Perlen der heiligen Vorzeit Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (3/3)

Part 13

Chapter 133,304 wordsPublic domain

Als am Morgen erwacht, ringsum verschlossen den Ausgang Samma, Elisa’s Diener, ersah, da kam er, und sagte: „Weh’ uns, Herr, die Stadt umringen unzählige Gegner!“ Alsbald hob Elisa den Blick zum Himmel, und flehte Leise zu Gott, daß er, milderbarmend, den dunkelen Schleier Vor den Augen des Knechts aufhüllete so, daß er sehe. „Wende den Blick,“ begann er zu ihm, „nach den Höhen des Berges, Dort sind mehr auf unserer, denn auf der Seite der Gegner!“ Samma wandte sich nun, und sah auf den dämmernden Höhen Himmlische Scharen steh’n mit feurigen Wägen und Reitern, Blitzend im Waffenschmuck’, und schrecklich den sterblichen Augen.

Furchtlos ging Elisa, entlang die Zelte des Feindes G’en Samaria hinaus. Erst sahen die Scharen dem Fremdling Staunend nach; dann folgten ihm mehr denn hundert der Krieger: Ob nicht Elisa’s Spur sie erforschten, des mächtigen Sehers? „Kommt nur,“ rief er dem Volk’, „ihr schau’t den, welchen ihr suchet.“ Und er flehte zu Gott, und sprach in lispelnden Lauten: „Straf’ sie mit Blindheit, Herr, und verwirre die Sinne der Männer, Daß sie schauen umher, und dennoch den Pfad nicht erkennen!“ Und er führte die blind Nachfolgenden nach Samaria. Dort in des Volkes Gedräng’ und erschütternder Nähe des Königs Sank die täuschende Nacht von ihren geblendeten Augen: Denn sie sah’n jetzt hell; doch furchtbar dünkte die Helle. „Tödtet sie alle!“ so stürmte das Volk, und der König begann so: „Sey nun Mord die Losung, Prophet?“ Da sagt’ ihm Elisa: „Denke zurück’: auch sonst hast du gefangene Krieger Heimgeführt -- erwürgtest du sie? Schnell reiche den armen Speis’ und Trank, und laß sie heim zu den Ihrigen kehren!“ Also geschah’s: denn trefflichbewirthet entließ sie der König. Doch sie kehrten, Elisa preisend, zurück’ in das Lager! Und nicht strebt’ ihm Syriens Fürst dann mehr nach dem Leben.

Aber er kam mit unendlicher Macht, Samaria zu stürmen. Schauend den tapferen Widerstand, umzog er die Mauern Rings mit lagerndem Volk, Streitwägen, und trennenden Gräben, Daß von innen die Noth verschlänge die Menge des Volkes. Bald gebar die Belagerung dort entsetzlichen Jammer: Zahllos lagen im Staub verhungerte Thier’ und auch Menschen. Wilde Verzweiflung weckte die Qual, daß unmenschliche Mütter Gegen ihr eigenes Fleisch frech wütheten. Solches gewahrend, Jammerte Joram laut; zerriß an der Brust sich die Kleider Mitten im Volk’, und schrie: „Wer hat uns getäuscht: Samaria Würde trotzen dem Feind’, und Jehova schützen die Mauern? Thorheit war die Hoffnung auf ihn, das Streiten vergebens, Schrecklich die Strafe der Schuld; doch soll, vor allen Elisa, Er, der falsche Prophet, mit dem Haupt die Lüge mir büßen. Aber ihm trat Elisa, beherzt, entgegen, und sagte: „Hört, was Jehova, der Herr, euch kündet! Am kommenden Morgen Soll Samaria der Gerst’ und des Weizens so wenig ermangeln, Daß ihr die Speicher gesammt euch füllt um weniges Silber.“ Und ein Führer des Heer’s, auf dessen Rechte der König Stützte die Linke, der Würde gemäß, rief zweifelnden Herzens: „Ließe Jehova die Frucht vom Himmel herab, wie den Regen, Strömen, dennoch geschähe das nicht.“ „Du wirst es wohl sehen,“ Sprach Elisa, „doch werden nur dich nicht die Früchte mehr laben.“ Welch ein Wunder erfüllte das Wort des erhabnen Propheten? Siehe, die Kriegsheerschar der Himmlischen, die zu erblicken, Samma von Gott gewürdiget ward, stieg, waffengerüstet, Von den Höhen herab, und zog, im sinkenden Nachtgrau’n, Wider das syrische Heer! In der Fern’ ein Schlachtengetümmel, Nah’, ein Brausen der Luft, und ein Blitzen umher in dem Dunkel, Sträubte jeglichen Kriegers Haar auf dem Haupt, wie des Igels Stachel, empor; doch jetzt, als jene die flammenden Waffen Schüttelten, tönt’ es, zugleich vom Süden und Norden auf einmal Näher, wie Pferdegetrab und Gedröne der eisernen Achsen. Laut aufschrie’n die Syrer, und floh’n. Sie ließen ihr Alles, Aufgehäuft zum Genuß’, in dem weitumkreisenden Lager. Wähnend: im furchtbaren Bund mit Aegypten und Kanaans Völkern Komme Israels König heran, jetzt Rache zu üben, Floh’n sie eilig davon, und tief verstummte das Lager. Welch’ unglaubliche Schau! Es traten am dämmernden Morgen Männer zum König’ ein, und verkündeten, was da geschehen. Doch als Jedes erforscht, und erwiesen die schreckliche Flucht war, Siehe, da drängte das Volk sich hinaus, nach dem feindlichen Lager, Dorther Silber und Gold, und die Früchte gehäuft in den Zelten, Heimzubringen zur Stadt -- zu erfreuen das Herz am Genusse Langentbehreten Brot’s, und am Glanz des erbeuteten Reichthums! Aber es fiel der Feldherr jetzt im Gedränge des Volkes Unter dem dunkeln Thor’: er wurde zertreten, und starb dort. Sah’s, und labte sich nicht an der Frucht, nach den Worten Elisa’s.

Jahre entfloh’n. Durch ihn gesalbt zum Könige, tilgte Jehu Achabs verfluchtes Geschlecht aus der Mitte des Volkes; Hieß vom Fenster herab die Jesabel stürzen, im Zwinger Jesreels, wo an der Wand, von des Rosses zermalmenden Hufen, Klebt’ ihr Blut, und die gierigen Hunde dem Grab sie entrissen: Also verkündete dort Jehova’s Gerichte Helias.

Aber es lag Elisa, der Greis (er zählete nun schon Hundert der Jahr’) auf dem Bett’ in vollendender Todesermattung. Joas, Israels König trat in die dunkele Kammer; Sah den sterbenden Greis, und beugte sich über ihn, weinend; Preßt’ auf den eisigen Mund und die thauende Stirn’ ihm die Lippen; Hob die sonst gewaltige Recht’, erstarrt in dem Tod jetzt, Jammernden Laut’s an die Brust, und rief mit gebrochener Stimme: „Vater, du scheidest von uns, der du bewährt, wie Helias, Israels Wagen und reisiges Volk, sein erlesenstes Kriegsheer Aufwogst, mächtig und stark, von Jehova durch Zeichen verherrlicht? Wehe, du scheidest von uns, da Israel unter des Syrers Eisernem Joche gebeugt, umsonst nach Rettung umherschaut, Und die Hülf’ uns schwindet im Grau’n des nahen Verderbens!“ Jetzt erhob sich der Greis mit kehrender Kraft, auf dem Lager; Flammen sprühte sein Aug’: er sah dem weinenden König In das Gesicht, und sprach: „Du weinest, und jammerst nach Rettung Wider Israels Feind’? Auf Jehova vertraue vor allem. Nimm jetzt Bogen und Pfeile zur Hand:[7] als Zeichen der Zukunft!“ Joas machte sich auf, und ergriff die Pfeil’ und den Bogen. „Spanne den Bogen,“ so rief der Greis. Er spannte den Bogen. Jener bethete still; dann legt’ er die Hand auf die Scheitel Joas, des Königs, und sprach: „Jetzt öffne das Fenster g’en Morgen; Schieße den Pfeil in die Luft!“ Er schoß, und Elisa begann so: „Siehe den Siegespfeil, im Vertrau’n auf Jehova gesendet! Recht nach Kriegesgebrauch, ge’n Syriens Gränzen in Osten, Hast du geschnellt das Geschoß, zum Zeichen des muthigen Angriff’s. Bald erschallet die Kriegsdromet’, und unzählige Gegner Werden bei Aphek[8] dir unferne Damaskus, erliegen. Aber ich frage dich noch, hast du Vertrau’n auf Jehova? Sage, wie oft erkühnst du dich wohl, die Feinde zu schlagen? Nimm die Pfeile zur Hand, und schlage damit auf den Boden, Mir zum Zeichen!“ Er schlug mit den festgebundenen Pfeilen Dreimal laut auf den Boden, und sah den Propheten vergnügt an. Aber er schüttelte, zürnend, das Haupt, und sagte dem König: „Muthiger wähnt’ ich dich. Nur dreimal hoffst du, zu siegen? Also gescheh’s! Auch fünf- und sechsmal wäre der Sieg dir Worden -- Vernichtung dem Feind’, im Vertrau’n auf die Rechte Jehova’s!“ Sagt’ es; er sank auf das Lager zurück’, und hauchte den Geist aus.

Draußen im Felsengrab[9] lag schon des hohen Propheten Sterbliche Hüll’, ein Jahr, als hin leidtragende Männer Brachten die Bahre des jüngstverstorbenen, redlichen Bürgers Von Samaria. Auch Micha, der gotterleuchtete Seher, Folgte dem Zug. Da stürzten aus Moabs rauhen Gebirgen Räuber heran. Die Trauernden stellten die Bahre mit Vorsicht Nieder, und wälzten den Stein von dem Grab; dann warfen den Todten Sie auf Elisa’s Gebein’, und ergriffen die Flucht vor den Räubern. Sieh’, und kaum berührte die Leich’, in die Höhle geworfen, Dort des Sehers Gebein’, so kehrte die Seele, von neuem, Durch Jehova’s Macht und Huld in die Leiche des Mannes. Glühend erpochte sein Herz, und goß in die starrenden Glieder Leben. Jetzt aufschlug er das Aug’; er blickte zum Himmel, Eilte heraus, und ging, lobpreisend Gott, in die Stadt heim.

Micha stand auf dem Fels; er sah, verkläreten Blickes, Nach der sinkenden Sonne hinab, und rief ihr, entzückt, nach: „Fahre dahin zur Ruh’: am kommenden Morgen erhebst du Wieder dein strahlendes Antlitz, zur Lust der verjüngeten Schöpfung! Also sah ich zuvor aus modernder Leichen Behausung Kommen den Todten, erweckt von Jehova’s allmächtiger Rechten, Uns zum erhebenden Trost’ unsterblichen, ewigen Lebens.“

Preis’t, o Völker, den Herrn! Nach wechselnden Tagen und Nächten Schwebt der schönere Morgen herauf, dem nimmer des Abends Grau’n, nicht Dunkel der Nacht mehr folgt, und hüllt vor den Augen Unsers verkläreten Leib’s die Wohnung des ewigen Glück’s auf, Welch’ uns Er, der Eins mit dem Vater und Heiligen-Geist ist, Liebend bereitet. O, er kommt, nach seiner Verheißung, Wieder, und hebt uns dann, erbarmend, empor zu dem Lichtreich, Wo uns +Unsterblichkeit+ wird in ewiger Wonne des Anschau’ns!

Die Makkabäer[*]

+in drei Gesängen.+

I.

Mathathias.

+Trost.+

Tön’, o Gesang, im lauteren Schlag der Fittige brausend Ueber den Erdkreis hin, den Ruhm des Heldengeschlechtes, Das für Jehova’s Gesetz und die vaterländischen Sitten Eifernd, im Schlachtengefild die frechumwüthenden Gegner Tapfer bekämpft’, und aus dem ein Weib, voll hohen Gemüthes, Sie, der blühenden Söhn’ entsetzlichen Tod in der Folter Muthig ertragend, besiegt’, und so noch der spätesten Nachwelt Weihte der Thaten Gewinn: der Tugend erhebendes Beispiel.

Asia’s König, Antiochos[1] -- er, den niedrige Schmeichler, Feig, den +Erlauchten+ genannt, entboth unzählige Scharen: Auszutilgen das Volk von Israel, das ihm verhaßt war. Sieh’, schon hatt’ er die Stadt Jerusalem, stürmend, erobert; Hingewürgt an dem Tag wohl achtzig tausend’ des Volkes: Jünglinge, Männer, und Greis’ -- auch säugende Mütter, und Jungfrau’n; Tausende fortgeschleppt, und zum Kauf gebothen, dem Thier gleich, Oder zerstreut in den Ländern umher, und in schmählichen Banden Wund gedrückt: auf daß sie entsagten dem Glauben der Väter; D’rauf die ehrwürdigen Mauern der heiligen Stadt mit den Thürmen Niedergeworfen, zur Schmach des Volks, und das Heiligthum selber Frech entweih’t, da er raubte die herrlichen Opfergefäß’ all’, Als: den Altar von Gold, den goldenen Leuchter und Schautisch, Wie auch den heimlichen Tempelschatz, den ihm die Verräther Zeigten für schmählichen Lohn, in den unterirdischen Hallen. Doch, o schreckliche Schau für gottergebne Gemüther! Dort in dem Allerheiligsten, wo Jehova, dem wahren, Und unsichtbaren Gott der Hohe-Priester des Jahres Einmal nahte mit heiliger Scheu, und ihm, bebend vor Ehrfurcht, Fern nachblickte das Volk, da er leis’ aufhüllte den Vorhang: Dort erhöhte das Bild des Zeus, mit Gesängen und Opfern, König Antiochos Ruf, und heischte vom Volk die Verehrung. Götzendienst sollt’ ihm ersetzen den Glauben der Väter, Den auf Sinais Höh’n der Ewige selber ihm kund that. Auch erbaut’ er die Burg auf Zions entweiheten Höhen, Daß die unmenschliche Schar der Söldlinge, waffengewaltig, Zwänge das Volk, des Wüth’richs Ruf zu gehorchen in Demuth. Tausende starben den Tod der Gerechten für Glauben und Freiheit; Tausende bebten dem Tod’ und der Qual, und opferten, treulos Dann dem ererbten Gesetz, vor schändlichen Götzenaltären. Doch jetzt drohte dem bebenden Volk noch größerer Jammer. Immer furchtbarer scholl’s: der rachebrütende König Zieh’ an den Marken des Reichs unzählige Völker zusammen, Und durch Asia rings ertönen die Hämmer der Essen: Schmiedend des Kriegs Werkzeug’ und der Knechtschaft schmähliche Fessel.

Sieh’, auch der Himmel ging seither mit Entsetzlichem schwanger, Trug’s im gährenden Schooß’, und gebar’s dem Volke zum Zeichen Unglückdräuender Zeit! Durch vierzig Nächte des Grauens War in der Luft Getös’ und furchtbares Schlachtengetümmel. Wie das Abendgewölk entschwindet am rosigen Himmel; Wie der Gedanke so schnell -- wie Morgenträume, so flüchtig Schwanden die Luftgestalten dahin im dunkelen Aether. Dann zum erneuerten Kampf herbrausend von Osten und Westen, Stürmten auf feurigen Rossen sie an (der goldenen Rüstung Glanz erhellte die Nacht, wie Mondesschimmer im Vollschein) Schwenkten über den Helm den Speer, und trieben, und drängten Gegeneinander die Ross’ im Gemenge der blitzenden Waffen; Und an dem Grashalm hing in des Morgens kühleren Stunden Dann der Thau, wie Blut in dunkelröthlichen Tropfen. Doch das unzählige Volk von Jerusalem sah zu dem Himmel, Schaudernd, auf: nicht der Waffen gedachte der Krieger; vergessen Stand das Gespann mit dem Pflug’ in den halbgezogenen Furchen -- Jegliche Werkstatt leer. Auf die Straßen hinaus, und die Wälle Strömte das Volk, und stand, und jammerte laut zu Jehova: Möchten doch Israels Heil vorkünden die schrecklichen Zeichen!

Kehrend, als Sieger heim aus Aegypten; sandte der König Drohende Worte des Zorns an die Feldhauptleute der Scharen, Die er gelegt in die heilige Stadt und die Vesten des Landes: „Jetzt und auf immer verbannt aus Israels Landen und Juda’s Sey Jehova’s Dienst -- der Glaub’ und die Sprache der Väter. Ein’ und dasselbe hellenische Volk (so frevelt’ ein Syrer!) Wohne hinfort in dem Reich, das seinem Zepter gehorchet.“ Und mit grimmiger Lust vernahmen die Scharengebiether Jetzo den Ruf. Sie rissen entzwei die heiligen Bücher; Baueten rings im Land’ Altäre den nichtigen Götzen; Schleppten die Jünglinge hin, die Greis’, und die Männer, und Weiber, Daß sie, Jehova zum Trotz, Unreines genößen, und höhnten Moses zugleich, der, väterlich weis’ auf jegliches achtend, Solches dem Volke verboth in den Gluthgefilden des Südens. Wer getreu sich erwies, den würgten die Wüthriche nieder, Mitleidlos, voll höhnenden Grimm’s und entsetzlicher Blutgier. Doch erbebend dem Tod’ und des Henkers zerfleischender Geißel, Folgten Viele dem Ruf’, und die Redlichen jammerten laut auf.

Endlich erhob sich im Volk Mathathias, Sohn des Jochanan, Simeons Enkel, und jetzt der Hohe-Priester Jehova’s: Ein ehrwürdiger Greis. In staunengebiethender Hoheit Trat er im Tempel einher, wenn dort das silberne Haupt ihm Zierte das Horn, die Brust die funkelnden Steine des Ephods Deckten, und ihm das schneeige Kleid zu der Ferse herabfloß. Aber das Volk hieß ihn: den gottgesegneten Vater Fünf erlesener Söhn’, und hieß ihn den Vater der Armen, Wie den mächtigen Schild und das rettende Schwert der Bedrängten. Tief ergrimmt’ er im Geist: der heiligen Stadt und des Volkes Israel Schmach in dem Untergang so nahe gewahrend. Vorn an der Brust zerriß er das Kleid, und sagte den Söhnen: „Weh’, welch’ Jammergeschick! Wer könnt’ es noch länger erdulden? Fremdlinge schalten im Heiligthum, und den verachteten Sclaven Gleich ist das Haus des Herrn; der prächtige Tempel Jehova’s All’ der heil’gen Gefäße beraubt -- sein Schimmer erloschen. Kinder und Greis’, erwürgt, bedecken die Straßen; der Männer Blüth’ ist niedergehau’n, und unrühmlich der Waffen beraubet. Eine Magd ist die heilige Stadt, die Freie, geworden; All’ ihr Schmuck ist dahin: denn Heiden verschlangen ihr Erbtheil, Schnaubend vor Gier, und bedeckten die Reine mit Schmach und Verachtung. Kinder, lasset uns flieh’n! In des Sandmeer’s wüsten Gefilden, Unter den reißenden Thieren des Wald’s ist bessere Herberg, Als im verpesteten Hauch der mordbesudelten Hauptstadt.“ Alsbald macht’ er sich auf. Nach Modin,[2] der Stadt im Gebirgsthal Zog mit den Söhnen er fort: fünf Heldenjünglingen, glühend Für unsterblichen Ruhm in Israels Rettung, und barg sich, Nächtlich, im einsamen Haus’. Doch siehe, gesendet auch dorthin Kam die frevelgebiethende Schar; erhöhte des Götzen Steingebild’, und rief zu dem Opfer die bangen Bewohner! Auch Mathathias entboth Apelles, der Scharen Gebiether, Nun zu dem schmählichen Götzendienst’, und sprach vor dem Volk so: „Komm’, ehrwürdiger Greis, und nahe den mächtigen Göttern, Huldigend; streu’ Weihrauch auf die Gluth, und opf’re das Böcklein, Hier auf dem Markt, daß dich, den hochgepriesenen Vater, Mitten im Kreise der trefflichen Söhn’, am Altar die Bewohner Modins schau’n, und sie zum Gehorsam lenke dein Beispiel. Schon gehorchte das Volk zu Jerusalem. Folgst du des Königs Freundlichem Ruf, so soll dir Gold und Silber die Fülle Werden: als Günstling stehst du am Thron mit deinen Erzeugten.“ Doch Mathathias erhob mit erschütternder Würde die Stimme: „Soll ganz Israel nun, Antiochos Winken gehorchend, Feig’ abfallen im Land von Jehova’s Gesetz’ und den Götzen Huldigen, wie dem lebendigen Gott, so will ich, sein Diener, Hier mit den Söhnen vereint und den Brüdern, fest an den Glauben Meiner Väter mich halten, und steh’n, und fallen mit ihnen, Wie’s Jehova gefällt, dem wahren und einigen Gotte.“

Als er die Worte gesagt, da trat ein niedriger Wüstling, Ischahar, vor (verachtet im Volk’, und vom Bunde der Väter Ausgeschlossen schon lang’ ob fluchbeladener Thaten), Streute den Weihrauch kühn, und rief: „Ich entsage Jehova, Hier vor Zeus Altar, des Königes Stimme gehorchend, Und verehre hinfort die unsterblichen, ewigen Götter.“ Als geschehen die That, und gesprochen das frevelnde Wort war, Sprang Mathathias hervor aus dem Kreis’. Ihm bebten die Glieder: Denn unduldbarer Schmerz erfüllte die heilige Brust ihm. Für Jehova’s Gesetz entflammt, entriß er dem Krieger Jetzt das blinkende Schwert; dann stürzt’ er schnell zum Altar hin; Würgte den Frevler dort, und mit ihm Apelles, den Hauptmann, Der, ihn zu tödten, bereit, lautschreiend, und fluchend herankam; Warf den Götzenaltar in den Staub, und sprach zu den Seinen: „Kommt, und folget mir nach! Erfüllt ist der schreckliche Zeitraum, Wo wir, ausgeschlossen vom Kreis’ des geselligen Lebens, Nur in den Wüsten umher, in den Wäldern und felsigen Höhlen, Oder im Schlachtengefild’ uns retten vor sündiger Knechtschaft. Wer den heiligen Bund, das Gesetz Jehova’s, zu schirmen, Glüht, der folge mir nach. Wir leben, und sterben in Freiheit!“ Laut umjauchzte das Volk den Eifernden. Aber er eilte Jetzt mit den Söhnen hinauf in die waldumhüllete Felsschlucht. Tausende folgten ihm nach: verschmähend die Güter des Lebens Ob Jehova’s heiligem Dienst. Am liebenden Busen Trug die Mutter das Kind. Umringt von munteren Kleinen, Floh der Vater, und, frommgesinnt, erhob auf die Schulter Mancher den wankenden Greis, und eilete fort nach den Höhen, Von den Henkern entfernt, in dunkeler Höhle zu wohnen.

Bald erscholl der Ruf zu Jerusalem: „Wie Mathathias Eiferte für Jehova’s Ruhm, wie er würgte den Hauptmann, Und empörte das Volk im frechumwüthenden Unsinn.“ Mächtige Scharen, gesandt von Zions entweiheten Höhen, Wo die Heiden die Burg erbaueten, eisern zu schalten Ueber Israels Land, annahten mit eiligen Schritten, Lechzend nach Rach’ im Blut des gottergebenen Volkes. Wie im dunkelen Forst die wildauftreibenden Spürer Wenden die Schritte nun links, nun rechts, und gierig umherschau’n: Also erforschten auch sie die Spur der flüchtigen Scharen. Siehe, da wies ein Weib, Jehova verläugnend, dem Hauptmann Oben im Felsenthal die jüngstbevölkerten Höhlen; Warnt’, und sprach: „Nicht heut -- nein, morgen greife den Feind an: Denn der Sabbath naht, und Israel ruht an demselben.“ Also geschah’s. Fern war Mathathias mit seinen Erzeugten: Rings um Modin versammelnd ein Heer, und wehrlos das Volk hier: Denn still feiert’ es nun des Sabbaths heiligen Festtag. Aber der Hauptmann sandte zuvor nach den Höhen den Herold, Der, lautrufend, begann: „Hervor aus den Höhlen, Empörer! Opfert den Göttern frei: ihr erlangt dann Huld und Vergebung!“ Aber da sprach einmüthig das Volk: „Wir folgen dem Ruf nicht; Nur Jehova ist Gott, nicht ehren wir nichtige Götter! Lechzt ihr also nach unserem Blut? Wir sinken in Unschuld Hier in das Grab. Weh’ euch: denn Himmel und Erde sind Zeugen, Wie ihr ermordet ein Volk, weil solches Jehova getreu blieb!“ D’rauf erhob sich ein Kampf, unwürdig des Tapfern. Die Heiden Würgten mit steigender Wuth die wehrlossinkenden Männer, Weiber, Kinder, und Greis’, an der Zahl drei tausend dem Götzen. Auch erschlugen sie all’ das Vieh, und verbrannten die Leichen.

Glühender Schmerz durchzuckte die Brust Mathathias, des Helden, Als er die Kunde vernahm von dem frechermordeten Volk dort. Weinend saß er im Staub’, und fleht’ um Rettung zu Gott auf; Dann berief er die Seinen zum Rath’, und sagte mit Nachdruck: „Gebt mir willig Gehör! Wenn wir im Feiern des Sabbaths Wehrlos fallen dem würgenden Feind’, so schwinden wir alle Bald von der Erde hinweg; d’rum laßt uns muthig die Waffen Biethen dem Listigen, so er an ihm uns wieder bekämpfte. Nichts sey uns wichtiger mehr, als daß wir von wüthenden Feinden Retten das Vaterland, und kämpfen für Gott und die Freiheit!“ All’ aufjauchzten dem Wort’. Alsbald zum Kampfe gerüstet, Kam der gewaltige Greis von den waldumschatteten Berghöhn Mit erlesenem Volk’ in die Eb’ne herab, und bekämpfte, Siegend, des Feindes Macht. Er wüthete gegen die Frevler, Die, verläugnend Jehova’s Gesetz, zu den Heiden sich wandten; Warf die Altär’ und Tempel in Staub mit den Götzengebilden; Baute des Weltalls Gott, Jehova, den heiligen Altar Rings in den Städten umher, die er, stürmend, aus feindlicher Obmacht Rettet’, und rächte das Vaterland: denn Israels Völker Athmeten frei, und auf Zions Höh’n erbebten die Gegner.