Perlen der heiligen Vorzeit Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (3/3)

Part 6

Chapter 63,460 wordsPublic domain

Aber es reiheten jetzt die Jünglinge, Frauen, und Jungfrau’n, Vor den Männern, auf Moses Wink, in gesonderten Haufen, Sich an dem Strande des Meer’s. Er stand auf dem ragenden Felsriff Höher denn sie. Kein Laut erscholl. Da faßten die Künstler, Jair und Bentubal, die goldenbesaiteten Harfen; Sieh’, und bald erklang, wie im Blüthengezweige des Fruchthains Säuselt des Windes Hauch, und bald, wie er brauset im Herbststurm, Der den nächtlichen Forst durchfährt, der heiligen Harfen Herzentflammender Laut, am Fuße des ragenden Felsens! Moses sah zu dem Himmel empor. Er faltete, kreutzweis Ueber der pochenden Brust die Händ’, und begann in der Saiten Frohem Getön sein Jubellied. Laut sang ihm das Volk nach:

=Mosis Siegeslied II. Buch 15. Cap.=

„Laßt uns singen dem Herrn: denn herrlich erwies er sich -- stürzte Schnell das Roß und den Reiter in’s Meer.“[15] Die Seherinn Gottes Mirjam, Aarons Schwesterkind, erhob in der Rechten, Jubelnd, die Pauk’, und sang im Reigen der Frau’n und der Jungfrau’n: „Laßt uns singen dem Herrn: denn herrlich erwies er sich -- stürzte Schnell das Roß und den Reiter in’s Meer.“ Mein Ruhm ist Jehova, Meine Stärke, mein Heil! Er ist mein Gott -- ich erheb’ ihn; Aber auch meiner Väter Gott, und ich preis’ ihn auf immer: Denn, ein tapferer Held ist er, und sein Nahmen ist Allmacht! „Pharao’s Wagen und Heer stürzt’ er in die Fluthen des Meeres, Und die erlesenen Führer versenkt’ er all’ in dem Schilfmeer.“ Sie bedeckte die brausende Fluth: wie Steine versanken Sie in die Tief’. O Herr, mit Kraft verherrlicht, erwies sich Deine Rechte. Sie schlug den Feind. Du stürztest die Gegner, Strahlend in Fülle des Ruhms. Dein Grimm flog hin, und verzehrte Sie, wie Feuer die Stoppeln im Feld’. Aufthürmte die Fluth sich Deinem gewaltigen Hauch -- die strömende stand, und der Abgrund Hob aus der Mitte des Meer’s sich empor.[16] Da sagte der Gegner: Will sie verfolgen, erhaschen, und theilen den Raub; in des Herzens Freud’ entblöß’ ich den Stahl, und meine Rechte vertilgt sie. „Doch dein Hauch stürmt an: alsbald bedeckt sie die Meerfluth, Und wie Blei versinken all’ in den brausenden Wässern.“ Wer gleicht dir, Jehova, an Macht und der Heiligkeit Fülle? Wer ist so herrlich an Ruhm, und wer so wundergewaltig? „Ha, du erhobst die Hand, und schnell verschlang sie der Abgrund!“ Du warst deinem erretteten Volk’, erbarmend, ein Führer, Und, voll Kraft, trägst du’s zu deinem heiligen Sitz hin! Dann auffahren die Völker im Zorn’, und Philisthims Bewohner Toben vor Wuth; doch Angst verwirret die Fürsten von Edom; Moabs Gewaltige faßt die Furcht, und Kanaans Völker Zittern. Schleudr’ Entsetzen und Grau’n aus der mächtigen Rechten, Daß sie erstarren zum Stein, so lang’ auf jene herunter, Als hinwandelt dein Volk, das du zum Eigen erwählt hast. Herr, du führst es dahin; verpflanzest es rings um die Berghöh’n Deines erkorenen Erbtheils -- dort an dem dauernden Wohnsitz, Den du erhöhst, und am Heiligthum, das du selber bereitest: Herrschen wird Jehova, der Herr, auf immer und ewig! „Singen wir dem Herrn: denn herrlich erwies er sich -- stürzte Schnell das Roß und den Reiter in’s Meer!“ so scholl es von drüben Jauchzend heran, und in Wonn’ erbebte das horchende Weltall.

* * * * *

Heil dir, o Moses, Heil: erlös’t von den Banden der Knechtschaft Hast du dein Volk, und mit Wundermacht in den Tiefen des Meeres Ihm eröffnet die Bahn der Rettung vom Tod’ und Verderben! Also solltest du hier dem Welterlöser vorangeh’n, Der vom ewigen Tod’ und von gränzenlosem Verderben Einst errettet das Menschengeschlecht. Verloren auf immer Waren wir alle. Zerstreut, wie auf einsamer Steppe die Heerden, Irreten wir. Er kommt, und nimmt freiwillig die Sühnung Für die ererbte Schuld -- die Schuld des Menschengeschlechtes Nimmt er auf sich, und leidet, und stirbt. O Tiefe der Weisheit Gottes, wer ergründet dich! Kann den Frevel am Heil’gen Sühnen der Gottmensch nur? Nur er, der ewige Mittler, Tilgen die Schuld? Ihr Völker der Erd’, o preis’t den Erbarmer, Dem, von schauernder Ehrfurcht voll, sich beuget das Weltall: Denn nur er vollbracht’ es -- im Werk der hohen +Erlösung+!

Dritter Gesang.

Auferstehung.

Hell in des Mittags Glanz ragt Sinais felsige Scheitel Auf in die Luft; unzähliges Volk zieht hin an des Abhangs Krümmungen, dem (erschütternd zu schau’n!) empor zu dem Himmel Schwebend, die Wolkensäul’ als mächtige Führerinn voreilt’. Israels Scharen sind’s. Von Elim und Mara herüber Kamen sie jetzt, dem Lagerplatz voll bitterer Quellen,[1] Die der Sohn Amrams, mit Wundermacht von Jehova Ausgerüstet, den Dürstenden schnell in süße verwandelt’. Aber er schlug auch vor Rephidim den Boden, und Wasser Sprang aus dem Fels, als ihnen auf Sin’s[2] unendlichen Steppen Früher schon Jehova herab die Schwärme der Wachteln, Und das Manna gesandt, die Wunderspeise, zur Nahrung.

Doch Rephidim gewahrte den Sieg von Israels Söhnen. Gleich dem reißenden Bach herstürzten die kriegrischen Scharen Amalecks dort auf das wandernde Volk. Da erkieset’ ihm Moses Josua, Nuns Erzeugten, zum Hort. Er stieg auf den Hügel, Aaron und Chur an der Seit’, und hob, als unten der Schlachtruf Scholl, huldflehend, die Händ’ empor zu dem Himmel. Das Volk sah Mitten im Kampfe nach ihm, und es drang, in hehrem Vertrauen, Siegend, vor in dem Feld, so lang’ er die Hände zum Himmel, Flehend erhob; es wich, wenn solch’, ermattet, ihm sanken. Da vereinten die zween mit den seinen die ihren, und hielten Jene gestützt empor, bis nun am dämmernden Abend Schnell der Gegner entfloh, und unzählige Leichen zurückließ.

Dort, dem Horeb nicht fern’, dem heiligen Berg, wo er vormals Aus dem brennenden Busch die trosterfüllte Verheißung, Bebend, vernahm: „Bald sollt’ ihr hier Dankopfer mir bringen.“ Naht’ ihm Jethro nun, sein Schwieher, zugleich mit Zipora, Und den Söhnen, die er heimsandt’ an dem Tage des Auszugs Von Aegypten: vor Noth und Gefahr die Theuren zu wahren. Gerschom hieß ihm der ältere Sohn: ein +Fremdling+ geboren War er im fremden Land’, und er nannte den jüngeren freudig Jetzt Elieser: denn +Gott half+, und errettete machtvoll.[3] D’rauf, als sie sich erfreut in holden Gesprächen, und Jethro Immer, zu helfen, bedacht, mit alter, geschäftiger Sorgfalt Ihm gerathen, dem Volk’ erlesene Richter zu wählen, Daß er nicht selber erliege der Last: vom dämmernden Morgen Bis in des Abends Grau’n Alljegliches ordnend, und schlichtend; Als er Jehova’s Macht vor allem Volke gepriesen, Und ihm selbst Dankopfer gebracht, da kehret’ er wieder Heim in sein Land: beglückt mit den Segenswünschen des Eidams.

Doch in dem Steppengefild’ um Sinai lagerte jetzo Israels Volk. Jehova rief, und Moses erhob sich Nach dem Gipfel des Berg’s. Dort hört’ er die Worte des Segens: „Sieh’, ich habe, dem Adler gleich, der liebend die Jungen Trägt auf den Flügeln empor, euch her aus Aegypten geführet! Werdet ihr, treu dem Bund, mir stets gehorchen in Demuth, Dann erles’ ich euch: denn mein ist die Erd’ und das Weltall, Gnädig zu meinem Volk’, und ein königlich Priesterthum herrsche Ueber euch mild. Dieß künde dem Volk’, und es möge sich reinen Bis zu dem dritten Tag; dann werd’ ich im Wetter ihm nahen.“ Und einmüthig gelobte das Volk ihm Treu’ und Gehorsam, Als nun Moses, gekehrt, Jehova’s Willen ihm kund that.

Sieh’, ein Wettergewölk verhüllt urplötzlich des Berges Ragende Höh’n! Schon zuckt der Blitz, hellleuchtenden Glanzes Nach den Fluren herab; ihm murrt unendlicher Donner Nach; Posaunengetön’ erschallt, und es zittern die Scharen Israels, die, aus dem Lager heraus durch Moses geführet, Nahten dem Fuße des Berg’s, auf welchem die Herrlichkeit Gottes Ruht’ im Wettergewölk: denn gleich dem finsteren Gluthrauch, Der erzschmelzenden Essen entsteigt, quoll selbes im Luftraum Dunkel empor; stets furchtbarer schollen die eh’rnen Posaunen Jetzt mit dem rollenden Donner vereint, aus dem Wettergewölk her, Und der Berg erzitterte tief auf den Vesten des Erdballs. Moses sprach, und die Antwort kam aus dem Donner herüber: Denn ihm geboth der Herr: er solle hinauf in die Wolken Kommen mit Aaron allein, und das Volk entfernter sich halten Von dem Saume des Berg’s, daß Keinen Verderben ereile; Doch blieb Aaron bald, erbebend, zurücke: nur Moses Rang zu dem Gipfel des Berg’s mit gottvertrauendem Muth’ auf.

Jetzt trat er aus der Wolkennacht in strahlendes Licht ein. Hoch in des Himmels Höh’n hob sich’s, wie die riesige Kuppel, Wölbend empor, und reicht’ an die Gränzen der Erde hinüber, Rings im Kreise umher, vor seinen entschleierten Augen. Alsbald beugt’ er die Stirne zum Staub; dann stand er mit Ehrfurcht, Harrend entgegen dem Wink’ unendlicher Huld und Erbarmung. Noch erbebte der Berg, noch flammten die Blitz’ aus den Wolken Nach den Fluren herab; noch rollte der furchtbare Donner -- Scholl Posaunengetön’, als Moses des hohen Gesetzes Worte vernahm, wie im Freundesruf, vor dem Ewigen selber:

I. +„Ich, Jehova allein, bin Gott -- ein Gott!+ Nicht auf Erden, Nicht an dem Himmel ersiehst du mein Bild. D’rum sollst du nicht Bilder Dir gestalten zum Gott, und anbethen sollst du den Schöpfer, Nicht das schwache Geschöpf, willst du gesegnet von ihm seyn!“

Sanft ertönete jetzt, wie im Lenzgebüsche das Lüftchen Säuselt, die Stimm’ an dem Ohr’ des still aufhorchenden Moses: „Der die Welt allmächtig erschuf, ist Gott der +Vater+.“ Und alsbald erscholl ein Ruf unzähliger Stimmen, Gleich dem Brausen des Sturms, ringsher, aus dem kreisenden Weltall: „Hallelujah! O, Anbethung, Preis, und Ehre dem +Vater+!“

II. +„Nenne den Nahmen des Herrn+, den Nahmen Jehova +nicht eitel+: Ehre das göttliche +Wort+, willst du gesegnet von ihm seyn.“

Wieder ertönete sanft, wie im Lenzgebüsche das Lüftchen Säuselt, die Stimm’ an dem Ohr’ des still aufhorchenden Moses: „Nicht ward Gott, das +Wort+, und sein heiliger Wille geehret, Darum folgte dem Ungehorsam der Tod. In der Zeiten Füll’ erscheinet das +Wort+ im Fleisch,[4] gesendet vom Vater: Von dem ewigen Tod’ erlöset der göttliche +Sohn+ nur.“ Und alsbald erscholl ein Ruf unzähliger Stimmen, Gleich dem Brausen des Sturms, ringsher in dem kreisenden Weltall: „Hallelujah! O, Anbethung, Preis, und Ehre dem +Sohn’+ auch.“

III. „+Festlich begehe den Ruhetag+, das göttliche Denkmaal Von der Erschaffung der Welt. In sechs erlesenen Tagen Ward sie erschaffen vom Herrn; am siebenten ruht’ er, ihm Segen Spendend. Heilige den, willst du gesegnet von ihm seyn.“

Und es ertönte so sanft, wie im Lenzgebüsche das Lüftchen Säuselt, die Stimm’ an dem Ohr’ des still aufhorchenden Moses: „Hehre Geheimnisse beut zur Heiligung dir die Verehrung Gottes: mild enthüllt sie der Welt, gleich feurigen Zungen, Schwebend herunter, die ewige Lieb’ im +Heiligen Geist’+ einst!“[5] Und alsbald erbraust’ ein Ruf unzähliger Stimmen Ringsher: „Hallelujah!“ und es scholl im kreisenden Weltall Fort: „O, Anbethung, Preis, und Ehre dem +Heiligen Geist’+ auch!“

IV. „+Sey dir Vater und Mutter geehrt, so wird dir auf Erden Lange das Leben zu Theil+“ -- in Kanaans Segensgefilden.

V. „+Tödte nicht:+“ denn des Ermordeten Blut, vergossen in Willkühr, Schreit um Rache zu mir. Dein Leben verkürze der Herr nur.

VI. „+Fliehe die Unzucht:+“ denn sie entwürdigt dich selber, und and’re: Nur dem Reinen enthüllt der Herr einst, lohnend, sein Antlitz.

VII. „+Stiehl nicht.+“ Reich ist die Quelle des Glücks im irdischen Leben, Die der Achtung allein für fremdes Eigen entströmet.

VIII. „+Zeuge nicht falsch.+“ Auf Wahrheit, Treu’, und Glauben gegründet Stehet des Einen, und Aller Wohl in dauerndem Segen.

IX. „+Nicht des Nächsten Gattinn begehr’:+“ entsetzlichen Frevel Uebtest du sonst an dem Theuersten, was die Menschen vereinet.

X. „+Nicht begehre sein Gut:+“ ihm solches entreißen ist sündhaft; Sünde die That nicht allein -- denn zu ihr die böse Begier schon.

„Solches verkünde dem Volk’; auch sey’s zum ewigen Denkmaal Eingegraben in Stein, verwahrt an heiliger Stätte. Wird es gehorchen, so will ich vor euch einher in den Wüsten Senden den +Engel+: Er wird euch dann zum Ziele geleiten, Und beschirmen mit Huld. Nur horcht auf ihn, und erzürnt ihn Nicht: denn +Wir+ sind +Eins+,[6] nicht würd’ er vergeben. Er führt euch Ein in des Segens Land, und vor euch zerstieben die Gegner.“ Also der Herr. Da säuselten sanft, wie die Lüftchen im Lenzhain Säuseln, dem Ohr’ des Horchenden hier die Worte vorüber: „Ja, gesendet von ihm, kommt einst der Engel des Friedens, Und der Erlösung vom Tod: mit dem Vater, und Heiligen Geist’ auch +Eins+, der göttliche Sohn -- den Tod mit der Sünde besiegt Er!“

Sieh’, und er gab dem Volk von Israel noch auf den Pfaden Seiner Wanderung bis zu dem huldvollwinkenden Ziel hin, Wo der Verheißene kommt ein neues Gesetz zu verkünden, Viele Gesetz’, Er selbst, sein Gott und König,[7] zur Wohlfahrt. Moses behielt sie all’, ein Bothe Jehova’s im Herzen, Und schritt dann aus dem Wettergewölk nach der Eb’ne herunter. Noch entflammten den Berg unzählige Blitze; der Donner Krachte noch fort im Posaunenruf, und das bebende Volk stand Unten im Felde, verstummt. Nur hier und drüben erhob sich Zarter Kinder Geschrei und das Weinen der sorglichen Mutter. Laut aufriefen sie all’, ersehend den kehrenden Führer: „Komm’, und verkünd’ uns Jehova’s Geboth’: wir wollen gehorchen; Stürben wir doch, so er selbst mit uns redete, plötzlichen Todes!“

Moses richtete nun, wie Jehova gebothen, den Altar Aus zwölf unbehauenen Steinen auf: nach der Stämme Heiliger Zahl; hieß schlachten die jährigen Stier’, und besprengte Dann mit dem Blute das Volk: zum Zeichen des Bundes. (Erneut einst Wird der +Bund+, und das heiligste Blut besiegelt ihn: Allen Hier zur Erlösung von Schuld, und vom ewigen Tode.) Nicht säumt’ er, Faßte das Rohr, und schrieb, auf das Blatt der Staude,[8] Jehova’s Zehen Geboth’, und las mit tieferschütternder Stimme, Diese dem Volk dann vor. Ein Ruf: „Wir wollen gehorchen!“ Scholl, erneut, um ihn her, und er eilte zurück in die Wolken.

Vierzig Tage und Nächt’ -- o Zeit der Weih’ und Entzückung, Schnell entflohst du ihm dort, dem Seligen! Herrlich erhöhet Stand in dem hehren Gesichte vor ihm die +Hütte+ des +Bundes+[9] Schon, mit den Säulen umher, mit den hängenden Tüchern, dem Obdach, Ihr zum Schirm g’en Wetter und Wind, und dem dreifachen +Vorhang+, Der von dem +Allerheiligsten+ erst das +Heilige+ trennte, Dann den +Vorhof+ schied, und vor diesem verhüllte den Eingang. Dort in des Vorhofs Raum gewahrt’ er das +eherne+ Becken Nahe des Opfers +Brandaltar’+. In dem Heiligen sah er Rechts den +goldenen Tisch+, und auf ihm +Schaubrote+ geschichtet; Sah zur Linken entflammt den +siebenarmigen Leuchter+, Und den +Rauchaltar+ vor dem Allerheiligsten stehen; Doch in dem Allerheiligsten sah mit staunender Ehrfurcht Er die +Bundeslad’+, und in ihr auf +steinerne Tafeln+ Eingegraben, Jehova’s Gesetz; auch den +Stab+, und des +Manna+ (Für die kommende Zeit) erhaltenes Maß in dem Steinkrug. Anbethend beugten die Stirn’ zween Cherubim dort nach dem Deckel Jener geheiligten Lade von Gold (von solchem gestaltet Waren sie selbst, und der Tisch mit dem Rauchaltar und dem Leuchter) Und umhülleten ihn mit den weitgebreiteten Flügeln.

Moses erbebt’ im Wonnegefühl: denn hoher Verheißung Worte vernahm er: „Ich will in der Mitte der Cherubim künftig, Dir, dem Sterblichen, mich enthüllen mit Huld, und ertheilen Antwort dir im Grau’n beklemmender Zweifel. Des Jahres Einmal wird nur der Hohepriester der Lade des Bundes, Angethan mit dem Kleid’ und dem Schmuck, der jetzo dir kund wird, Nah’n, und im Allerheiligsten dort, ihm Gnade gewährt seyn; Doch nicht also mit dir: durch vierzig der Jahre von nun an, Führst du im wüsten Gefild’ dieß Volk aus Abrahams Stamme, Das ich erlas, den Glauben an Gott, den wahren und einen, Rein zu bewahren, umher. Von den Götzendienern gesondert Soll es mir seyn. Ihr Frevel verdarb sein Herz, und die Knechtschaft Raubt’ ihm den Sinn für Wahrheit und Recht. In den Jahren der Wand’rung Sterbe das gegenwärt’ge Geschlecht -- nur Wenige schau’n dort Kanaans Segensgefild’: ein neues, gesäugt in den Wüsten, Blüh’, und erringe das Land, wie ich Abraham, Isaak, und Jakob, Einst verhieß. Jehova ist treu, barmherzig, und gnädig.“

Moses begann: „Ach Herr, Jehova, Gnade gefunden Hab’, Unwürdiger, ich, vor dir: dein Wille geschehe! Nicht wie am Horeb, träg, als dort vom brennenden Dornbusch Deine Stimme mir scholl -- nein, freudigen Muthes gehorch’ ich Deinem erhabenen Wink’. Ach, zürne nicht, Herr! In Gesichten Sah ich enthüllet zuvor das eherne Becken, den Altar, Leuchter, und Tisch, die Lade des Bund’s, und die heilige Hütte, Wie ich hinfort gestalten sie soll auf dem Zug’ in den Wüsten; Doch, was sollen sie einst? Verborgenes liegt in dem Bild wohl?“ Alsbald säuselten sanft, wie im Lenzgebüsche das Lüftchen Säuselt, an seinem Ohr’, erneut, die Worte vorüber: „Dreimal Heilig“ erschallt in den Himmeln umher dem Erschaffer, So dem Erlöser zugleich, und dem Heiliger! Bebst du der Gottheit Hehrem Geheimniß’ im Geist’? Ein Bothe des kommenden Retters Eilst du dahin. Er führt aus den Banden des ewigen Todes, Selbst, das entartete Menschengeschlecht zurück zu dem Schöpfer. Kommen wird er voll Huld, und erbau’n den schöneren Tempel:[10] Seinen Erlös’ten dereinst zur Heiligung. Nur in dem Vorbild Siehst du sein Werk, und jetzt, in den Stunden der Weihe, nur ahnen Sollst du, was einst auch dir in seiner +Verklärung+[11] enthüllt wird. Sieh’, in dem ehernen Becken die Fluth: durch Wasser gereinet Trittst du in’s Heiligthum ein?... So werden durch Wasser die Völker Einst dem Himmel geweiht in des dreimal Heiligen Nahmen! Opferst du Rinder ihm jetzt, und biethest des dankbaren Herzens Gaben auf Brandaltären ihm dar?... Die Pfade der Kindheit Wandelst du noch: denn dunkele Bilder gewahret dein Aug’ nur Von dem erhab’nen Altar und jenem unblutigen Opfer, Deß’ unendlicher Werth die Schuld versöhnet für immer![12] Wallt Rauch auf in dem Allerheiligsten?... Nur die Erlös’ten Weihen, mit ihm, dereinst ein mir gefälliges Opfer![13] Doch auf dem gold’nen Tisch’ ersiehst du die Brote, zur Rechten, Aufgeschichtet zur Schau?... O Tiefe der göttlichen Weisheit, Wer ergründet dich? Einst ernährt zum ewigen Leben Nur das lebendige Brot die Seel’, und, in Wonne gesättigt Fleugt sie zu Gott! Du siehst den siebenarmigen Leuchter Dort zur Linken gestellt?... Wie sieben der obersten Engel, Knie’n am Thron’[14] -- im Beginn des weltbeglückenden Reiches Sieben Hirten zuerst des Meisters erkorener Jünger +Offenbarung+[15] enthüllt, auf dem meerumflutheten Eiland, Und der +Geheimnisse+ sieben in seiner Kirche hienieden Heiligend walten:[16] so flammt sein Licht vor dem dunkelen Vorhang, Der das Allerheiligste birgt! Ein Sarg ist des Bundes Lade vor dir?... ein Grab, aus dem in der Fülle der Zeiten, Strahlend im Siegestriumph, der Welterlöser erstehet! Sieh’ die Cherubim knie’n mit gebeugter Stirn’, und umhüllen Dort mit den Flügeln, im Bild, der Gottheit hehres Geheimniß! Auch errichtest, und brichst du die Hütte noch ab auf der Wand’rung Wechselndem Pfad’?... Einst steht sie, verwandelt in herrliche Tempel Oben auf Zions Höh’n von den Königen; aber den schönsten, Herrlichsten baut nur Er, von erwählten und lebenden Steinen,[17] Aus dem Schatten empor zu dem Reiche des Lichts und der Wahrheit!“

Tag’ und Nächt’ entfloh’n. Der gottbeseligte Führer Israels sah im Geist’ auf Augenblicke der Zukunft Dunkeln Schooß, wie im Licht des schnellaufflammenden Blitzes Nächtliche Fluren, erhellt: sein Volk in den Segensgefilden Kanaans; erst der +Richter+, und dann der +Könige+ Herrschaft,[18] Frevel und Götzendienst; zweimal den herrlichen Tempel Zions zerstört, und so oft in die Fremde geführt von den Siegern Sein entwürdigtes Volk.[19] Umsonst erheben die +Seher+ Warnende Stimmen; doch sie künden zugleich in des Jammers Füll’ auch Trost: zur verheißenen Zeit, von der +Reinen+ geboren, Kommt der Retter heran. Er lehret die Worte des Lebens -- Uebt die Thaten des Heils... und, ach, an dem schmählichen Kreutz dort Hängt er, und stirbt? Triumph dem Auferstand’nen: vom Oehlberg Schwebt er, huldumstrahlt, empor in den jauchzenden Himmel! Sieh’, und das dürre +Holz+, an welchem er hing -- in die Wolken Grünt es plötzlich empor, und breitet die schattenden Zweig’ all’ Ueber die Erd’, im Segen, umher! Sie kühlen des Müden Glühende Stirn’; sie biethen dem Hungernden Speise des Lebens; Laben den Dürstenden mild, und, gestärkt, erklimmt er von einem, Immer höher empor, zum ander’n, das Ziel in dem Lichtreich, Wo der Sohn, mit dem Vater und Heiligen Geiste vereinet Ein- dreieiniger Gott, allmächtig in Ewigkeit herrschet.

Moses sank in Wonne dahin; doch, nahe der Rechten Fand er, erwacht, Jehova’s Gesetz, auf steinerne Tafeln Eingegraben, und trug’s im Arm von dem Berge herunter. Wehe, wie trifft jetzt Lärm und Geschrei, von dem Lager herüber, Sein aufhorchendes Ohr? Er sah -- die steinernen Tafeln Fielen aus seinen, voll Angst erhobenen Händen, und brachen Mitten entzwei: er sah um ein güldenes Kalb sich erheben Opfer, und Mahl, und Reigentanz, als hätt’ er Aegyptens Söhn’ in die Wüste geführt.[20] Unsinnige! Habt ihr vergessen, Was Jehova für euch, barmherzig und gnädig, gethan hat? Aaron, auch du? Doch nein: zum Dienste des Einen und Wahren Hast du gerufen das Volk auf den kommenden Tag -- ihm die Thorheit So zu enthüllen gesinnt, am heiligen Feste Jehova’s.[21] Moses ergrimmt’, ergriff, zermalmte des schmählichen Götzen Bild, und schleuderte selbst den Staub in die Fluthen des Bergstroms, Daß sich reine das Volk, und im Durst noch erbebe dem Frevel. Doch die Schuldigen weiht’ er dem Tod: dreitausend erwürgte Levi’s Schwert, zur Strafe des Götzendienst’s... und es kehren Einst zu dem einigen Gott so viele zurück’ an dem Festtag, Da, gleich feurigen Zungen, herab die göttliche Huld sich Senkt, und mit donnerndem Laut’, ein Jünger die Herzen erschüttert.[22]