Perlen der heiligen Vorzeit Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (3/3)
Part 14
Syriens Feldherr, Seron, vernahm, daß in Modins Gebirgen Meuterer -- ha, so hießen den Heiden die tapferen Männer, Sich vereinten zum Waffenbund: den heiligen Glauben, Nach dem ererbten Gesetz, mit Macht zu schirmen entschlossen! Schnell berief er zum Rath die Feldherrn all’, und die Hauptleut’ In Samaria, der Stadt, und rief den Versammelten also: „Tapfere Männer und Brüder, hört! In Modins Gebirgen Hat ein nied’riges Volk in geistverblendender Frechheit Jüngst sich vereint, uns entgegen zu steh’n, das Schicksal des Krieges Kühn zu versuchen, und so zu ersiegen im Felde die Freiheit Von Antiochos Macht, des Herrlichen! Denket den Unsinn! Soll ich erwähnen des Muths, mit welchem die Krieger des Königs Dieß verachtete Volk, das Israels Söhne sich rühmet, Stets bezwangen im Kampf’, und zerstäubten, wie Spreu auf der Tenne Schnell zerstäubet der sausende Sturm? Sie flohen, erschrocken, Schon vor euerem Blick, den Blitze des Todes bewaffnen! Jetzo will ich mir herrlichen Ruhm ersiegen für immer. Staunen sollt ihr, wie schnell, wie furchtbar Seron des Feindes Scharen besiegt. Noch heut’, am dämmernden Abend, versamml’ ich Dreißigtausend im Kampf gestählete Krieger, und breche Los auf den schlummernden dort: dem nächtlichen Donnergewitter Gleich, das plötzlich naht, und zerschmett’re den Feigen auf einmal. Dir, Apollon, winkt in dem Vorder-Zuge vor allen Heute das Glück, wenn du die erlesene Schar Elephanten Gegen den Feind vordrängst, auf welchen herab aus den Thürmen Ström’ ein Hagel von Pfeilen zugleich und von Steinen der Schleuder, Bis ihn ihr Rüssel erfaßt, und zermalmt ihr eherner Fußtritt: Dann ist in eiliger Flucht sein Los nur Tod und Verderben, Und wir sammeln die Beut’ auf dem blutgerötheten Feld’ ein! Alle zugleich gedenket des Kampf’s und des herrlichsten Sieges, Waffnend in Eile das Volk. Antiochos Ruhm ist die Losung.“ Also rief er zur Schar der schnell versammelten Führer. Siehe, nicht lang: da zog das geordnete Heer aus den Mauern Von Samaria hinaus g’en Modins dunkles Gebirgsthal. Allen voran herbraus’ten die Schleuderer, deckend die Reihen, Zwölf, auf dem Rücken den Thurm, und im Thurm gewaffnete Männer Tragender Elephanten: die Erd’ erzitterte weithin Unter dem ehernen Fuß des riesengestalteten Lastthiers. Als der Lenker der Schar der Schleuderer, kühn und verwegen, Kam Apollon, und trieb das Viergespann aus dem Wagen, Der, zweiräderig, ihm nachflog, mit donnernder Stimm’ an. D’rauf, ein gleiches Gespann vom ringsvergoldeten Wagen Geißelnd, kam in der Mitte des Heer’s der oberste Feldherr, Seron, dem an der Zahl zehntausend Krieger, mit Lanzen Trefflich verseh’n, und bewehrt mit dem Helm’ und dem Panzer, gehorchten. Aber im Nach-Zug dann, den Bogenschützen gebiethend, Die, an der Zahl, wie jen’ in der Mitte des mächtigen Heeres Naheten, kam Zorain, der stürmische Held in der Feldschlacht. Hundert folgten zugleich Streitwägen ihm nach; mit dem Lenker Saß in jeglichem ein, mit Speeren bewaffneter Krieger. Also geordnet, eilte das Heer den Feinden entgegen.
Draußen im felsigen Thal’, im Graun des dunkelen Waldes Lag, entschlummert, der Greis Mathathias -- um ihn die Erzeugten All’, und, rings in dem Thal’, in Felsenschluchten gelagert, Oder in Mäntel gehüllt, und gestreckt auf rauschende Blätter, Ruhte die Schar achttausend kampfgewaltiger Männer. Mitternacht entschwand. Die Flamme verlosch in dem Lager Ringsher; nur ein bläulicher Rauch stieg noch aus dem Haufen Glimmender Asch’ empor, und schwamm, wie ein duftiger Nebel, Durch das Laubgewölb’ der hochaufragenden Stämme. Aber nicht thöricht hatte der Greis die Gefahren verachtet, Oder, unkundig des Kriegs, versäumt, zu begegnen des Feindes Dräuender Hinterlist und geistverwirrendem Anschlag. All’ die waldigen Höhen entlang, vertheilt’ er die Wachen, Die, ringsher umschauend vom Fels, ihm Alles und Jedes Kündeten, was in der Ferne bedenklich erschien, und Verderben Drohte dem lagernden Volk’ aus dem weitverbreiteten Blachfeld. Doch jetzt nahte Rephim, der Krieger, mit Angst in den Blicken, Zitternd, ähnlich dem Laub der Silberpappel im Lufthauch; Faßte sogleich die Hand des ruhenden Greises, und dachte, Ihn zu erwecken vom Schlaf’ in geheim vor den lagernden Scharen. Aber der freundliche Greis sah ihm mit verkläreten Augen In das Gesicht: denn eben verließ ihn der Engel Jehova’s, Der ihm genahet im Traum; zu gottvertrauendem Muth ihn Mahnete, Sieg ihm verhieß, und herrlichen Lohn in der Zukunft. Jetzo begann der Wächter der Höh’n: „Unzählige Heiden Kommen, zu würgen, heran. Streitwägen und blitzende Waffen Sträubten das Haar auf der Scheitel mir auf; doch sank ich vor Schrecken Auf die Kniee, vor mir die Riesenthiere der Wüsten Schauend, welche dem Heer’, gleich wandelnden Bergen, voranzieh’n; Thürme, gleich Vesten, mit Kriegern besetzt, auf dem wölbenden Rücken Tragen, und Tod und Jammer dräu’n mit dem furchtbaren Rüssel, Der jetzt, eingeschrumpft, in den Hauern schwebet, und plötzlich Wieder vom Haupte verlängt, mit der Schnelle des Blitzes den Krieger Fest umschlingt, ihn erdrückt, in die Lüft’ aufschleudert mit Ingrimm, Daß er ihn dann sogleich mit den ehernen Füßen zermalme. Wahrlich, o Herr, so Jehova säumt, aus den Händen des Feindes Nun zu erretten sein Volk: so ist es auf immer verloren!“
Rasch erhob sich der Greis; er winkte dem Priester Abisah, Und er stieß alsbald in die Kriegesposaune so mächtig, Daß der empörende Laut, in des Waldthals felsigen Räumen Donnernd erklang, und das Volk, urschnell, um den Vater vereinte: Denn so nannt’ es den Greis, Mathathias, voll heiliger Ehrfurcht. Aber der jugendlichblühende Held, der tapfere Juda, Hob sich der erste vom Laub’, und sah in dem nächtlichen Dunkel, Wie der muthige Leu umher, der nahe den Gegner Wittert. Er faßte das Schwert, und hing an den Augen des Vaters. Auch Eleazar kam, und Jonathan, glühenden Muthes Näher; sie forschten besorgt, was ihn mit Jochanan und Simon, Ihren Brüdern, empört, warum die Posaune getönet?
Sieh’, da sprach der edele Greis zum versammelten Volk so: „Fasset das Schwert; wir zieh’n jetzt Israels Feinden entgegen! Doch schon hatte das Volk von dem furchtverblendeten Krieger, Schreckenbetäubt, vernommen die Macht und die Stärke der Gegner, Die mit der Schar der Riesenthier’ entsetzlich zu schau’n war, Murrete laut, und Sadok, der Aelteste, rief voll Entrüstung: „Groß ist dein Muth, erhabener Greis, wir ehren ihn alle; Aber er leitet dich irre, daß du, vergessend der Weisheit, Welche dich sonst beseelt’, unzähligen Feinden entgegen Führest das Volk, das nur ein unbedeutendes Häuflein, Und durch Fasten erschöpft, schon kleineren Scharen erbebte! Thorheit wäre der Kampf, und vermessen der Streit mit dem König, Dem Jehova im Zorn’ uns preisgegeben für immer.“ Drohend erhob Mathathias die Hand, und sagte mit Wehmuth: „O, nicht schaffet die Meng’ uns Sieg in dem Sturme der Feldschlacht; Gottes gewaltiger Arm errettet mit wenigen Händen Eben so schnell, wie mit vielen, vom Joch’ entehrender Knechtschaft Sein erlesenes Volk, so er will, barmherzig, und gnädig!“ Aber, urplötzlich entriß der Scheid’, im furchtbaren Jähzorn Juda sein Schwert, und hieb mit nerviger Rechte der Zeder Lastenden Zweig von dem Stamm, daß er weit in den Lüften dahinflog. Sadok wich, erschrocken, zurück’, und beugte sein Antlitz Nieder in Staub: denn nah’ ihm schien, zermalmend, der Tod schon; Aber auch All’ ergriff ein herzbeklemmendes Staunen Ueber des Jüngling’s Kraft, der jetzo, entflammt, zu dem Volk rief: „Ha, ihr bebt vor der Menge zurück, vor den nied’rigen Sündern, Welch’ im wüthigen Trotz ermorden die jammernden Weiber, Und den lächelnden Säugling zugleich an dem Busen der Mutter! Die für schnöden Gewinn verhandeln den Mann und den Jüngling, Gleich dem Vieh’, auf dem Markt, an den weltdurchwandernden Kaufmann: Also vor uns Jehova’s Ruhm zu verhöhnen, entschlossen? Besser der Tod in dem Kampf’, als solch unrühmliches Leben! Auf -- wir streiten für Gott, für unser Leben und Freiheit! Zaget nicht, fasset nur Muth: der Herr ist mit uns in dem Schlachtfeld.“ Also rief er, und ging; ihm folgte, begeistert, das Volk nach.
Nicht auf dem breiteren Pfad, der unten durch üppige Matten, Führte des Wanderers Fuß zur felsumstarreten Waldschlucht, Zog nun Israels Heer auf den Feind mit erneuertem Muth los, Sondern auf waldigen Höh’n bis hin, wo der letzte der Hügel Sich an Bethoron, der Stadt, hinzieht, und zu lachenden Eb’nen, Durch die goldene Aehrenflur, den grünenden Fuß dehnt, Eilte das muthige vor. D’rauf ordnete Juda die Scharen; Gab an dem linken Horn dort, Jonathan, und an dem rechten Hier, Eleazar Gewalt, zu gebiethen im Sturme der Feldschlacht. Er, der erst’ entgegen dem Feind’ in der Mitte zu kämpfen, Stand voll freudigen Muthes allein und jubelte laut auf, Als Jochanan sich ihm, der Helden-Bruder, nun anschloß. Doch Mathathias stand, umgeben vom Volk’, auf des Hügels Felsigem Haupt mit Simon, dem ältesten Sohn’, und erhob jetzt, Warnend, g’en Juda die Hand, und fragt’ ihn, sorglichen Blickes: „Juda! Hast du erwogen das Ziel -- gesichtet des Herzens Tiefverborgenen Grund: ob nicht vermessener Stolz nur, Ob Vertrau’n auf eigene Kraft zur gefährlichen Stelle Dort, an der Spitze des Heer’s, dich trieb in eiteler Ruhmsucht? Hast du heiß zu Jehova gefleht, und des Ewigen Beifall, Demutherfüllet, geahnt in des Herzens heiliger Regung?“ Juda entgegnete schnell: „Erwogen das Ziel, und gesichtet Hab’ ich, o Vater, die tiefverborgenen Räume des Herzens! Nicht vermessener Stolz, nicht Vertrau’n auf eignes Vermögen Heißt mich steh’n an der Spitze des Heers: Jehova geboth mir -- Ja, in der Brust rief Gott, daß ich leite die Unsern im Schlachtfeld!“ Jetzt entblößt’ er sein Schwert; ließ dann im Grase sich nieder, Stützte das Kinn auf die Hand, und sah mit glühenden Blicken Durch das nächtliche Grau’n den nahenden Feinden entgegen. Wie der Leu, der jüngst entwöhnt von der säugenden Mutter, Im Vertrauen auf eigene Kraft, von dem Lager sich aufmacht, Vor der Höhle sich stellt, und mit wuthgerötheten Augen Schauet im Wald’ umher: ob mächtige Gegner ihm nahen? Lechzend nach Blut’, umleckt er mit stachliger Zunge den Rachen; Peitscht den drönenden Grund mit dem buschigen Schweif, daß, zum Himmel Wirbelnd, der Staub auffleugt, und brüllt, und schüttelt die Mähnen: Also saß vor den Scharen der Held auf dem Boden, und blickte Starr in die Fläche hinab, nach feindlichem Blute sich sehnend.
Jetzt erglühte der Saum des lichtergewordenen Himmels Drüben im Osten; im Frühwind floh’n die umwandernden Nebel; Jauchzend schwangen die Lerchen sich auf in den Lüften, und ringsum, Durch die bethaute Flur erwacht’ ein Laut nach dem ander’n -- So in dem Wald’, auf den Höh’n, und in tiefverborgener Thalschlucht; Doch, als jetzo ihr Flammenhaupt, im duftigen Goldglanz Schwebend, die Sonn’ erhob, und rings die verjüngete Schöpfung Jubelte, sieh’, da zog die syrische Macht auf des Landmanns Saaten in täuschender Stille heran: denn Seron gedachte Heimlich im Ueberfall den lagernden Feind zu erwürgen. Wohl erbebte das Volk von Israel, als es die Reihen Jener gewaltigen Thiere vor sich im feindlichen Heer’ sah: Aber der älteste Sohn Mathathia, des heiligen Greises, Simon, eilte herab, und sagte zu Juda, dem Feldherrn: „Kühner, entbieth’ aus dem Heer’ Freiwillige, die für die Rettung Unseres Volks dem Tode sich weih’n, und sie muthig erringen! Furchtbar ist ihm der Kampf mit dem riesengestalteten Thier nur. Mögen jene das Schwert mit des langgeschafteten Speeres Erze vereinen: das Schwert an den Schaft mit kräftigen Riemen Festigend, und im Gemenge der Schlacht, losstürzend vor allen Auf die Thiere, sie kühn verwunden am schrecklichen Rüssel, Daß sie, gefoltert vom Schmerz, im eigenen Heere verbreiten Flucht, Verwirrung, und Tod, und grausenvolles Verderben.“
Juda erhob das Schwert, und winkte dem sinnigen Bruder Beifall zu. Kaum war in den Reih’n der geordneten Krieger Kund geworden der Ruf des kühnen Beginnens: da traten Hunderte vor, voll Muth zum rühmlichen Tod sich erbiethend; Aber Simon erlas nur zwölf’ aus den tapfersten Männern, Die sich bewährten im Schlachtengefild’, ein Schrecken des Feindes. Alsbald hefteten dies’ ihr Schwert mit kräftigen Riemen Fest an den ragenden Schaft des fernhintreffenden Speeres; Eilten hinab zu des Hügels Rand, wo dichtes Gebüsch sich Nah’ an dem Pfad hinzog, und harrten, verborgen, der Gegner. Näher und näher erhob sich Gewölk aufqualmenden Staubes; Blitzender zuckte das Licht der strahlengekröneten Sonne Mitten in Staubesqualm aus den hellgeglätteten Waffen; Lauter erscholl der Tritt viel Tausender -- schnob das Entsetzen Vor den Scharen einher, und nah’ war Kampf und Verderben.
Juda, jetzo die Gegner vor sich mit leuchtenden Augen Schauend, erhob sich behend’; schrie laut, daß die Berg’ und die Thäler Dröneten, all’ um ihn her erbebten, und oben am Felsriff Selbst Mathathias erschrack. Von Furcht und Entsetzen ergriffen, Hörten die Feinde den Ruf, und rissen sich wild aus den Reihen. Aber jetzt auf den Höh’n das Heer der Gegner mit einmal, Nur so schwach an der Zahl, und allein mit dem Schwert’ in der Rechten, Sonder Panzer und Helm, Streitwägen und Rosse gewahrend, Lachte Seron vor Wuth, und rief, voreilend, Apollon, Der dem Vorderzuge geboth, mit höhnenden Blicken: „Wahrlich, ich dacht’ im Geist, ganz Israel, stünde, bewaffnet, Wider uns auf, und bereit’ uns Tod und grause Vernichtung! Soll dieß treffliche Heer mit jenem der Feinde sich messen, Das die verborgenen Höhlen des Wald’s, gleich Räubern, bewohnet, Wehr’ und Waffen entbehrt, und jetzt, verzweifelnd, den Tod sucht? Mögen die Schützen allein, von den Rücken der zwölf Elephanten Schleudernd den tödlichen Stein, und schnellend die Pfeile vom Bogen, Jene bekämpfen: sie flieh’n vor ihrem entsetzlichen Blick schon.“ Sieh’, da drängten zugleich die lautaufschreienden Führer All’ Elephanten vor in dem Feld’, und es stachen die Krieger Sie, daß ihr Grimm erwach’, aus den Thürmen mit spitzigen Lanzen. Und er erwachte sogleich: sie schritten hinan, mit dem Rüssel Laut sich peitschend die Brust, und schnoben vor glühender Mordgier. Von der Sehne geschnellt, durchzuckt’ ein Hagel von Pfeilen, Sausend, die Luft. Der Schleuderer schwang den spitzigen Wurfstein, Kreisend, umher: bis jetzt die Schnur von dem hemmenden Finger Wich; der Stein lautheulend im Luftraum flog, und am Hügel Dort, mit den Pfeilen zugleich, die tapfersten Krieger erlegte.
Nun erhob Mathathias zu Gott, lautflehend die Augen: „Rett’, Erbarmer, dein Volk von dem Feind, der Schmach und Verderben Ihm bereitet mit wüthigem Trotz: verhöhnend dich, wahren, Ewigen Gott! O, gib uns den Sieg, Allmächtiger, hier jetzt, Daß er erkenne mit Angst, wie mächtig Jehova, der Herr, ist!“ Sieh’, da warfen sich schnell die zwölf erlesenen Männer, Die sich dem rühmlichen Tode geweiht, auf das vordere Treffen. Jeglicher ging mit weitvorragendem Speer’ auf ein Thier los -- Stieß, und verwundet’ es tief an dem Rüssel. Nur Dorach aus Gaza Fehlte vor Hast: sein Speer glitt ab an dem glänzenden Hauer, Und durchbohrte des Thiers Ohrlapp’, die faltig herabhing. Schnell umklammert’ es ihn mit dem schrecklichverlängerten Rüssel, Ihm zu zermalmen die Brust, und ihn auf in die Lüfte zu schleudern, Daß es den Sinkenden, racherfüllt, in dem Sande zertrete; Aber da sprang Nabal, aus Bethoron, herbei, und, erhebend Hoch den Schaft mit dem festgehefteten Schwerte, durchstieß er Ihm das funkelnd’ Aug’, das sonst so klug, so verständig, Sinnig, und mild hersah -- nun hellentflammt von der Wuth war. Jetzo tobten, von Zorn und furchtbarn Schmerzen gefoltert, All’ Elephanten im Feld’ umher. Sie warfen die Krieger Aus den Thürmen herab, und eileten, schnaubend, herüber: Durchzubrechen das eigene Heer, und im rauschenden Bergstrom Dann zu kühlen die Gluth der tiefgespaltenen Wunden. Ein gewaltiger stieß an Serons rollenden Wagen, Der, von dem Sessel herab antreibend die schnaubenden Rosse, Und ersehend von fern, welch’ schrecklichen Frevel die Gegner Dort an den Thieren verübeten, jetzt die Führer des Heeres Schalt, und ermahnte zugleich, die Frevelnden niederzuschmettern; Doch schon lag er im Staub, und blutete -- lagen die Rosse, Lag der Wagen, zertrümmert, im Feld: denn schnell, wie der Blitzstrahl Mitten im Hain die hundertjährige Fichte zersplittert, Daß nur Trümmer umher von dem ragenden Stamme sich weisen: So zertrümmerte dort das Thier den rollenden Wagen; So zertrat es die Ross’ und den lautaufschreienden Feldherrn. Und es entfloh’n alsbald in wilder Verwirrung die Syrer.
Jetzt, wie im Lenz von dem Felsengebirg, gelöset vom Südwind, Niederrollt die Lawin’, im schrecklichen Donnergetümmel, Stürzet den Wald, fortreißt die Felder und blühende Matten: Also kam von dem Hügel herab die Zierde der Helden Makkabäischen Stamms -- kam Juda, der tapfere Jüngling Her an der Spitze des Heer’s. Den Fliehenden lag er im Rücken, Schlug, und tränkte sein dürstendes Schwert im Blute des Feindes. So Eleazar, der Held, so Jonathan. Keiner der Krieger Rastete jetzt. Weithin ertönte Gejauchze des Sieges; Tausende lagen erwürgt, und deckten die Pfad’ und die Felder.
Längs dem Zederngehölz’, unferne den Mauern Bethorons, Stellt’ Apollon sich kühn zur Wehr’. Er hemmte die Seinen Noch in der Flucht: im Kampf mit Ehre zu sterben, entschlossen. Juda säumte nicht, kam, und sprang vor den muthigen Feind hin. Zwar hielt ihm Apollon sogleich den ragenden Speerschaft Kräftig, entgegen; allein, er schwang sein blinkendes Eisen -- Hieb den ragenden Schaft entzwei, und bohrete jenes Ihm so tief in die Brust, daß er sank, und das Leben verhauchte. D’rauf entriß er ihm schnell das reichverzierete Schlachtschwert: Um noch jetzt, und hinfort, in dem Kampf für den heiligen Glauben, Für die Rettung des Vaterland’s, und die Sitten der Väter Solches zu führen, zum Ruhme für Israel, siege verherrlicht.[3] Aber in eiliger Hast entfloh’n die Trümmer des Heeres, Das den Juden Vernichtung droht’, und nur Wenige kehrten Heim in das Vaterland, den Ihren den Jammer zu künden.
Sieh’, Mathathias Vollendung naht’! Er fühlte des Todes Schaurigen Hauch; hieß seine geliebten Erzeugten ihm nahen; Hob sich auf in dem Bett’, und begann mit rührender Stimme: „Nehmt den Segen zum Lohn’, ihr, Theueren! Möge Jehova Euch behüthen mit ewiger Huld, daß ihr, würdig der Väter Wandelt, und wirket das Gut’ auf dem heiteren Pfade der Unschuld. Jammerschwer ist die Zeit, in der ihr lebet: der Hochmuth Herrscht in der Welt, und der Stolz ersinnet nur Schmach und Verderben. Haltet fest am Gesetze des Herrn; gedenket der Thaten Eurer Väter, und suchet den Ruhm, der ihnen zu Theil ward, Auch um des Lebens Preis: dann lohnt euch ewiger Nachruhm. Abraham heißt uns gerecht, da er treu in der Prüfung bestanden. Joseph herrschte mit Macht in Aegypten, weil er im Unglück, So wie im Glück, Jehova’s Gesetze verehrete. Phine’s Eiferte redlich für Gottes Wort, und des Priesterthums Vorzug, Dauernd in seinem Geschlecht, ward ihm zum Lohne gegeben. Josua that, wie Jehova geboth, und er wurde der Retter Israels. Laut sprach Kaleb dort vor dem Volke die Wahrheit, Und er hatte sein Erb’ im verheißenen Lande des Segens. David war barmherzig und mild, und ihm wurde die Herrschaft -- Ihm und seinem Geschlecht, gegeben auf ewige Zeiten. Für Jehova’s Wort entglühte der Thesbit Helias, Und er wurde im Blitz und Sturm g’en Himmel gehoben. Auch den Glauben Sidrachs, Misach- und Abdenagos, lohnte Herrlich der Herr: sie kamen gerettet hervor aus den Flammen, Und die grimmigen Leu’n bezähmte Daniels Unschuld. Also hinauf, in der dämmernden Frühe der heiligen Vorzeit, Seht ihr jene belohnt, die liebend Jehova vertrauten. Fürchtet denn nie den Trotz und die dräuenden Worte des Sünders: Seine Herrlichkeit ist nur Staub, sein Ende Verwesung; Heute bläht er sich auf, und dräut der Erd’ und dem Himmel: Morgen ist er nicht mehr: denn tief in des dunkelen Grab’s Nacht Sank sein wüthiger Trotz und all’ sein stolzes Beginnen. Auf, erhebt euch mit Muth, geliebteste Söhne! Jehova’s Mächtiger Arm schützt euch, so ihr treu dem Gesetze verharret. Simeon ist erfahren und klug; mein ältester werd’ euch Vater hinfort: ein Lenker im Grau’n des umnachteten Lebens; Aber Judas, mein Held, Makkabäer gepriesen vor allen Meines Geschlecht’s, beherrsche das Feld der eisernen Schlachten: Euer tapferer Hort, erzogen im Lager der Krieger. So mit den beiden vereint sey Jonathan, sey Eleazar, Und Jochanan im Bruderbund. Versammelt Jehova’s Tapf’re Verehrer alle zum Kampf für die heilige Freiheit; Rächet die Schmach des Vaterland’s an den Feinden mit Nachdruck.“ Als er die Rede beschloß, da sank er zurück auf das Kissen; Sah mit segnendem Blick’ auf die Lieben, und hauchte den Geist aus. D’rauf in das Ahnen-Grab, unferne den Mauern von Modin, Brachten im Trauerzug die weinenden Söhne den Todten, Und in Israel scholl Wehklag’ um den Vater des Volkes.
Aber im jubelnden Ruf der Himmlischen reicht’ ihm vom Thronsitz Schon der Allerbarmer, voll Huld, den lohnenden Kranz hin: Da er vertrauend auf ihn, in dem nächtlichen Sturme des Lebens Muthig stand, und den Frommen hier zum erhebenden +Trost+ ward!
II.
Eleazar.[**]
+Hingebung.+