Part 12
Die arabischen Mitglieder der Sefua-Dynastie hatten sich im Laufe der Jahrhunderte derartig mit den verschiedenen hamitischen Elementen von Kanem vermischt, dass sie vollständig in ihnen aufgegangen waren. In der Folge fand durch Frauenraub eine weitere Vermischung der aus Kanem nach dem westlichen und südlichen Tschadseeufer gekommenen Stämme mit den Ureinwohnern statt, so dass heute die Bornu-Bevölkerung als eine besondere Mischrasse bezeichnet werden muss, die auch eine besondere Sprache, das Kanuri, spricht.
Der Verfall der Macht der Sefua datiert erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Sefua liessen sich um diese Zeit in schwere Kämpfe mit den Tuareg ein und hatten von ihnen alsbald sehr zu leiden. Im Jahre 1808 erlagen sie dann dem Andrange der von Westen, aus Sokoto, kommenden Fulbe. Ein gewisser Fakih Muhammed el Amin el Kanemi, aus Fezzan gebürtig, vertrieb zwar bald darauf die Fulbe, und das Bornu-Reich erhielt damit seine Selbständigkeit wieder. Aber seither fristeten die letzten Könige aus der Sefua-Dynastie unter seiner und seines Sohnes Omar Regierung nur mehr als Schattenfürsten ein kümmerliches Dasein bis gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts.
Fakih Muhammed, der das neue Herrschergeschlecht von Bornu begründete, legte im Jahre 1814 Kuka (Kukua) als Hauptstadt[87] an, die bald einer der volkreichsten Orte von Central-Afrika wurde. Der prunkende Hofhalt der Sefua wurde auch von den neuen Landesherrn übernommen.
Schon Muhammed el Kanemi hatte eingesehen, dass er mit seinen mehr und mehr verweichlichenden Kanuri[88] das im 18. Jahrhundert zu grosser Stärke gelangte und abtrünnig gewordene Baghirmi nicht wieder zur Botmässigkeit zwingen könnte, und er hatte daher die im Osten im Aufstreben begriffene Macht Wadai um Hilfe angerufen, die auch gern gewährt wurde. In der Folge riefen die Kanemiden mehrfach fremde Hilfe gegen ungehorsame Vasallen an. Aber zwischen den hilfsbereiten Wadaifürsten und den Kanemiden kam es zu Misshelligkeiten und zu Kämpfen, in denen die Sultane von Wadai siegreich blieben. Im Jahre 1846 konnte der Sultan Scherif, den dieses Mal die Sefua herbeigerufen hatten, sogar Kuka einnehmen und plündern. Seitdem bestand wieder Friede zwischen Bornu und Wadai. Die Folge dieser Treulosigkeit aber war, dass der letzte Schattenfürst aus der alten Sultansfamilie der Sefua, namens Ibrahim, hingerichtet und mit ihm die Mehrzahl seiner Verwandten getötet wurde. Damit hatte die mehr als tausendjährige Dynastie der Sefua ihr Ende erreicht.
Aber die Kanemiden verloren im Osten des Tschadsees ihren Einfluss mehr und mehr an Wadai, und im Westen und Süden machten sich kleinere Herren selbständig oder kamen in Tributverhältnis zu Sokoto. Dennoch hatte das altehrwürdige Bornu-Reich, welches lange Zeit der grösste und mächtigste Staat Innerafrikas gewesen war, immer noch wenigstens dem äusseren Anscheine nach eine gewaltige Ausdehnung. Bis zum Einbruche Rabehs grenzte Bornu im Süden und Westen an Sokoto. Im Osten des Tschadsees gehörte Kanem, das eigentliche Stammland von Bornu, einschliesslich Bulala, sowie Baghirmi zum Reiche. Aber diese nominellen Grenzen entsprachen schon längst nicht mehr den thatsächlichen Macht- und Tributverhältnissen.
Dem Fakih Muhammed el Kanemi war sein Sohn, der Schech Omar el Kanemi, im Jahre 1835 gefolgt. Die Kanemiden haben niemals die Bezeichnung Sultan geführt, sondern nannten sich Schech. Im Jahre 1845 konnte Omars Bruder Abd er Rahman die Herrschaft für kurze Zeit usurpieren. Der Schech Omar war es, welcher Barth, Rohlfs und Nachtigal eine glänzende gastfreundschaftliche Aufnahme in Bornu bereitete. Auf ihn folgten mit kurzen Regierungszeiten seine beiden Söhne Abu Bekr und Ibrahim und alsdann sein dritter Sohn Haschem, welcher im Jahre 1893, ein alter, schwacher Mann in einem morsch gewordenen Reiche, dem Ansturme Rabehs erlag. Abu Bekr II.[89], ein Sohn des älteren Abu Bekr, also ein Neffe Haschems, stellte sich nach des letzteren Niederlage eine kurze Zeit Rabeh entgegen und fiel auf dem Schlachtfelde. Darauf trat das siebenjährige Interregnum Rabehs ein. Erst der Ankunft der französischen Expeditionen am Tschadsee hatten die Kanemiden ihre Wiedereinsetzung auf den Thron ihrer Väter zu danken. Omar, anscheinend der älteste Sohn Haschems, war schon von der Foureau-Lamy’schen Expedition als König von Bornu anerkannt worden und wurde von Gentil nach dem Tode Rabehs als Herr seines Landes im Jahre 1900 eingesetzt, nach kurzer Zeit jedoch wieder entthront und auf französisches Gebiet deportiert. Ihm folgte sein Bruder Djerbai. Seit der Zerstörung Kukas durch Rabeh ist Dikoa die Hauptstadt von Bornu, und somit ist der Schwerpunkt dieses Reiches auf deutsches Gebiet verlegt.
Neben den unter direkter Verwaltung der Bornu-Könige stehenden Gebietsteilen, die sich im Westen und Süden des Tschadsees an dessen Ufer anschlossen, hatten sich zur Zeit des Einbruchs Rabehs noch im Tributverhältnis zu Haschem befunden: im Südosten des Tschadsees die Kotoko mit dem Sultan Wagaia Ibn Ogari, die Makari mit dem Sultan Barao Ibn Joga, das Städtegebiet von Logon, Kusseri und Gulfei, am linken Schari-Ufer, mit dem Sultan Musa, ferner die verschiedenen arabischen nomadisierenden Stammesteile, von denen insbesondere die Schoa unter den Schechs Musa und Dahman Beachtung verdienten; weiter im Süden die verschiedenen Musgu-Schechs, deren Gebiete in erster Linie als Jagdrevier für zu erbeutende Sklaven betrachtet wurden. Im Westen des Reiches waren als Vasallenländer von Bornu zu nennen: Beddi mit dem Sultan Babudja ibn el Hadj, Gumel mit dem Sultan Babankoa Waled ‘Abdullahi, Zinder mit dem Sultan Matschema Ahmadu.
[86] Auch im westlichen Sudan gab es Reiche, deren Gründung vor der Hedjra liegt, die aber schon frühzeitig, etwa im dritten Jahrhundert der muhammedanischen Zeitrechnung den Islam angenommen haben; es sind dies die Reiche Ghana, Melle und Songhai.
[87] Eine zeitlang hatte er vorher in Dikoa, der von Rabeh gewählten Hauptstadt, residiert.
[88] Den Kanuri wird von allen Reisenden, die mit ihnen zusammengekommen sind, im Gegensatze zu den übrigen Völkerschaften Inner-Afrikas, den arabischen und berberischen Stämmen der Sahara, den verschiedenen Tibbu- und Wadai-Leuten, den Fulbe und Tuareg, besondere Liebenswürdigkeit und ein hohes Mass religiöser Duldsamkeit nachgerühmt.
[89] Haschem wurde von seinem Neffen Abu Bekr II. nach seiner Besiegung durch Rabeh getötet. Nach dem muhammedanischen Rechte der Vererbung des Thrones im Grundsatze des Seniorats war Abu Bekr nach seines Vaters Tod zweimal zu Gunsten seiner beiden Oheime Ibrahim und Haschem übergangen worden.
6. Sokoto.
In dem Gebiete, welches das heutige Sokoto-Reich umfasst, regierten bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts eine Anzahl grösserer und kleinerer Fürsten, die zum überwiegenden Teile Haussa waren und über Haussa herrschten. Das Reich von Sokoto wurde erst im Jahre 1802 geschaffen durch einen muhammedanischen Fulbe-Schech, Osman ibn Faudani (Dan Fodio), der unter kluger Benutzung des religiösen Moments der Begründer der jetzt regierenden Dynastie wurde.
Die Fulbe hatten ihre ersten geschichtlich nachweisbaren Wohnsitze im westlichen Afrika, in Senegambien, und haben von dort aus in der Zeit unseres Mittelalters ihre Wanderung nach dem Osten nach und nach vollzogen. Im 15. Jahrhundert finden wir sie schon in starken Verbänden bis nach Baghirmi hin, wo sie im Osten des Schari ein kleines Fürstentum begründen konnten. Ihre weitere Wanderung wurde von Arabern, die von Osten her kamen, und noch kriegerischer waren als sie selbst, aufgehalten. Sie bildeten und bilden übrigens überall in Innerafrika nur verstreute grössere oder kleinere Gemeinden, aristokratische Bettler, stolz auf ihre Waffentüchtigkeit, dank welcher sie ihre vorherrschende Stellung bewahren konnten. Die Fulbe sind schon seit einer Reihe von Jahrhunderten muhammedanisch geworden.
Osman ibn Faudani starb im Wahnsinn im Jahre 1817. Der eigentliche Organisator von Sokoto, das vom mittleren Niger bis fast zum Tschadsee sich erstreckte, wurde sein Sohn Muhammed Bello (1817-1837 oder 1838). Schech Osman gilt heute noch nach seinem Tode als heilig, er wie seine Nachkommen führen die stolze Bezeichnung Emir el Mumenin („Beherrscher der Gläubigen“).
In dem für unsere Kamerun-Kolonie wichtigen mittleren und oberen Benuë-Gebiet hatte sich der Fulbe-Häuptling Adama in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts aus den Trümmern des alten Heidenkönigreiches Fumbina ein muhammedanisches Reich zusammen erobert, das nach ihm den Namen Adamaua erhielt. Er erkannte die geistige Oberhoheit des Sultans Muhammed Bello von Sokoto als Emir el Mumenin an, und seither zahlen die Emire von Yola Sokoto ihren Tribut.
Allerdings ist die Herrschaft der Fürsten oder Kaiser von Sokoto, wie sie in europäischen Büchern häufig genannt werden, vor allem in den weit ab von der Residenzstadt Sokoto gelegenen Gebieten nicht mehr eine so strenge und straffe, wie sie unter den ersten Fürsten dieses Hauses geübt wurde, immerhin haben die Vasallen von Sokoto im Westen von Bornu im Kriege mit Rabeh zweifellos einer Aufforderung der Centralgewalt folgend, sich zum Bündnis gegen den aus dem Osten kommenden Eroberer zusammengeschlossen. Als unmittelbare Tributärstaaten von Sokoto in der Nähe des Tschadsees, also in der Nähe der Grenzen des Sultanats Bornu, seien die folgenden genannt: Kano mit dem Sultan Ali ibn Abdallah;[90] Katsena (Katschina) mit dem Sultan Abu Bekr ibn Ibrahim ibn Rifa‘i; Katsauri mit dem Sultan Dambo ibn Zakarija; Daura mit dem Sultan Danda ibn Soliman; Chadidja mit dem Sultan Na‘am ibn Bochari; Katagum mit dem Sultan ‘Abdo ibn Djebril; Misau mit dem Sultan Mudibo ibn Salich; Gombe mit dem Sultan Hasan ibn Gauranga; Bautschi mit dem Sultan Omar ibn Soliman;[91] Adamaua mit dem Sultan Zuber. Der Letztere wurde von den Engländern im Jahre 1901 aus Yola vertrieben und durch seinen Bruder Achmed ersetzt. Ein Teil der genannten Staaten steht nicht nur im Tributverhältnis zu Sokoto, sondern gleichzeitig auch zu dem Sultan von Kano, der selbst wieder einer der Vasallen der Kaiser von Sokoto ist. Ebenso wie der Sultan von Kano ist der Schech von Gando Vasall des Kaisers von Sokoto und gleichzeitig wiederum der Tribut empfangende Oberherr einer Reihe anderer kleiner Fürsten. Sein Gebiet liegt im Südwesten von Sokoto, und seine selbständigere Stellung datiert schon seit dem Tode des Osman Ibn Faudani, dessen Bruder der erste Herr von Gando wurde.
Nachstehend sei die Genealogie des Fürstenhauses von Sokoto wiedergegeben, soweit sie für diese Darstellung in Betracht kommt. Die regierenden Fürsten von Sokoto sind in der Reihenfolge, in welcher sie auf den Thron gelangten, numeriert.
1. Osman Ibn Faudani. | +-----------------------------------+------------------+ | | 2. Bello.* 3. Atiko (Abu Bekr.) | | +-----------------------------------------+ +----------+ | | | | 4. Aliu. 6. Ali es 8. Abu Bekr. 9. Ma‘azo 5. Achmed. 7. Abdo. | Sarir. | Sa‘id. 10. Omar. 11. Abdo | (jetzt Haiatu regierend). | Mundjeli
* Bello und Atiko hatten noch fünf andere Brüder, von welchen Nachkommenschaft heute vorhanden sein soll. -- Eine merkwürdige Weissagung in Afrika erzählt, dass die Familie der regierenden Dynastie von Sokoto mit dem dreizehnten Fürsten erlöschen werde.
[90] Ali ist ein Neffe des vor wenigen Jahren verstorbenen Kanosultan Muhammed Bello.
[91] Die Hauptstadt dieses Staates, Yakuba, führt ihren Namen nach einem früheren Herrn, der sich Yakub nannte.
Anhang.
Karawanenstrassen im Tschadseegebiet und im Sudan.
Das Bild der im letzten Jahrhundert am meisten begangenen Karawanenstrassen zwischen dem Mittelmeere und den Saharaländern stellt sich wie folgt dar:
Im fernen Westen eine Strasse, die aus Marokko nach Timbuktu und weiter führt.
Dann von Tripolis fächerartig ausgehend eine Reihe von Strassen, nämlich:
1. von Tripolis nach Ghadames und südwestwärts nach den Oasen im Süden von Algerien und nach Timbuktu;
2. von Tripolis über Ghadames und Ghat nach Zinder und von hier aus südwestwärts nach Sokoto, südwärts nach Kano und südostwärts nach Bornu;
3. von Tripolis direkt südwärts über Murzuk nach dem Tschadsee und Bornu;
4. von Tripolis südostwärts über Tibesti und Borku nach Wadai und Darfur;
5. von Tripolis bezw. Benghazi nach der im Süden von Benghazi gelegenen Oase von Djalo und alsdann direkt südwärts durch die Libysche Wüste über Kufra nach Wadai u. s. w.
Endlich weit im Osten der Darb el Arbain, die „Strasse der 40“ (Tagesmärsche)[92], die bei Siut[93] den Nil verliess, um über die Oase Chargeh südwärts eine dem Nil parallel laufende Oasenkette, deren südlichstes Glied die Oase Selime südwestlich von Wadi Halfa ist, zu passieren und dann in südsüdwestlicher Richtung quer durch den östlichen Teil der Libyschen Wüste nach Kobeh in Darfur und nach Wadai zu führen. Diese des Wassermangels wegen stellenweise sehr gefährliche Strasse ist seit dem Ausbruch der mahdistischen Unruhen vollständig ausser Verkehr gekommen. Ihre Erbschaft werden jetzt ohne Frage der Nil selbst mit seinen Dampfern und die an seinen Ufern laufenden Eisenbahnen übernehmen.
Im Folgenden seien die Itinerare der aus den Tschadseeländern nach dem Meere führenden Karawanenstrassen, welche in jüngster Zeit am häufigsten begangen wurden, wiedergegeben; nämlich:
I. nach Mitteilungen eines Fulbe-Mannes: die Route von Sokoto nach Kano und sodann über Zinder nach Agades, Ghat, Ghadames und Tripolis;
II. nach Mitteilungen eines Pilgers aus Mandara, der seine Mekkafahrt zur Zeit, als die Derwische noch im egyptischen Sudan herrschten, angetreten hat, die Route von Mandara im Süden des Tschadsees über Wadai und Darfur nach Omdurman, Berber, Suakin und Djedda;
III. nach Mitteilungen eines Mudjberi aus Djalo, dessen Vater sich im Lager Rabehs in Dikoa befand: die Route von Benghazi und Djalo über Goru durch Kanem nach dem Süden des Tschadsees;
IV. nach Mitteilungen eines Mannes aus Wadai: Die Route von Benghazi nach Abeschr, der Hauptstadt von Wadai.
V. nach Mitteilungen eines Mannes aus Darfur: die Verbindungslinie von der Hauptstadt von Wadai nach Kuka, der alten Hauptstadt von Bornu.
[92] 40 ist eine der Ziffern, mit welcher die Araber eine grosse Zahl ausdrücken wollen, ohne diese genauer anzugeben.
[93] Zahlreiche Ruinen des muhammedanischen Mittelalters sprechen für die Bedeutung von Siut als Handelsstapelplatz in früheren Jahrhunderten.
I. Von Sokoto über Zinder nach Tripolis.
1. Sokoto; 2. Malamaua; 3. Ghāra; 4. Gaudi; 5. Dambo; 6. Gora; 7. Kaula; 8. Kamaui; 9. Umadau; 10. Wurma; 11. Karōfi; 12. Djaza; 13. Rattā; 14. Kameï; 15. Dumbulum; 16. Jōfa; 17. Bagueï; 18. _Kăno_; 19. Daumfami; 20. Garungodinja; 21. Djigāmā Āba; 22. Bābūră; 23. Djingāz; 24. Gusāu; 25. Schanschandi; 26. _Zinder_; 27. Sangīlō; 28. Waufī; 29. Kojāubaua; 30. Damargu; 31. Fāuārī; 32. Dogŏndāzi; 33. Bōdŭnga; 34. Egĭdo; 35. Tumba; 36. Tīgără; 37. Nogarāua; 38. Āgădes; 39. Ghat; 40. Ghadāmes; 41. Tripolis.
II. Vom Süden des Tschadsee über Wadai nach Omdurman und Djedda.
1. Rukāmi in Mandăra-Dungāmi (5 Tage zu Fuss); 2. Dungami-Djīna (5 Tage), gehört zu Logon; 3. Djīna-Logon (3 Tage); 4. Logon-Massenja (7 Tage); 5. Massenja-Moï̄to (3 Tage), gehört zu Baghirmi; 6. Moï̄to-Bulāla (5 Tage), Sultan: Baikŭm, gehört zu Baghirmi; 7. Bulāla-Mudagō (3 Tage), Sultan: Djebrīn, gehört zu Wadai; 8. Mudagō-Borku (Abeschr) (15 Tage), damals Sultan: Jusuf; 9. Borku-Turdja (15 Tage), dort Grenze von Wadai gegen Tāma, Sultan: Muhammed; 10. Turdja nach Tāma (7 Tage), unabhängig; 11 Tāma-Masālīt (12 Tage), unabhängig, Sultan: Abu Bekr, gehörte früher zu Fōr; 12. Masālīt-Fāscher (13 Tage), (damals unter dem Derwisch-Emir: Mahmūd) Fāscher-el Obeid (25 Tage, weil Gewährsmann von den Derwischen als Gefangener herumgeschleppt wurde); 14. el Obeid-Djebel Hille (8 Tage), gehörte dem Chalifa; 15. Djebel Hille-Omdurman (23 Tage); 16. Omdurman-Berber (13 Tage); 17. Berber-Suākin (9 Tage); 18. Suākin-Djedda (7 Tage). -- Die Marschzeiten insbesondere nach Abeschr sind nicht kritisch zu nehmen.
III. Von Benghazi und Djalo über Goru durch Kanem nach dem Süden des Tschadsees.
Benghazi-Djalo (8 Tage). Djalo-Bir Bu Tafal (1 Tag). Bir Bu Tafal-Sighen (7 Tage ohne Wasser). Sighen-Kufra (4 Tage ohne Wasser). Im grossen Oasenbezirk von Kufra ist der nördlichste Brunnen Hauari. Hauari-Djōf (6 Stunden). Eine halbe Stunde im Nordosten von Djōf liegt et Tadj, die frühere Senussi-Residenz, auf einem Berge. Die Zauija el Ustad mit einer grossen Medrese befindet sich in Djōf selbst. Djōf-Bir Tulāb (6 Stunden). Bir Tulāb-Bir Bischre (3 Tage ohne Wasser). Bir Bischre-Tekro (8 Tage ohne Wasser). Hier beginnt das Gebiet der Tibbu (Gura‘ān). Die Gegend von Tekro ist gebirgig. Der Ort hat etwa 200 Tibbu-Häuser. Es wird hier Salz gewonnen. Nunmehr wird die grosse, südwärts nach Abeschr, der Hauptstadt von Wadai, führende Strasse verlassen. Man wendet sich südwestwärts nach Goru (4 Tage). Der Ort liegt bereits in dem zu Wadai im Tributverhältnis stehenden Gebiete Borku und zwar in gebirgigem Gebiet, das hauptsächlich von Tibbu (Gura‘ān), aber auch von nomadisierenden Arabern bewohnt wird. Goru ist gegenwärtig der Centralsitz des Oberschechs der Senussi. Goru-Enguri im W. (3 Tage), 50 Gura‘ān. Enguri-Tiki Bidi im S.W. (1 Tag). Tiki Bidi-Kėrdimēl im S.W. (1 Tag). Kėrdimēl-‘Aīn Kalaka (1 Tag), fliessendes Wasser, warme Quelle, Dattelanpflanzungen, zahlreiche Äcker, neue grosse Senussi-Zauija.
Immer weiter W.S.W. führt der Weg darauf über welliges Gebiet, das dem Hamād der syrischen Wüstensteppe nicht unähnlich sein muss. Nach 3 Tagen wird die Wasserstelle ed Dōma erreicht mit reichlichem Kamelfutter. Darauf marschiert man 6 Tage lang durch eine Ebene mit vorzüglichem Kamelfutter nach Wādī ‘Agai. Das grosse wasserreiche Gebiet des Wādī ‘Agai wird von Gura‘ān bewohnt. Es beginnt schon etwa am zweiten Tagemarsche nach ed Dōma. Dann folgen 3 Tagemärsche ohne Wasser, bis im Gebiete von Kanem die erste Wasserstelle: Abū Fumēn (2 Brunnen)[94] erreicht wird. Auch hier finden sich noch zahlreiche Gura‘ān neben den Waled Solimān-Arabern, welche die Vorherrschaft haben. Das Land Kanem ist eine Ebene von vielen Wadis (im Sommer ausgetrockneten Bachläufen) durchzogen. Von ed Dōma hatte sich der Weg südwestlich gewendet. Am ersten Tage nach Abu Fumēn gelangt man nach Nīre, wo der Oberschech der Waled Solimān, Rēt, der Sohn des ‘Abd el djelīl, welch letzterer vor zwei Jahren gestorben ist, sich befand. Dann 1 Tag bis Wādī Nahl, dann 1 Tag bis Māo, einer grossen, dauernden Niederlassung, wo ein Unterschech von Rēt residiert. Südwärts und nach 3 Tagen kam mein Gewährsmann in das Hauptlager der Dekena, eines von Wadai abhängigen, dunkelfarbigen arabischen Stammes. Von hier sollte es nur mehr 2 Tage bis zum Schari nach Gulfeï sein. Der Tschadsee wurde auf dieser Route nicht berührt. Bemerkenswert ist, dass in Māo eine Medrese der Senussi im Entstehen begriffen war. Sowohl Gura‘ān wie Waled Solimān leben gegenwärtig in Behausungen, die Buschije genannt werden, Hütten aus Palmenblättern, welche wie Zelte abgeschlagen und transportiert werden können. Die Region mit solchen Hütten beginnt auf der beschriebenen Strasse bei Tekro.
[94] Das Killari bei Nachtigal Bd. II, S. 314.
IV. Von Benghazi nach Abeschr, der Hauptstadt von Wadai.
Von Benghazi, wie auf vorhergehender Route, über Djalo durch die Libysche Wüste nach Tekro. Im Süden von Tekro beginnen bald zahlreiche Wadis, Wasserläufe, die im Sommer meist trocken sind, in denen aber Ziehbrunnen überall genügendes Wasser geben. Infolge dessen giebt es mehrere Karawanenstrassen von Tekro nach Wadai. Eine vielbenutzte geht über el Obeid-Wadjanka-Badadi (grosser Ort) nach den Salzgebieten von Fanfan und Wete und dann über Hawasch und Umm esch Schu‘lūba nach Arādah. Zwischen Badadi und Arādah streift der mächtige Stamm der Maḥamīd, hellfarbige, typische Araber. Ihr Schech in dieser Gegend ist Muhammed ibn el Hakkar. Sein Sitz ist im Sommer Arādah, im Winter lebt er in Mattenzelten mehr nördlich.
Von Arādah führt die Strasse weiter nach Wara, der alten Hauptstadt von Wadai und nach Abeschr. Die Marschzeit beträgt von Benghazi nach Djalo etwa acht Tage, von Djalo nach Kufra zwölf Tage, von Kufra nach Tekro gleichfalls etwa zwölf Tage und von Tekro nach Abeschr etwa 18 Tage.
V. Von Abeschr nach Kuka, der alten Hauptstadt von Bornu.
1. Abeschr (1 Tag); 2. Nimro (1 Tag); 3. Kaltaki (2 Tage); 4. Batha (4 Tage); 5. Fitri (2 Tage); 6. el Ḥodjār (2 Tage); 7. ed-Deḳenā (1 Tag); 8. Baḥr schārī (Tschad) (1 Tag Bootfahrt); 9. G̣ulfeï (1 Tag); 10. Makări (2 Tage); 11. Zeïe (2 Tage); 12. Kūka.
Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin W.
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