Part 2
Nach +Olina+ lebt dieser Vogel ungefähr sechs bis sieben Jahre; daß sich aber sein Alter aus den Querstreifen des Schwanzes bestimmen lasse, ist ungegründet. +Alleon+ sagt, wenn unter mehreren eingesperrten Fasanen einer krank werde, hieben ihn die andern mit ihren Schnäbeln todt und fräßen ihn hernach auf. So viel von dem gemeinen Fasan!
Es gibt auch
weiße Fasanen,
man weiß aber zu wenig von ihrer Geschichte, als daß man die Ursache von dieser Farbe des Gefieders angeben könnte. Von andern Thieren und Vögeln zu schließen, sollte sie eine Wirkung der Kälte seyn. Die Fasanen sind freylich nicht so tief in Norden eingedrungen, als z. B. der Pfau: allein sie sind auch nicht vollkommen weiß und haben, nach +Brisson+, dunkelviolette Flecken auf dem Halse und röthlichbraune auf dem Rücken; und, nach +Olina+, sieht man zuweilen an den Männchen die Farben der gemeinen Fasanen an dem Kopf und Hals. Dieser letztere Schriftsteller sagt, die weißen Fasanen kämen aus Flandern; vermuthlich aber kommen sie noch weiter aus Norden: Er setzt hinzu, daß die Weibchen weit weißer seyen, als die Männchen; man sieht aber auch bey der gemeinen Fasanhenne mehr Weißes an ihrem, als an des Männchens, Gefieder.
So wie der weiße Pfau mit dem gemeinen den bunten oder gestreiften hervorgebracht hat, so kann man auch vermuthen, daß der weiße Fasan, mit dem gemeinen gepaart, den
gespreckelten Fasan
hervorgebracht habe, zumal da er genau die Bildung und Größe der gemeinen Gattung hat und sein Gefieder, wovon der Grund weiß ist, mit Flecken übersäet ist, an denen man alle Farben unsers Fasans vereinigt findet. +Frisch+ merkt an, daß er nicht zur Fortpflanzung tauge.
Dem
Fasanenbastart,
welchen +Büffon+ =Cocquar= nennet, hat +Frisch+ den Namen Hühnerfasan gegeben, welches schon seinen Ursprung andeutet. Er wird nicht nur von dem Fasanhahn und der Hofhenne, sondern auch von Fasanhühnern und dem Hofhahn gezogen. Die Vorsicht, die man beobachten muß, ist bereits angezeigt worden. In Deutschland ist diese Zucht zwar nicht ungewöhnlich, aber man will ihr keinen grosen Nutzen zugestehen, weil man unter den Bastarteyern viele bekommt, die nichts taugen und die Bastarte weder brüten noch hecken. Nur bildet man sich ein, das ihr Fleisch niedlicher, als ächter Fasanen ihres, schmecke. Der Fasanenbastart stellt gemeiniglich die Gattung des Fasans durch seinen rothen Zirkel um die Augen und seinen langen Schwanz vor, er nähert sich aber dem gemeinen Hahn durch die gemeinen und dunkeln Farben seines Gefieders, welches viel mehr oder weniger Dunkelgraues hat. Er ist auch kleiner, als der ächte Fasan.
Genug von dem in Europa einheimisch gewordenen Fasan!
Wir kommen jetzt auf die
fremden Vögel,
welche zu den Fasanen gehören können.
Unter diesen verdient
der Goldfasan,
oder
der chinesische gehaubte dreyfärbige Fasan,
mit allem Recht die erste Stelle. +Albin+, +Klein+ und +Halle+ nennen diesen Vogel den rothen Fasan: allein man hätte ihn fast eben so gut den blauen nennen können; aber diese beyde Benennungen wären eben so unvollkommen gewesen, als der Name Goldfasan, weil alle drey nur eine von den drey prächtigen Farben, die auf seinem Gefieder glänzen, anzeigen und die übrigen auszuschließen scheinen. +Büffon+ hat ihn deswegen den chinesischen gehaubten dreyfärbigen Fasan genannt. Bey +Linne+ heißt er der gemalte und bey +Müllern+ der bunte Fasan.
Man kann diesen Fasan als eine Spielart von dem gemeinen annehmen, die sich unter einem bessern Himmel verschönert hat. Es sind zween Zweige Einer Familie, die sich seit langer Zeit getrennet und sogar zwey verschiedene Raçen gemacht haben, die aber einander doch noch erkennen: denn sie thun sich zusammen, paaren sich und zeugen mit einander; doch muß man bekennen, daß die Frucht, die aus ihrer Vermischung entsteht, etwas von der Unfruchtbarkeit der Maulthiere hat.
Die Schönheit dieses Vogels hat gemacht, daß man ihn in unsern Fasanerien gezogen und vermehrt hat, wo man ihn nun oft antrifft. Er hat keine rothe Haut um die Augen, wie unser Fasan. Der Augenring, der Schnabel, die Füße und Krallen sind gelb, so, wie der Busch von langen und schönen Federn, die er erheben kann, wann er will. +Halle+ beschreibt ihn anders, als ihn die +Büffonschen+ gemalten Figuren angeben. Er sagt, er sey scharlachroth mit schwarzen parallelen Schuppen quer durchschnitten, der Federbusch entstehe von den Ohren her, lagere sich auf der Seite des Halses, liege wie Fischohren an und lasse sich erheben. Bey dem unsrigen hingegen entstehen diese hellgelbe Federfasern schon bey dem Ursprunge des Schnabels, bedecken die ganze Scheitel und die längsten fallen den Nacken hinab. Um die Augen ist auch noch alles bis an die Backen lichtgelb; gegen die Kehle zu bekommt diese Farbe eine röthliche Schattirung; der ganze untere Theil des Körpers ist scharlachroth, und von eben dieser Farbe gehen über den Schwanzfedern andere lange und schmale Federn heraus, deren Kiel gelb ist. Der obere Theil des Halses fällt aus dem Orangefarbigen ins Rothbraune und hat schwarze Schuppen; oben an dem Rücken ist ein breiter grüner Streif; der übrige ganze Rücken und Deckfedern des Steißes sind schön gelb. Die längsten zugespitzten Schwanzfedern haben auf einem dunkeln Grund eine Menge bräunlichgelber rundlicher kleiner Flecken, andere aber dunklere Streifen. Der obere Theil des Flügels und die grösten Federn desselben sind braun, die äussersten davon etwas schwarz und haben einige weiße Flecken, das übrige ist schön blau; die Schenkel sind hellbraun. Dieser Fasan ist etwas kleiner, als der unsrige.
Das Weibchen des Goldfasans ist ein wenig kleiner, als das Männchen, und sein Schwanz ist kürzer. Man sieht an ihm die langen Federn des Busches nicht, sondern blos hinten am Kopf einige kleine Federn etwas hervorragen. Es hat von allen den schönen Farben des Männchens nichts, sondern die Farben seines Gefieders sind sehr gemein und noch schlechter, als an der gewöhnlichen Fasanhenne; mit der Zeit aber wird es manchmal so schön, als das Männchen. Man hat in England bey der Milady +Essex+ eines gesehen, welches innerhalb sechs Jahren aus seiner unedeln Schnepfenfarbe in die schöne Farbe des Männchens stuffenweise übergegangen war, von dem man es blos an den Augen und dem kürzern Schwanze unterscheiden konnte. Leute, welche Gelegenheit gehabt haben, auf diese Vögel genau zu merken, haben den Herrn +von Büffon+ versichert, daß diese Veränderung der Farbe bey den meisten Weibchen Statt fände und anfienge, wenn sie 4 Jahre alt wären; daß um diese Zeit die Männchen einen Widerwillen gegen sie bekämen und sie mißhandelten; daß ihnen alsdann die langen schmalen Federn wüchsen, die bey dem Männchen die Schwanzfedern begleiten; mit einem Worte, daß sie dem Männchen immer ähnlicher würden, jemehr sie an Alter zunähmen.
+Edwards+ versichert, man habe bey dem Herzog +von Leeds+ eine gemeine Fasanhenne gesehen, die das Gefieder des Hahns angenommen, und setzt hinzu, daß eine solche Veränderung nur bey Vögeln, die in der Hausthierschaft leben, Statt finde.
Die Eyer der Goldfasanhenne gleichen denen vom Perlhuhne viel und sind verhältnißmäßig kleiner, als die von der Haußhenne, und röthlicher, als unsere Fasaneyer.
+Hans Sloane+ hat ein Männchen gegen fünfzehn Jahr erhalten. Es scheinet, daß dieser Vogel dauerhaft seyn muß, weil er so lang ausser seinem Vaterlande lebt. Er gewöhnt sich gut an das unsrige und vermehrt sich leicht, sogar mit unserer europäischen Fasanhenne. +Le Roi+ hat eine solche chinesische Henne mit einem französischen Fasanhahn zusammen geworfen, und die zween Jungen, die davon entstunden, glichen den unsrigen sehr, doch war das Gefieder schlecht gefärbt und auf dem Kopf hatten sie nur einige gelbe Federn, wie der chinesische Fasan. Als man diesen beeden jungen Blendlingshahnen europäische Fasanhennen gab, so befruchtete einer davon die seinige im zweyten Jahr und es kam eine Fasanhenne heraus, die nie wieder konnte befruchtet werden. Die zwey Blendlingshahnen haben bis ins vierte Jahr weiter nichts gezeugt, in welchem Jahre sie Gelegenheit fanden, zu entwischen.
Vermuthlich ist dieses der schöne Fasan, von dem man sagt, das die Federn in China mehr gälten, als der Vogel, und einerley mit dem, den +Markus Paolo+ in seinen +chinesischen Reisen+ bewunderte, und dessen Schwanz drey Schuh lang war.
Der schwarz und weiße chinesische Fasan
scheint nach dem Muster des vorhergehenden gebauet zu seyn, nur ist er größer: denn er übertrifft selbst den europäischen an Größe. Mit dem letztern hat er einen sehr merklichen Zug von Aehnlichkeit, nemlich die rothe Einfassung der Augen, die aber noch breiter, als bey jenem, ist: denn sie fällt ihm an beyden Seiten unter den Unterschnabel, in Gestalt der Backenlappen, herab, und auf der andern Seite erhebt sie sich, wie ein dopelter Kamm, über den Oberschnabel.
Das Weibchen ist ein wenig kleiner, als das Männchen, von dem es aber in Absicht auf die Farbe sehr abgeht. Es ist weder, wie das Männchen, am Obertheile des Körpers weiß, noch am Untertheile schwarz mit einem purpurfarbigen Widerschein. Man siehet nur etwas weniges Weißes unter der rothen Einfassung der Augen, die bey weitem nicht so groß, als am Männchen, ist. Das übrige alles ist rothbraun, bald dunkler, bald heller, ausser unter dem Bauche und an den Seitenfedern des Schwanzes, wo man schwarze Querstreifen auf einem grauen Grunde erblickt. Sonst aber geht das Weibchen in dieser Raçe weniger von dem Männchen ab, als in den übrigen Fasanraçen, und hat auch, wie dieses, eine Haube, doch nicht von so langen Federn, wie das Männchen; sie hat auch die braune Farbe des Kopfs, da sie hingegen bey dem Männchen schwarz ist und sich auf dem weißen Nacken vortreflich ausnimmt. Die Füße sind an beyden roth und bey dem Männchen mit weit stärkern Sporen, als des Goldfasans seine sind, bewaffnet. In dem +Linne-Müllerischen+ System heißt dieser Vogel lateinisch =Nycthemerus=, deutsch aber, wie bey +Hallen+, der weiße Fasan.
Im nördlichen Theile von China findet man eine Art von Fasanen, deren Flügel und Schwanz mit einer großen Anzahl runder Flecken, welche Augen ähnlich sehen, besäet sind, daher man diese Vögel
Argus,
sonst aber
Luen
nennet. Sie sind gelb mit schwarzen Flecken oder Punkten. Das Gesicht ist roth und am Kopf eine gedoppelte blaue Federhaube, die rückwärts fällt; um die Augen herum und an der Wurzel des Schnabels ist er schwarz; der Hinterkopf, die Kehle und der Hals sind roth, nur ist der Nacken blau. Der Schwanz ist keilförmig und hat mit den Flügeln einerley Farbe; die zwo mittlern Federn sind sehr lang und ragen sehr viel über die andern hervor. Der Größe nach gleicht dieser Vogel einem indianischen Hahn.
Den Napaul
oder
gehörnten Fasan
setzt +Edwards+ unter die Truthühner, weil er um den Kopf fleischige Auswüchse hat, nennt ihn aber den gehörnten Fasan. Er scheint in der That dem Fasan näher, als dem Truthahn, anzugehören: denn diese fleischige Auswüchse sind nichts weniger, als diesem letztern, eigen, indeme sie der Hahn, das Perlhuhn, der Kasuar und andre mehr ebenfalls haben. Man findet sie sogar auch an Fasanen: denn die Haut um die Augen des weißen Fasans bildet in der That einen gedoppelten Kamm über dem Schnabel und Backenlappen unter demselben. Ueberdiß ist der Napaul aus dem Klima der Fasanen, indem ihn +Mead+ aus Bengalen bekommen hat; er hat auch den Schnabel, die Füße, die Sporen, die Flügel und die gänzliche Gestalt des Fasans.
Der Napaul wird ein gehörnter Fasan genannt, weil er in der That zwey Hörner auf dem Kopfe hat. Diese Hörner sind blau, cylindrisch, am Ende stumpf, liegen rückwärts und kommen in Absicht auf ihre Substanz mit schwieligem Fleisch überein. Er hat keinen Zirkel von rother und zuweilen schwarz punktirter Haut, wie die Fasanen, um die Augen, sondern dieser ganze Raum ist mit schwarzen Haaren in Gestalt der Federn besetzt; unter diesem Raum und dem Ursprung des Unterschnabels nim̄t eine Art von Kragen, der aus einer schlappen Haut bestehet, seinen Anfang, welcher hinab fällt und frey auf der Kehle und dem Obertheil des Halses hängt. Dieser Kragen ist in der Mitte schwarz, mit Haaren von eben dieser Farbe besäet und mit mehr oder weniger tiefen Runzeln gefurcht; und es ist wahrscheinlich, daß ihn der Vogel aufblasen und zusammen ziehen kann. Die Seitentheile daran sind blau mit einigen orangefärbigen Flecken und auswärts ohne Haare; die innere Oberfläche aber, die auf dem Hals anliegt, ist mit kleinen schwarzen Federn, wie der Theil des Halses, den sie bedecket, besetzt; der Wirbel des Kopfs ist roth; der Vordertheil des Körpers röthlich; der Hintertheil mehr schwarzbraun. Ueber den ganzen Körper, Schwanz und Flügel mitgerechnet, sieht man schwarze weiß eingefaßte Flecken, die ganz nahe beysammen ziemlich regelmäßig ausgesäet sind. Diese Flecken sind am Vordertheile rund, am Hintertheil haben sie die Gestalt der Thränen, und zwar so, daß sich die Spitze gegen den Kopf kehret. Die Flügel reichen nicht über den Ursprung des Schwanzes.
Man hat zwar in Amerika keine wahre Fasanen gefunden; unter der Menge verschiedener Vögel aber, die diese weite Gegenden bevölkern, siehet man einige, die mehr oder weniger Aehnlichkeit mit dem Fasan haben. Von diesen nähert sich jedoch
Der Katraka,
oder, wie er sonst genannt wird,
der Fasan von Guiana
demselben am meisten. Er kommt mit ihm, in Absicht auf die Gestalt überhaupt, auf den ein wenig gebogenen Schnabel, die roth eingefaßten Augen und den langen Schwanz, überein. Schnabel und Füße sind roth und der ganze Vogel ist dunkelrothbraun, die Seiten des Kopfes, welche röthlich sind, und den Bauch, welcher aschfarben oder schmutzig weiß ist, ausgenommen.
Man weiß von seiner Naturgeschichte zur Zeit noch nichts, und der Name Katraka wird ihm in Mexiko gegeben.
Anhang.
Viele Reise- und Naturbeschreiber haben noch andern Vögeln den Namen der Fasanen gegeben, die aber +Büffon+ nicht dafür erkennen will, ob sie gleich auf seinen gemalten Platten unter Fasanennamen vorkommen.
Diese Vögel sind folgende:
1.) Der Fasan von den Antillen
des +Brisson+, oder der Fasan von der Insel Kayriouacou des +du Tertre+, welcher viel längere Beine und einen kürzern Schwanz, als der Fasan, hat.
2.) Der gekrönte indianische Fasan
des +Brisson+, welcher sich von dem Fasan durch seine ganze Gestalt, durch die besondere Bildung des Schnabels, durch seine Sitten und Gewohnheiten, durch seine längern Flügel und durch seinen kürzern Schwanz unterscheidet, und, seine Größe ausgenommen, mehr Aehnlichkeit mit dem Geschlechte der Tauben zu haben scheint.
3.) Der gehaubte kayennische Fasan,
ein amerikanischer Vogel, den +Büffon+ unter diesem Namen bekommen hat, der aber von dem Fasan, in Absicht auf die Größe, die Stellung des Körpers, den langen und dünnen Hals, den kleinen Kopf, die langen Flügel ⁊c. abzugehen scheinet.
4.) Der Hokkofasan von Guiana,
welcher nichts weniger, als ein Fasan, ist;
und 5.) alle andere Hokkos von Amerika,
die +Brisson+, +Barrere+ und andere zu den Fasanen gerechnet haben, von denen wir aber, so, wie von den vorigen, hier nicht weiter reden wollen.