Chapter 13
"Und wo ruht der Most jetzunder?" Fragt der König. "Herr, er ruhet Unter jenem kühlen Brunnen, Wo die Sabbatgöttin weilt.
Wollt ihr trinken, o so eilt, Weil er jetzo gärend sprudelt, Da der Venusstern noch funkelt Bis zur mitternächtgen Stunde.
Da ich wußte, was euch munde, Hängt ich würzend zu dem Spunde Von Muskaten ein Lunte, Schwefelglühend, erst hinein!" --
"Wohl, ich sorge für den Wein!" Spricht der König. "Munter, munter Sei der Strick hinabgewunden Aus der Venus Lockendunkel!"
Doch es will das Weib nicht ruhen, Weil der König heftig rupfet; Apo gibt ihr drum die Puppe, Daß sie spielend sich zerstreu.
Und sie treibet Kinderei; Aus dem Kelch der Zauberblume Machet sie dem Kindlein Schuhe, Küßt sie, drückt sie an den Busen.
Doch es glänzt ihr zum Verdrusse Auf dem Herz der kleinen Puppe, Und sie riß es gern herunter, Jenes goldne Röselein.
Und sie drückt das Herz ihm ein Mit des Fingers hartem Drucke. So beschäftigt ohne Zucken, Dient dem Geiste sie zur Kunkel.
Und aus ihren Locken munter Dreht den Faden er, hinunter Trägt die Taube ihn die Stufen Zu Biondettens Kämmerlein.
Dem Kamele an ein Bein Wird der Faden angebunden, Und dies macht so lang die Runde, Bis der Faden aufgewunden.
"Ist das Fäßlein ausgetrunken, Geb ich dir zum Eigentume Des Getränkes schönen Brunnen!" Spricht der König und erbleicht.
Denn schon durch die Kammer streicht Bang die Taube, und es zucket Schon der Hammer in dem Turme, Drohend mit der zwölften Stunde.
Doch es schaukelt mit der Puppe, Daß gewieget sie entschlummre, Singt ein Lied, sie einzulullen, Jetzt das klare Geisterweib:
"Hast du gleich kein Herz im Leib, Hast du doch zwei ganze Schuhe. Schlummre, schlummre, ruhe, ruhe, Träume von der bunten Kuhe!
All die Bienlein, die gesummet Zu den wunderlichen Blumen, Belladonna, Frauenschuhe, Um zu bilden deinen Leib,
Ziehen jetzt zum Zeitvertreib In die lustge Rockenstube, Wo die schlanken Wasserjungfern Drüben bei dem grünen Sumpfe
An des Storches rotem Strumpfe Stricken, und sie singen Wunder, Hundert kunterbunte Wunder, Von dem Meister Langebein.
Wie er holt die Kindlein klein Aus dem milchgefüllten Brunnen, Wie dem Mond die karge Mutter An dem Rock stets tät zu kurze
Und ihm aus dem blauen Schurze Nimmer ganz die Mütze rundet; Von des Eichhorns lustgem Sturze In den kalten Born hinein,
Da sein Schatz im Mondenschein Wollte lugen in den Brunnen, Ob sie sehe ihres Buhlen Abbild in der Wassergrube,
Und um mit hineinzugucken, Tät er bücken sich und ducken, Fiel und mußte Wasser schlucken. Ei, wie lief das Jungfräulein!
Schlaf, mein Püppchen, schlafe ein! Herdesglut ist eingesunken, Und das Heimchen grillt im Dunkel Nun das Märchen von dem Funken,
Der der Köchin, die betrunken Schlief, eh sie ihr Lied gesungen, In den wüllnen Rock gesprungen Und verbrennet ihr den Leib,
Daß sie ward gleich einem Weib; Und wie aus dem falschen Kruge Für den Schwulst sie Salbe suchte, Auf den Besen stieg und fluchte,
Wider Will den Ritt versuchte Zu der klugen Frauen Runde, Wo die Hausfrau sie gefunden, Tanzend um den Bock den Reihn.
Als sie christlich wollte schrein, Fiel sie durch den Schlot herunter; Morgens saß sie ganz berußet In der heißen Aschengruben;
Und die Schornsteinfegerbuben Singen ihr: "Aus unsrer Schule Schwatzte heut mit dir dein Buhle, Doch sein Besen fegt nicht rein!"
"Mutter, es soll Wahrheit sein!" Sprach sogleich ein schwarzer Junge, Der mit einem kühnen Sprunge Aus der Schürze kam gesprungen!
Schlummre, süßes Püppchen, schlummre, Bist du dumm, es gibt noch Dummre, Bist du stumm, es gibt noch Stummre, Schlummre, schlummre, Püppchen, ein!
Bald miau! Die Katzen schrein, Machen Diebs- und Liebesrunde, Brünstig, günstig ist die Stunde, Zu dem Mondmann heulen Hunde.
Sieh! Dort auf dem Wiesengrunde Tanzen jetzt die Elfen munter Unterm Knabenkraut hinunter, Das die Blätter niederstreut.
Kind, sie spielen Lotto heut, Schreiben auf die Blättchen Nummern, Und du darfst nur kühnlich schlummern, Denn dir kommt dein Glück im Schlummer.
Du gewinnst die beste Nummer, Eine Braut wirst du im Schlummer, Und dich wecket ohne Kummer Hochzeit, Hochzeit, hohe Zeit!
Mondschein deckt dein Bettlein breit, Tu dich zu dem Bräutgam ducken, Wenn die Wichtlein Jubel rufend Auf den Stufen ihre Krucken
Brechen, durch die Ritzen gucken Und zum Schlüsselloch einschlupfen: Wenn sie an der Decke zupfen, Strecke nur heraus kein Bein!
Ei, die Nacht ist wunderfein! Vor der Kröt auf hohem Stuhle Singen Frosch und Unk im Pfuhle, Eine heilge Judenschule.
Und der Irrwisch hüpft betrunken, Wo der Musikant versunken; Brünstig glühn Johannisfunken, Wo jüngst fiel ein Jungfräulein,
Als ihr Buhl ihr stellt ein Bein Und ihr Kränzlein ohn Vermuten Fiel in eines Schatzes Gluten, Der im Acker eingetruhet
Blank zu ihren Füßen ruhet. Heim trug sie den Schatz zur Stunde, Schwerer war noch viele Pfunde Ihr lebendger Edelstein.
Schlaf, mein Püppchen, schlafe ein!" Also hat das Weib gesungen Mit verwirrter, süßer Zunge, Und der Zauber ist gelungen. --
Denn Biondette, schlummertrunken, Folgt des Zauberfadens Zuge, Geht zur Linde, und am Brunnen Liegt vor ihr ein Knabe fein.
"Jungfrau, ach, erbarm dich sein!" Spricht sie, legt den kleinen Buben Auf des Altars höchste Stufe, Wo sie einst auch ward gefunden.
"Bleibe unten, bleibe unten, Bete erst ein Vaterunser!" Hört sie jetzt den Knaben rufen, Doch sie soll verloren sein.
Und sie zieht zum Turm hinein, Steigt hinan die dunklen Stufen; Immer schwächer hört sie rufen: "Bleibe unten, bleibe unten!"
Bis die Stimme ganz verschwunden; Und Biondette, traumumwunden, Steiget jetzt die letzte Stufe, Gehet zu dem Mahl hinein.
Rosablankens Nadel fein, Um die sie das Haar gewunden, Zieht sie aus dem Lockenbunde, Die ihr golden niederfluten.
Nächtlich bloß den keuschen Busen, Tritt sie an die Zauberspuren, Und von ihrem Herzen funkelt Hell das goldne Röselein.
"Muß ich denn verloren sein? O Maria, Gottes Mutter, Der ich einstens ward gefunden, In die Windeln eingewunden,
Denke meiner frommen Stunden, Lasse sterbend mich gefunden!" Lallt sie, peinlich traumumwunden, Zu der reinen Seele Heil.
"Sei gegrüßt, du Todespfeil, Sei gegrüßt mit reinem Munde, Der nie freche Lust getrunken, Keuscher Tod in keuscher Wunde!
Flieh, du letzte sündge Stunde! Märtyrkrone sei errungen!" Dann ruft sie mit kühner Zunge: "O Maria, erbarm dich mein!"
Und die goldne Nadel fein Stößt sie in den reinen Busen Durch die goldne Rosenblume, Sinket nieder, heilig blutend.
Und es schlägt die zwölfte Stunde. "Weh, zu spät ists zu dem Trunke!" Schreit der König, und geht unter.
** Romanze XIX: Moles in Biondettens Leiche
Triumphiert, ihr guten Geister, Es zerbrach der falsche Thron! Apo, dem verfluchten Meister, Sind die Diener all entflohn.
Heilger Sabbat, betend steige Auf im Ost dein frühes Rot! Über dieser Jungfrau Leiche Schimmre lieblich hin der Tod!
In des Morgenlichtes Streifen Sehe ich ein Flammenboot Selig durch die Rosen schweifen, Mit den Segeln purpurrot.
Rosarosa, still geneiget, Führt das Steuer treu und fromm, Rosadora zu ihr steiget, Daß sie auch zum Heile komm.
Jene keusch den Mantel breitet Um der Schwester Seele bloß; Freudig nun der Kahn hingleitet Durch den blutgen Tränenschoß.
Zu des Traumes Insel streichet Ihre Fahrt, zum stillen Mond, Den in Sonn und Tränen bleichend Die unschuldge Schuld bewohnt.
Wo die kleinen Kindlein weinen, Die der Tod ums Licht betrog; Auf dem Totenkränzlein scheinen Morgens ihre Tränen noch.
Ungetaufet sie verweilen Singend vor des Himmels Tor, Und die Tränentauf erteilen Tauend sie dem Blumenflor.
Rosarosa lehrt die Kleinen, Die auf Erden sie verlor, Rosadora wird erscheinen, Führerin in diesem Chor.
Bis die Rosen sind befreiet Aus ererbter Sünde Not, Bis zum Kranze sie gereihet Selig steigen aus dem Tod,
Singet Jungfraun, Kindlein weinet An dem goldnen Himmelstor, Bald Maria euch erscheinet Mit der Engel selgem Chor.
Aber blickend nach der Reinen, Taucht die Sonne jetzt empor, Hüllet dann sich, um zu weinen, In der grauen Wolken Flor.
Und ein dichter Nebelschleier Über ihres Hauptes Gold Zu des Tages Totenfeier Traurend tief herniederrollt.
Wie ein Trauerhaus bekleidet, Steht umwölkt das Himmelstor; Sonnenlos, leidtragend schreite Bleich der junge Tag hervor.
Asche auf die Hügel streuend Wandelt hin der Göttersohn, Und Aurora weint bereuend, Daß er ihrem Schoß entflohn.
Und sie spricht: "Aus schweren Träumen Aufgeschrecket muß ich schon Dir mit blutgem Purpur säumen Deiner Trauer trüben Thron.
Wo die Nacht den Flügel breitet Über Schlaf und über Tod, War mein Lager heut bereitet Unter böser Träume Not.
Boten auf und nieder steigen Zwischen Erde, zwischen Mond, Sah ich zu des Abgrunds Reichen, Wo die Brut des Fluches wohnt.
Einen hört ich freuig schreien, Der etwas verkünden wollt, Und zur Erde niederstreuen Blätter, deren Schrift von Gold.
Dann in wunderbaren Weisen Sang er stammelnd Gottes Lob, Der zu höhern Lichtes Kreisen, Sein erbarmend, ihn erhob.
Er verschwand mit Benedeien, Und zum Grund vom blauen Dom Zog hinab mit Maledeien Ein gespenstisches Phantom.
Mit der Taube und dem Weibe Sah ich unter Fluch und Spott Sein Kamel zum Abgrund treiben Den verbuhlten Sarabot.
Und er riß vorüber schleichend Mir vom Haupt des Schlafes Mohn, Und ich harrte weinend, schweigend Dein, mein lichter Freudensohn!"
Also sang Aurora leise, Während still der Tag aufzog, Und versank im ewgen Gleise, Das ihr lichter Sohn durchflog.
Aber auf dem Turm alleine Harret Apo zornestoll; Daß ihm Moles nicht erscheine, Füllet ihn mit bitterm Groll.
Es erkaltet schon die Leiche, Deren Herz noch blutend quoll, Und die Wangen schon erbleichen Und die Lippe rosenvoll.
Und er legt metallne Scheiben Ihr auf Augen, Brust und Schoß, Um ihr Blut zurückzutreiben Durch geheimer Kräfte Stoß.
Nieder reißt er ihre Kleider; Ach, sie hüllt kein schamhaft Rot! Doch ihr Leichnam nackt und heiter Ist geheiligt in dem Tod.
Rosarosens Gurt von Eisen Schützet Lende ihr und Schoß; Apo will ihn niederreißen, Doch er zwinget ihn nicht los.
Und mit allen seinen Feilen Kann mit Mühe er und Not Den Bußgürtel nicht zerteilen Der geheiligt Trotz ihm bot.
Nun zum Keller niedersteiget Apo, wo am feuchten Ort Springwurz, die jed Schloß erweichet, Ruhet, daß sie nicht verdorrt.
Als er wiederkehrt zur Leiche, Sieht er selbst sich oben schon, Und er spricht: "Laß deine Streiche, Moles, was soll dieser Hohn?
Hund, du sollst als Hund erscheinen; Sieh, du treibst es mir zu toll! Willst du, daß zu deinen Peinen Ich die Glocke schlagen soll?
Wo bist du so lang verweilet?" -- "Herr, ich tat, was ich gesollt, Und bin dann zurückgeeilet. Drum nicht also schmähen wollt!
Einem Kranken Hilfe reichend, Dessen Heil uns schwer bedroht, Gab ich Gift, das zäh und schleichend Ihn verzweifeln läßt im Tod.
Böse Frucht sah ich uns reifen; Wo ich war, da war man fromm, Und da muß man seltsam greifen, Daß man zu dem Pulse komm.
Zürne nicht, mein teurer Meister, Kam ich doch ums Gastgebot Meiner anverwandten Geister; Mir tut auch Zerstreuung not.
Wunderbare Neuigkeiten Sind auch zu bedenken noch; Wenn wir nicht zum Flicken schreiten, Kriegt der Sack ein böses Loch."
Doch Apone spricht: "Jetzt schweige! Eins nur mildert meinen Groll: Rate mir, wie ich die Leiche Auf die Beine bringen soll?"
Moles spricht: "Des Gürtels Eisen Hindert deine Wünsche bloß, Kannst du ihn herniederreißen, Zeige ich dir Wunder groß!
Ich schmeck was von Heiligkeiten, Drum laß ich die Hand davon. Du mußt selbst das Schloß bestreiten, Daß der Schatz dir wird zum Lohn!"
Und die Springwurz hält der Meister An des Gürtels heilig Schloß; Nimmer doch den Gurt zerreißt er, Und er flucht, und sein Genoß.
Moles spricht: "Hier hilft nur Schneiden! Zeige dich, mein Anatom, Und wir schicken Heimlichkeiten Als Reliquien nach Rom."
Apo spricht: "Hinüberschleiche, Wo die Jungfrau hat gewohnt, Und mir schnell den Schlüssel reiche, Daß ihr Leib mir bleibt verschont!"
"Ei, dies mag dir leicht wohl scheinen!" Sagt der Hund, "bedenke doch, Was die Frau dazu wird meinen, Die da steht am Brunnen noch.
Gehe selbst, mein kluger Meister, Du vielleicht trägst ihn davon, Doch wir andern jüdschen Geister Feiern jetzt den Sabbat schon."
Apo geht. -- Zum toten Leibe Spricht der Hund: "Verdammter Spott, Nicht zum Manne, nicht zum Weibe, Hast du mich erschaffen, Gott!
Diese Puppe zu zerreißen, Scheut sich der gelehrte Tor, Und sieht das geweihte Eisen Wie die Kuh das neue Tor.
Mensch, um zweie nur beneidet Dich der Teufel: um den Tod Und die Lust, die dir bereitet, Als sie dir den Apfel bot.
Als du ihn mit ihr geteilet, Warfst du ab des Lebens Joch; Mir, der ewig sich langweilet, Ließ der Zimmermann kein Loch.
Allen Quark muß ich beneiden Und bin allen Quarkes Gott; Spott ich Gottes Herrlichkeiten, Tödlich wird mir nie der Spott.
Stift ich tausend Bubereien, Gehn sie alle auf ein Lot; Das unendliche Verzeihen Hilft dem Herrn aus aller Not.
Als ich in der Wüst allein Ihm die Erdenschätze bot, Macht er aus dem dummen Steine Mir zulieb nicht einmal Brot.
Ohne Freude muß ich teuflen, Und mein Werk wird all zu Kot, An dem ewgen Leben zweiflen, # zweifeln? Und erzweifle nie den Tod!
Was ich mühsam hab geleimet, Ist und bleibt ein schlechter Klotz, Und in jedem Kraute keimet Gegen meine Werke Trotz!
Nichts kann ich zu Ende treiben, Ach, ein Ende wär ein Lohn! Das Unendliche vertreiben Kann nicht all mein Spott und Hohn.
Ewig elendes Arbeiten, Null ist mir wie Million, Wer den Knoten könnt zerschneiden: Sohn ist Vater, Vater Sohn!
Arm, blutarm bin ich ein Teufel, Mutterlos und vaterlos, Bös erzeuget von dem Zweifel In der Lüge dunklem Schoß.
Treibe ewge Affereien, Ohne Freude, ohne Zorn, Keine Rose kann mich freuen, Und mich schmerzen kann kein Dorn.
Elende Quacksalbereien, Wort zum Fleisch und Fleisch zum Wort, Hänseleien, sieben Weihen, Jagen mich bald hier, bald dort.
Hab ich mich wo eingefleischet, Brauchts vom Kreuz ein Stückchen Holz, Und der Teufel flieht und kreischet Wie ein Hund vor Pfeil und Bolz.
Doch den alten Bärenhäuter Hör ich auf der Treppe schon; Munter, Moles, treib es weiter, Bett dich, wie des Menschen Sohn!
Sieh einmal zum Zeitvertreibe, Wie sichs in der Jungfrau wohnt, Und dem mürrschen Apo bleibe Doch der Pudel, der ihm front!"
Und der Geist, der stets entzweite, Treibet einen Höllensproß, Und von seinem Stamm befreite Sich der Zweig und reißt sich los.
Und sie machen Höflichkeiten, Wer das Weib besitzen soll, Ja, beginnen schier zu streiten, Also ist der Teufel toll.
"Vater bin ich," schreit der eine, "Mir gebührt des Lebens Thron!" "Nein, das Fleisch, es ist da meine," Spricht der andre, "ich bin Sohn!
Weh, es fehlt uns nur am Geiste, Wäre der uns nicht entflohn, Daß er uns Entscheidung leiste, Dann wär uns geholfen schon.
Einig sind Dreieinigkeiten, Vater wird durch Geist zum Sohn, Zweie sind Zweideutigkeiten, Zote nur gebiert der Hohn."
"Wechseln wollen wir zuzeiten," Spricht der Hohn nun zu dem Spott, "Denn das Leiden wie das Streiten Treiben beide wir gen Gott."
Und der Spott dringt in die Leiche, Und es hilft ihm frech der Hohn, Daß er in die Wunde schleiche, Der Biondettens Geist entflohn.
Apo kehrt und spricht: "Es scheinen Menschen in dem Hause noch, Eine Stimme hört ich weinen Und sah Licht durchs Schlüsselloch."
Doch nun richtet sich die Leiche Auf und nicket mit dem Kopf; Als sie ihm die Hand will reichen, Bebet Apo wie ein Tropf.
Moles spricht: "Empfang, Hochzeiter, Meine Gratulation, Sieh, dein Glückstern scheinet heiter, Führe deine Braut davon!
Eine Unschuld sondergleichen, Ohne Hemdlein, nackt und bloß, Even muß ich sie vergleichen, Wie sie stieg aus Adams Schoß.
Fräulein, ich seh von dem Pfeile Amors euer Herz durchbohrt! Daß er euch die Wunde heile, Ihr den rechten Arzt erkort.
Alles ist nicht Gold, was gleißet; Wenn der Herzensrose Gold Eure Wunde gleich zerreißet, Seid ihr drum nicht minder hold."
Apo spricht: "Laß deine Streiche! Sage, wie du sie erhobst, Welchen Geist der schönen Leiche Du belebend unterschobst?"
Und der frechste aller Geister Spricht: "Ein Wort sagt ich ins Ohr; |Fiat| heißts beim großen Meister, Pfui heißts in unserm Chor.
Willig hat sie sich bezeiget, Etwas blöde freilich noch; Was die Lippe jetzt verschweiget, Pocht im Herzen laut und hoch.
Brechet erst diese züchtge Schweigen; Durch des Treurings rotes Gold Läßt sie sich vielleicht erweichen, Gibt den Schlüssel, den ihr wollt.
Die Kleinode laß erscheinen, Gut erworben hier und dort; Durch Kleinode kommt der Kleinen Bald das lustge Fleisch zu Wort!"
Einen Schrein voll Edelsteinen Und von goldnen Ringen voll Bringt der Meister, daraus einen Sich die Braut erwählen soll.
Gierig nun den Schatz durchschweifet Wild ihr Aug, das dunkel rollt, Heftig zuckt die Hand und greifet Einen Siegelring von Gold.
Und als wollt sie ihn zerbeißen, Zuckt sie ihn zum Mund empor, Apo wollt ihn ihr entreißen, Doch verschlang sie ihn zuvor.
Und nun spricht sie: "Herr, die Deine Bin ich nun, wie du gewollt: Vor dem Volke und alleine Dien ich dir um dieses Gold.
Dieses Ringlein auf der Reise König Pharao verlor, In dem Roten Meer zur Speise Sichs ein geizger Hecht erkor.
König Pharao, dem Weisen, Setzt der Koch den Fisch einst vor; Als er wollt den Hecht verspeisen, Kam das Ringlein blank hervor.
In dem Bette seiner Weiber Kam es wieder ihm davon, Ein ägyptscher Eselstreiber Trug es dann als süßen Lohn.
Dems der freche Papageie Der Herodias entzog, Und mit einem Freudenschreie Fand sie es in seinem Trog.
Bei der blutgen Weihnachtsfeier, Bei der Kindlein lustgem Mord, Daß er tanz nach ihrer Leier, Schenkt sie es dem Vater dort.
Und das Ringlein war ihm teuer, Es besiegelte sein Wort; Doch es lief ein ungetreuer Diener mit dem Ring ihm fort.
Und der Ring kam immer weiter, Keinem hat er noch gefrommt, Außer dir, mein Herr Hochzeiter, Dessen Braut er wohl bekommt.
Meines Leibes bist du Meister Bis zum Gürtel und dem Schoß; Leider zwingen alle Geister Diese Last mir nimmer los!
Könnt ich dir den Schlüssel reichen, Wär ich deiner Lust Genoß; Aber er ist mir nicht eigen, Mir gehöret nur das Schloß.
Alles geb ich, nur verweigern Muß ich dir den Schlüssel bloß, Deine Kunst, kannst du sie steigern, Ringt vielleicht dem Feind ihn los.
Ich will offen dich begleiten, Nach Belieben, wann und wo; Alle sollen dich beneiden; Werde dieses Neides froh!
Mich als Nonne einzukleiden Sag ich auf dem Markt mich los; Lügen müssen wir verbreiten, Wie ich ward dein Hausgenoß.
Wie ich in Melancholeien Hilf von deiner Kunst gehofft, Wie, die Kranken zu zerstreuen, Mein Gesang dir diene oft.
Wie die Kunst der Arzeneien Ich von dir erlernen soll, Wie nichts könne uns entzweien, Weil wir eines Gottes voll.
Dieses, jenes, und so weiter Lüge nur, man glaubt es schon, Denn du bist ein Teil gescheiter, Herr und Meister und Patron!
Deine Magd kann ich erscheinen, Wie es deinen Lüsten frommt; Nur nicht lachen und nicht weinen, Weil dies von der Seele kommt.
Soll dein Lager ich beschreiten, Oder auf der Erde bloß Ruhn an deines Bettes Seiten, Oder sitzen dir im Schoß?
Ob ich auf dem Draht, dem Seile, Dir soll gaukeln liebestoll, Ob ich dir zur kurzen Weile Buhlerliedlein singen soll?
Deinen Blicken, Fingerzeigen Folget deine Dienrin schon, Darf ich deinen Bart dir streichen, Ist es mir ein süßer Lohn.
Vor der Welt nach alter Weise Nenne mich Biondette noch; Älia Lälia Crispis heiße Mich in Traulichkeiten doch.
Denn in mir von diesen Dreien Brennet der gedrillte Docht, Um die einst in Buhlereien Mancher römscher Bürger focht.
Ja, ich bin von diesen Dreien Das gezwirnte Kunstphantom, Und wie sie will ich nicht schreien, Küssest du gleich wie ganz Rom.
Will dir mein Besitz verleiden, Werd ich zu der Lust zu stolz, Kann dich wieder von mir scheiden Klein ein Splitter Kreuzesholz.
Aber an dem Jungfernleibe, Den ich dir zur Lust bewohn, Daß er unverdorben bleibe, Zeig jetzt deine Kunst, Patron!"
Und mit Blut zwei Sprüche schreibet Apo ihr nun hinters Ohr, Unter ihre Achseln reibet Salbe er, die er beschwor.
Lüstern die besessne Leiche Küsset nun der alte Tor, Moles spielet auf der Geige Ein vermaledeites Chor.
Und in buhlerischem Eifer Tanzet, wie der trunkne Lot, Mit der Braut er einen Schleifer In fatalem Teufelstrott.
Älia Lälia Crispis schreiet Mit verruchtem, giftgem Ton, Und Biondettens Kehl entweihet Eines frechen Liedes Hohn.
Dies gefällt nicht gnaz dem Meister, Und er spricht: "Verschon mein Ohr!" Mit Biondettens Stimme heißt er Singen sie den Hochzeitschor.
"Denn du sollst Biondette scheinen, Die zum Freunde ich erkor, Und die Stadt soll sie beweinen, Daß sie sich an mich verlor.
Alle sollen mich verschreien, Und um Silber und um Gold Will ich ihren Festen leihen Meine Freundin süß und hold!"
Und die Jungfrau spricht: "So sei es! Lieb ich gleich nicht jenen Ton, Freut sich gleich des frechen Schreies Mehr ein freier Musensohn,
Lieb ich lügend doch zu gleißen; Und zweideutig will ich Gott Dir in schiefen Weisen preisen, Mir zum Lobe, ihm zum Spott!
Mit gedrehten Schlangenhäuten Lasse mir von Apfelholz Eine Harfe bald besaiten, Ich bin auf dergleichen stolz.
Ich will die Akkorde greifen, Daß du mich gewißlich lobst, Daß der Weiber Augen greifen Rings nach dem verbotnen Obst.
Und die Männer werden eilen, Den verrufnen Apfel rot Mit den Even schnell zu teilen, Und sie essen sich den Tod!"
Moles spricht nun zu dem Meister: "Eine Harfe ist besorgt, Der galanteste der Geister Hat die seine mir geborgt.
Ist sie gleich ein bißchen heischer, Ist sie doch vom besten Ton, Wird die Sängerin erst keuscher, Wird sie besser stimmen schon.
Aber jetzt, ihr Hochzeitsleute, Machet mich nicht länger rot! Apo, es tut uns für heute Zu studieren noch sehr not!
Denk, wie du vor kurzen Zeiten Sahst in meinem Horoskop, Wie die Rose gen uns beide Drohnd ein dreifach Haupt erhob.
Uns entzogen hat die eine Rosarosens selger Tod, Diese hier ist jetzt die Deine, Und sie bringt uns keine Not.
Wenn die dritte nun erscheinet, Ist das böse Kleeblatt voll, Dem ich einst mit dir vereinet Tragisch unterliegen soll.
Schnell mein Meister, ohn Verweilen! Über Rose, über Dorn Muß das Buch uns Rat erteilen, Suche hinten, ich such vorn!"
Im Register steht verzeichnet: Rose golden, weiß und rot, Die Marien zugeeignet, Bringen böse Kunst in Not.
Auf der angeführten Seite Stehet: Suche Jericho! Jericho nun suchen beide, Doch es fehlet J bis O.
Und Apone denkt, wie heute Er das Buch durchs Fenster schob, Wie der Wind da, Seit auf Seite Wälzend, in dem Buch getobt.
"Weh, mir Toren!" flucht der Meister. "Als mir Samael entfloh, Dacht ich: Ach, mein Buch zerreißt er! Denn es tönte wahrlich so."
Moles spricht: "Am Wald hinreisend Sah ich unterm blanken Mond Samael in Freuden kreisend, Weil der Herr ihn hat belohnt.
Und ich sah ihn Blätter streuen Unter hellem Gottes Lob, Und ich konnt ihn nicht erschreien, Weil er sich zum Licht erhob.
Das sind böse Neuigkeiten, Dumm hast dus gemacht, Patron, Du mußt jetzt im Dunkel schreiten, Weil die Blätter dir entflohn."
Und sie fangen an zu streiten, Wechseln harter Worte Zorn, Älia Lälia Crispis beiden Schärfet noch des Grimmes Dorn.
Aber ihren Zank durchschneidet Der geweihten Glocke Ton; Jacopone zubereitet Seine Leichenfeier schon.
Älia spricht jetzt: "Schnell mich kleide In den buntsten Freudenrock, Hülle mich in Samt und Seide, Meine Haare üppig lock!
Schütte alle dein Geschmeide Über meinen Busen bloß, Daß ich durch das Volk hinschreite Dir zur Seite leicht und los!
Und dein Kummer wird zur Freude, Es versinkt dein grimmer Zorn In dem allgemeinen Neide, Wie im Meer ein kleiner Born!"
Lächelnd kräuselt ihr der Meister Nun das Haar in frei Gelock, Und der hündischste der Geister Schürzet ihr den Purpurrock.
Und es schmücken sie die beiden, Gleich der Hure Babylon, Und sie singet Schändlichkeiten Ihnen vor im frechen Ton.
Sodomitsche Blumenzweige Steckt sie ihrem Busen vor, Und nun führt die falsche Leiche Apo aus des Turmes Tor.