Rudolph von Habsburg: Ein Heldengedicht in zwölf Gesängen. Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (2/3)

Part 21

Chapter 213,562 wordsPublic domain

Jetzt, in dem weitumschlossenen Raum der mächtigen Hofburg, Wies sich dem Volk' ein Schaugerüst, der Sichel des Mondes Aehnlich an Bogengestalt, erhöht, und mit Purpur behangen. Vierzehn Stufen empor, in stets verengteren Kreisen Hob sich der herrliche Bau, und zuhöchst, auf dem oberen Feldraum Stand, hellschimmernd, des Herrschers Thron, an welchem zur Linken, Und zur Rechten, gar zierlich geschmückt, zwei Stühle von Purpur Glänzten. In drängender Hast erfüllte sich eilig die Hofburg. Freudiger Lärm erscholl, als die Rosse, der Reiter entledigt, Wieherten, heim durch die Menge geführt, und in stattlicher Hoheit Rudolph nun mit Gefolg zu dem glänzenden Throne hinaufschritt; Dort sich Ladislav, den König der Ungern, zur Rechten -- Wenzel, den Sohn des getödteten Horts der Böhmen, zur Linken Sitzen hieß, und das Volk mit freundlichem Winke begrüßte; Doch ein schmetternder Laut der Dromete geboth in dem Hofraum Schweigen, und Stille ward, daß der Hauch des athmenden Busens Hörbar flog, und umher die Stimme des Kaisers vernehmlich Tönete, da er die Recht' erhob, und also zum Volk sprach: »Seht uns am Ziele, mit Gott! Vollbracht ist die That, und das Opfer, Das aus dankbarer Brust zu dem Ewigen heute sich aufschwang. Ach, gar dürftig erscheinet das Wort! Wie sollen wir würdig Danken dem Heer', das uns den Sieg errang in der Feldschlacht? Wie dem erlauchtesten Könige, der als helfender Freund, uns Einte sein tapferes Volk im allentscheidenden Zeitraum? Nicht vermöchten wir das! Doch ihn, den König der Ungern Schließen wir heut' an Sohnesstatt, wie er selbst es ersehnet,[3] Freudig an's Herz, und geloben ihm Schutz und Freundschaft für immer. Wohl bezeugt uns der Herr: »Wer hat, dem wird noch gegeben!« Also auch wir, von Gott mit Kindern gesegnet, erkiesen Heute der Söhne noch mehr -- denn hört: den theuern Erzeugten Ottgars einen wir auch, als solchen, in liebender Sorgfalt Bald mit unserem Blut: ihm Gutha, die Tochter, verlobend, Die uns die jüngst' erblüht aus den Töchtern, voll lieblicher Unschuld!« Jetzo drückt' er zuerst den König, und d'rauf den Erzeugten Ottgars rasch an die Brust, und unendlich jauchzte das Volk auf. Aber der König erhob sich vom Stuhl', und sagte voll Feuer: »O, gesegnet für immer der Tag, der, freundlichen Anblicks, Dich als Bundesgenossen mir wies! Der brausenden Jugend Jahr' umgaukelten mich noch jüngst im verwirrenden Schimmer; Aber du kamst: wohl nenn' ich dich »Vater« mit Recht, und ich fühle Mich urplötzlich zum Manne gereift -- dein würdig, als Sohn jetzt! Lange lebe, beglückt, der edelste Kaiser der Deutschen!« Sprach's mit jubelndem Ruf', und umher ertönte des Volkes Freudengeschrei, wie Donnersturm, wie stürzender Wasser Lautes Rauschen: »Er lebe beglückt! Hoch lebe der Kaiser!« So, daß jegliche Brust Entzücken ergriff, und der Thränen Stürmische Fluth in das Aug' urschnell aufjagte vom Herzen. Aber es winkte der Kaiser erneut: der eh'rnen Drometen Ernstem Schall verstummte das Volk, und er sagte, bewegt, noch: »Hört! Wir scheiden von euch nun bald, und auf lange. Gebiethend Ruft uns Deutschlands Wohl nach den rheinischen Gau'n, und wir folgen Freudig dem Ruf, da uns hier zu weilen hinfort nicht vergönnt ist. Doch nicht bleibe darum dieß Land nach unserer Abfahrt Hauptlos. Wichtiges reift im dunkeln Schooße der Zukunft Ihm, und Hohes erringt es. Inmitten gewaltiger Länder, Hebt Haus-Oestreich hier, aus seinem unscheinbaren Umkreis Eiserngegründet, sich auf; gewährt dann jenen die Herrscher; Flicht in den Kranz nie welkender Macht die herrlichsten Kronen, Die bald König' ihm biethen, und führt vielfältig durch Sitte, Sprach', und Stamm gesonderte Völker zu dauernder Einung. Also, gerüstet mit Kraft, soll's einst im Sturme der Zeiten Fest wie ein Leuchtthurm steh'n, der rettend, Gefahrenbedrängten Von dem Felsen die Flamme weis't auf dem nächtlichen Irrpfad. Albrecht komme heran. Ihm, unserem theuern Erzeugten, Deß' erhabener Sinn und Weisheit euch allen bekannt ist, Wollen wir Oestreich hier zu Lehen ertheilen. Als Herzog Werd' ihm der Thron, und in seinem Geschlecht fortdaure die Herrschaft, Endlos, segenbeglückt zum Wohl unzähliger Völker.« Ha, und er dachte, bewegt, des Alp'bewohnenden Klausners!

Doch schon ritt aus dem hallenden Thor der Erzeugte des Kaisers, Albrecht, stattlich heran. Sein Roß, der tönenden Hauptzier -- Also des Zaums und Geschirrs von blinkendem Silber sich freuend, Beugte stolz das Haupt an die Brust. Doch herrlich geschmückt war Er mit dem Fürstenhut' und dem Purpurmantel: ihn deckte Glänzender Hermelin; auch hielt er den goldenen Zepter Fest in der Rechten erhöht. Durch Schrift und Siegel ertheilte Friedrich der Erste, von Hohenstauff, der mächtig als Kaiser Ragte vor andern hervor, das Recht dem Herzog von Oestreich, Also zu Pferd, und so herrlich geschmückt das Leh'n zu empfangen.[4] Siehe, vor ihm trug Lichtenstein das Banner von Oestreich, Deß' ruhmwürdiger Schild, mit dem schneeigen Streif in dem Blutfeld Schimmerte, rasch einher; doch Albrecht hielt an des Thrones Stufen, und beugte sich; d'rauf begann der erhabene Kaiser: »Albrecht, euch beschwören wir jetzt im Nahmen des einen, Wahren, und ewigen Gott's, zu bekennen: ob ihr, als Herzog Oestreichs, herrschen wollet nach Recht und Gerechtigkeit; ob ihr Schirmen wollet die heilige Lehr' und den Glauben der Väter, Und euch widmen dem Wohl des Landes mit Leib und mit Leben, Das ihr heute zu Lehen empfaht aus unserer Vollmacht?« Jener rief: »Ich will!« und alsbald winkte der Kaiser Lichtenstein, daß er ihm darreichte die Fahn', und begann so: »Nun auch schwört es zu Gott, und im Beiseyn eueres Volkes, Eilig das Banner zugleich, und den goldenen Zepter erhebend Hoch g'en Himmel empor.« Und jener entgegnete muthig: »Ja, ich schwör' es zu Gott!« und erhob den goldenen Zepter Dann mit dem Banner zugleich in die Luft. Der Kaiser entstürzte Jetzo dem Purpurpfühl', und flog in die Arme des Sohnes, Der, sich schwingend vom Zelter herab, ihm entgegen geeilt war. Lange hielt er den Sohn umfaßt, und sagte mit Rührung: »Gottes Segen mit dir, und mit deinem Geschlechte! Der Nachwelt Stell' ich es freudig anheim, was heut' allhier sich begeben. Möge sie noch an der Zeiten entferntestem Ziele, des Glückes Herrlichster Fülle froh, laut Habsburg segnen und Oestreich!«

Siehe, da rief umher die Menge dem neuen Beherrscher, Jauchzend, ihr »Lebehoch!« Doch sah nach dem Kaiser so mancher, Innig betrübt, noch hin, der erst von Trennen und Scheiden Sprach, und auf immer vielleicht den liebenden Herzen entrückt wird. D'rauf hieß er die Fürsten bei sich willkommen, und sagte: »Kommt zum erquickenden Mahl', und ruht in der friedlichen Burg hier, Heiteren Sinn's, jetzt aus von des Kriegs unzähligen Sorgen! Aber verzeiht: ich eile zuvor nach der düsteren Kammer, Wo die Gattinn mir starb, und nach ihr sich, in Trauergewanden, Sehnen die Kinder vereint; ich gehe, die Lieben zu trösten.« Und er entzog sich den Blicken der lautaufjubelnden Scharen: Thränenden Blicks, aufschreitend allein zur Wohnung der Trauer.

Nachtrag

zu dem

Heldengedichte Rudolph von Habsburg.

Die Marchfelder Schlacht. Jahr 1278.

Die merkwürdige Schlacht auf dem Marchfeld zwischen Rudolph I. von Habsburg, Kaiser der Deutschen, und Przemisl Ottokar II., König von Böhmen, in welcher letzterer besiegt fiel, und jener seinen Nachkommen Oestreichs Herrscherthron erkämpfte, geschah am 24. August des Jahres 1278. Schon zwei Jahre vorher standen sich, eben daselbst, die beiden Fürsten feindlich entgegen. Ottokar, durch früheren Ehebund mit der babenbergischen Margareth, der Herrscher geworden von Oestreich und Steyermark, und, durch Kauf, von Kärnthen und Krain, ließ sich endlich herbei, diesen Provinzen, als anheimgefallenen Reichslehen, zu entsagen; worauf er, auf der Donau-Insel Kamberg, im Angesicht beider Heere, dem Kaiser (19. November 1276) knieend gehuldigt, und dieser, angeblich, durch Herabrollen der Zeltvorhänge, diese Handlung offenkundig gemacht haben soll. Dem heimkehrenden König setzte seine ehrgeizige Gemahlin, Kunegunde, durch Schmähungen so lange zu, bis er dem Kaiser neuerdings den Kampf auf Tod und Leben both. Schon am 27. Juni brach er von Prag zu seinem Heer' auf, das sich vor Brünn versammelt hatte, verlor aber auf seinem Kriegszug in Oestreich, durch die Belagerung des befestigten Städtchens Drosendorf, den entscheidenden Augenblick, und setzte dadurch den Kaiser in den Stand, Hülfsvölker zu sammeln, um welchen es sonst durch schnelles Vordringen geschehen gewesen wäre. Auf Rudolphs Seite standen nebst den Schweizern und Elsassern, die ihm sein Sohn Albrecht zuführte, der Pfalzgraf Ludwig, sein Tochtermann; der Burggraf Friedrich von Nürnberg; der Markgraf Heinrich von Hochberg: zu welchen noch die Grafen von Henneberg, und Fürstenberg stießen. Dann: Meinhard Graf von Tyrol; Graf Albert von Görz; Friedrich, und Albert, die Grafen von Ortenburg, und Ulrich von Heunburg mit den Tyrolern, Kärnthnern und Krainern; Pfannberg, und zugleich die Herren von Pettau, Lichtenstein, und Colo von Seldenhofen, mit den Steyrern. Auch die Bischöfe von Salzburg und Basel führten ihm Krieger zu, deren ersterem er in der Schlacht die Leitung der Oestreicher und Steyrer übergab. Endlich erschien auch der König Ladislav IV., an welchen er den tapferen tyrolischen Hauptmann, Hugo von Tauffers, abgeschickt hatte, mit mehr denn zwanzigtausend kumanischen und ungrischen Reisigen, als sein Verbündeter, auf dem Schlachtfeld. An Ottokars Völker, die Böhmen, und die Mährer unter Milota's Leitung, reiheten sich: Bayern, welche der Herzog Heinrich; Sachsen, welche Pfeil, der Markgraf von Magdeburg, und Meißner und Thüringer, welche der Markgraf Dietrich anführte. Die Reussen sandte K. Leo, und die Polen und Schlesier K. Kasimir heran. Auch einige östreichische Ritter, unter diesen die beiden Brüder Heinrich und Leopold Kunring, ergriffen seine Parthei, so, daß er dem Kaiser an der Zahl der Krieger weit überlegen war. Das Feld, auf welchem gestritten ward, erstreckte sich von Marcheck über den Weidenbach, dann weiter von Stillfried über Dürnkrut bis gegen Idungspeugen, hinauf, und der Kampf endete wahrscheinlich, wie weiter unten erhellet, nahe vor dem Städtchen Laa. Rudolph setzte mit seinem Heere bei Hainburg über die Donau, seine Vereinigung mit dem König der Ungern zu bewirken, und dem Feind in den Rücken zu kommen, und lagerte sich vor Marcheck. Die Kumanier hatten bereits aus dem Hinterhalt die herumstreifenden Feinde angefallen, ihnen über 100 Mann getödtet, und nachdem sie ihnen die Köpfe abgehauen, sandten sie selbe dem Kaiser als Geschenk entgegen, der sich mit Schauder davon wegwendete, und sie begraben ließ. Am 23. August rückte er g'en Stillfried vor, und beschloß die Schlacht auf den folgenden Tag, der mit dem Feste des heil. Bartholomäus auf einen Freitag fiel, an welchem er öfters glücklich gekämpft hatte.[A] Der Tag brach an: die Kaiserlichen standen in fünf Heerhaufen, den sechsen der Böhmen, entgegen. Noch kurz vor dem Kampfe schlug der Kaiser, nebst anderen, auch hundert Zürcher zu Rittern. In seinem Heer herrschte mehr froher Muth, als in jenem Ottokars, da vor Tagesanbruch die Meißner und Thüringer aus dem Lager heimlich abzogen, und er zuvor im Zelt, mit erregtem Mißtrauen, die Feldherrn aufforderte: »sie sollten ihm, wenn sie Verrath an ihm sännen, lieber jetzt die Brust durchbohren, ehe Tausende auf dem Schlachtfelde gefallen seyn würden.« Das unbändige Pferd eines salzburgischen Reiters, Heinrich Schörlin, rannte, wie toll, auf die Böhmen los, und ward so zum Zeichen des früheren Angriffs. Ottokar brachte mit den schwergeharnischten Reitern die Oestreicher und Steyrer zum Weichen, nachdem der Führer der letzteren, Pfannberg, verwundet vom Pferde gefallen war. Als der Kaiser die wankende Schlacht sah, da warf er sich aus dem Sattel im Staub auf die Knie', und bethete laut zum Himmel, verheißend durch ein Gelübde, so er den Sieg gewänne, ein Kloster zu Ehren des heil. Kreuzes zu stiften; worauf seine Scharen ermuthigt vordrangen. Doch schlug sich Herbot von Füllenstein, ein polnischer Ritter, durch große Verheißungen Ottokars bewogen, bis zu ihm durch, erstach ihm das Pferd unter dem Leib, und brachte ihn in die größte Gefahr, wenn nicht er selber, zu Fuß ankämpfend, ihn mit dem Speer von dem Sattel herabgerissen, und der herbeieilende tapfere Ritter Ulrich Capellen ihm ein Pferd gebothen hätte. Den gefangenen Ritter Herbot hieß der Kaiser schonen, seine Wunden verbinden, und warf sich dann, wie ein erzürnter Löwe, neuerdings auf die Feinde. Auf dem rechten Flügel, wo Hochberg stritt, erhob sich das Geschrei, »die Feinde fliehen!« und bald verbreitete es sich durch alle Reihen Rudolphs. Ottokar wankte einen Augenblick, hieß aber Milota aus dem Nachhalt vorgeh'n; und als dieser, langgenährter Rache fröhnend, mit den Mährern und einigen böhmischen Herren, die er gewann, eben jetzt von dem Schlachtfeld abzog, stürzte er sich in den letzten mörderischen Kampf, und fiel auch hier, als ein Opfer der Rache, durch die Hand der beiden Ritter von Meerenberg, mit dreizehn Wunden, ehe der Befehl des Kaisers, der sein Leben zu schonen geboth, erfüllt werden konnte. Worauf Flucht und Verwirrung der Böhmen. Der Kaiser ließ zum Rückzug blasen, allein die Kumanier verfolgten sie, bis die sinkende Nacht dem Würgen ein Ende machte. Die Schlacht währte nur fünf Stunden, und es sollen auf Ottokars Seite über 14,000 gefallen seyn. Rudolph hieß seine Leiche sogleich aufsuchen, nach dem Städtchen Laa, und noch in der Nacht nach Wien bringen, wo sie anfangs in dem Schotten-Kloster beigesetzt, und dann in der Kirche der Barfüßer-Mönche öffentlich zur Schau ausgestellt blieb. Allein, auf die in das Lager gelangte Bitte der Böhmen, stellte er sie ihnen wieder zu; worauf sie über Znaim nach Prag abgeführt, und in dem, von ihm erbauten Franciskaner-Kloster königlich zur Erde bestattet ward. Rudolph hielt in Wien, unter unendlichem Jubel des Volkes, seinen feierlichen Einzug, und erfüllte bald darauf sein Gelübde, indem er zu Tuln, zu Ehren des heil. Kreuzes ein adeliges Frauenkloster erbauen ließ.

[Fussnote A: Bei _+Arenpeck Chron. Austr. ad Annum+ 1278 heißt es_: +Conveniunt ambo Reges cum exercitibus suis in campis Austriae trans Danubium apud Weidenbach feria sexta ante Bartholomaei etc.+ Viele andere wollen, daß die Schlacht sich am 26. August ereignet habe.]

Anmerkungen

zu

Rudolph von Habsburg.

Erster Gesang.

[1] Vers 9.

_Drahomira_ war die Gemahlinn Vratislavs, Herzogs von Böhmen, der die Heidinn in der Hoffnung, daß sie sich zum Christenthume bekehren würde, im Jahr 907 ehlichte. Sie gebar ihm zwei Söhne, Wenzel und Boleslav, und als er im Jahr 916 starb, und seine Mutter, die heil. Ludmilla, die vormundschaftliche Regierung übernehmen wollte, stand sie in der berufenen Ständeversammlung zu Prag dagegen auf, zog sich mit ihrem jüngeren Sohn, Boleslav, auf das feste Schloß Wischehrad zurück, und wüthete beinahe durch vier Jahre, mit Beihülfe des heidnischen Stadtrichters Palhog, gegen die Christen mit Feuer und Schwert. Darauf ließ sie die Kirche zu Bunzlau zerstören, und endlich auch ihre Schwiegermutter auf dem Schlosse Tetin hinrichten. Wenzel, obgleich nur ein Jüngling, kam hierauf nach Prag, berief die Stände im Jahr 921, und entsetzte sie der Regierung. Doch ruhte die unmenschliche Mutter nicht, bis ihr jüngerer Sohn den älteren im Jahr 938 auf ihr Anstiften durch Brudermord auf die Seite schaffte. Nach der Sage soll sie auf dem Hradschin die Erde lebendig verschlungen haben. S. +_Cosmas Pragensis_ L. I. _Hist._ -- _Pulkawa Hist. Boh._ C. 13. _Dubrav. Hist. Boh._ L. 5. _Sylvius_, _Hagek_ etc.+

[2] Vers 68.

_Margareth_, die Tochter des babenbergischen Leopold des Glorreichen, Herzogs von Oestreich, war die Wittwe Kaisers Heinrich VII., und bereits an Jahren vorgerückt, als Ottokar, wohl nur in der Absicht, mit ihrer Hand Oestreich und die Steyermark zu erlangen, sie im Jahr 1252 heirathete, aber schon im Jahr 1261 sich von ihr, wegen beschuldigter Unfruchtbarkeit, wieder scheiden ließ. Sie starb zu Krems im Jahr 1267 im Kloster, und zwar, wie Einige behaupten, durch Gift, mit welchem sie Ottokar aus der Welt geschafft haben soll. Doch hat Hanthaler +_Fast. Campilil._ T. I. P. II. Dec. VII. §. I. C. XXXIV.+ diese Behauptung widerlegt. Sie liegt in dem Kloster Lilienfeld, das ihr Vater stiftete, ihm zur Linken, vor dem Hochaltar, begraben.

[3] Vers 117.

_Durnkrut._ Siehe den merkwürdigen Aufsatz »Die Entscheidungsschlacht im Marchfelde zwischen Rudolph und Ottokar 1278« im Archiv für Geographie, Historie &c. Nr. 1 und 2 des J. 1814. Der vortreffliche Geschichtschreiber, Chorherr Kurz, sagt in seinem +Oestreich unter Ottokar und Albrecht I.+: »In Rücksicht des Schlachtfeldes stimmen die Berichte nicht ganz überein, welches wohl nicht anders möglich ist, da zwei Heere nothwendig eine große Strecke einnehmen, und während einer so entscheidenden Schlacht an mehreren Orten gestritten wird. Daß an dem Marchfluß gekämpft ward, in welchem viele Böhmen den Tod fanden, bestätigen alle Chroniken. Der Bezirk von _Stillfried_ bis _Idungspeugen_ hinauf, war der eigentliche Kampfplatz, _Chrutterfeld_, das ebenfalls genannt wird, liegt in der Mitte. Die Schlacht muß sich von Stillfried gegen den _Weidenbach_ und bis _Marcheck_ ausgedehnt haben, da Rudolph in seinem Stiftsbrief sagt: »Gott habe ihn nicht fern der Kirche von Marcheck aus Todesgefahr errettet«. +In loco ab ecclesia eadem non longe distante nos quasi in angustiis mortis positos liberavit ab hostibus: et prostratis eisdem liberavit gloria triumphali.+ +_Bodmann_ cap. I. p. 100.+ Wahrscheinlich deutet er auf die Gefahr, die ihm drohte, als ihm das Pferd unter dem Leib' erstochen ward. +_Calles_ T. II.+ p. 552-562 hat alle hierher gehörigen Stellen gesammelt«.

[4] Vers 284.

Siehe über dieses Gespräch Hornecks Reim-Chronik, Cap. 132-136

[5] Vers 351.

_Rüdiger Waldram_ nennt _Fugger_, in seinem _Ehrenspiegel des Erzhauses Oestreich_, den Bürgermeister Wiens, der an Rudolph mit dem König der Böhmen einverstanden, heimlichen Verrath sann. Bei andern Schriftstellern heißt er Paltram Vazo. Der Sänger Rudolphs fand jenen wohlklingender zu seinem Zwecke (S. auch +Wolf. Lazius Chron. Vienn. Lib. IV.+ und +Gerard. Roo Hist. Austr. Lib. I.+)

[6] Vers 360.

Die Erzählung von der Huldigung Ottokars auf der Donau-Insel _Kamberg_, wo er, nachdem die täuschenden Zeltvorhänge gefallen waren, auf den Knieen vor dem Kaiser liegend, den beiden, durch die Donau geschiedenen Heeren gewiesen ward, ist von vielen gründlichen Geschichtsforschern als unstatthaft verworfen worden.

[7] Vers 375.

In einem der anmuthigsten Gebirgsthäler Unter-Oestreichs, am Fuße der Alpen, und an dem Ufer des Traisenflusses, liegt das Cisterzienser-Stift _Lilienfeld_, von dem babenbergischen Leopold VII., oder Glorreichen, im Jahr 1202 gestiftet, dem der Sänger Rudolphs durch acht und zwanzig Jahre angehörte, und demselben in den letzten sieben Jahren als Abt, k. k. Rath und niederöstreichischer Landesstand, vorgesetzt war.

[8] Vers 397.

_Masovien_ (Masuren), eine Landschaft in Polen, welche an Preußen, an Groß- und Klein-Polen und an Lithauen gränzte, früher durch eigene Herzoge regiert, und unter König Sigismund I. mit Polen vereiniget ward. Ihre vornehmsten Städte waren Warschau und Plozk. (Hartknoch +de Republ. Pol. L. I. c. 10.+)

[9] Vers 403.

_Königsberg_, die zweite Residenzstadt Preußens an der Pregel, von mehr als 60,000 Einwohnern, und einer Universität, die in der neueren Zeit durch Kant berühmt geworden ist, soll Ottokar im Jahr 1254 gegründet haben.

[10] Vers 421.

Daß Rudolph in seinem sieben und dreißigsten Jahre an den Hof Ottokars, der übrigens als ein großer Feldherr jungen Fürsten allerdings zum Muster dienen könnte, berufen, und zu seinem Hofmarschalk ernannt worden sey, daß er dann mit ihm die, bei dem Einfall der Tartaren wieder heidnisch gewordenen, Preußen bekämpfte, im Jahr 1260 einem Kriegszug gegen die Ungern beigewohnt, und wegen ausgezeichneter Heldenthaten von ihm den Ritterschlag erhalten habe, sind Erzählungen aus seinem Leben, deren Wahrheit hie und da bestritten worden ist.

[11] Vers 484.

_Tabor_. Ein an dem linken Ufer der Donau, Wien gegenüber liegendes Dorf.

Zweiter Gesang.

[1] Vers 28.

Die Veste _Mödling_, deren Ruinen über dem Städtchen gleiches Nahmens, nicht fern von Wien, in dem Brühler Thal zu sehen sind, war das Eigenthum mehrerer Fürsten eines Zweigs des babenbergischen Herrscherstammes, die sich Herzoge von Modeling nannten, und das zuletzt auch Gertrud, die Tochter Heinrichs, Herzogs von Mödling, und Bruders Friedrichs des Streitbaren, zu ihrem Antheil erhielt, nachdem ihr Gatte, Herman, Markgraf von Baden, gestorben war.

[2] Vers 35.

In einem eng umschlossenen Thal', am Fuße des Tannberges, welches der Sattelbach durckfließt, stiftete Leopold der Heilige im Jahr 1135 das Cisterzienser-Kloster Heiligen-Kreuz, welches nebst andern merkwürdigen Grabmäälern im Kreuzgang auch jenes von Friedrich dem Streitbaren, letzten Sprossen des babenbergischen Stammes, zur Schau stellt.

[3] Vers 91.

Ueber _Jacob Müllers_, des Zürcher Kriegers, _lustige Mähre_ siehe +_Alb. Argent. Cap._ 18+ und _Fuggers Spiegel der Ehren des Erzhauses Oestreich_. Nürnberg, 1668, erstes Buch 7. Cap. S. 66.

[4] Vers 110.

Der _Traisen_-Fluß in Unteröstreich, der bei Traisenmauer in die Donau fällt, entspringt hinter der Lilienfelder Alpenkette aus dem sogenannten Traisenberg, und ergießt sich in zwei Bächen, wovon der eine hinter Tirnitz aus der Süd- und der andere hinter Hohenberg aus der Nordseite des Berges hervordringt, so, daß beide erst oberhalb Lilienfeld sich wieder vereinigen, und die eigentliche Traisen bilden. Wechselweise wird der eine, und der andere Arm die _unechte Traisen_ genannt, je nachdem der Bewohner des einen und des andern Bezirks Kunde darüber geben soll.

[5] Vers 115.

_Lilienfeld_, das Cisterzienserkloster in Unteröstreich, welches am Fuße der Alpen, in einem der reizendsten Thäler, nicht weit von der, auf der Hauptstraße nach Wien liegenden Stadt St. Pölten entfernt liegt, wurde durch den babenbergischen Leopold den Glorreichen, Herzog von Oestreich, im Jahr 1202 gestiftet, erhielt, wie schon weiter oben im Gedichte gesagt wird, die ersten Mitglieder aus dem Kloster Heiligen-Kreuz, und besteht nun schon 640 Jahre. In dieses Kloster trat der Dichter Rudolphs von Habsburg, in seinem zwanzigsten Lebensjahre, im Jahre 1792, und hatte ihm gegen 28 Jahre lang angehört, nach welchen er zu höhern Stellen berufen ward; es ist ihm daher wohl zu guten zu halten, daß er es zu einem der Schauplätze seines Gedichtes gewählt, und mit besonderer Liebe und Ortskenntniß beschrieben hat.

[6] Vers 171.

Ob Rudolph vor, oder während der Schlacht das Gelübde gemacht habe: so er den Sieg gewänne, ein Kloster zu Ehren des heil. Kreuzes zu erbauen, ist aus den vorhandenen Nachrichten nicht völlig erweisbar. So viel ist gewiß, daß er, nach jenem erhaltenen Sieg über seinen Gegner, das adelige Frauenkloster zu Tuln, zu Ehren des heil. Kreuzes erbaut, und auch seine, und seiner Gemahlinn aus Stein gehauene Statuen dahin geschenkt habe, die leider zur Zeit der Aufhebung desselben, auf eine unverantwortliche Weise, vernichtet worden sind!

[7] Vers 176.

Die hier bezeichneten Fürsten sind: Albrecht I., Friedrich der Schöne, Maximilian I., Carl V., Maria Theresia, Joseph II., Leopold II., Franz I.

[8] Vers 320.

Nach Fugger geschah diese Handlung zu Mainz, als Kaiser Rudolph das Reich bereisete, im Jahr 1273. (_Siehe Spiegel der Ehren_. S. 84.)

[9] Vers 372.