Natur und Mensch Sechs Abschnitte aus Werken von Ernst Haeckel
Part 5
Trotzdem die primordialen oder archozoischen Versteinerungen uns nur zum bei weitem kleinsten Teile in kenntlichem Zustande erhalten sind, besitzen dieselben dennoch den Wert unschätzbarer Dokumente für diese älteste und dunkelste Zeit der organischen Erdgeschichte. Zunächst scheint daraus hervorzugehen, daß während dieses ganzen ungeheuren Zeitraums fast nur Wasserbewohner existierten. Wenigstens sind bis jetzt unter allen archozoischen Petrefakten nur sehr wenige gefunden worden, welche man mit Sicherheit auf landbewohnende Organismen beziehen kann: die ältesten von diesen sind einige silurische Farne und Skorpione. Fast alle Pflanzenreste, die wir aus der Primordialzeit besitzen, gehören zu der niedrigsten von allen Pflanzengruppen, zu der im Wasser lebenden Klasse der Tange oder Algen. Diese bildeten in dem warmen Urmeere der Primordialzeit mächtige Wälder, von deren Formenreichtum und Dichtigkeit uns noch heutigen Tages ihre Epigonen, die Tangwälder des atlantischen Sargassomeeres, eine ungefähre Vorstellung geben mögen. Die kolossalen Tangwälder der archozoischen Zeit ersetzten damals die noch fehlende Waldvegetation des Festlandes. Gleich den Pflanzen lebten auch fast alle Tiere, von denen man Reste in den archozoischen Schichten gefunden hat, im Wasser. Von den Gliedertieren finden sich nur Krebstiere und einzelne Skorpione, noch keine Insekten. Von den Wirbeltieren sind nur sehr wenige Fischreste bekannt, welche sich in den jüngsten von allen primordialen Schichten, in der oberen Silurformation, vorfinden. Dagegen müssen wir annehmen, daß Würmer und schädellose Wirbeltiere (Akranier), die Ahnen der Fische, massenhaft während der Primordialzeit gelebt haben. Daher können wir sie sowohl nach den Schädellosen als nach den Tangen benennen.
Die _Primärzeit_ oder das Zeitalter der Farnwälder, der zweite Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte, welchen man auch das paläolithische oder paläozoische Zeitalter nennt, dauerte vom Ende der silurischen Schichtenbildung bis zum Ende der permischen Schichtenbildung. Auch dieser Zeitraum war von sehr langer Dauer und zerfällt wiederum in drei Perioden, während deren sich drei mächtige Schichtensysteme ablagerten, nämlich zu unterst das devonische System oder der alte rote Sandstein, darüber das karbonische oder Steinkohlensystem, und darüber das permische System oder der neue rote Sandstein und der Zechstein. Die durchschnittliche Dicke dieser drei Systeme zusammengenommen mag etwa 42000 Fuß betragen, woraus sich schon die ungeheure Länge der für ihre Bildung erforderlichen Zeiträume ergibt. Die meisten Geologen rechnen zur Paläozoischen Ära noch die silurische und viele auch die kambrische Periode.
Die devonischen und permischen Formationen sind vorzüglich reich an Fischresten, sowohl an Urfischen als an Schmelzfischen. Aber noch fehlen in der primären Zeit gänzlich die Knochenfische. In der Steinkohle finden sich schon verschiedene Reste von landbewohnenden Tieren, und zwar sowohl Gliedertieren (Spinnen und Insekten) als Wirbeltieren (Amphibien). Im permischen System kommen zu den Amphibien noch die höher entwickelten Schleicher oder Reptilien, und zwar unseren Eidechsen nahverwandte Formen (^Proterosaurus^ usw.). Trotzdem können wir das primäre Zeitalter das der Fische nennen, weil diese wenigen Amphibien und Reptilien ganz gegen die ungeheure Menge der paläozoischen Fische zurücktreten. Ebenso wie die Fische unter den Wirbeltieren, so herrschten unter den Pflanzen während dieses Zeitraums die Farnpflanzen oder Filicinen vor, und zwar sowohl echte Farnkräuter und Farnbäume (Laubfarne oder Filikarien) als Schaftfarne (Kalamarien) und Schuppenfarne (Selagineen). Diese landbewohnenden Farne oder Filizinen bildeten die Hauptmasse der dichten paläozoischen Inselwälder, deren fossile Reste uns in den ungeheuer mächtigen Steinkohlenlagern des karbonischen Systems und in den schwächeren Kohlenlagern des devonischen und permischen Systems erhalten sind. Sie berechtigen uns, die Primärzeit ebensowohl das Zeitalter der Farne als das der Fische zu nennen.
Der dritte große Hauptabschnitt der paläontologischen Entwicklungsgeschichte wird durch die _Sekundärzeit_ oder das Zeitalter der Nadelwälder gebildet, welches auch das mesolithische oder mesozoische Zeitalter genannt wird. Es reicht vom Ende der permischen Schichtenbildung bis zum Ende der Kreideschichtenbildung und zerfällt abermals in drei große Perioden. Die währenddessen abgelagerten Schichtensysteme sind zu unterst das Triassystem, in der Mitte das Jurasystem und zu oberst das Kreidesystem. Die durchschnittliche Dicke dieser drei Systeme zusammengenommen bleibt schon weit hinter derjenigen der primären Systeme zurück und beträgt im ganzen nur ungefähr 15000 Fuß. Die Sekundärzeit wird demnach wahrscheinlich nicht halb so lang als die Primärzeit gewesen sein.
Wie in der Primärzeit die Fische, so herrschen in der Sekundärzeit die Schleicher oder Reptilien über alle übrigen Wirbeltiere vor. Zwar entstanden während dieses Zeitraums die ersten Vögel und Säugetiere; auch lebten damals die riesigen Labyrinthodonten; und zu den zahlreich vorhandenen Urfischen und Schmelzfischen der älteren Zeit gesellten sich die ersten echten Knochenfische. Aber die charakteristische und überwiegende Wirbeltierklasse der Sekundärzeit bildeten die höchst mannigfaltig entwickelten Reptilien. Neben solchen Schleichern, welche den heute noch lebenden Eidechsen, Krokodilen und Schildkröten nahestanden, wimmelte es in der mesozoischen Zeit überall von abenteuerlich gestalteten Drachen. Insbesondere sind die merkwürdigen fliegenden Eidechsen oder Pterosaurier, die schwimmenden Seedrachen oder Halisaurier und die kolossalen Landdrachen oder Dinosaurier der Sekundärzeit eigentümlich, da sie weder vorher noch nachher lebten. Man kann demgemäß die Sekundärzeit das Zeitalter der Schleicher oder Reptilien nennen. Andere bezeichnen sie als das Zeitalter der Nadelwälder, genauer eigentlich der Gymnospermen oder Nacktsamenpflanzen. Diese Pflanzen, vorzugsweise durch die beiden wichtigen Klassen der Nadelhölzer oder Koniferen und der Farnpalmen oder Zycadeen vertreten, setzten während der Sekundärzeit ganz überwiegend den Bestand der Wälder zusammen. Die farnartigen Pflanzen traten dagegen zurück und die Laubhölzer entwickelten sich erst gegen Ende des Zeitalters, in der Kreidezeit.
Viel kürzer und weniger eigentümlich als diese drei ersten Zeitalter war der vierte Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte, die _Tertiärzeit_ oder das Zeitalter der Laubwälder. Dieser Zeitraum, welcher auch zänolithisches oder zänozoisches Zeitalter heißt, erstreckte sich vom Ende der Kreideschichtenbildung bis zum Ende der pliozänen Schichtenbildung. Die währenddessen abgelagerten Schichten erreichen nur ungefähr eine mittlere Mächtigkeit von 3000 Fuß und bleiben demnach weit hinter den drei ersten Terrains zurück. Auch sind die drei Systeme, welche man in dem tertiären Terrain unterscheidet, nur schwer voneinander zu trennen. Das älteste derselben heißt eozänes oder alttertiäres, das mittlere miozänes oder mitteltertiäres und das jüngste pliozänes oder neutertiäres System.
Die gesamte Bevölkerung der Tertiärzeit nähert sich im ganzen und im einzelnen schon viel mehr derjenigen der Gegenwart, als es in den vorhergehenden Zeitaltern der Fall war. Unter den Wirbeltieren überwiegt von nun an die Klasse der Säugetiere bei weitem alle übrigen. Ebenso herrscht in der Pflanzenwelt die formenreiche Gruppe der Decksamen-Pflanzen oder Angiospermen vor; ihre Laubhölzer bilden die charakteristischen Laubwälder der Tertiärzeit. Die Abteilung der Angiospermen besteht aus den beiden Klassen der Einkeimblättrigen oder Monokotylen und der Zweikeimblättrigen oder Dikotylen. Zwar hatten sich Angiospermen aus beiden Klassen schon in der Kreidezeit gezeigt, und Säugetiere traten schon im letzten Abschnitt der Triaszeit auf. Allein beide Gruppen, Säugetiere und Decksamenpflanzen, erreichen ihre eigentliche Entwicklung und Oberherrschaft erst in der Tertiärzeit, so daß man diese mit vollem Rechte danach benennen kann.
Den fünften und letzten Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte bildet die _Quartärzeit_ oder Kulturzeit, derjenige, gegen die Länge der vier übrigen Zeitalter verschwindend kurze Zeitraum, den wir gewöhnlich in komischer Selbstüberhebung die »Weltgeschichte« zu nennen pflegen. Da die Ausbildung des Menschen und seiner Kultur mächtiger als alle früheren Vorgänge auf die organische Welt umgestaltend einwirkte, und da sie vor allem dieses jüngste Zeitalter charakterisiert, so könnte man dasselbe auch die Menschenzeit, das anthropolithische oder anthropozoische Zeitalter nennen. Es könnte allenfalls auch das Zeitalter der Kulturwälder heißen, weil selbst auf den niederen Stufen der menschlichen Kultur ihr umgestaltender Einfluß sich bereits in der Benutzung der Wälder und ihrer Erzeugnisse, und somit auch in der Physiognomie der Landschaft bemerkbar macht. Geologisch wird der Beginn dieses Zeitalters, welches bis zur Gegenwart reicht, durch das Ende der pliozänen Schichtenablagerung begrenzt.
Die neptunischen Schichten, welche während des verhältnismäßig kurzen quartären Zeitraums abgelagert wurden, sind an den verschiedenen Stellen der Erde von sehr verschiedener, meist aber von sehr geringer Dicke. Man bringt dieselben in zwei verschiedene Systeme, von denen man das ältere als diluvial oder pleistozän, das neuere als alluvial oder rezent bezeichnet. Das Diluvialsystem zerfällt selbst wieder in zwei Formationen, in die älteren glazialen und die neueren postglazialen Bildungen. Während der älteren Diluvialzeit nämlich fand jene außerordentlich merkwürdige Erniedrigung der Erdtemperatur statt, welche zu einer ausgedehnten Vergletscherung der gemäßigten Zonen führte. Diese »Eiszeit« oder Glazialperiode hat für die geographische und topographische Verbreitung der Organismen hohe Bedeutung gewonnen. Auch die auf die Eiszeit folgende »Nacheiszeit«, die postglaziale Periode oder die neuere Diluvialzeit, während welcher die Temperatur wiederum stieg und das Eis sich nach den Polen zurückzog, war für die gegenwärtige Gestaltung der chorologischen Verhältnisse höchst bedeutungsvoll.
Der biologische Charakter der Quartärzeit liegt wesentlich in der Entwicklung und Ausbreitung des menschlichen Organismus und seiner Kultur. Weit mehr als jeder andere Organismus hat der Mensch umgestaltend, zerstörend und neubildend auf die Tier- und Pflanzenbevölkerung der Erde eingewirkt. Aus diesem Grunde -- nicht weil wir dem Menschen im übrigen eine privilegierte Ausnahmestellung in der Natur einräumen -- können wir mit vollem Rechte die Ausbreitung des Menschen und seiner Kultur als Beginn eines besonderen letzten Hauptabschnitts der organischen Erdgeschichte bezeichnen. Wahrscheinlich fand allerdings die körperliche Entwicklung des Urmenschen aus menschenähnlichen Affen bereits in der jüngeren oder pliozänen, vielleicht sogar schon in der mittleren oder miozänen Tertiärzeit statt. Allein die eigentliche Entwicklung der menschlichen Sprache, welche wir als den wichtigsten Hebel für die Ausbildung der eigentümlichen Vorzüge des Menschen und seiner Herrschaft über die übrigen Organismen betrachten, fällt wahrscheinlich erst in jenen Zeitraum, welchen man aus geologischen Gründen als pleistozäne oder diluviale Zeit von der vorhergehenden Pliozänperiode trennt. Jedenfalls ist derjenige Zeitraum, welcher seit der Entwicklung der menschlichen Sprache bis zur Gegenwart verfloß, mag derselbe auch viele Jahrtausende und vielleicht Hunderttausende von Jahren in Anspruch genommen haben, verschwindend gering gegen die unermeßliche Länge der Zeiträume, welche vom Beginn des organischen Lebens auf der Erde bis zur Entstehung des Menschengeschlechts verflossen.
Die tabellarische Übersicht Seite 69 zeigt die Reihenfolge der paläontologischen Terrains, Systeme und Formationen, d. h. der größeren und kleineren neptunischen Schichtengruppen, welche Versteinerungen einschließen, von den obersten oder alluvialen bis zu den untersten oder laurentischen Ablagerungen hinab. Die Tabelle Seite 68 führt die historische Einteilung der entsprechenden Zeiträume vor, der größeren und kleineren paläontologischen Perioden, und zwar in umgekehrter Reihenfolge.
Übersicht der paläontologischen Perioden oder der größeren Zeitabschnitte der organischen Erdgeschichte.
Erster Zeitraum: Archozoisches Zeitalter. Primordial-Zeit. (Zeitalter der Schädellosen und der Tangwälder.)
1. Ältere Archolithzeit oder Laurentische Periode. 2. Mittlere Archolithzeit " Kambrische Periode. 3. Neuere Archolithzeit " Silurische Periode.
Zweiter Zeitraum: Paläozoisches Zeitalter. Primär-Zeit. (Zeitalter der Fische und Farnwälder.)
4. Ältere Paläolithzeit oder Devonische Periode. 5. Mittlere Paläolithzeit " Steinkohlen-Periode. 6. Neuere Paläolithzeit " Permische Periode.
Dritter Zeitraum: Mesozoisches Zeitalter. Sekundär-Zeit. (Zeitalter der Reptilien und der Nadelwälder.)
7. Ältere Mesolithzeit oder Trias-Periode. 8. Mittlere Mesolithzeit " Jura-Periode. 9. Neuere Mesolithzeit " Kreide-Periode.
Vierter Zeitraum: Zänozoisches Zeitalter. Tertiär-Zeit. (Zeitalter der Säugetiere und der Laubwälder.)
10. Ältere Zänolithzeit oder Eozäne Periode. 11. Mittlere Zänolithzeit " Miozäne Periode. 12. Neuere Zänolithzeit " Pliozäne Periode.
Fünfter Zeitraum: Anthropozoisches Zeitalter. Quartär-Zeit. (Zeitalter der Menschen und der Kulturwälder.)
13. Ältere Anthropolithzeit oder Eiszeit. Glaziale Periode. 14. Mittlere Anthropolithzeit " Postglaziale Periode. 15. Neuere Anthropolithzeit " Kultur-Periode.
(Die Kultur-Periode ist die historische Zeit oder die Periode der Überlieferungen.)
Übersicht der paläontologischen Formationen oder der versteinerungsführenden Schichten der Erdrinde.
============================================================================= Terrains | Systeme | Formation | Synonyme der | | | Formationen ----------------------------------------------------------------------------- V. Anthropolithische { XIV. Rezent { 36. Präsent Oberalluviale Terrains oder { (Alluvium) { 35. Rezent Unteralluviale anthropozoische { (quartäre) { XIII. Pleistozän { 34. Postglazial Oberdiluviale Schichtengruppen { (Diluvium) { 33. Glazial Unterdiluviale
IV. Zänolithische { XII. Pliozän { 32. Arvern Oberpliozäne Terrains oder { (Neutertiär) { 31. Subapennin Unterpliozäne zänozoische { (tertiäre) { XI. Miozän { 30. Falun Obermiozäne Schichtengruppen { (Mitteltertiär) { 29. Limburg Untermiozäne { { X. Eozän { 28. Gips Obereozäne { (Alttertiär) { 27. Grobkalk Mitteleozäne { { 26. Londonton Untereozäne
III. Mesolithische { IX. Kreide { 25. Weißkreide Oberkreide Terrains oder { { 24. Grünsand Mittelkreide mesozoische { { 23. Neokom Unterkreide (sekundäre) { { 22. Wealden Wälderformation Schichtengruppen { { VIII. Jura { 21. Portland Oberoolith { { 20. Oxford Mitteloolith { { 19. Bath Unteroolith { { 18. Lias Liasformation { { VII. Trias { 17. Keuper Obertrias { { 16. Muschelkalk Mitteltrias { { 15. Buntsand Untertrias
II. Paläolithische { VI. Permisches { 14. Zechstein Oberpermische Terrains oder { (Dyas) { 13. Neurotsand Unterpermische paläozoische { (primäre) { V. Karbonisches { 12. Kohlensand Oberkarbonische Schichtengruppen { (Steinkohle) { 11. Kohlenkalk Unterkarbonische { { IV. Devonisches { 10. Pilton Oberdevonische { (Altrotsand) { 9. Ilfracombe Mitteldevonische { { 8. Linton Unterdevonische
I. Archolithische { III. Silurisches { 7. Ludlow Obersilurische Terrains oder { { 6. Landovery Mittelsilurische archozoische { { 5. Landeilo Untersilurische (primordiale) { Schichtengruppen { II. Kambrisches { 4. Potsdam Oberkambrische { { 3. Longmynd Unterkambrische { { I. Laurentisches { 2. Labrador Oberlaurentische { { 1. Ottawa Unterlaurentische
| Tabelle | | | | zur Übersicht der neptunischen versteinerungsführenden Schichten- | | Systeme der Erdrinde mit Bezug auf ihre verhältnismäßige | | durchschnittliche Dicke. (130000 Fuß zirka.) | |=====================================================================| | IV. Zänozoische Schichten-Systeme. | Eozän, Miozän, | | Zirka 3000 Fuß. | Pliozän. | |-----------------------------------------+---------------------------| | | IX. Kreide-System. | | III. Mesozoische Schichten-Systeme. |---------------------------| | Ablagerungen der Sekundärzeit. | VIII. Jura-System. | | Zirka 15000 Fuß. |---------------------------| | | VII. Trias-System. | |-----------------------------------------+---------------------------| | | VI. Permisches | | II. Paläozoische Schichten-Systeme. | System. | | |---------------------------| | Ablagerungen der Primär-Zeit. | V. Steinkohlen- | | | System. | | Zirka 42000 Fuß. |---------------------------| | | IV. Devonisches | | | System. | |-----------------------------------------+---------------------------| | | III. Silurisches | | | System. | | I. Archozoische Schichten-Systeme. | Zirka 22000 Fuß. | | |---------------------------| | Ablagerungen der Primordial-Zeit. | II. Kambrisches | | | System. | | Zirka 70000 Fuß. | Zirka 18000 Fuß. | | |---------------------------| | | I. Laurentisches | | | System. | | | Zirka 30000 Fuß. | ---------------------------------------------------------------------
Man hat viele Versuche angestellt, die Zahl der Jahrtausende, welche diese Zeiträume zusammensetzen, annähernd zu berechnen. Man verglich die Dicke der Schlammschichten, welche erfahrungsgemäß während eines Jahrhunderts sich absetzen, und welche nur wenige Linien oder Zolle betragen, mit der gesamten Dicke der geschichteten Gesteinsmassen, deren ideales System wir soeben überblickt haben. Diese Dicke mag im ganzen durchschnittlich ungefähr 130000 Fuß betragen, und hiervon kommen 70000 auf das primordiale oder archozoische, 42000 auf das primäre oder paläozoische, 15000 auf das sekundäre oder mesozoische und endlich nur 3000 auf das tertiäre oder zänozoische Terrain. Die sehr geringe und nicht annähernd bestimmbare durchschnittliche Dicke des quartären oder anthropozoischen Terrains kommt dabei gar nicht in Betracht. Man kann sie höchstens durchschnittlich auf 500-700 Fuß anschlagen. Selbstverständlich haben aber alle diese Maßangaben nur einen ganz durchschnittlichen und annähernden Wert und sollen nur dazu dienen, das _relative_ Maßverhältnis der Schichtensysteme und der ihnen entsprechenden Zeitabschnitte ganz _ungefähr_ zu überblicken. Auch werden die Maße sehr verschieden abgeschätzt.
Wenn man nun die gesamte Zeit der organischen Erdgeschichte, d. h. den ganzen Zeitraum seit Beginn des Lebens auf der Erde bis auf den heutigen Tag, in hundert gleiche Teile teilt, und wenn man dann, dem angegebenen durchschnittlichen Dickenverhältnis der Schichtensysteme entsprechend, die relative Zeitdauer der fünf Hauptabschnitte oder Zeitalter nach Prozenten berechnet, so ergibt sich folgendes Resultat. (Vergl. Seite 70.)
I. Archozoische oder Primordialzeit 53,6 II. Paläozoische oder Primärzeit 32,1 III. Mesozoische oder Sekundärzeit 11,5 IV. Zänozoische oder Tertiärzeit 2,3 V. Anthropozoische oder Quartärzeit 0,5 ------ Summa: 100,0
Es beträgt demnach die Länge des archozoischen Zeitraums, währenddessen fast noch keine landbewohnenden Tiere und Pflanzen existierten, mehr als die Hälfte, mehr als 53 Prozent, dagegen die Länge des anthropozoischen Zeitraums, währenddessen der Mensch existierte, kaum ein halbes Prozent von der ganzen Länge der organischen Erdgeschichte. Es ist aber ganz unmöglich, die Länge dieser Zeiträume auch nur annähernd nach Jahren zu berechnen.