Part 13
Indem wir von Kafrah weiter durch die Wasserfläche fuhren, sahen wir noch viele Dörfer, die alle eine und dieselbe Physiognomie hatten, nämlich viereckige, platte, bald nur aus Erde gebaute, bald steinerne und dann gewöhnlich weiß angestrichene Häuser mit dunkeln Fensterlöchern, -- nebst Dattelpalmen, die um sie herum standen und die sich auch zuweilen mit ihren geraden Stämmchen waldähnlich am Ufer zusammendrängten. -- Alle waren Inseln in einem See und zogen sich immer kleiner, streifenförmiger werdend, bis fern an den Fuß der Wüstenterrasse hinter einander hin.
Wir erreichten diese ein Viertel nach 8 Uhr und stiegen -- nach einer bald zu Wasser, bald zu Esel, bald zu Fuß fortgesetzten Fahrt von 4-3/4 Stunden -- am Ufer unterhalb der Pyramiden an's Land.
Das Felsgehänge, das hier vor uns lag, ist von der Wüste her größtentheils mit Sand überschüttet und in Rippen von Sand verwandelt, die, nach unten breiter werdend, sich vom Rande der Terrasse herabziehn. In den obern Gegenden des Gehänges aber sind zwischen den Rippen hier und da die Felswände entblößt und hier öffnen sich an mehren Stellen eine Menge kleiner, viereckiger in den Fels gehauener Kammern, die ~Katakomben~, die aber ihres Inhaltes -- der Mumien -- gewiß schon seit langer Zeit beraubt waren. Das Gestein, das in horizontalen Bänken liegt, ist ein bleicher, gelblich-weißgrauer, mürber, grober, sehr ungleichförmiger, leicht zerbröckelnder, tertiärer Kalkstein, der fast ganz aus zusammengebackenen fossilen Seethieren, Balanen, Korallen, Muscheln, besonders Nummuliten zusammengesetzt ist (Nummulitenkalk). Siehe Pyramiden Nr. 1 im Leyd. Reichs-Museum. Aus demselben Stein gehauen liegen hier ungeheure, würfelförmige Blöcke, die fast die Höhe eines Menschen haben, auf einander gethürmt; sie bilden einen Damm, der von Ost nach West aus dem Nilthal hinauf zu dem Theile der Wand führt, wo sich die Katakomben befinden. Weiter aufwärts ist auch er mit Sand überschüttet.
Wir kamen nach viertelstündigem Klimmen um 8-1/2 Uhr oben am Rande der Wüstenplatte an und sahen nun die östlichste der Pyramiden von Gizeh, die ~Pyramide von Cheops~, in geringer Entfernung von uns. Eine Menge Araber waren uns aus den benachbarten Dörfern des Nilthales gefolgt, Alte und Junge, deren Jeder etwas verdienen wollte. Einige boten sich an, mich beim Ersteigen der Pyramiden zu unterstützen, -- andere trugen Fackeln, um diese beim Besuche des Innern der Pyramiden anzuzünden, andere hatten Trinkwasser in Flaschen und Krügen mitgenommen; -- alle aber wollten sie für die Hülfe, die sie dem Reisenden aufdrangen, so theuer, wie möglich, bezahlt sein.
Ich besuchte zuerst das Innere und erkletterte nachher den Gipfel der östlichsten Pyramide, welche für die höchste in Egypten gilt und 450 par. Fuß hoch ist. Ich enthalte mich jedoch einer Beschreibung dieses durch den Besuch großer Alterthumsforscher so bekannt gewordenen Monuments. Mein Zweck konnte nur sein, den Leser mit der ~äußern Physiognomie des Landes~ überhaupt und dieser Denkmäler in's Besondere bekannt zu machen. Man klettert über Haufen von Sand und zerbrochenen Steintrümmern etwa bis ein Fünftel der Höhe hinan, wo sich in der nord-östlichen Wand der Pyramide der Eingang zum Innern befindet. Über diesem Eingange war in bunten Farben die Hieroglyphenschrift zu lesen, die R. ~Lepsius~ nach seiner Ersteigung der Pyramide (am 15ten October 1842) hier hat einhauen lassen, zum Beweise, daß dem Scharfsinn wissenschaftlicher Forschung auch die Entzifferung der räthselhaftesten Zeichen möglich ist, deren mystische Unauflösbarkeit zum Sprüchwort geworden war.
Beim Besuche des Innern muß man in sehr gebückter Stellung in einem langen, engen und kanalartigen Gange, dessen vier Wände aus geglätteten, polirten Steinplatten bestehen, hinabsteigen oder besser, hinabrutschen, denn der Kanal führt sehr steil und schnurgerade abwärts, und muß nachher auf einem ähnlichen glatten Grunde, auf dem es schwer ist, festen Fuß zu fassen, fast eben so hoch wieder hinaufklimmen und über mehre gefährliche Stellen auf schmalen Vorsprüngen hinwegklettern, um beim trüben Scheine der Fackeln den innern viereckigen Raum zu erreichen, der die Größe eines mäßigen Zimmers hat. Hier steht ein länglich-viereckiger Sarkophag, ohne Deckstück, einer Badewanne ähnlich, der aus ~einem~ Stücke desselben Gesteins gearbeitet ist, womit die vormals polirten Wände umher belegt sind, -- nämlich aus einem schönen, großkrystallinischen Granit, der, außer röthlichem Feldspath und weißem Quarz, viel schwarze Hornblende und keinen Glimmer enthält, also syenitartig ist (s. Museum in Leyden, Pyramiden Nr. 4[44]). -- Überall sieht man die deutlichsten Spuren, daß sich frühere Reisende Stücke von diesem Gestein abgehämmert haben, das schon vor drei- bis viertausend Jahren einmal von der Hand des Menschen bearbeitet wurde, -- und ich nahm mir dieselbe Freiheit.
Ich bin zweifelhaft, ob ich das Besuchen des Innern der Pyramiden oder das Ersteigen ihrer Spitze für schwieriger halten soll; letzteres verlangt mehr Kraftentwickelung, das erstere aber ist beschwerlicher, da es zum Theil in gebückter Stellung geschehen muß, im Rauche der Fackeln und zwischen Beduinen. Diese bemühen sich allerdings, es dem Reisenden so ~leicht~ wie möglich zu machen und ihn deswegen von aller unnöthigen ~Last~ zu befreien, z. B. von seinen Taschentüchern, die sie ihm mit dem, was sie sonst noch kriegen können, hinten aus seiner Tasche ziehn, -- aber als Fremder, -- gänzlich Unbekannter, in so einsamen abgelegenen Räumen unter einigen Dutzend Banditen zu athmen, kam mir unsichrer vor, als 200 Fuß hoch in der Luft an der schroffen Wand der Pyramiden zu kleben.
Als ich in dieser Höhe angekommen war und mich ermüdet auf einem der schmalen Vorsprünge niederkauerte, als ich von da an der steilen Wand 200 Fuß tief hinabschaute und das weite Nilthal mit seinen Inseln nebst der Wüste so ~tief unter~ mir erblickte und -- ~über~ mir noch 250 Fuß hoch zur obern Hälfte der Pyramide, die ich noch zu ersteigen hatte, hinansah, -- da erst steigerte sich das Bewußtsein der Größe von diesen Denkmälern menschlicher Kunst zur ~Empfindung~ und es war ganz unwillkührlich, daß sich ein Gefühl der Bewunderung, des ~Staunens~ meiner bemächtigte.
Diese Empfindung spannte mich an, meinen Vorsatz zum Erklettern der Spitze nicht aufzugeben, so gefährlich und so schwindel-erregend dieses Geschäft auch war. Die würfelförmigen Steinblöcke, aus denen die Pyramiden emporgethürmt sind, waren derselbe mürbe, mit dem Hammer leicht zertrümmerbare Nummulitenkalk (Pyramide Nr. 1, Reichs-Museum), dessen ich schon oben gedachte. Die Blöcke waren drei bis vier Fuß hoch und darüber; sie waren treppenartig an einander gereiht, so daß man stets von einer Stufe auf die andre klettern mußte. Da aber die Vorsprünge nur schmal und oft nur zwei Fuß breit waren, die Wand der nächsten Stufe sich aber oftmals so hoch erhob, als die Größe eines Menschen beträgt, so würde es unmöglich gewesen sein, sie ohne Leitern zu erklettern, wenn das Gestein an vielen Stellen nicht wäre zerfressen gewesen und Lücken geformt hätte, die in den vormals scharfen Rand der Treppen einschnitten, -- ihn rauh, uneben und dadurch zugänglich machten. Oft mußte ich 25--50 Fuß weit auf den schmalen Vorsprüngen in einer horizontalen Richtung hinschreiten, bis ich eine zugängliche Stelle, Lücke, des Randes antraf, durch welche ich auf die höher liegende nächste Stufe gelangen konnte. Auch dieses würde nicht möglich gewesen sein ohne Hülfe der Führer, welche die zugänglichen Stellen kannten und mich im Zickzack hin und her von der einen Stufe auf die andre immer höher hinaufbrachten, bis auf die 450 Fuß hohe abgestutzte, zertrümmerte Spitze der Pyramide, wo ich noch Zeichen vom Besuche des Herrn ~Lepsius~ fand, wahrscheinlich dem letzten, welcher diesem Denkmal geworden.
Das Eigenthümliche, zwar weniger Schöne, aber ungemein Großartige der Aussicht, die sich von diesem[45] Standpunkte aus darbot, will ich nicht versuchen zu beschreiben; denn ich befürchte, daß mir dies eben so wenig gelingen würde, als mir die Entzifferung der Hieroglyphen gelang, die man am Fuße der Pyramide eingegraben sieht. -- Zur Seite sah man nach Süd-West, West und Nord-West weit in die starre Wüste hinein, nach Süd reichte der Blick aufwärts im Nilthale bis jenseits der Pyramiden von Sakara über Memphis hinaus, -- und nach Nord und Nord-Ost blickte man weit in das überschwemmte Delta hinein, über Cairo hinweg bis zu den Ruinen von Heliopolis.
Der Gedanke, auf der Spitze eines Monuments zu stehen, das sowohl das ~größte~ und höchste in der Welt ist, als auch das ~älteste~, -- dessen Gründung und Bestimmung in ein mystisches Dunkel gehüllt bleibt, -- das aber drei bis vier Jahrtausende an sich vorüberfliegen sah, -- und von diesem Denkmal herabzublicken auf ein durch Natur sowohl, als Menschenbildung so merkwürdiges, räthselhaftes Land, das die Wiege war uralter Wissenschaft und Kunst und das seit den Zeiten der Pharaonen bis zu dem Helden von der Schlacht an den Pyramiden, der Schauplatz war so mancher welthistorischen Begebenheit, -- dieser Gedanke gab der Aussicht, die ich genoß, einen ganz eigenen, träumerischen Reiz, dem ich mich noch länger würde überlassen haben, wenn nicht der kalte Nordwind, der über die Spitze der Pyramide unsanft hinwegpfiff, mich an das Herabsteigen gemahnt hätte.
Ich kam mit zerrissenen Kleidern, doch unzerbrochenen Gliedern, wieder am Fuße der Pyramide an und stieg von da an einer andern, mehr südlich gelegenen Stelle des Wüstenrandes in's Nilthal hinab; ich nahm diesen Umweg, um den großen Sphinx zu besuchen, der eigentlich nur ein stehen gebliebenes Stück ist von der Felswand selbst. Man hat diese ringsherum auf die Art ausgebrochen, daß allein der Theil davon stehen geblieben ist, welcher durch weitere Bearbeitung die Gestalt erhalten hat, die schon sein Name anzeigt. Ich erkannte deutlich die horizontalen Streifen der verschiedenen Schichten, woraus die ursprüngliche Felswand bestand, -- das Gebild aber war so kolossal groß, daß ich anfangs von der hintern Seite nichts sah, wie einen unförmlichen Felsthurm und mich auf der Seite des Nilthales, der Ostseite, in eine gewisse Entfernung begeben mußte, um die Züge der Figur zu erkennen, die dann um so frappanter hervortraten, je weiter ich mich davon entfernte.
Von da trat ich meine Rückreise nach Cairo an; die Reise nach den Pyramiden kostete: zwei Esel 4, -- eine Barke 2, -- zwei Araber, die bei der Ersteigung der Pyramide behülflich waren 4, -- zwei andere, die Fackeln und Trinkwasser lieferten 2, -- zusammen 12 Schilling.
Nachdem in der Nacht vom 20sten bis 21sten October der Transport der Passagiere von Bombay angekommen war, mit dem ich beschlossen hatte, meine Reise fortzusetzen, begab ich mich am 21sten gegen Abend um 5 Uhr nach Bulak und schiffte mich auf dem kleinen Flußdampfschiffe ein, das diesmal nur 35 Passagiere nach Alexandrien zu bringen hatte.
Von hier schien sich bis zum Fuße des Wüstenrandes nur ~eine~ Wasserfläche auszudehnen, die voll von Inseln mit Dattelpalmen war. Ich warf noch einen letzten Blick auf die Pyramiden, die sich auf dem Wüstenrande erhoben und die im falben Grau der Abenddämmerung, 9--10 engl. Meilen weit, zu uns auf die ~Transitroad~ herüberblickten, -- und überließ mich dann, nachdem unsre Dampfmaschine um 6-1/4 Uhr in Bewegung gesetzt war, der Zeit und dem Strome, die beide unaufhaltsam dahinflutheten. Wir trieben, oder besser, ~flogen~, von inländischen, arabischen, Lootsen geleitet, pfeilschnell den reißenden Strom hinab, der nirgends ein Ufer mehr hatte, da die ganze nun immer breiter werdende überschwemmte Fläche des Delta's nur ~ein~ Wasserspiegel war. Bald hüllte die fallende Nacht alle Gegenstände in ihren grauen Flor und wir mußten die Lokalkenntniß des Lootsen bewundern, der, ungeachtet der weit und breit überschwemmten Ufer und, wie es schien, des Mangels aller sichtbaren Marken, dennoch das mit unglaublicher Schnelligkeit dahin fliegende Schiff im Fahrwasser zu halten wußte.
Wir schifften im westlichen Arme des Nils, der bei ~Rosette~ mündet, hinab und kamen um 4-1/2 Uhr des Nachts oder besser des Morgens am 22sten zu Atféneh, oder Atfieh, an, in der Nähe der großen Stadt Fuah, wo wir mit unsrer Bagage in noch kleinern Barken übergeschifft wurden. Denn wir lagen hier am Eingange des schmalen künstlichen Kanales, durch den wir nun bis Alexandrien weiter gebracht werden mußten. -- Die Mündung des Kanals liegt nur noch 3-1/2 geogr. Meilen von Rosette entfernt, und 1° 15' nördlicher, als Bulak, bis zu welchem Orte der gradlinigte Abstand 19 geographische[46] Meilen, die vielen großen Krümmungen des Nil aber mit in Anschlag gebracht, gewiß das Doppelte beträgt. Wir hatten also ganz Unter-Egypten (das ganze Delta) von Cairo bis in die Nähe des mittelländischen Meeres in weniger als einer Nacht durchschifft.
Es war 5-1/2 Uhr, als uns ein kleines, seiner Form nach von den übrigen abweichend gebautes Schiff, das ~nur~ eine Dampfmaschine mit Schrauben enthielt, an's Schlepptau nahm, um uns durch den engen Kanal zu ziehen, der für die Bewegungen eines Dampfschiffes von größerm Umfang zu klein gewesen sein würde. -- Der Kanal macht von hier einen großen Umweg und geht erst wieder rückwärts in einem halbkreisförmigen Bogen nach Süden, um die niedrigen, zum Theil unter Wasser stehenden Umgebungen des See's Etku herum, ehe er sich west-nord-westwärts nach Alexandrien richtet.
Ich muß hier ausdrücklich bemerken, daß am Bord der kleinen, schmalen Flußdampfboote von Cairo bis Atféneh und in den noch kleinern Barken von da bis Alexandrien an kein Schlafen zu denken war, weil 1) der Schiffsraum so vollgepfropft von Reisenden war, daß man froh sein mußte, einen Sitzplatz an einem Tische erhalten zu können und 2) auch keine andern Räume, viel weniger Betten vorhanden waren. Essen und Trinken wurde oft gereicht oder, besser gesagt, die Tafel war die ganze Nacht hindurch gedeckt, aber auf egyptische Art; wenigstens ich dachte dabei immer an Pharao's magere Kühe, deren Fleisch vielleicht noch besser würde gewesen sein, als die Herrlichkeiten, die hier aufgetischt wurden: dünner Thee, schwacher Kaffee, Reis mit stinkendem Fett angerührt, harter Schiffszwieback, magere, halb gargekochte oder gebratene Hühner, -- das war so ziemlich Alles. Die Engländer aßen von diesen Leckerbissen mit musterhaftem Appetit und hielten sich auch hier, wie überall, streng abgesondert von andern Nationen, als wenn sie alle nicht britischen Menschen für Ketzer oder alle andern Völker -- Franzosen, -- Spanier, -- Holländer ganz unwürdig ihres Umganges hielten, -- eine, wie mich dünkt, nicht sehr liebenswürdige, aber von ausgezeichnetem Eigendünkel zeugende Eigenschaft. Die Franzosen betrugen sich viel mehr als Weltmänner und legten offenbar eine viel feinere, gewandtere Bildung an den Tag, als jene, auf ihre -- angelsächsische oder normännische -- Nationalität stolzen Söhne Old-England's. Die Römer, bis _anno_ 1 nach Christus und noch etwas später, waren eben so hochmüthig und dachten, das «_civis romanus sum_» aussprechend, nicht an ihren Fall. -- Was ist aus ihrem Reiche geworden? u. s. w.
* * * * *
Als am 22sten October der Tag graute, waren wir noch im Kanale und sahen uns von einer erbärmlich-öden Landschaft umgeben, denn wir erblickten Nichts, wie braune Erdufer und Dämme, die hier und da mit einer ebenfalls aus ~brauner Erde~ erbauten Hütte bedeckt waren. Manche dieser Hütten waren viereckig, andere hemisphärisch von Gestalt. Sie waren nur mit ~einer~ kleinen Öffnung, nämlich der Thüre, versehen und schwerlich hoch genug, daß die Beduinen, die aus den Löchern hervorkrochen -- lauter schmutzige, zerlumpte Gestalten, -- aufrecht im Innern stehen konnten. Man hätte sie aus der Ferne für Bienenkörbe halten können, denen sie ihrer Form nach glichen, wenn sie nicht ein wenig größer gewesen wären.
Zu beiden Seiten des Dammes, der nur selten die Spuren von Pflanzenwuchs trug, sahen wir weite kahle Flächen, die bald trocken und sandig oder noch mit feuchtem, braunem Schlamm bedeckt, bald, jedoch sehr untief, oft nur einige Zoll hoch, mit Wasser überschwemmt waren. Es gehörten diese Gegenden dem fast ganz trocken liegenden See Mariut (Mareotis) in Süd-West und dem See Etku, so wie später dem See Abukir, beide in Norden, an, von denen der letztgenannte auch fast ganz ausgetrocknet war. Die beiden letztern blieben also zur Rechten, der erste zur Linken liegen, während wir im engen Kanale von unserer kleinen Dampfmaschine dahingezogen wurden. Etwas Häßlicheres kann man nicht sehen, als diese ganz horizontalen Schlammflächen oder untiefen Wasserlachen, durch die der braune Boden überall hindurchschimmert und die, so weit das Auge reicht, auch nicht die geringste Abwechselung darbieten. Kaum, daß hier und da ein Vogel darin herumwadet. Die Luftspiegelung allein war es, welche der Landschaft einigen Reiz verlieh und hier war es in der That schwer, zu unterscheiden, wo man wirkliches Wasser oder wo nur den Schein von Wasser sah.
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Der Erdwall des Kanals ging endlich in Mauerwerk über und es erschienen wieder Dattelpalmen in Gärten, die mit Mauern umgeben waren. Diese lehnten sich einem niedrigen Hügelrücken an, der sich von Süd-West nach Nord-Ost in weite Ferne hinzog. Wir sahen nämlich den schmalen, erhöhten Landstreifen vor uns, der zwischen den überschwemmten Flächen Egypten's und dem mittelländischen Meere als Bollwerk daliegt, -- wir erblickten immer mehr und mehr Spuren menschlicher Kunst, -- Gebäude, Pflanzungen, -- und kamen um 11-3/4 Uhr zu ~Alexandrien~ an, das auf einem in's Meer hinausragenden Felskap dieses Bergstreifens erbaut ist.
Wir konnten von dem Ende des Kanals, wo unsre Barke anlegte, die Wanderung in die Stadt nach Belieben auf Eseln machen oder auch eine Art von Omnibus besteigen, die sich zu dem Behufe eingefunden hatten. Auch unser Gepäck wurde auf Eseln oder Kameelen in die Stadt gebracht, die viel größere palastähnliche Gebäude, zahlreichere Gasthöfe enthält, und als viel besuchter Hafenort, als der Sitz der fremden Gesandten, -- als Wohnplatz vieler europäischer Kaufleute, auch ein ungleich mehr europäisches Ansehn hat, wie Cairo. Die Umgebungen der Stadt sind aber viel weniger schön, viel öder und einförmiger und bieten, außer einigen Obelisken und andern Ruinen, dem Reisenden weniger Sehenswerthes an, als die erstgenannte Stadt.
Fußnoten:
[21] In Beziehung auf Aden selbst kann sie richtiger die ~nördliche~ genannt werden, da der größte Theil der Halbinsel im Süden derselben liegt, in Beziehung auf die Aden-Bai aber (auf der Ostseite der Halbinsel) die westliche; s. Fig. 16.
[22] Oder Sumali, Somauli, deren einige Hundert zu Aden wohnen.
[23] Hier endigt sich nämlich die westliche oder Back-Bai an dem Isthmus, der die Halbinsel mit Arabien verbindet.
[24] Dem steilen Ufergehänge, in das er sich hier zum westlichen Gestade der Aden-Bai herabsenkt, liegt ganz nahe (in Osten) die kleine, hohe Insel Sira vor.
[25] Beim Einsteigen in die Wagen zu Suez war ich gezwungen, den größten Theil der gesammelten Steine wegzuwerfen, weil (aus Mangel an Platz) sich meine Reisegenossen über das viele Gepäck beschwerten.
[26] Es wurden diese Körper zu Leyden einer genauen chemischen Prüfung unterworfen, so daß über die Richtigkeit der Bestimmung kein Zweifel bestehen kann.
[27] _Liquidambar Altinghiana._
[28] Man sehe _»Java, deszelfs gedaante, bekleeding en inwendige structuur.« Amsterdam, 1851. D. 2, p. 812 en 908_. (Von diesem Werke kommt in demselben Verlage, wie diese Rückreise, eine deutsche Ausgabe nach der eben begonnenen zweiten holländ. Auflage heraus, in welcher jedoch bis jetzt die Beschreibung der erwähnten Krater noch nicht erschienen ist.) J. K. H.
[29] Das Vorstehende ist die Bedeutung dieses arabischen Wortes.
[30] Groß Harnish- (¿[h.]-r-n-b-n¿), klein Harnish-Insel und andre auf der Karte des rothen Meeres von R. ~Moresby~ (_Chart of the Red Sea etc. Surveyed in the years 1830--1833 by Capt. T. Elwon et Lieut. H. N. Pinching, and completed in 1833 and 1834 by Commander R. Moresby and Lieut. G. Carless, Indian Navy_).
[31] ~Tar~ bei ~Ritter~ und »_Jibbel Tir_, _Teer_ oder _Teir_«, 900 Fuß hoher stets thätiger Vulkan bei ~Moresby~ a. a. O., -- unter 15° 32 bis 33' nördlicher Breite, der arabischen Küste viel näher, als der egyptischen.
[32] Ich bedaure, beim Niederschreiben Dieses, das Werk von T. E. ~Gumprecht~, »Die vulkanische Thätigkeit auf dem Festlande von Afrika, in Arabien und auf den Inseln des rothen Meeres (Berlin, 1849),« und über die Bergsysteme dieser Länder überhaupt, die Schriften von ~Russegger~ nicht haben vergleichen zu können.
[33] So nennen die Araber die große Seekuh (Dugong) _Halicore tabernaculi ¡Rueppell¡_, die dem rothen Meere eigenthümlich ist. Sie soll in den nördlichen Theilen des rothen Meeres nicht selten sein und unter andern oft an den Ufern der Insel (Giziret) el Tirahn gesehen werden, die vor dem Eingange des Golfes von Akaba liegt.
[34] Siehe ~Poggendorf's~ Annalen der Physik und Chemie, _XVIII_, _p_. 504.
[35] Siehe dessen »_Mémoire sur le phénomène de la coloration des eaux de la mer rouge_,« in den _Annales des sc. nat. 3. ser., botanique. Paris, 1844. T. I, p. 332_, u. s. w.
[36] Das baktrische oder zweibucklige Kameel Ost-Asiens wird in Egypten nicht gesehen.
[37] ~A. von Humboldt~, Ansichten der Natur.
[38] Auch auf der andern Seite von Cairo ist die Telegraphenlinie durch das Delta bis nach Alexandrien fortgesetzt.
[39]_Recherches sur les Réfractions extraordinaires, qui ont lieu près de l'horizont. Paris, 1810. 4._
[40] Dies ist einer von den Namen, welche der Küstenstrich zwischen Suez und Cairo bei den Arabern führt.
[41] Ein Schilling gilt 4-1/2 egyptische Piaster oder 36 Para (ein Piaster 8 Para).
[42] So viel beträgt ohngefähr die Entfernung von der Citadelle bis zu den Pyramiden von Gizeh.
[43] Man vergleiche hiermit Fig. 20. -- Dies Bildchen stellt die kleine Insel (_Pulu_) Pontjang kitjil in der Tapanuli-Bai auf der Westküste von Sumatra vor, welche lange Zeit der Hauptplatz der Gouvernementsbesitzungen in den Batta-Ländern war. Ich habe diese Ansicht noch hinzugefügt, um den ungeheuren Contrast zwischen der unfruchtbaren Dürre der egyptischen Landschaft und dem üppigsten Pflanzenwuchse der Sunda-Inseln recht augenfällig zu machen; denn hier findet man kein einziges Fleckchen des Bodens, welches nicht mit Bäumen oder Sträuchern bedeckt ist. Die Gebäude dieser Insel liegen unter dem Schatten hoch aufgeschossener Kokospalmen und anderer Fruchtbäume verborgen, während die Bergketten von Sumatra im Hintergrunde mit dem dunklen Grün der Urwälder bekleidet sind, die sich wie ein einziger Wald weit und breit dahinziehen. -- Hier sieht man den feuchten Boden fast eben so mit grünen Blättern bedeckt, wie dort mit trocknen Sandkörnern.
[44] Pyramide Nr. 2 = Dolerit von schwärzlicher Farbe und Nr. 3 = feinkörniger Syenit, sind von behauenen Blöcken, die am Fuße der kleinen Pyramiden, neben der größern, herumliegen.
[45] Über dem Nilthale war dieser Punkt wahrscheinlich 650 Fuß hoch.
[46] Wovon 15 auf einen Äquatorgrad gehen.
_III._
Von Egypten bis nach Holland.