Quer Durch Borneo; Zweiter Teil

Chapter 21

Chapter 213,537 wordsPublic domain

Ausser den eben genannten Rändern sind auch vielfach gestickte modern, von denen Tafel 46 einige vorführt. Meistens wird auf einfachen schwarzen oder dunkelblauen Kattun gestickt, bisweilen aber auch auf roten Flanell. Auf Tafel 41 sehen wir die Frau links damit beschäftigt, eine derartige Stickerei auf dem Zipfel eines Lendentuches anzubringen und zwar in der charakteristischen Form spitzer Dreiecke, wie sie für diese Kleidungsstücke gebräuchlich sind. Für diese Stickereien werden von den Männern keine Entwürfe hergestellt, sondern die Frauen führen die Figuren ohne vorausgehende Zeichnung während der Arbeit selbst aus.

Von dem Formen- und Farbensinn, den sie dabei entwickeln, Gibt Taf. 46 einen Begriff. Fig. a muss noch längs der die Stickerei durchziehenden Pflanzenfaser in drei Dreiecke zerlegt werden, um dann ebenfalls als Verzierung für Rockränder dienen zu können. Von den Dreiecken bestehen das mittelste und das linke aus Linien figuren, das rechte dagegen hat zum Hauptmotiv eine stilisierte Hundefigur (1) mit nach links gewendetem Kopf, von dem ein Auge und die beiden langen Kiefern mit der Zunge dazwischen am besten erkennbar sind; die übrigen Körperformen, wie Hals, Leib, Beine und Schwanz sind in gefällig gebogenen Linien ausgeführt.

Rand b bildet ein fast völlig aus dekorativen Linien zusammengestelltes Ganzes, nur links und rechts (bei 2) sind Vogelfiguren mit nach aussen gewendeten Köpfen angebracht. Die schwarz und weiss gestreiften Schwänze deuten einen Nashornvogel an. Dasselbe gilt für Rand c, bei dem sich zwischen zierlichen Linienfiguren 3 Vogelformen (bei 3) unterscheiden lassen. Rand d ist nur halb ausgearbeitet und trägt erst ein stark verziertes mittleres Dreieck.

In gleichem Charakter ausgeführte Stickereien, aber, anstatt auf den Rändern, im Mittelfelde des Rockes, sind bei den Long-Glat im Schwange. Einen derartigen Rock trägt die mittelste Frau auf Tafel 8; dies ist _Kwing Irangs_ zweite Frau, _Uniang Anja_, eine Long-Glat von Geburt. Die Hauptfiguren dieser Stickerei bestehen aus 6 Hundekörpern mit zur Mitte gekehrten Köpfen, welche je zu dreien über einander zu beiden Seiten angebracht sind. Im Gegensatz zu _Uniang_ hat _Kehad Hiang_, die rechts auf dem Bilde steht, einen Rock an, bei dem nach Kajanart nicht das Mittelfeld, sonder die Ränder bestickt sind.

Eine andere Art von Stickerei ist auf Tafel 47 an dem oberen Rande von Fig. d in 1 und an e in 3 zu sehen. Diese schmalen Streifen werden von den Frauen entweder als selbständige Verzierung oder, wie hier, in Verbindung mit einer weiter unten zu besprechenden Borte auf Jacken gestickt. Das Material besteht aus verschiedenfarbiger, eingeführter, dünner Baumwolle und auch der Stoff der Jacken ist häufig fremdes Fabrikat. Die mit sehr langen Kreuzstichen gearbeitete Stickerei ist nur dadurch beachtenswert, dass die Künstlerin sich bemüht, beim Durchstechen an der Rückseite des Zeuges von den Fäden so wenig als möglich sehen zu lassen, was ihr sogar auch bei dünnem Kattun merkwürdig gut gelingt. Ich glaube diese eigentümliche Nähweise darauf zurückführen zu müssen, dass auf diese Art früher und auch jetzt noch gelegentlich auf Baumbast gestickt wird, wobei die Fäden ebenfalls nicht bis auf die Innenseite durchgezogen werden dürfen. Ein bei der Dicke des Baumbastes sehr einfaches Verfahren erfordert jedoch bei dünnem Kattun grosse Geschicklichkeit.

An die eben beschriebenen Streifen auf Taf. 47 schliessen sich die oben schon erwähnten Ränder an, die auf ganz besondere Weise hergestellt werden und am besten vielleicht als Knüpfarbeit (_serawang_) zu benennen sind. Das mit a bezeichnete Stück in Fig. d stellt einen Teil eines solchen Randes dar; er ist völlig ausgeführt und dient als untere Verzierung einer Kattunjacke. Der bei 4 in Fig. e abgebildete zweite derartige Rand ist noch unvollendet und daher geeignet, uns eine Vorstellung von der Entstehung dieser Knüpfarbeit zu geben.

Die Frauen arbeiten von rechts nach links mittelst eines Fadenbündels, das aus ebensovielen Fäden besteht als im Muster Farben vorkommen, hier also 5, und aus einer etwas dickeren Schnur. Den roten Faden, der z.B. auf dem Muster sichtbar werden soll, fädelt sie in eine Nadel und, indem sie mit der linken Hand die übrigen Fäden des Bündels festhält, zieht sie diesen roten Faden durch den unteren Rand der Jacke und knüpft dann mit ihm um das Bündel eine Schlinge, wodurch dieses an den Jackenrand fest angenäht wird; dann fährt sie fort, immer von rechts nach links so viele rote Schlingen um das Fadenbündel und durch den Jackenrand zu ziehen, als die Breite der roten Farbe im Muster sie erfordern. Für die links folgende Farbe, z.B. weiss, sucht sie den weissen Faden aus dem Bündel hervor, fädelt ihn durch die Nadel und knüpft wiederum die erforderliche Anzahl weisser Schlingen durch das Zeug des Jackenrandes und um das Fadenbündel. Indem sie so fortfährt, entsteht unten um den ganzen Jackenrand ein Streifen in den gewünschten Farben und von der Dicke des umknüpften Bündels der farbigen Fäden; unter diesem bringt sie nun ein zweites Fadenbündel an, indem sie auf die oben geschilderte Weise in den vom Muster vorgeschriebenen Farben eine neue Reihe von Schlingen knüpft. Die Nadel steckt sie aber diesmal natürlich nicht durch den Zeugrand der Jacke, sondern durch den untersten Rand des ersten Bündels. Die in jedem Fadenbündel steckende Schnur dient erstens dazu, dieses zu verdicken, zweitens um dem Knüpfwerk, dessen Schlingen nur schwer dicht genug aneinander gebracht werden können, durch nachträgliches Anziehen die nötige Festigkeit zu verleihen. Ein solches Bündel wird stets nicht auf einmal längs des ganzen Jackenrandes ausgearbeitet, sondern, sobald die Frau ein Stück weit gekommen ist, beginnt sie stets wieder eine neue Reihe von Bündeln untereinander anzubringen. In diesem Stadium sehen wir den unvollendeten Rand von 4 in Fig. e. Hier ist der oberste Teil bereits fertig geknüpft, der unterste jedoch nur so weit gefördert, als die Fadenbündel 5-11 angeben; von diesen liegt 5 am höchsten, 6 darunter u.s.f. Soll an diesem Rand weiter gearbeitet werden, so beginnt man damit, den braunen Faden von Bündel 5 in eine Nadel zu fädeln, diese durch den vollendeten unteren Rand der Borte zu stecken und nun so viele Schlingen um Bündel 5 zu knüpfen, als die Breite der braunen Farbe sie erfordert. Dann vertauscht man den braunen Faden mit dem grünen und gebraucht diesen nun auf dieselbe Weise, bis die rote Farbe sichtbar werden muss u.s.w. Nach derselben Methode wird später Bündel 6 unter 5 befestigt und ferner 7, 8, 9, 10, 11, wodurch der Rand um die Dicke von 7 Bündeln breiter geworden ist. Während der Arbeit wird die Schnur im Bündel immer wieder straff angezogen. Eine derartig gearbeitete Borte ist äusserst fest und dauerhaft, obgleich die einzelnen Bündel nicht auf eine Unterlage von Zeug, sondern nur aneinander geknüpft worden sind.

Da das Knüpfen viel Zeit und grosse Übung heischt, sind solche Ränder sehr wertvoll und nur selten käuflich. Ich sah diese Verzierungsmethode ausschliesslich bei Jacken anwenden. Dagegen wird eine andere Art von Knüpfarbeit, nicht mit bunten, sondern mit weissen Fäden, auch längs den Zipfeln von Lendentüchern angebracht. Hierbei benützt man die frei hängenden weissen Fäden von der Kette des selbst verfertigten Baumwollstoffes, um sie in hübschen, den europäischen ähnlichen Mustern zu knüpfen.

Ausser aus selbstgewebten und eingeführten Stoffen verfertigen die Bahau ihre Kleidung, wie gesagt, auch aus Baumbast (_kapuwa, njamau_), dessen Zubereitung bereits in Teil I p. 222 beschrieben worden ist. Tafel 48 giebt eine Vorstellung von der Behandlung des Baumbastes; der Mann rechts löst den Bast von einem Stamm, indem er auf dessen Aussenseite schlägt, wodurch die Verbindung der Bastteile mit dem darunter liegenden Holz zerstört wird. Nachdem auch die Rinde von dem Bast geschieden worden ist, rollt man diesen auf, klopft ihn mürbe und verbreitert ihn, wie es der Mann links tut, durch Klopfen mit einem gekerbten Stück Holz. Ein derartiger Klopfer, auf Tafel 62 bei i abgebildet, hat bei allen Stämmen die gleiche Form.

Ungefähr zehn in Farbe und Feinheit der Fasern voneinander deutlich verschiedene Arten von Baumrinde werden für die Herstellung von Kleidern verwendet. Besonders schönen Bast liefert Antiaris toxicaria, nämlich ganz weissen, feinfaserigen, der überdies in grossen, breiten Lappen erhalten werden kann, was mit anderem weissem Bast nicht der Fall ist. Die schmalen Arten gebraucht man meistens zu Kopfbinden, den breiten Bast von Antianis, am Mahakam _njamau tatjem_, am Kapuas _kapuwa tasem_ genannt, meist für hübsche Jacken, wie Tafel 49 oder für Kriegsmäntel, wie Taf. 50 sie vorführen. Die meisten Baumbastsorten sind jedoch mehr oder weniger von dunkel brauner Farbe und werden weniger, wie die weissen, für Fest- als für Arbeits- und Trauerkleider verwendet.

Für den täglichen Gebrauch ist Bast besonders geeignet, weil er billig und dauerhaft ist und überdies auch bei längerem Tragen nicht die schmutzige Farbe annimmt, die weissem Kattun bald eigen ist, da die Kleider der Bahau wohl ausgespült, aber nicht mit Seife gewaschen werden. Die verschiedenen Arten von Baumbast heissen am Mahakam: 1°. _njamau tatjem_; 2°. _njamau kehan_; 3°. _njamau siken_; 4°. _njamau kelop;_ 5°. _njamau tekunoi_; 6°. _njamau asang_; 7°. _njamau puro_; 8°. _njamau awong kate_; 9°. _njamau ajuw_; 10°. _njamau tahab_. Von diesen stammen 1-4, 6, 7, 9 und 10 von grossen Bäumen, die Rinde von 5 und 8 wird aber nicht breiter als 2 dm. In bezug auf ihre Eigenschaften sind diese Baumbastarten sehr verschieden; i und 8 sind nach der Bearbeitung sehr weiss und dabei stark, für Kleidungsstücke deshalb sehr gesucht. Die übrigen sind alle braun, zeigen aber, was Stärke und Dicke der Fasern betrifft, eine grosse Verschiedenheit. So ist 3 für grobe Kleidung sehr beliebt. Dabei lässt sich diese Art, was die Stärke der Fasern betrifft, sogar wie _tengang_ zur Seilerei verwenden. Diese Seile zeichnen sich durch grosse Dauerhaftigkeit aus.

Die Baststoffe, deren Fasern alle ungefähr parallel laufen und ausserdem durch Klopfen auseinander gedrängt werden, trennen sich beim Gebrauch leicht völlig, ein Nachteil, dem man dadurch abzuhelfen sucht, dass man starke Pflanzenfasern oder Schnüre quer durch den Bast zieht, wodurch den Fasern ein seitlicher Halt gegeben wird. Bei den Bahau geschieht dies bei der Alltagskleidung auf einfache, aber oft sehr nette Weise; das Durchsteppen hat sogar eine sehr hübsche Verzierung der für die Festtracht bestimmten Baststoffe veranlasst. Zwei Beispiele hierfür sind die ärmellose Jacke auf Tafel 49 und die Kriegsjacke auf Tafel 50. Bei beiden sind die Bastfasern nicht einfach quer durchstickt worden, sondern die Ma-Sulingfrauen haben bei diesen Jacken einen grossen Reichtum an verschiedenartigen Stickmustern angebracht. Eine gleiche Bewunderung verdient auch die ausserordentlich regelmässige Arbeit, bei der noch berücksichtigt werden muss, dass das Zählen der Fäden, ein Hilfsmittel bei gewebtem Zeug, hier fortfällt und die Stickerin ausschliesslich auf ihr Augenmass angewiesen ist. Wie mitten auf der Vorderseite auf Tafel 49 und in der Halsöffnung auf Tafel 50 zu sehen ist, sind die Fäden horizontal durch die Dicke des Bastes gezogen worden, nur wenige kommen an der Innenseite zum Vorschein.

Die Trauerkleider aus Baumbast werden stets auf einfache Art durchsteppt und niemals verziert; auch gebraucht man für diese keine hübschen weissen, sondern nur braune Bastsorten.

Bastkleider werden nicht ausschliesslich aus wenigen grossen Stücken, sondern auch aus vielen kleinen verfertigt, indem man diese aneinander heftet, eine Arbeit, mit der wir die Frau rechts auf Tafel 55 beschäftigt sehen. Ausser für Kleider wird Bast auch für andere Artikel, wie Säckchen zur Aufbewahrung von Kleinigkeiten u.a.m. verwendet.

Die mehr oder weniger ausgedehnte Verwendung von Baumbast zur Kleidung und die Bewertung dieses Stoffes bei den verschiedenen dajakischen Stämmen sind davon abhängig, ob diese sich leicht oder schwer mit europäischem Kattun versehen können. So ist, wie gesagt, am Mendalam der Gebrauch von Baumbast sehr zurückgegangen, niemand wählt ihn jetzt mehr zur Festkleidung. Da hierdurch auch eine Verzierung dieses Stoffes mit Stickereien unmodern geworden ist, wird auch das Sticken auf gewebten Zeugen überhaupt nicht mehr oder nur in sehr mangelhafter Weise noch ausgeführt. Das Gleiche ist bei den Mahakambewohnern unterhalb der Wasserfälle und den Long-Glat der Fall, während die Kajan, Pnihing und Ma-Suling zur Kleidung noch vielfach Baumbast gebrauchen, diesen noch sorgfältig bearbeiten und ihn für einzelne Teile der Festtracht, wie z.B. ihre grossen Kopfbinden, dem eingeführten Kattun sogar noch vorziehen (siehe Tafel 20).

Bei den Kenjastämmen wird Baumbast ebenfalls noch sehr viel getragen, im Walde und auf grossen Reisen beinahe ausschliesslich.

Allen Stämmen der Bahau und Kenja ist die Schmiedekunst bekannt. Die für den Ackerbau, den Busch etc. notwendigen Werkzeuge verfertigen sie selbst. Ursprünglich wendeten diese Stämme selbstgeschmolzenes Eisen an, jetzt weit mehr aus Europa eingeführtes. Während man auf Form und Bearbeitung der täglich gebrauchten eisernen Gegenstände nicht viel Gewicht legt, geschieht dies in hohem Masse beim Schmieden von Waffen, in welcher Kunst die Bahau und Kenja es sehr weit gebracht haben und Erzeugnisse liefern, die auch bei der Küstenbevölkerung sehr geschätzt sind.

In jeder Niederlassung sind ein bis mehrere Schmiede zu finden, die für die Eingesessenen alle neuen Geräte herstellen und die alten ausbessern. Jeder Schmied besitzt eine eigene Schmiede ausserhalb des langen Hauses, aber in dessen Nähe. Sehr einfache Schmiedearbeiten versteht beinahe jeder Dajak selbst auszuführen, z.B. seine Ackergeräte gerade zu schlagen oder zu schärfen, eine abgebrochene Spitze zu erneuern oder aus einem Nagel einen Angelhaken zu schmieden. Doch wird ein Berufsschmied als etwas Besonderes angesehen und daher wie ein echter Künstler von einem Geiste (_to temne_ = Schmiedegeist) beseelt gedacht. Ist dies nicht der Fall, so kann er auch nichts Hervorragendes in seinem Fach leisten. Bisweilen lässt sich eine Person durch eine _dajung_ mit einem _to temne_ aus Apu Lagan beseelen, ohne noch für die Schmiedekunst besondere Anlage oder Lust zu zeigen; dies geschieht bei jungen Männern während einer ernsten Krankheit, um den Patienten mit Hilfe eines mächtigen Schmiedegeistes zu heilen. So hatte man für _Awang Kelei_, einen der beiden Kajanschmiede am Blu-u, bereits in früher Jugend einen _to temne_ herbeigerufen und mit ihm verbunden, weil er sehr lange an syphilitischen Ulzerationen gelitten hatte, deren Spuren er noch später trug. Wie alle beseelten Individuen, müssen auch die Schmiede zu bestimmten Gelegenheiten ihrem Schutzgeist opfern, hauptsächlich bei Krankheit; sie bewahren auch stets in ihrer Schmiede einige alte Perlen als Lockmittel für ihren Geist, wie die Tätowierkünstlerinnen in ihrem Instrumentenkörbchen.

Die Werkstatt eines Schmieds besteht gewöhnlich nur aus einem 8-10 qm grossen Dach, das an den Ecken auf Pfählen ruht und zu niedrig ist, um unter ihm aufrecht stehen zu können. Bei den Bahau wird das Dach mit Schindeln gedeckt und das Ganze ringsum gegen die frei umherlaufenden Schweine mit einer Hecke umgeben.

Die Utensilien eines Schmieds sind recht primitiv; das wichtigste Stück, der Ambos, ist ein nicht sehr grosses viereckiges Stück Eisen, das in Holz gefasst mitten auf dem Boden steht. Das zu schmiedende Stück Eisen wird mit einer Zange (Taf. 51 Fig. 10) festgehalten und mit einem Hammer (Fig. 11) weiter bearbeitet. Stets befindet sich ein Schweinetrog mit Wasser in der Nähe, zur Abkühlung oder Härtung des Eisens. Der Schmied gebraucht das gleiche Feuer wie der Kalkbrenner. Die Heizung geschieht immer mit Holzkohlen, welche die Schmiede selbst im Walde brennen. Angeblasen wird das Feuer mittelst eines doppelten Glasbalgs, von dessen beiden Teilen jeder so eingerichtet ist, wie der eine auf Taf. 58. Den Hauptbestandteil bildet ein in die Erde gepflanzter ausgehöhlter Baumstamm, in dem sich ein oben mit einem elastischen Stock verbundener Sauger befindet. Wie die Abbildung zeigt, drückt der junge Mann den Stock nach unten, um die Luft unter dem Sauger fortzupressen, der durch die Elastizität des Stockes wieder hinaufgezogen wird.

Die unter dem Sauger ausgepresste Luft dringt durch eine unten am Baumstamm befindliche Öffnung in eine Abfuhrröhre aus Holz oder Bambus, und wird von hier in ein Verlängerungsstück aus feuerfestem Lehm, das im Feuer selbst liegt, geleitet. Der Sauger besteht aus einer meist mit einem dichten Federkranz versehenen Holzscheibe, welche die Öffnung- verschliesst. Die beiden neben einander stehenden Luftpumpen werden durch eine zwischen den Saugstangen sitzende Person, welche in jeder Hand eine derselben hält, abwechselnd in Bewegung gebracht.

Fügt man zu den oben genannten Werkzeugen noch einige selbstverfertigte Meissel, so ist hiermit, ausser zur Herstellung besonders feiner Gegenstände, die ganze Ausrüstung eines Bahauschmieds aufgezählt.

Das billige und bessere europäische Eisen hat, wie gesagt, das früher ausschliesslich verwendete selbstgeschmolzene Eisen bei diesen Stämmen verdrängt. Die am Mittellauf des Mahakam, und Kapuri lebenden Eingeborenen haben das Schmelzen eigenen Eisens gänzlich aufgegeben; oberhalb der Mahakamwasserfälle wird es noch ab und zu bei den Long-Glat geübt. Zu diesem Zwecke wird zuerst im Walde eine grosse Menge Holzkohle gebrannt, dann in den Schuttbänken einiger kleiner Nebenflüsse des Mahakam Eisenerz gesucht, das hier in gelbbraunen Brocken in Form stumpfer Ästchen und kleiner Zylinder vorkommt und, je nach den Flüssen, von verschiedener Qualität sein soll. Darauf wird in einem Erdloch ein starkes Feuer entzündet und in diesem werden abwechselnde Lagen von Holzkohle und Erz bis zur völligen Verbrennung in Glut gehalten. Nach der Abkühlung findet man am Grunde des Loches einen mit Schlacken vermengten Eisenklumpen. Begreiflicherweise ist der Kohlengehalt in diesem sehr verschieden und sind Gusseisen, Stahl und Schmiedeeisen in ihm unregelmässig vermengt. Von einem derartigen Klumpen schlägt nun der Schmied ein Stück von der Grösse des Gegenstandes, den er herstellen will, ab. Auch die besten Waffenschmiede verstehen die verschiedenen Arten von Eisen nur schlecht zu unterscheiden und ineinander überzuführen.

Will daher ein Waffenschmied ein Schwert mit den Eigenschaften von Stahl herstellen, so trifft er nur durch Zufall sogleich das Richtige; die meisten Schwerter, die eine bestimmte verlangte Eigenschaft haben müssen, werden wiederholt umgeschmiedet und mit neuen Eisenarten gemengt. Die Schmiede wissen zwar, dass man Stahl härten kann, Eisen dagegen nicht, und dass Eisenstücke von gewissen Eigenschaften durcheinander geschweisst ein gut härtbares Metall liefern können; doch bleibt es bei ihnen stets beim Probieren, und eine homogene Masse wird denn auch beinahe niemals erzielt. Das Härten geschieht auch nur in der rohesten Form, indem der ganze glühende Gegenstand plötzlich in Wasser getaucht wird; ein Härten mit Ö1 oder ein partielles Härten, z.B. beim Schmieden eines Schwertes, ist gänzlich unbekannt.

Aus obigen Gründen sind die besonders guten Schwerter, denen die Bahauschmiede ihren Ruhm verdanken, nur selten zu finden und nur zufällig entstanden; sie können nie in Qualität mit den besten Waffen europäischer Schmiede konkurrieren. Weitaus die meisten Schwerter besitzen mehr die Eigenschaften eiserner, als stählerner Waffen und auch diejenigen mit schöner Einlegearbeit habe ich oft von den Eigentümern geradebiegen sehen, wenn sie durch den Gebrauch gelitten hatten. Bisweilen springen aus den Schneiden Teile heraus oder fliegen grosse Stücke ab u.a.m. Somit ist es, abgesehen von den mit dem Schmelzen des Eisens verbundenen Schwierigkeiten, begreiflich, dass die Eingeborenen unter den an den Küstenplätzen eingekauften Artikeln hauptsächlich auch grosse Mengen guter Eisenstäbe ins Innere hinaufführen, trotz der Schwere der Lasten. Aus diesem Eisen geschmiedete Schwerter werden denn auch viel höher geschätzt, als die aus eigenem Material verfertigten.

Von den im täglichen Leben der Bahau viel gebrauchten geschmiedeten Gegenständen sind einige auf Tafel 51 abgebildet. Vor allem das eigentümliche dajakische Beil (_ase_) Fig. 1, von kleinem Umfang und besonderer Form, das vielfach von einheimischen Schmieden hergestellt, aber auch in grosser Anzahl von der Küste eingeführt wird. Da diese Beile den Dajak nur, wenn sie billig sind, verkauft werden können und diese sich bereits seit Jahrhunderten mit ihrer Herstellung befassen, sind ihre eigenen Produkte häufig, aber nicht immer, besser als die eingeführten. Mit guten Exemplaren leisten die Eingeborenen beim Fällen der bisweilen sehr harten Waldbäume Wunderbares, auch sind sie, was für ihren Wert spricht, zum Verkauf derselben nicht zu bewegen.

Die Beile werden an den Stielen in der auf Fig. 3 gezeigten Weise befestigt; das Eisen 3b ruht mit seinem schmalen Ende auf einer Verbreiterung 3a des elastischen Stielteils 3c. Die Befestigung geschieht durch ein Flechtwerk von Rotang, das mit besonderer Sorgfalt in der Regel derart angebracht wird, dass das Beil zwar nach vorn gleiten kann, beim Schlagen jedoch stets fester ins Flechtwerk hineingetrieben wird. Nach dem gleichen Prinzip ist auch der Hammer (Fig. 11) auf seinem Stiel befestigt. Zum Schutz der Schneide beim Tragen wird diese mit einem Rotangfutteral versehen, was bei kostbaren Werkzeugen öfters geschieht, wie z.B. auch beim Dechsel (Fig. 8) eine geflochtene Scheide am Stiele hängt. Der Stiel des Beils besteht aus zwei Teilen, dem dickeren Holzgriff 3f und dem dünneren biegsamen Teil 3 c, der den Schlägen die nötige Elastizität verleihen muss. c ist mittelst einer Art von Guttapercha (d) im Griff befestigt. Die gleiche Einrichtung ist an den Werkzeugen 8 und 11 zu sehen.

Bemerkenswert an Fig. 3 ist noch das hübsche Flechtwerk von _kebalan_ am oberen Ende des Griffs, das zwar, wie auch 8 und 11 zeigen, fast stets angebracht wird, um eine Spaltung des Holzes zu verhindern, hier aber besonders breit und sorgfältig ausgeführt ist.

Nach den Beilen verdienen die Dechsel die meiste Beachtung; sie kommen in zahlreichen Modellen vor: zur Herstellung von Brettern werden die breiten, platten gebraucht (Fig. 8), beim Bau von Böten, zur Abplattung der runden Oberfläche, mehr die runden, wie Fig. 5, während die kleinen, Fig. 7, z.B. zur Entfernung der Aussenrinde eines Hirschhorns dienen. Dechsel mit langen Stielen werden auch wohl wie in Europa zum Glätten von Planken angewendet. Wie die Dechsel bei der Bearbeitung von Böten gebraucht werden, ist auf Tafel 57 dargestellt.

Das Jäteisen (Taf. 51 Fig. 2) ist im Grunde nur ein roh geschmiedeter Dechsel, mit dem die Frauen das Unkraut von den Feldern wegkratzen. Ein anderes Gerät aus rohem Eisen ist der Hohlmeissel (Fig. 9), mit dem man in die Rinde der Guttaperchabäume Rinnen schlägt, um den Milchsaft abzuzapfen. Fig. 4 stellt eine Harpune zum Fang grosser Fische dar. Ihr oberstes Stück, das allein aus Eisen besteht, ist mit seinem hohlen unteren Ende sehr locker auf dem zugespitzten Ende des Stockes befestigt. Um das Unterende des Eisens ist jedoch einige Mal eine Schnur gebunden, die bei 4b und 4c nochmals um den Stiel gewickelt ist, so dass der eiserne Haken, sobald er mit dem Fisch vom Stocke gleitet, doch an der Schnur befestigt bleibt.