Quer Durch Borneo; Zweiter Teil

Chapter 22

Chapter 223,419 wordsPublic domain

In Fig. 6 und 20 sind einige Werkzeuge abgebildet, deren Herstellung etwas mehr Geschicklichkeit erfordert. Das erste ist ein dünnes, zweischneidiges, spitz endendes und in der Fläche gebogenes Messer, das wiederum mit Guttapercha in einem hölzernen Griff befestigt ist. Es dient zur letzten Bearbeitung eines Schildes, nachdem dieser mit einem Dechsel bereits völlig auf die gewünschte Dicke gebracht worden ist; die letzten Splitter werden mit diesem Messer entfernt und die Oberfläche wird damit geglättet. Das zweite Werkzeug (Fig. 20) ist ein Bohrer, dessen Stiel beim Gebrauch zwischen den Handballen gerieben wird.

Während beinahe jeder Schmied die beschriebenen Gegenstände selbst verfertigen kann, verstehen sich auf das Schmieden von Warfen, d.h. Schwertern und Speeren, wie gesagt, nur wenige wirklich gut. Doch haben es einige unter ihnen für Eingeborene zu einer in unserem Auge bewunderungswürdigen Höhe gebracht, wenn man bedenkt, dass auch sie nur über die eben besprochenen unvollkommenen Gerätschaften verfügen.

Gerade die Schwertfegerei hat unter der Einführung europäischer Ware von der Küste am meisten gelitten; ferner hat auch der Umstand ungünstig gewirkt, dass die Gegenwart einer europäischen Verwaltung die Kriegführung unter den Bahaustämmen sehr eingeschränkt hat. Infolgedessen werden z.B. am Kapuas schöne Schwerter von guter Qualität überhaupt nicht mehr geschmiedet. Während meines Besuchs bei der dortigen Bevölkerung konnte mir der Schmied zwar ein Schwert herstellen und es mit Gravierungen nach altem Muster verzieren, aber die Beschaffenheit des Eisens liess viel zu wünschen übrig und machte die Waffe für Kriegszwecke völlig untauglich. Als Beispiel für ein derartiges Schwert der Kapuas-Kajan mag das in Teil I Taf. 28 abgebildete dienen. Wie das Eisen für Ackergerätschaften werden auch einfache Arbeitsschwerter in grosser Menge bei ihnen eingeführt; die schönen Schwerter, die eventuell im Kriege dienen könnten, verschaffen sich die Kapuasbewohner alle vom oberen Mahakam, wo die Schwertfegerei noch jetzt sehr im Schwange ist. Doch ist dies nicht bei allen dortigen Stämmen der Fall: die Pnihing schmieden überhaupt keine Schwerter, die Kajan leisten in dieser Beziehung nur Mangelhaftes, nur die Ma-Suling und Long-Glat bringen viel Schönes hervor und versehen alle anderen Stämme mit Schwertern, die daher ihren wichtigsten Tauschartikel bilden.

Obgleich in minderem Masse als in anderen Handwerken, findet man auch in der Schmiederei die besten Arbeiter unter den Häuptlingen und Reichen, weil es den übrigen sowohl an Zeit zur Übung, als an Mitteln für Opferspenden an die Geister mangelt. Beim Schmieden erfordert nämlich jedes weitere Stadium, das der betreffende Gegenstand erreicht, ein neues Opfer, das sich mit dem Fortschreiten der Arbeit stets vergrössert.

Bei der Herstellung eines mit Kupfer- oder Silbereinlagen hübsch verzierten Schwertes verfährt der Schmied folgendermassen: erst bringt er das Schwert auf das auf Tafel 52 in Fig. a dargestellte Stadium. In diesem wird Teil I später mit Guttapercha im Griff befestigt; bei 2 sind die oberflächlichen Rinnen und bei 3 die Löcher angegeben, in welche das Metall eingelegt werden soll. Die Löcher, die bei a nur Vertiefungen darstellen, sind erst bei Fig. b völlig ausgearbeitet; sie werden mit den unter f, g, h und i abgebildeten Instrumenten erzeugt, während das Schwert sich noch in glühendem Zustande befindet. Das Einschlagen der Gruben geschieht mittelst Meisseln von verschiedener Form. Um die Löcher in gleichen Abständen zu erhalten, benützt man die meisselförmige Klinge mit doppelter Spitze g, die in den Dorn (3 bei Fig. i) gesteckt und dann mit einem Hammer in das glühende Metall getrieben wird. Ebenso entstehen auch die Rinnen 2 in Fig. a; doch gebraucht man für diese Meissel von der Form 3 in Fig. i und von der Form in Fig. f, bei welcher zwei dieser Keile aneinandergebunden abgebildet sind. Die S-förmige Schneide dieses Meissels bringt Linien wie bei Fig. a_2_ hervor.

Bei einer folgenden Erhitzung erhalten die oberflächlichen Gruben durch Hineintreiben des Eisens h die nötige Tiefe; meistens dringen die Öffnungen nicht bis zur anderen Seite durch, doch geschieht dies gelegentlich durch Ungeschicklichkeit. Reihen derartiger Löcher, die zur Aufnahme des einzulegenden Metalls bereit sind, zeigen die Modelle b und c. Bei b, 5 und 6, sind auch noch neue Rinnen zu sehen, welche mit hierzu passenden Meisseln, deren Handhabung grosse Geschicklichkeit erfordert, hergestellt sind.

Die für die Bahauschwerter so charakteristische Einlegearbeit in Kupfer und Silber wird an den auf die beschriebene Weise präparierten Schwertern derart vorgenommen, dass man in kaltem Zustande dünne Splitter dieser Metalle in die Gruben bringt und sie mittelst kleiner Hämmer fest in diese hineinklopft. Nach der Füllung sehen die Gruben aus wie 10 in Fig. d und müssen dann erst durch Wegfeilen der überschüssigen, nach aussen vorragenden Metallteile weiter bearbeitet werden.

Die Ausarbeitung des Teils 3 in Fig. a bis zum Stadium 9 in c giebt bereits eine gute Vorstellung von den Leistungen der Bahau in der Schmiedekunst; die meisten Schwerter vom Mahakam tragen auch nicht viele andere Verzierungen als Einlegearbeit und diese Schnörkel. Dass die Schmiedekünstler auf Borneo in ihrem Fach jedoch noch viel Grösseres leisten könnten, wenn ihre beschränkten Verhältnisse sie nicht beeinträchtigten, beweist die Verzierung 7 in Fig. b. Sie wurde von einigen Schmieden der Ma-Tuwan in Long Tepai hergestellt und besteht der Hauptsache nach aus 4 übereinander gelegten Spiralen aus dünnen Eisenstreifen, von denen die längste von rechts über eine zweite Spirale nach links unter die linke, nach oben gebogene Spirale verläuft, hier nach rechts umschlägt, um mitten in der Figur in einen Schnörkel zu enden. Sie zeugt von einer bewundernswerten Gewandtheit im Schmieden und von einem sehr richtigen Augen-mass; mancher europäische Kunstschmied würde die Arbeit nicht leicht nachahmen können.

Leider finden derartige aussergewöhnliche, praktisch nutzlose Verzierungen im Gemeinwesen der Bahau keine Gelegenheit zur Vervollkommung und man trifft sie daher auch höchst selten. Für gewöhnlich werden die Schwerter, sobald sie fertig geschmiedet sind, von anderen Personen, die darin Übung haben, mit feinen Sandsteinen geschliffen. Das Polieren der Schwerter ist unbekannt.

Die bei den Mahakambewohnern vorkommenden Formen von Schwertern sind in den Fig. a, b, c und d auf Tafel 52 und a und b auf Taf. 29, Teil I abgebildet, von denen die beiden letzten deutlich die eigenartige Einlegearbeit zur Geltung kommen lassen.

Die anderen Bahaustämme, wie die Kajan am Kapuas und die am Batang-Redjang oder Balui, benützen ähnliche Schwerter, doch sind die der letzteren mehr hohl gebogen, wie e auf Tafel 52 andeutet. Bei diesem ist zugleich auch eine andere, am Kapuas (Teil I Taf. 28) und bei den Kenja (Teil I Taf. 29) gebräuchliche Verzierungsweise angebracht, nämlich eine Ziselierung auf der Rückseite der Schwertfläche, die an dem völlig ausgearbeiteten Schwerte ausgeführt wird, indem man mit kleinen harten Meisseln Linien ins Eisen schlägt. Dies geschieht aus freier Hand, ohne vorhergehende Zeichnung. Schwert e (Taf. 52) zeigt überdies auch an seinem äusseren Ende noch eine hübsche Verzierung 14, von deren einzelnen Teilen im folgenden Kapitel ausführlicher die Rede sein wird.

Eine andere Art von Metallbearbeitung hat sich bei den Bahau am Mahakam zugleich mit der Sitte der Hahnenkämpfe von der Küste her eingebürgert, nämlich das Schleifen von Eisen und Stahl mit Hilfe von drehbaren Schleifsteinen, die sie ebenfalls an der Küste kaufen. Doch werden auf diese Weise ausschliesslich Sporen für Kampfhähne verfertigt, von denen einige Modelle auf Taf. 60 in Fig. e abgebildet sind. Auf das Schleifen und Anbringen der stählernen Sporen verstehen sich die Häuptlinge meistens selbst: vorzugsweise stellen sie diese aus Rasier- und Fischmessern her, die sie nicht enthärten, sondern mittelst der drehbaren Schleifsteine in den gewünschten Formen und Dimensionen schleifen. Die so verfertigten Sporen sind so rein von Form, dass man sie für europäisches Fabrikat ansehen könnte, und die schweren Verwundungen, die sich die Hähne mit ihnen beibringen, zeugen von ihrer Tauglichkeit. Die Bahau messen dieser Art von Stahl einen sehr grossen Wert bei, daher kostete es mir stets Mühe, meine eigenen Rasiermesser vor dem Schicksal zu bewahren, von den allzu sportlustigen Häuptlingen in Hahnensporen verwandelt zu werden. Die auf Taf. 60 unter e abgebildete Büchse mit Sporen ist eine Arbeit _Kwing Irangs_, der sie mir als persönliches Geschenk verehrte, weil er meine Vorliebe für schöne Arbeiten der Eingeborenen kannte. Die Modelle zu diesen Sporen, deren es noch mehr gibt, stammen von den Malaien. Die gewöhnlichen Kajan schmieden die Sporen selbst, oder lassen sie von einem mehr oder weniger in diesem Fach geübten Schmied verfertigen; derartige Sporen tragen denn auch deutliche Zeichen ihrer weniger vornehmen Herkunft und biegen und brechen häufig während des Gefechts.

Die Bahau wissen zwischen grobem und feinem Sandstein beim Schärfen ihrer Schwerter und Hahnensporen wohl zu unterscheiden; hauptsächlich für letztere suchen sie in bestimmten Bächen nach einem sehr feinen Sandstein, von dem ein Stück auf Taf. 60 Fig. o in Form eines Rhinozerosvogelkopfes zu sehen ist. Dieser Stein mit sehr ebener Schlifffläche rührt von den Kajan am Mendalam her.

Hat die Schmiedekunst bei den Bahau infolge ihrer vielseitigen Anwendung eine beträchtliche Höhe erreicht, so gilt dies auch inbezug auf ihre Holz- und Knochenschnitzerei. In dieser Richtung hat sich der Schönheitssinn und die Kunstfertigkeit der Dajak sogar voll entwickeln können. Eine künstlerische Bearbeitung von Holz wird nicht nur bei grossen Verzierungen, wie der eines Häuptlingshauses, sondern auch bei kleinen Gegenständen, besonders Griffen und Scheiden von Schwertern, angewendet.

Jeder Bahau, dem es an Zeit und Fähigkeit nicht mangelt, verziert seine täglichen Gebrauchsgegenstände gern mit mehr oder weniger hübschem Schnitzwerk; doch leistet er selten etwas sehr Gutes, weil er ausschliesslich für sich selbst arbeitet. Anders verhält es sich mit der Schnitzerei von Griffen und Scheiden; diese Kunst wird von Personen betrieben, die sich in ihr besonders üben und überhaupt nur dann zum Schnitzen der schönsten Produkte, u.a. Schwertgriffe aus Hirschhorn, berechtigt sind, wenn sie dem Geist, der sie beseelt, Opfer von bestimmter Grösse gebracht haben. Die primitive Schnitzerei der Laien wird also ohne Beseelung geübt, während ein Kunstwerk nur mit Hilfe eines Geistes aus Apu Lagan entstehen kann. Bei den Mahakamkajan muss ein junger Mann, bevor er aus Eisenholz einen hübschen Griff oder eine Scheide zu schnitzen beginnt, erst durch eine _dajung_ seinem Geiste ein Huhn zum Opfer anbieten lassen (_mela_), und will er seine. Kunst an Gegenständen aus Hirschhorn erproben, so muss er vorher eine _mela_ mit einem Schwein als Spende abgehalten haben. Nachher muss er sich monatelang verschiedener Speisen und Beschäftigungen enthalten. Demselben Glauben an eine Beseelung muss auch der Brauch zugeschrieben werden, dass ein Schnitzkünstler seine Arbeiten nur dann verkaufen darf, wenn man ihm vor dem Preise erst einige alte Perlen von bestimmter Beschaffenheit (2 blaue und 2 weisse) ausbezahlt hat; diese müssen wohl als eine Entschädigung des Geistes für den Verlust des Gegenstandes aufgefasst werden.

Mit den meisten Handwerken ist auch die Schnitzerei verschiedenen Verbotsbestimmungen unterworfen, die nicht bei allen Stämmen gleich sind. Während der Saatzeit (_tugal_) und der Schwangerschaft seiner Frau darf ein Mendalamkajan kein Hirschhorn schnitzen, aus Furcht vor einem Absterben der Frucht. Für Holz und Bambus sind diese Verbote ungültig.

Die Berührung mit der Küstenbevölkerung hat auf die Schnitzkunst der Bahau kaum einen nachteiligen Einfluss geübt, man könnte eher behaupten, sie habe hierdurch insofern eine Anregung empfangen, als die Malaien selbst nicht imstande sind, dergleichen Griffe und Scheiden herzustellen, aber gern in den Binnenlanden Bahauschwerter zum Schmucke oder Schutz gebrauchen und deswegen beträchtlich viel Geld für sie auszugeben bereit sind. Aus diesen Gründen widmeten sich am Mendalam z.B. einige Männer ganz der Schnitzerei, besonders der von Hirschhorngriffen und leisteten in ihrem Fache daher auch weit mehr als sonst der Fall gewesen wäre. Von diesen Leistungen geben die Abbildungen c, d, e und f auf Tafel 63 eine Vorstellung. Die 3 ersten Griffe stimmen im Entwurf stark überein, nur sind sie nach Grösse und Form des gebrauchten Horns verschieden und mehr oder weniger fein ausgearbeitet. Eigentümlicherweise sind die Griffe vom Mahakam, obgleich sie auf dieselbe Weise verfertigt, mit denselben Motiven verziert und sicher nicht minder sorgfältig ausgeführt sind, von ersteren gleich zu unterscheiden (Fig. a). Dasselbe gilt für die Griffe der Kenja (Fig. b), die ebenfalls sehr charakteristisch sind. Die Bahau selbst unterscheiden denn auch verschiedene Stile bei ihren Stämmen und ahmen diese bisweilen nach; so ist f ein Griff, der am Mendalam im Kenjastil verfertigt worden ist. Ein Beispiel für diesen Stil sind auch die Griffe der Schwerter Fig. c und d auf Tafel 29, Teil I.

Die Instrumente, mit denen die Bahau ihre schönen Schnitzwerke ausführen, sind äusserst einfach und wenig zahlreich. Sowohl für Holz als für Knochen wird das lange Messer, _nju_, (Tafel 28, Teil I, Fig. h) eigentlich als einziges Werkzeug benützt. Zum Löcherbohren wendet man allerdings kleine Bohrer (Taf. 51 Fig. 20) an, welche durch Drehen zwischen den Handballen in Bewegung gebracht werden, ferner wird mit dem kleinen Dechsel (Taf. 51 Fig. 7) die Rinde des Hirschhorns entfernt, bevor man ans Schneiden geht. Letzteres findet nun nach der auf Tafel 53 oben wiedergegebenen Weise statt. Der Mann hält das Messer derart in der rechten Hand, dass das Aussehende des langen Stils ihm unter die rechte Achsel reicht, wodurch er bei der Hantierung des Messers eine Stütze findet. Der Künstler hält den zu bearbeitenden Gegenstand (hier eine hölzerne Schwertscheide) mit der Linken fest und bewegt beim Schnitzen nicht nur das Messer, sondern auch das Objekt. Stellt er einen Griff aus Hirschhorn her, so führt er seinen Entwurf zuerst in Gedanken mit Berücksichtigung der Form des zur Verfügung stehenden Horns aus, entfernt die unregelmässige Oberschicht und schneidet dann erst mit dem Messer den Griff in rohen Umrissen aus.

Darauf bearbeitet er erst die eine Hälfte weiter und dann die andere. Form und Ausarbeitung des Griffes hängen nicht nur von der äusseren Gestalt des Horns ab, sondern auch von dem Verhältnis zwischen der soliden äusseren Schicht und dem schwammartigen Gewebe der Mitte. Ist dieses sehr entwickelt, so ist ein tiefergehendes Schnitzen unmöglich, fehlt es gänzlich, so braucht der Künstler sich nicht auf eine oberflächliche Bearbeitung zu beschränken. Ein Beispiel für einen Horngriff mit wenig brüchigem Gewebe ist Fig. a auf Taf. 63.

Die Schnitzer verstehen gebrochene Griffe auch zu reparieren; sie tun dies, indem sie die abgebrochenen Stücke mittelst Knochenstiften, welche sie durch gebohrte Löcher stecken, mit einander verbinden; auch werden auf diese Weise neue Teile in einen Griff eingesetzt.

Auf den Wert eines Horngriffes hat auch die Farbe viel Einfluss; je weisser diese ist, desto höher der Preis. Am Mendalam kostete ein gut gearbeiteter Griff 8-10 Dollar, also 10-12 Gulden; am Mahakam jedoch, wo zahlreiche Buschproduktensucher unter der Bevölkerung verkehrten, wurden für gleich gute Produkte 25 fl bezahlt. Während meines Aufenthaltes am Mahakam befanden sich unter den Pnihing keine Schnitzkünstler; schöne Griffe wurden, wie auch Schwerter, bei den weiter unten wohnenden Stämmen durch Tausch erworben, besonders von den Long-Glat, die sich auf diesem Gebiete auszeichnen. Auch vom mittleren Mahakam, unterhalb der Wasserfälle, sah ich einige schön ausgeführte Stücke.

Wie die Griffe, haben sich auch die alten Schwertscheiden unter den Bahau behauptet, weil sie infolge der Berührung der Eingeborenen mit der Küstenbevölkerung, wenn auch in bescheidenem Masse, zu einem Ausfuhrartikel geworden sind und die Malaien an ihrer Statt nichts Besseres haben einführen können. Beispiele für Schwertscheiden sind in Teil I auf Taf. 28, 29 und 30 zu finden; der bedeutende Unterschied zwischen den Scheiden der Bahau am Mendalam und denen am Mahakam und Kenja fällt dabei ins Auge.

Sämtliche Scheiden bestehen aus zwei platten Brettern, die an den einander zugekehrten Innenseiten etwas ausgehöhlt sind, um das Schwert aufnehmen zu können, und durch Flechtwerk von dünnen Rotangstreifen an einander gehalten werden. Für die einfachen, z.B. beim Ackerbau gebräuchlichen Schwerter wählt man gewöhnliches glattes Holz, für schöne Schwerter dagegen benützt man für die nach aussen gekehrte Häche der Schwertscheide hübsch geflammte oder harte, gut polierbare Holzarten.

Die Mendalambewohner zeigen besondere Vorliebe für Schwertscheiden, welche mit kunstvollem Schnitzwerk verziert sind, wie die Figur von Taf. 28 und die Scheiden a, b, c, f, g und h von Taf. 30 Teil I beweisen; das Flechtwerk bringen sie so unsichtbar als möglich an. Die Mahakamstämme bevorzugen dagegen mehr schönes Holz, das sie nur oberflächlich mit Schnitzwerk verzieren, dafür aber besonders sorgfältig mit Rotang umflechten (d und e auf Taf. 30 Teil I). Die Kenja legen auf eine schöne Verzierung der Schwertscheiden überhaupt wenig Gewicht.

Inbezug auf die Scheidenschnitzerei gelten nicht die gleichen strengen Vorschriften wie für die von Griffen; wahrscheinlich weil für erstere selten Hirschhorn oder Knochen als Material gewählt wird und ihre Herstellung keine so grosse Übung erfordert. Es sind denn auch viel mehr Leute imstande, eine hübsche Scheide zu verfertigen als einen hübschen Griff. Die Knochenschnitzer verstehen jedoch, dank ihrer grösseren Erfahrung, unter anderen Schnitzarbeiten auch die schönsten Scheiden zu liefern.

Das Messer, das in einem besonderen Futteral an der dem Träger zugekehrten Seite getragen wird, ist, wenn auch in geringerem Grade als die übrigen Teile der Waffe, ebenfalls mit Sorgfalt gearbeitet. Das obere Ende (siehe Teil I Taf. 28 h) trägt häufig eine Verzierung von Knochenschnitzerei; der anschliessende hübsch polierte Stiel besteht aus sehr hartem, rotem oder braunem Holz, während das untere Ende, an dem die Klinge mit einer schlechten Guttaperchasorte befestigt ist, entweder mit feinem Rotanggeflecht und _kebalan_ oder, nach Ansicht der Bahau auf besonders schöne Weise, mit feinem Kupferdraht umwunden ist.

Das Polieren der Stiele aus sehr hartem Holz geschieht derart, dass man zuerst das Holzstück roh mit dem Messer beschneidet, es mit diesem durch Kratzen bearbeitet und zum Schluss mit stark kieselsäurehaltigen Baumblättern glatt scheuert. Der Glanz wird dem Holz stets durch Einreiben mit Wachs und Nachreiben mit Tüchern verliehen.

Erwähnenswert ist, dass auch hölzerne Gegenstände auf die gleiche Weise wie weisser Kattun, Rotang u.s.w. durch Vergraben in Moder dunkel, oft schwarz gefärbt werden. Die Griffe aus Holz werden nämlich beinahe ausnahmslos in schwarz verlangt, doch ist keine der harten Holzarten, aus denen man sie schnitzt, ursprünglich schwarz. Um nun die gewünschte Farbe zu erhalten, vergräbt man die Griffe nach ihrer vollständigen Bearbeitung für einige Tage unter dem Haus in Moder, wonach sie ein tiefes Schwarz zeigen. Nach dem Reinigen und Trocknen legt man mittelst Reibblättern und Wachs die letzte Hand an sie an.

Die Vorliebe der Bahau für verzierte Gegenstände in ihrer Umgebung äussert sich auf die mannigfachste Weise. Die verschiedenen Unterteile des Hauses werden, wenn möglich, mit Bildhauerarbeit geschmückt, und alle Gerätschaften, besonders diejenigen, die lange Zeit dienen müssen, werden so schön als möglich ausgestattet. Auf Tafel 61 sind verschiedene hübsch geschnitzte Artikel des dajakischen Hausrats abgebildet, während die Tafeln 65-68 uns von den Leistungen der Bahau in der Bambusschnitzkunst eine Vorstellung geben.

Bei der Herstellung dieser Gegenstände gilt durchweg als Regel, dass ursprünglich zwar ein Stück in roher Form geschnitzt oder modelliert wird, von einem vorhergehenden Entwurf mittelst Zeichnung oder einer Angabe der anzubringenden Figuren aber keine Rede ist. Dies ist ein sehr bemerkenswerter Umstand, besonders wo es sich um so komplizierte Figuren, wie die auf Bambusbüchsen und anderen Schnitzwerken, handelt. Ferner mag darauf hingewiesen werden, dass die Anwendung so einfacher Instrumente, wie die eines Messers und Bohrers, doppelte Bewunderung verdient, wo es sich um so hartes, brüchiges Material wie Hirschhorn handelt, das noch viel härter als Elfenbein ist, und um die ebenfalls sehr harte und brüchige Oberfläche von Bambus und anderen ähnlichen Holzarten. In dieser Hinsicht sind die Bahaukünstler wahre Meister in ihrem Fach. Die Gewohnheit, mit so brüchigem Material umzugehen, scheint sie vorsichtig und geschickt gemacht zu haben, denn nur selten missglückt ein Gegenstand durch Brechen oder Absplittern.

Einen bedeutenden Industriezweig bildet bei den Bahaustämmen auch das Flechten von Rotang, Bambus, Pandanusblättern etc. Zwar wird auch diese Arbeit nicht in grossem Massstab betrieben, sondern im allgemeinen verfertigt jede Familie das für den Hausstand nötige Flechtwerk selbst, doch hat dieses Handwerk infolge mannigfacher Anwendung gleich einigen anderen eine grosse Höhe erreicht. Im grossen ganzen tragen die Flechtarbeiten der Bahau denselben Charakter wie die anderer dajakischer Stämme, doch sind sie meistens weniger fein als die aus dem Baritogebiet stammenden. Möglicherweise jedoch danken letztere ihre Entstehung dem Reichtum der bandjaresischen Bevölkerung, die für feine Matten u.a. viel ausgeben kann. In einigen Spezialitäten, wie in dem Flechtwerk von Schwertgriffen und Messern, liefern auch die Bahau sehr feine Arbeit.

Die den Malaien am nächsten wohnenden Bahaustämme leisten auch im Flechten am wenigsten, daher suchen sich die Mendalambewohner z.B. schöne Matten vom Mahakam zu verschaffen.

Dauerhafte Gegenstände werden meistens aus Rotang, kleine, beim Kultusdienst gebräuchliche Körbe und Matten dagegen aus Pandanusblättern geflochten. Für feine Flechtarbeit ist das dunkelbraune _kebalan_ beliebt, die Stengelfasern einer hoch im Gebirge vorkommenden Schlingpflanze, die zu den Farnen zu gehören scheint. Bambus findet beim Flechten wenig Verwendung.

Die Bahau flechten nicht mit allen, sondern nur mit bestimmten Arten von Rotang; auch sah ich diesen nur für Kriegsmützen, die Schwerthieben standhalten müssen, in seiner ganzen Dicke oder halb gespalten anwenden; meistens wird nur die äusserste Schicht des Stammes in gröbere oder feinere Streifen präpariert, je nachdem das Flechtwerk grob und stark oder fein sein muss. Die allerfeinsten Flechtarbeiten werden aus dem bekannten Rotang _sega_ und noch dünneren Arten hergestellt.