Reisen in den Philippinen

Part 1

Chapter 12,617 wordsPublic domain

REISEN IN DEN PHILIPPINEN

VON

F. JAGOR

MIT ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN UND EINER KARTE.

BERLIN WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG. 1873.

VORWORT.

Die Reise, von der die folgenden Blätter berichten, wurde in den Jahren 1859 und 1860 unternommen, durch unvorherzusehende Umstände aber plötzlich abgebrochen, lange bevor die gesteckten Ziele erreicht waren. Der Wunsch, das Begonnene später fortzusetzen, ging nicht in Erfüllung, veranlasste aber zu weiteren Studien, die dem Verfasser manchen wenig bekannten Stoff lieferten und zugleich zeigten wie spärlich und ungenau die Nachrichten über jenes schöne Land sind, besonders über die Provinzen in denen er am längsten verweilte.

Einige werthvolle Mittheilungen vorzüglich über Verwaltung, Steuer- und Zollwesen verdankt der Verfasser dem spanischen Kolonialministerium, das ihm bereitwillig die Benutzung seines Archives gestattete; namentlich war ihm bei Entwurf der Geschichte des Handels, des Tributes und der Tabakregie eine dort vorgefundene Denkschrift von D. Ormacheo: Apuntes para la razon general, von Nutzen. Auch die Berliner und Londoner Bibliotheken lieferten manchen Stoff, der z. Th. mühsam aus dickleibigen öden Mönchschroniken herausgelesen werden musste. So häufte sich umfangreiches Material, woraus die nachstehenden Blätter das Wesentlichste in gedrängter Kürze mittheilen.

Dem eigentlichen Reiseberichte liegen ausführliche an Ort und Stelle gemachte Aufzeichnungen zu Grunde. Nach einem so langen Zeitraum erschien es um so nöthiger, sich streng daran zu halten, da das Gedächtniss gern ihm anvertraute Eindrücke und Erlebnisse zu farbigen Bildern und interessanten Abenteuern umgestaltet, hier aber nicht sowohl Unterhaltung als treue Schilderung beabsichtigt wird.

Einiges, besonders aus dem zwanzigsten Kapitel ist bereits in Bastian und Hartmann's Zeitschrift für Ethnologie mitgetheilt worden.

Den wissenschaftlich werthvollsten Theil des Buches bilden zwei Abhandlungen, welche der Verfasser der Freundschaft der Herren Professoren Roth und Virchow verdankt.

Wenige Länder der Welt sind so unbekannt und werden so selten besucht wie die Philippinen und doch ist keines angenehmer zu bereisen, als jenes verschwenderisch ausgestattete Inselreich; kaum irgendwo findet der Naturforscher eine grössere Fülle ungehobener Schätze. Unbemittelte würden aus dem Verkauf von Sammlungen ihre Reisekosten reichlich decken.

DRUCKFEHLER.

Seite 145 Z. 10 v. unten lies: Rayray statt Ragay. ,, 173 Z. 15 v. unten lies: Oberleib statt Unterleib. ,, 210 Anm. lies: Bd. XXV. 2269 statt 2269.

INHALT.

Seite

Vorrede V Verzeichniss der Bilder XI Aussprache der Fremdwörter XIII Erklärung häufig vorkommender Fremdwörter XIV Maasse, Gewichte, Münzen XVI

Erstes Kapitel.

Einleitende Bemerkungen.

Meridiandifferenz, Handelsgebiet der Philippinen, Theilung der Erde, erster Anblick Manila's, Erdbeben 1

Zweites Kapitel.

Rhede, Zollwesen, Geschichte des Handels, spanische Kolonialpolitik, Reisen der Galeonen 7

Drittes Kapitel.

Manila, Leben in der Stadt und in den Vorstädten, Hahnenkämpfe, Trachten der verschiedenen Klassen 18

Viertes Kapitel.

Stellung der Europäer und Eingeborenen in englischen, holländischen und spanischen Kolonien, Einfluss der spanischen Kolonialpolitik auf die Sitten der Eingeborenen, Bequemlichkeit des Lebens, Kokospalme, Bambus 27

Fünftes Kapitel.

Geographisches, Meteorologisches, politische Eintheilung, Volksmenge, Sprachen 39

Sechstes Kapitel.

Reise in Bulacan, häufige Feuersbrünste, Fruchtbarkeit, Fischfang, Zigarrentaschen, spanische Priester, Gastfreiheit, Räubereien 45

Siebentes Kapitel.

Provinz Laguna, Bancafahrt, Barren des Pasig, See von Bay, Maare bei Calauan, Palmenwein, Reisen ohne Diener, Vulkan Majaijai, Büffelfahrt 55

Achtes Kapitel.

Seereise nach Albay, Mariveles, Schifffahrt zwischen den Inseln, San-Bernardino-Strasse, Vulkan Bulusan, Legaspi, Sorsogon 63

Neuntes Kapitel.

Der Vulkan Mayon oder Albay und seine Ausbrüche 69

Zehntes Kapitel.

Cacao, Kaffee, Kirchweihfest, Leben in Daraga 76

Eilftes Kapitel.

Reise nach Bulusan und Sorsogon, Strassenbau, Seeräuber 87

Zwölftes Kapitel.

Reisen in Süd-Camarines, Gliederung der Provinz, spanische Priester, Alkalden und Mandarine 94

Dreizehntes Kapitel.

Reisen in Süd-Camarines, (Fortsetzung), Batu-See, indische Priester, Niederlassung von Wilden, Feier der Kreuzbulle, Buhi-See, Vulkan Yriga, Ananasfasern, Pfeilgift, Blutegel, Solfatare Ygabo, Kieselsprudel von Tibi 103

Vierzehntes Kapitel.

Lebensweise und Sitten der Bicolindier 118

Funfzehntes Kapitel.

Vorgeschichtliche Ueberreste, hoher Werth alter Gefässe, Tropfsteinhöhlen im Yamtik, Reisen in Nord-Camarines, Bergbau, Gold, Bleiglanz, Rothblei, Kupfer, Hüttenprozess der Ygorroten, essbare Vogelnester 133

Sechszehntes Kapitel.

Reise längs der Küste von Camarines, Andringen des Meeres, zerstörter Palmenwald, Pasacao, schlechte Strassen 152

Siebenzehntes Kapitel.

Der Ysarog und seine Bewohner 161

Achtzehntes Kapitel.

Ersteigung des Yriga und des Mazaraga, See- und Strassenräuber, Wasserpflanzen von Berlin nach den Philippinen, mein Diener Pepe 176

Neunzehntes Kapitel.

Reisen in Samar, Wetter, Beamtenwahl, Nordküste, Catbalogan, Flattermakis, Schlangenbändiger, Tertiärversteinerungen, Stromschnellen des Loquilocun, Gespensterthier 185

Zwanzigstes Kapitel.

Reisen in Samar, Fortsetzung, Südsee-Insulaner durch Stürme verschlagen, Todtenhöhlen und Leichenbestattung der alten Bisayer, Krokodile, Ignazbohne, Kokosöl 203

Einundzwanzigstes Kapitel.

Insel Leyte, Heuschrecken, Solfatare, Schwefelgewinnung, Bitosee, Krokodile 218

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Lebensweise und Sitten der Bisaya-Indier 227

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Die neuen Zollhäfen, Steinkohle in Cebu, Yloilo. Aufschwung des Zuckerbaues 239

Vierundzwanzigstes Kapitel.

Abaca oder Manila-Hanf 245

Fünfundzwanzigstes Kapitel.

Das Tabakmonopol 257

Sechsundzwanzigstes Kapitel.

Die Chinesen 271

Siebenundzwanzigstes Kapitel.

Kurzer Abriss der Geschichte, Schlussbetrachtungen 280

ANHANG.

Kopfsteuer und Frohnden 293 Bürgerliche Einrichtungen 298 Ueber den Bodenkredit 303 Die gemeinnützige Gesellschaft der Landesfreunde 307 Einführung der Opium-Regie 309 Beschreibung der Schiffe, Barangay genannt, die bei Ankunft der Spanier in Gebrauch waren 311 Das tagalische Vater Unser 312 Das neue Zolldekret 312 Handel mit China vor Ankunft der Spanier 314 Handel mit China nach Ankunft der Spanier 315 Flächeninhalt der grösseren Inseln des philippinischen Archipels 317 Uebersichtstabelle der meteorologischen Verhältnisse 318 Uebersicht der Volksmenge, der Ortschaften u. s. w. in den Philippinen 320 Gleichzeitiger Ausbruch dreier Vulkane 1641 323 Zusätze und Berichtigungen 329 Abgekürzt zitirte Schriften 331 Ueber die geologische Beschaffenheit der Philippinen von J. Roth 333 Ueber die älteren und neueren Bewohner der Philippinen von Rudolf Virchow 335 Index 378 Karte des südlichen Theiles von Luzon und benachbarter Inseln.

VERZEICHNISS DER BILDER.

Um den Grad der Genauigkeit der einzelnen Bilder beurtheilen zu können, ist durch Buchstaben die Art ihrer Herstellung angegeben.

c = Camera lucida, p = Pause, ph = Photographie, r = reduzirt durch Camera lucida oder auf mechanischem Wege. t = Originalzeichnung eines Tagalen. z = freie Handzeichnung.

Der erste Buchstabe bezieht sich auf die Originalzeichnung, der folgende auf die Reproduktion.

Seite

Barre des Pasig, Manila c. r. 7 Lastboot (Casco) t. r. 17 Haus mit Azotea am Pasig z. z. 18 Bambushaus in der Vorstadt Trozo c. r. 20 Tagalin ph. r. 24 Tagalen ph. r. 25 Elegante t. r. 25 Kleines tagalisches Mädchen ph. p. 26 Leben am Wasser (ph. c. z.) z. zu Seite 34 Bambus z. p. 35 Verarbeitung des Bambus 36 Floss mit Senknetzen (Salambau) c. r. 37 Fischerhütten bei Bulacan z. r. 45 Berg Arayat z. r. 47 Zubereitung der Zigarrentaschen z. 48 Negrita (von Panay) ph. r. 51 Aussicht von Jalajala auf die Insel Talim c. r. 52 Vulkan Maquiling von ONO. z. 54 Kirche und Convento, Majaijai c. r. 58 Insel Talim mit dem Pik Soson-dalága von Majaijai c. r. 59 Vulkan Majaijai c. r. zu Seite 61 Negrito von Mariveles c. r. 63 Tagalin in einer Hängematte z. z. 64 Vulkan Bulusan z. r. zu Seite 66 Vulkan Mayon c. r. zu Seite 69 Krater des Mayon z. p. 70 Zigarrentaschen-flechten z. z. 84 Bícol-Naturforscher bei Regenwetter z. r. 86 Stamm eines Feigenbaumes bei Bacon c. r. 88 Dorfglocke in Camarines z. z. 96 Dorf Batu c. r. 103 Wilde vom Yriga c. z. zu Seite 106 Vulkan Yriga von OSO. c. r. 110 Vulkan Yriga von SW. c. r. 111 Vulkan Malinao c. r. 114 Kieselsprudel bei Tibi c. r. 114 Der weisse Kegel c. r. 115 Der rothe Kegel c. r. 117 Pavava, eine Art Karren c. r. 118 Der Pflug (Arado) und seine Bestandtheile c. r. 120 Ackergeräth der Bicol-Indier c. r. 121 Reismesser z. 121 Thongefäss aus einer Muschelschicht z. 134 Gebirge Bacacay von der Barre von Daet c. r. 139 Indierin die Bulaqueña tanzend z. r. 140 Kastell gegen Seeräuber c. r. 141 Nester von Collocalia troglodytes c. r. 143 Kupferner Kessel c. 146 Gebirge Bacacay vom Tribunal von Labo c. r. 150 Der Pik Colasi von der Visita Colasi z. r. 153 Der Pik Colasi von der Visita Lalauigan z. r. 153 Palmenwald durch die Brandung zerstört z. r. 155 Vulkan Ysarog c. r. zu Seite 161 Glockenturm von Calabanga c. r. 164 Weberin vom Ysarog c. r. 166 Bogen und Pfeile der Ygorroten vom Ysarog c. r. 169 Ygorrote vom Ysarog c. p. 170 Ygorroten-Mädchen vom Ysarog c. p. 171 Cuadrillero z. z. 174 Schiffahrt durch Sumpf z. z. 176 Mazaraga c. r. 178 Aussicht vom Mazaraga c. p. zu Seite 178 Spanisch-tagalische Mestizin ph. p. 184 Lauang c. r. 187 Gobernadorcillo und Alguacil t. r. 189 Kleines Bisaya-Mädchen z. z. 192 Boot mit Ausriggern c. r. 193 Visita Loquilocun c. r. 199 Felsen im Meer bei Nipa-nipa z. z. 207 Särge c. r. 209 Buyohändlerin t. r. 217 Hafen von Tacloban z. r. 218 Gebirge in Leyte c. r. 220 Hütte im Krater des Kasiboi c. r. 221 Hütte auf einem Baum z. z. 223 Bisaya-Indierin z. z. 227 Alte Indierin rauchend t. r. 270 Schiff aus dem 17. Jahrhundert z. z. 290 Schädel r. Tafel 1. zu Seite 355 Schädel r. Tafel 2. zu Seite 375 Negritos vom nördlichen Luzon ph. p. zu Seite 375

AUSSPRACHE DER FREMDWÖRTER.

Die spanischen und einheimischen Wörter, meist Ortsnamen, sind nach spanischer Weise geschrieben. Die Aussprache ist wie im Deutschen, mit folgenden Abweichungen:

spanisch c vor e und i wie th englisch, aber schärfer. ,, ch wie tsch deutsch. ,, g vor e und i wie ch ,, ,, gu wie g ,, ,, j wie ch ,, ,, ll fast wie j ,, ,, ñ wie nj ,, ,, qu wie k ,, ,, s wie ss ,, auch mitten im Wort. ,, v fast wie b. ,, y vor Vokalen wie j ,, ,, y vor Konsonanten wie i. ,, z wie c vor e und i.

In den philippinischen Namen ist e von i, o von u kaum zu unterscheiden.

In mehrsilbigen Wörtern ist der Tonfall meist durch einen Accent angedeutet worden.

ERKLÄRUNG EINIGER HÄUFIG WIEDERKEHRENDER FREMDWÖRTER.

Abacá = Manila-Hanf, Faser der Musa textilis s. S. 245.

Alkalde, Guvernör einer Provinz s. S. 100 Anm.

Bánca, kleines Boot.

Barangáy, Gruppe von 40 bis 50 Familien unter Verwaltung eines Cabeza s. S. 292.

Bólo, grosses Waldmesser.

Búyo, ein Stück Arecanuss, eingefasst von einem mit gebranntem Kalk bestrichenen zusammengerollten Blatt Betelpfeffer s. S. 126 Anm.

Cabéza, Haupt, Häuptling.

Casa reál, Wohnung des Alkalden oder Guvernörs, auch = Tribunal s. S. 50.

Camóte, süsse Kartoffel, Convolvulus Batatas s. S. 122.

Castíla, werden die Spanier, auch wohl die Europäer im Allgemeinen genannt.

Cimarrón, in Freiheit lebender Eingeborener s. S. 106.

Convénto, Wohnhaus des Pfarrers, nicht Kloster.

Cuadrilléro, Steuersoldat, Polizeisoldat.

dM. = M.

Estánco, Laden in welchem von der Regierung monopolisirte Artikel verkauft werden.

Falúa, Feluke.

Gábi, Caladium sp. div. mit essbaren Knollen.

Gobernadorcíllo (Guvernörchen), Dorfschulze s. S. 189.

Guinára, Gewebe von Abacá.

Haciénda, Landgut, die Finanzverwaltung, der Staatsschatz.

Indier, Indios, werden die Eingeborenen im Allgemeinen, besonders aber die der spanischen Herrschaft unterworfenen im Gegensatz zu den Cimarronen genannt.

L, Légua Wegstunde, (20 = 1° des Aequators).

£, Pfund Sterling.

M, Meile, (15 = 1° des Aequators).

Polísta, Frohnarbeiter.

Pólos, Frohnden s. S. 292.

Puéblo, Ortschaft.

Principalía, inländischer Adel.

R. C., Reál Cédula, Königliches Handbillet.

R. D., Reál Decréto, vom Suverän selbst unterschrieben.

R. O., Reál Órden, nur vom Minister gezeichnet.

Sáya, Frauenrock von der Hüfte zum Knöchel reichend.

Sm., Seemeile (60 = 1° des Aequators).

Súndang, Waldmesser.

Tápis, ein um den oberen Theil der Saya gewundenes Tuch.

Teniénte, Lieutenant.

Tribunál, auch Casa real genannt, Gemeindehaus.

Tribúto, Kopfsteuer.

Túba, gegohrener Palmensaft.

Visíta, Filial einer Pfarre.

MAASSE, GEWICHTE UND MÜNZEN.

Seit Januar 1862 gelten in den Philippinen die folgenden Maasse, Gewichte und Münzen.

Längenmaasse:

1 Braza = 1 Doppelvara von Burgos = 1,671 Meter (= 5,3205 Rh.-Fuss) 1 Vara = 1 Vara (Elle) desgl. = 0,835 Meter (= 2,66 Rh.-Fuss) 1 pié = 1 pié (Fuss) desgl. = 0,278 Meter (= 0,89 Rh.-Fuss).

Wegemaasse:

1 Legua (L.) sehr nahe 20,000 piés = 3 Seemeilen (Sm.) 20 L. = 60 Sm. = 15 geogr. oder deutsche Meilen (M.) = 69 engl. Meilen = 111,1 Kilometer.

Feldmaasse:

1 Quiñon, (spr. Kinión) = 10 Balístas = 100 Loánes = 10,000 Brázas cuadrádas = 27949,486 Quadrat-Meter = 2,79495 Hektar. 1 Hektar = 3577,833 Brazas cuadrádas = 0,35778 Quiñones = 3,5778 Balistas = 35,778 Loánes.

Die hier zu Grunde gelegte Braza cuadr. ist die von 4 Varas cuadr. de Burgos. 1 Quiñon = 10,946, also sehr nahe = 11 preuss. Morgen).

Getreidemaasse:

1 Cabán (Caván) = 25 Gántas = 200 Chúpas = 800 Apatánes = 75 Liter = 1,35132 Fanégas de Castilla.

Von 1. Januar 1862 gilt der am 1. Januar 1860 in Manila eingeführte Caban als gesetzliches Maass für alle Provinzen. Er misst genau 75 Liter oder in Form eines Würfels 422 mm. innerer Seite, oder 5990,96 span. Kubikzoll. (Der Caban von 1859 hatte 80,00919 Liter.)

(1 Ganta = 3 Liter, 1 Preuss. Metze = 3 Quart. 1 Ganta verhält sich also zu 1 preuss. Metze (= 1/16 Scheffel) genau wie 1 Liter zu 1 Quart. 1 Caban = 1,362 Scheffel. 1 Caban Reis wiegt 128 bis 137 Pf. span. = 59 bis 63 Kilogr.

Flüssigkeitsmaasse:

1 Ganta = 8 Chupa = 3 Liter.

Die Tinája (grosser Thonkrug) ist ein willkürliches Maass und bedeutet eine Anzahl Gantas, die in jedem Kontrakte besonders bestimmt wird oder durch Gebrauch feststeht, z. B. 1 Tinája Cocosöl der Laguna = 16 Gantas.

Gewichte:

1 Quintál = 1 Quintál de Castilla = 4 Arróbas = 46,009 Kilogramm.

1 Arroba = 25 Libras (Pfund span.) = 11,502 Kilogr.

1 Libra = 2 Marcos = 0,460 Kilogr. 1 Marco = 8 Onzas = 0,230 Kilogr.

1 Onza = 16 Adarmes = 28,76 Gramm. 1 Adarme = 36 Granos = 1,80 Gramm. 1 Grano = 0,05 Gramm.

Schwere Gewichte.

1 Pico = 10 Chinántas = 100 Cátes = 1600 Tael = 137,500 Libras de Castilla = 63,262 Kilogr. (1 Tael = 22000 Adarmes = 39,539243 Kilogr.)

Der Píco (Pikul) ist kein festes Gewichtsmaass, er variirt selbst in China. In Manila hat sich durch den Gebrauch das Verhältniss 1 Píco = 137,5 Libras de Castilla festgestellt. In den chinesischen Häfen und in Singapore haben die Engländer den Pikul = 133 1/3 Pfund engl. eingeführt. 1 Píco von Manila = 140 Pf. engl., 1 Pikul (engl.) = 131,4 Libras de Castilla.

1 (Schiffs)-Tonne, früher = 16 Picos (1012 Kilogramm), jetzt = 1000 Kilogr.; dem Maasse nach = 1 Kubikmeter.

Gewicht für edle Metalle:

1 Tael = 10 Mas = 100 Condrín = 754,75 Granos del Marco de Castilla = 37,68 Gramm.

Münzen:

1 span. Dollar ($) = 2 Escúdos (Esc.) = 5 Pesetas = 8 Réales plata (r.) = 160 Cuartos (cu.) = 100 Centésimos (ce).

Im täglichen Verkehr wird nach Cuartos, im Grosshandel nach Centisimos gerechnet. Der Escudo ist erst seit 1. Juli 1865 für alle amtlichen Rechnungen in Spanien und den Kolonien eingeführt, um die spanische Währung dem Dezimalsystem anzupassen.

(In Spanien wird der Dollar in 20 Reales vellon (rv.) getheilt. 1 Real vellon = 8,5 Cuartos, = 34 Maravedis.)

Die in Manila 1861 errichtete Münze prägt Gold: 4 $, - 2 $, - 1 $-Stücke, Silber: 0,5 $ = 1 Escudo; seit 1866 auch 0,2 $ = 4 rv., -- 0,1 $ = 2 rv.

Der Kurs des $ pflegt zwischen 42 und 44 Silbergroschen zu schwanken.

In den spanischen Kolonien bestehn keine Wuchergesetze. Alljährlich wird in Spanien der gesetzliche Zinsfuss für Fälle, wo kein besonderer Zins verabredet worden, festgestellt.

ERSTES KAPITEL

EINLEITENDE BEMERKUNGEN

MERIDIANDIFFERENZ.--HANDELSGEBIET DER PHILIPPINEN.--THEILUNG DER ERDE.--ERSTER ANBLICK MANILA'S.--ERDBEBEN.

Wenn es in Madrid Mittag schlägt, so ist es in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, mehr als 8 Uhr Abends, genau 8h 18m 41s; d. h. Manila liegt 124° 40' 15'' östl. von Madrid (7h 54m 35s von Paris. Conn. des temps). Wenn früher aber Madrid Neujahr feierte, so war in Manila erst Sylvester.

Da Magellan, der die Philippinen 1521, bei jener denkwürdigen ersten Weltumsegelung entdeckte, sich in derselben Richtung um die Erde bewegte, wie die Sonne in ihrem scheinbaren täglichen Lauf, so hatte er für jeden Grad, den er weiter nach Westen vordrang, vier Minuten später Mittag, und als er die Philippinen erreichte, betrug der Unterschied fast 16 Stunden. Er scheint dies aber nicht bemerkt zu haben, denn Elcano, der Führer des einzigen geretteten Schiffes, wusste nicht, als er zum Meridian seiner Abfahrt zurückkehrte, dass er nach der Schiffsrechnung einen Tag weniger zählen musste, als in dem Hafen, den er durch fortgesetztes Westwärtsfahren wieder erreicht hatte. [1] [2]