Rostem und Suhrab: Eine Heldengeschichte in zwölf Büchern

Part 4

Chapter 43,777 wordsPublic domain

Zu dem in Liebeslust gefangnen jungen Mann Mit Mahnung und Verweis trat Barman und begann: Wie? um ein dunkles Haar und helles Angesicht Vergißest du die Welt, dich selbst und deine Pflicht! Die Helden, so die Welt noch jetzt am höchsten hält, Sie hielten höher als sich selbst nichts auf der Welt. Sie gaben aus der Hand nicht achtlos und bedachtlos Das Herz und den Verstand, vom Rausch der Liebe machtlos. Wol manches Moschusreh fiengen sie ein im Scherz, Doch binden ließen sie im Ernste nicht ihr Herz. Denn, wer dem Adler gleich will um die Sonne werben, Darf wie die Nachtigall nicht um die Rose sterben. Nicht mit Eroberung von einer Welt vereint Sich dieses, daß in Gram um einen Mond man weint. Sohn hat zum Ruhme dich genant Afrasiab, Und über Land und Meer schwingst du der Herrschaft Stab. Aus Turan kamen wir hieher zu einem Werke, Begonnen wards mit Kraft, und sei vollfürt mit Stärke! Dir fiel ohn einen Streich des Schwertes in die Hand Solch eine Burg, und frei steht dir nun Irans Land. Doch ob wir so im Spiel erreichten dieses Ziel Des Wunsches, doch bevor steht uns noch Arbeit viel. Der König Kawus wird mit seinen Helden nahn; Willst du entgegengehn? willst du sie hier empfahn? Willst du entgegengehn? kleb hier nicht an den Hallen! Willst du sie hier empfahn? laß nicht die Burg zerfallen! Was überlieferst du in Blindheit und Betörung Das erste Pfand des Glücks den Händen der Zerstörung? Mach, es ist dir zu schwül, dein Herz im Busen kühl Von Liebe, willst du stehn ein Mann im Schlachtgewühl! Und willst du sein ein Kind, so ruh auf weichem Pfühl! So mahnte Baruman; Suhrab hatt ihm verraten Sein Herzgeheimnis nicht: er hatt es selbst erraten.

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So mahnte Baruman, und als darauf kein Wort Suhrab erwiderte, fur er zu mahnen fort: Du hast aus eignem Mut, o Jüngling, unternommen Ein großes Werk, und wirst mit Glück zum Ziele kommen, Wenn eins mit dir du bist! Mit dir eins, wirst du siegen; Uneins mit dir, wirst du dir selber unterliegen: Der Kopf besinnungslos wird unters Herz sich biegen. Nur wer mit Festigkeit und mit Verstand ausfürt Das Unternommne, weiß daß ihm der Ruhm gebürt. Den Leun zu fangen, bist du auf die Jagd gegangen; Laß dich nicht unterwegs vom bunten Panther fangen! Bist du ein Held, ein Mann, die Welt zum Raube nim! Die Hand streck aus! dem Schah vom Haupt die Haube nim! Wenn diese Länder all erst deiner Herrschaft fröhnen, Werden dir allerwerts auch huldigen die Schönen. Die Schönheit ist die Blum, o Sohn, auf dem Gefild Des Lebens, und die Lieb ein Thau auf Blumen mild. Nie fehlen möge dir, o Jüngling, auf der Au Der Jugend und des Glücks die Blume noch der Thau! Befestige dieß Schloß zu Ehren der darinn Erblühten, ihr zum Ruhm befestge deinen Sinn! Wenn dir von hier der Sieg ganz Persien beschied, In Persien ist mit inbegriffen Gurdafrid. Wenn du den Rostem wirst vom Ross zu Boden ringen, Laß ihn als Lösepreis Gurdaferid dir bringen! So Baruman, und wie ein Stral durch Nebel brach Die Red in Suhrabs Seel, er ward vom Traume wach. Ja, rief er, von dem Ross will ich den Rostem bringen, Und will als Lösepreis Gurdaferid bedingen! Dem Heer gebot er: Reißt nicht, was wir haben, ein! Und baut es wieder, daß es mög unnembar sein! Dann setzt' er sich und schrieb Brief' an Afrasiab, Worin er ihm Bericht vom ersten Siege gab.

Fünftes Buch.

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Doch zu Keikawus kam nach Istachar der Brief Des Gesdehem, womit in Eil der Bote lief. Der König, als er nun den Brief las, und vernam Die üble Zeitung, ward sein Herz voll dunklem Gram. Darauf er seines Heers Gewaltige berief, Und viel verhandelt' er mit ihnen ob dem Brief. Sie saßen um den Schah von Iran alle her, Und allen ward das Herz wie ihm von Sorgen schwer. Die Großen seines Reichs und Starken saßen alle Ratschlagend mit dem Schah in der Chosroenhalle: Ferabors, Guders, Tus, Keschwad, Schedosch, Roham, Gurase, Gurgin, Gew, Milad, Ferhad, Behram. Denselben allen gab der Schah den Brief zu lesen, Und sprach mit ihnen dann von Suhrabs Art und Wesen: So ist aus Turans Schooß ein neuer Kriegessturm Gebrochen! seinem Stoß wankt Irans Friedensturm. Schon ist in seiner Hand die weiße Veste jetzt, Auf welche wir umsonst der Hüter zwei gesetzt. Der alte gieng davon, der junge ließ sich fangen. Guders! mit deinem Sohn Hedschir darfst du nicht prangen! Du hast der Söhne viel; warum gerade gaben Die Burg wir dem, der sie nicht hielt vor einem Knaben? Doch, wie der Alte schreibt, so ist kein Mann der Welt, Der diesem Ungetüm von Kind die Stange hält, Als Rostem, Sabuls Held. Ihr, denen ist empfolen Die Wolfart Irans, sprecht: soll man den Rostem holen? Da sprachen Groß und Klein, und riefen insgemein: Rostem ist Irans Held, geholt soll Rostem sein. Im Kampf mit Turan war stets Rostem Irans Hort; Aus Sabulistan sei er eingeholt sofort! Der Schah schreib einen Brief, worin ihm werd empfolen Zu eilen; aber Gew, sein Eidam, geh ihn holen.

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Da saß der Schah und schrieb an Rostem einen Brief, Worin er Gottes Preis ob ihm zum Eingang rief: Hort der Iranier, Fürst von Sabulistan! Stets sei vom Ruhm genant des Reiches Pehlewan! Von Turan ist ein Sturm und Friedensbruch gekommen, Die weiße Burg hat er den Hütern abgenommen. Suhrab, so ist genant die junge Kriegesflamme, Entsproßen, wie man sagt, Semengans Königsstamme; Ein Wetterstral, ein Brand, ein Recke sonder Scheu, Von Leib ein Elefant, von Herz und Mut ein Leu. Wie Gesdehem uns schreibt, so ist kein Mann der Welt, Der diesem Wagehals von Kind die Wage hält, Als du nur, Irans Held! All meine Ritter saßen Zu Rate, wo mit mir sie diese Fahr ermaßen, Und einig sind sie, daß mit ihm den Kampf kann üben Kein anderer, nur du magst ihm das Waßer trüben. Denn du bist unser Hort und Schmuck und Putz allein, Du Irans Rettungsport und Turans Trutz allein, Die Stütze fort und fort des Throns und Schutz allein. Nun gilt es, der Gefahr mit Kraft Entgegenstemmung, Die Brust von Iran frei zu machen von Beklemmung; Hemmung und Dämmung gilts von Turans Ueberschwemmung! Sobald du diesen Brief erbrochen hast, brich auf! Im Augenblick brich auf, und halte dich nicht auf! Stehst du, wo dieser Brief ankommt, nicht sitze nieder Zu lesen! sitzest du, erheb im Sprung die Glieder! Wenn in der Hand den Strauß du hältst, zu riechen, reuch nicht Daran! wirf hin den Strauß, zeuch aus, zeuch! und verzeuch nicht! Bist du vor deiner Tür, so geh nicht erst ins Schloß! Laß holen Schwert und Helm, und hol im Stall dein Ross! Sitz auf dein Ross! den Rachs laß rennen! flieg herbei Aus Sabul wie ein Sturm! erheb ein Feldgeschrei!

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Er schrieb und siegelte den Brief mit buntem Wachse, Gab ihn dem Gew, und sprach: Nun renne gleich dem Rachse; Nach Sabul renn und flieg, alsob du hättest Flügel! Nun gilts am Rösslein abzunutzen Zaum und Zügel. Wenn du nach Sabul kommst zu Rostem, heiß ihn eilen! Verweilen laß ihn nicht, und laß dich nicht verweilen! Kommst du an spät des Nachts, so kehr um früh des Tags! Sags ihm, daß nah der Kampf herandrängt, sags ihm, sags! Da nam den Brief zur Hand und eilte hin der Bote; An Waßer dacht er nicht, und fragte nicht nach Brote; Er fragt' auf seinem Weg nach Staub nicht oder Kot, Und auch am Himmel nicht nach Früh- und Abendrot. Er flog auf seinem Ross in ungestümer Hast, Und gönnte weder ihm noch sich Schlaf oder Rast. Der Reuter und sein Ross, sie fühlten ihre Kräfte Verdoppelt vom Beruf der wichtigen Geschäfte; Als dienete zu Sporn des Reiches scharfe Not, Zu Geißelhieb des Schachs eindringliches Gebot. Als er zur Mark hinan ritt von Sabulistan, Ward vom Wachpostenruf dem Rostem kund getan; Aus Iran fliegt ein Bot alswie ein Sturm heran. Doch Rostem zu Sewar, zu seinem Bruder, sprach: Reit ihm entgegen, sieh, warum ihm ist so jach! Dem Königsboten ritt Sewar auf hohem Ross Entgegen, Rostem blieb in Ruh auf seinem Schloß. Doch als der Bruder nun kam mit dem Boten näher, Wie er den Eidam sah, da freute sich der Schwäher. Er grüßt' ihn schön und sprach: Was bringst du, Tochtermann? Ein Schreiben von dem Schah! gibs, ob ichs lesen kann! Er nam den Brief, den er mit Augen überlief, Dann schwieg er lange Zeit, und dachte nach dem Brief.

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Ich denk an alte Zeit, vergeßen manches Jahr, Und jetzt erinnr' ich mich, alsob es gestern war. Wie lange kann es sein? unmöglich ist der Knabe Mein Sohn, wenn einen Sohn ich in Semengan habe. Unmöglich, wenn mir dort ein Herz- und Seelerfreuer Erwächst, ist er bereits ein Mann und Heerzerstreuer. Jetzt trinket er noch mit milchduftiger Lippe Wein; Doch ohne Zweifel bald wird er ein Kämpe sein. Wann seine Zeit kommt, wird sein Arm die Keule schwingen, An Tapferkeit wird er mit seinem Vater ringen. Aufblühen neu in ihm wird Rostems Heldenfeuer, Der Jüngling wird dem Greis der Jugendkraft Erneuer; Jetzt ist er noch kein Mann der Schlacht und Heerzerstreuer. Wann er erwachsen ist, wird ihn die Mutter schicken, Und um den Arm das ihm bestimmte Zeichen stricken. Erkennen werd ich ihn, und er wird mich erkennen, Denn meine Zeichen wird ihm auch die Mutter nennen; Nicht feindlich werden wir uns dann im Kampf anrennen. Zusprechen wird er mir mit sittigem Zuspruch, Nicht kommen mit gewalttätigem Gastbesuch, Nicht mit der Tür ins Haus, ins Land mit Waffen fallen, Anklopfen wird er erst an seines Vaters Hallen, Und diese sind ihm aufgetan mit Wolgefallen! Ich habe keinen Sohn in Persien, um ihn Als Erben meines Ruhms und Namens zu erziehn, Als Erben meines Guts und Reichs Sabulistan. »Ein Türkenknabe taugt nicht zum Reichspehlewan« Wird Kawus sagen; doch nach Kawus frag ich nicht. Doch gerne möcht ich sehn dem Jungen ins Gesicht, Der Suhrab ist genannt, die junge Kriegesflamme, Entsproßen, wie man sagt, Semengans Königsstamme! Ich könnt ihn nach dem Kind und seiner Mutter fragen, Und einen Gruß an sie nach Turan ihm auftragen, Den trüg er hin, wenn ich ihn hier nicht hätt erschlagen!

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So sprach der alte Held in tiefbewegtem Sinn, Und all sein Denken schuf ihm lauter Ungewinn. Dann blickt' er auf, und sprach zum Boten, den er fast Vergeßen hatte: Komm! für heut bist du mein Gast. Es ist nicht Eilens Not mit Krieg und Kriegsgebot: Ich seh nicht, was dem Reich von Iran Großes droht! Nun machte wol mich scheu ein reckenhafter Knabe, Da ich nicht Furcht vor Leu und Elefanten habe? Es sollt ein blinder Schreck mich gleich in Harnisch bringen, Und stehndes Fußes sollt ich auf den Rachs mich schwingen? Weil gegen ihn ein Tropf die weiße Burg verlor, Ist drum der Brausekopf schon vor der Hauptstadt Tor? Ein knabenhafter Mann, wieviel er Kraft gewann, Wenn sich zu rühren erst für ihn mein Schaft begann, Sehn werdet ihr, wielang er seiner Haft entrann! Ich wurde fertig sonst mit Riesen und Dämonen, Ich fürchte mich vor nichts, was hinterm Berg mag wohnen. Er wird sich hüten uns ins Garn herein zu springen; Wir werden zeitig ihm den Tod entgegen bringen. Soll in Bewegung erst sich setzen Meeres Braus? Das Glimmen geht von selbst des Aschenhäufchens aus. Wir werden bald genug auch diesen Weltbrand dämpfen; Heut hab ich keine Lust für Keikawus zu kämpfen. Kommt! eh auf seinen Wink wir morgen Türken hetzen, Will ich mich heute noch mit lieben Freunden letzen. Wir schlagen aus dem Sinn die Schlacht uns beim Gelag, Bei hellem Becherklang und frohem Lautenschlag, Und machen vor der Nacht uns einen guten Tag. Du, Eidam, sollst mir was von meiner Tochter sagen, Vom jungen Recken auch, den ich euch todt soll schlagen! Die Herrlichkeit der Welt wird all am Ende Staub; Begießen wir mit Wein des Lebens grünes Laub! Seware! geh ins Haus, bestell uns einen Schmaus! Wir leeren vor der Nacht noch manchen Becher aus.

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So rief der alte Held aus aufgeregter Seele; Sein Bruder tat, wie er gewohnt war, die Befele. Und auch der Eidam wagte nicht zu widersprechen; Er wußte, daß mit ihm nicht gut sei Lanzen brechen. Der alte Recke ließ sich durch den Sinn nicht faren; Starr war sein Kopf und hart, besetzt mit struppigen Haaren. Dem Schwäher folgte Gew vergnügt ins Haus zum Schmaus, Und dachte: Mach er mit dem Schah es selber aus! Wir wollen heut mit Wein die staubgen Lippen netzen, Und morgen können wirs durch schärfern Ritt ersetzen. Sie saßen beim Gelag, und hatten guten Tag, Das Fest geschmückt war wie ein Frühlingsrosenhag. Alswie ein Rosenhag, geschmückt mit Duft und Glanze, Mit Nachtigallenschlag und blühndem Rosenkranze; So blühte das Gelag von Sang und Klang und Tanze; So mühte sich die Kunst geübter Tänzerinnen, Vom Wirte Gold, und Gunst vom Gaste zu gewinnen. Sie dachten an den Feind und an den König nicht, Und sahn nur Rosenwang und Mondenangesicht. Vom Schenken ließen sie den roten Wein sich schenken, Und durften nicht dabei an Blutvergießen denken. Sie schöpften Wonn auf Wonn aus unerschöpfter Tonne; Froh war hinunter schon getrunken Tag und Sonne. Zum Trunke leuchteten noch ihnen Sternefunken, Bis alle vom Gelag zum Lager giengen trunken.

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Am andern Morgen trat der Eidam reisefertig Zu Rostem ein, und war des Aufbruchs nun gewärtig. Doch Rostem sprach vergnügt: Du schliefest zeitig aus; Gut, daß zu kurz der Tag uns werde nicht zum Schmaus! Nun heute wollen wir erst recht behaglich schmausen; Wer weiß, wie bald herein des Unheils Wogen brausen! Wir wollen aus dem Sinn uns schlagen Graun und Grausen; Gut Obdach haben wir, der Sturm mag draußen sausen! Villeicht wird nie so froh uns mehr dieß Haus behausen. Mir ist, als sollt ich mich zum letztenmal der meinen, Der guten Freunde freun, die sich um mich vereinen! Ihr beiden, kommt, und setzt zur Rechten und zur Linken Euch um den Rostem her, und helft dem Rostem trinken! Sewar, mein Bruder, hier! hier Gew, mein Tochtermann! Mir träumte Nachts daß ich auch einen Sohn gewann. Das kam mir in den Sinn durch jenen Türkenknaben, Mit welchem sie vom Hof den Kopf betäubt mir haben. Nachbringen sollst du heut beim Weine, Gew, mir dessen Beschreibung, weil beim Wein sie gestern ward vergeßen. Kommt, setzet euch, und laßt uns hören vom Suhrab, Was Gew zu sagen weiß, ob dieser Wunderknab Ist wirklich einzig auf der Welt der weiße Rab! So sprach er, und zuerst hinpflanzt' er seine Glieder; Der Bruder durfte nichts, der Eidam nichts dawider Ihm sagen; wie er saß, setzten sich beide nieder. Sewar, der Bruder, rechts, der Eidam Gew zur Linken, Bei Rostem saßen sie, und er begann zu trinken. Sie saßen beim Gelag, und hatten guten Tag; Das Fest geschmückt war wie ein Himmelsrosenhag, Mit Glanz und Tanz und Sang und Klang und Lautenschlag. Beim Trinken sprachen sie, bis sie den Tag hinab Getrunken und herbei den Schlummer, von Suhrab.

50.

Des andern Morgens trat der Bote reisefertig Zum Pehlewan, und war des Aufbruchs nun gewärtig. Er wartete, und sah daß nicht von selbst aufbrach Rostem, da faßte Gew sich nun ein Herz und sprach. Bedachtsam sprach er: Held! vernimm ein Wort in Huld! Nun reize länger nicht des Schahes Ungeduld! Kawus, das weißt du ja, ist jäh in jedem Ding; Und diese Sache wiegt ihm keineswegs gering. Drum sandt er Botschaft dir durch keinen andern Boten Als deinen Tochtermann, und Eil hat er geboten. Denn dieser junge Türk ist ihm ein großer Kummer, Der Eß- und Trinkens-Lust und Ruh ihm raubt und Schlummer. Und wenn wir länger noch in Sabulistan säumen, Wird ihm das weite Reich zu eng in allen Räumen. Sprich, lieber Schwäher, soll ich dir den Rachs nicht zäumen? Im ungefügen Zorn möcht er sich uns erbosen; Zorn des Gebietenden bringt Boten keine Rosen. Zu ihm sprach Rostem: Laß dir das nicht Sorge werden! Niemand darf zürnen mir und meinem Tun auf Erden. Keikawus weiß das wol, daß er zu dieser Frist Durch Rostems Macht allein in Iran König ist. Er weiß auch, daß mein Schwert ihn nie im Stiche ließ, Wo oft in Ungemach sein toller Mut ihn stieß. Doch heute dünkt es selbst mir Zeit nun aufzubrechen; Nun wollen wir es erst beim Morgentrunk besprechen. So sprach er, und alsbald mit Prachtgepräng und Prunk Ließ er bestellen dort im Saal den Morgentrunk. Die Flasche neigt' er tief, und hob den Becher hoch, Mit seinem Eidam sprach er dieß und jenes noch. Den Sattel nun gebot er auf den Rachs zu heben, Und ließ dem ehrnen Mund der Zinken Atem geben. Die Krieger Sabuls, wie sie hörten Rostems Zinke, Rings strömten sie herbei, willfärig seinem Winke. Er übersah mit einem Blick die starke Schar, Und merkte, daß kein Ding der Welt zu schwer ihm war. Die Rosse wieherten, es schmetterten Trommeten, Die Fahnen flatterten, die Fart ward angetreten. Rostem ritt im Gespräch mit Gew voraus, es war Hauptmann bei Sabuls Heer an seiner Statt Sewar.

51.

Die Kunde kam zur Stadt, Rostem sei auf den Wegen; Die Fürsten zogen ihm eine Tagreis' entgegen: Ferabors, Guders, Tus, Keschwad, Schedosch, Roham, Gurase, Gurgin, Milad, Fehrhad und Behram. Ferabors, Sohn des Schachs, und der Kronfeldherr Tus, Samt allen übrigen, mit ehrerbietigem Gruß, Entgegen traten sie dem reitenden zu Fuß. Zu Fuß hernieder trat auch Rostem von dem Ross, Grüßend, und im Geleit hinwandelt' er zum Schloß. Hinwandelten zum Schloß vergnügt und unbeklommen Alle, sie waren froh, daß Rostem nur gekommen. So traten sie im Chor dort in die offne Halle Des Throns, mit offnem Blick und offnem Herzen alle. Doch wie sie grüßend sich dem goldnen Thron geneigt, Saß droben Keikawus finster und ungeneigt. Dem Ruf der Huldigung gab er die Antwort nicht, Und schweigend wendet' er von ihnen sein Gesicht; Worauf er gegen Gew erst einen Schrei ausstieß, Und gegen Rostem dann den Unmut frei ausließ: Wer ist Rostem, daß er ein Wort aus meinem Munde Mit Füßen tritt, und sich entziehet meinem Bunde? Hätt ich ein Schwert zur Hand, ich wollte laßen tanzen Vom stolzen Rumpf sein Haupt gleich einer Pomeranzen. Tus, greife mir das Paar, und führe sie davon, Bring an den Galgen mir Schwäher und Schwiegersohn! Er riefs, und sprang vor Zorn auf seinem Thron empor, Auflodernd ungestüm alswie ein Feur im Rohr. Der ganze Kreiß umher der Fürsten war betroffen, Daß seinen Zorn der Schah so durft auslaßen offen. Tus zauderte und wagt' an Rostem nicht die Hand Zu legen, da geriet Keikawus erst in Brand. Er brüllte durch den Saal alswie ein Leu im Forste, Und schrie vom Throne wie ein Adler kreischt vom Horste: Verräter, wer die Hand nicht legt an den Verräter! Ein Uebertreter, wer nicht greift den Uebertreter! Fort mit ihm auf der Stell, aus meinen Augen fort! Und sagt dagegen mir kein unverständig Wort!

52.

So schnaubt' er, und vor Leid dem Tus das Herz zerbrach, Daß er an Rostem sollt anlegen Hand mit Schmach. Er faßt' ihn, nur damit er ihn aus dem Gesichte Dem Kawus brächte, bis man dessen Zorn beschwichte. Die Fürsten staunten, wie er faßte Rostems Hand, Und Rostem wars allein, der nichts davon empfand. Denn Rostems Seele schwoll von Groll und Unmut voll, Daß vor den Fürsten ihm der Schah das bieten soll! Er richtet' um ein Haupt noch höher sich empor, Und um die Schultern schien er breiter als zuvor. Dann tat er seinen Mund zu kühnen Reden auf, Frei gegen Kawus ließ er seinem Zorn den Lauf: Wer bist du, und wer ich, daß du so gegen mich Darfst schnauben? auf der Welt bist du ein Schah durch mich. Droh mit dem Galgen doch dem Suhrab, der dich schreckt, Dem Ritter nicht, der dir den Feind zu Boden streckt! Bin ich dein Untertan? Ich bin der Pehlewan Des Reiches Iran und Fürst in Sabulistan. Ich bin Tehemten, der, wenn er den Fuß im Grimm Stampft auf den Grund, der Grund erzittert unter ihm. Von meines Rosses Huf erhallt des Himmels Dom, Und staunend still, wo es vorbeirennt, steht der Strom. Ich bin der Rostem, sieggekrönt und ruhmgeschmückt, Der wol um einen Schah wie du den Kopf nicht bückt! Der Sattel ist mein Thron, der Helm ist meine Krone; Ich spotte deiner Kron, und trotze deinem Throne. Wer ist Kawus, daß er an mir den Zorn auslaße! Und wer ist Tus, daß er mich bei der Hand erfaße! Er riefs, und auf die Hand gab er solch einen Schlag Dem Tus, daß er davon betäubt am Boden lag. Hin über ihn und durch die andern schritt er stracks Zu Hall und Hof hinaus, und schwang sich auf den Rachs.

53.

Die Fürsten drängten aus dem Saal ihm hinterdrein, Den Kawus ließen sie mit seinem Zorn allein. Sie eilten in den Hof, da saß der Rostem hoch Auf seinem Sattel schon, und sprach vom Sattel noch: Heim reit ich nun sogleich nach Sabul, in mein Reich; Dort bin ich König selbst, dem König Kawus gleich. Mag ohne Widerstand ganz Iran in die Hand Von Turan fallen! ich behaupte wol mein Land. Mag euch wie den Hedschir Suhrab vom Rosse stechen, Und wie das weiße Schloß die Königsburg hier brechen! Ich wehr ihm nicht, und wer wird ohne mich ihm wehren? Euch allen rat ich, daß ihr mögt nach Hause kehren! Kein edler Ritter dient solch einem Herrn mit Ehren. Ein Hitzkopf sollte doch die Herrschaft nie erwerben! Er stürzt das Land und stürzt sich selber ins Verderben. O möcht ein Fürstensproß doch aus der Art nie schlagen, Kein toller Sohn den Reif nach weisem Vater tragen! Hab ich den Keikobad vom Berg Albors gebracht Dazu, ihn auf den Thron gesetzt durch meine Macht, Daß Keikawus, sein Sohn, sich nun mir unnütz macht? Die Fürsten wißen, daß sie selbst zum König mich Begerten! damals setzt ich ein als König dich! Und hätt ich dort gewollt annemen Kron und Reif, So trügest du nicht jetzt den Nacken hoch und steif. Darum mishandle nur mit schnöden Worten mich! Ich habs um dich verdient! warum erhöht ich dich? Doch dächten so wie ich die Fürsten, auf dem Thron Ließen sie dich allein, und giengen auch davon. Lebt wol! in euerm Land seht ihr mich nimmer wieder; Eur Land und euch kauf ich nicht um ein Krähengefieder! So rief er, und im Zorn gab er dem Rachs die Sporen, Spornstreichs ritt er hinaus zum Hof und zu den Toren. Wol eine Meile Wegs ritt er auf Sabul zu, Dann sucht' er gegen Nacht in einer Herberg Ruh. Sein Zorn kühlt' in der Nacht; er harrte, bis Sewar, Sein Bruder, käme nach mit Sabulistans Schar.

Sechstes Buch.

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