Papierprüfung: Eine Anleitung zum Untersuchen von Papier
Part 3
Um ein Papier mit diesem Apparate zu prüfen, hebt man zunächst die Sperrklinken auf, versetzt die Feder in Schwingungen und schiebt dann den Schleppzeiger behutsam an den Hebel heran; man sieht nun zu, ob die Nullmarke des Zeigers mit der des Maßstabes übereinstimmt; ist dies nicht der Fall, so verschiebt man letzteren so lange, bis die Marken sich decken. Man stellt jetzt die Feder vermittelst der Schraube _t_ fest und verschiebt den Schlitten _c_, bis die beiden Nullmarken des Dehnungsmaßstabes und des Schlittens übereinstimmen. Jetzt nimmt man einen Streifen von dem zu untersuchenden Papier in den früher für die Normalstreifen angegebenen Größenverhältnissen, klemmt denselben ein, löst die Schraube _t_, legt die Sperrklinken ein und kann jetzt mit der Untersuchung beginnen, indem man das Rad in möglichst gleichmäßige und langsame Umdrehungen versetzt.
Nach dem Zerreißen des Streifens liest man Belastung sowie Dehnung ab, entlastet dann die Feder, indem man den Wagen mit der Hand festhält, die Sperrklinken auslöst und nun den Wagen mit der Feder langsam zurückgleiten läßt.
Um eine andere Feder einzusetzen, nimmt man den Wagen, drückt die Feder etwas zusammen, dreht sie um 90° und zieht den Wagen mit der Zahnstange heraus.
In der Versuchsanstalt werden vier dieser +Wendler+schen Apparate elektrisch angetrieben; auf diese Weise wird ein sehr gleichmäßiger Gang erzielt.
Die von +Martens+ entworfene Ausrückvorrichtung[13] setzt die Apparate im Augenblick des Streifenbruches außer Tätigkeit.
Fig. 12 zeigt den Apparat nach dem Bruch eines Streifens.
[11] Bezugsquelle +H. Bollmann+, Berlin S, Hasenhaide 63.
[12] Bei den Apparaten der Versuchsanstalt sind die Schraubenklemmen durch die besser wirkenden Exzenterklemmen mit ebenen Backen ersetzt worden (vergl. Fig. 7). Die jetzt in den Handel kommenden +Wendler+schen Prüfer werden auf Wunsch ebenfalls mit diesen Klemmen versehen.
[13] Beschrieben und abgebildet im Sonderheft III der Mitt. a. d. t. Versuchsanstalten 1887.
Festigkeitsprüfer nach Hartig-Reusch.
Unter Hinweis auf Fig. 13-14 sei hier das zum Verständnis des Apparates Nötige gesagt.
Der zu untersuchende Streifen wird durch die Klemmen _a_ und _b_ festgelegt, deren wellenförmig eingeschnittene Backen das Herausziehen des Streifens während des Versuchs verhindern sollen. Die eine der Klemmen _b_ ist mit der Vorrichtung der Kraftübertragung verbunden, während die andere sich an einem beweglichen Bock _A_ befindet, der an jeder Stelle durch eine Schraube fest mit dem Grundbett verbunden werden kann. Der Bock trägt ferner eine mit einer Marke versehene Messingscheibe, welche auf einer im Bett eingelegten Meterteilung in jeder Stellung die Entfernung der Vorderkanten der beiden Klemmen _a_ und _b_ voneinander angibt.
Die zweite Klemme _b_ ist durch den Wagen _B_ mit der Schraubenfeder _F_, welche zum Zerreißen des Probestreifens dient, verbunden. _F_ muß sich also beim Versuch soweit elastisch ausdehnen, als dem Widerstande, welchen der Papierstreifen dem Zerreißen entgegensetzt, entspricht. Gleichzeitig folgt jedoch der Wagen dem Zuge der Feder um soviel, als das Papier sich bis zum Bruche dehnt. Diese beiden Bewegungen, die Ausdehnung der Feder und die Verschiebung des Wagens, werden auf den Zeichenstift _G_ übertragen, welcher die Versuchslinien auf dem hierfür angebrachten Papier verzeichnet.
Die senkrechten Ordinaten entsprechen den Federausdehnungen und somit den zum Zerreißen erforderlich gewesenen Zugkräften und die wagerechten Ordinaten den diesen Zugkräften entsprechenden Dehnungen der Probestreifen.
Die Tafel (Fig. 14), welche das Papier für die Schaulinien trägt, läßt sich wagerecht verschieben, so daß es auf diese Weise möglich ist, mehrere Kurven nebeneinander zu zeichnen.
Zu jedem Apparat gehören 3 verschiedene Federn, je eine von 4, 9 und 18 kg Zugkraft; zu jeder derselben gehört ein Maßstab, welcher bei jeder Ausdehnung der Feder die hierfür aufzuwendende Kraft in kg angibt. Man halte bei allen Versuchen den Grundsatz fest, die schwächste Feder anzuwenden und nicht etwa ein Papier mit der 18 kg Feder zu prüfen, welches schon bei einer Belastung von 7 kg zerreißt, denn je stärker die Feder ist, um so größer sind die Ablesungsfehler am Maßstab. Es kann sogar vorkommen, daß man bei Prüfung +einer+ Papiersorte mit Vorteil zwei verschiedene Federn anwendet, wenn zum Zerreißen der Querrichtung eine schwächere Feder genügt als für die Maschinenrichtung.
Nachdem so kurz das Wichtigste über den Bau des Apparates auseinandergesetzt ist, mag zur Beschreibung der Ausführung des Versuchs selbst übergegangen werden.
Der Bock _A_ wird so festgelegt, daß die vorhin erwähnte Marke mit dem Teilstrich 0,18 m der Meterteilung zusammenfällt; der Wagen _B_ wird durch einen Stift _O_ festgehalten. Der Streifen wird so zwischen die Klemmen _a_ und _b_ gelegt, daß er keine Durchbiegung zeigt, und nun werden die Schrauben mit Hilfe des hierfür gefertigten Schlüssels schwach angezogen. Man löst alsdann den Bock _A_ wieder, verschiebt ihn ein wenig in der Richtung nach _B_ zu und zieht die Klemmschrauben fest an; würde man das stärkere Anziehen bei straff gespanntem Streifen vornehmen, so liefe man Gefahr, ihn einzureißen.
Man bringt nunmehr den Zeichenstift _G_ aus seiner Ruhelage, so daß er sich gegen das auf der Schreibtafel aufgespannte Papier legt, und zieht die Feder an; dadurch wird auf dem Papier die senkrechte Nulllinie aufgezeichnet, die für die spätere Auszeichnung der einzelnen Schaulinien von Wichtigkeit ist. Eine wagerechte Nulllinie zu zeichnen, ist nicht ratsam, da der Stift nicht in allen Stellungen des Wagens _B_ sich in gleicher Höhe befindet. Aus diesem Grunde muß man darauf achten, daß sich der Streifen bei Beginn eines jeden Versuchs nicht in gespanntem Zustand befindet, damit der Zeichenstift erst eine kurze Strecke horizontal vorgehen kann, ehe er durch die Spannung der Feder nach unten getrieben wird. So befindet sich an jedem einzelnen Diagramm die für die Bestimmung nötige horizontale Nulllinie.
Nachdem man den Bock _A_ nun ungefähr auf eine Entfernung von 0,17 m festgeschraubt hat, so daß der Streifen schlaff zwischen den Klemmen hängt, entfernt man den Stift _O_, legt die Sperrhaken ein, welche beim Bruch des Streifens das Zusammenschnellen der Feder verhindern, und schließt die Schraubenmutter _E_, welche mit dem Handrad _D_ verbunden ist. Durch langsames und gleichmäßiges Drehen des Rades, bei welchem man jede Unterbrechung und jedes stoßweise Vorgehen sorgfältig zu vermeiden hat, wird nunmehr der Apparat in Tätigkeit gesetzt. Je langsamer und gleichmäßiger die Versuche ausgeführt werden, um so besser werden die einzelnen Resultate untereinander übereinstimmen.
Ist die Spannung der Feder so groß geworden, daß sie gleich dem Widerstand ist, welchen der Papierstreifen leistet, so zerreißt der letztere, und der Versuch ist als beendigt anzusehen; der Stift wird vom Diagramm abgehoben, die Schraubenmutter _E_ geöffnet, der Wagen verschoben, bis der Stift _O_ eingesetzt werden kann und dann die Feder ausgelöst.
Der Streifen wird darauf unmittelbar an den Klemmen abgerissen und der Apparat kann nun zum Zerreißen des zweiten Streifens benutzt werden. Erfolgt der Bruch des Streifens nicht mindestens 1 cm von der Einspannvorrichtung entfernt, so ist es geraten, den Versuch als ungiltig zu betrachten, weil die Vermutung nahe liegt, daß der Streifen schief eingespannt war.
Sind auf oben angegebene Weise aus der Maschinenrichtung und Querrichtung je 5 Streifen zerrissen worden, so wird deren Gewicht, jede Richtung für sich, bestimmt, und es kann nunmehr an die Auszeichnung und Ausmessung des Schaubildes gegangen werden.
Fig. 15 zeigt 10 Schaulinien, wie sie bei Prüfung eines Konzeptpapiers erhalten wurden. Die Querrichtung konnte mit Hilfe der 4 kg Feder zerrissen werden, während für die Maschinenrichtung die nächst stärkere Feder angewendet werden mußte. Bei der Ausmessung ist zu empfehlen, die Anfangs- und Endpunkte _a_ und _e_ durch feine Nadelstiche hervorzuheben und dann erst die Anfangspunkte horizontal und die Endpunkte vertikal zu projizieren. Die Entfernung vom Schnittpunkt dieser beiden Linien bis zum Punkt _a_ gibt die Dehnung des Streifens an, die Entfernung desselben Punktes vom Punkte _e_ die Ausdehnung der Feder und somit das Maß für die zum Zerreißen des Streifens notwendig gewesene Kraft. Beide Längen werden mit den für sie bestimmten Maßstäben ausgemessen, wobei es genügt, wenn die Bruchdehnung auf eine und die Bruchbelastung auf zwei Dezimalstellen bestimmt wird.
Die Ergebnisse, die der Apparat liefert, sind bei richtiger und gewissenhafter Handhabung recht zuverlässig.
Von Wert ist, daß das Schaubild als Versuchsurkunde aufbewahrt und jederzeit zur Kontrolle der Prüfung herangezogen werden kann.
Anders liegen die Verhältnisse, wenn man den Apparat vom Standpunkte des Praktikers aus beurteilt; für diesen, dem es darauf ankommt, möglichst schnell über die Festigkeit eines Papiers Aufschluß zu erhalten, ist das Auszeichnen und Ausmessen der Schaulinie eine zeitraubende Arbeit; deshalb ist der Apparat für die Praxis weniger geeignet als die vorstehend beschriebenen, die direkte Ablesung von Bruchbelastung und Bruchdehnung gestatten.
Leuners Festigkeitsprüfer.
Der +Hartig-Reusch+sche Apparat wird in der oben beschriebenen Ausführung nicht mehr angefertigt.[14] Der Erbauer, Mechaniker +Leuner+ in Dresden, hat ihm, unter Beibehaltung des Grundgedankens, eine etwas andere Gestalt gegeben (Fig. 16). Der wesentlichste Unterschied gegenüber dem alten Apparat liegt in der Änderung der Schreibvorrichtung und in dem kräftigeren Ausbau der einzelnen Teile.
Die Vorrichtung zum Aufzeichnen der Bruchlast und Dehnung besteht aus dem Zeichenstift _C_ und der Zeichenwalze _B_. Letztere ist auf die Zugstange des Wagens _A_ drehbar aufgesteckt und durch zwei Kegelräder und Stahlbändchen mit dem Gestell derart verbunden, daß jede Verschiebung des Wagens _A_ eine Drehung der Zeichenwalze _B_ herbeiführt.
Zum Antrieb dient ein im Gestell gelagertes Handrad, welches beim Drehen unter Vermittelung einer Schraube eine Schraubenfeder spannt. Die Federspannung wird durch die Achse der Zeichenwalze _B_ auf den Wagen _A_ und somit auf den eingespannten Probestreifen übertragen. Der Zeichenstift _C_ wird dabei, der Federspannung entsprechend, in der Richtung der Achse der Zeichenwalze verschoben; gleichzeitig folgt der Wagen _A_ dem Zuge der Feder um soviel, als der Probestreifen sich bis zum Bruche dehnt. Diese Verschiebung des Wagens _A_ hat eine Drehung der Zeichenwalze _B_ zur Folge, so daß eine Kurve aufgezeichnet wird, deren Ordinate der Festigkeit und deren Abscisse der Dehnung des Probestreifens entspricht.
Die Zeichenwalze _B_ ist verstellbar eingerichtet, so daß es möglich ist, mehrere Schaulinien nebeneinander zu zeichnen.
Nach dem Bruch des Probestreifens hindern zwei Sperrklinken das Zurückschnellen der Feder. Bei geringer Spannung kann die Auslösung der Feder mit der Hand geschehen, indem man den Wagen _A_ soweit nach rechts zieht, daß die Sperrklinken aufgehoben und nach links umgelegt werden können; hierauf läßt man den Wagen nach links gleiten, bis die Feder in ihre Ruhelage gekommen ist. Bei größerer Spannung dagegen muß die Auslösung mit Hilfe der Schraubenmutter und des Handrades vollführt werden. Der Wagen wird mittels der angebrachten Haken mit dem Gestell verbunden, dann werden die Sperrklinken nach dem Drehen des Handrades nach links gelegt, und die Feder wird durch Rückwärtsdrehen des Handrades in ihre Ruhelage gebracht.
Das Ausmessen der gezeichneten Linien geschieht in folgender Weise. Auf einer Glasplatte (Fig. 17) befinden sich zwei parallele Linien _d_ und _e_ und eine hierzu senkrechte _oc_; der Kraftmaßstab ist entlang dieser Senkrechten und der Dehnungsmaßstab entlang der unteren Linie _e_ angebracht; beide Maßstäbe haben den Nullpunkt gemeinschaftlich bei _o_. Man legt die Glasplatte mit der geteilten Seite derart auf die Schaulinien, daß sich die Abscisse _AA_{1}_ (Nulllinie) zwischen den Linien _de_ befindet. Nunmehr bringt man ein Lineal _F_ an die untere Kante dieser Glasplatte, hält das Lineal fest und verschiebt die Platte an letzterem soweit, bis die Senkrechte _oc_ die Bruchstelle bei _B_ schneidet. In dieser Stellung der Glasplatte liest man die Bruchlast bei _B_ und die Dehnung am Prozentmaßstab ab. Da alle Schaulinien eine gemeinschaftliche Nulllinie haben, so kann man die Glasplatte, indem man sie ohne weiteres dem Lineal entlang verschiebt, über jede einzelne Schaulinie bringen und die Werte ablesen. (Die Teilungen sind auf der unteren, dem Papier zugekehrten Seite der Glasplatte eingraviert, man liest deshalb die Werte ohne parallaktischen Fehler ab.)
Jedem Prüfer werden zwei Schraubenfedern von 10 und 20 kg höchster Kraftleistung beigegeben.
[14] Er wurde indessen eingehend beschrieben, weil er wohl noch an manchen Stellen, namentlich zur Ausführung wissenschaftlicher Prüfungen, in Gebrauch ist; ferner hat er geschichtliche Bedeutung, denn +Hartig+ und +Hoyer+ haben ihn bei ihren grundlegenden Arbeiten über die Einteilung der Papiere nach Reißlänge und Dehnung benützt.
Berechnung der Reisslänge.
Während die beim Zerreißen von Papier gefundene Bruchdehnung unmittelbar zur Beurteilung herangezogen werden kann, ist dies bei der Bruchlast ausgeschlossen, da sie mit der Breite und Dicke des Probestreifens wechselt. Eine Verteilung der Bruchlast auf den Querschnitt würde mit großen Fehlern behaftet sein.
Man hat deshalb, um von dem Einfluß der Breite und Dicke des Streifens unabhängig zu werden, nach +Hartigs+ Vorschlag den von +Reuleaux+ geschaffenen Begriff der +Reißlänge+ eingeführt. Man versteht unter Reißlänge diejenige Länge eines Papierstreifens von beliebiger (aber gleichbleibender) Breite und Dicke, bei welcher er, an einem Ende aufgehängt gedacht, infolge seines eigenen Gewichtes am Aufhängepunkt abreißen würde. Diese Länge kann aus der ermittelten Bruchlast abgeleitet werden. Ist z. B. _G_ das Gewicht eines 0,18 m langen Streifens in g, welcher bei einer Belastung von _K_ kg zerreißt, so muß berechnet werden, wie lang der Streifen sein muß, um _K_ kg schwer zu sein; d. h. wenn man diese gesuchte Länge mit _x_ bezeichnet:
0,18 _x_ 0,18 ------ = ---- oder _x_ = ------ · _K_. _G_ _K_ _G_
Die schließliche Angabe der Reißlänge erfolgt dann meist in m, während die Berechnung der kleineren Zahlen wegen in km erfolgt.
Aus dieser +Hartig+schen Formel ist ohne weiteres ersichtlich, daß die Breite des Streifens keinen Einfluß auf die Reißlänge ausüben kann; bei Verdoppelung der Breite würde z. B. zwar eine Verdoppelung von _K_ eintreten, aber auch gleichzeitig eine solche von _G_, so daß das Verhältnis wieder dasselbe wäre.
Die +Hoyer+sche Formel zur Berechnung der Reißlänge lautet:
R = (_p_ / _g b_) 1000 m.
(_R_ = Reißlänge in Metern, _p_ = Bruchlast in Grammen, _b_ = Breite des zerrissenen Streifens in Millimetern, _g_ = Gewicht eines Quadratmeters des untersuchten Papiers). Diese Formel zu benützen, wird sich besonders in Fabriken empfehlen, da hier das Quadratmetergewicht bekannt ist; man kann dann das Auswiegen der Streifen sparen.
Der weiteren Besprechung über die Berechnung der Reißlänge mögen die bei Prüfung eines Normalpapiers 3a ermittelten Werte zu Grunde gelegt werden.
+Versuchs-Ergebnisse.+
=================================================================== Maschinenrichtung ---------+--------------------------------------------------------- | | | Gewicht der | | | fünf Streifen | | +-------------+----------- Streifen | Bruchbelastung | Bruchdehnung | lufttrocken | bei 100° C aus dem | | | | getrocknet Bogen | | | | | | | | Nr. | kg | % | g | g =========+================+==============+=============+=========== 1 | 7,46 | 2,4 | | 2 | 6,84 | 2,3 | | 3 | 7,38 | 2,4 | | 4 | 6,49 | 2,4 | | 5 | 6,31 | 2,5 | | ---------+----------------+--------------+-------------+----------- Summe | 34,48 | 12,0 | 1,220 | 1,128 ---------+----------------+--------------+-------------+----------- Mittel | 6,90 | 2,4 | | 0,226
=================================================================== Querrichtung ---------+----------------+--------------+------------------------- | | | Gewicht der | | | fünf Streifen | | +-------------+----------- Streifen | Bruchbelastung | Bruchdehnung | lufttrocken | bei 100° C aus dem | | | | getrocknet Bogen | | | | | | | | Nr. | kg | % | g | g =========+================+==============+=============+=========== 1 | 3,85 | 5,4 | | 2 | 3,80 | 5,3 | | 3 | 4,04 | 4,5 | | 4 | 4,20 | 5,0 | | 5 | 3,97 | 5,1 | | ---------+----------------+--------------+-------------+----------- Summe | 19,86 | 25,3 | 1,233 | 1,140 ---------+----------------+--------------+-------------+----------- Mittel | 3,97 | 5,1 | | 0,228
Aus dem Unterschied in dem Gewicht der Streifen bei Zimmerwärme und bei 100° C. getrocknet ergibt sich zunächst für das Papier ein mittlerer Feuchtigkeitsgehalt von 7,5%.
Nach der oben angeführten Formel für die Reißlänge ergibt sich ferner für die Maschinenrichtung eine Reißlänge von rund 5,5 km = 5500 m, für die Querrichtung eine solche von 3,15 km = 3150 m, im Mittel also 4325 m.
Als mittlere Bruchdehnung ergibt sich ohne weiteres 3,8%.
Auf Grund dieser Mittelwerte[15] würde die Einreihung des Papiers in eine der sechs Festigkeitsklassen erfolgen.
Den Bruch: Länge durch Gewicht des Streifens, mit welchem man, wie oben gezeigt, die durch den Versuch gefundene Bruchbelastung multiplizieren muß, um die Reißlänge zu erhalten, nennt man die +Feinheitsnummer+ des Papiers. Da sich diese bei gleicher Länge der Probestreifen für unsere gewöhnlichen Schreib- und Druckpapiere innerhalb gewisser Grenzen bewegt, so ist eine Tabelle aufgestellt worden, welche bei einer Streifenlänge von 0,18 m für die am meisten vorkommenden Gewichte (0,100 bis 0,419 g) die direkte Ablesung der Feinheitsnummer gestattet.
Mit Hilfe der Tabelle vereinfacht sich die Berechnung der Reißlänge bedeutend, indem man nur die unter dem Werte für das mittlere Trockengewicht der geprüften fünf Streifen stehende Zahl mit der mittleren Bruchbelastung in kg und mit 1000 zu multiplizieren hat, um die Reißlänge in Metern zu erhalten.
Auf die Berechnung des Arbeitsmoduls, der den Begriff der Reißlänge und Dehnung in sich vereinigt, indem er den Arbeitsaufwand und zwar in Meterkilogramm darstellt, bezogen auf einen Streifen von 1 m Länge und 1 g Gewicht, soll nicht eingegangen werden, da von der Einreihung des Arbeitsmoduls in die für die Normalpapiere aufgestellten Tabellen Abstand genommen ist.[16] Wer sich eingehender hierüber unterrichten will, findet nähere Angaben in der Originalarbeit von Prof. +Hartig+ in Dresden (Papier-Zeitung 1881).
[15] Die von verschiedenen Seiten aufgestellte Forderung, für die Einteilung der Papiere nicht nur die Mittelwerte vorzuschreiben, sondern auch für das Verhältnis der Querfestigkeit zur Längsfestigkeit Bestimmungen zu treffen, wird man auf die Dauer nicht von der Hand weisen können.
[16] Vergl. a. +Hoyer+, Entstehung und Bedeutung der Papiernormalien. 1888. S. 13.
Rehses Papierprüfer.[17]
Dieser Papierprüfer unterscheidet sich von den bisher besprochenen zunächst dadurch, daß beim Prüfen nicht +Streifen+, sondern +Blättchen+ von Papier zur Verwendung kommen. Die Kraft wird bei diesem Apparat durch eine Feder ausgeübt, welche auf einen Stempel drückt, der das fest gespannte Papier durchlochen soll (Fig. 18).
In einer Hülse _a_, auf welcher eine Millimeterteilung angebracht ist, befindet sich eine Feder _b_, welche auf der einen Seite auf eine Scheibe _c_ drückt, an welcher ein kleiner Stempel _d_ befestigt ist.
Von der anderen Seite der Scheibe _c_ geht ein Stift _e_ durch das Innere der Feder _b_ und berührt mit seinem Ende den Stift _f_, welcher ebenfalls eine Millimeterteilung trägt und in einer Führung _g_, an welcher ein Nonius angebracht ist, verschoben werden kann. Diese Führung _g_, die als Fortsetzung eine Schraubenspindel _h_ besitzt, welche in die an der Hülse _a_ befestigte Schraubenmutter _i_ hineingeschraubt werden kann, ist an einer Hülse _k_ angebracht; diese Hülse _k_, deren Umfang in 100 Teile geteilt ist, gleitet über Hülse _a_ weg.
Der Handgriff _l_ an der Scheibe _c_, welcher in einen Schlitz vorgeschoben werden kann, dient dazu, den Stempel _d_ während des Einspannens niederzudrücken. Das Einspannen des Papiers erfolgt bei _n_, indem der Deckel _o_, welchen Fig. 18 auch im Durchschnitt darstellt, durch die Schraube _p_ gegen das Ende der Hülse _a_ gedrückt wird, und zwar paßt eine Erhöhung des Deckels _o_ in eine Vertiefung der Hülsenwand, so daß das Papier ganz gleichmäßig eingespannt wird. Die Prüfung geschieht in folgender Weise.
Nachdem das Papier, welches man am besten in Blättchen von 3 qcm schneidet, bei _n_ eingespannt ist und beide Millimeterteilungen auf Null eingestellt sind, wird durch Hülse _k_ die Schraubenspindel _h_ vorwärts geschraubt, wodurch auf die Feder _b_ ein Druck ausgeübt wird. Um diesen Druck gleichmäßig auf die Feder _b_ zu verteilen, ist zwischen der Feder und der Schraubenspindel ein loses dünnes Scheibchen _q_ angebracht, welches im Mittelpunkt durchlocht ist und welchem der Stift _e_ als Führung dient. Der Druck der Feder überträgt sich nun auf die mit dem Stempel _d_ versehene Scheibe _c_, und der Stempel dehnt das Papier, bis die Federspannung der Kraft, welche zum Durchlochen des Papiers erforderlich ist, entspricht. Der Stift _f_ wird von der Führung _g_ mitgenommen; er ist an der Drehung in der Hülse durch die Nute und Feder _r_ verhindert und gibt, da er mit _e_ in steter Berührung bleibt, in seiner Verschiebung gegen _g_ die Bruchbelastung an, während die Ablesung an der Hülse _a_ die Summe von Bruchbelastung und Dehnung anzeigt.
Zieht man also von der an der Hülse _a_ abgelesenen Größe die an dem Stift _g_ abgelesene ab, so ergibt sich eine Größe, welche der Durchbiegung des Papiers entspricht.
Im Papierlager zur schnellen Vergleichung verschiedener Papiersorten kann dieser kleine Apparat vielleicht oft mit Vorteil verwendet werden. Zur Ermittelung von Reißlänge und Dehnung ist er nicht geeignet.