Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848

Part 9

Chapter 93,604 wordsPublic domain

Da über Tag die Hitze sehr groß ist, so steigen aus dem Meere, das die Halbinsel auf allen Seiten umfluthet, viele Dünste auf, da aber die Abkühlung des Nachts wieder desto stärker ist und oft einen Unterschied von 30° mit dem Maximum der Tageswärme bildet, so fällt jede Nacht ein starker Thau, der durch die Gereibselmassen, die einen großen Theil der Halbinsel bilden und die durch die zerspaltenen Felsen hindurchsickern und sich in ~der~ Tiefe, in welcher er auf ~un~durchklüftete Felslagen stößt, zu Wasser anhäufen muß. Dazu kommt noch, daß, nach ~Malcolmson's~ eignem Bericht, die Luft von October bis März, während des Nord-Ost-Musson's, feucht ist, daß die Berggipfel alsdann oft in Wolken gehüllt sind, ja, daß es in den Monaten November, Januar und Februar zuweilen regnet. -- Es entsteht nun die Frage, ob diese atmosphärische Feuchtigkeit, die in einer Ausdehnung von 1-1/2 Stunden lang und 3/4 Stunden oder mehr breit, auf zum Theil 1660 Fuß hohen Gebirgen niedergeschlagen wird, allein nicht hinreichend geachtet werden kann, um jene Brunnen, die in dem tiefsten Innern der Insel, -- dem Kesselthale -- liegen, mit Wasser zu speisen? -- und ob sich das stets gleiche Niveau dieser Brunnen nicht sehr natürlich erkläre dadurch, daß sie, ~oberhalb~ einer undurchdringlichen Felssohle, etwa einer Lavabank (bis auf welche sie reichen), alle mit einander in Verbindung stehen, weil sie sich in einem lockern Sand- und Gereibselboden befinden, der vom Wasser wie ein Sieb durchdringbar ist? --

Was den ~geologischen Bau~ von Aden betrifft, so stimmen über die Zusammensetzung der Insel aus vulkanischen Gesteinen die Beobachtungen der englischen Forscher mit den meinigen überein. -- Das Kesselthal aber, worin die Stadt liegt, wird von ihnen ~ein erloschener Krater~ und die ganze Halbinsel ~ein ehemaliger, submariner Vulkan~ genannt, -- eine Ansicht, womit ich mich nicht vereinigen kann. Jener Thalgrund hat allerdings eine Trog- oder Kesselform und die Gehänge, die ihn umringen, sind an vielen Seiten, besonders auf der Westseite, wandartig steil; aber 1) bilden die Bergjöche, denen diese Wände angehören, nach außen zu, auf ihrer vom Kesselthale abgewendeten Seite eben so steile Wände; 2) andre, vom Thale entfernte Jöche auf Aden sind eben so steil und mauerartig; 3) nicht nur die benachbarte kleine Halbinsel Hasan, die dem Eingange der Back-Bai gegenüber liegt, sondern auch manche Bergjöche auf der Insel Socotora und fast alle Bergketten, die ich auf den Küsten von Arabien gesehen habe, haben vollkommen dieselbe schmale, auf ihrem Kamme ausgezackt-zerrissene und an den Seiten wandartig steile Form, wodurch man sie als plutonisch-vulkanische Gebilde, die gangförmig aus der Erde stiegen, auf den ersten Blick von den Flötz- oder geschichteten Gebirgsmassen unterscheiden kann. Jene bilden aufrecht stehende zackige Kämme, diese liegende Bänke oder Schollen. Man vergleiche die Figuren 11, 12, 15 und 16 mit 13 und 14, auf welchen dieser Unterschied in die Augen fällt. 4) Die Inseln des rothen Meeres, die ganz in der Nähe liegen und die ~bestimmt~ Vulkane sind, haben eine ganz andere, kegelförmige und geglättete Gestalt. Siehe Fig. 7, 8, 9 und 10. 5) In andern Welttheilen habe ich freilich keine Krater gesehen, aber auf Java und Sumatra ein halbes Hundert. So groß die Verschiedenheit dieser auch ist, man möge nun einige davon als Erhebungs- oder, wie ich thue, ~alle~ als Ausbruchskrater betrachten, so stimmen sie doch sämmtlich darin überein, daß die Gesteinschichten, bald feste Lava, bald lockere Gereibselmassen, aus denen ihre Umgebung besteht, von allen Seiten her nach einem idealen Mittelpunkte zu ansteigen und sich dann plötzlich endigen und eben dadurch den Krater, nämlich die Kreismauer des Kesselthales bilden, das man Krater nennt. Die abgebrochenen Köpfe erkennt man dann an der Mauer als quere, parallele, oft treppenartig vorspringende Streifen oder Bänder. Von einer solchen Bauart habe ich an den Wänden, welche das Kesselthal von Aden umringen, keine Spur gesehen. Ich sah nur leistenförmige Bergkämme, Jöche, die, als senkrecht emporgestiegene Gebirgsgänge, von ~beiden~ Seiten steil sind, die sich hier und da gitterartig verzweigen und durch ihre Aneinanderreihung unter andern ein trogförmiges Thal -- das Thal von Aden -- umschließen.

Auch hat ~Malcolmson~ wohl nicht daran gedacht, daß seine Hypothese über den Zufluß des Wassers auf unterirdischen Wegen aus den Tagereisen weit entfernten Gebirgen Jemen's oder Hadhramaut's, um die Brunnen im Kesselthale mit Wasser zu versehen, eine Unmöglichkeit sein würde, wenn der Grund, worauf die Stadt Aden steht, der Kraterboden eines ehemaligen Vulkans wäre!

Ich erkletterte am 5ten früh, um Abschied von der wüsten Halbinsel zu nehmen, noch eines ihrer höchsten Jöche. Ich übersah von dort den größten Theil der Gebirge in ihrer ganzen schauderhaften Wildheit. Übrigens, so imposant sie sich auch darstellten, so sind sie in der That doch nur winzig klein in Vergleich mit den Dimensionen der meisten Berge auf den Sunda-Inseln und es schien mir, daß es der gänzliche Mangel von höhern Bergen in der Umgegend, nebst der völligen Abwesenheit von Bäumen (also jeden Maßstabes zur Beurtheilung) war, der ihre Höhe Eindruck weckend machte. Denn wenn man nur 12 Rasamalabäume[27] von Java an den steilen Wänden übereinander stellte, so würde der oberste von diesen schon höher sein, als die höchste Zacke des Schamshan. Ja, so respectabel die Gebirgsmasse zwischen den beiden Meeresbusen in Ost und West aussah, so wahr ist es doch, daß man die ganze Halbinsel Aden, mit Allem, was sie trägt, in manche von den Kratern Java's, z. B. in den Kratern des Berges Raon oder des T[)e]ngg[)e]r bequem würde hineinstecken und darin verbergen können, ohne daß auch nur die Spitze ihres höchsten Gipfels Schamshan daraus hervorragte! -- Hat doch der Boden des Kraters vom Gunung-T[)e]ngg[)e]r auf Java eine geograph. Meile im Durchmesser und ist von einer 1000--1700 Fuß hohen Ringmauer umzogen, -- und ist der des Gunung-Raon doch über 2000 Fuß tief,[28] während der größte Durchmesser der Halbinsel Aden von Ost-Süd-Ost nach West-Nord-West nach ~Forster~ nur 1--1-1/2 Stunden beträgt! --

Ich sagte der wüsten Halbinsel Lebewohl und zwar gern; denn neben ihr stiegen jene herrlichen Gebirge Java's in meiner Phantasie empor, als wollten sie fragen, wo in der Welt findet man eine so großartige und doch so wunderschöne, grünende und ewig blühende Natur, als bei uns? -- Die Antwort war: vielleicht nirgends, ~hier~ aber den Gegensatz.

Wir lichteten am 5ten October des Morgens um 8 Uhr die Anker, richteten unsern Cours nach West-Süd-West und dampften zwischen der Westspitze von Aden (Ras Marbut), auf welcher jenes detachirte Fort steht, in Süden und der gebirgigen Halbinsel (Dschebel Hasan) in Norden, zum Eingange der Back-Bai hinaus. Wir ließen dieses Halbinsel-Gebirge also zur Rechten liegen und erblickten bald darauf, weiter westwärts, noch ein ähnliches, aber kleineres felsiges Vorgebirge (Ras Amran), das sich eben so isolirt aus flachen, sandigen Umgebungen erhob und sahen dann, indem wir in einem Abstande von drei bis vier englischen Meilen der Küste Arabien's entlang fuhren, nichts, wie das ~falbe~ Kolorit eines niedrigen, flachen Sandgestades, dessen Einförmigkeit wir nur um 1-1/2 Uhr durch einige isolirte Hügel unterbrochen fanden, die nur an ihren Gipfeln dunkler, als der Sand gefärbt waren, wahrscheinlich weil nur diese aus den bedeckenden Sandmassen hervorragten. Dann kam wieder flaches Sandland, das jedoch etwas höher lag, als die vorige Sandebene und etwa, wie uns schien, 50 Fuß hoch liegen mochte, -- und erst um 2 Uhr, zur Zeit, als wir unsern west-süd-westlichen Cours in west-halb-nördlichen veränderten, stellten sich auf der Küste, die stets auf unsrer (rechten) Nordseite liegen blieb, wieder Gebirge unsern Blicken dar. Es waren langgezogene Felsenketten, Dschebel Khoran u. A., von derselben umbragrauen Farbe und demselben zackig-rauhen Saume, wie alle, die wir bis jetzt auf Socotora und in Arabien gesehen hatten. Hinter den vordern, küstennächsten Zügen erhoben sich noch mehre höhere Ketten, die, immer blässer werdend, tiefer im Innern des Landes lagen, sich jedoch nicht sehr weit von der Küste zu entfernen schienen, mit welcher sie alle parallel, von Ost nach West strichen.

Dieser Theil Arabien's ist also keine ~flache~ Wüste, kein einförmiges Flachland, sondern ein gestaltenreiches Land mit Gebirgszügen und mehr oder weniger hohen Zwischenthälern und Zwischenflächen, ein Land, das, hätte es vegetabilisches Leben, zu den schönsten gehören könnte; -- aber, so wie es daliegt, von aller Dammerde, von allem Pflanzenwuchse entblößt, in den Gebirgen nur nackter Fels und in den Ebenen nur nackter Sand, von keinem Grashalm geschmückt, kann man es nur eine traurige Einöde nennen.

Wenn man nach den Ursachen der Kahlheit des Landes und der Trockenheit der ewig heitern Luft forscht, -- nach zwei Erscheinungen, die ohne Zweifel einen gegenseitigen Einfluß auf einander ausüben, so entsteht die Frage, welche von beiden ist die Ursache der andern, welche war die ~erst~ vorhandene Erscheinung und welche ist die Folge, die Wirkung von dieser? -- eine Frage, die nur auf den ersten Blick schwer zu beantworten scheint, übrigens der Lösung fähig ist. Denn, ~wenn~ der Boden mit fruchtbaren Erdschichten und Wäldern, die auf diesem ruhn, bedeckt wäre, so könnte die Luft so trocken nicht sein, es würden sich Wolken bilden, Regen würde fallen, und Bäche würden das Land durchströmen; -- und ~wenn~ jeden Tag erquickende Regen in die Sandwüsten von Arabien und Afrika herabfielen, so würde der nackte Sand und Fels bald verwittern und sich allmählig mit Wäldern schmücken. -- Also muß die Nacktheit des Bodens die zuerst vorhandene Erscheinung gewesen sein, obgleich es nicht zu verkennen ist, daß die ~dadurch einmal bedingte~ Trockenheit der Luft den Boden, vielleicht noch für Tausende von Jahren, -- verurtheilt, in dem Zustande, worin er ist, zu verbleiben.

Da man selbst in den Wüsten Egypten's fossile Baumstämme von großer Dicke, also den Beweis des ehemaligen Vorhandenseins von Wäldern findet, so ist es offenbar, daß diese Gegenden von Arabien und Afrika erst durch irgend eine Naturrevolution ihrer Pflanzendecke beraubt und in Sandwüsten verwandelt wurden, deren Erhitzung nun, durch aufsteigende vertikale Luftströme, alles vorüberziehende Gewölk verscheucht.

Um 3 Uhr traten in weiterer Entfernung von diesen Küstenketten innere, tiefer im Lande gelegene Ketten hervor, -- die Küstenkette aber ~endigte~ sich und das zunächst an's Meer gränzende Land wurde nun wieder eine flache Sandwüste, die mehre englische Meilen breit zu sein schien und die in manchen Gegenden mit einzelnen dunkeln Tüpfelchen besetzt war. Ob dies Sträucher waren? -- Um 4 Uhr aber, -- während wir fortwährend an der Küste hin nach West dampften, -- erhob sich wieder ein niedriger, auf seinem Kamme, wie gewöhnlich, ausgezackter Bergzug, der der Küste näher lag und etwa nur eine englische Meile von ihr entfernt sein mochte, und hinter dem vordern blieben, wie seit 2 Uhr der Fall gewesen war, die innern Züge sichtbar in doppelten, ja drei- und vierfachen Reihen, die alle von Ost nach West strichen. Erst der fallende Abend entzog uns den wechselnden Anblick dieser abgebrochenen, am Gestade bald verschwindenden, bald wieder auftretenden, doch im Innern stets sichtbar bleibenden, uns also bald näher, bald ferner liegenden, gleichsam alternirenden Parallelketten.

Wir sahen Nichts vom letzten, westlichsten Kap und Gebirge der Südküste Arabien's, eben so wenig, als von der Insel Perim, die in der Straße liegt, -- denn wir dampften ~im Dunkeln~ durch den so berüchtigten Eingang in's rothe Meer, den unser Schiffsführer übrigens doch nicht für so sehr gefährlich halten mochte, da er es wagte, mitten in der Nacht durch »das Thor der Trauer«, durch »die Pforte der Gefahr« ~Bab el Mandeb~[29] zu schiffen! -- Kaum die näher liegenden Küstenberge und Inseln vermochten wir als schwarze Schattenrisse zu erkennen. -- Auch von der Stadt Mochha, an der wir vorbeikamen, sahen wir Nichts. --

Als am folgenden Morgen (6ten October) der Tag zu grauen anfing, lag die gebirgige Küste Arabien's zu unsrer Rechten, ostwärts von uns, in undeutlicher Ferne, -- links aber, in Westen, lagen in großer Nähe eine Menge großer, kleiner und sehr kleiner, meist kegelförmiger Inseln, die »Harnish Islands«,[30] deren meisten wir schon vorbeigesegelt waren, da wir sie hinter uns erblickten. Wir dampften nach Norden.

Kurz vor 7 Uhr befanden wir uns dem südlichen Ende einer größern Insel, Dschebel Zoogur (¿dsh-b-l l-gh-w-r¿), unter 14° n. Br. gegenüber, die zu unsrer Linken liegen blieb (s. Fig. 7). -- Wir brauchten mehr als eine halbe Stunde Zeit, um an der östlichen Seite der Insel vorbei zu dampfen. Ihre Länge konnte mehr als eine Stunde betragen. Sie war mäßig hoch und unterschied sich von allen Gebirgen, die wir auf dem Festlande von Arabien, so wie auf Socotora gesehen hatten, durch ihren zwar ungleich hohen, aber nicht ausgezackten Saum und durch die auffallend glatte Oberfläche ihrer Böschung, die sich auch ungleich sanfter, als die der Bergketten auf Aden herabsenkte. Übrigens war ihre umbragraue Farbe dieselbe, wie die der früher gesehenen Berge und war nur an einzelnen Stellen mit etwas Bräunlich-roth oder mit einem hellern Grau nüancirt. Nur vereinzelt in einigen Gegenden des Strandes bemerkt man gelbliche, falbe Sandstreifen. -- Sie mußte offenbar ein ~Vulkan~ sein und die Gleichmäßigkeit ihrer Seitengehänge durch Überschütten mit Sand oder Überströmen mit Lava erhalten haben. Ein kleiner Kegel erhob sich auf ihrem linken Saume; er war glatt und dunkler gefärbt, als der Abhang, der sich vor ihm hinzog; außerdem aber sahen wir noch einen andern stumpf-abgestutzten, konischen Hügel, der mitten auf dem Gehänge der Berginsel auftauchte und der nebst dem vorigen nichts Andres, als ein seitlich aufgeworfener ~Eruptionskegel~ sein kann. Man sah, wie die Lava- oder Trümmerströme vom höher gelegenen Rande der Insel herab- und so recht um diesen Kegel herumgeflossen waren (vergleiche Fig. 7). Vegetation konnten wir nirgends entdecken.

* * * * *

Am Nordende dieser größern lagen vier kleinere Inseln. Eine »High Island« direkt in Norden und drei neben einander »Aboo Eyle Islands« (auf der oben genannten Karte) in Nord-Ost derselben. -- Diesen letztern kamen wir um 7-1/2 Uhr so nahe vorbei, daß wir einen Stein darauf hätten werfen können. Es waren kolossale Felsen, die ohne eine Spur von Strand, mit mauerartigen Wänden, ~senkrecht~ aus dem Meere emporstiegen und sich oben in eine quer-abgestutzte Plattform endigten. Sie waren vollkommen kahl. Ihre Farbe war, abweichend von allen zeither gesehenen Bergen und Inseln, ein gelbliches ~Weiß~, das besonders auf ihrem Scheitel vorherrschte und sich von da an den Wänden herabzog, wo es mit einem hellen, gelblich-röthlichen ~Braun~ melirt war. Hier und da ging das Weiß in eine dunkle Schattirung über, etwa so, als wenn es angeraucht und von Kohlendampf geschwärzt worden wäre. -- So gewährten diese Felsen, die wie Thürme, wie alte Schlösser da im Wasser standen, mit der weißen Farbe ihrer obern Gegenden, besonders ihrer Scheitelflächen, einen sonderbaren Anblick, boten uns aber auch zu gleicher Zeit die Erklärung ihrer bleichen Schminke an. Denn, auf dem Weiß der Felsen malten sich die Gestalten von einer großen Menge schwarzer Seevögel ab, die nur auf der untern Fläche der Flügel, dem Bauche und dem Schnabel weiß gefärbt waren und die das Gestein, worauf sie nisteten, ohne Zweifel durch ihren Koth so weiß übertüncht hatten. Hunderttausende dieser Vögel saßen auf den Inseln oder flogen um sie herum und ungeheure Schwärme derselben umflatterten auch unser Schiff, das, schnell dahin brausend, seine Rauchsäule an den Felswänden streifen ließ. --

Seit dieser Zeit, 7-1/2 Uhr, sahen wir bis in den Nachmittag kein Land und fuhren durch einen Theil des rothen Meeres, wo im Bereiche unsres Gesichtskreises keine Inseln lagen.

Erst um 3 Uhr erschienen vorn, vor unserm Schiff, in der Ferne wieder Gestalten von Land, die aus dem Meere auftauchten und diese Gestalten waren von der Art, daß sie meine Aufmerksamkeit in hohem Maße erweckten. Es waren inselförmige Vulkane, deren Anblick mir um so willkommner war, je sehnlicher ich wünschte, auch einige Vulkane in andern Weltgegenden kennen zu lernen, nachdem ich deren auf der Insel Java so viele untersucht hatte.

Ich legte daher Bleistift und Papier zurecht, um beim Näherkommen sie alle abzeichnen zu können. Die Profilzeichnungen, die ich davon entwarf, theile ich dem Leser mit und glaube dies mit der Versicherung thun zu können, daß ungeachtet des beweglichen Standpunktes, auf dem Schiffe, von wo aus sie genommen werden mußten, diese Profile, mit einiger Übung, ~schnell~, -- ehe die Berge dem vorbeieilenden Schiffe wieder eine andre Seite zukehren und dadurch ihre Form verändern konnten, -- gemacht, in ihren Umrissen getreu und genau sind. Wir fuhren mit nord-nord-westlichem Cours an ihrer Ostseite vorbei, die Inseln also blieben zu unsrer Linken liegen. Das erste Profil, Fig. 8, wurde um 3-1/2 Uhr gezeichnet, als der Kegel Nr. 1 west-süd-westwärts von uns lag und die übrigen Kegel und Felsinseln Nr. 2 bis Nr. 10, West bis Nord-West von unserm Schiffe, die Lage und den Abstand von einander hatten, welche ich auf der Figur dargestellt habe. Man sieht daher von Nr. 1 die Ost-Nord-Ost- und von den folgenden die Ost-, Ost-Süd-Ost- und Süd-Ostseiten. -- Wahrscheinlich ist Nr. 1 eine kleine, abgesonderte Insel auf der Süd-Westseite der größern Sebair-Inseln, -- Zebayer Islands, (¿z-b-r¿) auf ~Moresby's~ Karte, -- welcher letztern die Kegel 2, 3 u. 4 angehören. Den Namen von 5 konnte ich nicht erfahren. Nr. 6, 7, 8 und 9 aber sind ohne Zweifel die Gruppe von Inseln, welche auf der genannten Karte unter den Namen Low-, Saddle-, Table- und Rugged-Insel verzeichnet stehn, und der Table-peak ist wahrscheinlich unser 8, -- Rugged-Island unser 9 -- Haycock-Island unser 10. -- Sie liegen unter 15° 1' bis 15° 10' nördl. Breite, der arabischen Küste viel näher, als der egyptischen. -- Diejenigen Leser, welche in vulkanischen Ländern nicht unbekannt sind, werden hier auf den ersten Blick erkennen, daß die kleinen Kegel, welche man auf Fig. 8 erblickt und wovon einige isolirte Inseln für sich selbst bilden, während andre sich zu zwei oder drei in eine gemeinschaftliche Insel zusammenschaaren, daß diese Kegel ~echte Vulkane~, wenn auch zum Theil nur die aus dem Meere hervorragenden obersten Spitzen oder Kraterränder von größern, unter dem Wasser verborgenen, vulkanischen Kegeln sind.

Sie unterscheiden sich von den Vulkanen Java's durch die ~schnurgeraden~, wie mit einem Lineale hingezogenen Linien ihrer Umrisse (die Linien, welche das Profil ihrer körperlichen Gestalt ausdrücken), -- durch die ~scharfen~ Ecken, worin diese Linien, z. B. die Linie des abgestutzten Gipfels und die Seitenlinien zusammenlaufen und durch die ~glatte~ Beschaffenheit ihrer Gehänge, an denen sich von der Hälfte ihrer Höhe an nur ganz kleine, feine Furchen herabziehn, während die Gipfel vollkommen glatt sind. -- Eigenthümlich ist die schiefe Gipfellinie von Nr. 1 und Nr. 10 auf Fig. 8 und von Nr. 9 auf Fig. 10, die man dennoch durch den geringen Grad ihrer Neigung deutlich vom eigentlichen ~Gehänge~, das unter einem größern Winkel fällt, unterscheiden kann, -- und eigenthümlich geformt ist auch der ~Fuß~ dieser Kegel. Denn nachdem sich das Gehänge derselben anfangs mäßig steil und ~gleichmäßig~ bis nahe an's Meer herabzog, so endigt es sich in einer gewissen, doch nicht bedeutenden Höhe über dem Meeresspiegel plötzlich und stürzt sich von diesem Punkte an, indem es glatte Mauern bildet, ~völlig senkrecht~ hinab. Nirgends sieht man an den Seitengehängen der Kegel hervortretende Rippen, noch Zwischenklüfte (sogenannte Baranko's) zwischen solchen Rippen. In dieser Regelmäßigkeit, ich möchte sagen, geometrischen Schärfe oder Bestimmtheit ihrer Form, die das Resultat ist von ~allein~ herrschenden und hier nicht, wie auf Java, durch die Wirkung von Regenwasser gestörten vulkanischen Kräften, bieten sie einen höchst merkwürdigen -- scharfeckigen -- Anblick dar, der durch die gänzliche Abwesenheit von Pflanzenwuchs noch bizarrer wird. Sie machen uns mit der reinen, ~nackten~ Form vulkanischer Ausbruchskegel bekannt, so wie sich diese durch Überströmen von Lava oder Überschütten mit Sand, von einem Mittelpunkt aus, gestalten müssen, da, wo die ausspülende, furchende und mannichfach umgestaltende Kraft des Regenwassers fehlt. -- Im Kolorit unterscheiden sie sich nicht von den früher gesehenen Bergen Arabien's, sie sind, wie diese, umbragrau, öde und kahl. -- Es ist offenbar, daß die queren oder schiefen Gipfellinien der Kegel Nr. 1, 2 und 3 die Ränder von eben so vielen Kratern sind, welche dahinter liegen und noch augenscheinlicher ist dies bei Nr. 5 der Fall.

Um 3-3/4 Uhr kamen wir bei einer ganz kleinen und platten Felsinsel vorbei, deren Oberfläche kaum zwei Fuß über dem Wasser lag, so daß ich sie anfangs für ein schwimmendes Floß hielt. Des Nachts hätten wir sie unmöglich sehen können.

Um 4-1/4 Uhr waren wir, indem wir nord-nord-westwärts dahin dampften, den Inseln Nr. 6, 7 und 8 näher gekommen, die in Fig. 8 um 3-1/2 Uhr abgebildet wurden, welche wir nun aber in einer veränderten Richtung, nämlich so erblickten, wie ich sie in Fig. 9 dargestellt habe; -- und noch etwas später, um 4-1/2 Uhr, erblickten wir die Insel Nr. 9, die viel weiter entfernt lag, als 7 und 8, so wie sie in Fig. 10 abgebildet ist. Die Sonne stand hinter den Inseln, deren von uns gesehene Ostseite also sehr dunkel war und sich scharf am Himmel abzeichnete.

Diese drei so sonderbar gestalteten, fast rhombischen Felsinseln 7, 8 und 9, die unzugänglich-steil, wie Mauern aus dem Meere emportauchen, haben eine solche gegenseitige Stellung, daß, wenn man sie durch Linien verbindet, ein Dreieck entsteht und Nr. 8, der Table-peak, am weitesten nach Osten, in der Ostecke des Dreiecks, liegt. -- Nr. 9, »Rugged-Island« nebst den übrigen, liegen westlicher. Diejenigen ihrer Seiten, welche von der Mitte dieses Dreiecks abgewendet sind, ihre Außengehänge, fallen etwas sanfter, ihre innern, der Mitte des Dreiecks zugekehrten Seiten aber stürzen sich mauerartig steil, fast ganz senkrecht in's Meer hinab und bilden mehr oder weniger halbkreisförmige (concave) Wände, die einander entgegenblicken (vergl. die innere Wand × von Nr. 7 auf Fig. 9). Sie scheinen also die höchsten, aus dem Meere hervorragenden Zacken der Kratermauer eines großen Vulkan's zu sein. Der innere Meeresraum, der zwischen ihnen bleibt, mag vier oder fünf englische Meilen im Durchmesser haben, während der Abstand der drei Bruchstücke (Inseln) von einander von ungleicher Länge ist, doch von Nr. 7 und von Nr. 8 bis zu Nr. 9 nicht weniger, als zwei bis drei englische Meilen betragen kann.

Ich glaubte in diesen drei Felsinseln einen sehr ausgebreiteten, noch halb unter dem Meere verborgen liegenden, zur Zeit nicht thätigen Ausbruchskrater zu erkennen, eine ähnliche Erscheinung, wie die Insel Santorin im griechischen Archipel, obgleich diese als »Erhebungskrater« beschrieben wird. Nachher kamen wir noch mehren Felsen vorbei, -- ganz kleinen Bergspitzen, die aus dem Meere ragten, -- bis die fallende Nacht ihren Vorhang vor der Schaubühne des heutigen Tages fallen ließ.