Perlen der heiligen Vorzeit Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (3/3)
Part 17
Sieh’, in dem heiligen Grau’n des leis’aufdämmernden Morgens Hebt sich mit tieferschütterndem Laut’ empor zu den Berghöh’n Zions, Siegesgesang; Danklieder erschallen Jehova -- Ihm, dem Retter aus Jammer und Noth, dem Spender des Sieges, Aus der unzähligen Schar, die, Palmenzweig’ in der Rechten Tragend, den winkenden Höh’n im festlichen Zuge genaht ist. Seliger Augenblick, wo es Israel wieder vergönnt war Seinen erhabenen Tempel zu schau’n; zu verehren des Weltalls Herrn an dem heiligen Ort, den er sich selber erkoren, Und, befreit aus Feindes Gewalt, ihm zu dienen in Freiheit! Doch wer ist’s, der all’ den Tausenden, schaltend, voranzieht? Blühende Kraft, und Muth verkündet sein Gang; um den Nacken Spielt ihm das bräunliche Haar, und die blitzenden Augen, im Schlachtfeld Sonst so furchtbar zu schau’n, umhüllt ihm jetzo der Thränen Milderer Glanz, da er heut, nach kühnerrungenen Siegen, Hier zu erneuerndem Dienste des Herrn sein jubelndes Volk führt. Juda, der Makkabäer genannt, Mathathias Erzeugter, Ist’s. In dem eisernen Felde besiegt, sank jüngst vor Bethoron, Seinem gewaltigen Arm’ Antiochos muthiger Feldherr, Seron. Aber der Fürst, der seinem Volk der Erlauchte Hieß, entbrannte darob vor Zorn, und sandte der Krieger Hunderttausend heran, die Lysias führt’ in die Feldschlacht: Denn nach Persien zog Antiochos, daß er den Völkern Dort entrisse ihr Silber und Gold, mit schrecklicher Willkühr. Schon erlag unzähliges Volk dem Krieger Jehova’s, Und Antiochos rief, da er solches vernommen, voll Wuth auf: „Fluch auf mein Haupt, so ich nicht entsetzliche Rach’ an den Frevlern Uebe durch Waffengewalt! In den Staub mit Jerusalems Mauern! Würget den Greis und den Säugling zugleich mit der heulenden Mutter So, daß Judäa ein Grab, und den Völkern der Erde zum Spott sey!“ Aber er kehrete selbst, verjagt von Persepolis Mauern, G’en Ecbatana[1] heim, nachdem er mit räub’rischen Händen Aus den Tempeln den Schatz und die gold’nen Gefäße hinwegnahm. Als er nun, zur Rach’ entflammt, dem Lenker des Wagens Eile geboth, da traf Jehova’s furchtbare Hand ihn Mitten im öden Gefild’: er sank, von Schmerzen gefoltert, Von dem Wagen herab, und lag, aufjammernd, im Staub dort. Er, der stolzen Gemüths, ausstrecken wollte die Finger Nach dem Mond’, und herab ihn zieh’n bei den goldenen Hörnern; Der den Fluthen des Meers und dem lauterbrausenden Sturmwind Fesseln sann, und den Felsenberg auf die schwebende Wagschal’ Legen wollte, verging nun hier vor Angst und Verzweiflung, Die sein Innres zerriß (und mit Recht: denn Tausender Herzen Hatt’ er zerrissen zuvor) und hauchte, verlassen, den Geist aus.
Lysias stand vor Emaum jetzt, entgegen den Scharen Juda, des tapferen Horts von Israel, der in den Schlachtreih’n Zeh’nmal tausend Streitende nur gegen Lysias hundert- Tausende führt. Doch Juda sprach zu den Seinigen also: „Bebt den Unzähligen nicht! Ihr denkt es, wie einst an dem Schilfmeer Sein erlesenes Volk der Herr vor Pharao’s Scharen Rettete. Laßt uns zu ihm erheben die Stimme! Des Bundes, Den er mit Abraham schloß, und mit Isaak und Jakob erneute, Wird Jehova, der Herr, gedenken, und schlagen die Gegner Hier mit erhabener Macht, daß all’ auf Erden erkennen: Er ist Israels rettender Hort auf immer und ewig.“ Und sie riefen zu Gott mit erbarmenflehender Hand auf.
Hinter dem fernen Gebirg versank die glühende Sonne Leis’ im rosigen Duft’; in der Dämmerung schwanden die Fluren Formlos hin, und die Nacht umhüllte den schweigenden Erdkreis. Jetzo begann zu Gorgias so der oberste Feldherr: „Hast du die Frechen geseh’n? Wie, solchen verächtlichen Kriegern, Die nicht der Helm, nicht der Panzer bewehrt, und die nur die Lanzen Schwingen im Kampf’, erlagen zuvor gewaltige Feldherrn Selbst mit unendlicher Macht? Vielleicht, daß im tollen Vertrauen Sie sich ergaben dem Schlaf’, und sorglos letzten im Lager, Nicht des heimischen Ruhms, nicht der eigenen Ehre gedenkend? Doch nicht also gescheh’ es mit mir: ich will sie zerschmettern. Eile sogleich mit zwanzigtausend Erwählten im Thalweg G’en Bethsura hinab, und stürze dich dort von dem Hügel, Gleich dem regengeschwollenen Bach’, auf die Frevler herunter, Daß sie, auftaumelnd vom Schlaf’, in dem all’verwirrenden Nachtgrau’n Nicht mehr kämpfen, nicht flieh’n, und wehrlos fallen den Würgern. Aber ich komme vom Lager heran, und verbreite des Sieges Schrecknisse noch in der Nacht bis Jerusalems Mauern hinüber.“ Also der Stolz’ im Gemüth; doch anders die ewige Vorsicht! Juda sah, mit den Seinen ausruhend im Feld, zu den Sternen, Flehenden Blickes, empor: da kam urplötzlich ein Krieger, Herrlich zu schau’n! in silbernstrahlender Rüstung ihm näher, Both ihm die Recht’, und sprach: „Du sinnest im muthigen Herzen Nächtlichen Ueberfall dem Feind’? Erhebe dich, siege!“ Sagt’ es, und eilt’ ihm voran. Doch Juda erkannte Jehova’s Bothen mit Angst und mit Freude zugleich (nur ihm, dem Erbarmer, War es bekannt, was er erst sann im Gemüth’) und er folgte Schnell an der Spitze des Heer’s. Dem feindlichen Lager vorüber Ging ihr Zug: sie erblickten nur leere Gezelt’ an den Wällen, Die in gesonderten Reih’n, endlos, hinunter sich dehnten: Denn schon rückte zuvor mit unzähligen Kriegern der Feldherr, Lysias, stolz von ihm aus, und eilte die nächtliche Bahn fort.
Doch dem Ziele genaht, both jenem der strahlende Jüngling Wieder die Recht’, und rief: „Nun schleudre den Brand in das Lager: Dann erhebe dein Feldgeschrei, und erwürge die Gegner!“ Juda empörte zur Flamme die Gluth, und schleuderte, jauchzend: „Groß ist Jehova der Herr!“ den Brand in die flatternden Zeltreih’n. Siehe, da warf sich der nächtliche Wind von den nahen Gebirgen, Brausend, herab, und breitete schnell die verzehrende Flamme Ueber das Lager umher, daß hoch in das finstere Nachtgrau’n, Flackernd die Rothe sich hob, und das Land erfüllte mit Schauder! Juda rief zu dem Volk von Israel, drohenden Blick’s, so: „Hört, daß Keiner aus euch ausstrecke die Rechte, des Feindes Lager zu plündern, bedacht! Nur Eines -- sein schnelles Verderben, Sucht in dem Kampf: nicht mißt ihr hinfort auch die Beute zum Siegslohn!“ Sagt’ es, und ging, dem Feind’ in den Rücken zu fallen, entschlossen, Eilend zurück’; ihm flog der Himmlische, flammenden Blick’s, vor.
Ha, schon wüthet der schreckliche Kampf; schon würgt in des Feindes Reihen das Schwert: denn Judas tapfere Krieger entrissen Selbes, in freudiger Hast, den Gefallenen. Angst und Entsetzen Faßt das unzählige Heer, und betäubt vor allen, den Feldherrn Lysias, der erst jüngst sich erhob, Jerusalems Mauern Niederzuschmettern, und d’rauf zu verhandeln das Volk an den Fremdling: Denn von den Inseln des Meer’s und den üppigen Küsten der Hellas, Nahte der Kaufmann schon, von Antiochos selber entbothen, Fortzuschleppen für Gold und Silber des Landes Bewohner, Daß sie, zerstreut umher, den Götzenverehrern sich einten. Aber nicht lebte der Wüth’rich mehr, und der Führer des Heeres, Den er gesandt, floh jetzt, aufstöhnend vor grimmigem Herzleid, Fort aus des Todes Gefild, das sein’ Erschlag’nen bedeckten. Juda sah nach dem himmlischen Freund’, ihm mit Thränen zu danken, Hastig sich um; doch sieh’, er schwand aus den Augen des Helden, Siegverheißenden Blick’s. Nur Gorgias droht’ in dem Feld noch.
Dämmernd schwebte der Morgen herauf: da kam auf den Berghöh’n Dieser herbei mit dem Heer’, und sah, von Staunen gefesselt, Liegen im Todesgefild die Tausende; rauchen des Lagers Trümmer umher, und den Feind sein harren in dräuender Stellung. Dennoch dünkt’ es ihn Schande, zu flieh’n: er hoffte, den Frechen Niederzuwerfen, und kam in beflügelter Eile herüber. Judas Erkorene sah’n vor sich die unendliche Mehrzahl: Auch die blinkenden Harnisch’ und Helm’, und die schrecklichen Waffen Schrecklicher noch in des Reiters Hand, der näher sein Streitroß Tummelte, schon, und blickten jetzt nach dem Führer mit Angst hin. Aber er hob die Hände sogleich zu dem Helfer im Himmel, Flehend, empor, und rief dann laut vor den zagenden Männern: „Ruhm sey dir, o Retter von Israel, der du den Riesen Schlugst durch Davids Schwert, des Jünglings, und Jonathans Händen, Dem sein Waffenträger gefolgt, das Lager Philisthims Preis gabst! Laß Verwirrung und Angst in den Scharen der Gegner Herrschen, und sie in der Macht unzähliger Krieger und Rosse Finden ihr Jammergeschick -- unrühmlich mögen sie fallen: Auf daß dir lobsinge dein Volk, und dich ehre durch Opfer, Weil du errettet es hast von den Banden schmählicher Knechtschaft!“ Dann erhob er sein Lagergeschrei. Die Kriegesdrometen Schmetterten; neugestärkt drang ihm die tapfere Schar nach, Schwang die Waffen, und hieb mit gewaltiger Kraft in den Feind ein. Wie der Schnitter im Saatenfeld die goldenen Aehren, Sausend, zu Boden streckt mit der blinkenden Sense: so streckte Juda, vor allen verderbend im Kampf, die feindlichen Haufen Nieder. Doch wem folgt in dem Feld sein staunender Blick nach? Eilt ein Verräther aus seinem Volk zu dem Feinde hinüber? Schmerz ergreift ihm die Brust: Eleazar, Soura’s Erzeugter, Ist’s, der jetzo allein, schnell bergend das Schwert in den Leibrock, Durch des Feindes gesonderte Reih’n, im eilenden Lauf dringt. Aber nicht sann er Verrath an den Seinen, der treffliche Jüngling: Denn er sann nur ihr Heil und verderbende Rach’ an den Gegnern. Er gewahrte zuvor, von dem felsigen Hügel, im Rückhalt Noch Elephanten in dräuender Zahl, und einen vor allen Herrlichgeschmückt mit dem goldenen Zaum’ und der Decke von Purpur, Rings an dem Saum’ umher mit goldenen Quasten behangen. Alsbald dacht’ er im Geist: der blutgierathmende Feldherr Sey’s, den dieser im Thurm’ auf dem wölbenden Rücken heranträgt. „Wie,“ so lispelt’ er jetzt, „Eleazar, der edele Greis, starb Jüngst für Gott und das Vaterland in schrecklichen Qualen? Ha, mir wurde sein Nahme zu Theil, den dankbar die Nachwelt Unter die rühmlichsten zählt, und mich drängte sein Muth nicht zur That hin? Bald soll jenes gewaltige Thier, von Purpur und Goldschmuck Glänzend, rasch durchbohrt von meinem geschwungenen Eisen, Gleich dem stürzenden Felsengebirg, gestreckt in den Sandstaub Liegen, und, mich zermalmend zuvor, den feindlichen Feldherrn Tödten: auf daß sein Volk, verwirrt, an der Rettung verzweifle, Und erliegt in dem Kampf Jehova’s tapferen Streitern!“ Sagt’ es, und eilte dahin. Nicht hemmt’ ihn der Feind -- in dem Irrwahn: Feig’ entriss’ er sich jetzt dem Gewürg’, und eile zum Rückhalt. Doch schon stand er unter dem Bauch des riesigen Thieres, Schwang sein Schwert, und durchstieß ihm die tödliche Stelle des Magens, Mit nachstürmender Hand und lautaufjauchzender Stimme. Stöhnend sank es, und starb; der Boden erzitterte weithin; Staub flog auf, und Gekrach des zerschmetterten Thurmes ertönte, Da er in Trümmern bedeckte das Feld mit dreißig der Leichen. Aber die edelste lag, zermalmt schon unter des Unthiers Schrecklicher Last, und der Feind, dem Souras Erzeugter Verderben Sann, trieb schon sein schnaubendes Roß zurück’ aus dem Schlachtfeld:[2] Denn nicht prahlete Gorgias mehr; der flüchtenden Krieger Lautes Geschrei, und der Ross’ unbändiges Toben, erfüllte Seinen Busen mit Angst: er floh, und die bebenden Scharen Folgten ihm. Ha, nicht wagt’ er, zurück’ auf das blutige Schlachtfeld Mehr zu wenden den Blick, wo er Tausende, sterbend, zurückließ, Tausende schon entseelte das Schwert, und stets noch im Rücken Seines geworfenen Heeres ersaust’! Er kehrt’ in die Heimath, Schmachbedeckt, allein; sein Heer zerstob in den Ländern. Aber der Sieger wandte sich nun, und sammelt’ im Lager Reichlichen Schatz an Gold, an Silber, und Edelgeschmeid’ ein.
Juda sah’s mit Freud’ in der Brust; dann rief er den Brüdern, Die in dem Schlachtfeld ihm, an der Seit’, als Tapfere, kämpften, Simon, Jochanan, und Jonathan: „Zu Boden geschmettert Liegt der Feind: nun laßt uns schnell mit den trefflichen Scharen Eilen nach Zions Höh’n, und das Heiligthum reinen, und bauen, Wie das Gesetz des Herrn es heischt, mit würdiger Sorgfalt.“ Jene gehorchten dem Wort’, und zogen mit eilenden Schritten G’en Jerusalem. Als sie jetzt auf den ragenden Höhen Zions, verödet den Tempel des Herrn, entweihet den Altar, Auch die Thore verbrannt, und vor diesen im räumigen Vorhof Gras und Disteln ersah’n, und im Schatten des üppigen Dornstrauchs Wandelten: da zerrissen sie all’ an der Brust sich die Kleider, Bebend vor innigem Schmerz; bestreuten mit Asche die Scheitel, Lagen im Staub’, und weineten laut zu Jehova, dem Herrn, auf.
Doch die Posaun’ erscholl auf Judas Wink von den Höhen Zions, wie vor dem Jubeljahr’,[3] und in freudiger Sehnsucht Strömte die Menge heran. Er wählt’ untad’lige Priester Vor dem Herrn zum Dienste des Heiligthums. Siehe, da reinten Sie’s von der grau’nerregenden Spur der Götzenverehrung; Trugen den Opferaltar hinaus, und erbauten den neuen: Nach dem Gesetz zwölf unbehauene Steine sich wählend! Bald war Alles und Jedes erneut in dem Tempel Jehova’s: Denn sie schafften die Lad’, und den goldenen Leuchter, und Schautisch -- Auch den Rauchaltar mit emsiger Liebe zur Stelle. Schon erhob sich der Rauch mit lieblichem Dufte vom Altar; Schon erhellte das Licht des siebenarmigen Leuchters Wieder die wölbenden Hallen umher; die Brote des Opfers Lagen, geschichtet zur Schau, auf dem goldnen Tische, zur Rechten; Auch der wogende Vorhang schied das Heiligthum wieder, Wie zuvor, und es drehten sich, hell, auf den Angeln die Thüren. Groß war Israels Wonn’ an dem Tag’, und unendlich sein Jubel. Jetzo kamen sie all’ im Dämmerlichte des Morgens Nach dem heiligen Berge herauf. Dem Getöne der Harfen, Cymbelklang’, und dem Schall der eh’rnen Posaune vereinte Sich des unzähligen Volk’s Dankruf zu Jehova, dem Retter Von Tyrannen-Gewalt, und der Schmach entsetzlicher Knechtschaft: Denn nun sollten die Priester des Herrn einweihen den Tempel Nach dem Gesetz’, an den Hörnern des Brandaltares von Opfern Sprengend das Blut, und das Volk acht Tage, von einem zum andern, Feiern die Tempelweih’ in brausenden Jubelgesängen. Also geschah’s. An jedem erhob sich das Volk nach des Berges Heiligthum; lag auf dem Antlitz dort, und dankte Jehova Laut in dem Lied: „Denn gütig ist Er, und seiner Erbarmung Ist kein Ziel!“[4] im Freudengetöne der Cymbel und Harfen.
Als nun so der Tempel erneut, und gefeiert das Fest war, Da stand Judas auf, und begann vor den horchenden Scharen: „Jegliches sieh’st du nun, Volk Israel, dir von Jehova, Deinem Erbarmer, gewährt, was Moses, der göttliche Seher, Sang in dem Lied: „der Eine verjagte die tausend’, und zehnmal- Tausende floh’n vor Zween!“[5] Nun schmücke mit goldenen Kränzen Seines geheiligten Tempels Thor’, und erbeuteten Schilden Seine Zinnen umher: er gab den herrlichsten Sieg dir. Zwar erhebt sich von neuem der Feind: ein Kämpfen und Streiten Ist auf Erden das Los des Sterblichen. Tief in dem Herzen Ahn’ ich es schon: auch ich erliege dereinst in der Freiheit Heiligem Kampf; doch sorge nicht: dich errettet Jehova’s Arm aus jeglicher Noth, wenn du dem beschworenen Bund treu, Wandelst nach seinem Gesetz’, und nicht Götzen dienest im Unsinn. Ha, dich werden im Feld Mathathias Erzeugte, die Brüder: Simon, Jochanan, und Jonathan dann, mit gewaltiger Rechten Führen zum Sieg! Zum Freundschaftsbund erkiesen der Völker Mächtigste dich.[6] Du wirst nur eigenen Herrschern gehorchen: Denn nicht solle von Juda’s Stamm der Zepter genommen Werden hinfort, bis Er[7] -- der langverheißene Führer, Kommt; neu gründet sein Reich, und sein Volk errettet von Knechtschaft, Von Verderben, und Tod. Im Segen erblühe sein Reich dir!“ Sagt’ es, und ging. Mit tieferschütterter Seele zerstreute Dann sich das Volk, und pries den Allerbarmer, Jehova, Der ihm aus Feindesgewalt durch seinen erlesenen Diener, Juda, die Freiheit gab; sein Heiligthum wieder auf Zions Höhen erhob, und ihm Segen verhieß noch in spätester Zukunft.
O, gekommen ist Er, der langverheißene Führer Seines, voll Huld, aus allen Geschlechtern und Stämmen auf Erden Ringsumher erlesenen Volk’s, und selber geleitet Er das unzählige nun, beglückt, zu dem schöneren Tempel -- Seiner Kirch’ allhier, die, aus lebenden Steinen erbauet, Sich g’en Himmel erhebt! Fortwüthen gewaltige Gegner Wider die heilige; doch, umsonst. Auf den Felsen gegründet Ward sie von ihm, und die Pforten der Höll’, aussendend die Scharen Ihrer Bekämpfer, obsiegen ihr nicht. In des Himmels Triumphlied Wandelt die _siegende_ hin; die _läuternde_ ruht in der Hoffnung Mildem Strahl’, und die kämpfend’ umfaßt mit gewaltigen Armen (Stark in dem Herrn allein) die unzähligen Völker hienieden.[8] Also umschlingt ein Kranz die verbundenen _Drei_, und es schallet Anbethung, Lob, und Preis, für immer fort in der _Einen_, Ihm, dem Erretter von Sünd’ und Tod -- dem ewigen Mittler, Der uns im Mutterschooß der heiligen Kirche den _Sieg_ beut!
Anmerkungen
zu den
Perlen der heiligen Vorzeit.
Abraham.
[Fußnote =1: Vers 1.=
Der Therebinthenhain _Mamre_ lag bei der uralten Stadt Hebron im Lande Canaan. (I. B. Moses 13. Cap. 18. und IV. B. 13, 23. Vers). Nach einigen Schriftauslegern sollen dort Eichen gestanden seyn, da die _Siebziger_ statt jenem „die Eiche Moreh“ setzen.]
[Fußnote =2: Vers 17.=
Ohne der Meinung, welcher gegenwärtige Darstellung zum Grunde liegt, nämlich: daß unter der Erscheinung der drei Engeln die heilige Dreieinigkeit zu verstehen sey, weiter zu gedenken, wird hier bemerkt, daß nach vorzüglichen Schriftauslegern, jene Stellen, wo Gott in der Gestalt eines Engels (ἄγγελος Gesandter) redend, eingeführt wird, auf die zweite göttliche Person angewendet werden müssen. Die Stellen I. B. Mosis 48, 16. und II. B. 23, 21. werden nur auf diese Art verständlich.]
[Fußnote =3: Vers 35.=
Die Fußwaschung war bei den Morgenländern, wo man nur Sohlen trug, oder gar barfuß ging, der erste Akt der Gastfreundschaft. S. I. B. Mosis 19, 2., 24, 32., worauf sich Evang. Joh. Cap. 13 als einen besondern Liebesdienst bezieht.]
[Fußnote =4: Vers 50.=
Die Sitte, daß Abraham, als ein Hirtenfürst, selber zur Heerde eilt, das zu schlachtende Thier zu holen, wird noch heut zu Tage bei den Arabern, wo die angesehensten Personen ein Gleiches thun, und selbst die Speisen bereiten, bestätigt gefunden. Auch bei Homer sehen wir den göttergleichen Achilleus auf solche Art beschäftigt:
Selbst nun stellt’ er (Achilleus) die mächtige Bank im Glanze des Feuers, Legte darauf den Rücken der feisten Zieg’ und des Schafes, Legt’ auch des Mastschweins Schulter darauf voll blühenden Fettes; Aber Automedon hielt, und es schnitt der edle Achilleus. Wohl zerstückt’ er das Fleisch, und steckt es alles an Spieße.
_Voß -- Ilias_ 9ter Gesang. 206 bis 210. Vers.
]
[Fußnote =5: Vers 56.=
Ueber diese Art das Fleisch zur Speise zu bereiten s. Jahn’s Archäologie, II. Buch, _Häusliche Alterthümer_, -- und über jene das Brot zu backen, unten zum III. Gesang Helias, die 3te Anmerkung.]
[Fußnote =6: Vers 83.=
Das konnte wohl Abraham sagen, denn obschon er weiter unten nur von drei Hauptgenerationen spricht, deren es von Noah bis auf ihn, Neune gab: Sem, Arphachsad, Schelach, Eber, Peleg, Reu, Serug, Nachor und Terach, den Erzeuger Abrahams, so ist es wahrscheinlich, daß er, bei dem damals hohen Alter der Menschen, den Noah, und dieser den Methusalah, welcher noch 54 Jahre vor dem Tode Adams geboren ward, gekannt habe.]
[Fußnote =7: Vers 89.=
Ueber I. B. Moses 3, 15. „Der aus dem Samen des Weibes Geborene wird der Schlange das Haupt zertreten“ -- siehe den Brief des Apostel Paulus an die Galater 3, 8. 16., und I. B. Moses 22, 18. sagt der Herr zu Abraham. „In einem deiner Nachkommen sollen alle Völker der Erde beglückt werden.“]
[Fußnote =8: Vers 113.=
+Sichem+, die Stadt ward später auf demselben Platz erbaut, auf welchem Abraham den Altar errichtet hatte. Sie lag in Samaria an der Gränze von Ephraim, wo heut zu Tage Naplouse liegt. Beth-El, so viel „Haus Gottes.“]
[Fußnote =9: Vers 118.=
_Pharao_ war der allgemeine Nahme aller ägyptischen Könige bis zur babylonischen Gefangenschaft. IV. Buch Könige 23, 29., wie jene der römischen Kaiser, Cäsar.]
[Fußnote =10: Vers 129.=
Diese sogenannten Fürsten, waren Oberhäupter einer gewissen Familie -- Hirtenfürsten, nicht aber Beherrscher ganzer Provinzen, wie man aus dem ganzen 14. Capitel des I. Buch Moses ersieht.]
[Fußnote =11: Vers 140.=
Er nennt den Sieger noch _Abram_. Ueber den ihm später beigelegten Nahmen _Abraham_ siehe unten Anmerkung 16. -- Melchisedek heißt so viel als: „König der Gerechtigkeit,“ und zu _Salem_ (später Jerusalem) „des Friedens.“ Die Schriftausleger stritten sich darüber: wer er eigentlich gewesen sey? Für jeden Fall ist er das Vorbild des Hohenpriesterthums Christi zu betrachten. (Siehe von ihm die merkwürdige Stelle im Brief des Apostel Paulus Hebräer 7, 1. und Psalm 109, 5.)]
[Fußnote 12: =Vers 178.=
Dieser Ceremonie bei feierlichen Bündnissen gedenkt auch noch Jeremias Cap. 34, 18., 19.]
[Fußnote 13: =Vers 189.=
Von der Geburt Isaaks bis zum Auszug der Israeliten aus Aegypten unter ihrem herrlichen Führer Moses, vergingen 400 Jahre, wie es aus dem 25., 41., 45., 47. und 50. Capitel des II. B Moses berechnet, zu ersehen ist.]
[Fußnote 14: =Vers 203.=
Die Ismaeliten, und noch heut zu Tage ihre Nachkommen, die Araber, die stets bereit sind, Andre zu berauben, geben Zeugniß von der Wahrheit dieser Prophezeiung.]
[Fußnote 15: =Vers 208.=
Es mag seyn, was Herodot und Strabo sagen, daß die Beschneidung schon früher bei den Aethiopiern und den Aegyptern, der in den warmen Ländern so nöthigen Reinlichkeit wegen, im Gebrauch gewesen sey; Gott wählte selbe hier zum Zeichen seines Bundes mit Abrahams Nachkommen, durch welches sie von jenen, die von diesem Bunde ausgeschlossen waren, getrennt blieben. Sie war ein Vorbild des alten Testaments, welches in Absicht auf Christum seine Bedeutung hatte. (S. Kolosser 2, 11., und I. Korinth. 5, 7.)]
[Fußnote 16: =Vers 210.=
Die Morgenländer veränderten bei besonderen Veranlassungen gerne die Nahmen. Ruth 1, 20. Selbst Christus Math. 16, 18. den Nahmen Simon in Kepha, oder Petrus. Abraham hieß vorher +Abram+, d. h. „ein erhabener Vater“ -- nun sollte er +Abraham+ „ein erhabener Vater vieler Völker“ heißen.]
[Fußnote 17: =Vers 317.=
Gerichtliche Verhandlungen pflegten die Morgenländer öffentlich unter den Thoren der Stadt zu halten, und sich auch sonst dort Abends zu erheiternden Gesprächen zu versammeln.]
[Fußnote 18: =Vers 397.=
Der Umfang des Todten-Meeres beträgt bis 6 Meilen in die Breite, und 24 in die Länge.]
[Fußnote 19: =Vers 533.=
Berscheba (der Eidesbrunnen) lag etwa 5 Meilen von der Stadt Hebron entfernt, an der südlichen Gränze Kanaans.]
[Fußnote 20: =Vers 547.=
In Ermanglung des Vaters bestimmte Hagars Wille die Verheirathung ihres Sohnes, welche im Morgenlande noch jetzt von dem Einfluß der Aeltern abhängt. Selbst bei Homer sagt Achilleus ein Gleiches von seinem Vater:
Denn erhalten die Götter mich nur, und gelang’ ich zur Heimath, Dann wird Peleus selbst ein edles Weib mir vermählen. _Ilias_ 9ter Ges. 393 -- 394. Vers.
Die Wüste Pharan, von welcher hier die Rede ist, erstreckte sich von dem Gebirge Seir bis zum arabischen Meerbusen, und war das Land, welches später die Edomiter, oder Idumäer bewohnten. Es führt noch heut zu Tage denselben Nahmen.]
[Fußnote 21: =Vers 564.=