Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848

Part 6

Chapter 63,564 wordsPublic domain

Vorherrschende ~Quarz~trümmer und ~Quarz~sand sind für viele Gegenden von Ceylon bezeichnend und bedingen die Production der feineren Arten von Zimmt. -- Regen fällt auf Ceylon fast das ganze Jahr hindurch gleichmäßig vertheilt und unabhängig von den Mussonwinden, die vom Mai bis Anfang November (während bei nördlicher Declination der Sonne die Temperatur von Asien größer ist, als die des Ocean's) aus ~Süd-West~ und von November bis März (während bei südlicher Declination die Wärme des Ocean's und Südafrika's größer ist, als die Asien's) aus ~Nord-Ost~ wehen.

Eine große Plage für den Menschen haben die Gebirgswälder Ceylon's mit denen Java's, Sumatra's, Dekan's und Hinter-Indien's gemein, nämlich die kleinen Springblutegel (_Hirudo ceylanica ¡Blainville¡, dict. des sc. nat. t. 47, p. 271_), die nebst den Mosquiten auf Java und besonders auf Sumatra mich oftmals mehr der Verzweiflung nahe brachten, als alle Elephanten, Tiger, Rhinocerosse, wilde Stiere und andre große Thiere der Wildniß zusammengenommen zu thun im Stande waren. Man lese hierüber beliebig nach _J. ~Davy~, l. c., p. 102, tab. II, fig. 4. -- ~Leschenault de la Tour~, Relation abregée d'un voyage aux Indes Orient., im Mém. du Museum d'hist. nat. Paris, 1822. t. X. p. 268._

* * * * *

Den 23sten Sept. Wir hatten auf unsrer heutigen Fahrt durch das indische Meer trübes Wetter und öfteren feinen Regen. -- Unser Cours war West zu Nord und der Wind blies aus West-Süd-West bis zu Süd-West. --

Des Abends wurde der Wind stärker, der Himmel wurde heiter, alle Sterne funkelten -- und nun bot uns das Meer ein wundervolles Schauspiel!

Der Mond schien auf die Wasserfläche herab, auf welcher wir Nichts würden haben unterscheiden können, wenn nicht der Schaum, und ~nur~ der Schaum hell und weiß wie Schnee gewesen wäre. Das ganze Meer sah ~pechschwarz~ aus, war aber bedeckt von unzähligen, weiß-leuchtenden Streifen, wie mit erhellten Kähnen oder länglichen Laternen, die darauf schwammen und die nach dem Horizonte zu an das nächtliche Bild einer großen Stadt mit ihren Lichtern erinnerte, wenn man diese von einer Rhede aus erblickt. -- Also Millionen streifenförmiger, ~schnee~heller Fackeln, die auf einem pechschwarzen Meere schwammen -- welcher Anblick!

Vorn am Bugspriet flogen Wolken von Lichtschaum halb kreisend, zur Seite -- und am Ruderkasten war das schäumende Wasser so hell, daß ein Lichtschein aus dem Meere heraufgeworfen wurde und die eine Seite des Bootes, das zur Seite des Schiffes hing, erhellte, gleichsam als wenn der Mondschein aus den Wellen heraufschiene, -- aber außer dem Schaume leuchtete ~Nichts~ und nirgends konnte man helle Körper, nirgends Funken entdecken, die man in andern Nächten oftmals durch das Wasser blitzen sieht; -- hinter den Räderkasten, zur Seite des Schiffes glühte ein ~schnee~weißes Feuer, ein Feuer, das nur wenig in's Grünlich-Blaue überging, etwa so, wenn man ein helles Licht durch eine Eisscholle scheinen läßt, -- von da kräuselte das bewegte Wasser in Ringen und Streifen weiter, vereinigte sich hinter dem Schiff mit dem der andern Seite und bildete dann noch weit, weit hinaus hinter unserm Dampfer, der schnell vorwärts eilte, einen langen, so hell wie Schnee glänzenden, aber von vielen pechschwarzen Flecken unterbrochenen Schweif -- gleichsam eine Milchstraße, deren Sternenschimmer von schwarzen, leeren Räumen, durch welche man in die unendliche Tiefe hinaus oder hinab blickt, unterbrochen ist, -- und rund um diesen Schweif hinter dem Schiffe und dem Lichtsaum zur Seite desselben, umgaukelten und umflimmerten uns noch, bis an den fernsten Horizont jene Millionen von schwimmenden Laternen! -- Es war unbeschreiblich schön und eigenthümlich.

So fuhren wir die ganze Nacht lang dahin durch ein Meer von Licht, das seinen anfänglichen schneeweißen, nur wenig in's Eisgrüne übergehenden Schein gegen Mitternacht in einen weiß-gelblichen veränderte.

Diese Erscheinung des weißleuchtenden Schaumes wiederholte sich nur noch Einmal in der folgenden Nacht (von dem 24sten zum 25sten) nach 12 Uhr, aber nicht so lebhaft, wie den 23sten und wurde nachher von uns nicht mehr gesehn.

Wir schifften nun vom 25sten Sept. an noch neun Tage lang durch das indische Meer und kamen erst in der Nacht vom 3ten October, also nach einer Fahrt von elf vollen Tagen und sechs Stunden seit unserer Abfahrt von Point de Galle auf der Rhede von Aden an. Unser Cours war während dieser Zeit bis nach Aden fast anhaltend West zu Nord, -- der Wind war Anfangs West und West-Nord-West und erst seit dem 29sten, als wir uns dem Zwischenraume zwischen Arabien und der Insel Socotora näherten, vorherrschend Süd-Süd-West oder Süd-West, er wurde aber immer schwächer, je näher wir dem Lande kamen, -- das Meer immer stiller, spiegelglatter, -- das Wetter heitrer, ich möchte sagen ~egyptischer~, -- die Wärme aber auch immer drückender. Im rothen Meere war unser Cours bis Suez fast anhaltend Nord-Nord-West, auch herrschten dort nord-westliche, sehr schwache, Winde vor. -- Je näher wir der Küste von Arabien kamen, um so mehr verschwanden auch die kleinsten Wölkchen aus der Luft, und der feine Regenschauer am 23sten war die letzte atmosphärische Feuchtigkeit, die wir auf dieser Reise sahen. Von diesem Tage an sah ich in der indischen See, zu Aden, auf dem rothen Meere und in Egypten dreißig Tage lang keinen Regentropfen mehr, kein Wölkchen mehr am stets heitern Himmel und erst am 24sten October, als ich im mittelländischen Meere war, sah ich wieder Wolken, die sich in einer langen Reihe an den Gebirgszügen der Insel Candia, dem alten Kreta, bei übrigens heitrer Luft, gelagert hatten.

Unser Schiff glitt auf dem indischen und rothen Meere so gleichmäßig, so gestadig dahin, daß man, auf der Mitte des Verdeckes sitzend oder stehend, nicht mehr glaubte, sich auf einem schwimmenden Körper zu befinden; das Schiff schien fest zu liegen. -- Aber noch nirgends, und am allerwenigsten unter dem Äquator (auf Sumatra, Java), hatte ich eine so drückende Hitze ausgestanden, so ohne alle Erfrischung und Abkühlung, als unter diesen nördlichen Breiten vom 15ten bis zum 30sten Grade auf dem ~rothen Meere~.

Nach diesen, meist klimatographischen Bemerkungen, die ich vorausgeschickt habe, weil sie für die weite Landstrecke von Socotora bis Alexandria von ~allgemeiner~ Gültigkeit sind, verfolgen wir unsre Reise und kehren auf unser Schiff zurück.

Wir hatten auf dieser Fahrt seit dem 22sten Sept., an welchem Tage wir Ceylon verließen, um nach Arabien zu schiffen, kein Land mehr erblickt, und bekamen zuerst wieder etwas Festes, Trocknes zu sehen, als am 3ten October, des Mittags um 1 Uhr die Insel Socotora vor uns aus dem Meere auftauchte.

Fußnoten:

[1] Diese Überfahrt wird Beamten und andern Personen, die dazu empfohlen sind, vom Commandanten der Seemacht natürlich gratis zugestanden, so daß die Passagiere, denen die Offiziere erlauben, an ihrer Tafel Theil zu nehmen, nur 5 Fl. täglich in die Kasse der Menage zu zahlen haben. -- Ich fand an Bord eine trefflich bestellte Tafel und von den Herren Offizieren die liebreichste und zuvorkommendste Behandlung.

[2] Leider ist derselbe -- ein Deutscher, der seine Ausbildung auf der Universität Bonn genossen -- im Laufe des vorigen Jahres gestorben.

~Anm. des Übers.~

[3] Nach der kleinen Insel auf der Rhede von Batavia so benannt, auf welcher ein Marineetablissement eingerichtet ist. Onrust bedeutet Unruhe.

[4] Man vergl. Fig. 20, die Abbildung der Insel Pontjang kitjil in der Bai von Tapanuli.

[5] Gewöhnlich, doch fälschlich Romania genannt.

[6] Zufolge malaischer Chroniken giebt Crawfurd an, daß malaische Auswandrer aus Menangk[)e]bo auf Sumatra unter Turi Buwana in 1160 den neuen Staat Udjung Tana und dessen Hauptstadt Singapur (von den Sanskritwörtern _Singa_ ~Löwe~ und _Pura_ ~Stadt~) gründeten. Der letzte König, der sich nicht zum Islam bekehren wollte, war Sri Iskander Shah. Er wurde von dem Kaiser von Modjopaït auf Java bekriegt, in 1253 von Singapur vertrieben und soll darauf Malaka gestiftet haben. Seit 1253 war Singapur eine Wildniß oder nur der Aufenthalt von Seeräubern (_orang laut_) bis es sich in 1819 durch Raffles zu seiner jetzigen Größe erhob.

[7] Man sehe diese Sammlungen im Reichs-Museum für Naturgeschichte zu Leyden.

[8] In manchen _Cabin's_ war nur eine, in manchen waren 4, in den meisten aber waren zwei Schlafstellen und wo mehre waren, befanden sich stets zwei übereinander. Es war ein Schiff von 800 Tonnen Last und 80 Pferdekraft.

[9] Nachdem sie schon vor dieser Zeit zweimal, wenn auch nur für kurze Zeit, im Besitz der Briten gewesen war, nämlich das erste mal in 1795 bis zum Frieden von Amiens, und das zweite mal während des Continentalkrieges bis 1814.

[10] _Malaka_ (sunda'sch) und _Kamlaka_ (java'sch) ist auf Java der Name des Bäumchens _Emblica officinalis ¡Gärtn¡_.

[11] Wie C. Ritter sie nennt (Asien _IV_, 1, _p._ 42).

[12] Wenn ~Ward~ u. A. von drei Bergketten sprechen, welche von Süd nach Nord durch die Insel streichen sollen, so können mit zweien davon nur Vorgebirge oder Vorgebirgszüge gemeint sein, die eigentlich nur schief ausgebreitete Rippen der (einzigen) Hauptkette sind. Eine solche, weniger hohe Vorkette ist unter andern die, worauf wir jene Villa erblickten.

[13] Einrichtung und Preis der Palankin's ist eben so wie zu Singapur.

[14] _Pulu_: ~Insel~; _Penang_ (_Poön-Penang_ d. i. Baum-Penang) ist der malai'sche Name der überall in den Dörfern Indien's gepflanzten Palme: _Areca communis_, welche die beim Betel-(Siri-)kauen gebräuchlichen Nüsse liefert, also _Pulu-Penang_ eigentlich Betelnußbaum-Insel, von den Engländern auch Prinz Wales-Insel genannt.

[15] Oder nach dem Siedepunkt des Wassers bestimmte Höhe. -- Wir sahen am 12ten Abends den Saum der Kette nur in der Entfernung von 47 bis höchstens 49 geographischen Minuten noch deutlich; hiernach kann er nicht höher als ~höchstens~ 2000 par. Fuß sein (2121 engl.), weil bekanntlich (wegen der Rundung der Erde) 2000 Fuß hohe Gegenstände nur 49-1/5 Minuten (12,30 Meilen) weit sichtbar sind.

[16] 1000 Siccaropijen = 1333 holl. Gulden.

[17] Verirrte Landvögel, die einen Ruhepunkt suchen auf dem Schiff und ermüdet vom Fliegen, sich leicht mit den Händen fangen lassen, sind eine den Seefahrern gewiß sehr gewöhnliche Erscheinung.

[18] Der Zeitgenossen Alexander's des Großen, Ptolemäus, nach ihm Strabo etc.

[19] _Hirudo ceylanica ¡Blainv.¡_ (s. unt.)

[20] Auf Java wird Salpeter aus der Erde bereitet, welche den Boden der Höhlen in tertiären Kalksteinbänken bedeckt. Diese Erde ist aber mit dem Miste der Fledermäuse vermengt, die schaarenweis in den Höhlen wohnen.

_II._

Von Arabien bis Alexandrien.

Wir befanden uns der östlichsten Spitze von Socotora um 1-1/2 Uhr am 3ten October gegenüber. Wir fuhren bei west- zu nördlichem Cours an der Nordseite der Insel vorbei, die also zur Linken liegen blieb. Ihre Spitze stieg zackig-ausgesägt aus dem Meere empor, ging dann aber bald in den geraden Saum eines langhingezogenen Bergrückens über, der sich in der Richtung nach Norden wandartig steil herabsenkte. Die obern drei Viertheile dieser steilen nördlichen Böschung waren dunkel- und das untere Viertheil weißlich-, hellgefärbt, doch so, daß sich sowohl von dem obern Theile dunkle Streifen, die das Meeresufer nicht erreichten, herab-, als auch von dem untern Theile weißliche Streifen hinaufzogen, die sich bis zum Saume ausstreckten.

Indem wir zwischen 2 und 3 Uhr näher kamen, entfaltete sich diese verschiedene Beschaffenheit der Insel, die wir anfangs nur der Farbe nach hatten unterscheiden können, immer deutlicher vor unsern Blicken und wir erkannten allmählig, daß der dunkle obere Theil aus nackten Felsmassen und der helle untere nur aus losem Sand bestand. Der erste, der gewiß drei Viertel des Raumes einnahm, war umbragrau, mit einer schwachen rostbräunlichen Nüance und der letzte, der nur ein Viertel des uns sichtbaren Raumes betrug, war weißgrau von Farbe, in's Gelbliche spielend. ~Alles~, was wir sahen, war vollkommen kahl, von aller Vegetation entblößt und hatte in seiner dunkel- und weißgestreiften Färbung, seiner eingerissenen Beschaffenheit, ein sonderbares, ödes, trauriges Ansehn, -- mir um so fremder, da ich 13 Jahre lang ununterbrochen in der allerüppigsten Natur geweilt hatte, in einem Lande, wo alle Felsen, wo die Kraterschlünde selbst bewaldet sind! -- Hier aber, auf dieser Insel, schien alles organische Leben erstorben zu sein, -- todt und starr lag sie da -- das Gesicht der ~Wüste~ blickte uns an.

Der obere Saum der Bergmasse schien ohngefähr 1000 Fuß hoch zu liegen. Er zog sich in einer geraden, ungekerbten Linie hin und senkte sich nach Norden bis auf die halbe Höhe der ganzen Insel oder noch tiefer, steil wie eine Mauer herab. Diese Mauer bildet mehr oder weniger deutliche Vorsprünge und ist offenbar der Bruchrand eines einseitig erhobenen neptunischen Gebirges, dessen parallele, oft horizontale oder nur schwach geneigte, zuweilen auch etwas gebogene Schichtung wir deutlich zu erkennen vermochten. Die Schichten, die von Ost nach West streichen, fallen also wahrscheinlich nach Süden ein, so daß das Gebirge von seinem höchsten Saume an eine nach Süden geneigte Platte bilden wird, ähnlich, wie das Gebirge und eine Küstengegend am rothen Meere, das wir in Fig. 14 abgebildet haben. Obgleich die am meisten vorherrschende Farbe der Felswände graubraun (umbrabraun) ist, so kommen doch auch sowohl große weißliche Flecke, als auch deutlich begränzte parallele weiße Streifen dazwischen vor, die wahrscheinlich Bänke von Kalk oder hellgefärbten Mergeln oder Thonen sind und zwischen den übrigen dunkleren Schichten liegen. Das Eigenthümlichste dieses Landes aber sind die hellgefärbten Sandmassen, welche, durch ihre Bedeckung die Schichten oft ganz unsichtbar machend, an den Felswänden anliegen. Sie entspringen oftmals schon ganz oben am Saume als schmale, hervorstehende Leisten, laufen Stützen gleich herab, werden nach unten zu immer breiter und vereinigen sich zuletzt zu einem großen Ganzen, das als ein weißliches, sanft gesenktes Vorland -- dünenartig -- und abwechselnd bald nur den fünften, bald den vierten, bald den dritten Theil der gesammten Inselhöhe einnehmend, zwischen dem Meeresufer und dem Fuße der Felswand liegt. Sehr ähnlich sind viele Küstentheile der Halbinsel Sinai gestaltet, wie in Fig. 13 abgebildet ist.

Der einspringende, weiter einwärtsliegende Raum der Felswände läuft demgemäß zwischen den breiter werdenden Sandrippen schmal nach unten zu und davon kommt es, daß man aus der Ferne dunkle Streifen sieht, die nach unten, -- und helle, die nach oben schmäler werden. -- Beim Anblick dieser ungeheuren Sandmassen, die den Fuß der Mauer bedecken und sich noch, als Leisten, hoch bis zu ihrem Saume hinanziehen, entstand bei mir die Frage: ist dieser Sand angeschwemmt oder ~angeweht~? -- wie können durch Ausspülung von Wasser solche Rippen gebildet werden in einem Lande, wo es fast niemals regnet? -- gehört ihre Entstehung einer vorhistorischen -- der Diluvialperiode -- an? oder kann ihre Bildung der Wirkung des Windes allein zugeschrieben werden?

Da die Nordküste von Socotora im Allgemeinen nach West-Nord-West gerichtet ist und unser Cours West zu Nord war, so kamen wir allmählig näher und vermochten den geschichteten Bau der Insel immer deutlicher zu erkennen. Zuweilen war der obere Theil der Mauer fast ganz aus weißen Felsmassen zusammengesetzt, die deutlich untergeschichtet und hier und da abgebrochen, von vertikalen Spalten durchzogen waren, -- die Farbe der Hauptmassen blieb aber bräunlich-grau. Manche Theile der Wände waren in ihrer Kahlheit, in ihrer queren Schichtung, mit Vorsprüngen, worauf Schutt und Sand liegt und in ihren Stützen von Sand, die sich an ihrem Fuße ausbreiten, gewissen ~Kratermauern~ Java's so täuschend ähnlich, daß, wären jene kreis- oder halbkreisförmig gewesen, man beide hätte verwechseln können. Und doch ist die Bildung beider gewiß auf eine sehr verschiedene Art vor sich gegangen, jener durch Wasser, dieser durch Feuer, -- bei jenen wurde der Sand den Wänden angeschwemmt oder angeweht, bei diesen regnete er herab aus der Luft, nachdem ihn Kraterschlünde ausgespien hatten.

Zwischen 3 und 4 Uhr kamen wir einer Gegend vorbei, wo sich Zwischenräume zwischen den Bergmassen oder Ketten befanden, die also aus verschiedenen Abtheilungen oder Gruppen bestehen. Hier lagen kleine Buchten und wir blickten in das Innere der Insel, nämlich in Thäler und Thalgründe hinein, die sich tief und flach zwischen den Gebirgen hinzogen und die in ihrem gekrümmten Laufe in geheimnißvoller Ferne vor unsern Blicken verschwanden. Wir glaubten auf dem flachen Boden des einen einige Dattelpalmen zu erkennen, übrigens aber waren sie eben so kahl, wie die Bergwände, die sie umgaben. -- Nur Einmal (um 3-3/4 Uhr) meinten wir einige krüppelige Sträucher zu sehen, die sich wie vereinzelte schwärzliche Punkte auf dem hellern Sandgrunde vorthaten. Wir befanden uns nämlich einer flach-convexen Strandgegend gegenüber, die aus Sand aufgebaut war und sich als niedrige Vorterrasse bis zum Fuße einer Bergkette hinzog. Diese Kette war viel höher, als alle zeither gesehenen und hatte auch eine ganz andere äußere Beschaffenheit, sie war kahl wie jene, erhob sich aber viel klüftig-durchfurchter, zackiger, wilder und endete in einem gezähnt-zerrissenen Kamm, -- bestand also wahrscheinlich nicht aus geschichteten (neptunischen) Gesteinen, sondern aus plutonischen oder vulkanischen Massen. Von der Sandterrasse, die ihrem Fuße vorgelagert ist, zogen sich an mehren Stellen streifenförmige Partien an der schroffen Bergwand bis zu einer großen Höhe hinan; diese oft sehr breiten Sandstreifen waren ~ganz glatt~, ~kahl~, sie waren, wie der übrige Sand hellgefärbt und riefen, -- so wie sie da, scharfbegränzt, zwischen dunklern Umgebungen der Felsen lagen, -- das Bild von ~Gletschern~, die sich von den Jöchen der Alpen herabziehn, lebhaft in unsre Erinnerung zurück.

Um 4 Uhr waren wir einer vorspringenden Landecke bis auf ein Paar englische Meilen nahe gekommen, von hier an aber trat die Küste zurück und bildete eine große weite Bucht, deren jenseitigen (westlichen) Ecken wir uns erst um 7 Uhr gegenüber befanden, als die Dunkelheit der fallenden Nacht schon nicht mehr erlaubte, das Gestade deutlich zu erkennen. Nirgends konnten wir Feuer am Ufer entdecken, so wie wir überhaupt nirgends einige Spuren von Bewohntsein auf dieser nördlichen Seite der Insel, der wir entlang gefahren waren, hatten bemerken können. Doch sollen die innern, des Wassers nicht ganz ermangelnden und nicht ganz von Pflanzenwuchs entblößten Thäler der Insel von einer geringen Anzahl arabischer Familien bewohnt sein.

Was die ~Literatur~ betrifft, so habe ich über Socotora Nichts finden können, außer ein Paar dürftigen Stellen in C. ~Ritter's~ Erdkunde, nach Nachrichten in _J. ~de Barros~ Asia_. -- ~Ritter~ beklagt sich (a. a. O. _I_, _p._ 123) über die so dürftigen Mittheilungen, was diese Gegenden betrifft, obgleich (wie er hinzufügt) »Socotora, wegen des Schutzes vor den Nordwinden, oft das Winterquartier portugiesischer Flotten in diesen Gewässern war.« -- Die gegenüberliegende Küste von Afrika, von Magadoro an nordwärts bis zum Kap Guardafu, mehr als 100 geographische Meilen weit, wird als »wüst, ohne Menschen und unbekannt« bezeichnet. An einer andern Stelle (Asien _IV_, 1, _p._ 443) heißt es: »Schon nach ~Arrian's~ _Periplus_« (330 vor Chr.) »ließen sich Fremdlinge aus Indien, nebst Arabern und Griechen, um den Gewürzhandel nach Egypten und Äthiopien zu betreiben, auch Reis, Musselin und Schildkrötenschaalen zu bringen, auf der Insel Dioscorides, d. i. Socotora nieder, die dem _promontorium aromatum_ vorliegt.« -- »~Vasco da Gama~ fand diese Indier bei seiner ersten Umschiffung Südafrika's zu Melinde, was nicht fern von Socotora liegt, wo er sie Bancani nennt.« -- »~Edrisi~ (1150) nennt Socotora berühmt durch seine Aloë.« (Asien _VIII_, _p._ 262, 264.)

Bald war die wüste Insel mit ihren Bergen nur noch ein Schattenriß und verschwand endlich ganz in der Nacht, während wir in der Finsterniß dahin dampften. Die See war unbewegt und das Meerwasser war dunkel, mit Ausnahme einzelner runder Stellen, die einen schwachen Lichtschein von sich gaben und mit Ausnahme von kleinen Körpern, die hier und da mit großer Schnelle, gleichsam zuckend, durch das Wasser fuhren und in schlangenförmigen oder gezackten Linien ein ~hell~ leuchtendes Licht verbreiteten. So oft diese Körper, wahrscheinlich Fische, sich bewegten, so oft glaubte man ~Blitze~ in der Tiefe des Meeres aufzucken zu sehen und wenn diese Blitze, wie oft geschah, in Millionenzahl auf Einmal aufflammten, so gewährten sie in der That, da Alles umher so dunkel war, ein prachtvolles Schauspiel.

Erst um 11 Uhr wurden zu ~unsrer Rechten~ wieder Gestalten sichtbar, die dunkler waren, als der nächtliche Himmel; wir hatten uns der gebirgigen Küste Arabien's genähert, der wir nun entlang fuhren, -- einzelne Lichter wurden am Abhange dieses gebirgigen Landes sichtbar, -- nachher sahen wir auch Schiffe mit Lichtern und um 12 Uhr des Nachts ließen wir unsre Anker fallen.

Als wir den folgenden Morgen (4ten October) erwachten und uns auf das Verdeck begaben, bemerkten wir, daß wir auf allen Seiten von Land umgeben waren und uns in einer rundum geschlossenen Bucht befanden. Wir lagen in der westlichen Bai[21] der kleinen Halbinsel Aden, der sogenannten Back-Bai vor Anker.

Ich verweise den Leser in Beziehung auf die folgende Beschreibung von Aden auf die kleine Kartenskizze Fig. 16, die, was die Größenverhältnisse betrifft, freilich nur figurativ ist, die außerdem aber dem Leser über die Positionsverhältnisse von Aden im Allgemeinen und über die Configuration seiner Berge in's Besondere ein getreues, richtiges Bild verschaffen wird.

Die Umgebung dieser geräumigen Meeresbucht war die folgende. Den Eingang in die Bucht sahen wir von unserm Schiff in West zu Nord. -- Rechts von diesem Eingange erhob sich eine gebirgige Halbinsel Dschebel Hasan, die wir in West-Nord-West erblickten und die sehr steil zu einem scharfen, rauhen, spitzigausgezackten Kamme emporstieg. Sie soll aus Granit bestehen und zwei Stunden lang sein. Ihre obere felsige Region erschien dunkelgefärbt, umbragrau und ihre unteren Gegenden, die ohne Zweifel aus Sand bestehen, gelblich-hell. Manche ihrer Berggruppen und zackigen Felspartien waren durch geneigte Sandflächen (geglättete Sandgehänge) von einander getrennt. Sie gingen einwärts (rechts) in ein flaches, niedriges Land über, das die Bucht, in der wir lagen, in einem weiten Halbkreise auf der Nord- und Ostseite unsers Schiffes umgab, und stellte sich wie ein in's Meer hinaus- und der Westecke von Aden entgegengeschobenes Vorgebirge dieses flachen Landes dar, das eine Sandwüste zu sein schien, auf der wir nirgends eine Spur von Bergen oder Hügeln bemerken konnten. Die Halbinsel Dschebel Hasan ist demgemäß nur ein isolirt aus dem Sande hervorragender Felskamm. Ihre Lage scheint nord-westwärts in Beziehung zur äußersten Westecke Aden's zu sein.

Je einförmiger, flacher dieses nördliche Ufer der Bai war, desto gebirgiger stellt sich das ~Süd~ufer derselben, nämlich die ~Nordseite der Halbinsel Aden~ dar, der wir, in einer kleinen Einbiegung der Bai, so nahe lagen, daß wir den Menschen, die auf dem Lande waren, zurufen konnten. -- Hier erhoben sich in frappanter Nähe die Gebirgsketten und stiegen kühn und steil zu den schwindlichsten Höhen empor. Sie schlossen unsere Aussicht von Ost bis West-Nord-West und endigten sich dort jener zuerst genannten Halbinsel gegenüber in die westlichste Felsecke von Aden: Ras Marbut, doch so, daß zwischen beiden ein geräumiger Kanal übrig bleibt, der Eingang in diese für sehr sicher gehaltene Bucht.