Reise in Südamerika. Erster Band.
Part 17
[6] Um für die Folge nicht stets überrechnen zu müssen, und einen Anhaltspunkt für die Preise zu haben, hier folgende Bezeichnungen der vorzüglichsten Münzen und Geldsorten. Eine Unze Gold, _Onza_, gleich 17¼ Thaler spanisch, etwa 25 Thaler preußisch oder 43 Gulden. Dann die halbe _Onza_, die viertel oder der _Escudo_, und der _Escudito_ oder die achtel Unze. Diese in Gold geprägt, viertel und achtel aber nicht häufig. In Silber ist ein Thaler, _Peso_, etwa 2 Gulden 30 Kreuzer am häufigsten. Die halben und viertel Thaler, _medio Peso_ und _Pesata_, habe ich selten getroffen. Die gewöhnlichste kleinere Silbermünze ist der Real und der _doppelte Real_, 18 und 36 Kreuzer, dann der halbe Real 9 Kreuzer. Der Quartillo, der viertels Real und Kupfergeld, kommt ebenfalls im Verkehr der größeren Städte weniger vor. In Kupfer hat man übrigens Zwei-Centaro-Stücke gleich ein Quartillo, und 1 Centaro. Es mag beigefügt werden, was von Seite der Wechsler häufig Gelegenheit gibt den Unkundigen zu prellen, daß die Unze Gold 17¼ Thaler in _Realen_ gilt, in _harten Thalern_ aber nur 17 Thaler, und daß der _harte Thaler_ ebenfalls gewechselt wird mit 8½ Realen, während unter einem Peso, Thaler, gewohnlich 8 Realen verstanden werden, d. h. man nennt 8 Realen einen Peso.
Von Realen sind aber zwei Gepräge da, als altspanische, unförmlich von Barren gehauene Silberstücke, mit dem Stempel und der Zahl I oder II versehen, und neue nett geprägte. Bei jenen ersten, welche meist gewaltig abgeschliffen sind, entscheidet die Zahl, welche eben noch sichtbar, ob sie einen oder zwei Realen galten, so daß oft ein kleines Stück auf dem die II noch zu erkennen auch für so viel genommen wird, während das größere, offenbar als Doppelreal geprägt, nur einen gilt.
[7] Ich habe den scheinbar höchsten desselben barometrisch gemessen und 1309 Fuß hoch gefunden.
[8] Ich habe an den dicken knolligen Wurzeln dieser =Puretia= eine eigenthümliche Erscheinung beobachtet. Der holzige Blüthenstengel und die scharfstachlichen Blätter werden von den Chilenen zu verschiedenem Zwecke häufig nach Hause gefahren. Die starken und durch das Abhauen der Blätter blosgelegten Wurzeln färben sich dann, wenn sie längere Zeit der Sonne ausgesetzt waren, so intensiv schwarz und werden so kohlenähnlich, daß man eine ausgebrannte Feuerstelle an solchen Orten vor sich zu sehen glaubt. Diese schwarze Schicht dringt zolltief und noch weiter in die Wurzel ein, und Schwächere dünnere Partien sind ganz durchaus in die schwarze Substanz verwandelt, sie ist zerreiblich und hat alle äußeren Eigenschaften wirklicher Kohle. Eine Partie solcher schwarzen Fragmente, welche ich nach Deutschland zur chemischen Untersuchung mitnehmen wollte, ist mir leider abhanden gekommen. Ich habe bei keiner andern Pflanze ein ähnliches Verhalten getroffen. An eine wirkliche freiwillige Verkohlung, an eine Zersetzung und ein Entweichen der anderen Bestandtheile und ein Restiren des Kohlenstoffes darf, wie ich glaube, kaum gedacht werden, es müßte also das Auftreten irgend eines Farbstoffes angenommen werden. Vielleicht gelingt es mir noch, die dort so häufige Substanz zur Untersuchung zu erhalten.
[9] Die chilenische Flagge besteht aus drei Feldern, aus zwei oberen, das eine blau mit weißem Sterne, das zweite ganz weiß, das dritte, untere, roth.
[10]: Die Unabhängigkeit macht uns stark und die Freiheit groß, Einwohner von Valparaiso erinnert Euch mit Dankbarkeit an die Patrioten von 1810.
[11] Ich glaube =Caspicum annuum=. Er ist roth, und wird in kleinen ausgehöhlten Kürbissen zum Verkauf gebracht.
[12] Deutscher, speziell _bayerischer_ Landsmann! Drei Gläser Bier fünf Gulden! Welch ein Land! Aber die Chilenen trinken kaum dieses edle Getränke, und obgleich sogar das oben bezeichnete immer halbweg erträgliche Bier im Lande gebraut wird, wird es doch meist von Fremden consumirt. Es ist kein Scherz, wenn ich Folgendes erzähle. Ich habe an einem Abende der Heimath gedenkend einmal eine zweite Flasche Ale verlangt, aber man getraute sich nicht zu verstehen, so ungeheuerlich erschien dem Kellner dies Begehren. Er zeigte mir endlich die beigebrachte Flasche in der Entfernung, ob er auch recht verstanden, und später versammelten sich Neugierige unter der Thür, um den Mann zu betrachten, der zwei Flaschen solch bittern Zeugs ohne Schaden zu verschlingen vermöge. Kaum half es, daß ich mich als Deutscher zu erkennen gab.
[13] So besitze ich einen zierlichen, aus Baumbast gefertigten Poncho, der während meiner Anwesenheit in Valparaiso von einem von jenen Inseln kommenden Schiffer gebracht wurde, und welcher Spuren längeren Gebrauchs trägt.
[14] Der Pferdefreund fragt mich: Welche Race? Ich weiß es nicht. Das chilenische Pferd ist, ähnlich seinem Herrn, von Mittelgröße, eher aber kleiner als dieselbe überragend. Es ist zierlich und schlank gebaut und erinnert an die ungarische Race. Jedenfalls ist es zuerst von den Spaniern mitgebracht worden und auch die wilden Pferde auf der Ostküste Amerikas stammen von spanischen Pferden ab, aber wie es sich zur gegenwärtigen Race andalusischer Pferde verhält, ob und wie es verändert, vermag ich nicht anzugeben.
[15] =Goma=, eigentlich Gummi, Harz. In meinem Tagebuch finde ich bei der =Goma de Mimbrilla= verzeichnet: »ist auch in der Pharmacie bekannt,« aber ich habe hier nicht entwickeln können, woher der Name kömmt.
[16] =Triaca=, wörtlich Theriak, oder allgemeines Gegengift.
[17] Eine Akazien-Art mit langen Stacheln, welche erst später im Sommer sich belaubt.
[18] Cuesta heißt auch die Höhe eines Berges, wird aber häufiger noch als Abhang, als die abschüssige Seite des Berges gebraucht, während =los altas= den eigentlichen Gipfel, die Höhe bezeichnet. Die Chilenen gebrauchen vorzüglich den Ausdruck Cuesta, wie mir scheint, um das Hinderniß zu bezeichnen, was sich den Reisenden beim Uebersteigen entgegenstellt.
[19] Es giebt in Chile privilegirte Bettler, welche durch ein Messing-Schild an der Brust kenntlich sind. Meist Blinde oder solche Leute, welche keine Angehörige haben und absolut arbeitsunfähig sind. Ihre Zahl ist sehr beschränkt, und andere Bettler trifft man kaum.
[20] In Peru habe ich nichts dem Erwähnten analoges gefunden.
[21] Ich habe von meinem verehrten Freunde, Hrn. Professor _Domeyko_ in Santjago die Ergebnisse der Analysen einiger Fluß- und Brunnenwasser aus Santjago und der Umgebung erhalten, welche ich hier mittheile.
_Wasser des Flusses Maipo_
7½ Stunden in Santjago von Santjago Chlornatrium 0.193 0.170 Schwefelsaure Kalkerde 0.474 0.623 Kohlensaure Kalkerde 0.115 0.054 Kohlensaure Talkerde 0.048 0.060 Eisen und Thonerde 0.010 0.014 Kieselerde 0.033 0.118 ------ ------ Summe der gelösten Stoffe 0.873 1.039 Suspendirte Stoffe 1.100 1.545
_Brunnen-Wasser._
_Brunnen_ _Brunnen_ aus dem v. d. Plaça Flusse Velasco in Santjago Chlornatrium 0.096 0.042 Schwefelsaure Kalkerde 0.204 0.275 Kohlensaure Kalkerde 0.103 0.129 Kohlensaure Talkerde 0.003 0.020 Eisen und Thonerde 0.007 0.015 Kieselerde 0.017 0.035 ------ ------ Summe der gelösten Stoffe 0.440 0.516 Suspendirte Stoffe --- 0.040
Die untersuchten Mengen waren jedesmal ein Quartillo, gleich 1265 Grammen.
Spuren von Chlorkalium und Chlormagnesium wurden in allen Wassern gefunden. In einigen der chilenischen Flußwasser auch Spur von Jod und Brom.
_Domeyko_ trennte durch Filtriren die suspendirten und fand in denselben.
Kieselerde 0.501 Eisen und Thonerde 0.351 Kalkerde 0.086 Vermit 0.062 ----- 1.000
[22] =Myopotamus Coypus.=
[23] Erst später erhielt ich aus den Sessionsberichten der Academie in Santjago eine Abhandlung von _Domeyko_, worin derselbe eine Analyse des Wassers veröffentlicht und zugleich einige Notizen über dasselbe giebt. Diesen Berichten ist ein weiterer beigefügt von =Dr.= _Veillon_ über die Wirksamkeit des Wassers. Da diese Mittheilungen ziemlich das Gegentheil von dem enthalten, was ich oben ausgesprochen habe, so erwähne ich ihrer nachträglich, weil mein Zweck bei allen meinen wissenschaftlichen Arbeiten sowohl wie bei den vorliegenden Skizzen der ist, die Wahrheit zu geben nach Kräften. _Veillon_ giebt glückliche Erfolge an, die er mit dem Wasser bei verschiedenen Krankheiten erhalten hat, welchen ich nicht widersprechen kann, wenn sie vielleicht gleichwohl in die Reihe derjenigen zu setzen sind, welche man häufig auch bei uns in ähnlichen Fällen beobachtet hat. Beim Gebrauche von solchen Bädern sind der Glaube, die veränderte Lebensweise und ein wenig guter Wille mächtige Agentien. _Domeyko_ indessen hat das Wasser analysirt, und die Arbeiten dieses tüchtigen Chemikers verdienen alles Vertrauen. In dem zum Trinken benützten Wasser fand er auf 1000 Theile Wasser:
=Chlor calcium= 2.165 =Chlor natrium= 1.177 =Chlor magnesium= 0.034 Schwefelsauren Kalk 0.052 Thonerde und Eisen 0.020 Kieselerde 0.035 Organische Substanz Spur ----- 3.483
Domeyko fand Spuren von Jod und Brom im Wasser, aber _Kupfer_ konnte er in keiner der Quellen finden. Die qualitative Zusammensetzung der Wasser ist gleich, sie variiren nur in quantitativer Beziehung.
Domeyko sagt ferner: =El aqua de Apoquindo es clara, cristalina, sin olor, de un sabor mui desagradable, dificil de describir etc.=, d. h. das Wasser von Apoquindo ist klar, kristallhell, ohne Geruch und von einem höchst unangenehmen, schwer zu beschreibenden Geschmacke. Hierzu habe ich nur zu bemerken, daß jene Quelle, welche mir als kupferhaltig bezeichnet wurde, allerdings einen eigenthümlichen üblen Geschmack besaß, die anderen Quellen aber, und eben so die Trinkquelle, sich nach meinem Dafürhalten im Geschmacke nicht von jedem andern guten Brunnenwasser unterschieden.
[24] In Chile nämlich. In Europa giebt es natürlich reizendere Damen und ohne Zweifel auch schauderhaftere alte Weiber jeden Alters und Geschlechts.
[25] Sie war in Chile nie sehr im Gebrauche. Mir scheint, als bethätige sich hier, was ich oben bei Brasilien über die Sklaverei ausgesprochen. In Chile, wo der Weiße arbeiten kann, war die Sklaverei nie sehr im Schwunge, durch die Einführung der Republik wurde sie gänzlich aufgehoben. Auch in Peru hat man Republik gemacht, aber die Sklaverei hat man gelassen. Der Transport der schwarzen Waare ist zwar aufgehoben, aber die einmal vorhandenen werden fortgezüchtet wie nützliche Hausthiere. Aber Peru liegt unter den Tropen.
[26] Es wurde vor drei Jahren eine Tuchfabrik in Santjago etablirt, sie ist jetzt bereits wieder eingegangen.
[27] Jeder Gegenstand, der im Hafen von einem Schiffe auf das andere gebracht wird, muß verzollt werden, als sei er am Lande verkauft worden. Streifende Boote der Zollwacht führen scharfe Aufsicht.
[ Hinweise zur Transkription
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Seite 58 unter 22° 22' westlicher Länge und 4° 58' südl. Breite unter 22° 22' westlicher Länge und 4° 58' nördl. Breite
Seite 70 Am 1. Juni (24° 5' Länge, 0. 38' nördl. Breite) sahen wir Am 1. Juni (24° 5' Länge, 0° 38' nördl. Breite) sahen wir
Seite 83 sich wenigstens an der Bogleine befestigen sich wenigstens an der Bugleine befestigen
Seite 92 ein Schälchen eingemachter Früchte zum Sonntagsfisch ein Schälchen eingemachter Früchte zum Sonntagstisch
Seite 102 aber leider später in Chili verloren habe aber leider später in Chile verloren habe
Seite 107 Schilderung des Aufenhaltes in Rio de Janeiro Schilderung des Aufenthaltes in Rio de Janeiro
Seite 149 am 21. Juli unter 56° Länge und 46° 54'' südl. Breite am 21. Juli unter 56° Länge und 46° 54' südl. Breite
Seite 180 trifft sich am häufigsten eine Nesselart (Losa acerifolia) trifft sich am häufigsten eine Nesselart (Loasa acerifolia)
Seite 246 Beziehung getroffen, Eine Greisin von unendlich hohem Alter Beziehung getroffen, eine Greisin von unendlich hohem Alter
Seite 285 Es giebt auch Mühleu, bei welchen Es giebt auch Mühlen, bei welchen]