Reise eines Erdbewohners in den Mars
Part 4
Nie war mir ein Gottesdienst rührender, nie ehrwürdiger vorgekommen, als dieser. Ha! in dem großen, offenen Tempel der Natur -- lauter lebende Bilder der wohlthätigen Schöpfung um uns her -- und das große würdige Bild der Gottheit im Angesichte -- ha! wie so anders empfindet, und betet man hier, als zwischen den Mauern, die wir Tempel nennen, vor einem grotesken Bilde der Gottheit und dem noch groteskeren eines vermumten Pfaffen! Ich kann nicht beschreiben, was ich hier empfand. Mein Herz schwoll von heiligen Empfindungen -- mir war, als säh' ich Gott -- im Ausbruche des Gefühls stimmten wir alle in das Lied ein -- warfen uns, von Empfindung hingerissen, mit den Uebrigen an die Erde -- und beteten mit Inbrunst.
Mein Herz war noch lange nachher so voll, daß ich auf unserem ganzen Rückwege kein Wörtchen sprach; nur empfand, und dachte. Ich hatte nun wieder eine Ursache mehr gefunden, die mir die Momolyten beneidenswerth machte. O drei und viermal glückliches Land! rief ich endlich voll Begeisterung aus: das keine Pfaffen, keine Aerzte, keine Soldaten und -- keine Könige hat!!!!
Gerne würde ich hier mein ganzes Leben zugebracht haben, wenn nicht der Gedanke an die Meinigen mich an meinen Planeten hingezogen hätte; wozu sich noch der fromme Wunsch gesellte: das, was ich hier gesehen und gehört hätte, zum Besten meines Vaterlandes zu benutzen. Vielleicht, dacht ich, wird einmal Warheit, durch Beispiele und Erfahrungen unterstützet, Eingang finden. Mein Entschluß ward dadurch beschleunigt, unmittelbar in mein Vaterland zurücke zu kehren, und die ^Videnda^ in der #Venus#, die mir mein Freund, der große Astrolog auf Erden in meine Schreibtafel notirt hatte, einem andern zu überlassen.
Ich theilte dies Vorhaben meinen Reisegefährten mit; und wir machten die nöthigen Anstalten zu unserer Rückkehr. Unser Wirth und alle Whashangauer verloren uns sehr ungerne, und drangen in uns, noch länger zu bleiben. Allein wir traten, ohne ferneren Verzug, wiewohl mit schweren und gepreßten Herzen, unsere Rückreise, unter allgemeinem Zusammenlaufe und Erstaunen des Volks, an, und verliesen vom lauten Zurufe der Segenswünsche begleitet, dies Land, wo noch itzt meine Sele oft im Dämmerscheine wandelt.
Ich will mich bei Beschreibung meiner Rückreise nicht aufhalten: sie liegt ausser meinem Plane. Genug: wir kamen nicht ohne Beschwernisse und Gefahren -- wobei die ganze Geschicklichkeit unserer Steuermänner nöthig war -- wieder zur Erde.
Das Erste, was ich nun hienieden thue, ist, diese merkwürdige Erzählung ganz neu den Mitbürgern meines Planeten vorzulegen, um sie zu überzeugen, #daß nur Natur und Einfalt warhaft glücklich machen#. O! mögten sie, durch Beispiele klug, diese große Warheit doch einmal erkennen, und befolgen! Wie reichlich würde ich mich für meine Reise belohnt halten!
Anmerkungen zur Transkription
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[S. 46]: ... eine gute That thue, haben mir Nachlaslassung ... ... eine gute That thue, haben mir Nachlassung ...