Peterchens Mondfahrt: Ein Märchenspiel

Chapter 3

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Hui – hui – Sumsiselsei! Komm’ schnell auf meinem Besen herbei, Hab’ tausend Meilen zurückgelegt, Bin über Wiesen und Wälder gefegt, Hab’ an allen Türen und Fenstern gerüttelt, Hunderttausend Kirschen von den Bäumen geschüttelt. Haha – hoho – huhu – sieh sieh – Die Windliese ist hie, die Windliese ist hie!

(Sie knickst noch einmal.)

_Nachtfee_

(begrüßt sie)

Freut mich sehr, daß Sie zu meinem Kaffee kamen Und sich die Zeit bei ihren Geschäften nahmen. Ich habe noch eine Reihe von Gästen geladen, Es gibt Kaffee, Schokolade und Mondscheinfladen. Der Donnermann ist auch gekommen Und hat zur Linken Platz genommen.

(Sie begrüßen sich.)

_Donnermann_

Potz Knatter, freut mich, Base Wind, Daß Sie so schnell gekommen sind. Wo ist denn aber mein Freund, Ihr Mann, Der Sturmriese? Kommt er noch hinterdran?

_Windliese_

(knickst und säuselt)

Mein Mann hat noch auf dem Meere zu tun, Wirft noch ein paar große Mastbäume um; Es dauert nicht lange, bald ist er hier. Eh’ ich abgereist bin, sagte er mir: »Bügele mir auch die Windhose gut Und meinen neuen Wirbelwetterhut!« Er brüllte dann noch etwas von Grüßen An seinen Freund, den Donnerriesen ...

_Donnermann_

(verneigt sich)

Danke, danke, war mir immer ein großes Vergnügen, Mit dem Sturmriesen über die Erde zu fliegen.

_Windliese_

(knickst und kreiselt unter fortwährendem Säuseln zu ihrem Platz.)

_Nachtfee_

Ich merke schon, die Luft wird grau; Jetzt kommt wohl die dicke Wolkenfrau.

(Es kommt von rechts eine dicke, grauhaarige, pausbäckige Frau herein, in eine mächtige, graue Krinoline und eine dunkelblaue Bluse mit großen Ballonärmeln gekleidet. An Ärmelenden, Hals und Rocksaum sehen weiße Kanten hervor. Sie hat gemütliche, langsame Bewegungen und eine weiche, tiefe Stimme.)

_Wolkenfrau_

(mit Verneigung)

Guten Tag, Frau Nachtfee, Wie geht’s auf dem Mond? Ich finde, daß es sich immer noch lohnt, Sie zum Kaffee in ihrem Schloß zu besuchen; Sie haben ausgezeichneten Fladenkuchen.

_Nachtfee_

Liebe Wolkenbase, ich freue mich sehr, Setzen Sie sich nur hierher! Sie finden schon Freunde, (mit Handbewegung) den Donnermann Und die Windliese ...

(Die beiden erheben sich und begrüßen die Angekommene.)

_Wolkenfrau_

(knickst)

Ah, das nehm’ ich mir an! Zwei so angenehme, sympathische Leute; Es ist mir eine besondere Freude! Ich hoffe nur, daß die Sonne, das Biest, Nicht etwa auch geladen ist; Hat mir neulich wieder durch’s Kleid gebrochen Und mich mit ihren Strahlen zerstochen.

_Nachtfee_

Die Sonne kommt auch, es war an der Zeit; Das verlangt die Sitte und Höflichkeit. Ich habe sie aber so gesetzt, Daß sie die Base nicht weiter verletzt; Mir ist ja die alte Feindschaft bekannt.

_Wolkenfrau_

(verneigt sich)

Sehr liebenswürdig, sehr charmant!

_Nachtfee_

Bitte, nehmen sie Platz beim Donnermann!

_Wolkenfrau_

(setzt sich dort)

Nicht angenehmer man sitzen kann!

(Es wetterleuchtet im Raum.)

_Nachtfee_

Die Blitzhexe kommt, man merkt sie schon ...

(Der Donnermann springt auf und donnert.)

_Nachtfee_

Oh bitte, bitte, mehr Distinktion! Sie dürfen Ihre Liebe hier nicht so zeigen; Hübsch sittsam sein, abwarten und schweigen!

(Der Donnermann setzt sich verlegen.)

_Donnermann_

Potz Donner, Verzeihung, es ist mir entwischt! Wenn ich merke, daß mein Blitzweib irgendwo zischt, Dann kriege ich immer den Donnerdrang ...

(Ein greller Blitz zuckt auf, die Blitzhexe saust von rechts auf einem toten Baumast herein. Sie hat ein schwefelgelbes Kleid an, ein gelbes, spitzes Hexengesicht, lange, gelbe Krallenfinger und eine starr nach hinten in die Luft stehende, lohrote Haarfahne. Als sie hereinspringt, fährt der Donnermann von seinem Sitz und begrüßt sie mit einem schmetternden Donnerschlag.)

_Donnermann_

(brüllt und umarmt die Blitzhexe)

Mein Weib, mein geliebter Schwefelgestank!

_Blitzhexe_

(schrill)

Bin hie – grüß di! – Sirrrr – sirrrr – krakecks!

(Sie wendet sich zur Nachtfee.)

Sirrrr – sirrrr – liebe Base – da ist der Blitz! Zerschlug nur noch schnell eine Kirchturmspitz’, Hatte Auftrag, mußt’ ihn erledigen schnell; Sirrrr – sirrrr – krakacks, – bin zur Stell’!

(Wenn sie »Sirr – Sirr« sagt, blitzt es.)

_Nachtfee_

Liebe Blitzhexe, es ist mir sehr angenehm, Ich hoffe, Sie machen es sich bequem; Doch bitte ich, etwas weniger Schwefelduft.

(Sie hält sich die Nase zu. Der Donnermann brüllt vor Lachen.)

Sie verderben mir sonst die gute Luft.

_Blitzhexe_

(knickst)

Gewiß, gewiß, weiß auch, was sich schickt, Wird eben der Schwefelfaden abgezwickt. Sirrr – will mich beherrschen, hoffe, es glückt; Wenn’s mich auch drängt und zwackt und jückt, Den köstlichen Feuerduft zu verbreiten; Sirrr – sirrr – das sind ja nur Kleinigkeiten!

_Nachtfee_

Bitte, bitte, (mit Wendung zu den anderen) Windliese und Wolkenfrau Nehmen’s damit wohl nicht genau; Aber es kommen noch andere Gäste Zu meinem heutigen, schönen Feste: Das Taumariechen, der Milchstraßenmann, Die man nicht gut beschwefeln kann. Verzeihen Sie also meine Bitte, Und nehmen Sie Platz, liebe Base Blitz, Ich glaube, es kommt schon der Regenfritz.

(Die Blitzhexe knickst und springt in Zickzacklinien zu ihrem Platz. Man hört Regenrauschen und auf einem großen Regenschirm kommt von rechts der Regenfritz herein. Eine fadendünne, lange Gestalt in schlechtsitzendem, grauem Überrock, zu kurz geratenen, grauen Hosen, grauem Zylinder und ausgetretenen Zugstiefeln. Langes, strähnig hängendes, verwaschen blondes Haar; eine rote, spitze Schnupfennase und Triefaugen. Er hat eine ölig flötende, melancholische Greinstimme. Er trieft von Wasser. Wo er steht, bilden sich sofort Pfützen.)

_Regenfritz_

Drüppelü – tüp – tüp – liebe Fee der Nacht, Sie haben mir gütige Einladung gemacht.

(Er verbeugt sich.)

Ich bin gerne gekommen – tüp – top – tü – ti, War ein weiter Ritt auf dem Parapluie. Hab’ zwar im Mai meist wenig zu tun, Hin und wider mal drüppeln, meist muß ich ruh’n; Hab’s aber eben noch gerade erreicht Und fünfzig neue Kleider milde durchgeweicht, An siebzehn Stellen sanft durch die Decke geregnet, Tische, Stühle und Betten mit Pfützen gesegnet, Zwölf Landpartien freundlich berieselt, Zweihundert Kinderchen haben’s mit Schnupfen benieselt, Dreizehn Handwerksburschen, bis aufs Hemd, Habe ich liebevoll durchgeschwemmt. – Nun ja, man muß eben zufrieden sein, Der Mai ist trocken, die Arbeit nur klein.

_Nachtfee_

Es freut mich, mein Herr Regenfritz. Hier linker Hand ist jetzt Sein Sitz; Aber sage Er nur, was fängt Er an, Hat Er gar nichts Gutes auf Erden getan? Treibt er da unten denn nur noch Possen?

_Regenfritz_

O nein, Frau Nachtfee, ich hab’ auch begossen Einige Felder und einige Wiesen Und einige Gärten mit Obst und Gemüsen. Jedoch nach dem lieben Monat April Ist im Mai die Zeit langweilig und still. Da nehm’ ich dann tüp – tüp – die Regenspritze Und mache meine unschuldigen Witze. Ich gehe dabei nicht so stürmisch zu Werke Wie die anderen, die ich hier bemerke; Ich mache das sanft und lasse mir Zeit, Bei vieler Milde und Gründlichkeit.

_Nachtfee_

Gewiß, ich weiß, ohne Donnern und Blitzen – Nur riesele Er, bitte, hier keine Pfützen!

(Die bereits Angekommenen machen ein Freudengetöse.)

_Regenfritz_

(indem er sich zu ihnen setzt)

Sie brauchen gar nicht so grob zu lachen Und sich über mich lustig zu machen; Heute ist der und morgen ist jener in Mode, Und ein jeder von uns hat seine Methode.

_Nachtfee_

Der Sturmriese kommt, ich höre ihn heulen.

(Lautes Brausen ertönt. Der Sturmriese springt herein; eine gewaltige Gestalt, die größte von allen. Der Sturmriese trägt keinerlei Gewandung, sondern ist mit schwarzem, zottigem Fell behaart, hat einen mächtigen, schwarzen Bart, ebensolches Haar und trägt ein paar gewaltige, schwarze Flügel an den Schultern. In der Faust hält er einen abgerissenen Eichenast.)

_Sturmriese_

Puh! – Da bin ich! – Komme vom Ozean, Schnallte meine schnellsten Flügel an! Bin wie der Teufel durch die Luft gesaust, Durch Gebirg und Urwald herangebraust! Ließ auf dem Flug mir keine Zeit, Weil Ihre Einladung mich furchtbar freut! Habe nicht Wind- noch Wasserhose angezogen, Sie müssen verzeihen, bin so geflogen! (Er verneigt sich.)

_Nachtfee_

Lieber Sturmriese, es ist mir ein großes Vergnügen, Daß Sie meinetwegen so eilig fliegen; Doch muß ich sagen, es wäre schön, Sie etwas mehr bekleidet zu seh’n. Bitte, setzen Sie sich hinter die Wolkenfrau, Die nimmt es damit nicht so genau.

_Sturmriese_

Danke, danke! (setzt sich dort.)

_Wolkenfrau_

(ängstlich)

Nicht zu nahe setzen, Und mir nicht wieder das Kleid zerfetzen, Wie neulich, das war sehr ungezogen!

_Sturmriese_

Hu – hu – das war nur ein harmloses Spielen!

_Wolkenfrau_

Ich liebe es nicht, das Kleiderzerwühlen!

_Nachtfee_

Es wird kühl, die Eisgeschwister kommen an, Draußen trommelt der Hagelmann.

(Man hört ferne Trommelwirbel, die sich schnell nähern. Der Hagelhans kommt herein, ein großer Mann, mit glattem, blau geschminktem Gesicht, in enganliegender Uniform von silbergrauer Farbe mit blauer Stickerei. Silbergraue Gamaschen und blaue Bärenmütze. An den Stiefeln trägt er große Radsporen und eine große, silberne Trommel am Gürtel, auf der er Wirbel schlägt.)

_Hagelhans_

(schlägt die Hacken zusammen)

Klirrrrr – der Hagelhans ist zur Stelle; Hat viel zu tun in der Mittagshelle; Muß in den heißen Frühlingstagen Die Ehre des Winters zu Ansehn tragen; Tut’s gern, ist ihm eine dienstliche Pflicht, Kennt Mitleid mit Blumen und Saaten nicht, Zerschmettert all’ den albernen Kram, Wo er ihm in die Marschroute kam; Schießt mit tausend Flinten zu gleicher Zeit, (schlägt einen Wirbel.) Trifft sicher, ist gegen alles gefeit; Kennt kein sanft säuselndes Betragen, Hat immer alles kurz und klein geschlagen; Ist gründlich in seinem Dienstrevier, Nachts hat er Urlaub – jetzt ist er hier!

(grüßt militärisch.)

_Nachtfee_

Es freut mich der Besuch des gestrengen Herrn. Ich habe zwar seine Arbeit nicht gern; Doch ist sie wohl zu manchem gut, Vornehmlich gegen den Übermut. Bitte, nehmen Sie Platz, dort ist Ihr Sitz, Neben dem Donnermann und der Base Blitz. Ich glaube, zu unserer großen Freude Ist Ihre liebe Schwester schon nah, Frau Holle ...

(Frau Holle kommt in einem Wirbel von Flocken herein. Sie sieht aus wie ein großes, weißes Bett; hat ein gutmütiges, gerötetes Gesicht unter schlohweißem Haar und unter jedem Arm ein Bettkissen, aus dem, wenn sie darauf drückt, Flockenkaskaden aufsprühen.)

_Frau Holle_

(verneigt sich)

Frau Holle ist da! Frau Holle ist da! Hab’s beinah’ verschlafen, ja ja, ja ja! Halte schon meine Sommerruhe Im hohen Norden. Meine Bettentruhe Ist sorgsam vor der Sonne verschlossen; Sie hat impertinent mit Strahlen geschossen; Ich mußte tief ins Eisschloß fliehen, Um mich nicht zu verbrühen, ja ja, zu verbrühen. Hab’ geschlafen, wie sieben Murmeltiere, – Weckt ein Sternchen mich und brachte mir Ihre Einladung zu dem großen Empfang; – Besten Dank, liebe Base, besten Dank, besten Dank!

_Nachtfee_

Liebe Base Holle, es freut mich sehr. Ich hoffe, es ward ihnen nicht zu schwer Das Aufsteh’n, und denke Sie zu entschädigen. – Bitte, bitte, lassen Sie sich nicht nötigen! Schlagsahne wird es in Menge geben, Ich weiß, Sie essen sie gern für ihr Leben.

_Frau Holle_

O köstlich, köstlich, Schlagsahne auf Eis; Es gibt nichts Besseres, ich weiß, ich weiß! – Ein schönes Fest, das muß man sagen; Da kann man nicht klagen, gewiß nicht klagen. Als Dank spendier’ ich deinem Feste zum Glanz Nachher meinen neuen Flockenwirbeltanz.

_Nachtfee_

Sehr liebenswürdig; ist mir eine Freude! Bitte, setzen Sie sich an jener Seite!

(Frau Holle setzt sich. Durch die Tür tritt der Eismax. Große, schlanke Gestalt mit spiegelblanker Glatze und grünem, starr aufgebürstetem Schnauzbart. Er trägt ein Monokel. Seine glasgrüne Uniform ist mit silbernen Eisblumen bestickt. Er trägt weiße Lackstiefel mit silbernen Klingsporen. Sein Benehmen ist militärisch. Er schlägt die Sporen zusammen und grüßt.)

_Eismax_

Jnädigste Nachtfee, melde jehorsamst zur Stelle! Jereist mit jletscherhafter Schnelle. Zwar für mich unjewöhnliche Zeit; Aber doch eisbärenmäßig jefreut! Wo alle sich zum Empfang einstellen, Darf Eismax selbstverständlich nich fehlen. Bitte erjebenst, eines nur: Etwas jekühlte Temperatur! Und die Sonne, das jreuliche Weib, Mir nich so nahe uff ’n Leib. Kann die Person durchaus nich vertragen, Krieje Triefaugen und weichen Kragen, Janzer Anzug schlägt Jammerfalten, Kann Monokel nich mehr halten. Sonst vor Frauen stets jute Fijur, Nur vor Sonne nich ’ne Spur; Verdirbt mir Laune und jeden Spaß, Weiß auch jarnich, bin ejal naß. Unausstehlich! Na, überhaupt, Denke, daß mir das jeder jlaubt!

_Nachtfee_

Bitte, Herr Eismax, ich weiß Sie zu schätzen Und werde Sie kühl und luftig setzen.

_Eismax_

Danke erjebenst, bin sehr bejlückt, Habe Eisblumensträußchen jepflückt, Um anjemessen zu bejrüßen; Lege jehorsamst zu Ihren Füßen.

(legt den Strauß auf die Thronstufen.)

_Nachtfee_

Danke sehr, danke, Herr Leutnant, Sehr liebenswürdig, sehr galant. – Bitte dort drüben am linken Tisch, Jene Seite ist kühl und frisch.

(Der Eismax klirrt mit den Sporen und setzt sich. Herein kommt der Wassermann. Eine fette Gestalt, pausbackig, mit Schilfhaar, Froschmaul und -augen, Floßfingern und -zehen und grasgrüner Haut. Er trägt einen grünweiß gesprenkelten Badeanzug und in jeder Hand einen großen Schwamm.)

_Wassermann_

Putsch – patsch – blubber – quax! – Putsch – patsch! blubber – quax! Guten Tax allerseits – guten Tax – guten Tax! War ’ne weite, beschwerliche Fahrt – noaaaaaa! Bin aber blubber – blubber – trotzdem da.

(verneigt sich.)

Bin gefahren – uax – auf dem Muschelschiff, Vom Grunde des Meeres – uax – wo ich schlief. Meine Seejungfern tanzten am Ufer Reigen, Spielten Schlickversteckens und Blasensteigen; Haben mir in einer großen Blase Die Einladung gebracht, Frau Base. War mir – blubber – blubber – sehr schmeichelhaft, Hab’ mir neue – uax – Wasserhosen angeschafft; Aber ich bitte, (drückt sich über dem Kopf einen Schwamm aus) vor allen Dingen, Mich – uax – uax – wässerig unterzubringen. In der Luft – uax – ist es unangenehm. (drückt sich den andern Schwamm über dem Kopf aus.)

_Nachtfee_

Machen Sie sich’s nur recht bequem, Bitte, ich habe auch daran gedacht Und es Ihnen so schön als möglich gemacht. Dort steht Ihre silberne Badewanne, Ein Sternenmädchen soll mit der Kanne Begießen.

_Wassermann_

Uax – das ist angenehm!

(steigt in die Badewanne.)

Ist mir – uax – ein lieber Platz!

(Ein Sternenmädchen kommt mit einer Gießkanne.)

Fang’ nur gleich an, du kleiner Fratz!

(Das Sternenmädchen begießt ihn, und er stößt ein wohliges Grunzen aus.)

_Nachtfee_

Die Sonne naht sich, ich fühle ihr Licht. Meine lieben Gäste, kränken Sie nicht Die Königin, sie ist mir an Würde gleich Und ehrt mit ihrem Besuch mein Reich. Sie kommt mit ihren Töchtern und Söhnen, Wir müssen uns an sie gewöhnen Für einige Stunden, bei Kaffee und Kuchen; Es bleibt ja bei Höflichkeitsbesuchen.

(Man hört eine ferne, rauschende Melodie. Goldiges Licht fließt in den Raum. Von links tritt die Sonne ein; ihr zur Rechten und Linken ihre beiden Töchter, Morgen- und Abendröte, hinter ihr die beiden Söhne, der Morgen- und der Abendstern. Die Sonne trägt ein goldenes Kleid und eine silberne Strahlenkrone. Sie hat ein edles Gesicht und weißes Lockenhaar. Ihre Töchter tragen rosige Schleier und purpurrote Kränze auf goldenen Locken; die Söhne gehen in silbernen Rüstungen. Beim Eintritt der Sonne erhebt sich die Nachtfee und mit ihr alle bereits Angekommenen. Der Eismax, die Wolkenfrau und Frau Holle drücken sich mit abwehrenden Gesten möglichst weit. Der Eismax sucht sich mit komischer Steifheit hinter die Wolkenfrau zu verstecken. Donnermann, Hagelhans, Windliese, Sturmriese, Blitzhexe und der Wassermann verneigen sich. Die Nachtfee steigt vom Thron und geht der Sonne entgegen.)

_Nachtfee_

Ich grüße die Hohe, die den Tag regiert, Und, da Ihr Weg Sie zu mir geführt, Soll Sie wissen, daß ich glücklich bin; – Willkommen mir, Schwester, Königin!

(Sie umarmen sich. Während der Umarmung wird es abwechselnd hell und dunkel im Raum.)

Auch deine Kinder an deiner Seite Sehe ich mit herzinniger Freude; Morgen- und Abendröte, die Süßen, Säumen den Himmel zu meinen Füßen.

(Sie küßt die beiden.)

Und deiner Söhne strahlendes Paar, Morgen- und Abendstern, schmückt mir das Haar, Wenn ich der Erde nahe und scheide; – Ich dank’ ihnen innig,

(schüttelt die Hände der beiden.)

ich liebe sie beide.

_Sonne_

Du schöne Schwester, du stille Nacht, Der Gruß meiner Liebe sei dir gebracht. Sind unsere Reiche auch ewig geschieden; Mein ist die Arbeit – dein ist der Frieden; Schlingen wir doch um die Guten und Bösen Den _einen_ Reigen und segnen die Wesen, Die auf der wundertiefen Welt Liebe in prunkendes Leben gestellt. Gern kam ich, Schwester, zu deinem Feste;

(mit einer Neigung zu den anderen.)

Grüße auch deine anderen Gäste, Stand in Verbindung mit manchem von ihnen, Mußte mich oft ihrer Kräfte bedienen In der müh’reichen Monde Flucht; Freue mich, daß sie dich auch besucht.

(Die Sonne nimmt mit ihren Kindern an der Tafel zur Rechten der Nachtfee Platz. Die Nachtfee kehrt auf ihren Thron zurück. Das Taumariechen tritt von links ein. Ein süßes, blasses, dunkelhaariges Mädchen in mattsilbernem, kurzem Gazekleid über nachtblauem Grund. Auf ihrer Stirn ein silbernes Krönchen, an ihren nackten Armen und Füßen klingen silberne Reifen, von ihrem Gürtel hängen blasse Perlenschnüre. Sie trägt eine kleine, silberne Trinkschale. Bei ihrem Eintritt klingen leise Harfentöne in der Luft, wie fallende Tropfen. Sie tritt vor den Thron und kniet dort.)

_Das Taumariechen_

Liebe Mutter, ich habe für diese Nacht Deinem Willen gehorsam mein Werk vollbracht; Alle dürstenden Gräser und Blüten erquickt, Alle schlafenden Wälder mit Perlen geschmückt; Hing in Gärten viel Kettlein an Zweig und Baum, Gab den grünen Büschen den Tropfensaum; Füllte mit segnender Frische die Luft, Strich auf Blätter und Früchte den silbernen Duft; Hab’ alle bunten Wiesen leise gekühlt, Mit den Nebeln über dem See gespielt, Hab’ der Morgenröte das Land geschmückt Und alle Wesen im Traum erquickt. – Küss’ mich nun, Mutter, mein Werk ward schön, Und laß mich in deine Augen seh’n.

_Nachtfee_

(breitet ihre Arme aus)

Mein holdes, mein silberfüßiges Kind!

(Sie schließt ihre Tochter, die zu ihr hinaufeilt, in die Arme und küßt ihren Scheitel.)

Wo deine segnenden Hände sind, Du reine Weihe der stillen Nächte, Ich weiß es, wird allem Dürsten Glück, Da atmet alle Schönheit leise, Lieblicher noch durch deine Weise; Und kehrst du in meine Tiefe zurück Nach so viel holdem Liebesregen, Segne ich dich zu neuem Segen, Du Friedensüße, du leises Glück.

(Das Taumariechen setzt sich auf den Stufen des Thrones zu den Füßen der Nachtfee. Von links kommt der Milchstraßenmann herein. Er hat eine hellblaue Bluse an, weiße, weite Hosen, die in niederen Schaftstiefeln stecken und eine blaue Ballonmütze auf dem Kopf. Mütze, Bluse und Stiefel sind über und über mit Silbersternchen besät. Eine große Säuglingsflasche und eine Milchklingel hat er unter dem Arm. Er ist sehr erregt und tritt, ohne die Anwesenden zu beachten, vor den Thron.)

_Nachtfee_

Nun, Milchstraßenmann, was hast du zu sagen?

_Milchstraßenmann_

Frau Nachtfee, ich muß mich bitter beklagen! – Die Gesellschaft, die du geladen hast, Ist mir derart über die Milchstraße gerast, Daß sie mir das Pflaster beschädigt haben Und die Meilensteine, die Bäume, den Graben! Das ist ein Benehmen, unerhört! –

(Unruhe an der linken Tafel.)

Jawohl, ich hab’ mich zu recht beschwert! Der Sturmriese kommt da mit Saus und Summ Und wirft mir drei schöne Milchbäume um ...

(Der Sturmriese steht auf.)

_Sturmriese_

Nu nu, hu hu, das ist doch nicht schlimm?

_Milchstraßenmann_

Jawohl, du Tölpel, es macht mir Grimm! Und die Wolkenfrau hat meine Meilensteine Undeutlich gemacht!

_Wolkenfrau_

Nun aber, so eine Sache ist doch nicht der Rede wert.

_Milchstraßenmann_

Was, was? Das ist ganz unerhört! Wenn mal ein Komet geflogen kommt, So kann er nicht lesen, wie weit es gewesen! – Dann beschwer’ ich mich über den Regenfritzen; Er macht mir die Straße voller Pfützen Und hat mir die schöne Milch verwässert ...

_Regenfritz_

Tüp – tüp – dadurch wird doch die Milch verbessert!

_Milchstraßenmann_

Davon versteht er keine Spur Mit seiner triefigen Drüppelnatur!

_Regenfritz_

Der kleine Bär hat mich aber gebissen, Tüp – tüp und mir meine Hosen zerrissen!

_Milchstraßenmann_

Ist Ihm ganz recht, kann ich nur sagen! – Und dann muß ich über den Donnermann klagen; Er hat sich furchtbar schlecht betragen, Hat blödsinnig gebummst und gedonnerkracht Und die Himmelsziegen mir scheu gemacht!

_Donnermann_

(verlegen)

Das ist mir ganz aus Versehen passiert.

_Milchstraßenmann_

Ja ja, Er hat sich aufgeführt, Daß man die Angst und die Bange bekam; Und nun erst sein Weib, wie die sich benahm? Kam immer so zickzack dahergeschlenkert Und hat mir die ganze Allee verstänkert! Ist das ein anständiges Ehepaar? –

_Blitzhexe_

Sirrrrr – sirrrrr – ist ja alles garnicht wahr!

_Milchstraßenmann_

Was? Noch viel mehr habt ihr angerichtet! Der Hagelhans hat mir die Wiese vernichtet, Wo die jungen Mondkälber gewöhnlich grasen.

_Hagelhans_

Ach wo, das war nur ein Tennisrasen!

_Milchstraßenmann_

Was Tennis? – Er ist ein Grobian! Was geht ihn die Mondkälberwiese an? Und der Wassermann kam da angeplantscht, Hat mir alle Gräben übergepantscht!

_Wassermann_

Uax – Gräben sind doch für Wasser gemacht, Das hab’ ich mir – uax – dabei gedacht. Ich dachte – noaaaaa – es macht dir Vergnügen?

_Milchstraßenmann_

(wütend)

Da kann man ja das Lütütü kriegen; Was so ein watsch’liger Wassermann Sich bei dem Unsinn denken kann! – Meine Gräben sind für den Nebel bestimmt, Den der Frühwind von den Feldern nimmt. Seh’ mir nur einer die Dösigkeit!

_Wassermann_

(gemütlich)

Uax – uax – noaaaa – das tut mir leid!

_Milchstraßenmann_

Frau Holle hat ein Stück Straße verweht, Der Eismax hat der Jungfrau den Kopf verdreht.

_Eismax_

Kann nischt dafür, daß alberne Ziegen Mir immer jleich zu Füßen liegen; Bin innerlich überhaupt sehr kühl, Weiß jarnich, was das Mächen will?

_Milchstraßenmann_

Er muß sich eben bescheidener führen Und nicht so mit den Sporen klirren!

_Eismax_

Stramme Haltung, mein Element, Weiß jeder, der den Eismax kennt!

_Milchstraßenmann_

Das ist mir gleich, ihr seid alle schlecht, Und ich bitte die Nachtfee um mein Recht!

_Nachtfee_

Liebe Gäste, der Milchmann hat sich beschwert, Und Sie haben seine Klagen gehört; Sie dürfen den Braven mir nicht verletzen Und müssen ihm den Schaden ersetzen.

_Alle_

Natürlich, natürlich, es tut uns leid; Wir sind dazu sehr gern bereit.

_Nachtfee_

Lieber Milchmann, nun habe die Freundlichkeit Und sieh’ doch, wo das Sandmännchen bleibt. Ich hatte es auch für heute geladen, Es ißt so gerne die Mondscheinfladen. Hoffentlich hat es das nicht vergessen!

(Der Milchstraßenmann geht hinaus.)

Für meine anderen Gäste indessen Soll jetzt die Musik und der Tanz beginnen.

(Sie hebt winkend die Hand, eine Schar weißgekleideter Knaben kommt herein, die silberne Kannen und Platten mit Kuchen tragen. Sie schenken den Gästen ein, während leise Musik ertönt. Eine Schar lieblicher Sternenmädchen tanzt Reigen im Vordergrunde. Plötzlich kommt der Milchstraßenmann wieder herein. Er lacht und kann sich vor Vergnügen kaum halten.)

_Milchstraßenmann_

Ho ho, ha ha – na sowas, ha ha! Sowas war überhaupt noch nicht da! Hi – hi – ha – ha –

_Nachtfee_

Aber Milchstraßenmann, Was fehlt Ihm denn? Was fängt Er an? Das ist ja ein ganz tolles Betragen!

_Milchstraßenmann_

Nu – nu – hi – hi – das muß ich sagen! Entschuldigen die Herrschaften, aber ha – ha – Na, sowas war überhaupt noch nicht da!

_Nachtfee_

Nun also, wir sind sehr gespannt, lieber Mann.

_Milchstraßenmann_