Part 4
Und jenseits der Stadt sah man gegen das steile Gehänge der Gebirgskette an, die Penang von Süd nach Nord durchzieht und die fast den ganzen Körper der Insel bildet. Da wir die schmale Zwischenfläche nicht sehen konnten, so schien es, als erhöbe sie sich unmittelbar hinter der Stadt. Ihre waldig-düstre Front stellte sich den Blicken in ihrer ganzen Ausdehnung dar und man konnte deutlich die Schlangenlinien von zwei Wegen unterscheiden, die an ihr hinanführten. Der nördlicher liegende dieser Wege endete etwa in der halben Höhe der Wand an einem kleinen Gebäude, das den Gipfel eines Vorberges oder einer vorspringenden Rippe bedeckte, und das, an seiner weißen Farbe auf dem dunklen Waldesteppich deutlich erkennbar, wie ein kleines Schloß von seiner Höh' herabschaute; -- der zweite Weg schlängelte sich in der Richtung hinter der Stadt hinan und konnte mit den Augen verfolgt werden bis dicht unter den höchsten Saum des Gebirges, wo man auf einem Vorsprunge ein Häuschen erblickte. Über diesem Häuschen sah man auf dem höchsten Saume (der Firste der Kette) selbst zwischen noch mehren Gebäuden den Telegraph und die Stange mit der britischen Flagge, welche hier 2000 Fuß hoch, und weit hinaus in's Meer nach Ost und West sichtbar, in den Lüften flatterte.
Von dieser Höhe herab, die von allen Seiten frei und nirgends von einer andern dominirt ist, muß die Aussicht über das Gebirge, die Stadt und die ganze Insel hinweg, bis weit in die malai'sche Halbinsel hinein, oder in die Malakastraße hinaus, großartig sein.
Aber auch von unten erblickt, mit Augen, die hinauf sehen, gewähren diese luftig-hohen Menschensitze einen romantischen, schönen Anblick. -- Wenn ich die Physiognomie eines Flachlandes oder niedrigen Hügellandes mit: -- »unbefriedigend, endlos, nirgends fesselnd, wegschmelzend, -- Gemüthabstumpfend«, -- bezeichnen möchte, so sind dagegen: -- »erhaben, anziehend, aufmunternd, Hoffnungerweckend und doch auch wieder Sehnsuchtstillend, beruhigend, -- heimisch« -- die Worte, die einigermaßen den Eindruck schildern, den jede große Gebirgsnatur (wenigstens in mir) hervorruft. Dies war auch hier der Fall, mein Auge wandte sich ungern vom Panorama ab und ich fühlte gewissermaßen: »nur im Hochgebirge kann ich glücklich sein.«
Obgleich ich den obersten Kamm der Bergkette von Pulu Penang, die nur einfach ist,[12] mehrmals mit Wolken umhüllt sah, so konnte ich seine Höhe doch nicht für mehr als 2000 par. Fuß halten, weil auf dem höchsten Punkte neben den Gebäuden noch Kokospalmen wuchsen, die man von der Rhede aus eben so deutlich zu erkennen vermochte, wie die einzelnen Wölbungen der Waldbäume auf der Firste überhaupt, -- und weil es bekannt ist, daß sich rund um die Gipfel von Bergen, welche isolirt im Meere liegen und mit Waldung bedeckt sind, schon in geringerer Höhe Niederschläge bilden und Wolken bilden. Die große Steilheit des Gehänges aber, bei großer Schmalheit der Küstenfläche, (der bedeutende Gesichtswinkel, unter dem sich der Kamm des Gebirges darstellt,) ist Ursache, daß man den Bergsaum für höher und entfernter hält.
Außer einigen hellgrünen, wahrscheinlich bebauten Flecken, durch die der bräunliche Boden hindurchschimmerte, nämlich da, wo die Waldung gefällt war, -- außer noch einigen andern, bräunlich-hellen Streifen, die man in den Klüften, Bachrinnen, besonders des nördlichen Theils der Kette bemerkte, und die wahrscheinlich von stattgehabten Bergschlipfen verursacht waren, -- und außer dem langen, schmalen Strahle eines Wasserfalles (Gießbaches) in derselben Gegend, war das dunkle Waldgrün der Hauptkette nirgends unterbrochen.
So war die Aussicht, die sich uns von unserm Schiffe aus auf der ~West~seite darbot. Wir lagen der Insel am nächsten und zählten noch 20 größere und etwa eben so viel kleinere Schiffe, die weiter ostwärts auf der Rhede zerstreut lagen.
Auf dieser ~Ost~seite erblickten wir die niedrige, flache Küste der malai'schen Halbinsel, nämlich des Staates Queda, dessen König einen kleinen, etwa 12 Stunden langen und ein Paar Stunden breiten Saum der Küstenfläche, nämlich den Theil derselben, welcher der Insel Penang gerade gegenüber liegt, an die Briten abgetreten hat. -- Obgleich viel weiter von uns entfernt als Penang, lag diese Küste doch nahe genug, um auf dem hellgefärbten, wahrscheinlich sandigen Strande die Casuarinen deutlich von andern Bäumen unterscheiden zu können, namentlich von den Kokospalmen, welche wie in regelmäßigen Reihen gepflanzt erschienen und, ganze Wälder bildend, sich unabsehbar lang am Strande hinzogen.
So weit unser Blick der Küste entlang reichte, war das Land flach und niedrig, wahrscheinlich alluvial, und erst in einer Entfernung von der Küste, die wir auf 10--20 englische Meilen schätzten, waren Hügelzüge sichtbar, hinter denen sich, noch weiter im Innern, etwa 20--30 engl. Meilen entfernt, größere Bergketten erhoben. Auch einige hohe, ~isolirte~ Berge, die übrigens nicht kegelförmig und also wahrscheinlich auch keine Vulkane waren, stellten sich unsern Blicken dar, ein näherer in Osten und ein fernerer mehr nordwärts, die bis in die Wolken reichten.
Nach eingezogenen Berichten soll dieser, den Briten unterworfene Küstenstrich, der Penang zunächst gegenüberliegt, (und der auch wohl ~Wellesleyland~ genannt wird,) besonders gut bebaut und fruchtbar sein und außer Kokospalmen und andern Fruchtbäumen, besonders viel ~Pfeffer~ produciren; wir konnten jedoch der Entfernung wegen keine bewohnten Plätze, keine Hütten an seinem Gestade erkennen.
Die zutrauliche Nähe der Stadt von Pulu Penang aber, die auf unsrer Westseite lag, munterte uns zu einem Besuche auf.
Ich setzte mich in einen der kleinen Kähne, deren Führer (theils Chinesen, theils Bengalesen) sich anboten, die Passagiere für einen halben Gulden an's nahe Land zu bringen.
Als ich in meinem Kahne dahin glitt, fing -- lauter ~Kanonendonner~ an, meine Ankunft zu begrüßen.
Von ~zwölf Salutschüssen~ erbebte die Luft, während ich mich dem Hafenkopfe näherte.
(Ich befürchte, daß mich einige Leser hier verdacht halten werden, meine Reiseerzählung mit figurativem Kanonendonner ausgeschmückt zu haben, -- ich kann aber in ~Ernst~ versichern, daß mir meine Ohren von den Schüssen dröhnten; denn die sechs Kanonen, womit geschossen wurde, standen ganz dicht am Strande, unter der Mauer der Festung, in deren Nähe ich landen mußte. -- -- Um aber allen möglichen Zweifeln und ungläubigem Kopfschütteln vorzubeugen, will ich lieber folgende Erklärung ablegen. Ich bin nämlich der Meinung, daß auf der Rhede und in der Stadt Pulu Penang Niemand war, der jene Ehrenschüsse auf ~mich~ bezogen hätte, -- am allerwenigsten war ~ich~ einer von denen, die das thaten, ich vermuthete vielmehr, daß die 12 Pfund Pulver zu Ehren des Gouverneurs von Singapur verschossen worden sind, welcher sich (in einer etwas bessern Schaluppe, wie ich) gerade zu der Zeit an Bord eines kleinen Dampfers begab, der bald darauf _via_ Singapur, die Rhede von Penang verließ.)
Ich ~kam doch aber unter Kanonendonner an~, -- stieg die steinernen Treppen des Hafenkopfes hinauf und zögerte nicht, mir so schnell wie möglich einen Palankin[13] zu miethen, um in der kurzen Zeit, die mir bis zur festgesetzten Abreise unseres Dampfers um 10 Uhr übrig blieb, noch so viel wie möglich von der Stadt und ihren Umgebungen zu sehen. (Denn, Leser! glaube mir, ich war weit entfernt, zu befürchten, daß man bei meiner Rückkehr an Bord Salutschüsse für mich thun würde, -- ich war sogar nahe daran zu vermuthen, daß das Schiff sich die Freiheit nehmen würde, um 10 Uhr 0 Minuten ~ohne mich~ abzureisen, wenn ich mich um 9 Uhr 59 Minuten noch nicht an Bord befände.) Ich lebte hier sehr frei, also auch sehr glücklich, denn Niemanden fiel es ein, mich zu belästigen und Notiz von mir zu nehmen, außer dem Chines vom Kahne und dem Zeis vom Palankin, die bezahlt sein wollten.
So viel ich von Penang gesehen oder durch Andre vernommen habe, ist die Fläche, deren östliches (an die See grenzendes) Ende Stadt und Fort trägt, die einzige Ebene auf der ganzen Insel. Sie besitzt von der Stadt an nach Westen bis zum Fuße der Berge ihre größte Breite von etwa zwei englischen Meilen, nimmt aber in Norden und in Süden der Stadt sehr schnell an Breite ab. Sie hat nämlich fast die Form einer halben Scheibe, deren größte Rundung nach Osten in's Meer vorspringt, deren Basis aber dem Fuße der Bergkette angeheftet ist, so daß sich dieser Fuß in den übrigen Gegenden der Insel (nordwärts und südwärts von dieser vorgelagerten Fläche) ~unmittelbar~ und ohne Küstensaum aus dem Meere erhebt. Wie der Kamm der Kette, so streckt auch der Fuß (die Küste der Insel) im Allgemeinen von Süd nach Nord. -- Die Fläche scheint vorzüglich aus einem hellen, bräunlich-grauen Sandgrunde zu bestehen und erhebt sich von der Stadt an (wo ihre Höhe 10 Fuß betragen mag,) sehr allmählig und unmerklich nach dem Fuße der Berge.
Die Stadt ist bedeutend kleiner als Singapur, hat aber viel Ähnlichkeit mit dieser. In dem größten Theile derselben, besonders in dem, in welchem die Inländer (Nichteuropäer) wohnen, sind die Häuser eben so eng an einander gebaut, reihenförmig und bilden eben solche gerade Straßen, die sich kreuzen, wie in Singapur.
Viele von den Häusern, und diese scheinen die ältern, zuerst erbauten zu sein, in denen jetzt die ärmern Menschen wohnen, haben eine offene Vorhalle zwischen viereckigen Säulen von Stein, welche den vordern (vorspringenden) Theil des obern Stockes tragen. Auf den Säulen ruhen nämlich quere Balken und auf diesen Balken ruht das Mauerwerk des obern Stockes, gerade so wie es in einem großen Theile vom chinesischen Kampong in Singapur der Fall ist. Und eben so wie dort, sind auch hier zu Penang viele von diesen Querbalken in der Mitte schon gesenkt, concav, den Einsturz drohend, ja man sieht, eben so wie in Singapur, ganze Straßen, welche diese _facies hippocratica_ haben und doch noch bewohnt sind.
Die Wege in und in den Umgebungen der Stadt sind gut, hart und eben, nämlich mit Meeressand (Korallensand) belegt, der eine bräunlich-hellgraue Farbe hat.
Der schönste Theil der Stadt aber ist der, welcher von der Küste am weitesten absteht und die Wohnungen der (wohlhabendern) Europäer enthält. Diese Wohnungen nämlich liegen mehr vereinzelt und zwischen Gebüsch zerstreut und viele davon sind eine Zierde der kleinen, umgrünten Plätze, in deren Mitte sie sich erheben. Auch einige kleine Kirchen zeichnen sich auf solchen Plätzen aus. Die Zahl der Fruchtbäume, die sich zwischen diesen Wohnungen oder Villen emporwölben, ist viel größer, -- das Ganze ist viel belaubter, schattiger als zu Singapur und das schöne Grün der Bäume, das mit dem hellen Sandboden lebhaft absticht, giebt den Häuschen oder kleinen Palästen, die darin zerstreut liegen, ein viel wohnlicheres, lieblicheres, einladenderes Ansehn, wie dort. Auch bemerkt man, besonders an Wegen und Plätzen viele Casuarinen unter den Bäumen.
Die kleinen Tempel der Chinesen, Bengalesen und andern Indischen Nationen, nebst den M[)e]sigit's (Moskee'n) der Malaien und Araber, in denen Mahomed für den ~einzig~ wahren Propheten gilt, -- sieht man hier in nachbarlicher Eintracht zusammenstehn mit den Kirchen des Kreuzes. --
Nachdem ich die Stadt genugsam durchkreuzt und im, beiläufig gesagt, sehr kleinen, kneipenartigen Hotel eine Tasse schlechten Kaffee getrunken hatte, der aber, weil es am Lande war, mir und andern besser schmeckte, als der gute Kaffee bei uns an Bord, warf ich mich wieder in die Arme des Zeis vom Palankin, der mich zum Hafenkopfe, und des Kee's (Chinesen) vom Kahne, der mich an Bord brachte, wo ich eben noch zur rechten Zeit ankam, um die Spazierfahrt nach Europa mitzumachen.
Wir verließen die Rhede präcis um 10 Uhr (den 12ten September) des Vormittags, gerade in dem Augenblicke, als ein Regenschauer vor der Bergkette von Penang vorbeizog, während ringsum der heiterste Sonnenschein glänzte, und fuhren nord- zu west-wärts zwischen Pulu Penang und der Küste von Queda, natürlich der erstern viel näher, dahin. Eine Viertelstunde später veränderten wir unsern Cours nach Nord-Nord-West und erblickten nun von der Nordseite her den ~flachen~ Theil der Insel, den wir nun seiner Breite nach sahen und der sich von hier aus nur wie ~ein~ einziger Wald von Kokospalmen darthat, von der Küste an reichend bis dicht an den Fuß des Gebirges.
Als wir in dem grünlichen, untiefen Wasser der Malakastraße noch weiter nach Norden gekommen waren, sahen wir die von vielen Kokospalmen beschatteten Hütten eines Dorfes auf dem Strande stehn, welcher sich schnell und steil zum Gebirge erhob. Die Wälder, welche dieses bedecken, waren über dem Dorfe beträchtliche Strecken weit gelichtet und mit Bäumen (vielleicht Muskatbäumen oder Pfefferstauden) in regelmäßigen Reihen bepflanzt und in diesen gelichteten Gegenden des Gebirges war es, wo wir eine Menge von Felsblöcken zu erkennen vermochten, die, von zum Theil kolossaler Größe, am Gehänge herum zerstreut lagen und die in einer weißlichen oder hellgrauen Farbe schimmerten. -- Auf der malai'schen Halbinsel sahen wir ferne Gebirgsketten, die bis in die Wolken reichten; ja diese Ketten, die später scheinbar zu isolirten Bergen wurden, (weil die wenigen hohen Theile derselben, je weiter wir uns von ihnen entfernten, immer weiter unter dem Meere verschwanden,) waren, wenn auch nur schwach und tief im Horizonte, auch des Abends um 6 Uhr noch sichtbar, als wir uns schon in der Entfernung von beinahe einem Längegrade von der Mitte von Penang und gewiß von 1-3/4 Graden von den Bergen der Halbinsel selbst befanden. Ihre Höhe muß hiernach sehr bedeutend sein und ~wenigstens~ 9000 Fuß betragen. Das vor ihnen liegende Küstenland Queda's aber schien eine Breite von 30--40 engl. Meilen zu haben und flach oder doch nur niedrig zu sein.
Es war zwischen 12 und 1 Uhr, als wir um das Nordende von Penang herumbogen und nun mit ~west~lichem Cours in das immer dunkler werdende Meer hineindampften. In demselben Maße, in welchem wir uns von ihr entfernten, tauchte die Betelnußinsel[14] tiefer unter den Horizont, -- ihr Ufersaum war schon um 1-1/2 Uhr nicht mehr sichtbar, -- ihre Bergkette wurde niedriger, konnte aber deßhalb, in ihrer Gesammtausdehnung, desto deutlicher übersehen werden.
Diese westliche (oceanische, pelagische) Seite von Pulu Penang, die der Stadt mit ihrem Hafen entgegengesetzt ist, stellt sich schon den bloßen Augen weit steiler als die östliche oder Landseite dar, sie steigt fast ohne Strand unmittelbar aus dem Meere und ist, nach eingezogenen Berichten, vom Meere aus unzugänglich, ohne Ankerplatz und fast ganz unbewohnt. (In Vergleich mit dem niedrig-hügligen Singapur ist Penang in der That hochgebirgig zu nennen.)
Sie wurde immer blässer und blässer, sank immer tiefer unter den Horizont, -- und um 6 Uhr des Abends, als die Mondesscheibe schon 20° hoch am östlichen Himmel stand, war sie nur noch mit guten Augen an dem Saume des Meeres wie ein schwaches Wölkchen zu erkennen.
Wir fuhren die ganze Nacht bei hellem Mondschein nach West zu Nord durch eine ~spiegelglatte~ See, in welcher unser Schiff wohl eine engl. Meile weit, eine schnurgerade Fahrt zurückließ, wie eine Straße oder Eisenbahn, die perspectivisch kleiner wurde. In der Mitte war die Bahn concav, aber glatt -- zu beiden Seiten der Mitte war ein convexer, von den großen Wellen der Räder gehobener und bewegter Rand; -- dann kam an der äußern Seite dieser Wellenlinien ein breiterer, von ganz kleinen, spitzen und dicht an einander gedrängten Wellen bewegter Streifen -- und endlich zu den Seiten dieses letzterern lag die todtstille, wie polirte Oberfläche des Meeres.
Als uns nun wieder der Ocean umfluthete und auf allen Seiten nur noch eine einförmige Wasserfläche lag, auf deren Spiegel das Auge vergebens nach einiger Abwechselung suchte, -- da erwachte das freundliche und doch so großartige Bild von Pulu-Penang, so wie wir es von der Rhede aus gesehen hatten, mit erneuerter Lebendigkeit in unsrer Phantasie. Der langhingezogene Gebirgsrücken, der sich steil erhebt und dessen ungleichhoher Saum bis in die Wolken reicht, -- die hellfarbigen, (meistens weiß übertünchten) Gebäude der Stadt, hinter denen das waldige Berggehänge, wie ein dunkelgrüner Teppich ausgespannt ist, -- die Wege, die in Zickzacklinien an der steilen Böschung hinanführen, die weißen Gemäuer, welche vom Gipfel eines Vorgebirges, wie ein altes Schloß herabschauen, -- die Signal- und Flaggenstange nebst den Gebäuden, welche aus der düstren Waldung des ~hochobersten~ Rückens jäh auf die Rhede herabblicken und auf die Schiffe, die so nahe an ihrem Fuße ankern, -- -- dies voral waren die Hauptzüge, welche unsrer Erinnerung noch lange eingedrückt blieben.
Weitere Nachrichten über Pulu-Penang findet man in den oben bei Singapur angeführten Werken von _~Crawfurd~_, (_Journal_), _~Finlayson~_ (_Journal, p. 23 etc._), _~Colebrooke~_ (_Notice_), _~Newbold~_ (_Account_) und _T. ~Ward~_, _short sketch of the geology of Pulo Penang etc._ -- in _Asiat. Research. Calcutta, 1833. vol. XVIII, p. 149 etc._
Aus diesen Werken entlehne ich die folgenden allgemeinen Notizen.
In 1783 kam die Insel zuerst in Privatbesitz des Capitains bei der britischen Marine, ~Ligt~, der sie vom König von Queda als Brautschatz einer Prinzessin erhielt, welche er heirathete; in 1786 wurde die Insel Eigenthum der englischen Krone. -- Sie ist 16 engl. Meilen lang und etwa halb so breit. Die Bergkette, die mit ihren Abhängen und Vorgebirgen den größten Theil der Insel ausmacht, besteht aus ~Granit~, der oft in Syenit übergeht, und erhebt sich in ihren höchsten Punkten zu einer (bloß geschätzten[15]) Höhe von 23--2500 engl. Fuß. -- Der Boden ist im Allgemeinen dürr, felsig, und weder zum Anlegen von Sawah's, noch zum Anpflanzen von Zuckerrohr, sehr gut, aber zur Kultur des Muskatnußbaumes und noch mehr des ~Pfeffers~ geeignet, der zweimal jährlich reiche Ernte giebt, die von Chinesen besorgt wird. Reis wird aus Bengalen und aus dem gegenüberliegenden Queda eingeführt. Die Hochwaldung, welche die Berge bedeckt und von vielen Affen bevölkert ist, zeichnet sich durch säulenförmige Stämme aus. Die Einwohner sind Malaien, Buginesen, Batta's, Chinesen, Siamesen, Bengalesen, Malabarer, Coromandelesen, Araber, Perser, Europäer; ihre Zahl belief sich, den der Insel Penang gegenüberliegenden Küstenstrich mitgerechnet, im J. 1844 zufolge dem _Singapore Chronicle_ auf 91,700 Seelen, wovon die größte Zahl Malaien waren. Werth der Ausfuhr (nach Crawfurd) betrug in 1825: 5-1/2 Million Dollar; die Einnahmen waren 200,000 und die Ausgaben fast doppelt so viel. In 1836 betrugen diese Größen nach Newbold in Siccaropoijen[16]: 6,578,013 (Ausfuhr), -- 190,859 (Einnahme), -- und 54,740 (Ausgaben).
Den 13ten Sept. war unser Cours bei heitrem Wetter und spiegelglatter See erst West zu Nord und später West-Nord-West. -- Wir fuhren also in der Richtung nach der Nord-West-Spitze von Sumatra und erblickten zuerst gegen Abend zu unsrer Linken, nämlich in Süden, eine Bergkette auf der Insel Sumatra, und zwar diejenige, worin der sogenannte ~Elephantenberg~ liegt, die aber so blaß waren, daß man sie kaum zu erkennen vermochte.
Wir hatten uns bis dahin auf unsrer Fahrt durch die Straße von Malaka des heitersten Wetters erfreut, nur am 10ten war es trübe gewesen und öfters feiner Regen gefallen, doch war es windstill geblieben, -- am Abend des heutigen Tages (den 13ten Sept.) aber trat ein stürmischer West-Süd-West-Wind mit Regen ein, der die ganze Nacht anhielt und unsrer Fahrt also fast gerade entgegengesetzt war. Das Wetter änderte sich also zur Zeit, als wir der Insel Sumatra näher kamen.
Erst am Morgen des 14ten Sept. (unser Cours war West, gegen den Wind) konnten wir zu unsrer Linken die Bergketten auf Sumatra deutlich sehen, obgleich sie sich nur in blasser Ferne darstellten und der Küstensaum unter dem Horizonte blieb. Besonders ein Berg, den wir des Morgens um 6-1/2 Uhr in Süden sahen (s. Fig. 6), zeichnete sich durch seine Kegelform aus; es war der sogenannte ~Goldberg~, der zwischen Pedir und Atjin liegt. Weiter westwärts von diesem erschien noch ein andrer, hoher Berg, der drei, halb in den Wolken verborgene Gipfel hatte und mit dem vorigen durch ein mäßig hohes Zwischenland verbunden war, -- und noch weiter nach Westen zu erhob sich eine lange, aber sehr ungleich hohe Kette, die viel näher als jene beiden Berge lag, also auch deutlicher, dunkler war, und deren höhere Punkte ebenfalls in die Wolken reichten.
Dies war Alles, was uns von Sumatra (Atjin) sichtbar wurde, und es war zugleich das ~letzte~ Land des Indischen Archipels, in dem ich nun 12 Jahre lang gelebt und gereist hatte, das wir erblickten. -- Wie die Berge mehr und mehr dahin schwanden in blasse Ferne, erwachte lebhaft in mir die Erinnerung an die Batta-Länder, die dort hinter jenen Bergen liegen und in denen ich zwei der kräftigsten von jenen 12 Jahren meines Lebens zugebracht hatte, unter Menschen, die zwar in gewissen Fällen nach ihrem Gesetz Cannibalen, aber sonst gut und treu sind. Ich dachte an die schönen, romantischen Thäler und Berge von Angkola, -- an das Plateau von Tobah, auf dem man, mitten unter dem Äquator in einer Luft, so kühl, wie in Europa lebt, -- an die Fichtenwälder von Tobah und Hurung, durch die der Wind dort säuselt, -- ich dachte an den Hochgenuß einer ~freien~ Existenz in schöner, erhabener, reicher Natur, -- ich dachte an die Abentheuer und wechselnden Schicksale, die ich dort, unter dem guten Volke, erlebt hatte, -- und die Berge verschwanden, für mich vielleicht für immer, -- sie tauchten unter in's Meer, und das Schiff fuhr dahin, -- um mich in andre Länder und unter andre Völker zu bringen, bei denen man wenigstens (wenn man seine Abgaben richtig bezahlt,) der Gefahr ~aufgegessen~ zu werden, nicht ausgesetzt sein wird.
* * * * *
~Den 21sten Sept. Abends.~ -- Wir haben nun vom 14ten Sept. an bis jetzt acht Tage zugebracht mit dem Durchschiffen der indischen See, südwärts vom Golf von Bengalen, um den Raum zwischen Sumatra und Ceylon zurückzulegen. Unser Cours war fast fortwährend rein westlich und der Wind blies anhaltend aus West-Süd-West; er war ~gewöhnlich~ nur mäßig-heftig, -- verstärkte sich aber ~sehr oft~ auf eine stürmische Art und war dann jederzeit von Regenschauern begleitet, die von vorn und links schief über das Verdeck hinwegstrichen, aber wie der stürmische Wind selbst, nur von ~kurzer~ Dauer waren; -- der Himmel war meistens trübe, gleichmäßig bewölkt und nur selten von einem blauen Fenster unterbrochen. Die See ging hohl, das Schiff schwankte stark und alle Luken auf der Windseite mußten geschlossen werden, weil häufige Seen (Wellenspitzen) hinter dem Räderkasten herauf auf das Verdeck schlugen und bis zum Steuerruder spritzten.