Quer Durch Borneo; Zweiter Teil

Chapter 17

Chapter 173,601 wordsPublic domain

Die Gründe, welche einen Stamm dazu bewegen, einen bestimmten Platz zum Bau seines Hauses zu wählen, sind sehr verschieden; auch die Dauer seines Aufenthaltes in einem Hause hängt von äusseren Umständen ab. Bei der Wahl eines geeigneten Bauplatzes ist man natürlich an die Grösse und Beschaffenheit des Geländes gebunden. Für eine grössere Niederlassung ist am oberen Mahakam ein geeigneter Boden sehr schwer zu finden, weil das Gebirgsland keine ebenen Flächen besitzt. Ferner müssen in der Nähe Ackergründe, die Jahre lang brach gelegen haben und wieder mit Wald bestanden sind, vorhanden sein. Auch müssen die Vorzeichen entscheiden, ob ein Gelände günstig ist, und beim Beginn des Baus darf kein schlechtes Omen vorkommen, weswegen es bisweilen sehr lange dauert, bevor man sich durch alle Schwierigkeiten hindurch gerungen hat.

In Anbetracht, dass der Bau einer Niederlassung sehr zeitraubend ist, kann er nur dann begonnen werden, wenn eine reiche Ernte einen zeitweiligen Überfluss bewirkt hat. Kommen Missernten, Krankheiten und andere Hindernisse vor, so kann es Jahre dauern, bevor die Häuser völlig hergestellt sind. Trotz aller mit dem Bau verknüpften Schwierigkeiten werden sie oft nur sehr kurze Zeit bewohnt.

Die Erschöpfung der umliegenden Ackergründe zwingt einen Stamm zwar erst nach Jahren zum Umzug, doch findet dieser oft schon lange vorher aus ernsteren Ursachen statt. Treten nämlich Krankheiten auf, die aussergewöhnlich lange dauern und eine grosse Sterblichkeit verursachen, so entschliessen sich die Bewohner leicht zum Verlassen des Hauses, um den Geistern der Umgebung, welche die Krankheiten erzeugten, zu entgehen. In ernsten Fällen sucht sich ein Stamm bereits nach 3 Jahren einen neuen Wohnplatz. Ich selbst erlebte, dass die Pnihing am Long Pakatè ihr grosses, starkes Haus 1897-1898 beendeten und bereits im folgenden Jahre provisorische Hütten weiter unten am Tjehan bezogen, um dort Material für den Bau eines neuen Hauses an der Mündung dieses Flusses zu suchen. Häufige Krankheits- und Todesfälle hatten hierzu die Veranlassung gegeben. Zu gleicher Zeit vollendeten die Pnihing von Long 'Kub ihr Haus, das sie ganz aus neuem Material aufgebaut hatten, zogen aber bereits 1901 nach einem Ort oberhalb der Kasomündung.

Die Wahl und Bearbeitung der erforderlichen Pfähle, Planken und Dachbedeckung gehört zum beschwerlichsten Teil des Hausbaus; man benutzt zwar so viel als möglich altes Material, aber dies ist meistens nach mehrjährigem Gebrauch nicht mehr verwendbar. Dieser ständige Wohnungswechsel beeinträchtigt die Arbeit der Dorfbewohner in hohem Grade, 60-jährige Leute haben in ihrem Leben 10 bis 12 Häuser erbauen helfen. Wo die Verhältnisse es erlauben, bauen Bahau und Kenja ihre Häuser vollständig aus Holz, das ineinander gefügt und mit Rotang gebunden wird. Daher findet man auch am oberen Mahakam, wo der Wald gross und die Bevölkerung relativ gering ist, ausschliesslich Holzhäuser; nur Plattformen und provisorische Gebäude werden bisweilen aus Bambus hergestellt. Anders verhält es sich in Gebieten, wie die am oberen Kajan, in denen seit Jahren eine dichte Bevölkerung lebt; dort werden wegen Holzmangels für die Dachbedeckung und die Wände grosse Baumblätter benützt, die auf bestimmte Weise aneinander gereiht und in Form von Matten zusammengefügt werden. Palmblätter sah ich als Dachbedeckung nur für zeitweilige Hütten auf Reisen gebrauchen.

Wird ein Haus nicht von Feinden niedergebrannt, so benützt der Stamm, wie gesagt, die Eisenholzpfähle und Planken des alten Gebäudes für das neue, da diese ein Menschenalter überdauern können. Für das Gerüst verwenden sowohl Bahau als Kenja nie Bambus sondern stets Holz als Material.

Obgleich in der Konstruktion und in der Verteilung der Räume eines langen Hauses Unterschiede bestehen, ist die Einrichtung einer Familienwohnung doch überall ungefähr gleich. Da ich Gelegenheit hatte, die Kajan am Mahakam beim Bau ihrer Niederlassung zu beobachten, lasse ich hier eine Beschreibung desselben und der mit ihm verbundenen Gebräuche folgen. Besonders die mit dem Bau der Häuptlingswohnung zusammenhängenden Zeremonien werden dem Leser eine lebhafte Vor. Stellung von den zahlreichen Beschränkungen geben, durch welche die _adat_ das ökonomische Leben der Bewohner Borneos beeinträchtigt.

Bevor die Kajan an den Hausbau gingen, suchten sie sich auf dem Grundstück, das für die neue Niederlassung gewählt worden war, einen Platz für ihre Privatwohnung aus. Jede Familie ist nämlich für den Bau ihres eigenen Hauses verantwortlich. Sie wählt sich stets Verwandte oder Freunde als Hausnachbarn aus, so dass z.B. in den verschiedenen langen Häusern des Dorfes ebensoviele durch Familien- oder Freundschaftsbande verbundene Gruppen wohnten.

Bei der Wahl des Platzes muss jedoch darauf geachtet werden, sass das Häuptlingshaus in der Mitte zu stehen kommt und zu beiden Seiten genügender Raum für die Wohnungen der Sklaven übrig bleibt, die rechts und links vom Häuptling bauen müssen. Die Form ihrer Wohnungen unterscheidet sich jedoch nicht von der der Freien.

Da das alte Kajanhaus verbrannt war, musste alles Material neu beschafft werden, und ich hatte bereits im Jahre 1896 Eisenholzpfähle im Blu-u liegen sehen, die später verwendet werden sollten.

Für die Pfähle und die Dachbedeckung der Häuptlingswohnung wird so viel als möglich Eisenholz benützt. Die langen, geraden Stämme der Tengkawangbäume dienen hauptsächlich als Dachsparren und Dielenbalken. Den Freien und Sklaven ist ausdrücklich verboten, Verzierungen aus Eisenholz und Dielenbalken aus _Tenkawang_, oder, wie die Kajan sagen, _Kawang_-Holz herzustellen; dagegen ist ihnen gestattet, _Tengkawang_-Holz zu Schindeln zu verwenden.

Beim Sammeln des Materials müssen allerhand Vorschriften befolgt werden. Zur Zeit des Vollmonds darf nie etwas Wichtiges unternommen, also auch kein Haus gebaut werden, da es sonst verbrennen würde. Das Suchen von passenden Bäumen und deren Bearbeitung zu Pfählen, Brettern oder Schindeln erfordert eine genaue Beachtung der Zeichen des _tsit, telandjang, kidjang_, u.s.w. Ausserdem muss, je nach dem Zweck, den man mit dem Holz im Auge hat, besonderen Vorschriften nachgekommen werden. So dürfen z.B. aus einem Baum, auf dem viele Epiphyten, wie Orchideen, wachsen oder auf dem viele Ameisen umherlaufen, keine Schindeln verfertigt werden, wenn man nicht Epiphyten und Ameisen auch auf dem neuen Dache sehen will. Auch wenn ein kleiner Baum gegen einen grossen wächst oder wenn ein Baum rechtwinklig gegen den Ast eines benachbarten Baumes anstösst, ist er für Schindeln ungeeignet. Dielenbretter, die während des Transports, der fast immer zu Wasser geschieht, nass wurden, dürfen nicht mehr benützt werden.

In Bezug auf die Herstellung von Pfählen sind die Bestimmungen weniger zahlreich. Beim Fällen muss ein Baum vollständig seitwärts niederfallen; er darf dagegen nicht vom Stumpf abgleiten und dann stehen bleiben, wie es im dichten Walde leicht vorkommen kann. Ein solcher Baum darf weder für Häuser noch Böte noch andere Zwecke verwendet werden.

Jeder Bahau und Kenja hat das Recht, in den Wäldern innerhalb des Gebietes seines Stammes nach Belieben Bäume zu fällen; nur die grossen Tengkawangbäume, die in fruchtreichen Jahren einen ganzen Stamm mit Fett versorgen, werden meist geschont. Hat jemand einen Baum gefunden, der ihm zum Bau seines Hauses oder Boots geeignet scheint, so bezeichnet er denselben als sein Eigentum, indem er eine zwei Faden lange Stange in die Erde steckt und an den Stamm lehnt.

Sobald das Material zum Hausbau in genügender Menge zusammengebracht worden ist, wird eine Versammlung berufen, welche eine passende Zeit zum Beginn der Arbeit zu wählen hat. In der Regel fängt man mit dieser nach der Reissaat an, und wenn gute Erntejahre vorangegangen sind, da die Feldarbeit dann viel Zeit übrig lässt und Nahrungsmittel reichlich vorrätig sind. Ein Hausbau ist eine Angelegenheit des ganzen Stammes, indem jede Familie eicht nur für ihre eigene Wohnung zu sorgen hat, sondern sich auch am Bau des Häuptlingshauses beteiligen muss.

Sobald ein Grundstück gewählt worden ist, zieht der Häuptling mit den Oberhäuptern der Familien aus, um den Wald an der betreffenden Stelle zu fällen. Diese Arbeit bedeutet jedoch noch nicht den definitiven Anfang des Baus. Durch ungünstige Umstände gezwungen liessen die Kajan z.B. den Wald auf dem als Bauplatz gewählten Bergrücken an der Blu-u Mündung drei Mal wieder heranwachsen, nachdem sie ihn ebensoviele Mal gefällt hatten. Erst dann wagten sie es, sich dort endgültig ans Werk zu machen. Vor dem Beginn des Baus ziehen die meisten Familien, die dem Häuptling helfen und auch ihr eigenes Haus schnell errichten wollen, nach dem Bauplatz und stellen dort ein provisorisches Haus her, nach Art der _lepo luma_, aus altem Material (Siehe die kleinen Häuser auf Taf. 48 T. I).

Handelt es sich um den Bau einer neuen Niederlassung, so muss der Häuptling vor dem Anfang des eigentlichen Baus _ajo_, d.h. die Geister in günstige Stimmung versetzen, indem er mit einem Menschenschädel eine bestimmte Zeremonie ausführt. Gegenwärtig wird dabei ein alter, von einem benachbarten Stamme geliehener Schädel benützt, wie es auch jetzt noch beim Ablegen der Trauer (_bet lali lumu_) gebräuchlich ist. Diese Sitte deutet wahrscheinlich darauf hin, dass der Hausbau früher mit der Opferung eines Menschen eingeleitet wurde. Der Häuptling verrichtet diese Zeremonie für den ganzen Stamm.

Sowohl bei den Kajan als bei den anderen Stämmen ist es sehr gebräuchlich, dass die Dorfgenossen einander beim Hausbau Beistand leisten. Die gegenseitige Unterstützung wird mit _pala-dow_ bezeichnet; den gleichen Namen tragen auch die Gehilfen. Die Familien beteiligen sich nicht nur am Bau des Häuptlingshauses, sondern sie versichern sich, auch wenn es den Bau des eigenen Hauses gilt, der Mitwirkung einer so grossen Anzahl von Männern, dass am gleichen Tage die alte Wohnung niedergerissen und die neue unter Dach gebracht wird. Wer an eine derartige Arbeitsweise nicht gewöhnt ist, staunt über die Leistungen, die auf diese Weise in einem Tage ausgeführt werden. Die weitere Bearbeitung findet später mit Hilfe einer kleineren Leutezahl statt. Besteht eine Familie aus nur wenigen Gliedern und nimmt deren täglicher Unterhalt fast alle Zeit in Anspruch, so dauert es Monate, bisweilen auch Jahre, bevor ihr Haus ganz fertig dasteht.

Obwohl beim Bau eines so grossen Hauses wie das von _Kwing Irang_ von einer schnellen Vollendung keine Rede sein konnte, wurde die Arbeit doch nach dem gleichen Prinzip vorgenommen. An bestimmten Tagen kam eine grosse Anzahl Männer zusammen, um eine bestimmte Arbeit auszuführen; nötigenfalls stellten sie sich auch noch am folgenden Tage ein, aber dann verging wieder eine lange Zeit, bevor sie fortfuhren. Sie mussten dazwischen neues Material sammeln oder sie hatten andere Dinge zu tun. Auch seine Sklaven liess der Häuptling nicht ständig arbeiten, obgleich sie immerhin durch Sie Herstellung von Brettern und Verzierungen mehr zu tun hatten als die übrigen Familien, die nur einen bestimmten Anteil zu liefern hatten.

Der Familie, die bauen lässt, fällt die Beköstigung ihrer _pala-dow_ zu. Da beim Bau eines gewöhnlichen Hauses etwa 40 Mann mithelfen, bedeutet deren Ernährung eine grosse Last für die betreffenden. Dazu verursacht später die sorgfältige Bearbeitung des Hauses neue Kosten. Wenn sich der ganze Stamm am Bau des Häuptlingshauses beteiligt, müssen zur Beköstigung der Hilfskräfte mehrere Scheunen mit Reis geopfert werden. Die weiblichen Familienglieder und einige Sklavinnen sind bereits mehrere Tage vor Begin des Hausbaus mit dem Stampfen des Reises und die Männer mit dem Fang von Fischen als Zuspeise beschäftigt. Bisweilen wird auch zu diesem Zwecke eine _tuba_-Fischerei in einem Bache veranstaltet. Die reichen, aus zahlreichen Gliedern bestehenden Familien unterstützen den Häuptling bei derartigen Gelegenheiten mit Reis und anderen Artikeln.

Wird für einen vornehmen Häuptling, wie _Kwing Irang_, ein Haus gebaut, so kann dieser auch auf die Mitwirkung der benachbarten Stämme rechnen. Da alle Häuptlinge der Bahau am oberen Mahakam verwandt sind, hätte man ihre Unterstützung als eine Ehrenbezeigung ansehen können, die sie dem ältesten Familienglied, _Kwing Irang_, bewiesen. Es scheint jedoch, dass es sich hier eher um einen pflichtgemässen Beistand handelt; denn die Niederlassung Lulu Njiwung, deren junger unbedeutender Häuptling _Ding Ngow_ an Vornehmheit der Geburt _Kwing Irang_ übertraf, weil er in gerader Linie von einem männlichen Häuptling der alten Long-Glat abstammte, _Kwing_ dagegen in weiblicher Linie, durch seine Mutter, steuerte keinen Pfahl zum Hause bei, wie die Pnihing, Ma-Suling und Long-Glat von Long-Tepai es taten.

Zuerst mussten alle Pfähle, auf welchen _Kwing Irangs_ Haus ruhen sollte, vom Fluss aus den 30 m hohen Hügelrücken hinaufgeschafft werden (Siehe Taf. 48 T. I). Hierzu wurde ein 5-7 cm dicker Rotang durch das Loch gezogen, das bereits im Walde in das obere Ende der schweren Balken gebohrt worden war. An diesem Kabel zogen 20-30 Mann einen Pfahl den Hügel hinauf, während andere ihn an der Spitze durch, untergeschobenen Rotang hoben oder ihn über Rollen gleiten liessen.

Zu dieser Arbeit wurden die jungen Leute hauptsächlich abends, wenn sie von der Feldarbeit heimkehrten, zusammengerufen. Ausser den grossen Pfählen hätte man auch kleinere; die für Gerüste und Hilfstreppen verwendet werden sollten, aus dem Walde herbeigeschafft; überdies auch grosse Mengen verschiedener Rotangarten: dünne, zähe Sorten zum Aneinanderbinden der verschiedenen Holzteile, schwere, bis 7 cm dicke Arten als Kabel zur Aufrichtung der Pfähle.

Nachdem die Kajan einige Tage lang Klebreis gestampft; in _samit_-Blätter gewickelt und gekocht, Fische gefangen und in grossen Pfannen mit Wasser zubereitet hatten, kamen sie eines Abends zusammen, um mit. Hilfe von Rotangstücken den Platz zu messen, auf dem das Haus stehen sollte, und die Stellen anzugeben, wo die Pfähle eingerammt werden sollten (Siehe T. I Pag. 387).

Der erste Tag, an dem die Gruben gegraben und der erste Pfahl aufgerichtet wurde, bedeutete einen Festtag für den ganzen Stamm. Die grössten und schwersten Pfähle wurden mit Hilfe sämtlicher Männer, auch der Frauen und Kinder, hinaufgezogen: besondere Anstrengung verursachte die Aufrichtung der grossen, mit Schnitzwerk verzierten Pfähle.

Der schwerste Pfahl war 10 m lang; hatte einen Umfang von 1.80 m und bestand aus Eisenholz, dessen sp. Gewicht 1,3 beträgt. Im Ganzen wurden 10 solcher Pfähle für das Haus verwendet.

Die Kajan waren übereingekommen, den Hauptpfahl nachts aufzurichten, weil eventuelle schlechte Vorzeichen dann nicht gesehen werden konnten. Wir hatten daher, mit Rücksicht auf die Zeremonien, welche interessant zu werden versprachen, Vorbereitungen für eine Blitzlichtaufnahme getroffen; aber nach Mitternacht begann es so stark zu regnen, dass die schweren Gonge erst bei Tagesanbruch die Leute zum gewichtiges Werk herbeiriefen. Bald waren 150 Männer beisammen, die alle damit begannen, aus armdicken Stämmen von hartem Holz lange Schaufeln zu schneiden, mit denen sie die Erde ausgruben; oder sie spalteten einen langen, dicken Bambus an dem einen Ende, bogen die Streifen wie einen Trichter auseinander, umflochten diese zur Befestigung mit Rotang und schafften so die lockere Erde herauf, indem sie das becherförmige Ende in den Boden stiessen und gefüllt wieder nach oben zogen. Auf diese Weise wurden für sämtliche Pfähle Löcher gegraben; für die längsten und schwersten Pfähle betrug die Tiefe der Gruben 2 m, für die kürzeren und dünneren 1 m. In der Richtung, in welcher der Hauptpfahl in die Grube gleiten sollte, wurde eine Rinne gegraben und ihr gegenüber, an die senkrechte Wand der Grube, ein Brett gestellt, so dass auch ein sehr schwerer Pfahl nicht in die Erde dringen, sondern an der Gleitfläche abwärts sinken konnte.

Die Erde auf dem Bauplatz war gelbbraun und in einer Tiefe von 1/2 m mit kleinen, verwitterten Steinen gemischt, die sich 1 1/2 m tiefer als roter Jaspis erwiesen. Augenscheinlich bestand dieser lange Hügelrücken aus alten Kiesablagerungen des Flusses.

Die grösste Feierlichkeit fand nicht beim Haupt-, sondern beim Mittelpfahl statt, obgleich gerade dieser zu den kleineren Exemplaren gehörte. Nachdem der Pfahl aufgerichtet worden war, führte man den alten halb blinden Oberpriester _Bo Jok_ zu ihm. Der Greis wandte sich den Geistern, welche diesen Ort bewohnten, hauptsächlich denen auf dem dicht daneben stehenden Andesitkegel Batu Kasian zu und erzählte ihnen, dass der Kajanstamm hier eine Niederlassung bauen wolle und sie um ihren Segen bitte. Dabei opferte er den Geistern ein Küchlein und ein Ei und steckte Eisen in Form einiger Nägel und zwei gelbe und zwei blaue alte Perlen als Opfergabe in die Erde. Das Küchlein und das Ei klemmte er in ein gespaltenes Stück Bambus und stellte dieses neben den Pfahl, während er auf der anderen Seite, zur Abwehr böser Geister, Blätter von _daun long_ (Aroïdeae sp.) an den Pfahl band (Siehe Taf. 25 in der Mitte).

Darauf steckte er neben dem Pfahl mit Holzspiralen verzierte Haken im Kreise in die Erde, um auch den Segen der Erdgeister dem künftigen Gebäude zuzuführen. Auch den Luftgeistern opferte er, indem er nach allen Richtungen Reis in die Luft warf; doch war seine Ansprache wegen der heftigen Schläge auf die Gonge nicht zu verstehen. Die nebenstehende Tafel giebt die Schlussszene dieser Feierlichkeit wieder. In der Mitte steht der Hauptpfahl, an dem rechts der lange Stock mit dem Ei, vorn die schutzbringenden Blätter zu sehen sind. Die eine Hand auf den Pfahl gestützt steht der alte _Bo Jok_ da; seine Ohren schmücken zur Feier des Tages Tigerzähne. Rechts vom Priester stehen die beiden vornehmsten Frauen des Stammes, _Bo Hiang_, _Kwing Irangs_ älteste Frau, und deren Nichte _Lirong_ (auf dem Eisenholzbrett). Um ihre Seele, die sich wie sie selbst vor den vielen aufgerufenen Geistern fürchtet, am Entfliehen zu verhindern, hat _Bo Hiang_ sich ein Stück weissen Kattuns aufs Haupt gelegt, während _Lirong_ auf das ihre mit beiden Händen ein hübsches buntes Tuch drückt. Dass auch _Bo Jok_ voller Angst war, merkte man daran, dass er ein altes Schwert und ein weisses Zeugstück in der Hand hielt und nach beendeter Feier aufs Haupt legte. Links hinter _Bo Jok_ sitzt auf einem grossen Pfahl aus Eisenholz ein Kajan und schlägt auf einen Gong, den er auf den Knieen hält. Die übrigen Personen sind Arbeiter und Knaben.

Nach beendeter Feier verteilten sich die Kajan in Gruppen, die gesondert Pfähle in die Erde setzten und feststampften. Da die Leitung hierbei nicht in den Händen einiger Hauptpersonen lag, sondern jeder seine Meinung äussern zu dürfen oder zu müssen glaubte, herrschte auf dem Platze grosse Konfusion und Geschrei. Hauptsächlich war dies beim Transport der schwersten Pfähle der Fall, die zum Teil noch ihren Gruben gegenüber in die richtige Lage gebracht werden mussten. Dessenungeachtet schritt die Arbeit gut vorwärts. Die kleinen Pfähle wurden mit den Händen aufgerichtet und in die Gruben gestellt, für die grösseren benützte man, um sie beim Heben lenken zu können, hölzerne Gabeln.

Gegen 9 Uhr morgens gingen die Kajan an die Aufrichtung der grossen, mit Bildhauerarbeit verzierten Pfähle aus Eisenholz, welche die Vorgalerie stützen sollten. Diese ungefähr 3500 kg schweren Säulen konnten von den Leuten nicht ohne Hilfsmittel aufgerichtet werden, weil sie mit ihrer Spitze so hoch gehoben werden mussten, dass ihr unteres Ende in die Grube gleiten konnte. Zu diesem Zwecke gebrauchten die Kajan dicke Rotangkabel, die am oberen Ende des Pfahls in einer Höhe von 7 m befestigt und über einen vor der Grube errichteten Galgen geleitet wurden; sie boten mehr als 50 Menschen Gelegenheit zum Ziehen. Auf Tafel 26 sieht man in der Mitte des Vordergrundes den verstärkten Galgen, der für solch einen Pfahl gebaut, hier aber noch nicht benützt worden ist. Der Balken, über den die beiden Kabel laufen sollen, liegt auf den Spitzen von zwei gleichseitigen Dreiecken, die aus geraden, jungen, mit Rotang aneinander gebundenen Stämmen bestehen. Diese Dreiecke werden zu beiden Seiten des Pfahls, der gehoben werden soll, errichtet und sind mit einander durch andere Quer- und Stützbalken verbunden und verstärkt. Oft werden diese Dreiecke auch an den bereits aufgerichteten kleineren Eisenholzpfählen befestigt. Das Bild stellt den Augenblick dar, wo eine grosse Anzahl Menschen (rechts) den grössten, mit schöner Bildhauerarbeit verzierten Pfahl (links im Hintergrunde) an Rotangkabeln in die Höhe zieht; einige Männer stehen und ziehen auch auf dem Gerüst selbst. Die grossen Pfähle tragen mächtige Kriegsmützen aus Rotang, welche mit nachgemachten Federn des Nashornvogels geschmückt sind. Alt und jung, Männer und Frauen ziehen an den Kabeln, wo nur ein Platz frei ist. Die beiden seitlichen Dreiecke sind so fest in den Boden gesetzt, dass sie nicht nur die vielen Männer tragen, sondern eventuell auch den Pfahl, falls er seitwärts ausweichen sollte, zurückhalten können.

Anfangs fiel die Zugrichtung zu stark in die des liegenden Pfahls, daher wurden an dessen oberem Ende ständig mehr Balken untergeschoben, bis der Pfahl durch eine stärkere Neigung in eine günstigere Lage gebracht wurde. Als der Pfahl beim Ziehen in die Rinne glitt, die von seinem unteren Ende in die Grube führte, fand er an der gegenüberstehenden Planke einen Stützpunkt.

Da auch bei dieser Arbeit eine Leitung fehlte und viele der ältesten und einflussreichsten Männer gleichzeitig ihre Meinung zum besten gaben, wurde nicht stets gleichmässig und im erforderlichen Moment gezogen. Jeder kleine Arbeitsfortschritt wurde anfangs durch Unterschieben von Holz gesichert, dann ging es immer schneller vorwärts; der Pfahl erhob sich höher und höher unter den ängstlichen Zurufen der zahlreichen, zuschauenden Mene, die einen Fall oder ein Aasweicher. des Balkens fürchtete. Dieser wurde übrigens von vielen Männern mit hölzernen Gabeln gestützt. Unter diesen Männern durfte keiner sein, der eine Frau verloren und daher den Zorn der Geister bereits empfunden hatte. Es dauerte eine Stunde, bevor der Pfahl, zur grossen Erleichterung der Zuschauer, mit einem Ruck in die Grube schoss. Fällt nämlich ein Pfahl, so darf er zum Bau überhaupt nicht mehr verwendet werden. Dieser Pfahl war aber besonders gross und schwer, hatte daher viel Mühe verursacht, bis er an Ort und Stelle geschafft war, ausserdem hatten die beiden talentvollsten jungen Holzschnitzer, _Sawang Jok_ und _Imun_, viel Zeit darauf verwendet, um das obere Balkenende mit einem schönen Relief zu verzieren. Aus einer Erhöhung am Stamm, von der ein dicker Ast ausgegangen war, hatten sie ein 1 dm hohes Relief eines Tierkörpers modelliert. Die übrigen Figuren waren 1-2 cm tief in den Stamm geschnitten (Taf. 27).

Der Priester _Bo Jok_ hatte vor der Aufrichtung des Pfahls über der Grube den Erdgeistern ein Ferkel geopfert. Wie am mittleren Pfahl wurde auch hier eine Ansprache an die Geister gehalten, aber ausserdem verherrlichte man auch noch das Opfer und pries das kleine Ferkel als kostbares Schwein an. Darauf schnitt man dem Tier die Kehle durch und liess das Blut in die Grube fliessen; nur ein kleiner Teil wurde auf einem Bananenblatt aufgefangen, um damit alle übrigen Pfähle zu bestreichen. Als der Pfahl fest in der Grube stand, steckte man neben ihm einen Stock in die Erde, in dessen oberes, gespaltenes Ende das Ferkel eingeklemmt wurde. Hier blieb das Tier bis es verweste (Taf. 28).

Nach dieser gewichtigen Handlung trat für alle festliche Ruhe ein und man erfreute sich an einer vorher zubereiteten Mahlzeit von Klebreis und Fisch. Bei derartigen Festmahlzeiten ist gewöhnlich Wildschweinfleisch sehr beliebt, doch ist dieses während der Dauer des Hausbaus _lali_; auch Blätter von bestimmten Waldpflanzen als Gemüse zu gebrauchen, ist dann verboten.