Quer Durch Borneo; Zweiter Teil

Chapter 1

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Quer durch Borneo

Ergebnisse Seiner Reisen in den Jahren 1894, 1800-97 und 1898-1900

Von

Dr. A.W. Nieuwenhuis

Unter Mitarbeit

Von

Dr. M. Nieuwenhuis-von Üxküll-Güldenbandt

Zweiter Teil

Mit 73 Tafeln in Lichtdruck und 18 Tafeln in Farbendruck.

Buchhandlung und Druckerei Vormals E.J. Brill Leiden--1907

VORWORT.

Beim Erscheinen dieses zweiten und letzten Teils meines Reisewerks erlaube ich mir darauf aufmerksam zu machen, dass er nach demselben Plan wie der erste angeordnet ist; umfangreichere Ausführungen über Staatseinrichtung, Häuserbau, Industrie, Kunst u.z.w. erforderten eine Behandlung in gesonderten Kapiteln; ausserdem wurden aber auch diesmal in den Reisebericht, welcher den Zug von Samarinda zu den Kenjastämmen in Mittel-Borneo schildert, eine Menge Beobachtungen auf verschiedensten Gebieten eingeflochten.

Vor allem machte es dieser Umstand erforderlich, dass dem Werk als Wegweiser zu den vielen Einzelheiten ein ausführliches Inhaltsregister beigefügt wurde. Diesem Hauptregister folgt ein zweites, welches die im Text vorkommenden inländischen Wörter enthält und somit in bescheidenem Umfang eine Liste in Mittel-Borneo gangbarer Wörter und ihrer Bedeutung darstellt. Diese Wörter gehören zwar verschiedenen Dialekten an, doch habe ich ihren Wert durch sorgfältige Angabe der richtigen Aussprache zu erhöhen getrachtet.

Jetzt, wo die wichtigsten Resultate meiner Forschungsreisen in diesem Werke vor mir liegen, fühle ich mich verpflichtet, allen, die mich auch bei der Herausgabe dieses zweiten Bandes unterstützt haben, meinen lebhaften Dank zu bezeugen.

An erster Stelle meiner Frau, welche mich dazu ermutigte, schon so bald nach dem erst 1900 in holländischer Sprache erschienenen Werk "In Centraal-Borneo" ein zweites, noch umfangreicheres her auszugeben. Ihrer selbstlosen Mitarbeit habe ich es auch zu danken, dass die Ergebnisse meiner Forschungsarbeit in der vorliegenden Form und in deutscher Sprache veröffentlicht werden konnten. So sind die Resultate meiner langjährigen Reisen durch die Insel, die bisher noch kein Europäer durchquert hatte, auch dem Auslande zugänglich geworden und werden hoffentlich dazu beitragen, bei anderen Völkern richtigere Vorstellungen über die niederländische Verwaltung im indischen Archipel zu erwecken, als dies durch die oberflächlichen Betrachtungen geschieht, welche öfters in der ausländischen Presse die Runde machen.

In herzlichster Dankbarkeit gedenke ich auch diesmal der Hilfe, welche mir Professor Dr. _F. Schwend_ in Stuttgart bei der sprachlichen Korrektur in so hohem Masse hat zu Teil werden lassen.

Leiden,

Dezember 1906.

A.W. Nieuwenhuis.

INHALT.

Kapitel I. 1-32

Einzug in Samarinda am 9. Juni--Abreise von _Barth_ und einem Teil des Personals nach Java--Vorbereitungen zur Reise nach Apu Kajan--Besuch beim Sultan--Begegnung mit der Siboga-Expedition--Abfahrt von Samarinda mit dem "Lawu" am 17. Juni 4 tägige Dampferfahrt bis Udju Tepu und Ana--Mondfinsternis in Ana--Von Ana bis Long Howong--Rückkehr des "Lawu" zur Küste--Von Long Howong mit Böten nach Uma Mehak--Über die östlichen Wasserfälle nach Long Deho--Aufenthalt in Long Deho--Besteigung des Batu Ajo--Von Long Deho nach Long Tepai--Beunruhigende Gerüchte aus Long Blu-u--Ankunft daselbst im September--Misstrauen seitens der Kajanbevölkerung.

Kapitel II. 33-51

Der mittlere Mahakam und seine Bewohner--Auswanderungen aus dem Stammland--Degeneration der Stämme im Tieflande Verhältnis der Niederlassungen zu einander--Einfluss des Sultans von Kutei auf die Dajakhäuptlinge--Die Niederlassung Long Deho und ihr Oberhäuptling _Bang Jok_--Die Punan als Kopfjäger--Verhältnis zwischen den Kenja und Bahau--Der degenerierende Einfluss der Malaien auf die Dajak--Erhaltung der ursprünglichen Sitten und des Kultus der Dajak am mittleren Mahakam--Tundjung- und Kenjastämme--Verhältnis der Bewohner des oberen zu denen des mittleren Mahakam.

Kapitel III. 52-74

Plan eines Zuges ins Quellgebiet des Mahakam--Schwierigkeiten bei den Vorbereitungen--Fahrt auf dem Mahakam bis zum Quellfluss Selirong--Durch den Seliku auf den Lasan Tujang--Aussicht von dessen Gipfel--Topographische Aufnahmen Geologische Verhältnisse des Quellgebiets--Über den Lasan Towong zurück zum Lagerplatz am Selirong--Charakter der beiden Quellflüsse--Besteigung des Batu Balo Baung--Umschlagen des Bootes in den Stromschnellen--Vereinigung der topographischen Messungen des Mahakam- und Kapuasgebietes--Heimkehr nach Long Blu-u nach einmonatlicher Abwesenheit.

Kapitel IV. 75-94

Aussichten für die Reise nach Apu Kajan--Beziehungen der Bahau zu ihrem Stammlang--Die Kenja als Kopfjäger--Alte Fehden zwischen den Kenjastämmen--Bedrohungen seitens des Sultans von Kutei--Vergebliches Warten auf die Einsetzung eines Kontrolleurs--Beratung in Long Tepai--Reisehindernisse seitens der Bahau--Beunruhigende Gerüchte von der Küste und Apu Kajan--Abschied von Long Blu-u--Über Long Tepai nach Long Deho.

Kapitel V. 95-129

Organisation eines Stammes am oberen Mahakam--Stellung der Häuptlingen Freien und Sklaven--Vielweiberei--Verlobung Heirat, Ehescheidung, Ehebruchs Erbschaftsrechte--Geburt und Verbotsbestimmungen für Kinder--Schreckfiguren und Beschwörungen zur Vertreibung von Krankheiten--Prophezeiungen ans den Eingeweiden von Tieren--Betrügerisches Vorgehen der Priester--Geisterbeschwörung bei Dürre--Schöpfungsgeschichte der Mahakam-Kajan--Die mächtigsten Geister des Mahakam (_seniang_)--Begräbnisgebräuche--Ökonomische Verhältnisse am Mahakam--Ackerbau und Ackerbaufeste--Verschiedene Feldprodukte--Sagogewinnung--Fleischnahrung--Fischfang und Fischzucht--Haustiere--Schlachtmethoden Fleischkonservierung.

Kapitel VI. 130-146

Religiöse Bedeutung einiger Spiele der Mahakam-Dajak--Spiele der Männer: Waffentanz (_kenja_), Ringkampf, Wettlaufs Hochund Weitsprung, Ball- und Kreiselspiel, Scheinkämpfe (Wasserspritzen, Blasrohrschiessen)--Spiel der Frauen: Tanz zwischen Preisstampfern--Volksspiele--Kinderspiele: Spielzeug, Steinewerfen (aus freier Hand; mit Schleudern), Figurenbilden mittelst einer Schnur, Häuserbau--Singtänze (_ngarang_)--Rezitationen--Musikinstrumente: Gonge, _kledi_, Flöten, Guitarre (_sape_), Maultrommel (_tong_)--Singen und Pfeifen.

Kapitel VII. 147-185

Häuserbau bei den Bahau- und Kenjastämmen--Unterscheidung dreier Baustile--Vorschriften bei der Wahl des Baumaterials und Baugrundes--Bau von _Kwing Irangs_ Haus--Hilfeleistung seitens der Dorfgenossen und fremden Stämme--Zeremonien bei der Aufrichtung der Pfähle--Konstruktion des Gerüstes des Fussbodens und Dachs--Innere Einteilung--Ausstattung der Galerie (_awa_) und des Wohngemachs (_amin_)--Äusserer Hausschmuck--Herstellung von Schindeln--Opferzeremonien bei der Dachdeckung Verbotsbestimmungen für ein unvollendetes Haus--Feierlicher Einzug ins neue Haus--Entzündung des ersten Herdfeuers Kopfjagdzeremonien--Opferung und Schlussfeier--Hausbau bei den Freien--Bau von Scheunen.

Kapitel VIII. 186-233

Charakter der Industrie bei den Bahau und Kenja--Herstellung von Kleidung: Spinnerei; Webereid Verzierung durch Figuren Stickereien, Knüpfarbeiten- Baumbastkleidung--Schmieden: Werkzeuge; Eisengewinnung Herstellung von Arbeitsgerätschaften, Lanzen, Schwertern; Verzierung der Schwerter--Schnitzerei: Griffe und Scheiden; Holz- und Bambusschnitzerei--Flechterei: Zubereitung von Rotang, _kebalan, tika, samit;_--Flechten von Körben, Mattem Hüten; Flechtarbeit für Waffen--Töpferei--Bootsbau: Wahl und Behandlung des Materials; Roharbeit Endbehandlung--Kalkbrennerei--Herstellung von Schmuck aus Steinen und Perlen: Wert der Perlen ihre Herkunft, Verwendung; Rolle der Perlen in der Kulturgeschichte.

Kapitel IX. 234-284

Allgemeines über die Kunstäusserungen der Bahau- und Kenjastämme--Zahl und Art der in der Ornamentik angewandten Motive--Verwendung von Menschenfiguren--Erkennungszeichen für bestimmte Motive--Tierfiguren (Hunds Tiger, Rhinozerosvogel) Verwendung einzelner Tierteile (Feder des Argusfasans, Pantherfell)--Genitalmotive--Stilisierungen--Verwendung der Motive im Kunsthandwerk: bei Hirschhorngriffen, Schwertscheiden, Bambusköchern, Kleiderverzierungen, Perlenarbeiten--Einfluss fremder Völker und Stämme auf die Entwicklung der Kunst bei den Bahau und Kenja.

Kapitel X. 285-306

In Long Deho--Auseinandersetzungen mit _Bang Jok_--Begegnung mit den Kenja-Dajak unter _Taman Ulow_--Missstände im Dorfe--Zusammenkunft mit dem Kenja-Häuptling _Taman Dau_--Ankunft _Demmenis_ und _Kwing Irangs_ am 3. April--Neue Beratungen über die Reise--Einverständnis der Häuptlinge mit dem Zuge nach Apu Kajan--_Bo Adjang Ledjüs_ Tod und Beisetzung--Wahl und Vorbereitung eines Lagerplatzes am Boh--Widersetzlichkeiten seitens des Personals--Neue Hindernisse durch die Kajan--_Midans_ Rückkehr von der Küste--Aufbruch zum Boh am 17. Mai.

Kapitel XI. 307-331

Dreimonatlicher Aufenthalt im Lagerplatz am Boh--_Bier_ verlässt die Expedition--Anlage einer Fischsammlung--Günstige Nachrichten aus Long Blu-u--Offizieller Bericht von der Einsetzung eines Kontrolleurs am Mahakam--7 Kenja unter _Taman Ulow_ schliessen sich der Expedition an--Jagdverhältnisse am Mahakam--Kastrierung der Hunde, Jagdmethoden, Fallenstellen, Beschwörung der Hunde, Vogeljagd--_Kwing Irangs_ Ankunft am Boh--Reiseberatung--Schwierigkeiten durch den Tod von _Kwing Irangs_ Schwester--Vorbereitungen zur Abreise--Aufbruch der Kenjagesandtschaft unter _Taman Ulow_.

Kapitel XII. 332-360

Aufbruch von der Bohmündung am 6. August--Reise auf dem Boh und seinen Nebenflüssen Oga, Temha und Meseai--Landweg über die Wasserscheide--Begegnung mit unserer Gesandtschaft--Freundlicher Empfang seitens der Kenja in Apu Kajan--Einzug in Tanah Putih am 5. September.

Kapitel XIII. 360-401

Empfang in Tanah Putih--Verhältnisse im Dorf--Erste politische Versammlung--Freundschaftlicher Verkehr mit den Dorfbewohnern--Überblick über die geographischen und geschichtlichen Verhältnisse in Apu Kajan--Besuch aus benachbarten Dörfern--Stellung der verschiedenen Stände bei den Kenja--Tod und Begräbnis eines Häuptlings--Ankunft der verirrten Long-Glat-Gesellschaft--2. und 3. politische Versammlung--Anerkennung der niederländischen Herrschaft in Apu Kajan.

Kapitel XIV. 402-428

Aufforderung und Vorbereitung zu einem Besuch bei den flussabwärts gelegenen Niederlassungen--Ankunft in Long Nawang--Zustände im Dorf--Freundschaftlicher Verkehr mit den Bewohnern--Besuch von fremden Häuptlingen--Politische Versammlung--Besuch bei den Uma-Djalan--Rückkehr nach Tanah Putih--Vorbereitungen zur Heimreise.

Kapitel XV. 429-452

Abschied von Tanah Putih am 4. November--Im Lagerplatz am Kajan--Wiederholter Aufenthalt durch schlechte Vorzeichen--Zusammentreffen mit den Kajan in Long Laja--Geologische Verhältnisse im Laja--Aussichtsposten auf der Wasserscheide--Abstieg zum Meseai--Aufenthalt wegen Hochwasser--Umschlagen eines Bootes im Kiham Puging--Jagd auf Wildschweine--Ankunft am Mahakam--Besuch bei _Barth_ in Long Iram--Abschied von _Kwing Irang_--Auflösung der Expedition in Samarinda--Ankunft in Batavia am letzten Dezember 1900.

Kapitel XVI. 453-487

Allgemeines über die körperliche und geistige Entwicklung der Dajak auf Borneo--Gründe für ihre geringe Bevölkerungsdichte: klimatische und hygienische Einflüsse, Krankheiten--Abhängigkeit des Gesundheitszustands von der Höhe des Landes--Einfluss mangelhafter Entwicklung und Kenntnis auf die ökonomischen Verhältnisse und auf die religiösen Vorstellungen--Geistige Fähigkeiten der Dajak--Charaktereigenschaften--Körperliche und geistige Überlegenheit der Kenja-Dajak über die Bahau-Dajak.

Kapitel XVII. 488-507

Verhältnis zwischen der dajakischen, malaiischen und europäischen Rasse auf Borneo--Malaiische Regierungsprinzipien--Einfluss der Malaien auf ökonomischem und religiösem Gebiet--Unterdrückung und Ausbeutung der dajakischen Stämme durch die malaiischen Fürstenfamilien--Degeneration der ursprünglichen Bevölkerung--Furcht der Dajak vor den serawakischen Stämmen--Segensreicher Einfluss einer europäischen Verwaltung--Gründung des Fürstentums Serawak unter _James Brooke_ und die günstigen Resultate von dessen Wirksamkeit.

Kapitel XVIII. 508-519

Ergebnisse meiner Reisen auf dem Gebiete der Naturwissenschaft, Medizin und Topographie--Praktische Bedeutung ethnologischer Studien für eine friedsame Kolonisation--Politische Ereignisse in Mittel-Borneo nach meiner Rückkehr--Schlussbemerkung.

LISTE DER TAFELN.

Tafel. Gegenüber Seite

1. Der Mahakam unterhalb Long Deho Titelbild. 2. Der Kiham Lobang Kubang 18 3. Der Kiham Lobang Kubang 28 4. Junge Männer der Mahakam-Kajan 42 5. Männer der Mahakam-Kajan 56 6. Männer der Mahakam-Kajan 66 7. Junge Männer der Mahakam-Kajan 80 8. Drei wohlhabende Frauen der Kajan am Mahakam in Festkleidung 96 9. Frauen der Mahakam-Kajan in Alltagskleidung 106 10. Überreste eines Hindugrabes 116 11. Quer durch den Bach gelegter Deich 126 12. Kriegstanz 132 13. Ringende Männer der Bahau. Tanz der Frauen 134 14. Übungen mit dem Springstock 136 15. Kinderspielzeug und Kreisel 138 16. Kajanknaben auf dem Gerüst ihres selbstgebauten Häuschens 140 17. Junges Kajanmädchen, die Stammessages rezitierend 140 18. Junger Kajan, Kledi spielend 142 19. Musikinstrumente der Bahau 144 20. Musizierende Kajanfrauen 146 21. Gemütliches Beisammensein 146 22. Altes Haus des Long-Glathäuptlings in Batu Sala 148 23. Häuser der Ma-Tuwan. Herstellung von Schindeln 150 24. Das vollendete Haus von _Kwing Irang_ 152 25. Opferszene 158 26. Aufrichtung des Hauptpfahls von _Kwing Irangs_ Haus 160 27. Bildhauer 162 28. Geopfertes Ferkel. Verzierte Tür 162 29. Querschnitt durch _Kwing Irangs_ Haus 164 30. Längsschnitt durch _Kwing Irangs_ Haus 164 31. Gerüst von _Kwing Irangs_ Haus 166 32. Gerüst von _Kwing Irangs_ Haus 166 33. Bildhauerarbeit 168 34. Die Galerie von _Kwing Irangs_ Haus 168 35. Grundriss von _Kwing Irangs_ _amin_ 170 36. Kochen von Schweinefleisch 174 37. Seitenansicht eines _panjin_-Hauses 182 38. Querschnitt durch dasselbe _panjin_-Haus Grundriss des _panjin_-Hauses 182 39. Inneres einer Kajanwohnung A 184 40. Inneres einer Kajanwohnung B 184 41. Arbeitende Kajanfrauen 188 42. Webende Kajanfrau 188 43. Röcke der Kajanfrauen 190 44. Unfertiger Frauenrock 190 45. Arbeitende Kajanfrauen 190 46. Gestickte Rockränder 192 47. Handarbeiten der Bahau 194 48. Klopfen von Baumbast 196 49. Jacke aus Baumbast 196 50. Kriegsmantel aus Baumbast 196 51. Eiserne Gerätschaften und Töpfe 198 52. Unvollendete Schwerter der Bahau 204 53. Schnitzender Kajan. Zubereitung von Rotangstreifen 208 54. Körbe der Bahau 212 55. Kajanfrauen bei der Arbeit 214 56. Herd in der Wohnung eines Freien 216 57. Abarbeitung eines Bootes 220 58. Brennen von Muschelkalk 222 59. Kunstperlen 232 60. Verzierte Gegenstände der Bahau und Kenja 240 61. Verziertes Hausgeräte der Bahau 242 62. Verzierungen und Werkzeuge 254 63. Schwertgriffe aus Hirschhorn 260 64. Hirschhorngriffe 262 65. Schnitzereien auf Pfeilköchern 266 66. Schnitzereien auf Bambusköchern 268 67. Schnitzereien auf Bambusköchern 268 68. Schnitzereien auf Bambusköchern 270 69. Perlenarbeiten, Holzpatronen und Kindertragbrett 272 70. Perlenverzierungen für Kindertragbretter 274 71. Perlenverzierungen für Kindertragbretter 274 72. _Tap hawat_, Perlenverzierung der Kajan 274 73. Zwei _lawong apang_, Frauenmützen der Mahakam-Kajan 276 74. Perlenverzierungen für Mützen 276 75. Perlenverzierungen für Mützen 278 76. _Kehad Njangoen_, 17-jähriges Kajanmädchen 278 77. _Eroh Edoh_, kinderlose, 18-jährige Frau 298 78. _Dewong Kehad_, Frau der Mahakam-Kajan 304 79. Kinderlose Frauen der Mahakam-Kajan 310 80. _Buring Pengai_, neunzehnjährige Kajanfrau 316 81. Erlegter wilder Stier 320 82. Brücke über eine Schlucht 354 83. Kubu auf dem Wege nach Tanah Putih 360 84. Prunkgrab von _Bui Djalongs_ Tochter _Kuling_ 370 85. Schreckfigur und -Pfahl 390 86. Kubu in Long Nawang 410 87. Blick auf die Niederlassung der Kenja zu Long Nawang 418 88. Frau und Knabe der Kenja Uma-Tow 426 89. Karte des Kedjin, gezeichnet von einem Kenja 438 90. Zeichnung eines Kenja Uma-Tow 484 91. Zeichnung eines Kenja Uma-Tow 486

KAPITEL I.

Einzug in Samarinda am 9. Juni--Abreise von _Barth_ und einem Teil des Personals nach Java Vorbereitungen zur Reise nach Apu Kajan--Besuch beim Sultan--Begegnung mit der Siboga-Expedition--Abfahrt von Samarinda mit dem "Lawu" am 17. Juni--4 tägige Dampferfahrt bis Udju Tepu und Ana--Mondfinsternis in Ana--Von Ana bis Long Howong--Rückkehr des "Lawu" zur Küste--Von Long Howong mit Böten nach Irma Mehak--Über die östlichen Wasserfälle nach Long Deho--Aufenthalt in Long Deho--Besteigung des Batu Ajo--Von Long Deho nach Long Tepai--Beunruhigende Gerüchte aus Long Blu-u--Ankunft daselbst im September Misstrauen seitens der Kajanbevölkerung.

Der Dampfer des Sultans brachte unsere Expedition spät abends nach Samarinda. Herr _van Assen_, der Assistent-Resident, befand sich, wie wir vom Sultan gehört hatten, gerade auf einer Reise nach Bulungan. Der vorgerückten Stunde wegen wagten wir anfangs nicht, als Gäste in sein Haus einzuziehen, wozu er uns aufgefordert hatte. Ein indisches Hotel erschien aber _Barth_ und mir nach allen überstandenen Anstrengungen so wenig verlockend, dass wir uns am Ende doch noch entschlossen, die Wohnung des Herrn _van Assen_ aufzusuchen, in der uns dessen Gattin ebenso herzlich wie auf der vorigen Reise empfing und uns einige bereit gehaltene Zimmer anwies. Seit länger als einem Jahr schliefen wir hier zum ersten Mal wieder in einem guten Bett. _Demmeni_ und _Bier_ nächtigten im Hotel, während die Bahau und unser javanisch-malaiisches Geleite teils in unseren, teils in ihren eigenen Böten schliefen, die wir nach Samarinda mitgenommen hatten. Unsere Schutzsoldaten waren von ihren samarindaschen Kollegen sogleich abgeholt und in deren Kaserne einquartiert worden.

Meine erste Arbeit bestand darin, alles so zu ordnen, dass, sobald der Dampfer von Bulungan eintraf, _Barth_, die meisten Javaner und die Schutzsoldaten nach Java weiterfahren und letztere von dort nach Pontianak zurückbefördert werden konnten. Sehr leid tat es mir, dass auch unsere Pflanzensucher _Sekarang_ und _Amja_ nach Buitenzorg zurückkehren mussten, da ohne sie das Sammeln auf botanischem Gebiet nur mangelhaft fortgesetzt werden konnte. Mit Rücksicht auf unsere sehr bedeutende Sammlung lebender Pflanzen war es aber durchaus notwendig, dass sachverständige beute die Pflanzen auf der Reise begleiteten, um sie vor Hitze oder schlechter Behandlung zu schützen.

Meinen Diener Mm Arm, den Jäger Doras und den sehr gewandten _Abdul_ hatte ich bereits während des letzten Teils der Reise dazu überredet, gegen eine Lohnerhöhung von 5 fl monatlich nochmals mit mir ins Innere der Insel zurückzukehren. Von _Hadji Umars_ Malaien nahm ich zwei, _Delahit_ und _Umar_, die sich willig und brauchbar gezeigt hatten, in meinen Dienst.

Die Reiseberichte unserer Schutzsoldaten in der Kaserne hatten so günstig gelautet, dass 5 junge Soldaten, die ich gern mit mir nehmen wollte, sogleich aus ihrem Dienst in Samarinda traten und sich mir anschlossen. Die Anwerbung des Personals regelte sich übrigens von selbst, während wir alles für _Barths_ Reise vorbereiteten. Die ethnographischen und zoologischen Sammlungen nahm _Barth_ nicht mit; jene deponierte ich in Samarinda, diese sandte ich, damit sie nicht verdarb, sogleich an das Museum in Leiden. Die nassgewordenen Ethnographica hatten eine Aufbesserung sehr nötig, so brauchte ich denn auch in Samarinda mein Personal nicht völlig untätig gehen zu lassen. Die meisten spielten sich übrigens als Führer ihrer Bahaufreunde auf, von denen die wenigsten eine so grosse Küstenstadt gesehen hatten und ohne Begleitung auszugehen wagten. Ich gab ihnen nur zuverlässige Personen mit, damit sie von den malaiischen und chinesischen Händlern auf dem Markt nicht zu stark betrogen wurden. Ich selbst hatte vor der Abreise _Barths_ keine Zeit, mich der Leute anzunehmen.

Am 9. Juni kehrte der schöne, grosse Dampfer "de Reiniersz" mit dem Assistent-Residenten _van Assen_ von Bulungan zurück und fuhr am folgenden Tage mit _Barth_ und zwölf unserer inländischen Reisegefährten an Bord weiter nach Bandjarmasin und Batavia. In _Barth_ verlor ich einen heiteren Gesellschafter und eine grosse Stütze für meine fernere Reise.

Hiermit war die erste unserer Expedition gestellte Aufgabe erfüllt. Im Lauf von 13 Monaten, vom Mai 1898 bis zum Juni 1899, hatten wir Borneo von Pontianak nach Samarinda durchquert, und die politischen und wissenschaftlichen Resultate unserer Reise entsprachen vollständig unseren Erwartungen. Nun galt es, auch die zweite Aufgabe, den Zug zu den Kenja in Apu Kajan, zu einem glücklichen Abschluss zu bringen. Die Hauptschwierigkeit, geeignetes Personal zu finden, hatte ich, wenn auch mangelhaft, bereits gelöst, und was die Ausrüstung betraf, so hatte ich auf den Markt in Samarinda gerechnet. Die Tauschartikel und Konserven, die ich von Batavia aus hergesandt hatte, fand ich wohl aufgehoben wieder, und auch die Perlen, die ich von Putus Sibau aus den Assistent-Residenten in Pontianak einzukaufen gebeten hatte, waren gut angekommen und für mich um so wertvoller, als der Markt in Samarinda nur eine geringe Auswahl an Perlen bot. Beim Einkauf der speziell für die Kenja geeigneten Artikel bot sich mir der Anführer der Long-Glat, _Bo Ului_, der einzige Mann, der mehrmals bei den Kenja gewesen war, als Ratgeber an. So zog ich denn mit ihm von einem chinesischen oder buginesischen Laden in den anderen, stets gefolgt von der ganzen Bahaugesellschaft, die nichts besseres zu tun wusste, als unter meinem Schutz nochmals alle fremden Herrlichkeiten zu bewundern. Überdies hatten die meisten in den ersten Tagen noch zu überlegen, was sie sich anschaffen sollten, wie ihre Guttapercha und ihre _guliga_ am besten zu verkaufen wären und--da sie alle ein Geschenk von mir erwarteten--welchen Gegenstand sie am liebsten von mir haben wollten. Es fiel mir nicht schwer, unter all den anziehenden Gegenständen etwas Passendes für sie zu finden; mit Beilen, Perlen, Tongefässen und Ähnlichem stellte ich sie bald zufrieden. Auf Anraten _Bo Uluis_ kaufte ich für die Kenja weissen Kattun an Stelle des schwarzen, den ich von Batavia hergesandt hatte und der für die Bahau geeigneter war. Auch veranlasste _Ului_ mich, alle vorhandenen grossen Glasperlen aufzukaufen, weil diese von den Kenja als Gürtelschmuck sehr geschätzt werden. Ferner erstand ich einen Vorrat von 2 dm langem, weissem Ziegenhaar, das zur Verzierung von Schwerter n beliebt ist und einen leichten und wertvollen Tauschartikel bildet. Unterdessen war _Bo Uluis_ Auge auf grosse, sehr flache, als Schmuck für Kriegsmäntel sehr gesuchte Austerschalen gefallen; doch erschienen sie mir zu schwer zum Transport. Sehr zu statten kam später der bedruckte Kattun und Batik, den wir hier einkauften. Die grosse Auswahl an Elfenbeinarmbändern, die uns zu Gebote stand, war mir um so erwünschter, als ich bereits über Erwarten viele Sätze hatte verschenken müssen. Weniger willkommen war mir bei unseren Einkäufen die Gegenwart meiner Bahau: ich wusste nur zu gut, dass sie später versuchen würden, alle gesehenen Gegenstände mir abzukaufen oder abzubetteln.