Reisen in den Philippinen

Part 15

Chapter 153,450 wordsPublic domain

Von Paracali führt ein trotz des sehr schlechten Weges angenehmer Ritt abwechselnd am Seestrand und durch schönen Wald in 3 1/2 Stunde nach Mambuláo, das W. b. N. liegt. Ich steige im Tribunal ab und richte mich in dem Raum ein, worin die Munition aufbewahrt wird, dem einzigen verschliessbaren. Zur grössern Sicherheit soll das Pulver in eine Ecke getragen, mit einer Büffelhaut zugedeckt werden. Es geschieht, wie ich angeordnet; mein Diener hält dabei ein brennendes Talglicht, sein Gehülfe eine Pechfackel in der Hand. Als ich den eingeborenen Priester besuche, werde ich von einem jungen Mädchen freundlich begrüsst; ich will ihr die Hand geben, sie dankt mit einem Knicks: »tengo las sarnas« (ich habe die Krätze). Die in den Philippinen sehr verbreitete Krankheit scheint in dieser Gegend ihren Mittelpunkt zu haben. Ich glaube kaum hier eine Indierin ohne Krätzflecke gesehn zu haben. (Vergl. S. 130.)

1/4 Legua NNO. stösst man auf die Ruinen einer andern Aktienunternehmung, der Ancla de Oro. Schacht und Stollen waren eingefallen und dicht bewachsen; von den beträchtlichen Gebäuden standen nur noch wenige dem Einsturz nahe Reste. Ringsum waren Indier beschäftigt auf ihre Weise einige Goldkörnchen zusammen zu lesen. Das bis zur Unkenntlichkeit verwitterte Gestein ist Gneiss, einige tausend Schritt jenseits steht solcher deutlich krystallinisch an.

1/2 Legua N. b. O. von Mambulao liegt der Bleiberg Diniánan. Auch hier waren alle Werke eingestürzt, zugeschlämmt, bewachsen. Erst nach langem Suchen wurden wenige Bruchstücke mit Spuren von Rothbleierz aufgefunden. Dieser Berg besteht aus Hornblendegestein, an einer Stelle sehr schöner grosskrystallinischer Hornblendeschiefer.

1 1/2 Legua S. von Mambulao deutet eine flache Bodenvertiefung im dichten Walde die Stelle einer ehemaligen Kupfergrube an, die 84' tief gewesen sein soll. Kupfererze finden sich in Luzon an mehreren Orten. Proben gediegen vorkommenden Kupfers erhielt ich von der Bucht von Lúyang nördlich der Enseñada de Patág, in Caramúan.

Sehr beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen kommen bei Mancayán, im Distrikt Lepanto, im Zentralgebirge von Luzon zwischen Cagayán und Ilócos vor und werden seit Mitte der 50er Jahre von einer Aktiengesellschaft in Manila ausgebeutet. Das Unternehmen scheint indessen bis jetzt ziemlich erfolglos. 1867 hatte die Gesellschaft ein beträchtliches Anlagekapital verausgabt, Schmelzöfen und hydraulische Betriebsmaschinen errichtet, es war ihr aber bis ganz vor Kurzem wegen der örtlichen Schwierigkeiten, namentlich des Strassenmangels, nicht gelungen Kupfer darzustellen. [163]

1869 hörte ich in London, der Betrieb sei ganz aufgegeben worden; nach den neuesten Nachrichten geht er zwar fort, die Aktionäre haben aber nie eine Dividende in unserem Sinne erhalten, auch der Abschluss von 1872 ergiebt wieder Verlust oder wie die schönredenden Spanier sagen, einen dividendo pasivo.

Was den Europäern bisher nicht gelungen zu sein scheint, haben indessen die wilden Ygorroten, die jenes unwegsame Gebirge bewohnen, schon seit Jahrhunderten mit Erfolg und in verhältnissmässig grosser Ausdehnung betrieben und dies ist um so bemerkenswerther als das Metall in jenem Gebiete fast nur in Form von Kiesen vorkommt, die auch in Europa nur durch umständliche Verfahren und nicht ohne Zuschlag verwerthet werden könnten.

Man schätzt das von 1840 bis 1855 durch die Ygorroten in den Handel gebrachte Kupfer, theils roh, theils verarbeitet, auf jährlich 300 Picos; auch die Ausdehnung der unterirdischen Erdarbeiten und die bedeutende Menge vorhandener Schlacken deuten auf einen lange bestehenden beträchtlichen Betrieb.

Die Zeichnung stellt einen von jenen wilden Stämmen angefertigten kupfernen Kessel dar, der sich im Berliner ethnographischen Museum befindet. Meyen, der ihn mitgebracht, berichtet, dass er von den Negritos im Innern der Insel verfertigt sei, und zwar mit Hämmern von Porphyr, da ihnen das Eisen fehle, in der Sammlung des General-Kapitäns der Philippinen habe sich noch ein grosser flacher Kessel von 3 1/2 Fuss Durchmesser befunden, der für nur 3 Dollar gekauft worden, woraus zu schliessen sei, dass das Kupfer im Innern der Insel in grossen Massen vorkommen müsse, vielleicht sogar gediegen, denn wie sollten jene ganz rohen ungebildeten Neger die Kunst das Kupfer zu schmelzen verstehn? Der Ort jener reichen Gruben war dem Guvernör noch unbekannt, obgleich die von dort kommenden kupfernen Geräthschaften nach einem amtlichen Berichte desselben Guvernörs (von 1833) schon seit zwei Jahrhunderten in Manila gebräuchlich waren. Jetzt weiss man, dass die Kupferschmiede nicht Negritos sondern Ygorroten sind und zweifelt nicht, dass sie diese Kunst und die viel schwierigere, metallisches Kupfer aus Kiesen darzustellen, wohl schon lange vor Ankunft der Spanier übten; wahrscheinlich haben sie dieselbe von den Chinesen oder Japanesen gelernt. Der Ober-Ingeniör Santos [164] und mit ihm viele Andere sind der Ansicht, dass jener Volksstamm von Chinesen oder Japanesen abstamme, von denen er nicht nur seine Gesichtszüge (mehrere Reisende erwähnen die schiefstehenden Augen der Ygorroten), seine Götzen und einige seiner Gebräuche, sondern auch die Kunst Kupfer zu bereiten herleite.

Jedenfalls ist die Thatsache, dass ein wildes, isolirt im Gebirge lebendes Volk in der Hüttenkunde soweit vorgeschritten sei, von so grossem Interesse, dass eine Beschreibung ihres Verfahrens nach Santos (im wesentlichen nur eine Wiederholung einer früheren von Hernandez, in der Revista minera I. 112.) gewiss willkommen sein wird.

Das gegenwärtig von der erwähnten Aktiengesellschaft, Sociedad minero-metalurgica cantabro-filipina de Mancayan, erworbene erzführende Gebiet war bei den Ygorroten in grössere oder kleinere Parzellen, je nach der Volkszahl der anliegenden Dorfschaften eingetheilt deren Grenzen eifersüchtig gehütet wurden. Das Besitzthum eines jeden Dorfes war wiederum unter bestimmte Familien vertheilt, weshalb jene Bergdistrikte noch heut den Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Förderung des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Fels zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und höhete den Boden auf, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse stets die Decke traf. Wegen der Beschaffenheit des Gesteines und der Unvollkommenheiten des Verfahrens fanden häufig sehr bedeutende Einstürze statt. Die Erze wurden in reiche und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres verschmolzen, diese einer sehr starken und anhaltenden Röstung unterworfen, wobei nachdem sich ein Theil des Schwefels, Antimons und Arsen's verflüchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer und Schwefeleisen stattfand, die sich als »Stein« oder in Kugeln an der Oberfläche des Quarzes festsetzten und zum grössten Theil abgelöst werden konnten. [165]

Die Oefen oder Schmelzvorrichtungen bestanden aus einer runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten 0m[P2: 0m] 30 Durchmesser bei 0m[P2: 0m] 15 Tiefe. Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte konische Röhre (Düse) von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlten Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trocknem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten, und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten.

Wenn die Ygorroten Schwarzkupfer oder gediegen Kupfer erblasen hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem sie einen Tiegel aus gutem feuerfesten Thon in Gestalt eines Helmes aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward , das Metall in Formen zu giessen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem der Ofen hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18 bis 20 Kg. reichen oder gerösteten Erzes, das nach Hernandez wiederholten Versuchen über 20% Kupfer enthielt, und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich, indem sie das Erz stets an der Mündung der Düse also dem Luftzuge ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wänden des Ofens aufgaben, die aus losen zur Höhe von 0m50 übereinander geschichteten Steinen bestanden. Nachdem das Feuer angezündet und das beschriebene Gebläse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe, weisse und oraniengelbe von der theilweisen Verflüchtigung des Schwefels Arsens und Antimons herrührende Rauchwolken, bis nach Verlauf einer Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige Säure bildete, und die Hitze den höchsten, bei diesem Verfahren möglichen Grad erreicht hatte, das Blasen eingestellt und das Produkt herausgenommen wurde. Dies bestand aus einer Schlacke oder vielmehr aus den eingetragenen Erzstücken selbst, die wegen des Kieselgehaltes des Ganggesteines sich bei der Zersetzung des Schwefelmetalls in eine poröse Masse verwandelten (und sich nicht verschlacken und kieselsaure Verbindungen eingehn konnten, weil es sowohl an Basen als an der erforderlichen Hitze gebrach); ferner aus einem sehr unreinen »Stein« von 4 bis 5 Kg. Gewicht und etwa 50 bis 60% Kupfergehalt.

Mehrere solcher »Steine« wurden zusammen 12 bis 15 Stunden lang in starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein grosser Theil der genannten drei flüchtigen Körper entfernt. In denselben Ofen stellten sie die schon geglühten »Steine« aufrecht, und zwar ebenfalls so, dass sie sich im Kontakt mit der Luft, die Kohlen dagegen an den Wänden des Ofens befanden, und erhielten, nachdem sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken ein Silikat von Eisen mit Antimon und Spuren von Arsen, einen »Stein« von 70 bis 75% Kupfergehalt, den sie in sehr dünnen Scheiben abhoben (Konzentrationsstein) indem sie die Abkühlungsflächen benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse mehr oder weniger entschwefelt war, eine grössere oder geringere Menge (stets aber unreines) Schwarzkupfer zurück.

Die durch diesen zweiten Prozess gewonnenen Konzentrationssteine wurden abermals geglüht, indem man sie durch Holzschichten trennte, damit sie nicht an einander schmelzen konnten bevor sie das Feuer von den Unreinigkeiten befreit hatte.

Das bei der zweiten Beschickung erhaltene Schwarzkupfer und die bei eben dieser Operation niedergeschmolzenen Steine wurden in demselben (durch Bruchsteine verengten und mit einem Schmelztiegel versehenen) Ofen einer dritten Operation unterworfen, die eine Schlacke von kieselsaurem Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte, das in Thonformen ausgegossen wurde und in dieser Gestalt in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer enthielt 92 bis 94% Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre gelbe Farbe gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben Metalles, und das durch langsame Abkühlung an der Oberfläche entstandene Oxyd, das sich stets bildete trotz der angewandten Vorsichtsmaasregel, die der Oxydation ausgesetzte Oberfläche mit grünen Zweigen zu peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von Kesseln, Pfeifen und anderem häuslichen Geräth oder Schmuck dienen sollte, die von den Ygorroten mit so grosser Geschicklichkeit und Geduld ausgeführt werden, so wurde es dem Läuterungsprozess unterworfen, der sich nur dadurch von dem vorhergehenden unterschied, dass man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom vermehrte, in dem Maasse als der Schmelzprozess sich seinem Ende näherte, was die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch Oxydation zur Folge hatte. Durch wiederholte Versuche fand Santos, dass selbst bei Erzen von 20% mittlerem Gehalt nur 8 bis 10% Schwarzkupfer aus der dritten Operation erzielt wurden, so dass also in den Schlacken oder porösen Quarzen der ersten Operation 8 bis 12% zurückblieben.

Es war schwierig zur Rückreise nach Paracáli die nöthigen Transportmittel für mein Gepäck zu erlangen, da die Wege durch anhaltende Regen so aufgeweicht waren, dass Niemand sein Vieh hergeben mochte. In Mambuláo ist der Einfluss der westlich angrenzenden Provinz schon sehr wahrnehmbar: Tagalisch wird fast besser als Bicol verstanden; unter der Bevölkerung macht sich das tagalische Element durch hübsche Frauen geltend, die mit ihrer Familie von Lucban und Mauban hierherkommen um Handel zu treiben. Sie kaufen das Gold auf und führen dagegen Stoffe und andre Waaren ein. Das gewonnene Gold ist in der Regel 15 bis 16 karätig; der Strich entscheidet über den Feingehalt. Die Händler zahlen durchschnittlich für die Unze 11 Dollar, wenn es aber wie gewöhnlich, in geringeren Mengen als eine Unze feilgeboten wird, nur 10 Dollar [166]; sie wägen mit kleinen römischen Wagen und stehn nicht im Ruf grosser Rechtlichkeit.

Nord-Camarínes ist spärlich bewohnt, in den Bergbaudistrikten hat die Bevölkerung abgenommen, seitdem die vielen durch Aktienschwindel künstlich in's Leben gerufenen Unternehmungen zu Grunde gegangen. Die Goldwäscher sind meist liederlich und verschuldet, sie hoffen fortwährend auf reiche Funde, die nur äusserst selten vorkommen und dann gewöhnlich gleich verprasst werden, daher findet man auch Champagner und andre Luxusgegenstände in den Läden der sehr ärmlichen Dörfer.

Malagúit und Matángo sollen in der trocknen Jahreszeit durch einen ziemlich guten Weg verbunden sein, jetzt trennte eine Schlammpfütze, in welcher die Pferde bis zum Bauch einsanken, beide Ortschaften.

In Lábo, einem Dörfchen am rechten Ufer des Laboflusses, der dem gleichnamigen Berge entspringt, wiederholen sich die oben mehrfach geschilderten Verhältnisse: schnellverschwindende Spuren der Werke früherer Aktiengesellschaften, dazwischen kleine von Indiern bearbeitete Gruben. Rothblei ist hier nicht gefunden worden, aber Gold und besonders »Platina«, das sich aber durch Besichtigung einiger Proben als Bleiglanz erweist. Der Berg Labo scheint nach seiner Glockenform und den Geschieben im Flussbett aus Hornblendetrachyt zu bestehn. 1/2 Legua WSW. durch fusstiefen Schlamm watend erreichen wir den Berg Dallas, wo ehemals Bleiglanz und Gold von einer Aktiengesellschaft, jetzt Gold von wenigen Indiern auf die mehrfach erwähnte Weise gewonnen wurde.

Es gelang mir weder in dieser Provinz noch in Manila näheres über die Geschichte der vielen verunglückten Bergbauunternehmungen zu erfahren. So viel aber scheint festzustehn, dass sie nur von Spekulanten in's Leben gerufen, niemals mit genügenden Mitteln sachkundig betrieben worden sind und verfallen mussten sobald die Spekulanten ihre Aktien untergebracht hatten.

Ausser dem wenigen von den Indiern auf so unergiebige Weise gewonnenen Golde, liefert Nord-Camarínes jetzt kein Metall. Anfänglich erhob der König von Spanien ein Fünftel, dann einen Zehnten vom Golde, später hörte die Abgabe auf. Zu Morgas Zeit betrug der Zehnten durchschnittlich 10,000 Doll. (»denn viel wird verheimlicht«), die Ausbeute also über 100,000 Doll. Gemelli Carreri (S. 443) erfuhr vom Guvernör von Manila, dass jährlich 200,000 Doll. Werth an Gold, ohne Hülfe von Feuer oder Quecksilber gesammelt werde, und dass Paracáli besonders goldreich sei. Zur Schätzung der gegenwärtigen Erträge fehlen mir alle Daten. Die auf viele Anfragen erhaltenen Antworten verdienen keine Erwähnung. Sehr gering sind die Erträge jedenfalls, sowohl wegen der Unvollkommenheit des Verfahrens, als der Unbeständigkeit der Arbeit, denn die Indier arbeiten nur, wenn die Noth sie dazu zwingt.

In einem Nachen kehrte ich stromabwärts nach Indang zurück, einem verhältnissmässig blühenden Ort, mit geringerer Bevölkerung, aber bedeutenderem Handel als Daet; die Ausfuhr besteht vorzüglich aus Abaca, die Einfuhr aus Reis.

Nach den Mittheilungen eines alten Schiffers, der viele Jahre lang an dieser Küste fährt, herrschen dieselben Winde von Daet bis zum Cap Engaño, der NO. Spitze Luzons: Von Oktober bis März der Nordost, hier der Regen-Monsun, mit Nordwinden beginnend, die von kurzer Dauer sind und bald in NO. übergehn; im Januar und Februar treten Ostwinde ein und beschliessen den Monsun; die stärksten Regen fallen von Oktober bis Januar, im Oktober kommen zuweilen Taifune vor. Sie fangen an mit N. oder NO., gehn nach NW. wo sie am heftigsten sind, dann durch N. und O. zuweilen bis SO. und selbst S. -- März, April, mitunter auch Anfang Mai wehen Wechselwinde, sie leiten den SW.-Monsun, die von Regenschauern unterbrochene trockene Jahreszeit ein. Am trockensten sind April und Mai. Gewitter kommen von Juni bis November, am häufigsten im August vor. Im SW.-Monsun ist das Meer sehr ruhig, in der Mitte des NO.-Monsuns hört alle Schifffahrt an der Ostküste auf. In der Umgegend von Balér wird der Reis im Oktober gesäet, im März oder April geerntet. Bergreis wird nicht gebaut.

SECHSZEHNTES KAPITEL

REISE LÄNGS DER KÜSTE VON CAMARINES. -- ANDRINGEN DES MEERES. -- ZERSTÖRTER PALMENWALD. -- PASACAO. -- SCHLECHTE STRASSEN.

Von Daét sandte ich mein Gepäck in einem Schoner nach Cabusáo und setzte den Weg dahin zu Fuss, an der Küste, dem Westrande der Bay von S. Miguél, fort. Wir fuhren in einem Boote über die Flussmündung, die Pferde folgten schwimmend, wurden aber bald wegen Untauglichkeit zurückgelassen. An der nächsten Flussmündung Sácavin war das Wasser so hoch, dass sich die Träger nackt auszogen und das Gepäck auf dem Kopfe hinübertrugen: in einfacher Jacke und Hose von Kattun fand ich diese Vorsicht überflüssig; es ist im Gegentheil bei hoher gleichmässiger Temperatur nach meiner Erfahrung erfrischend und zuträglich in nassen Kleidern zu gehn, auch spart man dadurch manchen Sprung über Gräben, manchen Umweg um Pfützen, die man, einmal durchnässt, nicht mehr fürchtet. Nachdem wir noch acht kleine Flüsse durchwatet, mussten wir den Strand verlassen und auf steilen schlüpfrigen Waldpfaden den Weg nach Colási fortsetzen, das gerade in der Mitte des Westrandes der Bay liegt. Der Seestrand war sehr schön: statt eines einförmigen, bei Ebbe übelriechenden Rhizophorensaumes, der dort nie fehlt, wo das Land in's Meer hineinwächst, reichen hier die Wellen an den Fuss der alten Waldbäume, deren viele unterwaschen sind. Am bemerkenswerthesten war ein Saum alter stattlicher, mit Orchideen und andern Epiphyten behangener Barringtonien, prachtvolle Bäume wenn sie in Blüthe stehn und die 5 Zoll langen rothen Staubfäden mit goldgelben Antheren wie Quasten von den Zweigen herabhängen; durch ihre faustgrossen Früchte sind sie dem Fischer zwiefach nützlich, der sie ihres geringen spezifischen Gewichtes wegen zum Flottiren der Netze, zerklopft zum Betäuben der Fische verwendet. Die vordersten Bäume standen schief gegen das Meer geneigt, und sind wohl schon längst verschlungen, gleich vielen andern, deren Wrack noch aus dem Wasser hervorragte. Die Zerstörung dieser Küste scheint sehr beträchtlich zu sein. Unter den kletternden Palmen war eine eigenthümliche Art sehr häufig, deren armdicker Stamm sich blätterlos am Boden hinschleppte oder in Bögen über die Aeste hing, und nur an seinem Ende eine Blattkrone trug. Eine andre, vom Habitus gewöhnlicher Calamus, hatte Caryota-Blätter. Wildschweine sind hier sehr häufig; ein Jäger bot uns deren zwei, das Stück zu einem Real an.

Die Richtung der seit der Spitze von Daét NNW. SSO. streichenden flachen Küste wird hier durch den nach O. hinaus tretenden kleinen Pik von Colási unterbrochen, der so schnell wachsen soll, dass alle älteren Leute ihn niedriger gekannt haben wollen. In der Visita Colási, am Nordabhange des Gebirges, ist das Meer so wild, dass kein Boot sich halten kann. Die Bewohner treiben zwar Fischfang, ihre Fahrzeuge liegen aber am Südabhange des Berges, in der geschützten Bucht Lalauígan, die wir nach dreistündigem Marsche über das Joch erreichten.

Ein hier gemiethetes vierruderiges Baroto wollte uns, da das Wetter günstig, in zwei Stunden nach Cabusáo, dem Hafen von Naga bringen, aber der Wind schlug um, es stürmte; durchnässt, nicht ohne Haverei, flüchteten wir nach Barcelonéta, einer im Drittel der Entfernung gelegenen Visita. Auch der hier angetroffene einsichtsvolle Teniente von Colási bestätigte das schnelle Wachsen des kleinen Piks.

Gegen meinen Wunsch den Berg zu besteigen wurden grosse Schwierigkeiten geltend gemacht; schwerlich könne es in den nächsten Wochen geschehn, weil Alle mit Vorbereitungen zum Osterfest beschäftigt seien. Da mich diese Einwendungen nicht überzeugten, so fand sich am nächsten Morgen ein triftigerer Grund. Inländische Schuhe sind im Schlamm, namentlich zu Pferde, wohl zu brauchen; beim Bergsteigen aber, auf rauhem Boden, halten sie nicht einen Tag. Das einzige noch übrige Paar starker europäischer Schuhe, das ich für besondere Zwecke aufgespart, hatte mein Bedienter, der nicht gern Berge stieg, verschenkt, weil er fürchtete sie möchten viel zu schwer für mich sein.

Von Barcelonéta bis Cabusáo behält der Strand denselben Charakter wie zwischen Daét und Colási. Seine Richtung ist aber NS. Der Boden, sandiger Thon, ist mit einer dicken Schicht zerbrochener Zweischaler bedeckt. Der Weg war sehr beschwerlich, da die hohe Fluth uns zwang zwischen Bäumen und dichtem Unterholz zu klettern. Unterwegs trafen wir eine unternehmende Familie, die von Daét abgefahren, um Kokosnüsse nach Naga zu bringen, hier Schiffbruch gelitten hatte. [167] Von 5 Tinajas Oel hatten sie nur eine, die Nüsse aber alle gerettet. Sie lebten in einer kleinen schnell erbauten Hütte, von Kokosnüssen, Reis, Fischen und Muscheln, auf günstigen Wind zur Rückkehr wartend. Es giebt hier eine grosse Manchfaltigkeit von Strandvögeln, aber meine Flinte ging nicht los, obgleich sie mein Diener, in Aussicht auf die Jagd, mit besonderer Sorgfalt geputzt hatte; die Ladung konnte, da er beim Putzen den Ladestock verloren, erst in Cabusáo herausgezogen werden, wobei sich ergab, dass beide Läufe unten bis über das Zündloch voll Sand waren.

Das Gestade war noch schöner als am vorigen Tage, namentlich an einer Stelle, wo die Brandung gegen einen Wald von Fächerpalmen (Corypha sp.) anprallte. An der dem Meer zugekehrten Seite standen die Bäume, ihrer Kronen beraubt, in Gruppen oder Reihen, oder lagen umgestürzt, wie Säulen gewaltiger Tempelruinen (einige derselben hatten drei Fuss Durchmesser). Der Anblick erinnerte unmittelbar an Pompeji. Ich konnte mir die Ursache der Kahlheit der Stämme nicht erklären, bis ich mitten unter den Palmen eine Hütte entdeckte, in welcher zwei Männer bemüht waren den Wogen in ihrem Zerstörungswerk zuvor zu kommen, durch Bereitung von Zucker (tunguleh). Zu dem Zweck wird nach Entfernung der Blätter, da diese Palme terminal blüht, das obere Ende des Stammes queer abgeschnitten, die Schnittfläche ist ein wenig (etwa 5°) gegen den Horizont geneigt und nach dem untern Rand hin zu einer sehr flachen Rinne ausgetieft. Der Saft quillt aus der ganzen Schnittfläche, mit Ausnahme der durchschnittenen äussern Blattstiele, sammelt sich in der flachen Rinne und wird von da auf einem zwei Zoll breiten, vier Zoll langen Stück Bananenblatt in ein am Stamm hängendes Bambusrohr geleitet. Um den hervorquellenden Saft gegen Regen zu schützen, ist jeder angezapfte Baum mit einer Kappe aus einem dütenförmig zusammengebogenen Palmenblatt bedeckt. Der Saft hat einen schwachen, angenehm aromatischen Beigeschmack von Karamell. Ein Baum liefert täglich im Durchschnitt vier Bambusen voll Tuba, die Bambusen haben gegen 3 1/2 Zoll innern Durchmesser, und sind, wenn sie abgenommen werden, etwa 18 Zoll hoch gefüllt, dies gäbe etwas über 10 Quart täglich.