Modernste Kriegswaffen - alte Erfindungen

Part 9

Chapter 93,299 wordsPublic domain

Im Jahre 1670 suchte Leibniz geschichtlich nachzuweisen, daß Alexander der Große, Hannibal und Gustav Adolf ihre Erfolge im wesentlichen dem Waffenwesen zu verdanken gehabt hätten. Von den Bomben sagt er damals: „Wenn der erste Erfinder die Sache einem einzigen Fürsten mitgeteilt, und dieser sein Geheimnis so wohl gewahrt hätte, wie die Chinesen das ihrige beim Porzellan, so hätte er leichtlich Herr der ganzen Welt werden können.“ An Stelle des Söldnerwesens wies Leibniz bereits energisch auf die Notwendigkeit eines stehenden deutschen Heeres hin, an dessen Seite außerdem noch eine Art Landwehr zu bilden sei. An Stelle der Piken, von deren Unbrauchbarkeit er überzeugt war, sollte das Bajonett treten.

Besonderen Wert legte Leibniz auf eine sichere Schußwaffe. Es seien deshalb vor allen Dingen die Luntenschloßgewehre abzuschaffen und an deren Stelle die Batterieschloßgewehre einzuführen, damit die Truppe stets feuerbereit sei. Vom Radschloß hält er nicht viel, und er regte darum den Gedanken an, auf irgend eine andere Art ein „lebendiges Feuer“ im Gewehr zu verbergen, damit man daraus jederzeit zünden könne.

Besonders auffallend ist folgende Stellung aus den Leibnizschen „Gedanken der teutschen Kriegsverfassung“ (1670), wo der Philosoph von Hinterlade- und Reptiergewehren spricht: „Neue Art sehr guter, beständiger und in allem mehr vorteilhafter Feuerrohre, als die man bisher gebraucht; nämlich man soll die Rohre von hinten laden, ~par la culasse~, dergestalt, daß man nicht anders vonnöthen habe, als hinten ein Gewerbe (-Wirbel, der sich in einem Gelenk dreht) aufzuthun, die Kammer hineinzuschieben und dann vermittelst einer Feder wieder zuschnappen lassen; welches mit großer Geschwindigkeit geschieht. Der Schuß ist unvergleichlich schärfer und gerader, die Ladung (Ladeweise) auch geschwinder als auf die gemeine Weise, und hat man dann keine Stopfens und Pfropfens vonnöthen, aus dessen Ermangelung sonst doch oft der Schuß ganz matt ist. -- Solches Gewehr würde zwar noch eins soviel als das gemeine kosten, hingegen gut und beständig sein und wohl zehnmal soviel Nutzen bringen.

Gewehr, daraus man oft ohne neue Ladung mit Pulver schießen kann, ist zum gemeinen Gebrauch nicht bequem, dieweil alles darin gar zu nett auf einander passen muß, sonst ist Gefahr dabei. Man könnte aber an dessen Statt mit Wind ohne neue Ladung zum öfteren schießen; und weil die Windbüchsen nicht leicht zu laden, solche hernach mit einem Schuß Pulver wieder spannen.“

Ferner hebt Leibniz den großen Nutzen tüchtiger Waffenschmiede hervor. Auch mit der Stückgießerei und mit gegossenen eisernen Geschützen befaßt er sich. Endlich macht er Vorschläge zu Brandsätzen und Höllenmaschinen und gibt einige Regeln der Ballistik und des Wurffeuers.

96.

Konserven für den Krieg.

Leibniz ist auch der erste, der daran dachte, die Truppen während langer Märsche oder anderer großer Anstrengungen durch Verpflegung mit Konserven dauernd bei ausreichenden Kräften zu erhalten. Die besten Mittel hierzu beschreibt Leibniz in einer in Hannover aufbewahrten Handschrift, die als „Utrechter Denkschriften“ bezeichnet ist. Seine Konserven nennt er „Kraft-Compositiones“.

Aber schon in früheren Jahren, um 1680, hatte Leibniz mit dem Erfinder der Dampfmaschine, dem Marburger Professor Papin, über das Einkochen der Konserven korrespondiert. Papin hatte sich seit der Erfindung seines verschließbaren Dampfkochtopfes mit dem Einkochen von Fleisch und Gemüse beschäftigt. Auf Grund dieser Erfahrungen konnte er Leibniz mitteilen, daß er die zum Einmachen verwendeten Gefäße mit schwefeliger Säure behandele, das Einlegen der Konserven im luftleeren Raume vornehme und den Deckel mit Kitt abdichte.

Leider wurden diese Vorschläge damals nicht berücksichtigt. Erst im Jahre 1807 machte die französische Marine Versuche mit konservierter Fleischbrühe, konserviertem Fleisch und Gemüsekonserven.

97.

Fleischextrakt im Kriege.

Ein „Extract aus Fleisch, dessen Composition mir bekannt ist“ wird gleichfalls von Leibniz ums Jahr 1714 in den Utrechter Denkschriften erwähnt. Auch hierüber hatte Leibniz mit Papin korrespondiert. Allerdings kommt damals die Bezeichnung Fleischextrakt noch nicht vor, sondern es ist nur von der Bereitung eines höchst nahrhaften Gelées die Rede, das die geistigen und flüchtigen Bestandteile des Fleisches, die man beim üblichen Einsalzen verliere, festhalte.

Niemand beachtete diese Anregung. Erst Napoleon I. ließ 100 Jahre später den Verwundeten in Ägypten Fleischextrakt zur Stärkung geben. Eine Bedeutung erlangte der Fleischextrakt erst, als der Hamburger Ingenieur Giebert im Jahre 1863 das Liebigsche Verfahren zur Bereitung des Fleischextraktes in riesigem Maßstab in den viehreichen Gegenden von Südamerika zur Durchführung brachte.

98.

Ein Prophet des Luftkrieges vor 250 Jahren.

Vor 250 Jahren arbeitete der Jesuit Lana eifrig an einem umfangreichen Werk „um die inneren Prinzipien der Naturwissenschaft nach genauer Methode von Versuchen und Erfindungen aufzudecken“. In diesem, dem Kaiser Leopold I. gewidmeten Buch werden eine Reihe von Erfindungen, z. B. die Chiffreschrift, die Blindenschrift, Apparate für die Wetterkunde, Säemaschinen, Fernrohre usw. behandelt. Besonders eingehend beschäftigt Lana sich mit seinem eigenen Plan zur Herstellung eines Luftfahrzeuges. Die Natur der Gase war damals noch wenig bekannt, wohl aber wußte man durch die Versuche des geistvollen Magdeburger Bürgermeisters Otto v. Guericke, daß ein luftleeres Gefäß wesentlich leichter ist, als ein mit Luft gefülltes. Auf diese Tatsache stützte Lana seinen Plan. Er wollte vier dünnwandige Kugeln aus Kupfer oder Glas anfertigen, die Kugel luftleer pumpen, und sie über einer Gondel befestigen. Er schloß richtig, daß er mit diesem Fahrzeug in die Luft steigen könne. Theoretisch hat Lana vollständig recht, und die Idee des Vakuumluftschiffes ist bis auf unsere Tage immer wieder verfolgt worden. Praktisch ist die Idee undurchführbar, weil der Luftdruck die dünnwandigen Ballongefäße eindrücken würde.

In Lanas Plan, der im Jahre 1670 im Druck erschien, interessiert uns heute die folgende Stelle „... sonst sehe ich keine Schwierigkeiten, die man vorbringen könnte, außer einer, die mir größer erscheint als alle andern: Gott wird niemals zugeben, daß eine solche Maschine wirklich zustande kommt, um die vielen Folgen zu verhindern, die die bürgerliche und politische Ordnung der Menschheit stören würden. Denn wer sieht nicht, _daß keine Stadt vor Überfällen sicher wäre_, da ja das Schiff zu jeder Stunde über dem Platz derselben erscheinen und die Mannschaft sich herablassen und aussteigen könnte. Dasselbe geschehe in den Höfen der Privathäuser _und bei den Schiffen_, die das Meer durcheilen. Ja, wenn das Schiff nur aus hoher Luft bis zu dem Segelwerk der Meerschiffe herabstiege, könnte es die Taue kappen, und auch ohne herabzusteigen, könnte es _mit Eisenstücken_, die man aus dem Schiff nach unten werfen könnte, die Fahrzeuge zum kentern bringen, die Mannschaft töten und die Schiffe mit künstlichem Feuer, _mit Kugeln und Bomben in Brand stecken_. Und nicht nur Schiffe, sondern auch Häuser, Schlösser und Städte mit völliger Gefahrlosigkeit für diejenigen, die aus ungemessener Höhe solche Sachen herabwürfen.“

Professor Lohmeier aus Rinteln ließ sechs Jahre später durch einen seiner Schüler die Lanasche Arbeit in weitgehendem Maße zu einer Doktorarbeit benutzen, und antwortete darin: „Hat Gott die Erfindung der Säbel, Flinten, der Kanonen und des Pulvers, womit einige Jahrhunderte her soviel Blut vergossen worden ist, nicht verhindert, warum sollte er diese Kunst verhindern? Der Staat wird, wenn es einmal dahin kommen sollte, schon Gegenmittel finden und, gleich wie wir Flinten gegen Flinten und Kanonen gegen Kanonen gesetzt haben, _so würden wir auch Luftschiff gegen Luftschiff vorrücken lassen und förmliche Luft-Bataillen_ liefern.“

99.

Küchen-Dragoner.

Was heute ein Küchendragoner ist, das brauche ich doch nicht zu sagen.

Aber, wie wir zu dieser Bezeichnung kamen, ist interessant zu lesen.

Es gab in den Jahren 1689 bis 1704 drei Dragonerregimenter, die die dienstliche Bezeichnung „Hofstaats- und Küchendragoner“ führten, und zwar deshalb, weil sie damals den Dienst am Hofe und besonders in der Hofküche versehen mußten. Als der „alte Dessauer“ -- Fürst Leopold von Anhalt-Dessau -- im Jahre 1729 die Stammliste der preußischen Regimenter aufstellte, schrieb er über das Reiterregiment von Blanckensee Nr. 4, es sei „anno 1674 von denen Hofstaats- oder Küchendragonern“ gebildet und zum Leibregiment ernannt worden. Daß gerade dieses Regiment zu den Küchendragonern gehörte, ist nicht nachgewiesen worden. Es scheint also, daß der alte Dessauer sich hierin irrte. Die heutige scherzhafte Bezeichnung „Küchendragoner“ geht aber doch auf diese ehemalige dienstliche Bezeichnung zurück.

100.

Wie eine Kriegsflugmaschine im Jahre 1709 aussehen sollte.

Ein Kurier, der mit allerlei neuen Nachrichten anfang Juni 1709 nach Wien kam, berichtete auch über eine Flugmaschine, die am 24. Juni in Portugal erprobt werden sollte. Man veröffentlichte damals in Wien sogleich diese Neuigkeit mit dem nebenstehenden Bild in der Zeitung: „... eine Kunst zu fliegen, vermittelst welcher man in 24 Stunden durch die Lufft 200 Meyl machen, denen Kriegs-Heeren in denen weit entlegenen Ländern die Ordre, auch zu jenen neben denen Brieffen, Volck, Lebens- Kriegs- und Geld-Mitteln überschicken“ könne.

Nicht weniger könne man „die belagerten Plätze mit allen Nothwendigkeiten versehen“. Diese Erfindung sei von einem Brasilianer gemacht und dem König von Portugal angeboten worden.

Kein Wunder, daß die Nachricht von diesem Kriegsluftfahrzeug schnell durch Sonderdrucke und Flugblätter verbreitet wurde. Ein findiger Buchdrucker erweiterte die Nachricht sogar und erzählte sogleich von einer geschehenen Luftreise von Portugal nach Wien. Die Reise sei sehr gefährlich gewesen und der Luftschiffer habe mit Adlern, Störchen und auf der Erde unbekannten Vögeln kämpfen müssen. Auf dem Mond sei ein großer Tumult entstanden, als das Luftschiff gesichtet worden sei, und der Luftfahrer habe die Mondbewohner deutlich erkennen können. Leider sei die Landung in Wien mißlungen; denn das Fahrzeug sei gegen die Spitze des Stephansturmes gefahren und dort hängen geblieben, so daß man den Luftfahrer nur mit Mühe habe retten können. Zunächst habe man den kühnen Mann in Wien gastlich aufgenommen, hernach aber doch eingesehen, daß er ein Hexenmeister sei, sodaß man ihn verhaften mußte. Er „dürffe nebst seinem Pegaso erster Tage verbrandt werden; vielleicht; damit diese Kunst, welche, wenn sie gemein werden sollte, große Unruhe in der Welt verursachen könnte, unbekannt bleiben möge“.

Von der „großen Unruhe“, die die Luftschiffahrt zu bringen vermag, kann jetzt manche Stadt, zumal London etwas erzählen.

101.

Die Vorahnung des Luftballons im Jahr 1710.

Wir hörten, daß der mit warmer Luft gefüllte Ballon zwar im Mittelalter bekannt gewesen ist, daß die Kenntnisse zu seiner Herstellung mit der Zeit aber verloren gingen. Erst im Jahre 1782 füllte man in Frankreich wieder einen großen Ballon mit warmer Luft, und im folgenden Jahr begann dann die Zeit der gasgefüllten Ballone.

Und doch sehen wir hier einen Luftballon gen Himmel steigen, wenn auch der Künstler den Ballon selbst ein wenig zu klein, oder die Gondel zu groß gezeichnet hat. Wir haben das Titelblatt eines vielgelesenen Romanes „Reise nach dem Mond“ vor uns. Dort wird erzählt, wie man mittelst einer mit Rauch gefüllten Kugel in die Luft emporsteigen kann.

So haben also ein Dichter und ein Maler fast dreiviertel Jahrhundert früher die Darstellung eines Luftballons gegeben, ohne daß jemand hier den so überaus fruchtbaren Gedanken fand.

102.

Ein Riesenweck für die Manöver von 1730.

Eine Liebesgabe von gewaltiger Abmessung sandte man im Juni des Jahres 1730 den Kgl. polnischen und Kurfürstlich sächsischen Truppen ins Hauptquartier.

Wir sehen links auf dem Bilde einen schwebenden Engel, der die Zeichnungen des Grundrisses und des Ofenprofiles, sowie die Darstellung des zehn Ellen langen Messers, das zum Zerschneiden der Liebesgabe diente, hält. Der Ofen selbst ist im freien Felde aufgemauert. Der Dresdner Bäckermeister Zacharias leitete das gewaltige Unternehmen. Er rührte einen Teig aus 18 Scheffeln Mehl, 1½ Tonne Hefe, 326 Kannen Milch, 3600 Eiern und drei Pfund Muskatblüten. Auf einer Bretterunterlage brachte man den Teig mit Hülfe der vor dem Ofen aufgestellten Maschine mittelst Stricken in den Ofen, und zog ihn hernach wieder so heraus. Der „Strietz oder Kuchen“ maß 18 Ellen in der Länge, acht Ellen in der Breite und 1½ Schuh in der Höhe.

Im Vordergrund des Bildes sehen wir den Kuchen auf einem besonders zu diesem Zweck erbauten Wagen, von acht Pferden gezogen und unter militärischer Bedeckung in das Königliche Hauptquartier bei Radewitz geführt.

103.

Die erste Dampffahrt eines Kriegsschiffes.

Die Engländer verstanden es von jeher, sich alle Erfindungen zu Nutzen zu machen, die der Schiffahrt und dem Seekrieg dienen konnten.

Von besonderer Wichtigkeit mußte der englischen Flotte eine Erfindung sein, mit deren Hülfe sie ihre Kriegsschiffe bei windstillem Wetter aus oder in den Hafen bringen konnte. Auf hoher See findet sich schon ein wenig Wind, wenn es am Lande auch noch so still ist. Der Engländer Jonathan Hulls ließ sich am 21. Dezember 1736 ein Schiff patentieren, in dem ein Dampfkessel mit Dampfmaschine untergebracht waren. Die Dampfmaschine trieb ein großes an Heck liegendes Schaufelrad. Wir sehen auf unserm Bild deutlich das Rad und die dazugehörige Seiltransmission.

Ein solches Dampfschiff nahm die Fregatte ins Schlepptau. Es wird berichtet, daß die englische Admiralität mit dieser Erfindung sogleich einen Versuch anstellen ließ. Näheres ist nicht bekannt geworden, weil der Versuch, wenn er überhaupt stattgefunden hat, wahrscheinlich geheim gehalten wurde.

Als im vergangenen Jahr unsere „Emden“ den kühnen und erfolgreichen Vorstoß gegen den Feind machte, wobei sie sich mit einem vierten Schornstein maskiert hatte, waren genau hundert Jahre verflossen, daß das erste durch eigne Dampfeskraft bewegte Kriegsschiff von Stapel gelaufen.

104.

Geschütze aus Eis.

Die Deutsche Tageszeitung berichtete kürzlich über Eisgeschütze folgendes: „Die ersten Eiskanonen scheinen in dem strengen Winter 1740 in St. Petersburg hergestellt worden zu sein. Es handelt sich um sechs Kanonen und zwei Mörser, die in ihren Größenverhältnissen völlig den üblichen Metallgeschützen entsprachen. Die Ladung bestand aus ¼ Pfund Pulver, als Geschoß dienten „Werck-Ballen“ oder auch eiserne Kugeln. Anläßlich eines Probeschießens, das in der Gegenwart des gesamten Hofstaates stattfand, wurde auf 60 Schritt Entfernung ein Brett von zwei Zoll Dicke durchlöchert. Einen ähnlichen Versuch unternahm in dem kalten Winter 1795 der Professor und kurfürstliche Rat Weber zu Landshut in Bayern. Er ließ „aus einigen der reinsten und dicksten Eisstücke aus der Donau“ Kanonen und Mörser drehen, wobei das Eis die Form der Geschütze vollständig annahm. Die Eisgeschütze wurden auf Lafetten gelegt und mit Pulver und Kugeln, welch letztere ebenfalls aus Eis bestanden, geladen. Dabei gelang es, eine 36 Lot schwere Eiskugel aus dem senkrecht gestellten Mörser zu einer solchen Höhe emporzutreiben, daß sie erst nach fast zwei Minuten wieder die Erde erreichte. Selbst als Tauwetter eingetreten war, glückte der Versuch noch, nachdem man das geschmolzene Eis herausgewischt und den Mörser mit Löschpapier ausgetrocknet hatte. Das Geschütz erlitt durch das Abfeuern nicht die geringste Beschädigung.“

105.

Die Stahlfeder beim Aachener Friedensschluß.

Den zerbrechlichen Gänsekiel hatte man schon in früheren Jahrhunderten durch bronzene oder eiserne Röhrchen ersetzt, die vorn zugespitzt und gesplissen waren. Unsere Stahlfeder wurde erst während des zweiten Aachener Friedenskongresses im Jahre 1748 erfunden. Darüber erzählt uns der damalige Aachener Bürgermeistereidiener Johannes Janßen: „Eben umb den Congres Versammlung hab ich auch allhier ohn mich zu rühmen neuwe Federn erfunden. Es konnte vielleicht sein, daß mir der liebe Gott diese Erfindung nicht ohngefähr hätte lassen in den Sinn kommen mit diese meine stahlene Federn zu machen, deweil alle und jede allhier versammelte H. Hr. Gesandten davon die Erste und Mehreste gekauft haben, hoffentlich den zukünftigen Frieden damit zu beschreiben, und dauerhaft wird sein wie diese meine stahlenen Federn, daß der liebe Gott will geben, dan der verderbliche Krieg hatt lang genug gewährt; weilen aber jetzo alles wohl zum Frieden aussieht, hatt man auch Hoffnung, daß er lang dauern soll, eben wie der harte Stahl, damit er beschrieben wird. Dergleiche Federn hatt Niemand nie gesehen noch von gehört, wie diese meine Erfindung ist, allein man muß sie rein und sauber von Rost und Dinten halten, so bleiben sie viel Jahr zum Schreiben gut, ja wenn man auch 20 Reis Papier damit würde beschreiben, mit einer Feder, so wäre die letzte Linie beschrieben wie die erste, sonder was an die Feder zu verandern, sogar sie seindt in allen Ecken der Welt hineingeschickt worden als eine rare Sach, als nach Spanien, Frankreich, Engeland, Holland, ganz Teutschland. Es werden deren von anderen gewiß nachgemacht werden, allein ich bin doch derjenige, der sie am ersten erfunden und gemacht hat, auch eine große Menge verkauft außer und binnen Lands, das Stück for 9 M. aix oder ein Schilling specie und was ich hier hab kunnen machen ist mir abgeholt worden.“

106.

107.

Ein Flugzeug-Motor von 1751.

In einer der vielen Robinsongeschichten, die dem echten weltbekannten Roman vom Seefahrer Robinson Crusoe folgten, wird eine köstliche Darstellung einer Flugmaschine gegeben. Der Held der Erzählung erreicht, nachdem sein Gefährte schon ermattet zusammengebrochen ist, mit seiner Flugmaschine ein gesegnetes Eiland. Viel Platz haben die beiden auf ihrem Eindecker nicht gehabt. Ununterbrochen mußten sie, als ständen sie an einer Feuerspritze, „den Schwengel drehen“.

108.

Die Erbswurst im 18. Jahrhundert.

Der Direktor der Kgl. Hofapotheke zu Berlin, Herr Johann Heinrich Pott, erfand im Jahre 1756 ein „Pulver wider den Hunger“. In den bekanntesten Tagebüchern des Generalmajors von Scheelen wird über diese Erfindung folgendermaßen berichtet: „Der Regiments-Felscher Schmuckert von der Garde hatte ein Pulver erfunden, davon man ohne Brot und ander Essen 14 Tage leben kann, und es dem König gemeldet, der König machte also die Probe. Den 5. mußte von der Garde der Lieutnant Raoul mit drei Mann vor die langen Brücke nach der Maulbeerplantage vom Waisenhause gehen und daselbsten acht Tage in einem Hause sich einquartieren und alle Tage stark arbeiten und manchmal des Tages zwei Meilen marschieren. Es waren drei verschiedene Kerls. Der erste war ein gesunder starker Kerl, der für zwei Mann essen konnte. Der zweite war ein ordinairer Esser, aber ein starker Trinker, etwas liederlich. Der dritte ein sehr ordentlicher Mensch im Essen und Trinken. Der Lieutnant Raoul hingegen, war der schwächlichste von ihnen allen. Ein jeder bekam des Tages zwölf Loth Pulver, des Morgens zwei Loth, alsdann vier Stunden gearbeitet, zu Mittag sechs Loth, wieder vier Stunden gearbeitet, als Wasser zu trinken. Der liederliche konnte Tabak rauchen und täglich vor ein Dreier Branntwein trinken, des Abends vier Loth. Man tat das Pulver in kochend Wasser und ließ es zwei Minuten kochen, so war es gut und wie ein Brei zu essen, es quoll auf, die Leute bekamen sonst nichts anderes zu essen, der Lieutnant mußte davon repondieren. Sie bekamen auch nichts. Die ersten Tage sättigte das Pulver die Leute sehr gut, ohne daß ihre Kräfte abnahmen. Der Lieutnant rapportierte alle Morgen schriftlich davon General Retzwo, Major Diericke. Des Nachts schliefen die Leute auch draußen. Das neuerfundene Pulver wider den Hunger ist in Frankreich erst vorm Jahr erfunden worden, man hält es dorten sehr geheim. Der Herzog von Nivernois hat unserm König was davon gegeben, dieser hat es in Berlin durch den Professor Pott auflösen lassen. Das Rezept hat Balbi und General Retzwo an den Regiments-Felscher Schmuckert gegeben, der hat das Pulver nachgemacht und gibt es vor seine Erfindung aus.“

So ist auch die Erbswurst, die der Berliner Koch Grüneberg im Jahre 1867 aufbrachte, an sich nichts neues gewesen.

109.

Ein automobiles Geschütz um 1760.

Der Kupferstecher Bodenehr zeichnete das hier als Titelbild dargestellte Geschütz, das wohl damals von irgend einem Erfinder ausgedacht wurde. Der riesige Wagen soll mit der ganzen Bedienung von dem hinten sitzenden Soldaten anscheinend bequem und schnell gekurbelt werden.

110.

Ein Luftkampf.

In dem Roman „Die fliegenden Menschen“ wird erzählt wie ein Reisender zu einem Volk kommt, das die Fähigkeit hat mittelst eines Flügelkleides zu fliegen und sich in der Luft so zu bewegen, als sei es auf fester Erde. Dieser Roman erlebte mehrere Auflagen und wurde in verschiedenen Sprachen herausgegeben.

111.

Das Luftgewehr als Kriegswaffe.

Der österreichische Gewehrtechniker G. C. Girardoni, ein äußerst fruchtbarer und genialer Erfinder, hatte 1780 eine Reptierkonstruktion an einem 15 mm Jägerstutzen versucht. Dabei zerschmetterte eine Magazinexplosion ihm den linken Arm. Mit einer eisernen Hand an dem zerstörten Arme vervollkommnete Girardoni seine Erfindung dennoch weiter. Nur verwandte er statt der gefährlichen Pulverkammer eine Kammer mit komprimierter Luft. „So entstand“, sagt Dolleczek nach einem Privatbrief der Urenkel Girardonis, „die Windbüchse, welche als Reptierwaffe mit rauch- und nahezu knallosem Schusse über 35 Jahre in der österreichischen Armee eingeführt war.“

Diese Girardonische Windbüchse führte, wie jedes andere Armeegewehr, eine dienstliche Bezeichnung „Reptier-Windbüchse M. 1780“. Sie hatte 13 mm Kaliber, einen mit zwölf Zügen versehenen Lauf mit ⁵⁄₄ Drall, an den sich hinten ein messingnes Ventilgehäuse, dann der in den kleinen mit Leder überzogenen Kolben eingekleidete Rezipient anschloß. Dieser Kolben, Flasche genannt, wurde vor dem Schießen abgeschraubt mit gepreßter Luft gefüllt und dann wieder luftdicht angeschraubt. Die Luftfüllung reichte für 40 Schuß. Jeder Schütze führte 24 gefüllte „Flaschen“ mit ins Gefecht. Jeder Kompagnie führte man auf Wagen Reserveflaschen und zwei Luftpumpen nach.