Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848

Part 5

Chapter 53,571 wordsPublic domain

Nur an drei von diesen acht Tagen (den 16ten, 20sten und 21sten) hatten wir ziemlich gutes, heitres Wetter gehabt, ohne Regenschauer. Den 20sten um 10 Uhr wurde unser westlicher Cours verändert in einen west-süd-westlichen und der Rauch unsers Dampfers, der bis jetzt schief nach hinten und rechts geflogen war, strich nun als langer schwarzer Streif gerade nach hinten. Auf dem einförmigen Meere, wo andere Gegenstände der Beobachtung fehlen, achtet man gern auf solche Besonderheiten, wie gewöhnlich und häufig sie auch sind. -- Den 21sten von 12 Uhr an begannen wir mit west-nord-westlichem Cours zu fahren; auch der Wind war seit dem vorigen (20sten) Abend von 8 Uhr an weniger beständig und blies erst aus West, dann aus West zu Süd, West-Süd-West und zuletzt selbst aus Süd-West. -- Wir glaubten am 21sten Abends uns nahe bei Ceylon zu befinden, blickten oft nach West und Nord-West, konnten aber noch kein Land sehen, was uns nicht wenig besorgt machte. Das Dampfschiff nämlich, das die Passagiere von Ceylon bis Suez bringen muß, darf seiner Instruction zu Folge nicht länger zu Point de Galle warten, als bis zum 22sten Abends 6 Uhr und ~muß~ dann abreisen, auch wenn das Schiff von China und Singapur noch nicht angekommen ist. -- Wir hatten aber die ganze Zeit über seit dem 13ten Abends Wind, Wellenschlag, Strömung -- Alles gegen uns und waren nur langsam vorwärts gekommen.

Wir waren während dieser Zeit zwei Schiffen begegnet, dem einen am 19ten des Morgens früh, dem zweiten am 20sten um 2 Uhr; dieses letztere kreuzte mit vollen Segeln unsere Fahrt und ging wahrscheinlich von Calcutta nach dem Kap der guten Hoffnung. Außerdem hatten wir in unserm Gesichts- und Wirkungskreise nichts Fremdartiges erlebt, keine Veränderung war vorgefallen.[17] -- Nur am 14ten Vormittags, als wir uns noch gegenüber der Nordspitze von Sumatra befanden, hatten wir den ängstlichen Anblick, ein Geschöpf, das nicht zu einem Wasserbewohner geschaffen war, eine Zeit lang mit den Wellen ringen zu sehen, wir glaubten in Todesfurcht. Ein chinesischer Matros nämlich war über Bord gefallen, der Korkring wurde ihm nachgeworfen, den er auch schwimmend erreichte und faßte, -- und in aller Eile wurde die hintere Schaluppe herabgelassen; aber obgleich die Maschine augenblicklich gestoppt wurde, so war das Schiff in seiner schnellen Fahrt doch schon so weit vorausgegangen, daß wir den Schwimmenden nicht mehr sehen konnten, der gewiß 3/4 englische Meile von uns entfernt war, als ihn die Schaluppe fand und aus dem ziemlich bewegten Meere auffischte. -- Als nach einem halbstündigen Aufenthalte der Mann wieder an Bord gebracht wurde, ging er ganz gleichgültig an seine Arbeit und Niemand bekümmerte sich um ihn.

Endlich! -- den 22sten Sept., des Morgens früh, erblickten wir das Land des Zimmtes, der Elephanten, Perlen und Edelgesteine, -- nämlich das seit zwei Tagen schon von uns ersehnte Taprobane der Alten,[18] die ~Insel Ceylon~ der Neueren, die sich in blasser Ferne vor uns zur Rechten als ein mäßig hohes Land hinzog, das einen fast ebnen, nur wenig gekerbten Saum hatte. -- Unser Cours war West und der Wind wie an den vorigen Tagen West-Süd-West, von 8 Uhr an aber West.

Die Küste schien sich von Nord-Ost nach Süd-West hinzuziehn, denn wir rückten, westwärts steuernd, dem Lande allmählig näher und sahen erst an einigen Stellen und bald überall den weißen Saum der Brandung. Um 7-1/2 Uhr segelten wir einer vorspringenden Ecke vorbei und konnten nun erst das Land deutlich unterscheiden, das sehr niedrig war und aus ausgebreiteten (verflachten) Hügelzügen zu bestehen schien, auf deren Saume man den Umriß der einzelnen Bäume wohl zu unterscheiden vermochte. Wir waren etwa drei englische Meilen von der Küste entfernt und bewunderten vor Allem die ausgedehnten Wälder der Kokospalme, die das Gestade bedeckten.

Wir fuhren um 8 Uhr zwischen einer Menge von kleinen Fischerböten hindurch, die von sehr eigenthümlicher Bauart, nämlich sehr schmal, dabei aber sehr hoch (der innere Raum sehr tief) waren, so daß die drei Mann, die sich in einem jeden befanden, mehr als zur Hälfte darin verborgen blieben, sich aber kaum umdrehen konnten, ohngefähr so, als wenn sie in einer Straßenrinne (schmalen Wasserleitung) gestanden hätten. -- So waren alle Kähne der Singalesen gebaut, die wir auf der Südküste von Ceylon sahen und sie waren nur auf einer Seite mit einem balancirenden Bambusrohr versehen. -- Um diese Zeit (8 Uhr) befanden wir uns einem hohen Vorsprunge gegenüber, welcher eine weite Bucht, deren Ostecke wir um 7-1/2 Uhr gesehen hatten, in Westen begränzte, -- der oben mit kurzer Waldung bedeckt, plattenartig ausgebreitet war und sich dann als ein steiles, mauerähnliches Felsgehänge in's Meer herabsenkte. Die Farbe der Felsen war ein helles, gelbliches Braunroth; sie bestanden vielleicht aus Sandstein.

Ferner kamen wir auf der Weiterfahrt nach Westen, während uns immer mehre von den so eben beschriebenen Kähnen begegneten, noch einer Menge solcher Buchten und vorspringenden Ecken vorbei und befanden uns demzufolge bald in einer Entfernung von drei, bald von sechs engl. Meilen von der Küste, die wir, weil der Himmel bewölkt und der Horizont dunstig war, im Hintergrunde der Buchten nur undeutlich zu unterscheiden vermochten. -- Von 9-1/2 Uhr an war der nächste sichtbare Theil des Landes ein niedriger, flacher Küstensaum, der sich einwärts zu ausgebreiteten Hügeln erhob, ~ein mehr verflachtes, als wellenförmiges Hügelland~ bildend, das hier und da, wo der Küstensaum fehlte, auch bis zum Meere selbst vorgeschoben war. Dieses flache Gestade nebst den Gehängen des angränzenden Hügellandes sahen wir (wie überhaupt schon seit 7-1/2 Uhr alle andern Theile der Küste) mit ungemein ausgedehnten Kokoswäldern bedeckt, die ununterbrochen bis Point de Galle gleichsam nur einen einzigen Palmenwald bildeten, der ganzen Küste entlang, so weit man sehen konnte.

Wir veränderten unsern Cours um 10-1/2 Uhr, parallel mit der Richtung der Küste, nach West-Nord-West, bekamen aber erst um 12 Uhr vorn zu unsrer Rechten die Stadt Point de Galle zu Gesicht, von deren Gebäuden wir nur einen säulenförmigen Leuchtthurm und die Giebel der Häuser sahen, so weit sie aus grünem Gebüsch und aus einer Ringmauer, welche die Stadt umgiebt, emporragten, oder so weit die dunstvollen untern Schichten der Atmosphäre in zweifelhaftem Schimmerlicht sie zu erkennen erlaubten. Die Bucht diesseits der Stadt, in welche wir einlaufen mußten, ist von zwei vorspringenden Felsenecken begränzt, die einander von West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost gegenüber liegen. Auf der west-nord-westlichen Felsecke steht die Stadt, -- die ost-süd-östliche Felsecke ist das Ende eines langen, ausgebreiteten Hügelrückens, der 1--200 Fuß hoch sein mag und sich an manchen Stellen, 20--30 Fuß hohe Wände bildend, felsig-steil in's Meer herabsenkt, in den übrigen Gegenden aber durch einen hellgelblichen Sandstrand vom Meere getrennt ist. Nordwärts geht diese ost-süd-östliche Hügelecke in ein ganz niedriges, flaches Küstenland über, das nicht nur die Bai auf den übrigen Seiten, sondern auch die Stadt auf der innern Seite umgiebt, so daß der erhabne Grund, worauf diese liegt, dadurch von allen andern Hügeln abgeschnitten und in eine isolirte Felsinsel verwandelt wird, die auf drei Seiten vom Meere und auf der vierten von flachem Alluvialboden begränzt ist.

Wir wendeten um 12-3/4 Uhr unser Schiff direct nach Norden und fuhren durch den engen Eingang zwischen zwei Schwimmern, die das von Klippen freie, schmale Fahrwasser anzeigten, hindurch in die stille, tiefe Bucht hinein; zur Rechten blieb jenes Felskap, -- zur Linken der Fels mit dem Leuchtthurm und die Stadt Point de Galle (oder _Punto Galle_), die nun in voller Klarheit, nahe vor uns lag. Schwärzliche Felsen, vom weißen Schaume der Brandung bespritzt, starren jäh und rauh aus dem Meere empor und tragen die Ringmauern der ~festen~ Stadt, über welche, eng zusammengruppirt, die rothen und weißen Giebel und Zinnen der Häuser herüberblicken, vermengt mit dem Gebüsch von Fruchtbäumen, deren schönes Grün sich freundlich auf den starren Fels und das Meer, das ihn umschäumt, herunter neigt.

Dieser Menschensitz, diese Hauptfestung Süd-Ceylon's unter den Niederländern seit 1642, -- als wir ihn so erblickten, gleichsam im Bewußtsein von unbesorgter Sicherheit innerhalb seines Gemäuers, -- freundlich, grün, auf starrem Fels im Meere und auf drei Seiten von der Brandung umtobt, gewährte einen äußerst romantischen, alterthümlichen Anblick und erinnerte mich an manche Stadt in Europa aus den Zeiten des Mittelalters, die ich seit so langen Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Wir ließen um 1 Uhr, der Stadt ostwärts gegenüber, die Anker fallen und lagen nun zwischen dieser und dem großen Dampfschiff ~Bentinck~, demselben, das von Calcutta angekommen war und schon zwei Tage lang auf unsre Ankunft allhier gewartet hatte. Da dessen Abreise von hier, _via_ Aden, noch vor Eintritt des Abends festgesetzt war, so blieben uns zu einem Besuche der Stadt nur die wenigen Stunden übrig, welche die Schiffe nöthig hatten, um die Bagage von Bord der ~Braganza~ herüber an Bord des ~Bentinck~ zu befördern, was ohne Zuthun der Passagiere geschah. Rathsam war es aber und dafür wurde es auch von allen Passagieren gehalten, die ~kleinen~ Stücke der Bagage, die man jederzeit nöthig hat, beim Übersteigen auf das neue Schiff, was in Kähnen der Inländer geschieht, die man bezahlt, selbst mit zu nehmen, weil sie sonst leicht mit in den Schiffsraum, in das allgemeine Magazin der Güter geworfen werden oder aus dem Haufen der Hunderte von Packeten und Kisten nicht so leicht wieder herauszufinden sind. Es könnte also wohl geschehen, daß man darauf warten müßte. Doch verloren geht nicht leicht ein Stück.

Ich setzte mich also in einen singalesischen Kahn und fuhr -- aber, halt, das ging so schnell nicht; denn viele Dutzende von solchen größern und kleinern Kähnen umwimmelten das Schiff und ihre Führer stritten sich um die Ehre, einen Passagier für 1/2--1 Gulden an's Land zu bringen. Es war ein ohrbetäubendes Geschrei von Stimmen, die sich mit einander verwirrten, eben so wie die Kähne, die mit ihren Seitenstangen oder Segeln in Wirrwarr geriethen und man lief große Gefahr, bei dem Überspringen von dem einen in den andern ein Bein zu brechen, in's Wasser zu fallen oder zwischen den Kähnen, die aneinander stießen, zerquetscht zu werden. Um meine geringe Person stritten sich, so laut, daß mir die Ohren davon dröhnten, wenigstens fünf Kahnführer, die mein Malai'sch eben so wenig verstanden, wie ich ihr Singalesisch und ich achtete mich glücklich, als die Bataille so weit beendigt war, daß ich aus den Händen von Fünfen endlich in die von ~Einem~ kam, welcher siegestrunken Besitz von mir nahm und unter herausfordernden Mienen gegen die Andern, die ihm Verwünschungen nachschrien und nachgesticulirten, mit mir eiligst der Stadt zuruderte.

Am Ufer angekommen, sahen wir Hunderte von neuen Plagegeistern auf dem Hafenkopf bereit stehen, um uns Fremdlinge zu empfangen. Es waren eingeborne (singalesische) und fremde (besonders bengalische) Kaufleute, meistens arme Lumpen oder Straßenbuben, deren jeder etwas in der Hand oder in einem Sacke hielt, um es dem Reisenden zu verkaufen oder besser gesagt, aufzudringen. Daß dies mit einem lauten Concert durch einander kreischender Stimmen begleitet war, versteht sich von selbst. Sie drückten dem Reisenden ihre Waaren mit Gewalt in die Hand, -- verlangten dann ungeheure Preise dafür, z. B. für einen kleinen Bambusköcher 5, für ein Stück Quarz oder Jaspis, das sie in dem ersten besten Bache aufgelesen hatten, 10 Gulden, und weigerten sich, wenn der Reisende den Preis zu hoch fand, hartnäckig, ihre Waare wieder anzunehmen, verfolgten ihn vielmehr unter lautem Geschrei, Schritt für Schritt. Ich sah Passagiere, die von 20 dergleichen Schreiern begleitet waren. Ich war so glücklich, mit einer Eskorte von bloß sechs abzukommen, die mir auf meiner Rundreise durch die Straßen der Stadt, als getreue Trabanten, auf dem Fuße folgten und bald von der linken, bald von der rechten Seite, etwas zu kaufen vorhielten, in welchem Geschäft sie eine bewundernswürdige Ausdauer an den Tag legten. Ich kaufte ihnen endlich etwas ab, z. B. Onyxe, fossile Elephantenzähne (von _Elephas primigenius_), die sie auf der einen Seite geschliffen und polirt hatten, und hoffte mich dadurch, wenigstens von einem Theile derselben, zu befreien; aber, -- wie irrte ich mich! Kaum hatten die Andern, welche durch die Straßen schlenderten, gesehen, daß ich nachgiebig, d. i. überwindlich war, als sie zu ganzen Truppen herbeiströmten und sich meine Satellitenschaar dadurch wenigstens um das Zehnfache vermehrte, -- so daß ich nahe daran war, diese Kaufleute für eine eben so stabile Plage der Reisenden in den Städten, -- wie die kleinen Springblutegel[19] in den Wäldern Ceylon's zu halten.

Man schreitet von der Land- d. i. Nordseite her unter hohen, gewölbten Thoröffnungen durch die alten Backsteinmauern und Wälle der Festung, und gelangt in's Innere der Stadt, deren Straßen vom höchsten Punkte des Hügelwulstes, auf welchem sie erbaut ist, sich am stärksten nach Süden, der See zu, herabsenken. -- Sie enthält keinerlei ausgezeichnete Gebäude und die mehrsten Häuser sind klein, einstöckig und fast alle von Stein. Ich habe wenig Leben oder Verkehr, auch keine großen Kaufläden oder Packhäuser bemerkt und glaubte hieraus schließen zu dürfen, daß Punto Galle seine alte Größe als Handelsstadt verloren und nur erst seit der Einrichtung der Landmail, als Station für die Schiffe zwischen Indien und Arabien, eine erneuerte Wichtigkeit erhalten habe. Die Stadt scheint zum Theil auf Gneiß von grauer Farbe, zum Theil auf weißem Korallenfels erbaut, und liegt an der Südküste von Ceylon unter 6° 1' nördl. Breite und 80° 10' östl. Länge von Greenw.

Interessanter als das Innere der Stadt, war mir der Anblick der flachen Gegenden der Insel, welche die Stadt nord- und nord-ost-wärts begränzen und mit einer allerüppigsten (angepflanzten) Vegetation bedeckt waren. -- Von Hochwaldung sah ich zwar nirgends eine Spur, aber -- das Gehänge der Hügel und noch mehr das flache Gestade rund um die Bai und die Stadt waren mit ungeheuern Waldungen der Kokospalme bedeckt, die man nicht übersehen konnte. -- Welche dichte Zusammengruppirung von schlanken, säulenförmigen Stämmen, -- welche dunkle Schatten zwischen den 70--100 Fuß hohen Säulchen, tief unter den rauschenden Wedeln, -- welche an ~Urwald~ gleichende Wildniß von ~Palmen~, -- welche Verwirrung von in allen Richtungen durch einander geworfenen, senkrechten, überhängenden und ganz niedergestreckten Stämmen! -- -- ich mußte gestehen, daß ein solcher Kokoswald, eine solche ununterbrochene, Tagereisen weit reichende Ausdehnung von dicht gedrängten Palmen auf Sumatra und Java ~nicht~ anzutreffen ist. -- Wahrscheinlich ist die sandige Beschaffenheit der Gestade und die Quarznatur des Sandes, bei gleich günstigen Verhältnissen eines gleichmäßig warmen, nicht zu feuchten Klima's, ein Hauptbedingniß zu ihrem üppigern Gedeihen.

Als ich von der ~Braganza~, welche ich nach meiner Rückkehr aus der Stadt noch einmal besucht hatte, an Bord des ~Bentinck~ angekommen war, war mir etwa so zu Muthe, wie Jemandem, der aus einer Provinzialstadt in eine Kapitale wie Paris oder London eingetreten ist. Dieser _Landmail-steamer_, befehligt vom Capt. A. ~Kellock~, ist einer der größten, welchen die _Peninsular and Oriental Steam Navigation Compagny_ besitzt, er mißt 1800 Tonnen, hat 520 Pferdekraft und nur noch einer (der »~Hindustan~«, commandirt von Capt. S. ~Lewis~) kommt ihm an Größe gleich.

Als ich dem Gewühl sich einander durchkreuzender Interessen entkommen war und, zur Ruhe gelangt, auf dem Hinterdeck des Lord Bentinck saß, kostete es mir Mühe, mich an die Überzeugung zu gewöhnen, daß ich mich auf dem Verdeck eines ~Schiffes~ befand, -- so lang und breit dehnte sich die reinliche Bretterfläche vor mir aus, die durch ihren Reichthum an verschiedenartigen Gegenständen dem darauf Spazierenden Abwechselung und Zerstreuung gewährte, -- die zum Theil mit Zelten überspannt, und mit Bänken und Stühlen besetzt war. Nur auf dem Vorderdeck, in der Nähe des Bugspriet, und sonst nirgends im Schiff, durfte geraucht werden. Ein Neuling lief Gefahr, in den drei Vertiefungen des Innern, die man auf eleganten, theils geraden, theils wendelförmigen Treppen hinabstieg, sich zu verirren, wenn er in den langen Gängen zwischen den Zimmern herumschritt; denn die Anzahl dieser Zimmer (_Cabin's_) war groß genug, um Jedem der 100 Passagiere erster Klasse, die sich an Bord befanden, einen besondern Schlafplatz zu verschaffen, außer den Offizieren, dem Schiffsvolke und den Passagieren zweiter Klasse. In den mehrsten Cabin's wohnten zwei, in manchen drei, vier, in wenigen nur ein Passagier, je nachdem die Cabin's mehr oder weniger Schlafplätze enthielten (deren wenigstens zwei ~über~ einander angebracht waren). Sie waren mit guten Matrazen, Spiegeln, Waschtafeln und Zubehör, Bänken, Stühlen und andern Bequemlichkeiten versehen und Bettzeug und Handtücher wurden fleißig gewechselt. Trink- und Waschwasser wurde in Überfluß gereicht und an einem Badezimmer, einem Regenbade, das nach geöffnetem Krahne aus einer siebartigen Öffnung der Decke herabträufelte, fehlte es nicht, leider aber auch nicht an Kakerlaken (_Blatta orientalis_), die, wie es scheint, eine allgemeine Plage aller Schiffe in den Tropengegenden sind. In den dunkeln Räumen der Hütten, zwischen den Brettern, waren diese zollgroßen, schnelllaufenden Thierchen nur allzu häufig und man konnte sie nur auf kurze Zeit von seinem Lager mit _Eau de Cologne_ vertreiben. Ich würde jedem Reisenden anrathen, auch der Kühlung wegen sich mit einem recht großen Vorrath dieses destillirten Wassers zu versehen. Übrigens war die Hitze im Innern des Schiffes erträglich, da zweckmäßig angebrachte Ventilatoren für Abkühlung und frische Luft sorgten. -- Das Installiren verschiedener Reisenden in ~ein~ Zimmer wurde stets mit Discretion verrichtet, und gewöhnlich blieb es den Passagieren selbst überlassen, sich mit einander zu verständigen und ihre Stubengefährten nach eignem Geschmack zu wählen. Es war Einer an Bord, mit dem ~Niemand~ zusammenwohnen wollte, und dieser erhielt ein Zimmer allein. -- Um 8 und 12 Uhr zur Zeit des Frühstücks und Tiffets wurde Kaffee, Thee, mit Eiern, Brot, kalten Speisen etc. gereicht und um 4 Uhr zum Diner geläutet. Abends wieder Thee. Der Speisesaal war elegant, mit drei langen Tafeln versehen, an denen alle Passagiere (der ersten Klasse) Platz hatten, mit Spiegeln und Gemälden decorirt, so daß man, an der Tafel sitzend, zwischen solchen Umgebungen ganz vergaß, sich auf dem Meere, an Bord eines Schiffes zu befinden, zumal, da von dem Arbeiten der Maschine und dem Brausen der Räder nichts zu hören oder zu fühlen war. Das Schiff glitt seiner Größe wegen, von Ceylon bis Suez, so gleichmäßig dahin, daß auf dem Verdeck auch nicht das geringste Schwanken zu verspüren war und man erst über Bord blicken mußte, um sich zu überzeugen, daß sich das Schiff fortbewege. Schafe, Schweine, Kälber, Rinder, Tauben, Hühner, Enten, Gänse, Truthähne etc. befanden sich, nicht etwa wie in der Arche Noäh in bloß einem Paar, sondern in ganzen Heerden und Schaaren bei uns an Bord und versahen die Tafel, Tag für Tag, mit mannigfach zubereiteten Fleischspeisen von alle den genannten Arten und an frischem Brot und Gemüse fehlte es nicht, so daß ich im Ernst versichern kann, noch nie eine so überflüssig, ich möchte sagen, so ~massiv~ (besonders mit Fleischspeisen) besetzte Tafel gesehen zu haben. Das Buffet war mit englischem Bier (_pale ale_) und allen Arten von Weinen versehen, die ein Jeder _ad libitum_ trank. Nur der Champagner machte hiervon eine Ausnahme und wurde von den Passagieren nicht gefragt, sondern nach jeder Mahlzeit in einer bestimmten Anzahl Flaschen ~gereicht~. Auch das Dessert war vorzüglich und überhaupt ließ die Beköstigung, wie die ganze Einrichtung an Bord, nach der Meinung Aller, Nichts zu wünschen übrig. Zur Unterhaltung der Passagiere war eine Bibliothek, die besonders Reisebeschreibungen enthielt, nebst andern Zerstreuungsmitteln, Spielen etc. im allgemeinen Versammlungs- und Speisesaal vorhanden. Unter den Reisenden waren etwa sechs Damen, von denen die Engländerinnen sehr zurückgezogen und steif, fast holländisch, -- die Französinnen aber freundlich und gesprächig waren und nebst einigen Kindern viel zur angenehmen Unterhaltung beitrugen.

Wir lichteten am 20sten Sept. des Abends die Anker, waren um 7 Uhr flott und fuhren zwischen zwei leuchtenden Feuern (großen Fackeln) hindurch, die man an der Stelle jener zwei schwimmenden Kugeln, in Kähnen angesteckt hatte, um uns den Weg in's Fahrwasser mitten zwischen den Klippen hindurch zu zeigen. So wie den Tag über die Luft bewölkt gewesen war, ob es gleich nicht geregnet hatte, so war auch die Nacht dunkel, und kein Himmelslicht war sichtbar.

So dampften wir nun wieder, nach kurzem Aufenthalte auf trockenem Boden, in das _altum mare_ hinaus. Die Lichter, die auf den Schiffen und in den Gebäuden brannten, traten immer weiter zurück, aber erst spät am Abend verschwand das Feuer des Leuchtthurms.

* * * * *

Von den vielen über Ceylon erschienenen Werken und in Zeitschriften zerstreuten Aufsätzen, mögen hier nur folgende ~allgemeinere~ genannt sein.

_~Rob. Knox~, Historical Relation of the Island of Ceylon. London, 1817. 4._

_~Jan. Cordiner~, Description of Ceylon. London, 1807. 4._

_~Montgomery Martin~, History of the British Colonies. London, 1834._ Das Hauptwerk aber ist:

_~J. Davy~, Account of the Interior of Ceylon etc. London, 1821. 4. -- ~J. Davy~, On the Mineralogy of Ceylon in Transact. of the Geol. Soc. vol. V, p. II, p. 311 etc._

_Major ~Forbes~, Eleven years in Ceylon comprising sketches of the field sports and Natural History of that colony and an account of its History and antiquities. 2 vol. 8. London, 1840._

Ceylon wurde bekanntlich in 1505 von den Portugiesen entdeckt, die jedoch erst seit 1536 in vollständigen Besitz der Insel (der Küste) gelangten und in 1658 (aus Point de Galle bereits in 1642) wieder von den ~Niederländern~ daraus vertrieben wurden. Diese letztern besaßen die Insel bis 1796, in welchem Jahre sie an die Englisch-Ostindische Compagnie überging.

Die Insel wird von Davy mineralogisch reich, aber geologisch arm genannt und soll vorherrschend aus sogenannten primitiven Gebirgsarten, ~Gneiß~ und Granit, bestehen, die sehr einförmig verbreitet und in vielen Gegenden von sehr mächtigen ~Quarz~gängen durchsetzt sind. Außerdem zeichnen sich diejenigen Felsberge aus, in denen die berühmten, großen Salpeterhöhlen der Insel liegen und die aus Dolomit[20] bestehen sollen. Die primitiven Gebirge sind aber auch von sehr ausgebreiteten ~Sandstein~bänken umlagert, deren geologische Stellung, in Beziehung auf die Formation, der sie angehören, und auf die fossilen Reste, die sie umschließen, unbekannt ist. An den Gestaden kommt jüngster Meeressandstein vor, nebst Kalkbänken (Korallenkalk?) und außerdem Alluvialboden.

Sehr bezeichnend und allgemein verbreitet auf Ceylon aber sind ~Trümmerbildungen~, Lager von zerstörten Felsarten, die in den Thälern und Flußbetten als Gerölle vorkommen. Und diese Trümmergesteine im Diluviallande sind es, welche den Reichthum Ceylon's an ~Edelsteinen~ enthalten, an allen Arten der ~Quarz~gattung (Onyx, Amethyst etc.), -- an Turmalin, Topas, Granat, Zircon, Rubin (Sapphir, Spinell) u. a., die daher vorzugsweise in Flußbetten gefunden werden. Ebenso Eisenerze. -- Meeressalz wird in Lachen an den Küsten reichlich gewonnen.