Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden
Part 1
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Neugesammelte Volkssagen
aus dem Lande Baden
und den
angrenzenden Gegenden.
Von
Bernhard Baader.
Zugleich als Nachtrag zu des Verfassers Werke: Volkssagen aus dem Lande Baden &c.
Karlsruhe.
A. Geßner'sche Buchhandlung.
1859.
Vorbericht.
Zu meinen »Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden« (Karlsruhe 1851) erscheint hier ein Nachtrag. Darin gebe ich mit gewissenhafter Treue wieder Sagen, die ich bis auf eine dem Volksmunde entnommen habe, und füge mehrere im Hauptwerke vorzunehmende Berichtigungen bei. Gerne hätte ich einen förmlichen zweiten Theil geliefert, aber bei meinem vorgerückten Alter war ich dazu außer Stande, und ich überlasse nun rüstigeren Kräften, aus unserem sagenreichen Lande weitere Schätze zu Tage zu fördern.
Karlsruhe, den 15. September 1858.
_Bernhard Baader._
Inhaltsverzeichniß.
Seite
1. Die Eisschreiber 1
2. Poppele beschenkt Arme 1
3. Kirschen in Geld verwandelt 2
4. Teufelsritze 3
5. Das beschirmte Kruzifix 3
6. Spukgeist bei Ruchenschwand 3
7. Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres 4
8. Mildthätiges Männlein 4
9. Schatz gehoben 5
10. Hostie vor Entheiligung bewahrt 6
11. Die Basler Silberglocke 7
12. Wie der Teufel in einen Mann kommt 7
13. Geist gebannt 7
14. Die Burg Rötteln 9
15. Die Häfnet-Jungfrau 9
16. Erdleute 10
17. Reiter mit Geisfüßen 12
18. Zigeuner 13
19. Zaubermelkerei 14
20. Fronfastenweiber 15
21. Brennende Männer 15
22. Goldtinktur 16
23. Geist unter der Hölzlesbrücke 16
24. Heiligkeit des Sonnabends 16
25. Scherben werden zu Goldstücken 17
26. Sitzenkirch 17
27. Die Sausenburg 17
28. Kraft des Wolfssegens 20
29. Kind von Gold 21
30. Kreuz zu St. Trutbert 22
31. Geld in Asche verwandelt 22
32. Brandkorn wird zu Gelde 22
33. Messen nachgeholt 23
34. Weiße Jungfrau 24
35. Geist nieset 25
36. Der Hunnenfürst mit dem goldenen Kalb 26
37. Geistige Nonne 26
38. Geld sonnt sich 27
39. Geldmännlein 27
40. Todter von Erde und Wasser ausgeworfen 28
41. Todtenvorschau 29
42. Hexe als Hase 29
43. Die Grüninger Kapelle 30
44. Der Schatz im Ambringer Grunde 31
45. Kirchenverhöhnung bestraft 32
46. Die Tafel bei Kirchhofen 32
47. Das Brunnenbecken zu St. Ulrich 33
48. Das Huttenweiblein 34
49. Der heilige Bernhard zu Freiburg 35
50. Pferde schauen zum Speicher hinaus 36
51. St. Martin bei Oberried 37
52. Schützen-Klaus 38
53. Teufel helfen am Bau der Eisenbahn 38
54. Des Schwarzenberger's Bekehrung 38
55. Forelle am Kandelfelsen 39
56. Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's 40
57. Der Ahornbauer 41
58. Der Blindensee will ausbrechen 41
59. Zum todten Hund 42
60. Messen angelobt 42
61. Das Kruzifix zwischen Ettenheim und Altdorf 43
62. Spinne nicht in der Nacht vor Fronfasten 44
63. Mordthat offenbart 45
64. Wunderbarer Hirsch 46
65. Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier 47
66. Das Grabenthier 47
67. Gespenstiges Thier 47
68. Feenweg 48
69. Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach 49
70. Verwunschener Schüler 50
71. Geist erlöst 50
72. Die lange Ell 51
73. Der Teufel kommt um die Beute 51
74. Reden bringt um den Schatz 52
75. Feiertags-Entheiligung bestraft 52
76. Schatz und Spuk auf der Schauenburg 53
77. Teufelsstein 53
78. St. Antonius bei Oberachern 54
79. Hohinrot's Erbauung 55
80. Brigitte 55
81. Wunderquelle 57
82. Vergeltung 57
83. Gotteslästerung bestraft 58
84. Kröten in Geld verwandelt 58
85. Schatz versinkt beim Fluchen 58
86. Bestrafte Sakramentschänder 59
87. Stole schützt vor dem höllischen Feuer 59
88. Mariabild zu Steinbach 61
89. Meisterschuß 62
90. Bund mit dem Teufel 62
91. Geist vertragen 64
92. Lichtenthals Erbauung 65
93. Erdweiblein 66
94. Fordere den Teufel nicht heraus 67
95. Seefrauen 67
96. Forbachs ältestes Haus 69
97. Verwünschung 69
98. Der Wolfsstein 70
99. Knorr 70
100. Der Grafensprung 72
101. Erdweiblein 72
102. Schatz bei Gernsbach 73
103. Der Bildstock am Hördtelstein 74
104. Schätze bei Michelbach 75
105. Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn 76
106. Steine in Geld verwandelt 77
107. Der Rötterer Berg bei Rastatt 77
108. Steinbild in Sulzbach 78
109. Doppelmord wegen eines halben Kreuzers 79
110. Messe nachgeholt 79
111. Burgstadel 80
112. Spielleute beim Hexentanz 82
113. Der Jungfernsprung bei Dahn 83
114. Schatz gehoben 84
115. Die Schlorpengasse 84
116. Laß die Todten ruhen 85
117. Todesvorzeichen 85
118. Schuhwechsel 86
119. Todesvorzeichen 86
120. Der Thurmberg bei Durlach 87
121. Schatz ausgeliefert 89
122. Der Feuerschläger 90
123. Königsbach 90
124. Nachgeholte Wallfahrt 92
125. Geist zu Weingarten 93
126. Marienburg 93
127. Reden bringt um den Schatz 94
128. Wie Bruchsal um den Eichelberg kam 95
129. Muttergottesröslein 96
130. Hexenkuchen 96
131. Tochter dem Teufel verschrieben 97
132. Gespenstige Rathsversammlung 100
133. Meerweiblein 100
134. Zauberarbeit 102
135. Raubmörder geht um 102
136. Einem Todten gehört ein Licht 103
137. Ladung vor Gottes Gericht 104
138. Schatzhöhle bei Waldangelloch 104
139. Fahrsamenbesitzer und Banner 105
140. Schatz bei Sinsheim 108
141. Fußstapfe im Stein 108
142. Vorzeichen reicher Weinernte 108
143. Der wilde Jäger 109
144. Geisterlärm verhindert Waldfrevel 109
145. Die Schefflenzer erwerben im Waidach das Jagdrecht 110
146. Boxberg's Name 110
147. Dosten und Johanniskraut schützt vor dem Teufel 110
148. Hexe verunglückt 111
149. Hexenstein 111
150. Hexe als Gans 112
151. Goldene Kugel 112
152. Hexe als Löwe 113
153. Heiligenfrevel bestraft 113
154. Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt 114
155. Der Radstein 114
1.
Die Eisschreiber.
Als in einem kalten Winter der Bodensee zugefroren war, schrieben die Konstanzer dies Ereigniß, um es der Nachwelt kund zu thun, in die Eisdecke des Sees ein, die mit dem kommenden Frühjahr wieder zu Wasser wurde.
2.
Poppele beschenkt Arme.
In der Gegend von Hohenkrähen kamen zwei wandernde Handwerksbursche zu einer Kegelbahn, auf welcher der Spukgeist Poppele, der ihnen unbekannt war, allein Kegel schob.
Er lud sie ein, um Geld mitzuspielen, was sie auch, trotz ihrer wenigen Kreuzer, darum thaten, weil er lauter Goldstücke einsetzte. Nicht lange, so hatten die Bursche ihre Baarschaft verspielt. Um sie darüber zu trösten, schenkte er jedem einen Kegel. Der eine schnallte den seinigen sich auf's Felleisen, der andere aber warf den ihm gehörenden in's Gras weg, sobald sie dem Poppele aus dem Gesicht waren. Nach einer Weile wurde dem erstern das Felleisen so schwer, daß er durch seinen Gefährten nachsehen ließ, und siehe, der Kegel glänzte und war von gediegenem Golde. Unverweilt lief nun der andere Bursche auf den Platz zurück, wo er den Kegel hingeworfen, und sah ihn auch noch daliegen; aber als er ihn aufheben wollte, erhielt er von Poppele, der plötzlich dastand, eine tüchtige Ohrfeige, wobei derselbe sprach: »Den Kegel lässest Du liegen; Du hast ihn gehabt, warum hast Du ihn nicht behalten!«
Eine hochschwangere Frau von Schlatt bedachte unterm Grasen, daß sie bei ihrer Armuth und ihres Mannes Trunksucht im Wochenbett keine Labung haben werde, und that den Wunsch: der Geist Poppele möge ihr helfen. Da kam er, als Jäger, und fragte, was sie wolle. Nachdem sie ihm ihre Lage geschildert hatte, bat sie ihn um ein Fäßlein guten Weines. Er ließ sie gleich ein leeres von Haus herholen und füllte es dann aus einem andern, indem er sagte: »Den Wein laß Dir schmecken, und Du brauchst nicht damit zu sparen; aber Deinem Mann darfst Du keinen Tropfen geben!« Die Frau machte es so und schenkte auch andern Armen von dem Weine, der im Fäßlein kein Ende nahm. Nachdem sie den Bitten ihres Mannes, ihm auch von dem Wein zu geben, lange widerstanden hatte, erlaubte sie ihm endlich, sich ein Krüglein voll zu holen; allein als er den Hahn des Fäßleins aufdrehen wollte, stand Poppele plötzlich da und gab ihm eine derbe Ohrfeige, mit den Worten: »Der Wein ist nicht für Dich, Du Verschwender! sondern für Deine Frau, die aber jetzt auch keinen mehr hat.« Das Fäßlein war nun leer und auf immer versiegt.
3.
Kirschen in Geld verwandelt.
Im Gemeindewaschhaus zu Stühlingen sah einmal eine Frau einen Haufen schöner Kirschen in einer Ecke liegen. Sie steckte davon ein Paar Handvoll für ihre Kinder ein, aber als sie sie daheim herauszog, waren sie in Dreibätzner verwandelt. Schnell begab sich die Frau in das Waschhaus zurück; allein sie fand dort weder Kirschen mehr, noch Geldstücke.
4.
Teufelsritze.
Am Vorabend von Nikolaus vermummten sich in Dittishausen zwölf Bursche als Pelznikel und gingen umher in die Häuser. Als sie auf die Wohnung eines gottseligen Mannes zukamen, bemerkte derselbe, daß es dreizehn seyen; in seiner Stube waren es dann nur zwölf und nachher auf der Straße abermals dreizehn. Dieses kam ihm so verdächtig vor, daß er sie an's Haus zurück rief und alle mit Weihwasser besprengte. Da fuhr der dreizehnte mit fürchterlichem Gebrülle davon in die Lüfte. Hierbei kratzte er in den Giebel des Nachbarhauses mehrere zollbreite, bogenförmige Ritze, welche durch den Verputz bis in den Stein gehen und nicht mehr vertilgt werden können.
5.
Das beschirmte Kruzifix.
Über dem Haupteingang der St. Blasier Kirche steht ein ehernes Kreuz mit vergoldetem Heiland. Dasselbe wollte die weltliche Regierung, als sie in den Besitz des Klosters kam, herunter nehmen lassen; allein es war nicht von der Stelle zu bringen, und der Arbeiter fiel herab und brach das Bein. Auf dieses ist man von der Wegnahme des Kruzifixes abgestanden.
6.
Spukgeist bei Ruchenschwand.
Franz Oberst zu Ruchenschwand erzählte:
Wenn ich beim Heimgehen von Oberalpfen nach dem Abendgeläute auf den Steg kam, fiel ich jedesmal hinunter in den Graben und hörte dabei einen Unsichtbaren meinen Namen rufen. Dann sah ich eines Sonntags, wo ich später als sonst zurückging, im Wald einen Schimmel allein umherlaufen. Nachdem ich ihm lange nachgejagt, fing ich ihn und ritt auf ihm unserm Orte zu, wohin er mir zu gehören schien. Aber in der Nähe des Grabens warf mich das Pferd plötzlich ab, verwandelte sich in ein schwarzes, zottiges Thier, und sprang in eine benachbarte Grube. Nun wußte ich, wer am Stege so oft mich gefoppt, und hütete mich fortan, nach der Abendglocke diesen Weg zu machen.
7.
Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres.
Am Feste des heiligen Fridolin wird dessen Haupt zu Säckingen in Prozession umhergetragen. Ist da diese Reliquie schwer, so wird das Jahr ein fruchtbares.
8.
Mildthätiges Männlein.
Auf einem gewissen Berge der obern Rheingegend weidete ein Schäfer seine Heerde, und eben wollte er sein kärgliches Mittagsmahl verzehren, als er ein altes Männlein am Stabe auf sich zukommen sah. Dasselbe grüßte ihn und nahm seine Einladung, mitzuessen, an. Während sie beisammen saßen, erkundigte sich das Männlein nach des Schäfers Verhältnissen, und als es gehört, daß er viele Kinder und kein Vermögen habe, hieß es ihn, ihm folgen. Sie gingen nun auf dem Berge fort und gelangten zu einer großen, glatten Felswand, in welcher eine steinerne Thüre und über derselben ein rundes Loch war. Aus diesem holte das Männlein einen Schlüssel hervor, schloß damit die Thüre auf und trat nebst seinem Begleiter durch sie in eine Felsenkammer, worin zwei Kisten und auf einem runden Steintische eine Flasche standen. Auf Geheiß seines Führers schlug der Schäfer die Deckel der Kisten in die Höhe, deren eine mit Silber-, die andere mit Goldmünzen angefüllt war. »Nimm Dir nur«, sprach das Männlein, »von dem Gelde, so viel du willst; die Flasche aber mußt du stehen lassen, denn sie enthält die Goldtinktur!« Ohne zu säumen, pfropfte der Schäfer alle seine Taschen mit Goldstücken voll und folgte dann dem Männlein wieder aus der Kammer, welches deren Thüre zuschloß, den Schlüssel in das Loch legte und nach wenigen Schritten verschwand. In großer Freude brachte der Schäfer das Geld nach Hause, sparte es aber nicht, weil er dachte, sich leicht wieder anderes zu verschaffen. Als er nun keines mehr hatte, trat er getrost den Weg nach dem Felsen an, dessen Aussehen und Lage im Angesicht dreier Kirchthürme er sich wohl gemerkt hatte. Trotz alles Umhersuchens auf dem Berge konnte er aber weder den Felsen, noch die Stelle, von wo drei Kirchthürme zu sehen, wieder auffinden.
9.
Schatz gehoben.
Im Walde bei Brugg zeigte sich öfters unter einer Weißhasel ein nächtliches Lichtlein. Daraus schloß eine Frau, daß dort ein Schatz vergraben sey, und nahm sich vor, ihn zu heben. In dieser Absicht ging sie mit ihren beiden Söhnen nach verrichtetem Gebet um Mitternacht dahin. Sie hatten brennende Kerzen, Palmen und eine Ruthe von einer Weißhasel bei sich, was Alles geweiht war. Nachdem sie eine Weile dort gegraben, stießen sie im Boden auf einen schwarzen Hund, welcher auf einer eisernen Kiste saß. Er hatte feurige Augen und knurrte unaufhörlich. Ohne sich hierdurch schrecken zu lassen, schlugen sie mit der Ruthe so lange auf ihn, bis er sich in die Erde verkroch. Alsdann hoben sie die Kiste ungestört heraus und brachten sie nach Hause, wo sie dieselbe ganz mit altem Silbergelde gefüllt fanden.
10.
Hostie vor Entheiligung bewahrt.
Ein Mann in Brig, welcher für sehr fromm galt, verschied, nachdem er von einem der dortigen Jesuiten die Sterbsakramente empfangen hatte. In der Nacht nach seiner Beerdigung klopften um zwölf Uhr zwei schöne Jünglinge an die Pforte des Kollegiums und verlangten den Jesuiten, der die leere Hostienkapsel mitnehmen solle. Derselbe kam und wurde von ihnen nach Glis, wohin Brig eingepfarrt ist, auf den Kirchhof geführt. Dort öffneten sie das Grab und den Sarg des Mannes; letzterer richtete sich in die Höhe und machte den Mund auf, worin die heilige Hostie noch unversehrt auf der Zunge lag. Von dieser nahm der Pater, auf Geheiß seiner Führer, die Hostie in die Kapsel, worauf der Todte mit verzerrtem Gesicht in den Sarg zurücksank. Nachdem die Jünglinge das Grab wieder zugescharrt hatten, geleiteten sie den Jesuiten bis an die Pforte des Kollegiums, wo sie vor seinen Augen verschwanden. Da erkannte er, daß es zwei Engel waren. Bald nachher stellte sich heraus, daß der Verstorbene ein sündhaftes Leben geführt habe und seine Frömmigkeit nur Heuchelei gewesen sey.
11.
Die Basler Silberglocke.
Zur ersten Zwinglischen Predigt im Münster zu Basel sollte mit der alten, hochgeweihten Silberglocke geläutet werden; aber beim ersten Zuge fiel sie aus dem Thurm in den Rhein hinab. Man weiß die Stelle, wo sie liegt, und hat schon mehrmals versucht, sie herauszuziehen; es wird jedoch erst dann gelingen, wenn das Münster wieder eine katholische Kirche ist.
12.
Wie der Teufel in einen Mann kommt.
Auf dem Dinkelberg ward aus einer Besessenen der böse Geist getrieben, wobei er um die Erlaubniß bat, in einen Grashalm zu fahren. Nachdem er sie vom Priester erhalten hatte, sprach er: »So, nun wohne ich in vierzehn Tagen wieder in einem Menschen«. »Wie so?« fragte der Geistliche, und darauf antwortete der Teufel: »Der Grashalm, in welchen ich fahre, wird einer Kuh zu fressen gegeben; dadurch komme ich in sie und mit ihrer ungeseihten Milch in einen Mann, der von derselben aus dem Melkkübel trinkt«. Wirklich war in vierzehn Tagen der Mann, welcher in einer andern Gegend wohnte, vom bösen Geiste besessen.
13.
Geist gebannt.
In einem Haus auf dem Dinkelberg spukte der verstorbene Eigenthümer so arg, daß die Bewohner beschlossen, ihn fortzuschaffen. Zu diesem Zweck ließen sie nacheinander einige Geistliche kommen; aber keiner derselben vermochte über das Gespenst Herr zu werden. Endlich ward ein Priester von ausgezeichneter Frömmigkeit berufen, zu welchem der Geist gleich sagte: »Was willst Du mit mir, hast Du nicht auch einmal, beim Vorbeigehen an einem Rübenacker, eine Rübe herausgezogen?« »Ja, das habe ich gethan,« antwortete der Geistliche, »aber weißt Du nicht, daß ich nur die eine Hälfte aß und in die andere, welche ich zurückließ, einen Groschen steckte und damit die ganze Rübe übergenug bezahlte?« Auf dieses mußte das Gespenst schweigen und dann, auf des Priesters Beschwörung, sich in eine Flasche begeben. Dieselbe wurde nun zugedeckt und von einem rüstigen Mann in einem neuen Reff nach dem Feldberg, dem Bestimmungsort des Geistes, getragen. Unterwegs durfte der Mann nicht rückwärts sehen, keinen Schritt zurückgehen und das Reff nicht abstellen, obgleich die Flasche von Schritt zu Schritt schwerer wurde. Als er anfing, den Feldberg zu besteigen, rief hinter ihm eine Stimme: »He, ihr geht ja fehl, wenn ihr auf den Feldberg wollt, so müßt ihr den andern Weg einschlagen!« Betroffen schaute er um, und erblickte Niemand; aber im Augenblick war die Flasche weg und wieder in dem Hause. Auf's Neue mußte er sie von dort forttragen, diesmal jedoch machte er Alles recht und gelangte, von seiner Last fast erdrückt, auf den Gipfel des Feldbergs, wo das Gespenst zu bleiben gezwungen war. Auf diesen Berg sind noch viele Geister gebannt, welche nach Kreuzerhöhung Nachts das Vieh in den dortigen Ställen so arg plagen, daß die Hirten um diese Zeit mit ihren Heerden den Berg verlassen müssen.
14.
Die Burg Rötteln.