Quer Durch Borneo; Zweiter Teil

Chapter 18

Chapter 183,567 wordsPublic domain

Die Männer liessen sich gruppenweise in langen, parallelen Reihen nieder und hockten mit gekreuzten Beinen einander gegenüber. Jeder erhielt entweder eine grosse Menge in ein Bananenblatt gewickelten Reises oder einige dreieckige Päckchen _pulut_. In kleinen Schüsseln und Schalen wurde jedem auch ein in Wasser gekochtes Stück Fisch angeboten.

Nach der Mahlzeit begab man sich wieder an die Arbeit und richtete im Laufe des Tages noch eine ganze Reihe der schwersten Pfähle auf. Von diesen wurden je 4 (a_1_ bis a_4_ Taf. 29) in die Tiefe und je 5 (b_1_ bis b_5_ Taf. 30) in die Breite des Dauses gestellt, also 20 im Ganzen; von den kleinen Eisenholzpfählen c, die hauptsächlich die Dielenbalken zu stützen hatten, wurden je 9 in die Breite und je 9 in die Tiefe gestellt, also 81 im Ganzen; somit ruhte das Haus auf 101 Pfählen. Erwies sich ein Pfahl später als zu schwach, so wurde ihm noch ein anderer zur Stütze an die Seite gestellt.

Die Pfähle der Reihen a_2_ und a_4_ wurden besonders stark mitein ander verbunden, indem man in deren obere Enden hohe, schmale Öffnungen hackte und durch diese lange, schmale Balken (_djapi_ d Taf. 29) aus Eisenholz schob. Auch die Pfähle der mittleren Reihe wurden untereinander durch Balken e verbunden, aber diese wurden nur mit Rotang befestigt oder in Aushöhlungen der oberen Enden gelegt, da diese Pfähle nicht so dick waren. Diese 3 Reihen von Balken (d und e), die auf den Enden oder in Aushöhlungen der Hauptpfähle liegen, dienen 17 Paar _walang bahi-u_ f als Stütze. Dieses sind Balken, die senkrecht zu den _djapi_ d und e liegen und die vorderste Reihe Pfähle mit der mittleren und diese mit der hintersten verbinden. Sie haben einen dreieckigen Querschnitt, ihre Basis ist nach oben gekehrt und sie greifen mit einer groben, tiefen Einkerbung in die _djapi_ hinein (Taf. 30).

Die _walang bahi-u_ ragen mit ihren geschnitzten Enden weit über die Reihe Pfähle a_2_ und a_4_ hinaus (Taf. 29). Auf der mittleren Reihe Pfähle a_3_ liegen diese Balken zu je zwei mit ihren inneren Enden aneinander, während ihre Aussenenden das Dach tragen. Mittelst der _djapi_ und _walang bahi-u_ werden also die 3 Reihen grosser Pfähle a_2_, a_3_, und _4_, wenn auch nicht unverrückbar, so doch zu einem festen Gerüst miteinander verbunden.

Die Konstruktion des Dachs (_hapo_) von _Kwing Irangs_ Haus tritt am deutlichsten auf Tafel 30 hervor. Etwas seitlich von der mittelsten Pfahlreihe a_3_, parallel der Breite des Hauses, werden auf die inneren Enden der 34 _walang bahi-u_ f schmale Bretter g aus Eisenholz gelegt und mit Pflöcken aus dem gleichen Holz auf den _walang bahi-u_, die aus dem viel weicheren Tengkawangholz bestehen, befestigt. Senkrecht auf diesen Brettern, in vorher hergestellten Öffnungen, stehen 18 kleinere Balken h, die an ihren oberen Enden den First i (_mobong_) tragen. Dieser wird sowohl durch Pflöcke als durch Rotang auf diesen Balken befestigt. Zur grösseren Verstärkung werden noch lange, dünne Balken j angebunden. Auch auf die äusseren Enden der _walang bahi-u_ f werden Eisenholzbalken k (Taf. 29) gelegt, die man ebenfalls mit Pflöcken aus Eisenholz, die in vorher gebohrte Löcher getrieben werden, befestigt. Die Dachsparren 1 (_kaso_) werden aus Tengkawangholz hergestellt. Ihre dünnen oberen Enden werden mit dünnen Eisenholzpflöcken und Rotang mit dem First verbunden und die Aussenenden an die Balken k befestigt. Ihre Zahl beträgt an jeder Hausseite 38. Für die hintere Hälfte des Hauses, die eigentliche Wohnung (_amin_) des Häuptlings, benützt man die längsten Sparren, welche die _walang bahi-u_ weit überragen, für die vordere Seite, über der _awa_, verwendet man dagegen kürzere, die genau bei den _walang bahi-u_ enden, weil man hier die _kaso_ l später durch geschnitzte Balken v verlängert. Hierbei kommt das schöne Baumaterial der borneoschen Wälder zu voller Geltung; die Tengkawangstämme sind nämlich so gerade und gleichmässig dick, dass man sie an den Verbindungsstellen nur etwas zu behauen braucht, um sie gleichmässig den Sparren anfügen zu können. Im Innern des Hauses, wo das Holz nicht nass wird, hält sich dasselbe sehr lange, aussen verdirbt es dagegen sehr bald. Wegen der Weichheit des Tengkawangholzes lassen sich Eisenholzpflöcke leicht in dieses hineintreiben.

Die _kaso_ 1 erhalten noch eine andere Stütze, denn sonst könnten sie die schwere Dachbedeckung nicht tragen. Der Querschnitt von _Kwing Irangs_ Haus Taf. 29 zeigt, dass die _kaso_ im mittleren Teil, oberhalb der _walang bahi-u_, noch durch schräge, dünnere Balken m (_djehe balang bo-ong_) gestützt werden. Diese finden mitten auf einem dicken Brett, das ungefähr in der Mitte jeder Reihe _walang bahi-u_ befestigt ist, einen Stützpunkt und sind oben mit den Sparren durch dünne Dachträger n verbunden. Diese Dachträger n, _balang bo-ong_ genannt, sind an die schrägen Stützen m mit Rotang festgebunden, auch werden sie zu beiden Seiten durch dünne Querbalken o (_balang ka-ai_) verbunden.

Auf diese weise bringen die Bahau das Hauptgerüst eines Hauses zu Stande. An der Vorderseite der Galerie ruht das Dach noch auf einer vierten Reihe dicker Pfähle a_1_, die während des Dachbaus gesetzt wird und an der Hinterseite (_amin_) bietet die hintere Wand, da sie auf den Balken des Fussbodens ruht, den _kaso_ noch einen besonderen Halt.

Um die Dachbedeckung, 1 m lange und 1 1/2-2 dm breite, dünne Schindeln (_kepang_) aus Eisenholz auf den _kaso_ anbringen zu können, gebraucht man Querlatten p (_djehe_) aus _nibung_ (Palmenart), die man in der Regel mit dünnem Rotang auf die _kaso_ bindet; _Kwing Irang_ benützte hierfür jedoch Nägel, die er an der Küste gekauft hatte.

Die Lage der Latten p und die Art und Weise, wie an jede derselben eine Reihe von Schindeln gebunden wird und wie diese mit ihren unteren Enden übereinander liegen, ist auf dem Längsschnitt des Hauses angegeben. Das Dach erforderte im Ganzen ungefähr 25000 Schindeln. Auf den First werden, zum Abschluss des Ganzen, rinnenförmige Stücke Holz umgekehrt aufgesetzt.

Die Diele (Taf. 29) wird ungefähr 3 m über dem Erdboden angebracht, indem man lange, dünne Eisenholzbalken q (_aling_) in seitliche Öffnungen der dicken Pfähle a_1_ a_2_ etc. steckt und diese _aling_ durch die dünnen Eisenholzpfähle c senkrecht unterstützt. Letztere ruhen mit ihrem unteren Ende in der Erde, mit dem oberen, zapfenförmigen greifen sie in entsprechende Öffnungen der _aling._ Senkrecht zur Breite des Hauses liegen 9 Reihen _aling_ neben einander. Sie dienen als Stütze für eine Lage 2-3 1/2 dm dicker Tengkawangstämme r (_penjapai_), die in der Breite des Hauses, in Abständen von etwa 1 m voneinander, auf den _ding_ ruhen. Wegen der grossen Länge der Tengkawangstämme nahmen zwei Balken, die in ihre gegenseitige Verlängerung gelegt wurden, die ganze Breite des Hauses ein. Um die Unebenheiten und die ungleiche Dicke aufzuheben, wurden in die _aling_ mehr oder minder tiefe Ausrandungen gekappt und in diese die _penjapai_ gefügt. Die Unebenheiten oben an den _penjapai_ wurden mit dem Schwert entfernt.

Senkrecht auf die _penjapai_, parallel zur Tiefe des Hauses, wurde eine zweite Schicht derselben Balken s (_doröng_) gelegt, welche der eigentlichen Diele t (_tasu_) als Unterlage dienen sollte (Taf. 29 u. 30). Indem man hier und da etwas weghackte und die _penjapai_ und _doröng_ mittelst Rotang aneinander band, erhielt der Fussboden einen genügenden Halt und Zusammenhang, wozu auch die grosse Schwere der Balken beitrug. An ihren dünnen Enden wurden die Stämme mit Pflöcken aus Eisenholz verbunden. Auf die _doröng_ wurden die Dielen bretter t lose hingelegt; ihrer grossen Schwere wegen rückten sie nicht vom Platze.

Auf diese Weise kam ein 24 m breiter und 20.5 m tiefer Wohnraum zu stande, über dem das Dach ein riesiges Gewölbe bildete. In den Häusern der gewöhnlicheren Familien, welche nach demselben Prinzip bauen, werden jedoch die _walang bahi-u_ zum Aufbewahrender Ackergerätschaften und dergl. benützt, so dass diese eigentlich die Rolle eines Bodens spielen. Der grosse Raum über den _walang bahi-u_ wird beim Häuptling aber nicht benützt, weil die Balken zu weit von einander abstehen und eine Diele fehlt.

Das Wohnhaus wird in zwei Teile getrennt, einen vorderen, die _awa_ und einen hinteren, die _amin_ (Taf. 29). Diese beiden werden durch eine hohe Bretterwand u, die ungefähr senkrecht unter dem First liegt, von einander geschieden. Eine Tür führt von der _awa_ in die _amin._ In _Kwing Irangs_ Hause stand die Bretterwand vor der mittleren Reihe Pfähle und reichte bis zu den _balang ha-ai_ p, dadurch war die _awa_ etwas kleiner als die _amin_ geworden.

Die Galerie wird viel sorgfältiger ausgebaut als das Wohngemach. Die roh bearbeiteten _kaso_ 1 reichen dort, wie gesagt, nur bis zu den _walang bahi-u_ f, die an ihrer unteren Seite über der _awa_ mit Schnitzereien verziert sind. Die _kaso_ werden durch schön geschnitzte Stücke v verlängert, welche den Raum vor der in gleicher Weise bearbeiteten vordersten Reihe Pfähle überdecken. Von diesem sorgfältig ausgestatteten Raum aus geniesst man einen freien Überblick über den Fluss und die ganze Landschaft; hier kommen abends die Hausgenossen zum Plaudern zusammen und hier werden die Gäste empfangen.

Diese Verlängerungsbalken v bestehen aus hartem Holz; jede angesehene Familie im Stamm liefert einen solchen Balken und ein oder zwei ihrer männlichen Angehörigen geben sich alle Mühe, um sie so schön als möglich zu schnitzen. Wie die _walang bahi-u_ haben auch sie einen dreieckigen Querschnitt; eine Seite ist nach oben gekehrt, die beiden anderen, die sich nach unten zu einer Rippe vereinigen, werden ausgehöhlt und die Rippe in zierliche Ornamente ausgeschnitten. Jeder Schnitzer wendet Verzierungen eigener Erfindung an, in der Regel Variationen des Motivs _kelot_, des männlichen Geschlechtsorgans. Nur wenige bringen Stilisierungen der weiblichen Geschlechtsorgane an. Diejenigen jungen Leute, die ihren Balken besonders schön bearbeiten wollen, schnitzen Tierfiguren (_hudo_).

Auch die grosse Mittelwand u (_liding_) ist, der Galerie zu, mit zahlreichen Figuren in Hochrelief, die Menschen und Tiere vorstellen, verziert. Die Wand besteht aus gut bearbeiteten Brettern, die fest aneinander schliessen und mittelst Nägeln und Rotang auf ein Holzgitter w (Taf. 30), das man hierfür an der Seite der _amin_ angebracht hat, befestigt werden. Diese Bretter ruhen nicht auf der Diele, sondern auf dem rinnenförmig ausgehöhlten oberen Rande eines dicken Getäfels x, das 3/4 m hoch ist. An den Verzierungen des Getäfels hatten 4 der besten Schnitzkünstler des Stammes lange Zeit gearbeitet. Das ganze, der Galerie entsprechend, 24 m lange Getäfel bestand nur aus zwei Brettern, die, wie gewöhnlich, aus einem einzigen Stamm verfertigt waren, indem man diesen halbiert und das überschüssige Holz an der runden Seite weggehackt hatte. Hierbei hatte man in der Mitte und an den beiden Enden der Bretter über 2 dm dicke und 1 m lange Holzstücke stehen gelassen. Aus diesen wurden die 6 Figuren modelliert, die auf nebenstehender Tafel 33 zu sehen sind. Drei derselben (a, c, f) bilden Stilisierungen des Hundes, die vierte (b) stellt eine Kombination ähnlicher Tiere vor, die beiden übrigen (d, e) sind Masken. Schön geschnitzt ist auch ein Brett, das als Lehne für den Häuptling gegen das Gitter gestellt wird, welches auch hier die Vorderseite der Galerie nach aussen bis auf 1 m Abstand vom Dache abschliesst (Siehe Taf. 34; das Gitter fehlt hier noch).

Auf den Besitz grosser, schwerer Dielen legt ein Stamm grosses Gewicht; auch die Kajan gaben sich alle Mühe, sie besonders schön herzustellen. Jedes Brett war ungefähr 8 m lang, 15 cm dick und 1/2-1 m breit, je nach der Grösse des Baums, aus dem es gehauen worden war. Je zwei Familien des Stammes sind verpflichtet, ein derartiges Brett zu stellen. Sie vereinigen sich zu dieser Arbeit mit zwei anderen Familien, suchen im Walde einen schweren Tengkawang-Baum aus und verfertigen aus ihm gemeinschaftlich zwei Bretter. Aus der Schwere und Breite der Bretter kann man auf den Reichtum und die Anzahl der Familienglieder schliessen. Die Familien der Mantri übertreffen hierin alle anderen. Obgleich diese Bretter so dick sind, fürchtete man doch, dass sie beim Trocknen krumm werden könnten und band sie daher mit Rotang an die geraden Reihen Pfähle unter dem Hause fest, wo sie stehen blieben, bis sie trocken genug waren, um bearbeitet werden zu können (Taf. 24). Da die Bretter mit wochenlangen Unterbrechungen herbeigeschafft wurden, musste mit ihrer Verwendung ohnehin gewartet werden, bis sie alle beisammen waren. Man hatte die _awa_ (Taf. 34) anfangs provisorisch mit den Brettern für die Mittelwand belegt, als diese noch nicht gegen die alten Bretter, mit denen man sich anfangs beholfen hatte, vertauscht waren.

Der Bau der _amin_ geht am deutlichsten aus dem Grundriss (Taf. 35) und dem Längsschnitt (Taf. 30) des Hauses hervor, die zugleich auch die Konstruktion der Mittelwand zeigen. Die Diele zwischen der Hinterwand der _amin_ und der Reihe von 5 Pfählen a_1_-a_5_ ist um 3 dm höher gelegt als der mittlere Teil des Raumes. In diesem erhöhten Teil wird am Tage gearbeitet und nachts geschlafen. Ebenfalls erhöht ist die Diele zu beiden Seiten der _amin_; auch hier wird gearbeitet. Einige Bretterverschläge dienen als gesonderte Schlafräume. Die Vorderseite des Gemachs wird von Kochherden, Vorrats- und Schlafkammern eingenommen, auch befindet sich hier die zur _awa_ führende Tür. Betrachten wir auf Taf. 30 den Bau der Mittelwand zwischen _amin_ und _awa_ etwas genauer. Wir sehen hier die Stützbalken h des Firstes i, die senkrecht auf den quer durchschnittenen _walang bahi-u_ f stehen, die wiederum auf den _djapi_ e der grossen Pfähle der mittleren Reihe ruhen. Die Stützbalken des Firstes sind untereinander durch schräg angebundene, lange, dünne Tengkawang-Stämme j verbunden. Ferner ist zur Stütze der Mittelwand ein Holzgitter w aus rechtwinklig sich schneidenden dünnen Stämmen angebracht worden, das von der Diele bis zu den _balang ka-ai_ o reicht. An diesem Gitter ist auf der Galerieseite eine Bretterwand u, welche die ganze Höhe einnimmt, befestigt; diese Wand besteht aus zwei übereinander stehenden Reihen von Brettern u, die jedoch auf der Zeichnung nur an der rechten Seite angegeben sind. Die unterste Bretterreihe wird nur von der Tür unterbrochen, die aus einem einzigen breiten Brett gehauen ist.

Auf derselben Tafel ist ferner die Einteilung der _amin_ vor dieser Mittelwand angegeben. Von rechts nach links sieht man geschnitzte Regale y, welche zur Aufbewahrung von Küchengerät und Brennholz dienen; sie befinden sich über einem Feuerherde. Dann folgt eine in die _amin_ einspringende Wand z, welche diesen Herd von dem Raum bei der Eingangstür trennt. Die Türschwelle ist, wie in allen Bahauwohnungen, 50 cm hoch. Weiter links folgt die grösste Herdstätte y_1_, deren Schuppen und Regale bis zum 4. grossen Pfahl b, reichen. Die vorn schön geschnitzten tiefen Regale springen von der Mittelwand weit vor. Von der Eingangstür an ist dieser Raum folgendermassen verteilt: erst folgt ein Aufbewahrungsraum für Wassergefässe, dann wieder eine in die _amin_ vorspringende Wand z_2_, an welche sich nach links eine senkrecht stehende Wand z_1_ anschliesst, die den grossen Küchenraum von dem übrigen Teil der _amin_ gewissermassen trennt.

Hinter dieser Wand z_1_ liegt der Schlafplatz der Sklavin, welche die Aufsicht über die Küche führt. Von den 4 Regalen über dem Herde setzen sich die beiden obersten nach rechts bis über den Schlafplatz der Sklavin und den Aufbewahrungsraum für Wassergefässe, nach links bis über den grossen Vorratsschrank fort, dessen Tür sich gleich links vom Herde befindet. Hinter der Scheidewand z_3_ verborgen, links vom Schranke, liegt ein dritter, kleinerer Herd, auf dem nur für den Häuptling und dessen Familie gekocht wird. Auf den beiden anderen Herden wird für die verheirateten Kinder des Häuptlings, für die Sklaven und die Schweine gekocht. Links von diesem Herde, wo der Fussboden, gleichwie an der Hinterwand und zu beiden Seiten der _amin_, um 3 dm erhöht ist, läuft parallel der Mittelwand eine grosse Bretterwand z_4_, die mit Hilfe einer senkrecht zu ihr stehenden Verbindungswand zwei verschieden grosse Räume bildet. Der kleinere, halb offene Raum rechts dient der Küchensklavin und deren Familie als Schlafstelle, der grössere, geschlossene Raum links, in den eine Tür führt, bildet die Schlafkammer für den Häuptlingssohn und dessen Familie.

Vergleichen wir deutlichkeitshalber diesen Plan mit dem Grundriss von _Kwing Irangs_ _amin_ auf Tafel 35, so erhalten wir einen Überblick über die horizontale Verteilung dieses Raums. Von rechts nach links gesehen finden wir in der Ecke den Platz mit den Küchenregalen, dann den Herd. Die einspringende Wand z trennt diesen Küchenraum von dem freien Platz bei der Eingangstür. Links von dieser befindet sich der Aufbewahrungsraum für die Bambusgefässe mit Wasser. Wie aus der Zeichnung zu ersehen ist, hat man die Diele hier halb offen gelassen, damit das Wasser event. beim Übergiessen zwischen den Brettern zur Erde abfliessen kann. Dieser Raum ist von dem Schlafplatz der Sklavin durch die senkrecht zu einander stehenden Wände z_1_ und z_2_ geschieden. Dann folgt der grosse Herd, der Küchenschrank, der kleine Herd der Häuptlingsfamilie mit dem freien Platz davor und einem kleinen, halb offenen Raum als Schlafstätte für die Sklavenfamilie und schliesslich der ganz geschlossene Raum für den Häuptlingssohn.

Die Seitenwände und die Hinterwand der _amin_ bestehen aus aneinander schliessenden Brettern, nur sind hier Öffnungen als Fensterluken ausgespart. Vor diesen sitzen die Frauen mit ihren Handarbeiten und schnitzen die Männer ihre Schwertgriffe und -scheiden. Am meisten Licht dringt jedoch durch das grosse Fenster ein, das sich oben, im hintersten Dachteil befindet. Dieses Fenster ist 1 qm gross und wird mittelst einer Klappe, die an der oberen Seite aussen am Dach befestigt ist, geschlossen. Bei gutem Wetter wird die Klappe durch einen senkrecht gestellten Stock offen gehalten.

Auf den erhöhten Plätzen zu beiden Seiten der _amin_ sollen später noch mehr Kammern gebaut werden; sie dienen alle als Schlafräume teils für die unverheirateten Töchter und verheirateten Kinder des Häuptlings, teils für die Sklavenfamilien.

Für sich selbst und seine Frauen hat _Kwing Irang_ links in der hinteren Ecke der _amin_ ein Zimmer bauen lassen (Taf. 35). Der Fussboden, der hier ebenso hoch wie in der Mitte der _amin_ ist, war bis hinter das Haus unter dem weit über die Hinterwand vorspringenden Dache verlängert worden. Gegen die _amin_ zu ist dieses Zimmer vollständig geschlossen und nur durch eine Tür zugänglich, dagegen endet es hinter der Rückwand des Hauses, in dem verlängerten Teil, offen nach aussen; auch ist die Diele an dieser Stelle durchbrochen.

Da alle Dorffamilien sich am Sammeln des Materials und am Bau dieses grossen Gebäudes beteiligten, keine von ihnen jedoch spezielle Kenntnisse im Häuserbau besass, und alle ausserdem für ihre eigenen Wohnungen und ihren Lebensunterhalt zu sorgen hatten, schritt der Bau nur langsam und unter grossen Schwierigkeiten fort.

Der Transport von Baumaterial aus einem weglosen Tropenwald ist äusserst schwierig, denn bestimmte Holzarten wachsen dort nicht, wie in Europa, nebeneinander, sondern inmitten einer grossen Anzahl anderer Arten. Daher müssen die passenden Tengkawang-Bäume z.B. in einem ausgedehnten Gebiet gesucht, gefällt und oft über Hügel und durch Täler bis an einen Nebenfluss geschleift werden, von dem aus sie zum Mahakam befördert werden können. Eisenholz muss stets mittelst Flössen transportiert werden, da es viel schwerer als Wasser ist. Nachdem ein solcher Stamm mit vieler Mühe durch den dichten Gebirgswald zum Flusse geschafft worden ist, wird er unter ein eigens für ihn gebautes Floss gebunden. Die Kajan waren denn auch stolz darauf, dass für _Kwing Irangs_ Haus 9 dieser schweren Pfähle verwendet worden waren. Die meisten derselben wurden auf folgende Weise bearbeitet: zuerst entfernte man die Rinde und die Unebenheiten mit Beilen, dann verbesserte man hie und da auch die Rundung. Mit dieser Bearbeitung begnügte man sich bei den Pfählen der hinteren Reihe, an denen der vorderen wurde überdies noch mit kleinen Dexeln eine flache Kannelierung angebracht, wie auf Taf. 27, wo _Imun_ und _Sawang Jok_ mit der Bildhauerarbeit beschäftigt sind, zu sehen ist. Die gewöhnlichen, eisernen, europäischen Instrumente sind für Eisenholz zu weich und daher unbrauchbar; darnach kann man sich von der Geschicklichkeit und Geduld, welche diese Arbeit erfordert, eine Vorstellung machen.

Für die _kaso_ und die Dielenbalken entfernt man von den Tengkawang-Bäumen nur den obersten Kronenteil, die grössten Äste und die Rinde; die feinere Bearbeitung findet erst beim Bau selbst statt.

Von den verschiedenen Verzierungen der _awa_ ist oben bereits gesprochen worden, wenden wir uns jetzt dem äusseren Hausschmuck zu. Hierher gehören die _bang pakat_ (Taf. 24), die verzierten Giebelbretter, die zu beiden Enden des Firstes frei in die Luft hinausragen. Bei den Bahau und Kenja besitzen nur die Häuptlinge das Recht, diese Verzierungen in reich ausgearbeiteter Form an den Firstenden anzubringen. _Kwing Irang_ hatte sich denn auch sehr eingehend mit der Frage, welche Gestalt er ihnen geben sollte, beschäftigt. Auf seinen Reisen nach dem unteren Mahakam hatte er die Häuser anderer Häuptlinge bereits Jahre vorher daraufhin angesehen. Den rechten _bang pakat_ liess er nach dem Modell, das er auf dem Hause von _Brit Ledjü_ bei Long Iram gesehen hatte, anfertigen; den anderen überliess er der Phantasie von zweien seiner besten Holzschnitzer. Solch ein _bang pakat_ muss aus einem einzigen Stück sehr harten Holzes geschnitzt werden und da er 3 m lang und 0.70 cm breit sein muss, so war es bereits schwierig, einen Baum von hartem Holz und den erforderlichen Dimensionen zu finden. Man benützte hierfür eine Holzart, die sich nicht gut spalten liess und daher für andere Zwecke, z.B. für Schindeln, untauglich war.

Beide _bang pakat_ wurden von den zwei Söhnen des alten Priesters _Bo Jok_ verfertigt, die sich auf die Schnitzerei in Holz und Hirschhorn gut verstanden. An jeder Figur arbeiteten sie ungefähr 6 Tage. Der Schmuck wurde angebracht, sobald die Sparren auf dem Dache lagen, bevor aber deren geschnitzte Verlängerungsstücke über der Galerie befestigt worden waren.

Die Anbringung dieser Figuren bedeutete, dass das Haus unter Dach war, daher feierte man diese wichtige Handlung mit der Opferung eines grossen Schweines. Das Tier wurde geschlachtet und ein Teil seines Blutes auf _sawang-_ (Dracaena-)Blättern aufgefangen. Der alte _Bo Jok_ tränkte mit dem Blute Reis in einer Schale, dann bewegte er diese in der Luft hin und her und warf schliesslich den Reis nach allen Richtungen, hauptsächlich aber nach dem Batu Kasian, als Opfer für die Geister, in die Luft. Die _bang pakat_ selbst wurden ebenfalls mit Blut bestrichen und dann beide gleichzeitig mit Rotang hinaufgezogen und befestigt. Die Stelle lag 25 m über dem Erdboden, so dass es nicht licht war, diese schweren, langen, fein ausgeschnittenen Bretter anzubringen. Man hatte an den beiden Enden des Firstes aus jungen, mit Rotang zusammengebundenen Stämmen Gerüste gebaut, auf denen sich die Männer mit Sicherheit bewegen konnten (Taf. 16). Sie zogen die _bang pakat_ hinauf, brachten sie vorsichtig über das Gerüst und dann mit ihrem zu einem Stiel zugespitzten Ende in die Öffnung eines festen Holzstücks, das zu diesem Zwecke bereits an der Unterseite des Firstes befestigt worden war. Darauf wurde das Hinterende des Stiels noch mit Holz und Rotang an den First und zu beiden Seiten an die Sparren gebunden.

Während der folgenden Tage beschäftigten sich alle mit dem Anbringen der geschnitzten Verlängerungsstücke der _kaso_ über der _awa_.