Quer Durch Borneo; Zweiter Teil

Chapter 23

Chapter 233,678 wordsPublic domain

Die Zubereitung der Streifen findet nach der auf Tafel 53 dargestellten Weise statt. Von den drei Männern sind zwei mit dem Spalten des Rotangs beschäftigt. Hierbei verfahren sie folgendermassen. Zuerst machen sie an dem einen Ende des Stammes mit dem Messer einen Einschnitt, dann biegen sie die beiden Hälften auseinander, so dass die Spaltung weiter geht und sich bei geschickter Behandlung gleichmässig bis zum Ende fortsetzt. Auf die gleiche Weise spalten sie die beiden Hälften in Segmente, bis der Streifen der Aussenfläche die gewünschte Breite erlangt hat. Darauf trennen sie die innersten Fasern mit dem Messer von den äusseren Schichten, wonach man diese in bestimmter Breite übrig behält. Die Streifen sind dann jedoch zum Flechten noch viel zu ungleich breit. Der Mann links auf dem Bilde zieht diese Streifen, um sie gleichmässig werden zu lassen, auch wohl, um die innersten Fasern gleichmässig abzuschneiden, zwischen zwei in einen Holzblock geschlagenen Messern hindurch. Diese stehen mit ihren Schneiden in bestimmtem Abstand einander zugekehrt. Während er mit der Rechten den Streifen zwischen den beiden aufrechtstehenden Messern hindurchzieht, sorgt er mit der Linken dafür, dass der Rotang die Messer in richtiger Stellung passiert. Mitten im Block ist ein Stiel angebracht, auf den der Mann sein rechtes Bein legt, um den Block festzuhalten.

Müssen die Flechtstreifen ganz besonders fein sein, wie z.B. der _kebalan_ für Schwertgriffe, so zieht man sie der Reihe nach durch stets kleiner werdende, in ein Blech geschlagene Löcher. Die scharfen Blechränder entfernen alle Unregelmässigkeiten. Die feine, kieselhaltige Oberhaut des Rotang verschwindet bei allen diesen Manipulationen von selbst.

Die Zubereitung der Rotangstreifen ist beinahe ausschliesslich Männerarbeit. Pandanusblätter dagegen werden sowohl von Männern als von Frauen bearbeitet. In frischem Zustande werden zuerst die Ränder mit den feinen Stacheln abgeschnitten und dann die Blätter in Streifen von der erforderlichen Breite gespalten; vor dem Gebrauch hat man sie dann nur noch zu trocknen. Am Mahakam, wo diese Pandanusstreifen unter dem Namen "_tika_" bekannt sind, finden sie ihrer einfachen Zubereitung wegen vielfache Anwendung für Matten, Körbe, Hüte u.s.w.

Körbe und Matten werden mit wenigen Ausnahmen von Frauen geflochten. Dies gilt sowohl für feine Matten, mit deren Herstellung die beiden Kajanfrauen auf Tafel 45 beschäftigt sind, als für die von grober Qualität, welche in der _amin_ zur Bedeckung des Fussbodens, zum Trocknen von Reis u.s.w. dienen. Auf einer derartigen Matte sitzen auch die beiden Spinnerinnen auf dem oberen Bilde derselben Tafel.

Einzelne Gegenstände sind Frauen zu flechten verboten, so dürfen sie z.B. nicht die 4 aufrechten Stöcke an den Reis- oder Gepäckkörben (b auf Taf. 54) mit Rotang umwickeln; dies müssen ausschliesslich alte Männer tun.

Das Flechten selbst geschieht mit nur 2 Instrumenten, einem eisernen Haken, mit dem die mit der Hand durcheinander geflochtenen Streifen fest zusammengedrückt werden, und einem Flechtpfriemen, von dem einige Modelle auf Tafel 60 j-n zu sehen sind. Die Pfriemen dienen dazu, in feinem, hübschem Geflecht Öffnungen anzubringen, in welche dann neue Streifen gesteckt werden können. Die Enden der Flechtstreifen werden zwar häufig gespitzt, doch benützt man zum Durchziehen keine Nadeln.

Für feine Rotangmatten wird das Material oft teilweise gefärbt; schwarz, indem man die fertigen Streifen in den Moder steckt, rot, indem man sie in Wasser mit bestimmten Pflanzen kocht. Die weissen Streifen, die so hell als möglich sein müssen, werden noch vor der Zubereitung in der Sonne getrocknet und gebleicht. Diese verschiedenfarbigen Streifen werden von den Kajanfrauen zu hübschen Figuren verflochten, doch verstehen sie auch den weissen Rotang allein zu geschmackvollen und sehr komplizierten Mustern zu verarbeiten.

Beispiele für Flechtarbeiten findet der Leser ausser in den genannten Matten auf Tafel 54 abgebildet. Die beiden Körbe b und d haben infolge ihres sehr dichten Flechtwerks eine unveränderliche Form, während der Reisesack c aus dünnen Streifen lose geflochten ist und daher nach Bedürfnis weit aus einander gezogen oder verschmälert werden kann.

Sehr kunstvolles Geflecht findet man, wie schon gesagt, an den Warfen der Bahau, vor allem an den Griffen, von denen a, c und d auf Tafel 63 eine gute Vorstellung geben; ferner zeichnen sich die auf sehr verwickelte Weise geflochtenen Knöpfe auf den Schwertscheiden der Mahakam- und Kenjastämme durch schöne Arbeit aus (Siehe Teil I Taf. 29 Fig. a, a_1_, b, b_1_, c und Taf. 30 d und e). Das Beflechten von Schwertgriffen und Scheiden wird durch Männer ausgeführt.

Eine sehr wichtige Rolle im Haushalt der Bahau spielen die Blätter einer in Mittel-Borneo einheimischen Fächerpalme, _samit_ genannt. Diese Blätter werden im Walde gesammelt und getrocknet und bilden dann ein starkes, biegsames Material, aus dem durch Aneinandernähen allerlei leichte Matten, Säcke zur Aufbewahrung kleiner Gegenstände u.s.w. verfertigt werden. Die sehr leichten Palmblattmatten bewähren sich besonders auf Reisen ausgezeichnet und gehören denn auch zur Ausrüstung eines jeden Trägers, um ihm als Schlafmatte oder als wasserdichte Dachbedeckung zu dienen. Zu letzterem Zwecke binden die Reisenden ihre 1 1/2-2 1/2 m langen und mehr als 1 m breiten Matten nebeneinander auf das Holzgerüst der Hütte. Behandelt man diese Matten, nachdem sie vom Regen nass geworden sind, mit einiger Vorsicht, so halten sie auch bei ständigem Gebrauch eine 2 monatliche Reise aus.

Die Blätter der _samit_-Palme sind am Aussenrande nicht gespalten, sondern zusammenhängend und stumpf. Für den Gebrauch nähen die Frauen die trockenen Blätter mit ihren Seitenrändern derartig aneinander, dass abwechselnd ein breites und ein schmales Fächerende neben einander zu liegen kommen; überdies heften sie zwei Blätterlagen übereinander. Auf Tafel 41, wo der Hintergrund durch solch eine Matte gebildet wird, sieht man überdies, dass diese durch Aneinandernähen zweier Streifen doppelt so breit wird als ein Blatt lang ist.

Auch als Wandverzierung in der _amin_ werden diese hell gelbbraunen Matten verwendet (Taf. 39, links); man verschönert sie dann mit breiten Rändern von rotem Zeug und bestickt sie in der Mitte und an den Seiten, wie an den _samit_, welche auf Tafel 45 in der oberen Abbildung den Hintergrund bilden, zu erkennen ist. Werden aus diesen Matten Beutel zur Aufbewahrung von allerhand kleinen Kostbarkeiten, Nähzeug, Perlenarbeiten oder Tabak hergestellt, so überzieht man sie bisweilen vollständig mit weissem oder buntem Zeug, das mit Stickereien oder Zeichnungen verziert wird.

Letztere werden hauptsächlich bei Totenausrüstungen angebracht, bei denen Matten und Säcke aus _samit_ nie fehlen dürfen. Einen derartigen Sack, aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt und mit Zeichnungen hübsch verziert, stellt Fig. 1e auf Tafel 27 Teil I dar. Auch der in Teil I Taf. 24 Fig. 2 abgebildete Hut ist aus schief aneinander genähten _samit_-Blättern verfertigt. Da die schreit-Palme nur in den hohen Gebirgen des Binnenlandes wächst, sind aus ihr hergestellte Artikel bei den weiter unten am Fluss wohnenden Stämmen nicht zu finden.

Eine ähnliche Arbeit wie das Flechten und Nähen von Matten und Mützen aus Rotang und _samit_ ist die Herstellung von Hüten aus Pandanusblättern. Von diesen bringen die Fig. 1, 3, 4 und 5 Taf. 24 Teil I gute Beispiele. Die Frau links auf Tafel 55 sehen wir damit beschäftigt, einen schön verzierten Hut aus kleinen Pandanusstreifen zusammenzusetzen. Die Hüte lassen bereits erkennen, dass man die Blattstreifen nicht flicht, sondern in bestimmter Weise in kleineren und grösseren Stücken neben- und untereinander näht, um so gewisse Figuren zu erhalten, die dadurch noch mehr hervortreten dass man einen Teil der Blätter mit Drachenblut rot, mit Russ schwarz färbt, den übrigen aber ihre natürlichen Farbe lässt.

An dem in Teil I Taf. 24 Fig. I dargestellten Hut sieht man, dass die Bahau auch durch Zeichnungen auf den Blättern ihre Kopfbedeckung zu verschönern trachten.

Die Art der Hutverzierungen ist für die verschiedenen Stämme charakteristisch; so haben die Hüte der Pnihing (Fig. 3, 4 und 5 Taf. 24 T. I) ein ganz anderes Aussehen als die der Long-Glat (Fig. 1), während die Kajanfrau auf Taf. 55 eine dritte Weise der Verzierung anwendet.

Das Färben der Blätter und Zusammensetzen der Hüte ist Arbeit der Frauen, die Zeichnungen jedoch werden von Männern ausgeführt.

Von allen Industrien der Bahaustämme hat die Töpferei durch den Einfluss der Küstenbevölkerung am meisten gelitten; an allen Orten, wo eiserne Töpfe eingeführt werden, hat die Töpferei überhaupt gänzlich aufgehört und sind nur noch Spuren ihrer früheren Existenz nachweisbar. Unter den fern von der Küste lebenden Kenjastämmen dagegen sind selbstgebrannte Töpfe noch sehr in Brauch; die Männer nehmen sie sogar auf weiten Reisen mit, um ihren Reis darin zu kochen.

In früheren Zeiten haben sämtliche Bahaustämme ihre Töpfe selbst gebrannt. Die Mendalambewohner stellen jetzt nur noch einige für den Kultus erforderliche irdene Gefässe selbst her (Fig. e und f Taf. 15 Teil I); vielleicht ist dies auch noch bei den Mahakamstämmen der Fall. Bei diesen fand ich jedoch auch Töpfe, welche der vorigen Generation im Haushalt gedient hatten und jetzt noch aus Pietät aufbewahrt wurden.

Im Jahre 1896 konnte ich nur noch zufällig einige von diesen Lehmtöpfen entdecken und kaufen, obgleich der kleine Stamm der Uma-Tepai, der bei _Bo Lea_ in Long Tepai wohnte, erst vor kurzem wegen seines Umzugs in eine Gegend, wo guter Lehm zum, Brennen nicht mehr zu finden war, die Töpferei aufgegeben hatte. Der Hauptgrund lag natürlich darin, dass diese unsoliden Gefässe durch die dauerhafteren eisernen verdrängt worden waren. Bei meiner Rückkehr im Jahre 1898 hatten auch andere Stämme von meinem hohen Angebot für Töpfe gehört, daher brachten mir besonders die Ma-Suling noch mehrere alte Exemplare zum Kauf. Augenblicklich hat sich die Töpferei also unter den Bahaustämmen am Kapuas und Mahakam nur noch in rudimentärer Form im Kultusdienst erhalten.

Bei einigen dieser Stämme, wie den Ma-Suling, werden auch noch einige andere Gegenstände aus Lehm gebrannt, z.B. beim Anfang der Ernte grosse viereckige Schüsseln, in denen der halbreife Reis über dem Feuer getrocknet wird, um ihn dann später durch Stampfen entspelzen zu können. Ob dieser Brauch zum Kultus gerechnet werden muss, weiss ich nicht, soviel ist aber sicher, dass andere Stämme für dieses Reistrocknen grosse eiserne Pfannen benützen.

Unter den Kenja von Apu Kajan ist, wie gesagt, die Töpferei noch in vollem Schwange; sie wird dort vor allem beim Stamm der Ma-Kulit eifrig betrieben, der diese Töpfe als Tauschartikel auf Handelsreisen mitnimmt. Die Töpfe werden für den Transport zu je 6-8 aufeinander gestülpt und diese Reihen dann durch parallel gelegte Holz- oder Bambusstöcke und Rotang zu einem Packen verbunden.

Bei allen diesen Stämmen wird die Töpferei von Frauen betrieben. Sie gebrauchen hierzu eine besondere Lehmart, die nur an einigen Orten am Mahakam und Kajan zu finden ist. Der Lehm wird in der Sonne gut getrocknet, im Reisblock feingestampft und dann durch Sieben von kleinen Steinen und anderen groben Bestandteilen gesäubert. Dann feuchten ihn die Frauen an und mengen ihn mit Reisspelzen, um seine Festigkeit zu erhöhen. Aus dieser Masse formen sie mit der Hand, indem sie den Lehm um einen runden Stein von der gewünschten Grösse pressen, die Töpfe, die sie dann in die Sonne zum Trocknen stellen. Zur Bearbeitung der Aussenseite dient ein mit Schnitzfiguren versehenes Brettchen (Fig. 19 Taf. 51); die Töpfe sind daher von aussen nicht glatt, sondern mit einfachen Figuren verziert, wie an allen auf der gleichen Tafel abgebildeten Exemplaren deutlich zu sehen ist (Fig. 12-18). Das Härten der in der Sonne getrockneten Töpfe geschieht mittelst Harzpulver, mit dem in sehr dicker Schicht die innere und äussere Oberfläche überzogen wird. Werden nun die Töpfe einem starken Feuer ausgesetzt, so verbrennt ein Teil des Harzpulvers und dient zur Härtung der Oberfläche, während der schmelzende Teil des Harzes in die poröse Lehmmasse eindringt und so die Dauerhaftigkeit des Gefässes bedeutend erhöht. In derartigen Töpfen lassen sich sehr gut Reis u.a. Speisen kochen, aber wenn sie zu lange im Wasser liegen, fallen sie meistens auseinander oder werden rissig. Die Kenja gebrauchen diese Töpfe nur aus Mangel an etwas Besserem; sobald sie sich eiserne Gefässe verschaffen können, ziehen sie diese begreiflicher Weise vor.

Auch grössere Töpfe als die in Fig. 18 abgebildeten werden in Apu Kajan gebrannt. Zwischen den Töpfen, die ich noch am Mahakam auftreiben konnte, und denen vom Kajan herrscht ein grosser Unterschied, der sich auch an den auf Tafel 51 abgebildeten Exemplaren feststellen lässt. Bei ersteren (Fig. 12-15) ist die Form runder und die Wand viel dicker als bei letzteren (Fig. 16-18). Im allgemeinen sind die Töpfe der Mahakambewohner roher und unregelmässiger bearbeitet als die der Kenja; doch kann es sehr wohl sein, dass die letzten Produkte einer aussterbenden Industrie allmählich schlechter geworden sind und dass auch die Bahau ursprünglich bessere irdene Waren geliefert haben.

Die am Mahakam zum Trocknen des Reises verfertigten Schüsseln sind etwa 3 × 5 dm gross; eine derselben ist auf dem Herd von Taf. 56 zu sehen. Man stellt sie auf die gleiche Weise wie die Töpfe her, doch werden sie nur in der Sonne getrocknet und nicht, oder nur mangelhaft, von aussen mit etwas Harzpulver gehärtet. Sie vertragen natürlich kein Wasser und werden daher ausschliesslich zum Trocknen von unreifem Reis benützt, auch stellt man sie bei jeder Ernte von neuem her. Gleichzeitig werden auch noch einige andere einfache Gegenstände aus Lehm gebrannt, vor allem die langen schmalen Unterlagen, auf welchen diese Schüsseln über dem Feuer ruhen. Auf dem erwähnten Herde sind zwei dieser Unterlagen zu sehen, ferner noch andere, mehr pyramidenförmige Unterlagen für gewöhnliche Kochtöpfe, von denen 3 links vom Herde stehen.

Der Fackelhalter rechts im Vordergrunde, mit der Vertiefung in der Mitte für den Stiel der Harzfackel, ist ebenfalls ein Produkt der Töpferkunst.

Der Bau von Böten gehört in einem Lande, wie das der Bahau, in welchem der Verkehr zwischen den verschiedenen Siedelungen und der Transport zu und von den Feldern beinahe ausnahmslos auf den Flüssen stattfindet, zu den wichtigsten Arbeiten der Bevölkerung. Neben der Sorge für Nahrung, Obdach und Kleidung nimmt die Herstellung von Booten in der Tat einen grossen Teil ihrer verfügbaren Arbeitskraft in Beschlag. Jede Familie sucht, sei es auch unter Beistand der _paladow_ (Mithelfer), die erforderlichen Fahrzeuge selbst zu bauen. Aber nicht jeder Mann ist in gleichem Masse imstande, einen passenden Baum auszusuchen, ihn zu bearbeiten, im Feuer auszulegen u.s.w.; jeder Stamm besitzt daher 1-2 anerkannte Autoritäten auf diesem Gebiet, denen, sobald es sich um den Bau sehr grosser Boote handelt, die Leitung desselben übertragen wird. So grosse Fahrzeuge bauen jedoch meistens nur die Häuptlinge, weil diese am ehesten die Beköstigung ihrer Hilfskräfte bestreiten können und sie überdies auf eine Unterstützung seitens ihrer männlichen Stammgenossen ein Anrecht haben.

Die Boote sind ausnahmslos Einbäume; sie werden aus einem einzigen Stück verfertigt, für welches man im Walde einen geeigneten Stamm wählt. Zur Vermeidung von Streitigkeiten bezeichnet jeder Besitzer sein Eigentum nach der auf pag. 155 angegebenen Weise.

Die Bahau unterscheiden verschiedene für Boote geeignete Baumarten, die je nach dem Zweck, für den die Fahrzeuge bestimmt sind, ausgesucht werden. So gebraucht man kleine, leichte Boote aus festem Holz, um nach den Feldern zu fahren, grössere aus biegsamem Holz mit dickerem Boden gegen den Anprall auf Steine zum Befahren der Flussoberläufe mit ihren Wasserfällen und Stromschnellen, sehr lange Boote mit besonders grossem Laderaum für lange Handelsreisen an die Küsten, ferner sehr lange, schmale Fahrzeuge für Kriegszüge und schliesslich besonders grosse, um sie am Unterlauf der Flüsse zu verkaufen. Für die kleinen soliden Boote gebraucht man das schwere aber feste Eisenholz, für die biegsamen, aber weniger starken Tengkawangholz. Für die grössten Boote besitzen nur bestimmte Baumarten die erforderlichen Dimensionen, so dass man in ihrer Wahl sehr beschränkt ist; die Eisenholzstämme sind zwar sehr hoch, aber für grosse Fahrzeuge zu schwer. In den kühleren Oberläufen der Flüsse sind Boote aus weichem Holz eher brauchbar als in den warmen Unterläufen, in deren Wasser weit mehr Organismen vorkommen, die das Holz anfressen; daher werden neben den grossen Frachtbooten aus weicherem Holz auch viele kleine Eisenholzboote in den Küstengegenden verkauft. Es wird nämlich, besonders am Mahakam, zwischen den Gebieten ober- und unterhalb der Wasserfälle ein sehr reger Handel in Booten betrieben, weil weiter unten zum Bau grosser Fahrzeuge beinahe keine Bäume mehr zu finden sind. Im Innern ist zwar die Ausrottung dieser Waldriesen weniger weit fortgeschritten, aber auch dort finden die am höchsten flussaufwärts wohnenden Stämme, wie die Pnihing und Kajan, leichter dergleichen Bäume als die Ma-Suling und Long-Glat. Vielleicht ist es diesem Umstand zuzuschreiben, dass die Pnihing als die besten Bootsbauer bekannt sind; ihre Fahrzeuge zeichnen sich in der Tat durch Grösse, Form und gute Arbeit aus. 20 m lange Boote, für die ich bei den Pnihing 100 fl pro Stück bezahlte, verkaufte ich später, nach dem Gebrauch und trotz der Konkurrenz mit den Dampfbooten, am unteren Mahakam noch leicht zum gleichen Preis.

Für den täglichen Gebrauch benützen die Bahau Boote von etwa 8-12 m Länge und 60-75 cm Breite, für die Quellflüsse 10-14 m lange, während die grössten Boote 20-23 m lang und 1,5-2 m breit sind; letztere bestehen meist aus Tengkawangholz.

Der Bau von Booten wird, wie bereits gesagt, von den Bahaufamilien als eine sehr wichtige Arbeit betrachtet, da sie von den männlichen Gliedern viel Mühe und Zeit erfordert. Weitaus die meisten Boote, besonders die langen, werden denn auch mit Hilfe von Bekannten und Freunden hergestellt. Die Anzahl der sich zur Arbeit vereinigenden Männer hängt ausser von der Grösse des Bootes auch von anderen Umständen ab, ob es z.B. weit über Land geschleppt werden muss; in diesem Fall werden wohl auch besondere Hilfskräfte beigezogen. Häufig wird die Zeit nach der Reissaat zum Bootsbau gewählt, weil die Felder bis zur Ernte nicht mehr viel Pflege erfordern und die Männer daher dann am besten Arbeiten, die bisweilen einen wochenlangen Aufenthalt im Walde erfordern, unternehmen können.

Derjenige, der sich von anderen helfen lässt, übernimmt diesen gegenüber eine Schuld von einer gleichen Anzahl von Arbeitstagen, wie er selbst genossen hat, auch hat er für den Unterhalt seiner Gehilfen zu sorgen; bisweilen erhalten diese auch nur eine Belohnung.

Der Bau von Booten wird zu den grossen Arbeiten gerechnet, die von den Mondphasen beeinflusst werden; ein günstiger oder ungünstiger Stand des Mondes bestimmt nicht nur das Gelingen eines Bootes, sondern hauptsächlich auch dessen künftiges Schicksal. Arbeitet man zu ungünstiger Zeit am Boote, so zerschellt dieses beim Gebrauch bald an einem Felsen, oder es wird durch plötzliches Hochwasser leicht vom Tau losgerissen und fortgetrieben, oder es schlägt in den Wasserfällen um und geht zu Grunde.

Bei den verschiedenen Stämmen gelten nicht die gleichen Mondphasen als ungünstig; die Kajan am Obermahakam bezeichnen die zwei Tage vor und nach dem Vollmond als _bulan_ (Mond) _dja-dja_ (schlecht), die Long-Glat dagegen zwei Tage des zunehmenden und zwei des abnehmenden Halbmondes. An diesen Tagen dürfen auch keine Häuser gebaut werden, weil diese dann leicht durch Feuer vernichtet werden könnten. Ebenso dürfen in diesen Tagen, wie auch in denen des unsichtbaren Mondes, keine grösseren Reisen angetreten werden. Bei ungünstiger Mondphase lässt man auch keine Verbotszeit, z.B. für den Landbau, beginnen, geht man nicht auf die Vogelschau u.s.w. Natürlich sorgt man vor allem beim Anfang des Bootsbaus, dass man nicht "_ga bulan dja-ak_", den schlechten Mond trifft, sondern mit guten Vorzeichen den Weg antritt. Beim Auffliegen eines Vogels zur Linken oder ähnlichen schlechten Zeichen kehrt man, wie bei jeder anderen Arbeit, für Tage wieder nach Hause zurück.

Ein zum Bau eines Bootes gut befundener Baum wird in einigem Abstand vom Erdboden, wo er weniger breit ausläuft, umgehackt und darf, wie beim Häuserbau, nur, wenn er völlig seitwärts niederfällt, verwendet werden, gleitet er dagegen von seinem Stumpf ab und bleibt stehen, so ist er _lali_ und darf nicht weiter gebraucht werden. Bisweilen erhält der Stamm beim Niederstürzen einen Riss, wodurch er entweder gänzlich untauglich oder nur für ein kleineres Boot benützbar wird. Sind die Äste und der unbrauchbare Gipfel abgehackt und befindet sich der Stamm in geeigneter Lage oder ist er bei bedeutender Grösse und Schwere mittelst Hebeln in diese gebracht worden, so hackt man die rohe Form des Bootes aus ihm heraus. Ein solches noch unbehauenes Boot ist auf Tafel 57 zu sehen. Der Querriss zeigt noch die Rundung des Baumes und die Seitenwände sind nicht flach und gerade, sondern laufen in der Mitte rund nach oben zu. An den beiden Innenseiten sind einander gegenüber Holzteile stehen gelassen, die später, bei der Anbringung der Bänke, als Spanten dienen müssen. Überdies hat man den Rumpf des Bootes absichtlich dicker gelassen, um ihn, ohne Risse zu riskieren, durch den Wald nach Hause schleifen und dort fertigstellen zu können. Für diese Roharbeit gebraucht man nur Beile (Fig. 3 Taf. 51) und runde Dechsel (Fig. 5) an langen Stielen, um mit diesen das Holz von innen wegzuhacken. Die feinere Bearbeitung wird allmählich und bei der Wohnung vorgenommen, wie Taf. 57 es uns vorführt. Um den Wänden die erforderliche Dünne und Glätte zu geben, wendet man platte Dechsel an kurzen Stielen an (Fig. 5 und 8 Taf. 51), wie sie von den Männern auf der Abbildung gehandhabt werden.

Sollen die Boote nicht sogleich gebraucht werden, so lässt man sie vom Wasser auslaugen. Bestehen sie aus Eisenholz, das im Wasser sinkt, so versenkt man sie ins Wasser, ist das Holz aber leichter als dieses, so lässt man die Boote mit einigen Balken als Unterlage auf dem Lande stehen, bis der Regen sie mit Wasser füllt. Indem man das Regenwasser einige Mal durch eine Öffnung im Boden ausfliessen lässt, wird die Auslaugung des Holzes befördert.

Da ein solches rundes Boot im Wasser nicht stabil genug ist, wird es erst durch Auslegen im Feuer für den Gebrauch tauglich gemacht. Zu diesem Zweck stellt man das Boot auf einige, ein paar Fuss hohe Unterlagen und setzt es dann während etwa 8 Stunden in seiner ganzen Länge zwei Reihen von gut flammenden Holzfeuern aus, wobei man durch Schlagen mit grünen, beblätterten Zweigen, die man in das im Boote befindliche Wasser taucht, ein Verbrennen des Holzes an der Aussenwand verhütet. Die Seitenwände biegen sich dann langsam nach aussen; man lässt ihre Ränder anfangs absichtlich soviel höher, damit sie nach der Auslegung mit dem Vor- und Hintersteven ungefähr in eine Ebene zu liegen kommen. An noch nicht genügend ausgebogenen Stellen wird das Feuer etwas länger unterhalten, doch beeilt man sich gleichzeitig, die im voraus fertig gearbeiteten Ruderbänke auf die innen zu beiden Bootsseiten stehengelassenen Spanten (Taf. 57) festzubinden. Dies geschieht mittelst Rotang, den man durch die in die Bretter und Spanten gebohrten Löcher zieht und dann festknüpft. Auf diese Weise wird bei der Abkühlung eine nachträgliche Einwärtskrümmung verhindert, die bei einigen Holzarten leicht vorkommt.

Am Mendalam kennt man zwei Formen von Booten, nämlich solche mit spitzen Enden (_harok_) und mit stumpfen (_bung_). Am Mahakam sah ich nur die erste Art.