Part 15
Vier Rappen flogen mit uns bis zur nächsten Station. In wenig Minuten war das Schloß hinter uns verschwunden. Ich umarmte Malchen, und Malchen umarmte mich, mit einer Inbrunst, als ob wir uns heute zum zweytenmal wiederfänden, und nun fing sie an zu erzählen:
Dreyzehntes Kapitel.
_Malchen erzählt._
»Ein unschuldiger Scherz, Moriz, hätte dich mir also beynahe auf ewig entrissen! Meine Schwester war der junge Mensch in blauer Uniform, nach welchem du stachest, den du erstochen hättest, wenn dein Ungestüm dich einen gewissen Stoß hätte thun lassen. Du sprengtest davon, ohne auf unser Geschrey zu hören. Von der Terrasse herab, sahen wir dich noch einige Augenblicke und dann verschwandest du hinter Gebüschen und Bergen.«
»Ich sank, als dich mein Auge verlor, ohnmächtig zurück, und meine Schwester, die mehr von Unwillen, als von Schmerz durchdrungen war, rannte ins Schloß, um Hülfe zu holen, und meinem Vater die Begebenheit zu entdecken!«
»Dieser setzte sich mit drey von unsern Leuten zu Pferde und sprengte dir nach. Gegen Abend kam er zurück, ohne eine Spur von dir gefunden zu haben. Sein Zorn auf uns beyde zerschmolz, da er ihn auf uns herab gedonnert hatte, in Zärtlichkeit und Schmerz; denn wir waren beyde so schwach, daß man uns zu Bette bringen mußte.«
»O Moriz, die Nacht, die auf diesen Tag folgte! Wer könnte mir für ihre Qualen je Ersatz geben, als du, der du sie über mich ergehen ließest! O Moriz (ihr Haupt senkte sich sanft auf meine Schulter) wirst du mir diesen Ersatz je verweigern können?«
Ich drückte sie mit nassen Augen sprachlos an meine Brust.
»Ein, zwey Monate vergingen, und wir hörten nichts von dir. Mein Vater war selbst in deiner Garnison und erkundigte sich mit vieler Behutsamkeit nach dir. Er ließ seine Bestürzung nicht merken, als er fand, daß man auch hier keine Nachrichten von dir hatte. Immer bestand er darauf, daß du zu viel auf Ehre hieltest, als daß du über deinen Urlaub ausbleiben, und dich, wie er sagte, austrommeln lassen würdest. Auch ich baute auf diesen Grund. Worauf hätte auch mein armes Herz sonst noch bauen sollen? Nur so lange kann dein Schmerz noch dauern, sagte ich mir immer, als sein Urlaub! Kömmt er zurück, so kann er bald aus seinem Irrthum gerissen werden, und dann ist er wieder dein!«
»Unterdessen -- unterdessen -- fand -- meine Mutter für gut, mich auf jedem Fall, von Hause zu entfernen, weil ich -- weil es -- und damit man nicht« --
Sie verbarg ihre glühenden Wangen an meiner Brust.
»Niemand war mit meinem Herzen so vertraut, als die Gräfin. Ich entdeckte ihr meine Bekümmernisse, und ihr nächster Brief war eine förmliche Einladung, zu ihr zu kommen und so lange bey ihr zu bleiben, als es mir beliebte. Es war mir, als ob dieser Brief mir neues Leben gäbe. Mein Entschluß war bald gefaßt und meine Eltern billigten ihn. Ich flog, von meinem Bruder begleitet, zu meiner Freundin; ich konnte die Zeit nicht erwarten, wo ich sie wieder sehen würde; ich schrieb ihr fast von jeder Station einen Brief, den ich als den Herold meiner Ankunft jedesmal voranschickte.« --
O, rief ich, solch einen Brief hab' ich diesen Morgen gelesen! Er hat mir zwey Stunden gemacht, die deine schreckliche Nacht, für die du Ersatz foderst, weit aufwiegen! Sie lächelte und fuhr fort:
»Je näher ich dem Orte meiner Bestimmung kam, desto leichter ward es mir ums Herz. Ich weidete mich an dem Gedanken, eine zärtlich geliebte Freundin, nach langer Trennung wieder an mein Herz zu schließen, und bey ihr Trost und Linderung meines Schmerzes zu finden. Wir kamen endlich an, und fuhren in das Schloß. Was mir zuerst in die Augen fiel, war eine weiße Uniform mit rothen Aufschlägen, die unter einer Linde hing. _Du_ trugst eine solche Uniform, und ich konnte die Zeit nicht erwarten, sie näher zu betrachten. Ich sprang aus dem Wagen, lief hinzu und war wie vom Donner gerührt, als ich in einem Schnupftuche, das darneben hing, deinen Namen erblickte. »Woher ist diese Uniform und dieses Schnupftuch?« rief ich mit aufwallender Freude, denn ich glaubte, daß du nicht weit wärest. -- Ich habe es im Walde vergraben gefunden! sagte der alte Jäger -- und ich sank in seine Arme. »Er ist ermordet!« schrie ich: »Moriz ist ermordet! O, ich Unglückliche! Wo, wo sind seine Mörder?«
»Der Graf und die Gräfin eilten herzu, und fragten erschrocken nach der Ursach meiner Klagen. Aber ich redete irre, und mußte es meinem Bruder überlassen, ihnen die Geschichte meiner Verzweiflung zu erzählen. Sie suchten alles hervor um mich zu trösten, aber meine Trostlosigkeit stieg dadurch. »Moriz ermordet!« rief ich: »Moriz ermordet!« Und was für eine Idee hätte ich Arme ausser dieser noch haben sollen!«
»Unterdessen kam der alte Jäger gelaufen und rief, der Mörder ist entdeckt! Zugleich zeigte er ein Rohr vor, das ich auf den ersten Blick für das deinige erkannte, und das er bey einem Jäger gefunden haben wollte, der sich im Schloßthurm eingesperrt befände. »Ich will zu ihm,« schrie ich, »ich will von ihm selbst hören, wo Moriz geblieben ist!« Man brachte mich aber durch Vorstellungen und durch das Versprechen, daß der Mörder unter meinen Augen förmlich vernommen werden sollte, von diesem Gedanken ab.«
»Es geschah. Ich brannte vor Ungeduld, den Unmenschen zu sehen, der meinen Moriz umgebracht haben könnte! Ich kam und sah und erkannte in dem Mörder meines Moriz, meinen Moriz selbst! Ich hatte ihn wieder, auf ewig hatte ich ihn wieder!«
Neue Umarmungen, neues Entzücken!
So schwanden Meilen und Stationen, so rollten wir durch Städte und Dörfer ohne Rast und Schlaf. Lehmnitz war der Mittelpunkt unsres Glückes, und diesen wollten wir ohne Verzug erreichen. Wir kamen endlich an, sprangen aus dem Wagen, liefen ins Schloß, rissen die Thüren auf und warfen sie zu, und stürmten das Zimmer unsres Vaters, wo wir unsre Mutter und Schwester auch fanden. Schrecken und Erstaunen erregte in ihnen unser unerwartete Anblick. Stumme Umarmungen und Freudenthränen empfingen uns, und ein frohes Willkommen stammelte uns jede Lippe.
»Zum Pastor, zum Pastor!« rief der alte Oberst, »daß Springinsfeld nicht noch einmal davon rennt! Junge, Junge!« setzte er mit nassen Augen hinzu, indem er mich an sein Herz drückte: »Du hast mir viel Leid gemacht, aber auch viel Freude!«
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mit folgenden Ausnahmen,
Seite 4: "nnd" geändert in "und" (Mein rechter Arm trug den Kopf und der linke lag unbeweglich)
Seite 10: "wol" geändert in "wohl" (seine Wirthschafterin Martha wohl gewesen seyn)
Seite 23: "verschaft" geändert in "verschafft" (so ruhete sie nicht eher, bis sie mir dieselbe verschafft hatte)
Seite 36: "ch" geändert in "ich" (sagte ich. Sie nahm mich bey dem Arm und führte mich)
Seite 40: "«" eingefügt (ich bin böse!«)
Seite 43: "»" und "«" eingefügt (»Louise würde sich recht über den Kranz gefreuet haben,« sagte sie)
Seite 43: "»" eingefügt (sagte sie, »wenn Du ihn nicht verdorben hättest)
Seite 81: "«" verschoben (»Landjägers Sohn,« fuhr ihr Vater fort:)
Seite 81: "»" und "«" eingefügt (»hat schon vor einer Stunde [...] oder nicht dein Vater heißen.«)
Seite 84: "«" eingefügt (Wer bist du? Wo kömmst du her?«)
Seite 89: "viere" geändert in "Viere" (in der Stube alle Viere von sich gestreckt)
Seite 97: "«" und "»" eingefügt (wir nicht leben,« fuhr er fort, »und wenn du kein Geld hast)
Seite 99: "Gefährt" geändert in "Gefährte" (»Hier mußt du betteln!« sagte mein Gefährte am Eingang eines Dorfes)
Seite 140: "eine" geändert in "ein" (und ihn um ein Haar zwischen seine großen Zähne)
Seite 156: "ihre" geändert in "Ihre" (O, Ihre Mama ist meine Herzensfreundin!)
Seite 168: "»" eingefügt (»Versprechen Sie mir das?«)
Seite 175: "sichbar" geändert in "sichtbar" (Verdruß und Unwillen lagen sichtbar auf ihrer Stirne)
Seite 179: "daß" geändert in "das" (nach einem Mädchen zu erkundigen, das mir Ruhe und Verstand geraubt)
Seite 187: "daß" geändert in "das" (noch ein zweytes Verhör auszustehen, das mir schwerer ward)
Seite 190: "eigne" geändert in "eignen" (Ihre eignen Augen strafen Sie Lügen!)
Seite 198: "«" eingefügt (»Wollen Sie Soldat werden?«)
Seite 206: "«" und "»" eingefügt (Lemberg,« sagte er, »haben Sie das Terrain)
Seite 211: "ihnen" geändert in "Ihnen" (das wird Ihnen gute Dienste thun)
Seite 211: "Frenndschaft" geändert in "Freundschaft" (Solch eine Freundschaft ist unerhört)
Seite 216: "," geändert in "." (ward ich wieder anderes Sinnes. So kämpfte ich)
Seite 222: "i r" geändert in "ihr" (fühlte ich, wie ihr rechter Arm)
Seite 227: "sie" geändert in "Sie" (O, helfen Sie doch!)
Seite 240: "ihr" geändert in "Ihr" (Ihr Anblick nach so langer Zeit)
Seite 242: "sie" geändert in "Sie" (Aber Beydes machten Sie mir unmöglich)
Seite 245: "würklich" geändert in "wirklich" (und als Sie wirklich nicht kamen)
Seite 246: "daß" geändert in "das" (mein Herz nicht bändigen, das Sie ungestüm von mir forderte)
Seite 257: "höchstens" geändert in "höchsten" (unter allen Merkmalen des höchsten Erstaunens)
Seite 259: "daß" geändert in "das" (Mein Gott, das hast du ja schon gelesen!)
Seite 261: "!" geändert in "." (Aber, was soll nun werden? sagte Frau von Lehmniz.)
Seite 262: "«" eingefügt (Du weißt, als es noch kleine Krabben waren --«)
Seite 268: "»" eingefügt (»das Brautgeschenk!«)
Seite 270: "»" eingefügt (»Rahm, Ihr hättet eure Schuldigkeit nicht halb gethan)
Seite 270: "ihr" geändert in "Ihr" (das arme Mädchen habt Ihr am meisten beleidigt!)
Seite 280: "«" eingefügt (»Wer kann es anders seyn als Malchen,« rief ich laut)
Seite 320: "daß" geändert in "das" (etwas Glänzendes, das ich für einen Schlüssel hielt)
Seite 347: "Pantomine" geändert in "Pantomime" (sie hätte die Pantomime der Kammerjungfer gerade so verstanden)
Seite 358: "sie" geändert in "Sie" (Für Sie, gnädigste Gräfin!)
Seite 364: "«" eingefügt (ich bringe dir die ganze Schatulle der Gräfin!«)
Seite 371: "»" eingefügt (»Wer wehrt es dem Grafen)
Seite 378: "ihrer" geändert in "Ihrer" (mich zur Vertrauten Ihrer Qualen gebraucht)
Seite 381: "Fuchshöle" geändert in "Fuchshöhle" (Ich wollte hingehen, die Fuchshöhle aufsuchen)
Seite 388: "«" eingefügt (so erinnere er sich nicht mehr, wo?«)
Seite 391: "dich" geändert in "Dich" (Nicht eher werde ich Dich verlassen)]