch die Höhen herauf, und wüthete dort in den Reihen Kühnabwehrender Gegner, vereint, mit gesenketen Lanzen, Allvernichtend, umher. Entsetzlich erscholl das Getümmel.
Ottgar sah im brausenden Feld den verhaßtesten Gegner, Rudolph jetzt, voll Grimms, wie er schaltete: Reiter und Fußvolk Drängend vor mit gewaltigem Wort', und das furchtbare Schlachtschwert, Deß' Blitzglanz vom Blut nur tapferer Gegner verhüllt war, Aufschwang -- sah den Kaiser, und Wuth und unendliche Rachgier Wandelte schnell sein Aug' in Feuer und Flammen. Er spornte, Hemmte sein Roß dreimal, in dem wildumtobenden Schlachtgrau'n Ihm die Spitze zu biethen, gesinnt; doch immer ergrimmter, Brachen die Gegner heran (nur Lobkowitz stand in dem Kampf noch, Gleich dem Felsen im Wogentumult) und zur Linken und Rechten Wich sein Volk geworfen, zurück in dem stäubenden Saatfeld. Jetzo wandt' er das Roß, und forscht': ob Milota vordrang? Denn nicht schien ihm verloren der Sieg, so er rasch in die Seiten Stürmte dem Feind. Doch, ach, was sah er, vor Staunen erstarret? Staub flog auf im Gefild', und Milota jagte von dannen! Ihm nachbraus'te die reisige Schar, und das mährische Fußvolk, Das er mit täuschendem Wort, dem König zum sichern Verderben, Erst zu dem Rückhalt zog. Mit verhängtem Zügel, und fernher Winkend, naht' auch Zierotin. Ihm folgten am Fuß nur Zween, der flüchtigen Schar sich entreißende Brüder: der Hanna Fruchtbarem Land entsprossen die Edeln. Der Nahende sprach jetzt: »Herr, nicht künd' ich es, was dein Auge gesehen -- des Frevlers Schnöden Verrath! Hohnlachend vernahm der schändliche Mann erst Dein gebiethendes Wort, dann rief er mit grimmigen Blicken: »Eile zurück zu dem Könige, sprich: so räche der Vater Seine Tochter an ihm: er fahre denn, fluchend, zur Hölle!« Also der Rach' allein, nicht des Vaterlandes gedenkend, Floh er mit jenen Verräthern davon, die er früher gewonnen. Nur die beiden dahier mir eilten zum mächtigen Trost nach: Zeigend, daß noch in der Brust der Tapferen Ehr' und Gewissen Herrlich sich eint, und dir die erlesensten Männer noch treu sind.«
Ottgar sah nach den Zween mit bewegtem Gemüth', und begann so: »Laß den Verräther flieh'n. Noch sind die erlesensten Männer, Also sprachst du mit Recht, mir treu. Nicht im dahlenden Frohsinn Will das Große gethan, das Gewaltige, spielend, vollbracht seyn: Denn, ein leuchtender Blitz in des Lebens umnachteten Stunden, Flammet es auf in der Brust, und wecket den Ernst und die Thatkraft. Jetzt umnachtet auch uns die Gefahr; doch laß uns, noch kühner, Dringen hinaus zu dem Tag', und so dort fallen im Licht nur!« Rief's, und spornte sein Roß, umschauend: ob er zur Linken, Oder zur Rechten hinab es wende, die kämpfenden Scharen Nun zu gewagter, die Schlacht urplötzlich entscheidender Kriegsthat Anzufeuern, und so mit unwiderstehlicher Kühnheit Festzuhalten das wankende Glück, das sonst ihm getreu war. Doch dort floh'n, gedrängt von den Söhnen der Steyer- und Ostmark, Bayern und Sachsen zurück; hier sank, an der Schulter verwundet, Lobkowitz, er, der untad'lige Held, aus dem Sattel, und, schreiend, Braus'te das reisige, gleich dem vorgedrungenen Fußvolk Böhmens, herüber im Feld, durch Meinhards Völker geworfen, Und gedrängt von dem Hort Trentschins, zur Flucht und Verwirrung: Da in dem Kern des Heers ihn selbst der edelen Ritter Glänzende Schar, und, vereint, die tapferen Schweizer und Schwaben Näher und furchtbarer stets bedroheten, horchend des Kaisers Schlachterregendem Ruf' in dem wildempörten Getümmel.
Mansfeld erst, dann Zierotin, die Scharengebiether, Jagten herüber im Feld', und riefen dem König: »Entfliehe!« Aber er sah, voll Wuth, nach den Rufenden; faßte sein Schwert noch Fester zur Hand, und begann: »Wer sprach ein schmähliches Wort aus? Nichts von Flucht mir gesagt! Ich lebt' als König, und sterben Werd' ich als solcher, dem Feinde zum Trotz, auf dem Felde der Ehren. Mir nach, wem sie noch werth im rühmlichen Leben und Tod' ist!« Wie der gewaltige Leu' sich wüthenden Tigern entgegen Wirft in des Abends Grau'n: die hochaufsträubenden Mähnen Flattern mit Sturmes Weh'n um den Nacken ihm; dunkelgeröthet Funkeln hervor aus den tiefgesenketen Brau'n ihm die Augen, Als er naht mit Gebrüll, dem so, wie dem rollenden Donner, Drönt das Gefild, und peitschend sich mit dem buschigen Schweifhaar Beide Seiten, sich selbst entflammet zur Wuth: da erliegen Links, rechts ihm, zerschmettert zugleich, die umdrängenden Gegner: Also warf sich auch er vor allen den Rittern entgegen, Daß ihm noch ein', und der andere dort, östreichischen Blutes, Fiele durchbohrt: denn fest bewahrt' er den Haß noch im Busen. Jene, erregt von dem stachelnden Wort, nachjagten ihm brausend.