Rückblicke

Chapter 27

Chapter 273,514 wordsPublic domain

Die Struktur der polnisch­sprechenden Bevölkerung hatte sich mit der Zeit geändert. Es hatte nicht nur polnische Landbevölkerung gegeben. Noch im 18. Jahrhundert waren viele Städte katholisch und polnisch sprechend. Durch die schnelle Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstand dann eine starke polnische Industriearbeiterschaft, bei der nationale polnische Bestrebungen einen ebenso aktiven Anklang fanden wie bei der bäuerlichen polnischen Landbevölkerung. Andererseits gab es aber auch zunehmende Assimilation (Germanisierung), besonders bei Intelligenz und wirtschaftlich gehobeneren Schichten. Das preußische Schulwesen und die Anziehungskraft des damals hauptsächlich von der deutschsprechenden Bevölkerung vorwärts getriebenen wirtschaftlichen Fortschritts verfehlten nicht eine gewisse Wirkung. So finden sich unter den deutschsprechenden und deutschgesinnten Oberschlesiern viele mit polnischen Namen.

Andererseits war das Polentum unter oberschlesischer Intelligenz und Mittelstand nicht im Verhältnis zu seiner Bevölkerungsstärke vertreten. Die nationalpolnische Bewegung, in die polnische Kräfte

in Posen und Westpreußen auch die oberschlesischen Polen einbeziehen wollten, führte dazu, daß bewährte Kräfte z.B. aus der Provinz Posen sich in Oberschlesien ansiedelten, mitführend in der nationalpolnischen Bewegung wurden und zur Stärkung eines polnischen Mittelstands beitrugen.

5) M. Broszat a.a.O, S.176.

6) do. S.193.

7) do. S.199.

8) Ruth Storm "..und wurden nicht gefragt", Augsburg 1972, S.50.

9) Laut A.J.P. Taylor (Encyclopaedia Britannica 1964, Bd.10/S.327) die einzige wichtige Konzession, die Deutschland in Versailles erreichen konnte.

10) O. Ulitz a.a.O.S.42.

11) aus "Atlas zusammengestellt von deutschen Autoren" (Moderner Buchklub, Darmstadt, zitiert im Oberschlesischen Kurier, Salzgitter)

12) G. Rhode, a.a.O. S.477.

13) Ein ausführlicher Bericht bei Krzystof Brozek in "Andrzej Mielecki" (Katowickie Towarzystwo Spoleczno­Kulturalne, Katowice 1983) erwähnt auch 2 etwas unterschiedliche Erinnerungen.

14) Im seinerzeit vom Polnischen Plebiszitkommissariat auf französisch veröffentlichen "Memoire.. sur les Troubles en Haute Silesie" finden sich viele Zeitungsausschnitte meist deutscher Zeitungen, aus denen ich Informationen über die damaligen Vorgänge entnehmen konnte.

15) M. Broszat a.a.O. S.209.

16) "Memoire", a.a.O. S.25.

17) do. S.32.

18) do. S.24.

19) do. S.9.

20) do. S.49.

21) Item 5 des Anhangs zu Art.88.

22) G. Webersinn, "Otto Ulitz, ein Leben für Oberschlesien", Augsburg 1974, S.27.

22) do. S.28.

23) Ulitz, a.a.O.S.59.

Anmerkungen zu "Kattowitz kommt zu Polen"

1) Über den Metropoliten entwirft ein Bild Hansjakob Stehle in "Die Zeit" 5. Juli 1985.

2) Dazu siehe Walter Laqueur "Die deutsche Jugendbewegung" Köln 1962.

3) Ulitz a.a.O.S.81.

4) Ein alter Oberschlesier bei uns in der Ziegelei, sein Sohn hatte am polnischen Aufstand 1921 teilgenommen, bestätigte das und überraschte mich ungemein, wie er das ausdrückte: ja, die Leute fühlen, es geht nicht gut, und es ist Zeit, das der Herr Williger und der Herr Baumeister die Sache wieder in die Hand nehmen. Also Sehnsucht nach vermeintlich guten alten Zeiten, wo Schwerindustrie und die durch das Dreiklassenwahlrecht bestellte Stadtverwaltung sich in die lokale Verantwortung zu teilen schienen.

5) Bericht der "Kattowitzer Zeitung" vom 10.März 1927, abgedruckt im "Oberschlesischen Kurier" Salzgitter.

6) Broszat,a.a.O.S.225f.

7) Über ihn findet sich ein Beitrag in der Zeitschrift des Jüdischen Historischen Instituts, Warszawa.

8) Desgleichen auch die beiden der Polnischen Sozialistischen Partei angehörigen Kattowitzer Anwälte Dr. Baj und Dr. Karol Stach, die mit Dr. Liebermann als Verteidiger auftraten.

9) Die älteste unter diesen Kusinen des Vaters Bertha Wachsmann mit zwei Töchtern: Erna Weissenberg (deren auch schon erwachsene Kinder Mia und Ernst) und Martha Brann (mit Tochter Ruth). Weitere Zalenzer Kusinen des Vaters waren Minna Koenigsfeld (mit Tochter Erika Schlesinger und Sohn Kurt), Trude Koenigsberger in Lublinitz(ein Sohn hieß Herbert, verheiratet in Neisse), Johanna Frankenstein und die unverheiratete Jenny Grünfeld in Kattowitz. Der älteste Bruder Max lebte in Berlin, Direktor des Deutschen Eisenhandels, sein Sohn Heinz, später als Henry Grunfeld sehr erfolgreich und bekannt in London als Bankier (Kinder Thomas und Luise) weitere Kinder von Max und Rosa Grünfeld in Berlin waren Edith Kosterlitz und Sohn Robert.

10) Die älteste Tochter Susi wurde Kinderärztin, später in New York (Suzanne Forrest). die zweite Käthe war Bildhauerin, Lotte mehr in meinem Alter heiratete den Anwalt Helmuth Margoninski, lebten in Kanada, die jürigste Ruth in Florida.

Anmerkungen zu "Als Student in der Weimarer Republik"

A) Berlin:

a) "Leben und Studium"

1) Dazu O.F. Scheuer "Burschenschaft und Judenfrage S.30f und S.40. Zu bekannten Burschenschaftern jüdischer Abstammung gehörten Heinrich Heine, Ferdinand Lasalle, Friedrich Stahl.

2) Zu Geschichte und Entwicklung "FWVer Taschenbuch", Berlin 1931, Schriftleitung Kurt Wilk mit Beiträgen von Alfred Rothberg und Max Pinn (Mein Dank an R.Gräupner, London, für Beschaffung dieser Quelle).

3) Hans Peter Bleuel, Ernst Klinnert: "Deutsche Studenten auf dem Weg ins Dritte Reich" S.262.

4) Zu diesen Freunden gehörte auch der Chemiker Fritz Haber.

5) Sie wurde sehr erfolgreich in ihrem Fach in den USA und teilte den Nobelpreis für Physik 1963. Zu ihrem Lebenslauf Siehe "Kattowitz" 1985 S.46.

b) "...und politische Betätigung".

6) Unser sozialdemokratisch gesinnter Mathematiklehrer in Kattowitz, Rath, hatte die ihm bekannte Frau Wegscheider, ohne mein Wissen, auf meinen Studienbeginn aufmerksam gemacht.

7) Die Studentenschaft der TH Charlottenburg hatte sich innerhalb der Deutschen Studentenschaft stark gegen jeden Kompromiß mit dem Minister exponiert (siehe Akten der Deutschen Studentenschaft, Bundesarchiv Koblenz ZSG 129). Mein Antrag muß an meiner TH also im Mai ein recht heißes Eisen gewesen sein.

8) Heinz Ollendorf in "Student und Hochschule" 20. Juli 1929, I/2.

9) Er war einer der bei der Gründung des DStV beteiligten Veteranen der Hochschulpolitik, Sohn von Hugo Preuss.

10) Werner Stephan: "Aufstieg und Verfall des Linksliberalismus 1918­1933", Göttingen, S.416/7.

11) Theodor Heuss "Erinnerungen 1905­1933", Tübingen 1963.

12) Heuss, a.a.O. S.386.

13) Stephan a.a.O S...

14) Das vorherige Kabinett Marx hatte den Bau beschlossen, der neue Finanzminister Hilferding bestätigt, daß die nötigen Mittel da sind. Dietrich fand, die Demokraten sollten nicht dabei sein, den dadurch wirksam gewordenen früheren Kabinettsbeschluß jetzt umzustoßen.

15) Hermann Graml, "Europa zwischen den Kriegen", DTV 1974 S.216.

16) Peter Krüger "Die Außenpolitik der Republik von Weimar", Darmstadt 1985.

17) Broszat a.a.O.S.219/31.

18) Fred­Hildenbrandt in "...ich soll dich grüssen von Berlin" (München l966) bringt eine Erinnerung an die beiden Schwestern(S. 98/9).

19) In seinen Erinnerungen "Wirken in Wirren" (Hamburg 1950) beklagt

sich Hellpach über mangelnde menschliche Nähe für ihn in der demokratischen Reichstagsfraktion, z.B. bei Rückkehr von schweren Erkrankungen sei er nie entsprechend begrüßt worden. Davon wußte ich damals nichts.

20) Der KCer Rudi Samuel, mein Mitkämpfer an der TH Charlottenburg zeigte sich eines Tages erstaunt über meine Kenntnisse jüdischer Feiertage, ich sei doch getauft, der KC habe damals gegen mein

Vorstandsamt im DStV gestimmt, weil sie sich nicht von einem getauften Juden vertreten lassen wollten. Er wußte nicht, warum man sich nicht besser erkundigt hatte.

21) Die seit dem Juli 1929 erscheinende Zeitschrift des DStV "Student und Hochschule" war, wie mir bei heutiger Durchsicht scheint viel zu wenig auf Mitarbeit aus Kreisen und Ortsgruppen im Lande gestützt und zu sehr von Berlin aus bestritten.

22) Presseberichte darüber im Bundesarchiv Koblenz ZSG 189 und "Student & Hochschule" I/1.

23) Über diese Bewegung hielt ich mich ständig auf dem Laufenden, außer durch persönliche Kontakte auch durch ihre Zeitschrift "Nation und Staat", Wien.

24) Der Leiter war Dr. H. Schairer, der auf seinem Spezialgebiet auch international anerkannt war und sich später als aktiver Hitlergegner erwies.

25) Über den Verlauf der Tagung fand ich viele Zeitungsausschnitte in den Akten der damals gegnerischen Deutschen Studentenschaft im Deutschen Bundesarchiv Koblenz ZSG 129.

26) Dr. Theodor Bohner war der Fachreferent der demokratischen Fraktion im preußischen Landtag für Kultur­ und Bildungswesen, also die Stellung, die Frau Dr. Wegscheider bei den Sozialdemokraten hatte. Er war ein besonders enger Freund des Demokratischen Studentenbunds und ich erinnere mich lebhaft an viele erfreuliche Gespräche mit ihm.

27) siehe Vossische Zeitung 15. Januar 1930.

28) W. Stephan a.a.O. S.391.

29) "Student und Hochschule", 1929 Nr.5/6.: "die Ideologie der heutigen Studenten ist nicht zu verstehen, wenn man nicht zuvor die Soziologie der Studenten untersucht" begann Zehrer seinen Beitrag. Weit über die Hälfte kommen vom durch die Inflation verarmten Mittelstand, zwischen dem "Kapital" und den "Organisationen der Masse" zerrieben, die ältere Generation mürbe und resigniert, wachsen die Söhne schon in einer anderen Wirklichkeit auf, daher die Ideologie der vom Faschismus und Nationalsozialismus Angezogenen. Der Faschismus aber hat die Mittelklassen bereits 1924 "wieder ausgeschaltet", der Nationalsozialismus "aber verrannte sich im Antisemitismus und im Kampf gegen Rom und die Freimaurer". Viel wichtiger als gegen Republikfeindlichkeit und Unruhestifter in der Studentenschaft vorzugehen, wäre durch ein neues großes Wirtschaftsprogramm die Lage der Mittelklasse zu verbessern. Das kann nur durch eine "tiefgreifende Aktivierung der heutigen, alten Mittelparteien" geschehen. So Zehrer im November/Dezember l929.

30) Über diese sehr enge Verbindung siehe Th. Heuss S.375 f.

31) W. Stephan S.395.

32) Die Versammlung fand in der Hochschule für Politik statt.

33) Vossische Zeitung 4. März 1930 und W. Stephan S.425.

34) Die politische Mitte versäumte eine mögliche Chance, da sie sich nicht zu einem Kraftzentrum formieren konnte. Die Konflikte zwischen Korporationen und Nationalsozialistischer Partei setzten sich auch später fort, und verschärften sich noch nach Hitlers Machtergreifung. Darüber Bleuel S220f.

35) So eine Rede Dietrichs, Vossische Zeitung, 8/3/1930.

36) Damals wußte ich noch nicht, daß er als der Schriftsteller galt, der unter dem Namen Erich Maria Remarque schrieb.

37) Über diesen siehe Heuss S.392/3, Stephan S.444f.

38) Stephan S.431/2 über Parteiausschußsitzung in Halle 25.Mai 1930.

39) Stephan berichtet, daß in der letzten Unterredung des demokratischen Parteiführers Koch­Weser mit dem kranken Streseman im September 1929, dieser eine Verschmelzung der beiden liberalen Parteien als derzeit unmöglich bezeichnete, aber Koch­Weser riet, auf eine Vereinigung der Demokraten mit dem Jungdeutschen Orden hinzuarbeiten. Davon wußten wir damals nichts.

40) Stephan S.446. Von den dort genannten "intellektuellen jungen Menschen", wurden bei uns im Demokratischen Studentenbund Theodor Eschenburg und Josef Winschuh zu Vortragsabenden eingeladen.

41) Stephan S.434/8.

42) Nach Stephan S.48 hatte Richard Otto Frankfurter noch auf der Vorstandssitzung vom 25.Juli gefordert, die Partei solle als "Dietrich Partei" allein in den Wahlkampf gehen. Frankfurter kannte ich als Präsidenten der Altherren der FWV, als ich 1929 als Nachfolger Ollendorfs Außenvertreter der FWV wurde, nahm ich an Sitzungen des Präsidiums in seinem Hause teil. Wie aktiv und anscheinend sehr angesehen er damals auch noch in den Gremien der Demokratischen Partei war, habe ich dem Buch von W. Stephan mit Interesse entnommen. Sein Vertrauen in Dietrich habe ich damals geteilt.

43) Hermann Proebst wurde nach dem 2. Weltkrieg als Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung" sehr bekannt und angesehen.

44) Hermann Graml S.214f.

45) Das war auf dem vorjährigen Kongreß, an dem ich noch nicht teilgenommen hatte, beschlossen worden. Führer der deutschen Delegation war damals der. Zentrumsstudent Felix Raddatz gewesen. Für viele Informationen über die FUI bin ich Dr. Jacques Kunstenaar, Zürich, den ich damals als Leiter der Schweizer Delegation kennen lernte, zu Dank verpflichtet.

46) In seinem Bericht (Der Student 18/S.6) über den FUI Kongreß kommentiert Wolfgang Straede dann "..ein von den Deutschen wegen seines wichtigen Präzedenzcharakters ohne weiteres angenommener Vorschlag". Für mich war das ein Erfolg für was man heute pluralistische Lösungen nennen könnte, verglichen mit der vorherigen Haltung der Deutschen Studentenschaft, und ich meinte, daß ich denen dabei beteiligten Exponenten Wolfgang Straede und Dr. Walther Reusch auf dem Wege zu diesem Schritt geholfen hatte.

47) Ich erinnere mich dabei an Ernst v. Salomon "Der Fragebogen".

48) Während der Genfer FUI Tagung war bei dem üblichen Besuch der deutschen Studentendelegation bei der Deutschen Vertretung beim Völkerbund auch das Thema Mitteleuropa erwähnt worden und der Plan, daß wir darüber mit den tschechischen Studenten sprechen würden.

49) Informationen über Teilnehmerzahl (etwa 100 "Studenten und jüngere Altakademiker") und vertretene Länder (10) enthält dann der Bericht über die Tagung in "Der Student" 1931 Folge 7 S.10.

50) "Student & Hochschule" Jahrgang 3 Nr.1/2 S.22.

51) Dazu siehe ausführlich in Peter Krüger a.a.O. schon S.382/3, wo v. Schubert und Köpke als Gegner solcher Erwägungen erwähnt werden, die aber andere tatsächlich beschäftigten.

52) Sozialistische Monatshefte 12/10/1931 S.960 "Die internationale Diskussion über den polnischen Korridor".

53) Nicht lange nach unserer Grenzlandtagung Mai 1929 in Dresden hatte ich Prag zum ersten Mal mit großer Begeisterung gesehen, um der dortigen befreundeten "Lese- und Redehalle deutscher Studenten" einen Besuch abzustatten.

54) Für Berichte siehe vossische Zeitung 2.April 1931, Journal de Genève 31. März, "Der Student", Folge 7/1931 S.10, "Student & Hochschule", Mai 1931.

55) Ich wurde gebeten, einen Dr. G. dem Führer der Schweizer Delegation Jaques Kunstenaar vorzustellen, denn G. sei auch Schweizer, dann stammelte er aber, daß er eigentlich aus Vorarlberg sei, aber das wäre doch beinahe dasselbe. Ich fand das sehr merkwürdig und besprach es mit Jacques Kunstenaar. Ein Dr. G. wird später als nationalsozialistischer Staatsrechtler bekannt. Jacques Kunstenaar war in dieser Zeit schon ein prominentes Mitglied der Spitze der FUI geworden und wurde dann auf der anschließenden Ratstagung in Wien zum nächstjährigen Präsidenten bestimmt.

56) Die damalige Lage wird knapp zusammengefaßt von P. Krüger a.a.O.S. 531.

57) Die wirtschaftlichen Referate wurden gehalten von dem tschechischen Dr. Schuster aus Prag und Dr. Kanas aus Pressburg, von deutscher Seite Dr. Fischer, Berlin und Dr. Hans Wilbrandt als agrarpolitischer Experte, der auch Mitarbeiter der "Sozialistischen Monatshefte" war. Ein deutscher Bericht ("Der Student" 7/10) zitiert als Äußerung eines tschechischen Delegierten: "es ist das Problem eines gemeinsamen Lebensraums, das doch mehr ist als bloße Nachbarschaft".

58) Die Veröffentlichung des Zollunionsplans war anscheinend für einen etwas späteren Termin geplant, aber wurde dann wegen befürchteter Indiskretionen auf diesen Tag vorverlegt (Krüger, S.533, "Der Student" 7/S.4).

59) Vossische Zeitung 2. April 1931: "Die Tagung, die von Vizekanzler Schober eröffnet wurde, zeigte einen erfreulichen Aufschwung der studentischen Völkerbundsarbeit und ein Anwachsen der Organisation in fast allen Ländern".

60) Journal de Genève 31.31.1931 und Der Student Folge 13/14 S.11/12.

61) Siehe P. Krüger's Kommentar S.533: "Dies war wirklich der Sündenfall der deutschen Außenpolitik, eine Herausforderung des europäischen Staatensystems und eine schlecht kalkulierte dazu" und seine weiteren Informationen über Opposition im Auswärtigen Amt gegen diese Pläne von Curtius und seinen neuen Staatssekretär v. Bülow, und eine warnende Aufzeichnung von Köpke vom 21.2.1931, "daß die Tschechoslowakei und Frankreich wegen Bedrohung der tschechoslowakischen Unabhängigkeit die folgenreiche Veränderung der europäischen Machtverhältnisse durch die Zollunion keineswegs hinnehmen könnten. Als einzige Möglichkeit, dem Ziel näher zu kommen, schlug Köpke jenen Weg vor, der in den Unterredungen zwischen Benes und Schubert im Mai 1928 sich als allein wirklichkeitsnah herausgestellt hatte, nämlich beide Länder von vornherein in die deutsch­österreichischen Verhandlungen einzubeziehen..". Eine ähnlich kritische Betrachtung auch bei Graml a.a.O. S.260/1.

B) München

1) Ralph Kleemann war mit meinem Vetter Ernst Grünfeld befreundet, den er in einem früheren Semester getroffen hatte.

2) Ausführliche Informationen lieferte mir dafür die Münchner Dissertation aus dem Jahr 1949 "Der politische Kampf an den Münchner Hochschulen von 1929 bis 1933 im Spiegel der Presse" von Ludwig Franz.

3) Franz S.49.

4) Franz S.49/53.

5) Franz S.74.

6) Franz S.79 berichtet über diese Verwundung von Nawiaskis Assistenten.

7) Franz vermutet, weil sie nicht das Fortbestehen der staatlichen Anerkennung gefährden wollten.

C) Zwischen Breslau und zu Hause

1) Mit ihm und seiner Freundin Lilo Linke waren wir im Demokratischen Studentenbund sehr eng verbunden gewesen, von Stephan S.394 als begabter Journalist und geistig führender Jungdemokrat bezeichnet.

2) Leopold Schwarzschild in seinem "Tagebuch" war einer der ausgesprochendsten Gegner, siehe "Die letzten Jahre vor Hitler", Auszüge aus dem Tagebuch 1929/33 mit Vorwort von Golo Mann. Der frühere Staatssekretär Hans Schaeffer nennt als Hauptursache von Brünings Deflationspolitik die Zwangsvorschriften für deutsche Wirtschaftspolitik, die in den Dawesund Youngplanabkommen festgelegt waren, ohne deren Einhaltung Brüning niemals hoffen konnte, die wirtschaftlich absolut notwendige Stundung weiterer Reparationszahlungen zu erreichen. Unter heutigen Historikern gibt es aber auch den Vorwurf, daß Brüning die schrecklichen Auswirkungen seiner Deflationspolitik gar nicht bereute, er sah sie nicht nur als wirtschaftstheoretisch unvermeidlich an, sondern Verarmung, steigende Arbeitslosigkeit, ja sogar politische Unruhe in Deutschland schienen ihm gute Mittel, die Alliierten von der Undurchführbarkeit weiterer Reparationszahlungen zu überzeugen, und dadurch die Revision des Versailler Vertrages einen Schritt weiterzubringen (s. Graml.S245/ 6). Ich erinnere mich nicht, daß es solchen Verdacht oder Vorwürfe schon damals gab. Man findet ihn auch heute nicht z.B. bei Martin Broszat in seiner Darstellung von Brünings Politik in "Die Machtergreifung" S.132/4.

3) Die Vorgänge, die schon nach weiteren acht Monaten zur Machtergreifung Hitlers führten, wurden früh eingehend dargestellt von Karl Dietrich Bracher "Die Auflösung der Weimarer Republik", S. 529f. Auf den neuesten Stand der Forschung und Meinungsbildung bringt Martin Broszat "Die Machtergreifung" DTV 1984­(1987). Siehe auch Kurt Sontheimer "Deutschland zwischen Demokratie und Antidemokratie", besonders sein Aufsatz über den "Tatkreis" S.56f., ferner Ebbo Demant "Hans Zehrer als politischer Publizist" S.84f.

4) Bracher S.644.

5) Bracher S.645.

6) Sontheimer S.81.

7) Schwarzschild in seinem Artikel im "Tagebuch" vom 31.12.1932 und in Golo Mann's Vorwort S.28/29.

8) August Rathmann "Ein Arbeiterleben" (Wuppertal 1983) S.182/3.

9) siehe auch Heinrich August Winkler über diese "Gratwanderung" in seiner Besprechung von August Rathmanns Buch in die "Zeit".

10) Bracher S.681.

11) dazu Bracher S.699 und Golo Mann bei Schwarzschild S.29 "sie haben Schwarzschilds Rat, die Regentschaft zu dulden, ja ihr nach Kräften zu helfen und so ihr eine breite Basis zu geben, nicht beherzigt...".

12) Siehe auch Bracher S.681f., 684/S.699 und ausführlich aber konzise Broszat "Die Machtergreifung" S.156/174.

Dazu auch Bracher S.681f, besonders Anmerkung 148 S.684/S und S.699.

13) Dazu gehört auch die damalige Rolle des Reichslandbunds, Hindenburgs Verwundbarkeit in Sachen Osthilfe und Gegnerschaft zu Plänen für Bauernsiedlung in Ostelbien spielte, stark hervorgestellt bei Broszat "Die Machtergreifung" S.162/165. Ich war diesem Projekt zuerst als Anliegen fortschrittlicher Bauernpolitik begegnet. (Rönneburgs Vortrag auf Ostkundgebung des DStV, in unserer Zeitschrift abgedruckt). Später hörte man, andere Kreise waren an den verteidigungspolitischen Aspekten dichterer Besiedlung Ostelbiens interessiert.

14) Bracher S.619 "Der Mord in Potempa war mehr als ein symptomatisches Ereignis des latenten Bürgerkriegs. Er mußte der Öffentlichkeit endlich die Augen öffnen...".

Anmerkungen zu "Nach dem Ende von Weimar"

1) Eine Schilderung seiner Persönlichkeit fand ich bei Marion Cräfin Döhnhoff: "Menschen, die wissen, worum es geht" im Kapitel "Der Basler Gelehrte: Verzauberer und Entzauberer zugleich". Ich erinnere mich an die Seminarsitzung, in der er die Verfasserin als Neuankömmling einführte, als er von Frankfurt aus politischen Gründen weggegangen war.

2) Meine Dissertation hatte ich mit einer Darstellung der klassischen Theorie der internationalen Kapitalbewegungen eingeleitet, basierend auf Franz Gutmanns Beitrag im Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 4.Auflage Ergzgbd. Laufende Erfahrungen während der Weltwirtschaftskrise, legten viele Vorbehalte betreffs des Funktionierens dieses Mechanismus nahe, und zwar in Richtung der von E. Salin vertretenen Auffassungen. Nach mehr als 50 Jahren finden heute diese Vorbehalte immer wieder Bestätigung durch die Probleme der Drittweltverschuldung und Rolle von IMF und Weltbank.

Anmerkungen zu "Emigration nach Hause, in Polen"

1) Dazu siehe Beitrag von S. Karski in "Kattowitz, seine Geschichte und Gegenwart", Dülmen 1985,.S.122,4.

2) Den Vorsitz der deutschen Fraktion hatte er schon 1930 abgegeben.

3) Siehe V. Kauder "Das Deutschtum in Polnisch­Schlesien", Plauen 1932 S.326/7. Dort erwähnt ist auch ein Rezitationsabend von Edith Herrnstadt Oettingen, Berlin, einer Cousine meiner Mutter, man sieht also, daß das liberale Element in diesem Kulturprogramm gut vertreten war.

4) siehe Lucjan Meissner: "Niemieckie Organizacje Antyfaszystowskie w Polsce 19331939". Warszawa 1973 S.163f.

5) Meissner a.a.O. S.227f.

6) Meissner S.233.

7) W. Hellpach erinnert sich in "Wirken in Wirren" I S.88 und 90/1 an die Unterschiede nationaler Einstellung. die er als Jugendlicher zwischen dem deutschen Landeshut und Trautenau auf der böhmischen Seite der Sudeten beobachtet hatte.

8) Dr. E. Pant war eng verbunden mit Pater Friedrich Muckermann S.J., der auch durch seinen Widerstand gegen die Nationalsozialisten bekannt wurde. In Pater Mukkermanns Erinnerungen "im Kampf zwischen zwei Epochen" ist Dr. Pant eingehend erwähnt (S.503/6) und man findet auch den starken Vorbehalt gegen liberale Einflüsse.

9) Dazu Hans Bernd Cisevius "Bis zum bitteren Ende", Zürich 1946. I S. 207f und S.282.

10) Auswanderung aus Deutschland schien mir schon damals dringend für alle Juden. Wir hatten noch keine Devisenbeschränkungen dagegen in Polen und hätten ihr das Geld z.B. nach London überweisen können, wo es für ihr Leben gereicht hätte. Ich traf mich mit ihr allein in einem Cafe am Zoo, und riet ihr dazu, aber ihre Berater waren dagegen.

11) Dazu gehören der Schulfreund Ludel Berliner, die jüngeren Ernst Berliner und Walter Rosenbusch. Auch Karl­Heinz Lubowski war von den Rassegesetzen von 1935 betroffen, gab sein juristische Laufbahn auf, studierte in Basel protestantische Theologie. kam immer wieder nach Hause, hoffte, nach England auszuwandern, aber fand dann im Krieg Unterschlupf in einer Stellung im Konsistorium in Königsberg; auf der Flucht bei Kriegsende ist er umgekommen.