Romanzen vom Rosenkranz

Chapter 11

Chapter 113,933 wordsPublic domain

Und mit Blumen mich erquicke, Mich zu laben Äpfel gebe; Krank bin ich vor Liebe; blicke, Blicke auf, mich zu beleben!

Unter deinem Haupt die Linke Muß dich meine Rechte herzen, Wenn ich deinen Kuß nicht trinke, Muß verdürsten ich in Schmerzen!

Sieh, die Honigbienen irren In dem honigsüßen Lenze, Und die Turteltauben girren; Komme, mein Freund, daß ich dich kränze!

Sieh, dem Feigenbaum entspringen Knospen; aus dem Aug der Reben Süße Wollusttränen dringen; Also weint mein junges Leben!

Wie in dunklen Felsenritzen Turteltauben auf dem Neste, Also will ich bei dir sitzen In dem Glanz der Blütenäste.

Und es tönet meine Stimme Süß, o süß ist meine Kehle, Bis wetteifernd süß ergrimme und verglimme Philomele.

Und ich singe zu dir nieder: Mein bist du und mir gegeben, Und es sehn dich meine Lieder Unter Rosen weidend schweben!"

Wie sie also töricht singet, Spricht Meliore: "Meine Schwester, Fromme Taube, ach, es schlinget Sich des Todes Band nur fester!

Nachttau mir vom Haupte fließet, Und es wecket mir im Herzen, Wenn sich gleich mein Auge schließet, Deine Liebe bittre Schmerzen!

Mein Gewand, ich legt es nieder, Soll ich wieder an es legen? Nach dem Bad die Füße wieder Mir besudeln auf den Wegen?

Deine Augen gleichen Blitzen, Deine Augen von mir wende! Meinem Herzen Degenspitzen Scheinen deine zarten Hände!"

Aber wehe! nicht vernimmet Sie den schweren Namen Schwester, Glühender ihr Wahn entglimmet, Sie umklammert ihn noch fester.

Und sie spricht: "Der Kelch der Lilien Unserm Bett das Rauchfaß schwenket, Unser Dursten zu vertilgen Sich der Traube Becher senket.

Unsre Tür umgeben Früchte, Ich bewahrte dir, mein Leben, Heurige und fernge Früchte, Beide kann ich dir nun geben!

O, du Liebe in Wollüsten! O, du schön und lieblich Schweben! Trauben gleichen meine Brüste, Trauben wundersüßer Reben!

Einer Palme aufwärts dringend Gleichet meines Leibes Länge, Wie der Wein hinan sich schlinget: O, wer sich hinan so schwänge!

Laß uns durch die Felder ziehen, Ob uns sieht das Aug der Reben, Ich will, wenn Granaten blühen, Dort dir meine Brüste geben.

Dich, der meiner Mutter Brüste Saugte, Bruder, dich den Schönen, Wenn ich dort dich brünstig küßte, Ach, wer wollte mich verhöhnen!"

Als sie diesen Frevel singet, Springt sein Blut ihr neu entgegen; Der Verband, der Hilfe bringet, Kann die Raserei nicht legen.

Und von ihrem Nonnenbilde Reißt sie in der Angst die Decke, Daß damit das Blut sich stillte, Und es dienet ihrem Zwecke.

Als sie zu dem Bilde blicket, Fühlet sie ein tief Erschrecken, Scham sie wie ein Schwert durchzücket, Und sie eilt, sich zu bedecken.

Von des Bildes Augen fließen, Wunder Gottes! bittre Tränen, In die Arme muß sies schließen, Ach, sie möchte es versöhnen!

Und dem Bilde gegenüber Sitzt zur Harfe sie am Bette, Und die Augen strömen über Der verlorenen Biondette.

"Wo ist die, die aus der Wüste Aufgeht, auf den Freund gelehnet?" Spricht Meliore nun, und grüßte Sie, nach der sein Herz sich sehnet.

"Auf dein Herz gleich einem Siegel War sie wahrlich doch gesetzet. Goldne Rose, deinen Spiegel Hat die Schlange bös verletzet.

Um den Apfelbaum sich schlingend, Der die Mutter dir bedeckte, Als sie rang, zur Welt dich bringend, Bös die Schlange mich erweckte!"

Aber traurend sitzt die Süße, Läßt die Harfe leis erbeben, Daß ihn schön das Leben grüße, Das die Liebe ihm gegeben.

Wie die Töne sich ergießen, Fühlt die Jungfrau in dem Herzen Wunderbaren Zauber fließen Und so süße, wilde Schmerzen.

Höher sie die Saiten schwinget, Denket nicht mehr des Gesellen; Wie der Schwan im Tode singet, Glühend ihre Töne schwellen.

Tausend Töne, die sonst schliefen, Aus der Harfe lebend brechen, Und in allen Herzenstiefen Hört sie laut das Echo sprechen.

In dem Tode hallt es wider; Schüchtern zu des Lebens Schwelle Rufen ihn die Zauberlieder, Seine Blicke werden helle.

Wer erklärt ihm die Gesichte, Wer ergießt des Himmels Segen? Ist so mild das Weltgerichte, Kommt die Gottheit ihm entgegen?

"Süßer Tod, den ich erlitten! Goldne Töne zu mir gehen, Selig in des Himmels Mitten Soll ich wieder auferstehen!"

Aus Biondettens frommen Mienen Strömet ihm das selge Wähnen, Gottes Mutter sei erschienen, Und er betet unter Tränen.

Doch die arme Jungfrau singet Unter bittren, bittren Tränen, Während sie die Hände ringet: "O, welch schmerzlich glühes Sehnen!

Schwarz bin ich, doch voller Liebe, Wie die Hütten Kedars stehen, Wie die bunten Teppche schimmernd Salomons im Tempel wehen.

Die Weingärten zu behüten, Setzten sie mich ein zum Wächter, Meinen konnt ich nicht behüten, Von Jerusalem ihr Töchter!

Wie der Tod so stark ist Liebe, Fest der Eifer wie die Hölle, Glut und Feuer meine Triebe, Wie des Herren Blitz so schnelle.

Und wenn alle Wasser stiegen, Und wenn alle Ströme rännen, Würden sie sie nicht besiegen, Nimmer sie erlöschen können!

Was in meinem Haus sich findet, Alles Gut, wenn ichs wollt geben Um die Liebe, die mich bindet, Ach, ich hätte nichts gegeben!

Schön und lieblich meine Füße In den goldnen Schuhen stehen, Und mein Haupt, wenn ich ihn grüße, Ist wie eines Helmbuschs Wehen!

Wie zwo Spangen schön sich schwingend, Von des größten Meisters Händen Eben aneinander dringend, Stehen freudig meine Lenden!"

Doch nun lischt der Kerzen Schimmer Und Biondette singet: "Wehe, Wehe, Wehe, Lebensschimmer, Holdes Leben, nicht vergehe!

Sterbet nicht, ihr süßen Lieder, Wollt, o wollt nicht von mir schweben! Sterbet nicht, ihr raschen Glieder, Laßt euch froh zum Tanze heben!"

Eh die Lampe auch verglimme, Will sie freudig nochmals schweben; Doch sie hört nicht ihre Stimme, Fühlt nicht ihrer Füße Schweben.

Weh! es walten böse Künste, Laut die frühen Hähne krähen; Kehrt, ihr Geister, aus dem Dienste, Denn der Tag will auferstehen!

Und Meliore kömmt zu Sinnen. Licht und Lied und Lieb entschweben, Mächtig fühlt er sich von hinnen Auf die öde Straße heben.

Kühl umwehn ihn Morgenwinde, Wunderbar ist ihm geschehen, Denn er kann noch ihre Binde Auf der frischen Wunde sehen.

Und die nahe Glocke klinget, Und er hört die ersten Messen: Bete, bete, nie gelinget, Die Geliebte zu vergessen!

** Romanze XVI: Kosme krank -- Pietros Garten brennt

Wenn du gleich den Vögeln schwebest, Über dir der blaue Bogen, Unter dir die grüne Erde Und des Wassers Silberwoge;

Und du wolltest niedersehen, Wo du ruhig möchtest wohnen, Wo du deinem kleinen Neste Eine Stelle suchen solltest;

Flöhest du der Städte Elend Und die Armut eines Dorfes, Und zögst über Land und Felder Zu dem stillen Tale Kosmes,

Wo die stillen Bächlein gehen Durch den Schatten, durch die Sonne, Durch die Büsche, durch die Felsen, Bis zum Garten voller Rosen,

Und du bautest dir dein Nestchen, Wo die klare Jungfrau wohnet, Und sie ging dir aus dem Wege, Wenn du ruhig brüten wolltest,

Und du sängst ihr an dem Fenster In des Lorbeerbaumes Krone; Futter würde hin sie legen Alle Abend, alle Morgen,

Und dir schiens ein selig Leben, Ging zu beten früh die Fromme, Flögst du mit ihr zur Kapelle, Die am Felsen höher oben;

Und wenn sie aus vollem Herzen Unter Tränen spräch die Worte: Herr, ach schau zu meinem Herzen, Es ist ganz von Schmerz umdornet!

Herr, um deines Sohnes Schmerzen Richte auf den Vater Kosme, Laß ihn nicht verzweifelnd sterben, Öffne ihm die Gnadenspforte:

Dann wär deine Lust zu Ende, Deine Seligkeit zerronnen, Denn nicht ferne von den Menschen Überall das Elend wohnet.

Und es ist kein öder Felsen Und kein Bächlein oder Bronnen, Keine waldumschlossne Stelle Unterm Monde und der Sonne,

Wo ein Mensch das Licht gesehen, Wo nicht wär gesündigt worden, Wo nicht wären bittre Tränen Vor dem Herrn vergossen worden.

Und du würdest Abschied nehmen Vor der nächsten Morgensonne, Sängst noch einmal ihr am Fenster, Flögst dann weiter unbesorget. --

Wärst du einer von den Sternen, Die am hohen Himmelsbogen Ewig auf und unter gehen, Wie der Herr es hat geboten,

Und du wolltest dich bedenken, Wo du deine Strahlen solltest Rein und freudig niedersenken, Daß sie widerspiegeln sollten

In dem Spiegel weiter Meere; Sähest du das Schiff hinwogen, Das die Sünde aus der Fremde Bringet zu entfernten Zonen;

Auf der stadtbesäten Erde Sähest du die Menschen morden; In den Tälern, auf den Bergen Sähest du die Sünde wohnen;

In des Klosters enger Zelle, In dem gleichen Tun des Dorfes, In des Marktes regem Leben, Im erstarrten Tun des Schlosses:

Wo du deine Strahlen senkest, Findest du ein Herz gebrochen, Findest du ein Werk des Bösen, Findest du ein Kind des Todes.

Und, wer seine Blicke lenkte Zu dir flehend hin nach oben, Wäre trunken ganz von Tränen, Wäre dürstend nach dem Troste.

Doch du würdest dich nicht wenden, Strahltest ruhig Gott zum Lobe, Wollte untergehn die Erde, Wollten auferstehn die Toten.

Was hier klaget, muß vergehen, Schmerz und Sünde sind des Todes, Und die Leiden tun nur wehe, Weil sie sterblich sind geboren.

Aber was da ewig stehet Sündenlos im Schaffen Gottes, Kann sich nur in ihm bewegen, Ist ein Freud- und Leidenloses.

Sieh, der göttliche Geselle, Phosphoros, der Held des Morgens, Funkelt von des Himmels Schwelle Ruhig in den Garten Kosmes.

Und im Morgenwind beweget Träumen still des Gartens Rosen; Doch die Hütte ist voll Elend, Und sie ist ein Haus der Sorgen.

Rosablanka sitzt in Tränen An dem Bett des kranken Kosme, Den ein leiser Schlummer decket, Nur vom Seufzern unterbrochen. # von?

Und sein müdes Haupt erhebet Nun der Alte zu der Tochter, Spricht: "Mein Kind, jetzt mußt du gehen Zu der Messe in das Kloster!" --

"Vater, lasset hier mich beten Zum allgegenwärtgen Gotte, Daß ich eurer Krankheit pflege; # eure? Fern bin ich um euch in Sorgen!" --

"Armes Kind, ich kann genesen Nur in einem selgen Tode, Nur vom Schmerz kann mich erlösen Blut des eingebornen Sohnes!" --

"Vater, schrecklich ist gewesen Euer finstrer Arzt Apone, Und ich muß noch Kräuter lesen, Die er alle hat verordnet!" --

"Kind, hast alle du gehöret, Die er zu mir sprach, die Worte? Sie zerschnitten mir die Seele Wie viel hundert giftge Dolche!" --

"Das, was ich davon gehöret, Ich doch nicht verstehen konnte: `Kosme, was dein Herz verzehret', Sprach er, `ist die Härte Gottes!

Kräftig hast du einst dem Leben, Was des Todes ist, geopfert, Und nun opferst du das Leben, Das dir übrig bleibt, dem Tode!

Du treibst hier ein töricht Wesen, Machst zur Närrin deine Tochter, Und die Löcher deiner Seele Willst du mit der ihren stopfen!

Höre auf, sie zu bestehlen, Tritt ihr nicht in ihre Sonne, Laß sie lesen die Poeten, Gehe in der Stadt zu wohnen!

Du magst ewig dich bekehren, Was verloren, ist verloren; Besser solltest du noch scheren, Die dir übrig bleibt, die Wolle!' --

Dann hat er mich angesehen, Wie der grimmige Herodes, Als die Kindlein er zu töten Seinen Knechten hat befohlen.

Und ich war recht in dem Herzen Von dem giftgen Blick durchbohret, Bin, Marien anzuflehen, Zur Kapelle dann geflohen.

Und am Wege sah ich stehen, Den am Morgen bei den Rosen Ich ein Grab hatt graben sehen, Da die Schlang emporgeschossen.

Aber er hat nicht geredet, Winkte mit dem Finger drohend, Griff mir nach der Hand behende, Nach Biondettens Ringlein golden.

Doch ich wollt es ihm nicht geben; Da versank er in den Boden, Und ich eilte zur Kapelle, Sank ohnmächtig an den Boden.

Und ich sah auch einen Engel Jubelschreiend in den Wolken, Er schwang sich wie eine Lerche Jubilierend hin gen Morgen.

Vater, was ich da gesehen Klar, wie bei dem Licht der Sonne, Hat mir ganz verwirrt die Seele; Jetzt kann ichs nicht wiederholen.

Als ich zu dir kam, da brennte Über mir der Himmelsbogen, Es ist Feuer wohl gewesen In der Gegend, in Bologne.

Vor Marien bin in Tränen Betend ganz und gar zerflossen, Gnädig ist sie mir gewesen, Und ich bin gestärket worden."

Kosme sprach: "Des Arztes Wesen Ist stets schecklicher geworden: In der Seele mir zu lesen, Hat er mir das Herz zerbrochen.

Ach, er kennt mein ganzes Leben, Und mit jedem harten Worte Hat er, ihn auf mich zu werfen, Von mir einen Berg gehoben.

Und so lieg ich ganz zerschmettert, Als sei ich gesteinigt worden; Er hat mich mit einer Kette, Die ich schmiedete, umzogen.

Aus dem Leibe nah dem Herzen Meine Eingeweide zog er, Hat, mein Übel draus zu lesen, Frech sie in die Luft geworfen.

Und ich sah es ohne Schmerzen. Seit sie wieder eingeschlossen, Wars, als seien tausend Zentner In der Seele Haus gezogen.

Boshaft sprach er: `Du genesest, Wenn auf Erden die drei Rosen In der Hand der Venus sterben, Die jetzt stehn im Garten Gottes.

Wenn dein Kind ins Kloster gehet Und bekränzt mit Liebesrosen Als Modell dem Maler stehet, Ist dir, ihr und mir geholfen.' --

Und nun rief ich: `Wehe, wehe! Wehe über diese Worte!' Und als ich ihn angesehen, Ist er deutlich mir geworden.

`Jener Bube bist du, Frecher, Der die Farben mir im Kloster Rieb, als ich in Gottes Tempel Bin ein böser Sünder worden.

In dem Namen Jesus hebe Dich von mir!' -- Da floh Apone. Ach, er ist es nicht gewesen, War der Widersacher Gottes!" --

"Vater, nicht so traurig redet! Ja, es war der Arzt Apone, Den ich gestern noch gesehen Zu Bologna bei dem Bronnen.

O, beschwert nicht eure Seele, Die in Träumen ist verworren; Wendet ruhig im Gebete Euch zum allbarmherzgen Gotte!" --

"Gutes Kind, lies mir den Zettel, Der vom Arzt geschrieben worden, Daß ich dir die Orte nenne, Wo die Kräuter sind zu holen.

Denn der Arzt sprach: `In der Nähe, Ja, in deines Gartens Boden, Werden diese Kräuter stehen, Deren Trank ich dir verordne'."

Rosablanka liest den Zettel: "Aus Sankt Clarens Garten Rosen Um die Mitternacht zu brechen Und mit Keuschlamm einzukochen.

Unser Liebfrau Bettstroh nehme, Mische es mit Venusrosen, Zu Marienschühlein menge Teufelsklau und Hahnensporen.

Und Mariensiegel breche In dem Schein des vollen Mondes, Mit Marienmantel leg es In den dir bekannten Bronnen.

Liebfraumilch und Liebfrautränen Mit unschuldger Kindlein Rosen, Findelkraut und Venusnelken Destilliere durch neun Monde.

Alle Stunden einzunehmen Und so lang zu wiederholen, Und dem Arzte schnell zu melden, Wenns nicht helfen will. Apone!"

Als sie dies Rezept gelesen, Sprach der Kranke: "Meine Tochter, Jetzo eile nach der Messe, Kehre wieder mit Benone!

Also heißt, der sie wird lesen; Er ist recht ein Heilger Gottes; Beichte will ich ihm ablegen, Meiner armen Seel zum Troste!" --

"Soll ich nicht zum Wald erst gehen, Vater, und die Kräuter holen, Weil ich sie wohl alle kenne, Außer Teufelsfuß und Krone?"

"Nein, ich muß sie selber brechen Unter Tränen, fromme Tochter; Wo ich gehe, liege, stehe, Blühen sie ja allerorten!

Gehe nun, mein Kind, und flehe Für mich um die Gnade Gottes! Mein Bekenntnis abzulegen, Will indes mein Herz ich ordnen.

Nimm die Fackel, die ich gestern Einer Schlange gleich geformet, Am Altare laß sie brennen, Bei der Mutter Totenopfer!"

Und sie nimmt die Fackel betend; Ihre Tränen niederflossen Auf den Alten, der sie segnet, Und sie wandelt aus der Pforte.

Wie sie durch den Garten gehet, Weinen morgenlich die Rosen, Und in tiefen Träumen wehen Über ihr des Waldes Kronen.

Und es wirft schon durch die Stämme Ihre Strahlen hin Aurore. Aber sieh! zur Link und Rechten Glüht am Himmel heut der Morgen.

Doch jetzt sieht bei der Kapelle Sie ins Tal herab von oben; Weh! die Röte ihr zur Rechten Ist des Pietro Hütte lodernd.

Nieder durch die Felsenwegen Eilt sie, achtend nicht der Dornen. Da sie zu dem Garten gehet, Fühlt ihr Fuß den glühen Boden.

Und der Hütte Asche hebet Wild emport der Sturm des Morgens, Der sich sonst zu wiegen pflegte In dem Busen tausend Rosen.

Als sie durch den Garten gehet, Lief um sie die wilde Lohe, Schlangen, Drachen, sengend, brennend Blum und Baum und Laubenbogen.

"Pietro, Pietro!" ruft sie bebend, "Ob er in der Glut gestorben?" Sieh, bei jener weißen Rose Steht er, die sie ihm geschenket.

Alle Bäume rings gefället Hat er zu dem Schutz der Rose, Und ihr immer Wasser gebend Geht und kehrt er zu dem Bronnen.

Als die Jungfrau er gesehen, Spricht er: "Du hast lang verzogen, Dich zum Opfer einzustellen, Das zu deiner Ehre lodert!

Alles, was du hast verschmähet, Hat die Flamme angenommen, Und sie will mich drum vermählen Mit der Asche, ihrer Tochter.

Sieh, schon kommen Hochzeitsgäste, Die Gesellen ohne Sorgen, Morgenwinde, lustig heben Sie der grauen Braut die Locken!

Ach, ich lieb sie ohne Ende! Göttlich ist sie, hochgeboren, Denn der herrlichste der Helden Stahl das Feuer von der Sonne.

Meine Braut ist deine Schwester, Du auch bist des Helden Tochter, Dem der Geier nagt am Herzen, Weil das Feuer er gestohlen.

Von den Göttern hoch gesegnet War die Mutter dir Pandore, Alle Freuden, alle Wehen Sind aus ihr nächst dir geboren.

So ist aller Lust des Lebens Buße zugeordnet worden; Meine Braut, die Asche, schwebet, Spielt die Flamme mit den Rosen.

Ach, ich liebe sie ohn Ende, Denn ich bin aus ihr geboren, Und will wieder Asche werden, Weil ich dich nicht hab erworben.

Wahrlich, sie ist deine Schwester, Denn die schöne, weiße Rose Hat sie brennend nicht verzehret, Weil sie hat für mich geworben.

Sei willkomm beim Hochzeitsfeste! Sieh die rosige Aurore Ihre gelben Locken mengen Mit der Asche meiner Rosen!

Hoch ist dies Fest geehret: Gestern hab ich dich verloren, Heute Nacht starb Rosarose, Meine Rosen diesen Morgen!"

Und nun weint er bittre Tränen Seinen sinnverwirrten Worten. Rosablanka tief beweget Spricht: "O Pietro, denke Gottes!

Pietro, du stehst ganz in Frevel, Seine Hand von dir gezogen Hat der Herr! O Pietro, bete, Daß er dein nicht denk im Zorne!

Nie bin ich dir lieb gewesen, Du hast gestern mich betrogen, Denn ich sehe deine Seele Tief in irdscher Not verworren.

Laß dem Feuer seine Rechte, Das du gen dich aufgefordert; Deine Seele zu erretten, Folge mir zur Kirche Gottes!

Und erzähl mir auf dem Wege, Was dir so den Sinn verworren! Ich will liebreich mit dir reden, Folge mir von diesem Orte!"

Pietro spricht: "O Gottes Engel, Wie du mild bist in dem Zorne!" Eine Handvoll Asche nehmend Beugt er sich dann zu dem Boden.

Und sie unter Tränen mengend In die taubereiften Locken, Spricht er, nochmals um sich sehend, Schmerzdurchdrungen diese Worte:

"O, du liebes, armes Leben! Bunter Thron des ewgen Todes! Blutig Schlachtfeld des Verderbens! O ihr aschevollen Rosen!

Meiner Hütte klare Fenster, Von Jasmin so still umzogen, Und du schattig Dach der Reben Über meiner kleinen Pforte!

Weh, es grinset wie Gespenster An im glühen Blick der Kohlen, Und der Rasen, den ich pflegte, Knirschet unter meinen Sohlen.

O ihr tausend frommen Engel, In den Lilien, in den Rosen, Morgens mit dem Gärtner betend, Sterne, Sonnen, Kelche, Kronen,

Zeihet mich mit dürrem Stengel, Daß ich alle euch gemordet, Daß ich, folgend dem Verderber, Hab gestört den Tempel Gottes!

Fromme Priester fleißger Zellen, Goldne Bienen, euer Kloster, Eures Gottesdiensts Kapellen, Eurer Andacht Stationen,

Alle liegen sie versenget, Und die Glut des bösen Opfers Und der Rauch des Feuerfrevels War für euch des Todes Odem.

Kühler Labung Marmorbecken, Glatter Rand des treuen Bronnens, Du bist in dem durstgen Lecken Dieser wilden Brunst zerborsten.

Stiller Mahner des Gescäftes, Stundenzeiger, Freund der Sonne, Du bist, Feuerschatten werfend, In der bösen Glut zerschmolzen.

Hütte, Garten, Blumen, Reben, Fromme Bienen, süße Rosen, O, du unschuldvolles Leben, Ich hab dich von mir gestoßen!

Einsam nur im Garten stehet Dort die hohe, weiße Rose; Paradies mußt untergehen, Ewig steht der Baum des Todes!"

Und nun mit der Jungfrau gehet Zu der Stadt der Trauervolle, Und sie wechseln stille Reden, Niedersehend an den Boden.

"Wann ist, Pietro, Rosarose, Deine Schwester, dir gestorben?" -- "Des Theaters Glut entgehend Fiel sie in den Arm Meliores.

Niedersprang sie von dem Fenster, Und der Sturz führt sie zum Tode. Jetzt zu ihrem Leichenfeste Gehe ich zu Jacopone." --

"So war dies die Glut, die gestern Ich sah an dem Himmel lodern! Ach, die herrliche Biondette, Ward sie heil dem Brand entzogen?" --

"An der Schwester Sterbebette War sie noch mit Jacopone!" -- "Ist dein Bruder unverletzet, Der getreue Meliore?" --

"Ich hab ihn nicht mehr gesehen, Ich hab ihn nicht sehen wollen, Und ich will ihn nicht mehr sehen, Er hat mein Geschick verdorben!

Er, der Buhler von Biondetten, Er hat mir dein Herz entzogen, Und durch ihn starb Rosarose, Sank mein Haus und meine Rosen!

Ich bin nicht zur Stadt gewesen; Als die wilde Glut da tobte, Saß ich still in meiner Zelle, In verschmähter Lieb verloren.

Und zu deinem Vater gehend, Führt Meliore den Apone, Und der falsche Bruder kehrte Zu der Stadt von meiner Pforte.

Und der weise Arzt erzählte, Kräuter in dem Garten holend, Mir den Tod der Rosarose Und die Buhlerei Meliores.

Und er warf mir in die Seele Einen Brand, der ewig lodert, Der den Garten mir verzehrte, Der mich selbst noch treibt zum Tode!"

Rosablanka rief nun: "Wehe, Wehe dir, du Höllenbote! Apo ist es nicht gewesen, Wahrhaft sprach der Vater Kosme.

Deinen Schritt zurück noch wende, Du erweckende Aurore, Lasse, was der Böse säte, Nicht erblühn in deiner Sonne!

Schauertrunkne Nacht, o kehre! Decke, die du tot geboren, All die Lügen und Gespenster Unterm Dunkel deines Zornes!"

Also spricht sie. Doch es stehen Glühnd des Morgens goldne Kronen, Zeugen ihres Angstgebetes, Auf Bolognas hohen Domen.

Und da sie beisammen stehen Bei der Linde, bei dem Bronnen, Sich schon Tagesstrahlen senken In den Schein der Mutter Gottes.

"Pietro," spricht sie, "Gottes Segen Leuchte dir in deinem Zorne!" Scheidend sah er da die Tränen, Die ihr aus den Augen quollen.

Und sie sah verwirrt umwehen Finstre Stirn die dunkeln Locken; Denn schon auf die Gipfel leget Niederschauend sich die Sonne.

Die da ewig sinkt und kehret Sündenlos im Schaffen Gottes, Kann sich nur in ihm bewegen, Ist ein Freud- und Leidenloses.

** Romanze XVII: Totenmesse -- Meliore und Rosablanka beichten

Stille herrscht in den Straßen, Und es rauscht ein Morgenwehn Durch der Gärten Lustterassen, Wo die Blumen träumend stehn.

Eine Perle, eine Träne Legt es jeder in das Herz, Und sie wenden also schöne Ihre Kelche sonnenwärts.

Und es wehen ihre Düfte Durch die schlummerstille Stadt, Durch die kühlen, regen Lüfte Weht ein einsam Blütenblatt.

Und ein Vöglein aus der Linde Flieget und das Blättlein fing, Glaubt es spielend in dem Winde Einen bunten Schmetterling.

Läßt betrogen dann es fallen In des Springbrunns Marmorrand, Und er spielt mit süßem Lallen Mit dem süßen Frühlingstand.

Und der Vogel ohne Sorgen Stürzet aus dem Bann der Nacht, In den goldnen, lieben Morgen, Der auf Turmesspitzen lacht.

Sonn und Vogel golden lachet Auf dem Kreuz, das himmlisch thront, Und es sinket überwachet In das Licht der blasse Mond.

Durch den grauen Morgen dringet Der prophetsche Hahnenschrei, Und die Schwalbe dichtend singet Ihres Traumes Phantasei.

Sieh, in einem frommen Blitze Fängt das Kreuz den Sonnenschein, Senkt ihn von des Turmes Spitze In die stillen Straßen ein.

Und der Bettler, der geschlafen Vor des Palasts Säulenkranz, Hebt sich, da ihn Strahlen trafen, Still und dreht den Rosenkranz.

Und es gehet Rosablanke Durch das römsche Tor herein, Eine Kerze trägt die Schlanke Und ein Kännlein Opferwein.

Als sie an des Altars Stufen Vor Biondettens Wohnung steht, Will die Tänzerin sie rufen, Daß sie mit zur Kirche geht.

Aber wie ward sie betroffen! An dem kleinen, stillen Haus Steht die Türe nächtlich offen: Ging so früh die Jungfrau aus?

Nein, dann hätte sie geschlossen Ehrbar hinter sich das Tor. Und nun steigt sie unverdrossen Zu der Kammer leis empor.

Und sie findet ganz zerrücket Dieser Stube Ebenmaß, An der Erde lag zerstücket Manche Urne, manches Glas.

Blumen, Federn bunt zerstreuet Und Gewänder hie und da, Das, was gestern sie erfreuet, Heute sie mit Schrecken sah.

Die zerrissnen Perlenschnüre Säten eine Tränensaat Zu des Schlafgemaches Türe, Der sich Rosablanka naht.

Und sie pochet: doch die Kammer Schweiget, und sie geht hinein. Ach! Da tritt in tiefern Jammer Noch die bange Jungfrau ein.