Pieter Maritz, der Buernsohn von Transvaal
Part 54
Pieter Maritz war inmitten einer Gruppe von einem Dutzend Buern in der vordersten Linie. Sie hatten eine neue Schlucht gefunden, in welcher sie, nur noch fünfhundert Schritt vom Rande des Gipfels entfernt, in vollständiger Deckung lagen und nach den feindlichen Schützen feuerten. Auch die Feinde gegenüber waren in guter Deckung hinter schweren Felsblöcken, doch durften sie kaum wagen, ihre Köpfe zu zeigen. Wo ein Helm oder ein Stückchen rotes Tuch hervorblickte, da pfiff das Blei aus einer Buernbüchse heran. Wohl trafen nicht alle Kugeln der Buern, aber die Ränder der Felsblöcke dort oben wurden scharf gezeichnet. Es war den Soldaten der Königin auch von fern anzumerken, daß sie in Schrecken waren. Nur sehr behutsam streckten sie ihre Gewehre hervor.
»Könnten wir den Rand erreichen,« sagte Pieter Maritz zu seinen Kriegsgefährten, »so hätten wir den Sieg. Dann bestrichen wir das ganze flache Feld des Gipfels, und wenige sollten davonkommen.«
Indem er so sprach, bemerkte er eine Bewegung beim Feinde. Die Engländer fühlten sich wohl wie gebunden und eingeschlossen, sie machten einen Versuch, ihre Stellung zu ändern. Pieter Maritz sah eine Abteilung sich gleichsam vom Gipfel loslösen und seitwärts gehen, und er erkannte die blauen Jacken der Seeleute neben den Rotröcken. Jene Abteilung lief eilig nach einem einzelnen Felskegel hin, der etwas unterhalb des eigentlichen Gipfels lag und von dem aus der angreifende Feind wohl in der Flanke zu fassen war. Freilich richteten sich zwölf Büchsen auf diese Abteilung, und mehrere Feinde fielen, ehe der Felskegel erreicht worden war, aber gleich darauf verschwanden die Engländer, und dann ward ein scharfes Feuer von jenem Platze aus auf die Buern eröffnet. Ein Mann neben Pieter Maritz erhielt einen Schuß durch den linken Arm, und einem andern ward der Hut vom Kopfe gerissen.
»Das geht so nicht,« sagten die Buern, »wir müssen die Kerle dort weg haben.«
Es kamen ihrer zwanzig bis dreißig zusammen, und sie duckten sich hinter Steine, indem sie teils gegen den neubesetzten Punkt, teils noch gegen den Gipfel feuerten. Pieter Maritz und noch fünf Buern aber krochen seitwärts hinter Felsblöcken hin, um den neuerschienenen Feind von der andern Seite zu fassen. Die Engländer kauerten hinter Stein und Erde, und bald sah Pieter Maritz die blauen Jacken und roten Röcke. Es mochten ihrer zusammen etwa fünfzig sein, und ein Marineoffizier kommandierte sie. Sie schossen sich mit den Buern an der Schlucht herum, aber Pieter Maritz sah, daß sie Mühe hatten, standzuhalten, denn die Kugeln jener Buern streiften immer scharf über sie weg, wie er an dem Ducken der Soldaten bemerken konnte. Jetzt brachte der kleine Trupp die Büchsen in Anschlag, sorgfältig hinter zwei großen Blöcken verborgen. Die Schüsse krachten, und der Offizier da drüben fiel zuerst. Mit ihm sanken fünf andere Männer, und Schrecken bemächtigte sich aller. Sie sprangen auf, da sie sich von der Seite gefaßt sahen, und voll Wut stürmten wohl zwanzig der Seeleute abwärts gegen den kleinen Trupp, während die andern nach oben flohen. Mit lautem Hurra stürmten die wackeren Seeleute an, aber sie kamen nicht weit. Kaum hundert Schritte hatten sie durchmessen, da bedeckte die Hälfte von ihnen den Boden, und voll Entsetzen stürzten die andern zurück. Eine schlimme Sache war es für diese Engländer, die den Gipfel verlassen hatten. Sie waren zu gleicher Zeit dem Feuer aus der Schlucht und dem Feuer der Gruppe um Pieter Maritz ausgesetzt, und wenige von ihnen kamen zurück.
»Nun vorwärts und ihnen nach!« rief Pieter Maritz. »Jetzt könnten wir wohl den Rand der Höhe erreichen.«
Sie stürmten vor, mit glühenden und von Staub und Pulver geschwärzten Gesichtern, die Gewehre in den Händen, aufwärts kletternd über stachliges Gebüsch und Fels. Ringsum krachten die Schüsse, und der Pulverdampf hüllte den steilen Hang ein. Hoch schlug die schwer arbeitende Brust, und das Herz pochte vor Kampfbegier. Sie stürmten vorwärts, kampfeseifrig und siegestrunken. Den wenigen Leuten bei Pieter Maritz schlossen sich die Männer aus der Schlucht an, und der ganze Haufe drang unaufhaltsam vor, während oben das Feuer fast ganz verstummt war. Über die Körper der am Hange liegenden Feinde hinweg drangen sie aufwärts und erreichten den Gipfel. Pieter Maritz war der erste, der den felsumsäumten Rand erreichte. Mit lautem, wildem Rufen liefen die Buern heran, und vor diesen mächtigen Stimmen flohen die letzten Verteidiger der Brüstung. Die Buern waren oben, und alsbald setzten sie sich an dem Rande fest, der einer Schanze aus Felsen gleich auf dieser Seite das Plateau des Majuba einfaßte.
Sie sahen, welches Werk ihre Büchsen gethan hatten. Tote Körper lagen umher und Verwundete ächzten am Boden. Mehrere englische Soldaten knieten noch hinter der Brüstung, als ob sie lebten, das Gewehr in den Händen, den Helm auf dem Kopf. Aber sie waren tot. Der Schuß in den Kopf hatte sie so plötzlich getötet, daß sie ihre Stellung nicht verändert hatten. Pieter Maritz stieß auf den alten Schotten, der den Tod des Generals Colley vorausgesagt hatte. Er lag im Anschlag und glich ganz einem Lebenden. Pieter Maritz erkannte ihn und wunderte sich, keine Wunde an ihm zu sehen. Als er aber auf die Gestalt zuging und ihr den Helm vom Kopfe nahm, da stürzte eine Flut roten Blutes unter dem Helm hervor: der Schotte hatte eine Kugel in die Stirn erhalten, und nur der sich ansaugende Helm hatte das Blut bis jetzt festgehalten. Fast alle, die hier lagen, waren durch den Kopf geschossen und waren tot, nur wenige lagen mit leichteren Wunden umher.
Von der Stelle aus, wo Pieter Maritz und die Buern neben ihm sich jetzt befanden, war das ganze Plateau zu übersehen. Es war sehr groß und hätte viele Tausende von Männern fassen können. Ringsum war es von natürlichen Wällen oder mächtigen Steinen eingefaßt, doch konnte der jenseitige Hang nicht deutlich erkannt werden, da er weit entfernt lag und das ganze Plateau in Pulverdampf gehüllt war. Doch waren die englischen Truppen in den anderen Teilen des hochgelegenen Kampffeldes gut zu sehen, und Pieter Maritz wußte, daß der Sieg nun so gut wie entschieden war, denn von nun an konnten die Soldaten den Buern keinen erfolgreichen Widerstand mehr leisten. Alsbald fing er an, nach drüben hin zu feuern, und alle Buern mit ihm entsandten ihre Kugeln nach dem entfernteren Teile, wo immer rote Röcke und blitzende Waffen durch den blauen Rauch zu erkennen waren.
Quer durch das Plateau auf der Höhe zog sich eine tiefe Einsenkung, welche das Kampfgefilde in zwei getrennte Abschnitte teilte, und hier boten Schluchten und Höhen den englischen Soldaten noch einmal eine Stellung zum Widerstande gegen die Buernschar, die den Gipfel erreicht hatte. Als die Kugeln in die Truppen einschlugen, ließ General Colley sofort diese Stellung besetzen. Aber der Kampf wurde jetzt ein verzweifelter für die Engländer, denn nach zwei Seiten hatten sie sich zu verteidigen. Von Osten her kamen die Buern langsam herauf und schossen die Verteidiger des Randes weg, von Norden her trafen die Kugeln vom Plateau selbst, dorther, wo Pieter Maritz war. Mann nach Mann stürzte nieder, und panischer Schrecken fing an, sich der Verteidiger zu bemächtigen. Pieter Maritz lief mit wenigen Begleitern entschlossen vor bis zum diesseitigen hohen Rande der quer laufenden Schlucht und sah, daß die englischen Soldaten haufenweise nach rückwärts, nach Süden liefen, Hochländer, Seeleute und Männer von den andern Regimentern durcheinander, während Offiziere mit dem Revolver in der Hand die Flüchtlinge bedrohten, sie mit dem Degen schlugen und sich doch vergeblich dem Strome der Flucht entgegenstellten. Es waren schreckliche Scenen. Wie die Schützen auf der Treibjagd nach dem vorbeifliehenden Wilde schießen, so schossen jetzt die Buern in die flüchtige Menschenschar. Schuß auf Schuß traf, es war ein entsetzlicher Kampf. Jetzt kamen von Osten die breiten Hüte über den Rand emporgeklettert, und sichere Schüsse kamen auch von dort. Pieter Maritz sah einen Augenblick den General Colley selbst. Der General stand inmitten einer Gruppe von Soldaten, die er zum Aushalten bewogen hatte, den Revolver in der Rechten, die linke Hand hoch in der Luft, wie um zu winken. Er stand in trotziger, tapferer Haltung da, als ob er, dem Felsen in der Brandung gleich, der Flut allein Widerstand leisten wolle. Aber im nächsten Augenblick sanken seine Hände herab, der Helm entfiel seinem Kopfe, er stürzte nieder, und um ihn her sanken die Soldaten wie niedergemäht zu Boden. Die mächtigen Gestalten der Buern erschienen jetzt überall auf dem Plateau, sie verbargen sich nicht mehr hinter Steinen, sie gingen frei umher und feuerten im Stehen ihre Büchsen ab. Als ob ein starker Wind über die Höhe hinfege, so fegten sie die hoch gelegene Fläche ab.
Pieter Maritz lief vor. Er sprang über tote und zuckende Leiber hin und eilte bis an den jenseitigen Hang, von welchem die letzten der besiegten Engländer hinabflüchteten. An denselben Punkten, wo sie langsam und mühevoll heraufgeklommen waren, eilten sie nun in toller Hast abwärts. Die Büchsen hinter ihnen schienen ihnen Flügel zu verleihen, Todesangst trieb sie. Pieter Maritz vermochte nicht mehr zu schießen. Mitleid und Jammer fesselten seine Hände. Er sah die Engländer gleich einer scheuen Antilopenherde hinabspringen. Von Fels zu Fels sprangen sie in toller Angst, und mancher stürzte kopfüber und brach den Hals oder fiel mit gebrochenen Beinen in eines der tiefen Löcher am jähen Hange. Viele aber traf von oben die Kugel in den Rücken. Denn die Buern standen jetzt am Rande. Sie hatten eine lange Kette gebildet, und teils am Berge, teils oben auf dem Gipfel stehend, feuerten sie auf alles, was Uniform trug. Schrecklich sah es aus, wenn mitten im Lauf oder Sprung einen der Flüchtigen die Kugel ereilte und er dann mit gellendem Schrei die Arme ausbreitete und mit dem Kopfe voran niederstürzte.
Aber nicht nur die Truppen, welche oben gewesen waren, sondern auch die dort unten kamen in das tödliche Feuer der Buern. Pieter Maritz erblickte plötzlich die Husaren in wilder Flucht. Ganz klein an Gestalt, nicht größer als Heuschrecken, sah er sie unten in tollem Jagen über das grüne Gras zerstreut. Eine Buernschar war hinter ihnen. General Joubert hatte einen Haufen nordwärts um den Berg herumgeschickt, und dieser trieb die Truppen im Thale vor sich her. Pieter Maritz wandte sich ab und ließ seinen Blick über das Plateau hin schweifen. Sieg, völliger Sieg! Ein Haufe von etwa hundert Soldaten stand von Buern umgeben gefangen da, sonst aber waren alle tot, die oben gestanden hatten, und der Rest ward am Hange gehetzt. Verwüstung und Tod bedeckte den Majuba. Überall Tote, überall verwundete Männer, überall Blut, überall Ächzen und Stöhnen. Um ihren toten General zerstreut lagen die Offiziere und Soldaten tot am Boden, und die siegreichen Buern erfüllten das Plateau. Pieter Maritz streifte über das Gefilde hin und fragte nach den Freunden und Verwandten: es erschien ihm wie ein Wunder: von den Buern war nur einer gefallen und sechs waren verwundet. »Welch ein Sieg!« rief der Buernsohn mit einem Blick zum Himmel, »welch ein Sieg!«
Schluß.
General Wood kam, aber er brachte nicht die Erneuerung des Krieges, sondern er brachte den Frieden. England war erschüttert, die Tapferkeit der Buern, die Niederlagen in den Drakensbergen, die ungeheuren Verluste ihrer Truppen gegenüber so kleinen Scharen der todesmutigen Verteidiger von Transvaal hatten die Regierung der Weltmacht in Bestürzung versetzt. Die Stimme der Gerechtigkeit ward laut in den Herzen der ländergierigen Eroberer.
Während noch die Verwundeten des schrecklichen Kampfes um den Majuba fortgeschafft wurden, um teils im Lazarett des Buernlagers, teils im englischen Lager von Mount Prospect verpflegt zu werden, während noch die Beerdigung der gefallenen Kämpfer vor sich ging, gelangte der Waffenstillstandsantrag der Engländer an den Befehlshaber des siegreichen Heeres. England wollte die Gerechtigkeit der Ansprüche Transvaals anerkennen.
Von Mund zu Munde ging im Buernheere die frohe Nachricht, und freudige Aufregung ergriff die kühnen Männer, welche für die Freiheit des Vaterlandes ihr Leben eingesetzt hatten. Sie kamen in Scharen zusammen und jubelten, sie vereinigten sich um ihre Ältesten und dankten aus frommem Herzen dem Gotte, der die Schlachten lenkt und der ihnen Sieg verliehen hatte. Von Heidelberg und von Pretoria jagten Reiter und Wagen herbei in das Feldlager, und die Frauen und Töchter der Sieger eilten zu ihren Gatten und Vätern, um ihnen für ihren Heldenmut zu danken.
Als der frohe Jubel das Lager erfüllte und ringsum aus froher Brust donnernder Triumphruf zum Himmel aufstieg, schwang sich Pieter Maritz auf Jagers Rücken und erhob die wallende Fahne mit den vier Farben in kräftiger Faust hoch in die Lüfte. Stolz entfaltete der Vierklör seine Schwingen und ließ weithin die zu Ehren gebrachten Farben über die jauchzende Menge hin erglänzen.
»Hoch Transvaal! Hoch die Südafrikanische Republik!« rief er mit mächtiger Stimme, und brausend antwortete dem Ruf ein tausendstimmiges Echo.
In diesem Augenblicke rollte ein leichter schneller Wagen mit halbem Leinenverdeck und von zwei kräftigen Pferden gezogen, an die Menge heran, und das kluge Gesicht mit dem weißen Bart, das Pieter Maritz in Bloemfontein gesehen hatte, zeigte sich. Präsident Johannes Brand kam, um als Vermittler zwischen England und den siegreichen Buern zu dienen. General Joubert ging ihm entgegen und reichte ihm die Hand.
»Hoch die Buern!« rief Pieter Maritz mit gewaltigem Tone.
Präsident Brand warf dem Jüngling mit der Fahne einen Blick zu und mochte ihn wohl erkennen. Er lächelte. General Joubert bemerkte diesen Blick und dieses Lächeln.
»Dies ist einer unserer besten Kämpfer,« sagte er. »Pieter Maritz hat eine gute Stimme. So laut er jetzt den Sieg verkündigt, so laut war auch sein Angriffsruf auf dem Majubaberge. Wir verdanken ihm viel, er hat sich um sein Vaterland verdient gemacht.«
Die Buern ringsum blickten auf den Jüngling und wußten, daß der General die Wahrheit sprach. Pieter Maritz errötete, er war glücklich und stolz.
Da kam ein behendes Pferd heran, auf dessen Rücken sich eine schlanke Frauengestalt wiegte. Pieter Maritz blickte zu ihr hin und erkannte die Buerntochter aus Pretoria, die reizende junge Dame mit dem kastanienbraunen Haar. Er hatte sie niemals ganz vergessen können, und in all dem Lärm der Kriege hatte ihr Bild für ihn immer Farbe behalten. Er sah jetzt, daß sie noch viel lieblicher war, als er es sich gedacht hatte. Sie ritt mit dem freundlichen Lächeln auf ihn zu, das ihm einstmals schon so wohl gefallen hatte, und nahm eine rote Rose von ihrer Brust.
»Dem gefeierten Sieger,« sagte sie, ihm die Blume überreichend. »Nehmen Sie diese Rose als ein Zeichen des Dankes, den wir Frauen den Beschützern unseres Vaterlandes weihen.«
Pieter Maritz nahm die Rose, und ein Gefühl des Glückes, wie er es noch nie gekannt, schwellte seine Brust.
Da fiel sein Blick auf eine schimmernde rote Uniform, die ganz vereinzelt zwischen so vielen dunklen Blusen stand, und auf ein finsteres, trauriges Gesicht. Lord Adolphus Fitzherbert hatte sich, durch das jubelnde Rufen herbeigelockt, dem Wagen des Präsidenten Brand genähert, in welchem auch ein Engländer mitgekommen war. Der Gefangene wollte sich erkundigen, wie es um den Frieden stände.
»O, Adolphus, nicht diese finstere Miene!« rief Pieter Maritz mit herzlichem Tone. »Ich bin so froh, daß ich gern von meiner Freude dir abgeben möchte. Laß mich nicht deine Freundschaft verlieren, wenn auch das Schicksal den Sieg nicht deinem Lande, sondern unserer Sache gegeben hat!«
Der Lord schüttelte abwehrend den Kopf. »Für den Sieger ist es leicht, so zu sprechen,« entgegnete er, »aber ich kann nicht vergessen, welche Demütigung euer Triumph uns auferlegt.«
Pieter Maritz sprang vom Pferde und reichte die Fahne einem Landsmann in seiner Nähe. Er ging auf den Engländer zu und umfaßte seine Schultern.
»O, zürne nicht, Adolphus,« bat er, »laß mich an diesem frohen Tage nicht deiner Freundschaft entbehren!«
Der Lord wollte sich aus den Armen losmachen, die ihn umschlangen, und war doch gerührt durch des Freundes Bitte, da hielt er plötzlich inne und sah mit einem Blick des Erstaunens vor sich hin. Pieter Maritz folgte mit den Augen der Richtung dieses Blicks und stieß einen Ruf freudiger Überraschung aus. Durch das Gewühl der Männer, Pferde und Wagen hindurch bahnte sich eine Gestalt ihren Weg, die er als den alten Missionar erkannte, und das milde Licht der ernsten liebevollen Augen des frommen Mannes strahlte ihm entgegen. Vor dieser ehrwürdigen Erscheinung machte die Menge Platz, und der deutsche Missionar trat auf die beiden Freunde zu.
»Ich sehe euch Arm in Arm trotz Kampf und Blut,« sagte er mit seiner freundlichen Würde, »und ich vertraue darauf, daß eure Freundschaft, die den Krieg überdauert hat, ein gutes Vorzeichen für den Frieden ist. Wenn schon menschliche Liebe so stark ist, wie viel mehr vermag die Liebe Gottes! Sie wird die Völker, die den Boden Afrikas mit ihrem Blute röteten, miteinander versöhnen, und im Lichte des Christentums wird dies Land zu einem gesegneten Felde für den Samen des göttlichen Wortes erblühen.«