Quer Durch Borneo; Zweiter Teil
Chapter 42
Man brachte mir wieder eine grosse Menge Flaschen, um sie mit Arzneien zu füllen, und auch der alte Mann, der an der Mündung des Danum auf mich gewartet hatte, liess mich durch seinen Enkel, den er zu diesem Zwecke mitgesandt hatte, wieder um die Arznei bitten, die seine Hautkrankheit zum grossen Teil bereits geheilt hatte.
Der vertrauliche Umgang mit den Besuchern weckte eine gute Stimmung vor der eigentlichen Versammlung; bei alledem vergassen wir ganz unser Frühstück, das _Midan_ bei dem grossen Zulauf ohnehin nur mit Mühe hatte zubereiten können. Zum grossen Tagesereignis, der politischen Versammlung, holten uns die vornehmsten Ältesten von Tanah Putih in die _awa_ von _Bui Djalong_ ab, wo wir uns vorläufig versammelten, um uns dann gemeinsam in das Haus und die _awa_ seines ältesten Bruders _Bo Anjè_ zu begeben. Dort fanden wir bereits eine grosse auf dem Boden kauernde Gesellschaft vor, während man uns mitten an der Vorderseite auf unseren Klappstühlen Plätze anbot. Die erste Stunde verging mit gemütlichem Plaudern, dem Essen von gekochtem Klebreis mit Schweinefleisch (man verzehrte ein ganzes, grosses Schwein bei dieser Mahlzeit) und dem Trinken von _djakan_, dem sehr guten Reiswein der Kenja. Nachdem alle befriedigt waren, merkte ich, dass sie von mir die Eröffnung der Versammlung erwarteten, auch beantwortete _Bui Djalong_ meine Frage, ob ich den Anfang machen sollte, mit einem Kopfnicken. Um den Eindruck meiner Worte zu erhöhen, begann ich damit, der Versammlung den Unterschied in den Rechten klar zu legen, die einerseits der Radja von Serawak, andererseits die Niederländer auf den Grundbesitz auf Borneo zu erheben hatten, und erwähnte dabei speziell den letzten Vertrag zwischen den beiden Mächten, welcher die Wasserscheide zwischen den Flüssen der Nord- und denen der Ostküste als Reichsgrenze bestimmte. _Kwing Irang_ hatte mir bereits im Jahre 1896 zu verstehen gegeben, dass er diesen Vertrag kannte. Ich hatte auch gemerkt, dass man keine klare Vorstellung davon hatte, dass die _tuwan putih_ (weissen Herren), die am Long Mekam (Mahakammündung), am Long Kelai (Berouw) und Long Kedjin (Kajan) wohnten, alle zu unserer Nation gehörten, was ihre Überzeugung von unserer Macht sehr bestärkte. Hieran knüpfte ich an, dass wir vom Kajan aus auch auf die Uma-Alim würden Einfluss ausüben können; doch fügte ich auch jetzt ausdrücklich hinzu, derartige eingreifende Massregeln sowie eine definitive Festsetzung in ihrem Lande hingen erst von einer Besprechung mit den Autoritäten in Batavia und Europa ab. Dann kam ich auf den Hauptgegenstand der Beratung, die Fehden am Mahakam zu sprechen, besonders auf die Kopfjagden am Tawang und Medang, an denen die Uma-Bom zum grössten Teil die Schuld trugen. Die Ereignisse selbst als bekannt voraussetzend berichtete ich, dass in diesen Angelegenheiten der Sultan von Kutei für die Kenja am Tawang, der Assistent-Resident von Kutei für die Bewohner am Mahakam und Barito Partei ergriffen hätten und dass ich gekommen sei, um zu hören, welche Entschädigung die Uma-Tow und Uma-Djalan für den Mord am Tawang verlangten und welche Busse die Uma-Bom ihrerseits für die Kopfjagden von _Taman Dau_ bezahlen wollten. Was die erste Angelegenheit betreffe, so sehe ich ein, dass sie für die Ermordung von _Bui Djalongs_ Enkel von den Kenja am Tawang einen Sklaven fordern würden, doch könnten in diesem Fall weder der Sultan noch die Niederländer zu einer friedlichen Schlichtung der Fehde beitragen, wenn man uns nicht die absolute Sicherheit böte, dass der Mann nicht getötet werden würde. Ohne auf die von den Uma-Bom in den letzten zwei Jahren verübten Missetaten zu viel Nachdruck zu legen, ergriff ich die Gelegenheit, um nochmals deutlich auseinander zu setzen, wie wir Niederländer über derartige hinterlistige Handlungen dachten. Hatte ich mich in Long-Deho von der Stimmung des Augenblickes hinreissen lassen, so steuerte ich hier im Bewusstsein, dass ein offenes Wort nicht schaden würde, direkt auf mein Ziel los. Ich hatte die Kenja als ein Volk kennen gelernt, das die Dinge beim rechten Namen zu nennen pflegte, ausserdem war ich überzeugt, dass alles, was ich sagte, den Vornehmsten unter ihnen bekannt war und meine offen geäusserte Entrüstung ihnen natürlicher erscheinen würde, als wenn ich vorsichtig um den Kern der Sache herumgegangen wäre. Ich beschrieb ihnen in grossen Zügen die Folgen ihrer Handlungsweise und wies darauf hin, dass hauptsächlich die Frauen und Kinder unter den unsicheren Zuständen im Lande litten und nicht die Übeltäter sondern unschuldige Leute ihres Stammes oder eines anderen der Rache zum Opfer fielen, worauf mir einige zustimmend zunickten. Wie früher in Long Deho, begann ich auch hier an dem Beispiel des _Taman Dau_, der dicht vor mir sass und ein böses Gesicht aufsetzte, zu beweisen, dass in unseren Augen erstens das Töten weniger wehrloser Menschen durch eine Übermacht eine unwürdige Tat sei und dass zweitens _Taman Dau_ sich zum Schaden seines Volkes und Stammes durch schlaue Mahakam- und Tawanghäuptlinge, die bei den Malaien an der Küste in der Lehre gewesen wären, dazu habe gebrauchen lassen, deren persönliche Rachegelüste zu befriedigen. Während meiner sehr langen Rede hatte Totenstille geherrscht; mein Mahakamgeleite sass vor Schreck aschgrau und bewegungslos da, weil ich eine derartige Sprache gegen so viele mächtige Häuptlinge, die wohl 1500 Krieger aufstellen konnten, zu führen wagte. Eine Zeitlang herrschte allgemeines Geflüster, dann machte der eine oder andere eine Bemerkung in Busang, aus der ich ersah, dass man mich gut begriffen hatte. Endlich gab _Bui Djalong_ als Vertreter aller zu verstehen, man habe zwar nicht alles, aber doch vieles von meinen Worten begriffen, nur habe man erwartet, dass ich die noch ungelösten Konflikte den Kenja aus dem Wege räumen würde, was ich jedoch leider nicht getan hätte. Ich merkte aber an dem vergnügten Lächeln des Häuptlings, dass mein offenes Auftreten ihm im Stillen sehr gefiel; er war übrigens früher selbst sehr energisch und kampfeslustig gewesen, wurde aber jetzt in seinem Streben, mit den Nachbarn Frieden zu stiften, besonders von den Uma-Bom gehindert, gegen die er nicht kraftvoll genug auftreten konnte.
Um den betroffenen Parteien die Sache nicht zu schwierig zu machen, gab ich in Erwägung, dass einige Kenja mich bei meiner Rückkehr zum Mahakam begleiten sollten, um die Tawangaffaire dort weiter zu behandeln, und wir die ferneren Angelegenheiten, besonders die der Baritostämme, dem Kontrolleur in Udju Tepu überlassen sollten. Hierin stimmten mehrere zu, ferner wollte man abends allen, die kein Busang verstanden, meine Worte erklären. Als allerhand Nebensachen zur Sprache kamen, die für mich kein Interesse hatten, hielt ich es für das Beste, nach Hause zu gehen; es war übrigens schon halb fünf Uhr nachmittags geworden. Abends kam _Lalau_, um mich mit bedrücktem Gesicht namens _Kwings_ und _Bui Djalongs_ zu bitten, in Zukunft nicht mehr so scharf zu sprechen und besonders nicht so stark auf einen Schadenersatz seitens der Uma-Bom zu dringen.
Des anderen Morgens traten der Reihe nach zuerst die Leute von Uma-Djalan, dann die Uma-Tow von Long Nawang bei mir ein, um Geschenke zu empfangen, da am vorigen Morgen hierfür keine Zeit geblieben war. Kaum waren wir hiermit fertig, als man mich zu meinem grossen Missvergnügen zu einer neuen Versammlung rief, deren Notwendigkeit ich nach den langdauernden und ernsthaften Beratungen am Tage zuvor nicht einsah. Die ernsten Mienen der Männer machten eine Weigerung jedoch unmöglich.
Zu dieser neuen Versammlung auf _Bui Djalongs_ _awa_ hatten sich noch mehr Menschen eingefunden als zu der ersten, und bald zeigte es sich, dass die Kenja wichtige Angelegenheiten viel ernsthafter zu behandeln verstanden, als wir uns vorgestellt hatten. Man begann wieder damit, allgemeine Gespräche zu führen, zu essen und Reiswein zu trinken, der entsprechend der Würde der anwesenden Häuptlinge von den ältesten Mantri herumgereicht wurde. _Demmeni_ und ich erhielten unseren Teil zuerst und zwar in sehr reinen Gläsern, die übrigen in Schalen, die sie der Reihe nach austranken. Nachdem die Anwesenden einen grossen Topf geleert hatten, nahm die Versammlung einen sehr sachlichen und feierlichen Charakter an, indem sie von _Bui Djalong_ nach strenger Etikette geleitet wurde, wobei niemand selbständig auftreten durfte; also ganz anders als am vorigen Tage, wo jede Leitung gefehlt hatte. Zwei der ältesten Mantri fungierten als Zeremonienmeister in geradezu musterhafter Weise. _Bui Djalong_ erklärte, man sei zusammen gekommen, um die Ansichten aller Häuptlinge über die gestern besprochenen Angelegenheiten zu vernehmen, und man erwarte, dass ich am heutigen Tage nicht selbst sprechen, sondern nur anhören sollte, was die übrigen zu sagen hätten.
Hierauf wurden die verschiedenen Wortführer der anwesenden Stämme nach dem Range aufgefordert, ihre Ansicht über die vorliegenden Fragen zu äussern. Zum Zeichen, dass jemand das Wort erteilt wurde, brachte ihm ein junger Kenja ein Glas Reiswein, das ein Mantri gefüllt hatte; dieser wies zugleich auch die Person an, die zu sprechen hatte. Während letztere das Glas leerte, liessen alle Anwesenden einen feierlichen Ruf ertönen. Der Aufgeforderte begann dann sogleich seine Rede, die ich nicht verstand, da sie in einem der Kenja-Dialekte gehalten wurde. Einige Redner gaben in ruhigem Ton und mit kurzen Worten ihre Meinung zu verstehen, andere bemühten sich, Eindruck zu machen und ergingen sich in ausführlichen Betrachtungen. Zum Schluss suchten alle Redner ihren Worten dadurch ein besonderes Gewicht beizulegen, dass sie plötzlich aufsprangen, einige Mal durch Springen und Stampfen mit beiden Füssen gleichzeitig die Bretterdiele erdröhnen liessen und zugleich mit beiden gebogenen Armen in die Seiten schlugen unter dem wiederholten Ruf: "_ba, ba_!"
Wenn dieses Schauspiel auch sehr sonderbar wirkte, so machten doch der grosse Ernst aller Anwesenden und das strenge Zeremoniell einen grossen Eindruck, trotzdem wir das Gesprochene nicht verstanden. Dazu trug die ganze Versammlung nicht den kriegerischen Charakter wie bei den Bahau, da unter allen Anwesenden keine einzige bewaffnete Person zu sehen war.
Wie man uns später erklärte, gingen die Meinungen der Versammlung bezüglich der Frage, ob man es mit den Niederländern halten sollte, die Ordnung und Recht handhaben wollten, oder ob die alte _adat_ mit dem Recht des Stärksten in Geltung bleiben sollte, anfangs auseinander. Die Vertreter der Niederlassungen Tanah Putih, Uma Tokong und Uma Djalan waren der ersten Ansicht, während die Uma-Bom, Uma-Bakong und die Uma-Tow von Long Nawang nicht sogleich geneigt waren, das Schwert in die Scheide zu stecken. Für die Einsicht der Versammelten sprach, dass sie nur die Hauptfrage, die Annahme oder Ablehnung der niederländischen Oberherrschaft behandelten und dass sie die Konflikte im Mahakamgebiet überhaupt nicht mehr zur Sprache brachten. Auf die Stimmung am Ende wirkte bestimmend, dass _Bit_, _Bui Djalongs_ Schwiegersohn, und ein Ältester aus Tanah Putih als des Häuptlings Meinung zu erkennen gaben, dass, wenn die übrigen ihre Kampfgewohnheiten nicht ablegten, die Uma-Tow und andere in unserer Gesellschaft zum Mahakam auswandern wollten, um sich dort niederzulassen. Nachdem sich der vornehmste Häuptling so bestimmt auf unsere Seite gestellt hatte, wurden auch die Äusserungen der anderen friedliebender.
Die verschiedenen Redner hatten alle der Reihe nach gesprochen und dabei zwei sehr grosse Töpfe voll _djakan_ geleert, als _Bui Djalong_ noch einen dritten, kleineren kommen liess, ihn selbst unter die Hut nahm und aus ihm die Gläser füllte. Während wir vorhin reichlich Zeit gehabt hatten, die Eigentümlichkeiten der Redner zu beobachten und uns im Mitsingen des Refrains, den die Versammlung bei jedem neuen Glase wiederholte, zu üben, wurde unser Interesse jetzt ganz von der Feierlichkeit der Zeremonien in Anspruch genommen.
Bevor der Häuptling den Topf öffnete, den er den Anwesenden als ein Geschenk von _Kwing Irang_ und uns bezeichnete, hielt er an seine nächste Umgebung aus vornehmen Häuptlingen und Wortführern in gedämpftem, sehr ernstem Ton eine Ansprache, und fragte, ob sie durch einen Trunk aus diesem Gefäss sich für den neuen Stand der Dinge entscheiden wollten. Nach der zustimmenden Antwort aller öffnete er das Gefäss und stimmte darauf einen Gesang an, in dem er berichtete, dass dieser _djakan_ von den Weissen stammte, die gekommen seien, um das Dasein der Kenja zu verbessern, und dass nun neue Zeiten anbrechen würden. Nachdem der Gesang, der in sehr eindrucksvollem, männlichem Ton vorgetragen wurde, beendigt war, erhielt einer der unmittelbar neben uns Sitzenden ein Glas, das er unter dem gebräuchlichen Ruf der Versammlung leerte. Erst hatte jeder von uns ein Glas trinken müssen, dann nur die ältesten, vornehmsten Häuptlinge, den jüngeren wurde überhaupt nichts angeboten. Nach Ablauf dieser Zeremonie ergriff _Bui Djalong_ selbst das Wort in der Kenjasprache, von der wir wieder nichts verstanden, doch merkten wir an seiner fliessenden, deutlichen Sprache, dass er der beste Redner war. In überzeugendem Ton gab er seinen Gefühlen in einer sehr langen Rede Ausdruck. Zum Schluss sprang er dicht neben uns auf, arbeitete mit Armen und Beinen, dass der Grund erzitterte, gleichsam wie erregt von den eigenen Worten, worauf er augenscheinlich noch kurz über uns und _Kwing Irang_ sprach, die er der Reihe nach berührte und für seine Freunde erklärte.
Nach dem Häuptling führte keiner mehr das Wort, aber ein grosses Bündel Schwerter und einige Schilde wurden hereingebracht und vor _Bui Djalong_ niedergelegt. Zu unserem nicht geringen Erstaunen wurden sie alle unter uns verteilt, zur Besiegelung des neuen Freundschaftsbundes. _Kwing Irang_ erhielt von _Bui Djalong_ einen gleichen Schild mit Haaren, wie _Bo Anjè_ ihm mir früher geschenkt hatte. Ich wurde von ihm und von jedem der Anwesenden mit einem Schwert bedacht; auch _Demmeni_ empfing 3 Schwerter. Man hatte sogar ein Schwert für _Akam Igau_, den Häuptling der Mendalam-Kajan, bestimmt, der früher die Kenja zu besuchen versucht hatte, dann aber nach dem Tawang hatte durchreisen müssen, wo er einigen Kenja aus Apu Kajan begegnet war.
Die ganze Zeremonie machte auf uns den Eindruck von Entschlossenheit und Kraft, wie wir ihn noch nie zuvor bei eingeborenen Stämmen empfangen hatten, und die freigebige Austeilung der Waffen, gleichfalls ein an anderen Orten unbekannter Brauch, bildete einen passenden Schluss. Gleich darauf wurde die Versammlung auch für aufgehoben erklärt.
KAPITEL XIV.
Aufforderung und Vorbereitung zu einem Besuch bei den flussabwärts gelegenen Niederlassungen--Ankunft in Long Nawang--Zustände im Dorf--Freundschaftlicher Verkehr mit den Bewohnern--Besuch von fremden Häuptlingen--Politische Versammlung--Besuch bei den Uma-Djalan--Rückkehr nach Tanah Putih--Vorbereitungen zur Heimreise.
Am Abend des Versammlungstages kamen die angesehensten Männer von Long Nawang zu mir, um über meinen eventuellen Besuch bei ihnen zu reden. Der vornehmste von ihnen war _Pingan Sorang_, der Sohn _Pa Sorangs_, der _Bui Djalong_ in der Würde eines Oberhäuptlings vorangegangen war. Die Tatsache, dass _Pingang Sorang_ seinem Vater nicht gefolgt war, machte bereits eine gewisse Eifersucht gegen _Bui Djalong_ begreiflich und ich hatte denn auch gehört, das Verhältnis zwischen den beiden Dörfern der Uma-Tow in Tanah Putih und Long Nawang sei kein sehr freundschaftliches. Dies war auch der Grund, weshalb ich _Bui Djalong_ nicht recht traute, als er mich von einem Besuch weiter unten abhalten wollte.
_Bui Djalong_ hatte sich seinen Stammesgenossen gegenüber wahrscheinlich nicht öffentlich meiner Reise nach Long Nawang widersetzen wollen, denn, wie _Pingan Sorang_ erzählte, hatte er mit ihm verabredet, wieder abwärts zu fahren und dann junge Leute mit einer genügenden Menge von Böten den Fluss hinaufzusenden, um mich und die Meinen abzuholen. Von Long Nawang aus wollte er dann die Häuptlinge der Siedelungen weiter unten am Fluss berufen, um auch mit diesen die in Tanah Putih bereits besprochenen Angelegenheiten zu behandeln. Ich versäumte nicht, meine grosse Zufriedenheit mit diesem Plan zu bezeugen, sowohl wegen des Besuches in Long Nawang als der Versammlung wegen.
Bei ihrer Heimreise am folgenden Morgen begegnete _Pingan Sorangs_ Gesellschaft aber ein schlechtes _njaho_, das sie nach Tanah Putih zurückzukehren zwang, und bald darauf vernahm ich, dass jetzt, wo diejenigen, die meinen Zug abwärts vorbereiteten, einem ungünstigen Zeichen begegnet waren, alle Dorfbewohner sich vor meiner Reise fürchteten. Das Missgeschick mit den Vorzeichen verdross mich umsomehr, als ich merkte, dass noch ganz andere Faktoren als blosse Besorgtheit um unsere Sicherheit im Spiel waren; meine Malaien hatten nämlich unter anderem erzählt, man finde in Tanah Putih, ich sei den Besuchern aus fremden Niederlassungen gegenüber zu freigebig gewesen, und fürchtete, ich würde auf einer Reise flussabwärts zu viel von meinen Artikeln wegschenken. Als auch _Bui Djalong_ und einige Älteste mir meldeten, wie sehr die Bevölkerung jetzt gegen meine Reise sei, sagte ich ihnen, ich betrachtete _Pingan Sorangs_ Vorzeichen nicht als das meine und wollte mir die Angelegenheit im übrigen noch überlegen. Ich nahm mir vor, mich, ohne die Häuptlinge der einen oder anderen Partei zu kränken, selbst aus der Verlegenheit zu ziehen; besonders da es sich um eine politische Versammlung in Long Nawang handelte, war es doppelt wünschenswert, der anderen grossen Partei der Kenja zu beweisen, dass es durchaus nicht meine Absicht sei, nur mit _Bui Djalong_ in nähere Berührung zu kommen und mit ihm allein Rat zu pflegen. Nach reiflicher Überlegung mit _Demmeni_ erschien es uns am besten, dass die Leute, die uns von Long Nawang aus abholen kamen, vor ihrer Abreise selbst gründlich die Vorzeichen für uns einholten, was alle Teile befriedigen und sicher zu unserem Vorteil ausschlagen musste. Darauf liess ich _Bui Djalong_, _Pingan Sorang_ und einige der Vornehmsten von Uma Djalan, die meinen Besuch ebenfalls wünschten, zu einer nochmaligen Besprechung zu mir bescheiden und machte den Vorschlag, aufs neue, diesmal in meinem Interesse, Vorzeichen zu suchen. Ich betonte den fremden Häuptlingen gegenüber, wie viel mir an einem Besuch bei ihnen liege, und dass ich sie sicher begleiten würde, wenn sie günstige Vorzeichen fänden; im entgegengesetzten Falle würde ich jedoch nicht mit ihnen hinunterfahren können. Auf diese Weise unterwarf ich mich völlig ihrer _adat_ und bot gleichzeitig den Bewohnern von Long Nawang die Möglichkeit, mich abzuholen, falls sie dies wollten, während ich denen aus Tanah Putih jede Berechtigung, sich beleidigt zu fühlen, nahm. War die Stimmung der Stämme weiter unten ungünstig, so konnten sie ein schlechtes Zeichen vorschützen, mir jedoch nicht den Vorwurf machen, nicht zu ihnen gekommen zu sein. Die Männer aus Long Nawang bezeugten auch sogleich durch Kopfnicken ihr Einverständnis mit dieser Lösung der Frage, doch wurde die Gesellschaft, als sie meinen Vorschlag gemeinsam überlegten, nicht so bald einig. Zum Schluss sagte _Bui Djalong_, man wolle sich meinem Wunsche fügen, und die von Long Nawang sollten hinunterfahren, um mit den jungen Leuten im Dorfe zu sprechen. An diesem Tage mussten sie ihres _joh_ wegen noch in Tanah Putih bleiben, aber am anderen Morgen kamen sie vor der Abreise noch, um Abschied zu nehmen und versprachen zum Beweis ihrer Wohlgesinntheit, mit allen weiter unten wohnenden Häuptlingen zu mir herauffahren zu wollen, falls ich sie ungünstiger Vorzeichen wegen nicht besuchen könnte.
Abends kam _Bajow_, der Anführer der Long-Glat aus Long Deho, und erzählte mir, man habe ihn gebeten, nach Hause zurückzukehren, weil sein Kommen nur Unglück im Lande verursacht habe; bei seiner Ankunft sei ein Häuptling der Uma-Bom gestorben und dann einer in Tanah Putih, der eben begrabene Vater _Sawang Bilongs_. Alle Leiden, die sie auf ihrer Herreise erduldet, bewiesen bereits, unter wie schlechten Vorzeichen sie ihre Reise angetreten haben, man sei also der Meinung, er solle so schnell als möglich mit den Seinen abfahren. Obgleich die Long-Glat durchaus nicht geneigt waren, die schwierige Reise sogleich von neuem anzutreten, fühlten sie sich hierzu doch verpflichtet und wollten sich daher mit Hilfe der Uma-Bom auf den Rückweg machen. Ich konnte nichts dagegen tun und gab ihnen nur einige Briefe mit, um sie als die ersten Berichte aus Apu Kajan zur Küste zu senden.
Gleichzeitig mit den Long-Glat reiste auch _Kwing Irang_ mit den Seinen nach dem nicht weit entfernten Uma Tokong; es war dies das erste Mal, dass die Kajan auf eigene Hand andere Kenja zu besuchen wagten. Trotz allem Guten, das sie erfahren hatten, der grossen Gastfreiheit, dem herzlichen Umgang und der Sicherheit im Lande selbst hatten die Kajan bis jetzt ihre Angst vor den Kenja nicht soweit bemeistern können, dass sie ihrer Neugier, andere Dörfer kennen zu lernen, nachzugeben wagten und den zahlreichen Einladungen, die sie erhielten, Folge leisteten. Obgleich in Tanah Putih niemand bewaffnet einherging, trugen die Kajan doch stets Schwert, Schild und Speer bei sich, zur grossen Belustigung ihrer Gastherren. Dass diese sie nicht hoch schätzten, zeigte sich darin, dass _Bui Djalong_ mit _Kwing Irang_ keine Blutsfreundschaft schliessen wollte, wodurch eine der Hoffnungen dieses Häuptlings unerfüllt blieb. Auch in anderer Hinsicht erlebten meine Mitreisenden manche Enttäuschung. Sie hatten z.B. gehofft, bei den in ihren Augen sehr urwüchsigen Kenja sehr vorteilhaften Handel treiben zu können, aber die Kenja besassen alle Artikel ebensogut wie die Bahau; auch Salz und Leinwaren hatten nicht den erwarteten grossen Wert. Infolge dieser Umstände war die Stimmung meiner Kajan durchaus nicht immer fröhlich und sie sehnten sich nach der Heimkehr. Dies war auch der Hauptgrund, weswegen die Kajan sich zu einem Besuch bei den Uma-Tokong ermannt hatten. _Bui Djalong_ hatte ihnen nämlich zu verstehen gegeben, dass sein Stamm sie zwar ernähren könne, aber wegen Reismangels nicht imstande sei, ihnen auch für die Rückreise genügenden Proviant mitzugeben. Hierzu hatten sich jedoch die Stämme der Uma-Tokong, Uma-Bom und Uma-Djalan bereit erklärt, falls die Kajan den Reis selbst bei ihnen holen wollten. Hätte sich ihnen eine andere Möglichkeit geboten, um zu Reis zu gelangen, so hätten sie diesen Zug sicher nicht unternommen. _Kwing_ bat mich auch für die Reise um drei Malaien zum Schutz, die ich ihm gern zugestand. Mit den Kajan zugleich zogen auch die Pnihing nach Uma-Tokong, doch schienen letztere, die ohne Tauschartikel auf Reisen gegangen waren, ihren Aufenthalt in Apu Kajan so satt zu haben, dass sie von dort einem Landweg zum Boh folgten und ohne meine Erlaubnis nach Hause zurückkehrten. Die 6 Pnihing bewiesen dadurch, dass sie mehr Mut besassen als alle Kajan zusammen.
Am 1. Oktober, zwei Tage nach ihrer Abreise, kehrte _Lalau_ bereits aus Uma Tokong mit dem Bericht zurück, _Kwing_ und die Seinen seien dort sehr freundlich empfangen und gefeiert worden und deshalb wohlgemut zurückgeblieben.