Rückblicke

Chapter 28

Chapter 282,344 wordsPublic domain

12) In 1937 lief der 15jährige Genfer Minderheitenschutzvertrag ab. Es hatte in Deutsch­Oberschlesien die dortigen Juden in unvorhergesehener Weise von manchen Bestimmungen Hitler'scher Rassengesetzgebung vorläufig geschützt. Das änderte sich nun. Auf der polnischen Seite betraf es auch, wer 1922 für Deutsche Staatsbürgerschaft optiert hatte, sie durften nicht mehr in Polen bleiben. Dazu gehörte auch Franz Goldstein, er wurde ein deutscher Emigrant, ging zunächst nach Prag, dann nach Palästina. Die Literaturbeilage der Wirtschaftskorrespondenz wurde aufgegeben, und meine Artikel auch.

13) G. Rhode a.a.O S.,491.

14) Nach einem Jahr war die Synagoge schon in Trümmern, die Familie zerstreut, der Vater nicht mehr am Leben.

Anmerkungen zu "Der 2. Weltkrieg bricht aus"

1) Meine Absicht ist nicht, hier eine eingehende Schilderung des September 1939 in Warschau zu geben, für die großen Züge und einige Einzelheiten, die meinem Gedächtnis nicht mehr genau gegenwärtig waren, stütze ich mich auf das Werk "Cywilna Obrona Warszawy we wrzesniu 1939", Warszawa 1964, im wesentlichen auf die einleitende Chronik von Wladyslaw Bartoszewski.

2) Ein tragischer Gefühlskonflikt hatte Dr. Hurtigs dorthin gebracht. Sie waren im August auf Ferien in Frankreich; als Krieg unvermeidlich schien, kehrten sie zurück. In Kattowitz angekommen, fanden sie alle Freunde schon fort, und fuhren noch schnell nach Warschau, und haben nicht überlebt.

3) siehe Cywilna Obrona S.107.

4) Der Schweizer Exporteur J. und Frau, Geschäftsfreund Zygmunt Kriegers war auf der Rückkehr von einer Uhrenverkaufsreise nach Russland in Warschau steckengeblieben, und sie wurden auch evakuiert, ich besuchte sie vorher, wir wurden verhaftet und in heftigem Feuer auf eine Polizeiwache geführt, aber bald freigelassen.

5) Meine Erinnerung war, daß auch ein zweiter jüdischer Vertreter, der Bankier Rotwand, unter den Geiseln war, aber ich habe dafür keine Belege gefunden.

6) Dazu bemerkt Chaim Kaplan in "Buch der Agonie" S.46 für den 1. Oktober: "Die Deutschen bewahrten bei ihrem Einmarsch in die Hauptstadt die Disziplin..", und weiter für den 3.Oktober, der deutsche Oberbefehlshaber habe wissen lassen, "daß er den Juden keine Schwierigkeiten zu bereiten wünsche". Aber das sei nur ein politischer Schachzug, kommentiert Kaplan weiter, "in der tagtäglichen Wirklichkeit werden die Juden diskriminiert".

7) Wie man weiß, ist v.Fritzsch vor der Kapitulation Warschaus umgekommen, man weiß nicht, ob seine Anwesenheit dort wirklich die Bedeutung hatte, die man ihr meinte zumessen zu können. Eine spätere Version von deutscher Seite ist, daß er dort den Tod gesucht hat. (siehe u.a. Gisevius a.a.O.Bd.I. S.459).

8) Erst in jüngster Zeit habe ich erfahren, daß der Schwedische Botschafter sich damals um Hilfe für von den Nazis bedrohte Flüchtlinge sehr verdient gemacht hat, auch schon bei der Evakuation von Ausländern während der Belagerung.

9) Über diese "grüne Grenze" siehe auch Kaplan a.a.O S.82f. und S.91.

10) Siehe dazu: Walter Laquer / Richard Breitmann "Der Mann, der das Schweigen brach", wonach der SS Funktionär Adolf Eichmann aus Berlin im Oktober 1939 nach Kattowitz gekommen war, die Deportation der Juden in das eigentliche Polen zu beaufsichtigen. Die Stadt sollte von Juden geräumt, sie sollte "judenrein" werden. (S.71).

11) Es gab weiter Kommen und Gehen über die Zonengrenze, und ich bekam noch mehrere Nachrichten von meiner Mutter, immer mit dem absoluten Rat, nicht nach Lemberg zu kommen. Es gab dort auch Bedrücktheit, Hunger und Ungewissheit.

12) Kaplan a.a.O S.66.

13) siehe Kaplan S.84/S. Es hieß damals, daß der Armeekorpshygieniker Dr. Richter gegen diese massive Bevölkerungsbewegung wegen Seuchengefahr Einspruch erhoben hatte.

14) Ausreise von neun jüdischen Familien nach Palästina ist auch erwähnt in Kaplans Tagebuch in der Eintragung vom 25.11.1939 (s.90). Ich weiß nicht, ob er von Angehörigen dieser Gruppe spricht.

15) Kaplan S,.92.

Anmerkungen zu "Kriegsflüchtling"

1) Er war ein Philosoph im laizistischent Flügel, ursprünglich mir dem Liberalen Benedetto Croce eng verbunden, wurde dann aber Mussolinis Kultusminister, nun aber nicht mehr aktiv politisch, schien er eine ehrenvolle Stellung im italienischen Geistesleben bezogen zu haben.

2) "Wspólnota Interesów" vorher zum Flickkonzern gehörig. Der sich unter staatlicher Zwangsverwaltung weitgehend neu bildende Verwaltungsstab unter Przedpelski wurde wichtigster Repräsentant des polnischen Etatismus in Oberschlesien.

3) Winiewicz hatte bereits in Budapest 1940 eine polnische Zeitung herausgegeben, für 1941 wird er als Presseattaché der Polnischen Botschaft in der Türkei bezeichnet, von 1942 an "Senior Official, Polish Ministry of Preparatory Work, Peace Conference". Ich wußte damals nicht, daß er offizielle Funktionen hatte. Die Frage, die er mir stellte, kam aber nicht von ungefähr. Trotz seiner Herkunft von der äußersten polnischen Rechten, ist er aber schon 1945 "Councillor" und 1946 Charge d'Affairs der polnischen Botschaft in London, also schon der neuen Volksrepublik Polen, dann ihr Delegierter zur ersten UNO Tagung, 1947, Botschafter in Washington und schließlich Außenminister. War es der Drang nach Eroberung der Westgebiete, der ihn auf eine, für seine politische Herkunft, so erstaunliche Laufbahn gebracht hat? (Für seine Biography "World Biography").

4) Als ich später Roman Przedpelski fragte, was ihn bewog, mir zu helfen, da er mich doch kaum kannte, erwähnte er meine Korrespondenz für die Entwicklung von neuen Geschäften für Türkdal, die er in Istanbul gesehen hatte. Ich hätte die energischsten Bemühungen dafür gemacht, also wollte er mir helfen und hielt es für ein verantwortbares Risiko.

5) Klaus Täubert "Die Welt des Franz Goldstein" in "Tribüne", Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, Heft 98, 1986, beschreibt Lebenslauf, Tätigkeit in Kattowitz, später Jerusalem, und den Anziehungspunkt, den seine Bibliothek dort bildete.

6) Siehe "Handbuch der Deutschen Exilpresse", herausgegeben von Liselotte Maas I S.86, II S.436.

7) Ich konnte seine Begeisterung nicht teilen, anscheinend nicht dazu geboren, ein guter Zionist zu sein. Zwar kaum im stark verbürgerlichten deutschen Judentum, aber bei Juden im Osten oder New York hatte es wohl auch gewalttätiges Verbrechertum gegeben.

8) Max Pinn hat die Verwirklichung seiner Hoffnungen nicht mehr erlebt, er fiel auf dem Weg nach Jerusalem einem arabischen Überfall zum Opfer.

9) Rondavels sind runde Hütten kolonialen Stils, meist gebrannter Ton oder Ziegelwerk mit Gras­ oder Strohdach, sie konnten ganz geräumig und komfortabel sein.

10) Die Einwohnerzahl Nordrhodesiens, des heutigen Zambias, wird für 1942 auf etwa 1.380.000 geschätzt, wovon nur etwa 15.000 Europäer, auf 288.000 Quadratmeilen. Die Südgrenze bildete der große Zambesi Fluß, die einzige Eisenbahn durchquerte das Land von Süd nach Nord über etwa 500 Meilen zur nördlichen Grenze mit dem damaligen belgischen Kongo. Das Klima ist zwischen subtropisch und tropisch, der "Copperbelt", wo ich später in Mufulira arbeitete, lag dicht an der Grenze zum Kongo, mit seinem benachbarten Katanga Bergbaugebiet.

11) Zum Schicksal unter deutscher Okkupation siehe Charles Cruikshank "The German Occupation of the Channel Islands" S.113 und Artikel im "Observer" vom 12.Mai 1985 über die vier Jüdinnen, die von dort deportiert wurden, mit Photographie auch meiner Schwester Marianne Grünfeld.

12) Hierzu siehe Leonard Gross "The last Jews of Berlin" und die Erinnerungen von Maria Gräfin von Maltzan "Schlage die Trommel und fürchte Dich nicht" (Berlin 1986).

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