Rostem und Suhrab: Eine Heldengeschichte in zwölf Büchern

Part 7

Chapter 73,492 wordsPublic domain

Doch ungeduldig fuhr Suhrab zu fragen fort: Im violetten Zelt, wie heißt der Ritter dort? Zur Antwort gab Hedschir: Den kann ich wol dir nennen; Gurase heißt der Held, wie sollt ich ihn nicht kennen? Ein mutger Ritter, wie zu Ross nicht viele rennen. Doch ungeduldig gieng mit Fragen Suhrab weiter: Im gelben Zelte dort, sag an, wie heißt der Streiter? Zur Antwort wieder gab Hedschir: Ich kann auch ihn Dir nennen, wenn du willst: der Kämpfer heißt Gurgin; Ein Tapfrer, welchem gleich nicht viel zum Kampf ausziehn. Noch einmal frug Suhrab mit ungeduldiger Hast: Im blauen Zeltpalast, wie heißt darin der Gast? Und wieder gab Hedschir zur Antwort: Nennen kann Ich dir auch diesen wol: Gew, Rostems Tochtermann. Da wendet' auf Hedschir Suhrab den Blick unhuldig, Und sprach: Nun offenbar bist du der Lüge schuldig. Du nennest alle mir, und nur den Rostem nicht, Den Rostem, ohne den kein Heergefecht sich ficht! Von all den Zelten wenn in keinem Rostem ist, Wo wäre Rostem denn, wenn du kein Lügner bist? Verläugnen willst du mir ihn nur aus Hinterlist. Im grünen Zelte dort der Recke kühn und frei, Gewis ist Rostem der, o sag mir, daß ers sei! Denn alle, die von ihm mir kund sind, alle Zeichen Seh ich, und kann allein Gewisheit nicht erreichen. Von allen, die ich sah im Lager fern und nah, Wünsch ich, daß keiner sei Rostem, als dieser da. O sag mir, daß ers sei! und sei belohnt und frei! Der vor dem grünen Zelt, sag, daß es Rostem sei!

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Hedschir sprach: Ei, was forscht so deine Ungeduld Nach ihm! nicht gern wär ich an deinem Tode schuld. Wo Rostem wär im Feld, nicht würdest du es halten; Denn Rostem ist ein Held von furchtbaren Gewalten. Wo Rostem auf dem Rachs sich hebt zum Werk der Rache, Da kann nicht stehn vor ihm der Löwe noch der Drache. Ein jeder Blick von ihm ist Tod, ein jeder Hauch Von ihm ist Sturm, ihm sinkt entwurzelt Baum und Strauch. Ich wünsche keinem, daß er mög ein Gegner sein Von Rostem, wär er auch ein Berg von Kieselstein; Er würde dich, alswie die Mühl ein Korn, zermalmen, Zertreten, wie ein Tritt von Elefanten, Halmen. Fest schnüren möchtest du am Leib dein Gürtelband; Es würde locker, wenns erblickte Rostems Hand. Allein zu deinem Glück ist nah nicht das Gewitter; Denn mit Schah Keikawus hat sich entzweit der Ritter. Erzürnt ist er vom Hof nach Sabul heimgeritten, Dort sitzt er nun beim Schmaus in seines Schloßes Mitten. Dort trinkt er fröhlich Wein beim Fest im Rosengarten, Und will den Ausgang dieses Kriegs in Ruh erwarten. So sprach er; ob ers nur erlog, ob ers erfur Vom lügenden Gerücht, das kam von Irans Flur? Das traurige Gerücht, das dort bei Nacht dem frohen Erlag, war aus der Stadt villeicht zur Grenz entflohen.

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Doch Suhrab rief voll Zorn: So willst du mich verhöhnen? Schweig, allerschlechtester von Guders achtzig Söhnen! Willst du, ich glaube dir die knabenhafte Rede, Rostem, der Herr der Schlacht, enthielte sich der Fehde! Er hielte sich zu Haus, und hielte Fest und Schmaus! Da lachten billig ihn die Mägd und Kinder aus! Wol möglich, daß er mit Keikawus sich gezankt, Wenn der undankbar ist, der ihm den Thron verdankt! Doch, denk ich, Kawus wird geschwind mit reichen Gaben Und guten Worten ihn zurückbeschworen haben, Wenn er nicht unklug ist, und seinen besten Ritter Nicht missen will am Ort, wo ihn ersetzt kein Dritter. Denn was ist ohne Blitz und Donner ein Gewitter? Was dieser Heerleib, unbeseelt von Rostems Mut? Nicht in Bewegung ist dieß Heer und Rostem ruht! Drum sag im Augenblick, wo ist der Pehlewan? Von Guders Söhnen ists um einen sonst getan! Da schauderte Hedschir und sprach im Herzensgrund: Aufschließen mit Gewalt will mir der Türk den Mund. Verschließen aber will ich ihn nun ihm zum Trutz, Sowahr ich jemals selbst getragen Ritterputz, Und je noch tragen will! und fall ich seiner Wut, So wird nicht schwarz der Tag, und nicht das Waßer Blut. So ist um einen Sohn von achtzig Guders schwächer, Und neunundsiebenzig sind meines Todes Rächer. Er sprach: Was wütest du? was stürmest du und tobest? Denkst du, daß du dich so dem Rostem gleich erprobest? Weil einen Namen ich nicht nennen will und kann, Willst du dafür den Tod mir geben, gib ihn dann! Den Namen nenn ich nicht, wüßt ich ihn zehnmal auch; Entreißen ehr als ihn kannst du mir diesen Hauch! Ich trotze dir! es mag mein Blut die Schmach versöhnen, Der schlechteste zu sein von Guders achtzig Söhnen! Er sprachs; da wendete Suhrab sich unmutvoll, Nachdenkend, ob er auf der Stell ihn töten soll. Doch er besann sich, gab ihm einen Backenschlag, Daß er besinnungslos davon am Boden lag; Und rief: Will hier durchaus mir meinen Vater sagen Niemand, so will ich gehn und selber ihn erfragen!

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Er stieg, von Zorn bewegt, hinab vom hohen Turm; Gewaffnet schwang er sich aufs Ross, und ritt im Sturm. Er ritt, sein fürstlich Haupt bedeckt mit goldnem Dache, In ihm des Löwen Mut, und unter ihm ein Drache. Und wie der scharfe Zorn ihm selbst die Sporen gab, Gab er dem Ross den Sporn, und flog den Berg herab. Der Kampflust heißes Blut in seinen Adern sott, Ihm flog des Pulses Glut wie seines Rosses Trott; Da kont in seinem Mut aufhalten ihn kein Gott. Er ritt im Ungestüm dem Lager Irans zu; Und alle, die ihn sahn anreiten, flohn im Nu. Die alle flohn im Nu, die aus des Lagers Mitten Dort waren auf den Plan zur Lust hervorgeritten. Wie aus dem Waidehag, wo sie der Hut empfolen Des Hirten sind, hervor sich wagen junge Folen, Sich außerhalb des Hags neugierig umzutun; Doch plötzlich einen Leun herkommen sehn sie nun; Die Mähn am Nacken, die er sträubt, erregt ihr Graun, Und eilig flüchten sie zurück in ihren Zaun: So aus dem Lagerwall die sich hervorgewagt, Wie sie den Suhrab sahn, umwandten sie verzagt. Sie wendeten zur Flucht vor ihm ihr stolz Genick, Und wagten nicht auf ihn zu richten einen Blick. So furchtbar fanden sie den Türken anzuschaun, Daß auf die Flucht allein sie setzten ihr Vertraun. Er aber achtete der leichten Feinde nicht; Es ward von ihm gesucht ein Gegner von Gewicht. Er ritt vom hohen Wall des Lagers hart hinan, Den tapfersten zum Kampf zu fordern auf den Plan.

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Suhrab vom Walle rief hinab ins Lager tief, So laut, ihn hörte wol, wer nicht im Grabe schlief: O Schah von hoher Macht, du rühmst dich großer Pracht Im Lager, doch wie steht dein Ding im Feld der Schlacht? Mußt du dein starkes Heer in einen Pferch einsperren? Schützt keiner deiner Knecht' im freien Feld den Herren? Dein Volk von Schafen fleucht in seinen Stall, verkreucht Sich hinterm Wall, und keucht vor Angst, vom Wolf gescheucht. Hier komm ich zu dir her geritten mit dem Speer, Den zuck ich, so durchzuckt der Tod dein ganzes Heer. Ich habe gestern laut um Send den Schwur beim Wein Getan: Wer ihn erschlug, der soll nicht lebend sein! Der heimlich in der Nacht den Send mir umgebracht, Umbringen will ich ihn am Tag in offner Schlacht. Wenn du den Recken kennst, der ihn erschlug, so send Ihn her, daß ich erschlag ihn, der mir schlug den Send! Und ists nicht der, so seis ein anderer, der scharf Von Mut und Waffen ist, und mir begegnen darf! Doch wenn aus deinem Pferch hervor, mit mir zu streiten, Gar keiner will, so will ich in den Pferch einreiten, Das Lager mitten durch, bis an das goldne Zelt, Vor dessen Eingang Löw und Tiger Wache hält. Vor den Türhütern soll mir nicht beim Eintritt bangen, Und mit dem Speer will ich die Sonn herunter langen. Den Geierkrallen soll die goldne Sonn entfallen, Und vor der Hündlein Maul will ich den Maulkorb schnallen. Ich will dir überm Haupt alswie ein Sturmwind rütteln Das goldne Dach, und wenn du drunter schläfst, dich schütteln! So rief er; Keikawus sprang auf und rief erschreckt: Wer hat dem Wütenden das Königszelt entdeckt? Ihr Edlen all! eilt mir zu Rostem hin! der Mann Ist er allein, der diesen Knaben bändigen kann.

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Zu Rostem, wo er saß im Zelte, kam der Bot: Keikawus ist in Not, der Türke Suhrab droht. Er droht ins Königszelt durchs Lager einzureiten, Und Niemand ist als du im Stand mit ihm zu streiten. Von seinem Sitz erhob sich Rostem nicht, und sprach: Der Dienst des Königes ist lauter Ungemach. Nicht Ruh bei Tag und Nacht, viel Arbeit, wenig Schmaus; Ich war die Nacht erst aus, und bleib am Tag zu Haus, Dem ersten Boten kam ein zweiter nachgeflogen, Ein dritter, vierter auch, wie Pfeil auf Pfeil vom Bogen; Und alle meldeten: Der Suhrab ist im Feld; Da kann ihm keiner stehn, nur Rostem kanns, der Held. Doch Rostem, wie er sah das wachsende Getümmel, Den Lärmen um ihn her, rief: Fällt denn ein der Himmel? Um einen Knaben, welch ein Ahrimansaufstand! Um einen einzeln Mann welch ein Weltendebrand! Nun aber kamen, hergesandt von Keikawus, Die Fürsten, auch sein Sohn, auch sein Kronfeldherr Tus. Die Waffen wurden ihm schnell von den Fürsten allen Gebracht; er sagte nichts, und ließ es sich gefallen. Den Panzer legt' ihm Tus, Gurgin die Schienen an, Doch von Ferabors ward der Helm aufs Haupt getan. Gurase reicht' ihm Pfeil und Bogen; Schwert und Sper Und Keule trugen ihm drei Söhne Guders her. Von seinem Eidam ward zuletzt ihm vorgefürt, Gesattelt und gezäumt, der Rachs, wie sichs gebürt. Doch wie Rostem den Rachs kampffertig sah, da rürte In seiner Brust sich auch die Kampflust, und er spürte, Daß er, ins Feld zu gehn, die volle Rüstung fürte. Er gieng, und im Vorbeigehn nam er noch den Schild, Indem er sprach: den braucht man auch im Kampfgefild. In voller Rüstung sprang er auf den Rachs, und jach Ritt er davon, ihm sahn mit Staunen alle nach.

Neuntes Buch.

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Er ritt hinaus, wo ihn der gleichgeartete, Ein Kämpe seines Bluts, sein Sohn erwartete. Auf Bogenschuß hinan ritt er, da hielt er an, Da wieherten sich laut die beiden Kampfross' an: Rachs, der den Rostem trug, und jener, der Suhrab, Den Sohn des Rostem, jetzt entgegen trug dem Grab. Der trug des Rostem Sohn, war selbst vom Rachs ein Sohn; Und doppelt kam zum Kampf ein Vater und ein Sohn. Doch eh zum Tode nun die Reiter sich anranten, Wieherten erst sich an die Rosse, die sich kanten: Das Wiehern war der Gruß der beiden Blutsverwandten. So in den Thieren dort, o Wunder, sprach die Stimme Des Blutes, die erstickt ward von der Männer Grimme. Soviel ist blinder, als das blindgeborne Thier, Der Mensch, der sehende, geblendet von Begier. Die Reiter sahen an das Wiehern für ein Zeichen, Daß ihre Rosse selbst an Kampflust ihnen gleichen; Und selber wollten sie nun nicht den Rossen weichen. Doch riefen sie sich nicht mit lautem Schlachtgruß an, Entgegen hielten sie stillschweigend auf dem Plan, Und Sohn und Vater sahn sich stumm todblickend an. Nun kamen auch heran die Zeugen ihrer Schlacht, Von beiden Seiten die und jene Heeresmacht: Die Heermacht Irans hier, gewaffnet und geschmückt, Vom Feldherrn Tus gefürt, vom Lager ausgerückt; Die Heermacht Turans dort, den Berg herabgedehnt, Von Barman aufgestellt, und an die Burg gelehnt. Entgegen standen sich die beiden Heere schweigend, Die Kampfbegier vereint nur in zwei Kämpfern zeigend. Wie auf dem weiten Hof ein zahlreich Volk von Hennen Untätig zusieht, wie zum Kampf zwei Hähne rennen, Die, für ihr ganz Geschlecht von Kampfbegier entbrant, Wenn sie erst zum Gefecht zusammen sind gerant, Lebendig alle zwei nicht mehr zu trennen sind; Sosehr macht Eifersucht und heißes Blut sie blind: Die Hennen sehen zu, wie sie zusammen rennen, Und warten, welchen sie als Herrn des Hofs erkennen; So dort erwarteten die beiden Heere nun, Wer als des Schlachtfelds Herr hervor sich würde tun, Und sahen zu, bewehrt, alsob sie wehrlos wären: Für alle ließen sie das eine Paar gewären.

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Doch näher kamen an die beiden Helden licht Geritten nun, und sahn einander ins Gesicht. Suhrab, den Ungeduld hinan zum Vater trieb, Sprach, während eine Hand er in der andern rieb: Komm, alter Held, wie ich gesehn noch keinen habe, Nicht übel nim es mir! dich will bestehn ein Knabe. Von Iran brauchen wir und Turan hier dazu Sonst keinen außer uns, genug sind ich und du. An Wuchse bist du hoch, an Schultern bist du stark; Die Jahre haben doch versehrt bereits dein Mark. Du wirst mich nicht bestehn in diesem Waffengange! Er sprachs, und Rostem blickt' auf seine Rosenwange, Und sprach zu ihm: Gemach, feuriges Heldenkind! Die Erd ist kalt und hart, die Luft ist lau und lind. Schon manche glichen dir, die nun gleich Staube sind. Wol altershalb hab ich gesehn genug Walstätten, Und half manch stolzes Heer im kalten Lager betten. Die schlafen tief genug, die meinem Streich erlagen; Und wo ich selber schlug, da ward ich nie geschlagen. Nun komm heran, blick her, wie ich dich morden will; Entkommst du mir, so fürcht hinfort kein Krokodill! Allein es fühlt mein Herz mit dir, Kind, ein Mitleiden, Vom schönen Leib will ich nicht deine Seele scheiden. Gar einem Türken gleichst du nicht, o schlanker Baum! Deinsgleichen viele wüßt ich auch in Iran kaum. Wie Suhrab hörte, daß so sanfter Rede pflegte Der Recke, fühlt' er auch, wie sich sein Herz bewegte, Und sprach: O alter Held, ich will ein Wort dich fragen, Du aber mußt nun auch mir alle Wahrheit sagen. Vermelde mir, eh wir uns schlagen, dein Geschlecht! So, hör ich, hielten es die Alten im Gefecht. Ich glaube wirklich, daß du Niemand auf der Welt Als Rostem bist, der Fürst im grünen Heergezelt. So sprach er, und so nah daran wars, daß gewendet Würd alles Weh in Lust, und aller Streit geendet. Da kam ein finstrer Geist auf Rostem, und er sprach: Ich bin nicht Rostem! was fragst du dem Rostem nach? Er ist ein Ritter, ist ein Fürst, ich bin ein Knecht; Mit ihm nicht, nur mit mir ist dir der Kampf gerecht. Ich bin der Späher, der dir auf der Burg erschlug Den Mann, der thöricht Lust mich auszuspähen trug. Nun komm zum Kampf, mein Sohn, des Schwatzens ist genug.

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Da schwenkte sich im Zorn zur Linken ab Suhrab Von Rostem, Rostem lenkte rechts von Suhrab ab. Doch als auf Bogenschuß sie auseinander waren, Da wendeten sie schnell, und kamen hergefaren. Entgegen stoben sich zu Ross die beiden Ritter, Entgegen schoben sich die beiden Ungewitter; Entgegen schnoben sich ein Sohn und Vater bitter: Die Schläge hoben sich, und jeder Schlag gab Splitter. Zuerst versuchten sich in diesem Waffentanze Der Vater und der Sohn mit fernentsandter Lanze. Sodann erprobten sich der alte und der junge Anrückend mit der nahgezückten Schwerter Schwunge. Und endlich giengen sich die beiden Heeressäulen Hart auf den ehrnen Leib mit ihren ehrnen Keulen. Was von der Lanze da verschont blieb, schlug das Schwert; Die Keule schmetterte, was jenes nicht versehrt. Laut stöhnten beid', es war des andern jeder wert. Am Helme blieb kein Glanz, am Helmbusch kein Gefieder, Kein Ring am Panzer ganz, keins ungequetscht der Glieder; In Strömen floß der Schweiß vom Mann aufs Ross danieder. Wie sich entgegen zwei Gewitterwolken wettern, Mit Blitz und Gegenblitz einander zu zerschmettern; Sie selber können sich mit Streichen nicht verletzen, Doch unter ihrem Kampf ergreift die Welt Entsetzen: Der Hagel braust herab und schlägt der Erde Saat; Das Land ist wie ein Feld, das eine Schlacht zertrat: Dann, wenn sie sich erschöpft, zieht jede ihre Bahn, Und aus der Ferne noch sehn sie sich finster an: So standen jetzt vom Kampf die beiden ab ermattet, Und eine Lebensfrist war noch dem Sohn gestattet.

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Sie schieden sich, voll Weh der Vater, und das Kind Voll Schmerz: sie hatten sich begegnet ungelind. Die Rosse langsam ließen sie bei Seite laufen, Um von der stürmischen Begrüßung zu verschnaufen. Suhrab im Herzen sprach: Der da so grimmig drein Auf mich geschlagen hat, kann nicht mein Vater sein. Zwar alle treffen ein die Zeichen, die von ihm Die Mutter gab, nur sprach sie nichts von solchem Grimm. Zum Gatten hätte nie genommen ihn Tehmine, Wär er gekommen ihr mit solcher Löwenmiene. Er sagt es selbst: er ist der Mann, der mir erschlagen Den Vetter hat, der mir den Vater sollte sagen. Den Vetter wollt ich ja an seinem Mörder rächen; Und was nun hindert mich, zu lösen mein Versprechen? Doch Rostem sprach bei sich: Ei, wäre der mein Sohn; Von ihm zerbleut, hätt ich nun meiner Thaten Lohn! Den hat kein menschliches, ein Riesenweib getragen; Wie ich so alt erst war, konnt ich noch so nicht schlagen. Nim dich zusammen nun und wehr dich, alter Held! Denn zu Zuschauern hast du beide Heer im Feld. Es wär ein Spuck, wenn mirs mit diesem Türken fehlte, Und in Semengan ers einst meinem Sohn erzählte! Denn, wer ich bin, wird er am Ende doch erfaren, Wielang ich auch vor ihm mag das Geheimnis waren. So sprachen sie, indem sie sich erholten jetzt Von Streichen, welche Sohn und Vater sich versetzt; Die Rosse hatten so einander nicht verletzt. Sie hatten sich geschont, und waren nur benetzt Vom Schaume, weil zum Kampf die Reiter sie gehetzt. Die hatten nun beiseit ein wenig ihren Streit Gelegt und waren schon zu neuem Weh bereit.

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Nunmehr begannen sie, wie um sich zu erholen, Ihr Schützenkampfgerät gemach hervor zu holen. Zum Köcher langten sie, und zogen ihre Bogen, Und von der Senne kam Pfeil gegen Pfeil geflogen. Im Fluge trafen sich die zwei, und sanken nieder; Doch andre rüsteten schon Sohn und Vater wieder. Die Pfeile regneten, dicht, wie bei rauhem Wetter Des Herbstes unterm Baum hernieder rieseln Blätter; Wie wenn am Frühlingstag des Landmanns Bienen schwärmen, Wann rings das Bienenhaus des Mittags Stralen wärmen; Wann sich die Einigkeit des Brudervolks zerschlug, Die Honig mit gemeinschaftlichem Fleiß eintrug, Sich nun vom alten Stock der junge Stamm lossagt, Und auf gut Glück den Flug mit eignem Weisel wagt: So nun mit einem Schwarm geschärfter Stacheln wandten Zum Kampfe sich die mutentbranten Blutverwandten. Sie spannten, legten an und schoßen ab, und spannten, Indem mit jedem Pfeil sie sich Zornblicke sandten. Sowenig aber als ein Blick, sowenig leid Tat ihnen auch ein Pfeil am festen Wehrgeschmeid; Sie schüttelten mit Scherz den Staub vom Waffenkleid, Die Köcher raßelten, und ihre Schätze klirrten; Die Sennen winselten, und ihre Bogen schwirrten, Die laut im Fluge gleich blutgierigen Vögeln girrten. Nicht kamen sie zum Zweck, die doch vom Ziel nicht irrten. Alswie der Sonne Pfeil prallt ab vom Felsgestein, Ihm dringen kann er nicht ins feste Fleisch und Bein, Und an der obern Haut erhitzt er ihn allein: So drangen dort nicht ein die Pfeil, und prallten ab, Und mehr in Hitze nur kam Rostem und Suhrab. Mit goldnen Spitzen war, gleich Stralen, jeder Schild Besetzt, und leuchtete recht wie der Sonne Bild. Doch als es sie verdroß, vergebens nur die Scheibe Zu treffen, ließen sie nunmehr vom Zeitvertreibe, Und giengen, Ross und Mann, ernsthafter sich zu Leibe.

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Sie ritten nah sich auf den Leib, und legten Hand, Zu ringen, einer an des andern Gürtelband. Wann sonst im Rossringkampf Rostem saß auf dem Rachs, War er wie Erz, und, was zur Hand ihm kam, wie Wachs. Doch nun legt' er die Hand an Suhrabs Gürtelband, Und staunte, daß er fand solch einen Widerstand. Wie nicht ein Bergfels wankt, den eine Schlang umflicht, In Rostems Armgeflecht so wankte Suhrab nicht. Wo Rostem matt ließ ab, fieng mutig an Suhrab; Doch auch vergeben war die Müh, die er sich gab. Wie nicht der Erdleib schwankt, weil ihn der Arm umflicht Der Luft, so schwankte nicht Rostem im Gleichgewicht. Da ließ der Sohn erzürnt den starken Vater faren Am Gürtel, und ergriff ihn an dem Schopf von Haaren, Der, halbergraut, doch straff drang unterm Helm hervor; Daran vom Sattel hofft' er ihn zu ziehn empor. Doch Rostem saß wie Blei im Sattel, wie ein Stück Von Erzguß; nur das Haar blieb in der Hand zurück. Suhrab fand in der Hand das Haar, und rief erschrocken: Du unbezwinglicher mit schon ergrauten Locken! Du spannst die Glieder unnatürlich an mit Krampf; Was suchest du, o Greis, mit einem Jüngling Kampf? Ein alter Mann, wennauch sein Wuchs wär eichbaumschäftig, Mit einem jungen ist er doch zum Streit unkräftig. Dein Thier auch unter dir hat seinen Mut verloren, Und wie ein Esel läßt es hangen seine Ohren. Vor meinem Hengste sucht' es gern das Heil in Flucht, Und ihm verbietet es nur seines Reiters Wucht; Doch mir verbeut den Kampf mit dir nun Scham und Zucht. Als ich das graue Haar in meiner Hand gewart, War mirs als legt ich Hand an meines Vaters Bart. Sind denn um uns im Feld nicht andre Kriegerhaufen? Was müßen wir allein uns mit einander raufen! So sprach der junge; doch der alte sagte nichts, Er wendete sich ab ergrimmten Angesichts.

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