Quer Durch Borneo; Zweiter Teil

Chapter 20

Chapter 203,437 wordsPublic domain

Die Dachkonstruktion is derjenigen von _Kwing Irangs_ Hause sehr ähnlich. Rechts wird der Firstbalken von dem hohen Eisenholzpfahl h getragen, links von dem Eisenholzbalken u, der mit seinem zugespitzten Unterende in dem horizontalen _penjapai_ r eine Stütze findet. Ausserdem ruht der Firstbalken auf einem Holzgitter, das von dem Mittelbalken t gestützt wird. Getragen wird dieser Balken von den _walang bahi-u_ j und an der linken Seite überdies von dem Balken, an dem das kleine dreieckige Dach o und u befestigt ist. Auch hier sind die verschiedenen Teile entweder ineinander gefügt und mit Rotang gebunden oder mit Holzstiften befestigt, wie sie am Balken t zu sehen sind.

Die Seitenansicht (A Taf. 37) dieses Hauses zeigt nicht nur seine innere Anlage von vorn nach hinten, sondern auch den Bau der freien Seite, da ich als Beispiel das letzte Familienhaus der langen Häuser reihe gewählt habe, um die Konstruktion der Seitenwand vorführen zu können. Rechts auf der Zeichnung sieht man, dass die ganze hintere Haushälfte bei der _amin_ mit Brettern i verschalt ist, die beinahe bis zu den _balang bahi-u_ j reichen und an einem Holzgitter k befestigt sind, das durch die Stützbalken der _walang bahi-u_ und des Daches gestützt wird. Die Galerie ist seitlich durch keine Wand abgeschlossen; wie die Treppe 1 andeutet, dient ihre hintere Hälfte als Eingang, die vordere ist, wie auch die Vorderseite des ganzen Hauses, durch ein offenes Holzgitter abgeschlossen.

Über der Seitenwand liegt das dreieckige Dach, das aus oben zusammenlaufenden Sparren o besteht, die hier nur in der linken Hälfte gezeichnet sind und, wie auch an der Vorder- und Hinterseite, mit vielen Reihen von Schindeln n (_kepang_) bedeckt sind. Auch die _panjin_ wählen für diese in der Regel das gut spaltbare Tengkawang-Holz. Angegeben ist ferner noch, wie das Seitendach an der Berührungslinie mit dem Vorder- und Hinterdach durch eine Reihe schräg angebrachter Schindeln p geschützt wird.

Ein Blick auf den Grundriss C orientiert uns über den Bau dieses Hauses in horizontaler Ausdehnung.

Von der _awa_ gelangt man über eine geschnitzte Türschwelle a in einen Raum, der rechts durch eine Wand vom Herdplatz geschieden ist und gradeaus durch die Vorderwand einer Schlafkammer c begrenzt wird. Der mittlere Raum der _awa_ ist viereckig, an allen Seiten von einem um 1 Fuss erhöhten, beinahe 2 m breiten Fussboden eingeschlossen. In den Ecken finden sich auf letzterem Kammern, c, c_2_ und c_3_; in denen die Familienglieder schlafen oder ihre Sachen aufbewahren. Zwischen der Tür und dem Schlafplatz c_3_ in der rechten Ecke befinden sich, durch Wände voneinander getrennt, der Herdplatz und eine Vorratskammer b mit oder ohne Tür. Rechts, unmittelbar neben der Eingangstür, stehen gewöhnlich die Bambusgefässe mit Wasser.

Bei der _awa_ sind auch die beiden grossen Pfähle d im Durchschnitt angegeben; sie unterstützen die Vorderenden der _walang bahi-u_ auf dieselbe Weise wie bei _Kwing Irangs_ Hause. Die Pfähle d scheiden, wie in der Galerie des Häuptlings, den hinteren Teil der _awa_, der als Durchgang für den ganzen Stamm dient, von dem vorderen, den die Familie als Arbeitsplatz benützt. Auf dem Grundriss ist nur der hintere Teil der _awa_ gedielt gezeichnet, auf dem vorderen sind die Bretter zum Teil weggelassen, so dass man von oben auf die _doröng e_ und die _penjapai_ f sieht. Auch die hier in der Regel kleinen, aber sehr festen _aling_ g aus Eisenholz mit den zugehörigen _djehe_ h, ebenfalls aus Eisenholz, sind angegeben.

Die innere Einrichtung der _amin_ lernt man am besten durch eine Betrachtung der beiden Tafeln 39 und 40 kennen. Erstere zeigt deutlich den Bau des Herdes. In der dunklen Ecke des Hintergrundes befindet sich die Eingangstür, links von ihr die erhöhte Diele mit der Bretterwand, an welcher ein Schild und ein Sonnenhut hängen. Die Hinterwand dieser Kammer ist mit aufgerollten Palmblattsäcken verziert. Links oben hängt ein Fischnetz und eine Rotangmütze. Rechts von der Tür sieht man eine Bretterwand und dann den Herd nebst den Regalen mit Brennholz und Küchenvorräten, die hier durch den Rauch getrocknet und konserviert werden. An der Bretterwand hängt ein Bambusgestell mit europäischen Tellern und darüber wieder ein aufgerolltes Wurfnetz, unter welchem die Kette (_awit_) deutlich zu sehen ist. Gut sichtbar ist ferner die erhöhte Diele vor dem Herde und auf diesem die Dreifüsse und das eiserne Kochgefäss. Der Mitte zu liegen Rotangmatten auf der Diele ausgebreitet. Taf. 40 giebt die andere Hälfte derselben _amin_ wieder. Hier sehen wir links die Fortsetzung der Küchenregale, dann nach rechts zu einen Vorratsraum mit einem Reiskorbe unten und darüber Regalen. In der Ecke befindet sich eine halbgeschlossene Schlafkammer, in der das in eine Matte gerollte Kissen (_hlen_) liegt. Die Wand ist auch hier mit Palmblattmatten verziert und mit allerhand Gegenständen behängt. Die rechte Hälfte des Bildes zeigt die linke Seitenwand des Hauses, längs welcher die erhöhte, mit einer grossen Rotangmatte bedeckte Diele läuft. Den Reichtum des Besitzers dieser _amin_, des alten Oberpriesters _Bo Jok_, beweist die Reihe schöner, wenn auch neurer _tempajan_, die hauptsächlich zur Aufbewahrung von Reis dienen. Links von den _tempajan_ stehen zwei _ingan dawan_ (Körbe), welche den Hausschatz enthalten. Um sie beim ersten Alarmzeichen in Sicherheit bringen zu können, stehen sie in _kiang_, Tragbutten (Siehe Taf. 54 a). Auf die _ingan_ sind zwei Gonge gebunden, wie sie bei religiösen Zeremonien von den Priestern benützt werden. Rechts von den _tempajan_ steht ebenfalls ein _ingan dawan_, aber ohne _kiang_ und zu beiden Seiten _psau_, Tragkörbe aus Rotang, voller aufgerollter Matten (_samit_).

An der Holzwand, an welcher die mit einem Dechsel bearbeiteten Bretter zu unterscheiden sind, hängen Schwerter, eine dicke Kriegsjacke und eine Sitzmatte (_tabin_) für Männer. Über dem allem ein Regal aus dünnen, runden Stöcken, auf dem Matten und Körbe aufbewahrt werden. Rechts in der Ecke hängen von der Decke wieder Kriegsmützen mit Federschmuck herab.

Von dem Bau der Mittelwand und der Eingangstür (_betaman_) macht man sich am besten nach Tafel 28 eine Vorstellung. Die übereinander greifenden Wandbretter sind mit Rotang aneinander gebunden und stehen auch hier auf einer horizontalen Planke, welche als Getäfel dient. Bemerkenswert ist die Umrahmung von Tür und Schwelle, die ganz aus hübsch geschnitzten Figuren besteht, denen das Genitalmotiv zu Grunde liegt. Die an die Wand gelehnten Bambusgefässe dienen, um das Schweinefutter nach unten zu tragen.

Beim Einzug eines _panjin_ in seine neue Wohnung begeben sich alle Familienglieder, die wertvollsten _ingan dawan_ auf dem Rücken, unter Beckenschlag in die _amin aja_ und tun, als ob sie das gute Vorzeichen, das der Häuptling seinerzeit für sein eigenes Haus gesucht hatte, mitnähmen. Nachdem sie in der eigenen _amin_ etwas gegessen haben, holen sie aus derselben Grube, welche der Häuptling gegraben hatte, Erde für den Herd. Das erste Feuer wird aus der _amin aja_ herübergebracht; es darf zwei Tage lang nicht ausgehen. Dicht neben ihrem Wohnhause bauen die Bahau und Kenja kleine Scheunen (_lepo parei_) zur Aufbewahrung von Reis und Wertgegenständen. Diese Scheunen stehen ebenfalls auf Pfählen, welche zum Schutz gegen Mäuse und Ratten auf halber Höhe oft grosse Holzscheiben durchsetzen oder mit Blech beschlagen werden. Die Pfähle sind weniger hoch als die der Wohnhäuser und die Bodenfläche der Scheunen selbst beträgt meist nicht über 4-5 qm. Die Scheunen werden aus dem gleichen Material wie die Häuser gebaut. Der gerade First wird nur von den Häuptlingen an den beiden Enden mit _bang pakat_ verziert.

Über den Häuserbau der Kenja, der in mancher Hinsicht von dem der Bahau abweicht, soll bei späterer Gelegenheit noch einiges berichtet werden.

KAPITEL VIII.

Charakter der Industrie bei den Bahau und Kenja--Herstellung von Kleidung: Spinnerei-, Weberei; Verzierung durch Figuren, Stickereien, Knüpfarbeiten; Baumbastkleidung--Schmieden: Werkzeuge--Eisengewinnung; Herstellung von Arbeitsgerätschaften, Lanzen, Schwertern; Verzierung der Schwerter--Schnitzerei: Griffe und Scheidend Holz- und Bambusschnitzerei--Flechterei: Zubereitung von Rotang, _kebalan, tika, samit_; Flechten von Körben, Matten, Hüten; Flechtarbeit für Waffen--Töpferei--Bootsbau: Wahl und Behandlung des Materials; Roharbeit; Endbehandlung--Kalkbrennerei--Herstellung von Schmuck aus Steinen und Perlen: Wert der Perlen, ihre Herkunft, Verwendung; Rolle der Perlen in der Kulturgeschichte.

Die Industrie trägt bei den Bahau- und Kenjastämmen völlig den Charakter einer Hausindustrie. Jede Familie stellt nur für sich selbst oder ihre unmittelbare Umgebung die erforderlichen Gegenstände her. Dass jemand mit einer grossen Anzahl Gehilfen arbeitet, kommt denn auch nicht vor; höchstens hält sich ein Schmied einen Knecht, der ihm regelmässig hilft; aber auch Meister und Knecht üben ihr Handwerk nur neben dem Landbau aus, der häufig auch bei ihnen die Hauptsache bleibt. Von Grossindustrie ist also keine Rede, und bei der Beurteilung des auf diese Weise Produzierten muss berücksichtigt werden; dass die Arbeit nicht von Personen geleistet wird, die sich ihr ausschliesslich widmen, wie in der europäischen Industrie. Den eingeborenen Handwerkern fehlt daher die durch ständige Herstellung gleicher Gegenstände erworbene Fertigkeit. Ferner arbeiten sie mit mangelhaften Hilfsmitteln und werden durch ihre einfachen und ärmlichen Verhältnisse gezwungen, billiges Material zu verwenden. Sowohl Bahau als Kenja verarbeiten denn auch selbst kein Silber oder Gold; was an Zierraten aus diesen Metallen in ihrem Lande verfertigt wird, stammt von Malaien her.

Ein anderer auf den Fortschritt lähmend wirkender Umstand ist, dass in den verschiedenen Industriezweigen kein Unterricht erteilt wird, sondern jeder Anfänger selbst in mehreren Fächern Übung zu erlangen suchen muss; höchstens bietet sich ihm Gelegenheit, von einem anderen Handwerker die Arbeit abzusehen oder ihm bei derselben zu helfen.

Fühlt sich jemand zu einem bestimmten Fach hingezogen, so verhindern ihn oft die Sorgen um seinen und seiner Familie Unterhalt, seiner Neigung Folge zu leisten.

Da jeder die meisten zum Leben erforderlichen Dinge selbst herstellt und die Ausübung eines bestimmten Handwerks keinen einträglichen Erwerb bildet, wird ein eingeborener Fachmann nicht, wie bisweilen ein europäischer, gerade durch Sorge und Not zu den höchsten Leistungen angeregt; die besten Produkte werden im Gegenteil von Gliedern wohlhabender Häuptlingsfamilien oder Freien hervorgebracht; Unbemittelte dagegen leisten nur selten etwas Besonderes.

Ein Vorteil für die dajakische Industrie liegt darin, dass ihr ganzes künstlerisches Können und ihr Geschmack sich auf das Gebiet des Handwerks konzentrieren, da bei ihnen nicht, wie in höherstehenden Gemeinwesen, eine bestimmte Kunst, wie z.B. die Bildhauerkunst oder Malerei, vorhanden ist, die nur der Kunst halber Gegenstände hervorbringt. Die Industrie der Bewohner Borneos kann, trotz der bescheidenen Grenzen, innerhalb welcher sie sich bewegt, in einigen Zweigen als Kunstindustrie bezeichnet werden. Mit der reinen Kunst entwickelterer Völker steht diese sogar in engem Zusammenhang.

Dass unter den oben geschilderten Umständen die Industrie der Dajak nicht zur vollen Ausbildung hat gelangen können, vielmehr das Kennzeichen einer beschränkten, Umgebung trägt, ist also begreiflich; immerhin sind ihre Leistungen noch so bedeutend und umfassend, dass jedes Fach im folgenden eine eingehende Betrachtung verdient. Alles, was sich speziell auf das Kunstgebiet bezieht, wie z.B. die Erklärung der dajakischen Verzierungsmotive, wird im folgenden Kapitel gesondert behandelt werden.

Von allen Industriezweigen ist die Bekleidungsindustrie für die Bevölkerung Mittel-Borneos die wichtigste. Nach den noch aus alten Zeiten erhalten gebliebenen Kleidungsstücken zu urteilen, haben die Dajak diese ursprünglich hauptsächlich aus Baumbast verfertigt und ist die Weberei erst später bei ihnen eingeführt worden. Zu dieser Ansicht führte mich vor allem die Tatsache, dass bei fast allen Stämmen für die Weberei dieselben beschränkenden Bestimmungen zu finden sind, die für alles Fremdländische zu gelten pflegen: so darf bei den zu den Ot-Danum gehörenden Ulu-Ajar am Mandai nicht im Hause selbst, sondern nur in besonders zu diesem Zwecke errichteten Hütten gewebt werden; derselbe Brauch herrscht bei den Kenja. Bei den Kajan am Blu-u ist den Priesterinnen das Weben verboten, und so bestehen noch mehr derartiger Vorschriften. Doch muss die Webekunst bereits vor langer Zeit in Mittel-Borneo eingeführt worden sein, denn bei einigen Stämmen ist sie schon wieder verschwunden. Letzteres hängt mit der auch in so mancher anderen Hinsicht auf die inländische Kultur zersetzend wirkenden Berührung mit der Küstenbevölkerung zusammen. Die Herstellung eins Stoffes kostet nämlich Männern und Frauen viele Arbeit, da sie auch das erforderliche Material erst anbauen (Baumwolle und Ananasfasern) oder im Walde suchen müssen (Lianenfasern). Dann muss dieses zu Fäden verarbeitet, gesponnen oder aneinandergeknüpft und schliesslich gewebt werden. Alle diese auf primitive Weise vorgenommenen Prozeduren erfordern viel Zeit und Mühe. Infolgedessen bevorzugen die Eingeborenen den bei ihnen eingeführten europäischen Kattun, der nicht teuer und nach ihrer Ansicht schön bedruckt ist, und verfertigen das eigene Fabrikat nur noch für starke grobe Kleidung; in den reichen Familien wird auch noch zum Luxus gewebt.

Weniger als die eigengewebten Stoffe sind die aus Baumbast durch europäische Produkte verdrängt worden, weil die Baumbastkleidung viel müheloser herzustellen und dabei dauerhaft ist.

Augenblicklich weben von den Stämmen der Bahau und Kenja nur noch diejenigen, die in zu grosser Entfernung von der Küste leben, um sich in billiger und genügender Weise mit eingeführten Zeugen versehen zu können. So weben hauptsächlich die Frauen der Kajan und Pnihing am oberen Mahakam und die der Kenja in Apu Kajan. Die südlicher wohnenden und überdies reicheren Long-Glat und Ma-Suling betreiben die Weberei jetzt überhaupt nicht mehr, doch liessen sie mich noch alte Webereien ihrer Vorfahren sehen, wie sie auch die Bahaustämme am oberen Kapuas noch aufweisen konnten.

Die Dajak verwenden zum Weben folgendes Material: zwei Arten von selbstgebauter Baumwolle; Ananasfasern, die man erhält, indem man von langen Blättern auf hierfür bestimmten Brettern (Taf. 61, c) mit scharfen Bambusspähnen die weichen Teile fortkratzt, die übrigbleibenden Fasern ausspült, trocknet und in der Sonne bleicht; eine Art von Lianenfasern, die man _tengang_ nennt und vor allem für Stricke und Netze gebraucht und endlich 3 Arten von Baumbast _kedeob, negong_ und _damei_, die sich nach dem Auswaschen und Trocknen zu langen Fäden spalten lassen. Der _tengang_ besteht aus dem Stamm einer Liane, die sich nach dem Trocknen auch mit den Fingern leicht in lange feine Fasern spalten lässt. Die Baumbastfasern werden nicht wie die des _tengang_ zu Fäden zusammengedreht, sondern aneinander geknüpft und dann nicht als Einschlag, sondern nur als Kette benützt; zu ersterem wird dann Baumwolle oder _tengang_ verwendet.

Die Pnihingfrauen am Mahakam wussten sich auf besondere Weise dunkelblaue Baumwollfäden zu verschaffen. Sie kauften eine Art von lose gewebtem dunkelblauem Kattun, der für weiche Lendentücher bei ihnen eingeführt wird, zogen aus dem Zeug die Fäden aus und verwebten diese dann zu ihren eigenen Stoffen.

Das Spinnen der Baumwollfäden geschieht mittelst Stäbchen, welche auf die in der oberen Abbildung von Taf. 45 dargestellte Weise gehandhabt werden. Die Frau rechts hält in der rechten Hand die Baumwolle, während sie mit der linken das mit einer schweren Scheibe aus Stein, Muschel oder Baumfrucht versehene und auf einer harten glatten Unterlage ruhende Stäbchen zum Drehen bringt. Die Feinheit des so hergestellten Fadens ist sehr verschieden und hängt hauptsächlich von der Geschicklichkeit der Spinnerin ab.

Die Frau links auf dem Bilde dreht aus den Fasern von _tengang_ einen Faden. Die hierfür gebräuchlichen Faserstücke sind etwa 3-4 dm lang und werden zu zweien derart zusammengedreht, dass ihre Enden auf verschiedener Höhe liegen. Die Fasern werden auf bestimmte Weise mit dem Ballen der Hand auf dem blossen Bein gerieben und so zu einem sehr gleichmässigen Faden vereinigt, der durch Hinzufügung neuer Faserstücke stets verlängert wird.

Früher war auch das Färben von Baumwolle sehr im Schwange; man färbte sie braun, indem man die Fäden im Morast liegen liess, rot durch Eintauchen in Drachenblut, grün durch Kochen in dem grünen Farbstoff einer Liane. Gegenwärtig finden die von den Malaien vielfach eingeführten Anilinfarbstoffe mit ihrem sehr lebhaften Kolorit allgemeine Verwendung. Bei den Bahau und Kenja sah ich nie die Methode des _ikat_, der Knotenfärberei, anwenden, d.h. das Bedecken gewisser Teile der zu färbenden Fäden mittelst Pflanzenfasern, wohl aber unter den Batang-Luparstämmen und Ot-Danum. Ein einfaches Tuch, das ich bei den Mahakamkajan kaufte, war allerdings mit Anwendung der Bindemethode gefärbt worden, doch ist seine Herkunft unsicher.

Das Weben geschieht bei den Dajak nach der auf Taf. 42 dargestellten Weise mit dem gewöhnlichen, einfachen Apparat, der im indischen Archipel sehr verbreitet ist. Mit diesem Webstuhl stellen sie nur einfache Arten von Zeug her. Das Weben in Mustern verstehen sie nicht, sie können nur Rauten herstellen, die in allerhand Variationen bei den verschiedenen Stämmen wiederkehren. Eine Abwechslung im Gewebe rufen sie hauptsächlich dadurch hervor, dass sie die Fäden der Kette in Farbe und Material ändern, ein Verfahren, das als Beginn einer Figurenweberei betrachtet werden kann. Die so gewebten Zeugstücke sind so schmal, dass für einen Frauenrock zwei übereinander genäht werden müssen.

Das Spinnen und Weben wird von den Bahau als eine ausschliesslich weibliche Arbeit aufgefasst; die Männer fürchten, bereits durch die Berührung eines Webstuhls an ihrer Männlichkeit einzubüssen (_takut dawi_ T. I p. 350) und sind daher zum Tragen desselben nicht zu bewegen.

Die verschiedenen Stoffe der Dajak dienen alle zur Herstellung von Kleidungsstücken; die aus Baumbast und Lianenfasern gewebten werden für Arbeitskleider gebraucht; für Frauen verfertigt man aus ihnen einfache Röcke (Taf. 19 T. I) und Jacken mit oder ohne Ärmel nach dem Modell von Taf. 49, für Männer Lendentücher und die gleichen schlichten Jacken. Die weissen und farbigen Zeuge aus Baumwolle (_bura_) und Ananasfasern (_usan_) werden vorzugsweise für hübsche, bei Festen getragene Kleider verwandt.

Die Verzierung dieser Festkleider wird für Männer und Frauen auf gleiche Weise vorgenommen, nämlich durch ausgeschnittene Zeugfiguren, Stickereien und Knüpfarbeit. Auf erstere Art verzierte Frauenröcke sind auf Taf. 43 und 44 abgebildet. Die Ränder der 4 Röcke der Kajanfrauen bestehen aus geschmackvoll ausgeschnittenen Figuren von dunklem Zeuge, die auf weissen Kattun als Grund geheftet sind. Während die Borten von a, b und c gänzlich aus Streifen solcher Figuren bestehen, sind sie bei d in Dreieckform mit ebenfalls dreieckigen Stickereien kombiniert, derart wie sie auf Tafel 46 abgebildet sind.

Röcke von dieser Form werden allgemein von den Kajanfrauen getragen; die Pnihing ziehen ein verziertes Mittelfeld vor, wie Taf. 44 es in unvollendetem Zustande darstellt. An diesem Exemplar lässt sich die Art der Herstellung gut verfolgen: das ausgeschnittene dunkelblaue Kattunstück ist mit Pflanzenfasern um das Figurenfeld herum auf darunterliegenden weissen Kattun geheftet; auch die Linien der Figuren sind zu beiden Seiten mit schwarzen, auf dem Bilde kaum sichtbaren Fäden auf die Unterlage genäht. Einige Schatten auf der linken Seite deuten darauf, dass die Figuren hier noch nicht alle befestigt sind, wie es rechts der Fall ist. An dieser komplizierten Figur ist die Symmetrie eine absolute; sie kam zustande, indem man das noch unbearbeitete Zeugstück einmal zusammenfaltete, die Figuren ausschnitt und die beiden Teile dann auseinanderschlug. Während das Nähen der Röcke ausschliesslich von Frauen besorgt wird, ist das Ausschneiden der Figuren Sache der Männer. Diese legen das Zeug auf eine harte Unterlage, ein Brett z.B., und schneiden dann mit ihrem langen Messer (_nju_) die Figuren aus freier Hand aus. Dabei gebrauchen sie keine Vorlage oder Zeichnung auf dem Zeug, sondern schneiden nach freier Phantasie aus. Den ganzen Entwurf haben sie augenscheinlich bereits fest im Kopfe, denn sie ziehen die Hauptlinien schnell und ohne Zögern; die Einzelheiten des Ornaments scheinen sie sich erst allmählich auszudenken und erst während der Arbeit sorgfältig auszuarbeiten. Dass sie später auf die Verbesserung eventueller Fehler nicht viel Mühe verwenden, beweisen die Fäden, die an den ausgefransten Figurenrändern noch überall zum Vorschein kommen. Die Verzierung dieses Rockes zeugt in hohem Masse von den künstlerischen Fähigkeiten des Pnihing, der sie zustande brachte; der Entwurf ist sehr schön und reich kombiniert, die Gruppierung der Figuren als Mittelstück mit zwei Seitenstücken gut gedacht. Die Anwendung einer so komplizierten Arbeit für einen so vergänglichen Gegenstand wie einen Rock spricht für die geringe Mühe, die sie dem Künstler gekostet haben muss. Das Werk beweist zugleich eine grosse Geschicklichkeit in der Handhabung von Linien. Die dajakische Vorliebe für Tiermotive verleugnet sich auch hier nicht; zu beiden Seiten des Mittelstückes erkennen wir je zwei aufgerichtete Tierfiguren mit 4 Füssen und Schwänzen (1-8). An den Rändern seitlich sind noch je zwei Masken wiedergegeben, wie die Augen (g) und die stilisierten Nasenöffnungen (10) beweisen (Siehe Näheres folg. Kap.). Die Röcke der Kajanfrauen auf Taf. 43 sind alle nach dem gleichen Prinzip zusammengesetzt: in der Mitte ein Feld (Fig. b, 4) aus einfarbigem, un- oder schwachgemustertem europäischem Stoff, womöglich aus Seide, zu beiden Seiten und unten verzierte Ränder (3), die durch Streifen von einer (bei Fig. c) oder mehreren Zeugarten (Fig. a, b, d) vom Mittelfelde abgegrenzt werden. Eine derartige begrenzende Borte, nur breiter, wird auch zwischen dem Felde 4 und dem breiten oberen Rand des Rockes angebracht, der stets aus einem Streifen von dunkelrotem Flanell oder Kattun bestehen muss. Gegenwärtig verwendet man für diese Borten am liebsten eingeführte Gold- oder Silberposamente, wie dies auch bei Fig. c der Fall ist; doch sind für die unteren und seitlichen noch immer am gebräuchlichsten Streifen von verschiedenfarbigem Flanell oder Kattun, die sich meistens sehr hart neben einander ausnehmen und einen lebhaften, aber unschönen Effekt hervorrufen. Besonders grosse Sorgfalt wird auf den breiteren, trennenden Streifen zwischen dem Oberrand des Rockes und dem unteren Teil verwendet. In den Figuren a und c besteht er aus einem breiten Stück Goldposament, in b (2) und d aus einem zwar nicht hübschen, aber doch besonderen Stoffe.

Bei den Kajan gelang es mir noch, einige alte bestickte Streifen zu erstehen, die zu obigem Zweck, zur Trennung des Oberstreifens vom Mittelfelde, benutzt wurden. Sie sind auf Tafel 47 unter a, b und c abgebildet. Sie sind alle aus eingeführtem, weissem oder schwarzem Kattun verfertigt und mit Figuren aus bunten Fäden bestickt. Wegen der Einfuhr- von bedrucktem Kattun geben sich die Frauen jetzt jedoch nur noch selten die Mühe, solche Streifen zu sticken. Als Verzierungsmotiv für die Rockränder mit ausgeschnittenen Figuren dienen Tiere; öfters jedoch besteht der Entwurf ausschliesslich aus Linien.