Modernste Kriegswaffen - alte Erfindungen

Part 8

Chapter 83,361 wordsPublic domain

Samuel Zimmermann, ein Augsburger Kriegsbaumeister, schrieb ein Buch mit dem Titel: „Dialogus oder Gespräch zweier Personen, nämlich eines Büchsenmeisters mit einem Feuerwerkkünstler.“ Die Handschrift ist vom Jahre 1573 datiert und in mehreren zeitgenössischen Abschriften verbreitet. Eine dieser Abschriften, datiert 1577, besitzt das Berliner Zeughaus. Nachdem der Verfasser von der Anlage der Sonnenuhren gesprochen hat, sagt er: „Also auf diese Weise kann man auch wohl ein Büchsengeschoß legen, daß wie gemelt (= gemeldet), durch der Sonne Schein und Wiederschein auff eine gewisse Stunde vnd Zeit ab und los ginge, dardurch also leichtlich und balt erschossen...“

Der Büchsenmeister, der in diesem Dialog immer Fragen an den Feuerwerker stellt, fragt hier: „Welche Stunden im Tage oder Zeit soll ich erwehlen, darin die Sonne zum allerkräfftigsten und stercksten scheint?“ Darauf antwortet der Feuerwerker: „Alle Wege umb den Mittag auff 12 Uhr oder zwischen 12 vnd 1 Vhr ist der Sonnen Hitze vnd Schein am kräftigsten, bis Mittag nimbt die Sonne zu von Stundt zu Stundt, Nachmittag aber nimbt sie ab an Hitze vnd Schein mit Wiederschein, von Stundt zu Stundt, biß zu ihrem Untergang. Die Zeit aber im Jahre zu erwehlen, seindt 3 Monat, nemblichen Junius, Julius, Augustus, in welchen dreyen Monden der Sonnen Hitze vnd Schein am krefftigsten ist.“

Zimmermann verwendet „ein metallisch oder cristallischen Spiegell“, um die Sonnenstrahlen auf die Pulverpfanne der kleinen Kanone zu lenken. Wann derartige Kanonenuhren in der Gartenbaukunst Eingang fanden, konnte ich nicht ermitteln. Es erscheint mir sehr auffallend, daß dies hübsche Schaustück schon über 300 Jahre alt ist.

Denn bekannt gemacht wurden diese Kanonenuhren erst ums Jahr 1798, und in unseren Museen sind sie überaus selten. Die hier abgebildete Uhr soll aus Moskau stammen, ist wohl aber deutschen Ursprungs. Sie befindet sich im Mathematisch-physikalischen Salon zu Dresden.

78.

Ein Schiffswagen.

Vor wenigen Jahren erregte die Konstruktion eines Automobils großes Aufsehen, mit dem man ohne weiteres vom Land in einen Fluß oder einen See hineinfahren konnte, um am gegengesetzten Ufer mit dem Wagen wieder auf dem Trockenen weiterzufahren. Die Idee zu einem solchen amphibischen Fahrzeug ist schon über dreihundert Jahre alt. Wir sehen hier den Entwurf des Ingenieurs Ramelli, der seine Wagen, die zu Lande allerdings von Pferden gezogen wurden, im Wasser mittels großer Schaufelräder weiterbewegt. Solche Fahrzeuge dienen, wie wir sehen, zum Angriff gegen Festungen.

79.

Gewehrpatronen.

Ganz vereinzelt kommen Patronen schon vor über 300 Jahren vor. In den Dresdner Sammlungen haben sich Patronen erhalten, die von der Leibwache des Kurfürsten Christian I. stammen. Im dreißigjährigen Kriege hatten die Soldaten von Gustav Adolf stets einige Gewehrpatronen für den Notfall bei sich. Allgemeiner wurde die Patrone erst in späterer Zeit mit der Einführung der Hinterladegewehre.

80.

Die Feldküche.

Jüngst sind alle mögliche Leute aufgetreten, von denen jeder „der allein echte“ Erfinder der transportablen Feldküche sein wollte. Daß man tragbare Feldküchen schon vor Jahrhunderten kannte, zeigt unser Bild. Das Tragtier sollte auf jeder Seite eine Holzkiste tragen, in die ein metallener Kasten eingesetzt war. Auf einem Rost kochten in dem Kasten die Speisen während des Marsches. Der Holzkasten schützte vor Wärmeverlusten.

Im Jahre 1798 wurde eine auf Rädern mitgeführte Feldküche bekannt gemacht, die das Essen für 1200 Mann während des Marsches kochte. In Bayern führte man 1806 fahrbare Feldküchen für 1000 Mann versuchsweise ein, und im Jahre 1869 bemühte sich ein Breslauer Erfinder, eine gleiche Feldküche an den Staat zu verkaufen.

81.

Der Bleistift des Reitersmannes.

Der Krieg versteht es immer sich die neuesten Neuheiten zu Nutzen zu machen, und ihnen so eine Verbreitung zu verschaffen, die sie bei der Gleichgültigkeit des Volkes sonst vielleicht nie, oder erst recht spät erreichen würde.

Zum Beispiel: Als die Gelehrten vor genau 250 Jahren dünn gesägte Graphitstäbe beschrieben, die man in eine gedrechselte Holzhülse einfaßte, so wie wir es in unserer Abbildung sehen, blieben diese Schreibstifte ein Kuriosum.

Als aber im Jahre 1595 Graf Johann der Jüngere von Nassau seine Vorschriften für die Ausrüstung der Reiter niederschrieb, empfahl er, diese „Federn von spanischem Blei“ nicht zu vergessen, weil sie dem Reiter zum Aufschreiben von Nachrichten weit dienlicher wären, als Tinte und Federkiel.

82.

Der Mondscheintelegraph.

Im Gebirgskrieg, zumal im Kolonialkrieg, wenn die Sonne heiß und dauernd aus wolkenlosem Himmel niederstrahlt, spielt der Heliograph eine Rolle. Man fängt die Sonnenstrahlen in einem kleinen Spiegel auf, um sie so auf weite Entfernungen zum befreundeten Posten zu lenken. Der Spiegel ist beweglich, sodaß man mittels solcher Strahlenbündel längere und kürzere Zeichen geben kann, die sich zu einem telegraphischen Alphabeth vereinigen. Ehe diese Sonnentelegraphen aufkamen, hören wir aus der Geschichte, daß man mittels der Mondstrahlen einmal auf gleiche Weise telegraphiert habe. In einem Bericht über die Eroberung der ungarischen Festung Raab am 26. März 1598 heißt es, daß Kaiser Rudolph über diesen Erfolg schon genau unterrichtet war, als der Oberbefehlshaber ihm den Sieg durch einen Kurier mitteilen ließ. Der Kurier war hierüber sehr bestürzt, da „hat ihm Ihr Majest. vermelt, sie wissens durch eine Kunst.... mit zwei Spiegeln... damit man von vil Meil einander in Monschein zaichen geben kan.“ Der eine dieser Spiegel sei beim Oberkommando, der andere im kaiserlichen Lager gewesen.

Was an dieser Geschichte wahres ist, läßt sich nicht mehr nachprüfen. Die Idee der Telegraphie mit Himmelslicht ist zweifellos hier ausgesprochen.

83.

Das Tellereisen als Waffe.

Vor mehr als dreihundert Jahren kam jemand auf die sonderbare Idee, das Tellereisen nicht nur auf der Jagd, sondern auch im Kriege zum Menschenfangen zu verwenden. Es hatte sich damals in Festungskriegen eine besondere Art von Geschossen, die sogenannte Petarde, bewährt. Diese Petarden bestanden aus starken, eisernen Gefäßen, die man mittels eines Ringes an ein Festungstor hing, um dieses aufzusprengen. Die Erfindung geschah um 1575 in Frankreich, und ihre erste Anwendung versuchte man zur Breschierung des Tores von Ambert im Jahre 1577. Deutschland lernte die Petarde am 23. Dezember 1587 am Rheintor von Bonn kennen. Hatte sich ein Soldat mit einer Petarde bei Nacht und Nebel an eines der Stadttore geschlichen, so gab es für das Tor kaum noch eine Rettung. Nach wenigen Minuten war die Zündschnur abgebrannt, und die Pulverladung der Petarde hatte in das Holz des Tores Bresche gelegt. -- Boillot sagt 1598 zu dem obenstehenden Kupferstich, diese Erfindung könne an vielen Orten dienlich sein, um die „Petardierer und andere vorhaben zu verhindern auch solche, die dergleichen understünden umzubringen oder zu beschedigen“. Man soll das Instrument vor einem Tor aufrichten, anhängen oder flach niederlegen. Wer es in der Mitte berühre, werde „beschädiget, auch der gestalt gefesselt und angehalten werden, daß jhme unmüglich, sich darvon zu entledigen“. Aus der nun folgenden Beschreibung möchte man entnehmen, daß die Tellereisen damals noch nicht allgemein bekannt waren, denn der Verfasser beschreibt das Instrument in allen seinen Teilen äußerst umständlich. -- Vielleicht regen diese Zeilen dazu an, dem Ursprung des Tellereisens weiter nachzugehen.

84.

Zielfernrohre und Distanzmesser im 17. Jahrhundert.

An Geschützen und Gewehren ist das Zielfernrohr heute eine alltägliche Zugabe geworden. Es wird deshalb interessieren, etwas über das hohe Alter der Instrumente zu erfahren. Vor der Erfindung der Fernrohre -- sie sind wahrscheinlich nicht in Holland im Jahre 1608, sondern in Italien vor dem Jahre 1590 erfunden worden -- benutzte man zum Distanzmessen zwei im Winkel zu einander bewegliche Maßstäbe mit zwischengeschobenem Sinusmaßstab. Man maß die Entfernung also nach den Regeln der Trigonometrie, indem man sich zwischen Geschütz und Ziel ein rechtwinkliges Dreieck konstruierte. Die Verbindungslinie zwischen Ziel und Geschütz, also die gesuchte Entfernung, war die eine Kathete des Dreiecks, zugleich dessen Höhe. Der rechte Winkel lag beim Geschütz. Die Basis des Dreiecks war der eine Maßstab. Die Hypotenuse wurde von der Basis aus durch den zweiten Maßstab auf das Ziel hin visiert und nun durch den Sinusmaßstab dieser Basiswinkel gemessen. Da man jetzt die Länge der Basis und die beiden Winkel an der Basis kannte, mußte die an dem Sinusmaßstab abgelesene Entfernung der Länge der zweiten Kathete, d. h. der Zielentfernung entsprechen.

Im Jahre 1608 erschien von Leonhard Zubler, einem Züricher Büchsenmeister, eine damals hochgeschätzte Schrift, welche die Verwendung eines solchen Distanzmessers erläuterte. Der Titel der Schrift lautet: „Newe Geometrische Büchsenmeisterey, d. i. Grundlicher Bericht, wie man durch ein new Geometrisch Instrument mit sonderer Behendigkeit jedes Geschütz nit allein richten, sondern zugleich auch desselben Höhe und Weite messen soll.“ Tatsächlich sind mit dieser Ankündigung die Aufgaben, welche Zubler seinem Instrument stellt, noch keineswegs erschöpft. Es soll nämlich nicht nur zum Richten und Justieren des Geschützes, sondern auch zum Distanzmessen, zum Höhenmessen und Terrainaufnehmen dienen. Von den Gewohnheiten der Büchsenmeister, all ihr Wissen geheimnisvoll zu gestalten, konnte sich Zubler auch noch nicht frei machen, deshalb bleibt vieles in seiner Schrift dunkel. Vielleicht kam es aber auch dem Mann darauf an, durch seine Schrift die Fachgenossen aufzufordern, seine persönliche Unterweisung zu suchen, um das Nähere über die Verwendung des Instrumentes zu erfahren.

Der erste, der von der Anwendung eines Fernrohres zum Distanzmesser spricht, ist der um die Kriegswissenschaften hochverdiente Philosoph Leibniz. Er sagt im Jahre 1670 in einem an Spinoza gerichteten Brief, er habe eine neue Form der Linse eines Fernrohres erdacht, welche zugleich als Distanzmesser dienen könne. Leider gibt er die Konstruktion nicht an.

85.

Ein Telegraph im Jahre 1616.

Der Italiener Porta hatte 1589 in seinem weit verbreiteten Buch über natürliche Magie Anregungen zur optischen Telegraphie gegeben. Der aus Wetzlar stammende Maler Franz Keßler unternahm daraufhin Versuche und legte deren Ergebnis in einer heute außerordentlich seltenen Schrift „Secreta, Oder Verborgene geheime Künste“ nieder, die 1616 in Oppenheim erschien. Wir sehen aus dem Bilde, daß eine telegraphische Verbindung zwischen Napfort und Eckhausen geplant ist, um „durch die freie Luft hindurch, über Wasser und Land von sichtbaren zu sichtbaren Orten, alle Heimlichkeiten zu offenbaren und in kurzer Zeit zu erkennen“. Auf beiden Stationen befinden sich brennende Feuertonnen. Sobald der Beamte Hans auf der Station Napfort an einem Strick zieht, wird sein Feuer dem Beamten Peter in Eckhausen sichtbar. Aus der Anzahl der auf diese Weise zustande gekommenen Signalblitze läßt sich das telegraphierte Wort von einer neben der Feuertonne liegenden Tafel ablesen.

86.

Eine Schwimmausrüstung.

Keßler zeigt in seinem Buch auch, wie sich ein Jäger durch aufgeblasene Schwimmhosen über Wasser erhalten und durch Klappruder an den Füßen im Wasser fortbewegen soll. Bleischuhe verhindern das Umschlagen im Wasser.

87.

Gefährliche Beute.

Boillot gibt im Jahre 1598 an, wie man dem Feind mit List Koffer, Fässer oder Körbe mit Eiern auf den Weg stellen soll. Wer an diesen Beutestücken die Stricke löst, oder den Kranz aus den Eiern herauszieht, löst dadurch Radschlösser aus, die eine verborgene Pulverladung zur Explosion bringen. Wir sehen, daß unter den Eiern scharfe Eisenstücke verborgen liegen, die den Feind schwer beschädigen müssen.

88.

Eine Schießpulvermühle mit Dampfturbine, 1629.

Dem gesuchten, und in Kriegszeiten geplagten Pulvermacher, der sein gefährliches Gewerbe je nach Bedarf und Bezahlung bald in dieser Stadt, bald bei jenem Landesherrn ausübte, seine Arbeit zu erleichtern, trachtete der Urheber unseres kleinen Bildes.

Es war ein kenntnisreicher Ingenieur, namens Branca, der im Jahre 1629 ein Buch über vielerlei neuartige Maschinen herausgab. Hier plant er, das Stampfwerk eines Pulvermachers durch Dampfkraft zu betreiben.

In einer üblichen Perspektive wird gezeigt, wie mehrere Zahnräder die Bewegung eines großen Dampfrades immer mehr verlangsamen und endlich eine Walze drehen, an der zwei Stifte die Stampfer emporheben. Gegen die Zellen des Dampfrades bläst ein Strahl aus einem lächerlich klein gezeichneten Dampfkessel. Um dies Blasen dem Laien verständlich zu machen, hat der Dampfdom die Gestalt eines blasenden menschlichen Kopfes. Oben auf dem Schädel sehen wir die Verschraubung zum Einfüllen des Wassers. Der Dampfkessel ruht etwas primitiv auf einer dreibeinigen Pfanne, aus der die Flammen an den Kesselwandungen emporzüngeln.

Welch langer und mühseliger Weg, zwischen diesem Dampfrad und unsern heutigen, ähnlichen Dampfturbinen, die uns unsere Kriegsschiffe treiben!

89.

Ledergeschütze.

Damit die Geschütze „erstlich nicht so viel kosten, zum andern, daß solche leicht fortzubringen“ erfand der kaiserliche Oberst von Wurmbrand im Jahre 1625 leichte Kartätschengeschütze aus dünnen Kupferrohren, die mit Tauen umwickelt und mit Leder umhüllt waren. Da Wurmbrand später zu den Schweden überging wurden diese ledernen Kanonen Gustav Adolph bekannt und durch ihn während des dreißigjährigen Kriegs berühmt. „Sie sind aber durch die Hern schweden selbst bald verworffen, weil sie in wenig Schüssen zersprungen und zunichte worden.“ Die Abschaffung geschah bei den Schweden bereits im Jahre 1631, und zwar hauptsächlich deshalb, weil das dünne Kupferrohr sich stark erhitzte und dadurch leicht eine Selbstentzündung der Ladung herbeiführte.

In Preußen wurden im Jahre 1627 vorübergehend Ledergeschütze benutzt. Zwei Jahre später erfand der Leutnant Wolff Müller in Chemnitz ein Ledergeschütz, von der der Kurfürst von Sachsen zwei Stück anfertigen ließ. Nach einer Aufzeichnung des Dresdener Zeughauses müssen die damit angestellten Versuche aber ungünstig verlaufen sein.

Im nächsten Jahre, 1630, „hat ein Geistlicher in Antorf ein einpfündiges Geschütz aus einer Kupferröhre gefertigt, die mit eisernen Platten belegt, durch Ringe zusammengehalten und mit Hanf umwickelt“ wurde und einen Anstrich von Tischlerleim erhielt.

Das Berliner Zeughaus besitzt gegenwärtig fünf Ledergeschütze aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Eins stammt aus Stettin, ein anderes aus Stralsund; die Herkunft der übrigen läßt sich nicht mehr feststellen. Die Länge der Rohre schwankt zwischen 121 und 216 cm, das Kaliber zwischen 3,5 und 6,1 cm. Zwei dieser Geschütze haben statt der kupfernen Innenrohre sogar Lederkernrohre. Eins ist sogar ohne jedes Metall gebaut, und vollständig elastisch. Was man mit einer solchen biegsamen Kanone bezweckt hat, läßt sich nicht erkennen. Es ist nur anzunehmen, daß in den Wirren des dreißigjährigen Krieges manches Mal Geschütze aus dem ersten Material gebaut wurden, was zur Hand war. Not kennt kein Gebot.

90.

Wallgucker und Opernglas.

Im heutigen Stellungskrieg spielt der alte Wallgucker wieder eine große Rolle als -- neue Erfindung.

Der berühmte Danziger Astronom Hevelius gab im Jahre 1637 ein Instrument an, das er „Polemoskop“ oder Wallgucker nannte. Es bestand, wie heute, aus einer Röhre, an der oben und unten je ein Spiegel saß. Hob man die Röhre mit ihrem einen Ende über den Rand des Walles, so konnte man, ohne den Kopf herausstecken zu müssen, im Spiegel am untern Ende alles sehen, was vor dem Wall geschah.

Aber nicht nur, daß dieses heute wieder so beliebte Instrument schon Jahrhunderte alt ist, interessiert uns als Kuriosität, noch mehr, daß aus diesem ehemals das „Opernglas“ hervorging.

Im Jahre 1755 beschrieb nämlich der Mathematiker Kästner den alten Wallgucker unter der Bezeichnung „Operngucker“. Man sollte sich des Instrumentes im Theater bedienen, um von seinem Platze aus, ohne sich zu regen, rings Umschau halten zu können. Das Rohr war sehr kurz gebaut. Man hielt das Ganze in der Hand verborgen vor ein Auge und konnte nun, indem man das Rohr langsam drehte, unter sich, nach links, nach oben und nach rechts in die Logen schauen. Kein Mensch wußte, wohin man sah, weil es den Anschein hatte, als sehe man geradeaus auf die Bühne; bei den Damen waren diese Gläser damals bald beliebt.

Unser heutiges Opernglas -- aus dem später der Feldstecher hervorging, entstand aus der Vereinigung zweier Fernrohre. Man versuchte solche Instrumente schon im Jahre 1609 zu bauen, doch führten sie sich erst 1823 unter dem Namen „Doppel-Theater-Perspektive“ ein.

91.

Stammt das Bajonett aus Bayonne?

Wir hörten schon, daß die Eingeborenen der Insel Borneo auf ihren Blasrohren Lanzenspitzen als Bajonette anbringen. Seit wann sie dies tun, wissen wir nicht. Es ist aber anzunehmen, daß sie einmal das europäische Bajonett kennen lernten und es nachahmten.

Wir wissen auch nicht, wo das Bajonett bei uns aufgekommen ist. Daß seine Einführung oder gar Erfindung ums Jahr 1643 in der französischen Stadt Bayonne geschah, läßt sich durch nichts beweisen. Die ältesten erhaltenen Bajonette besitzt das Zeughaus der Burg Schwarzburg an der Schwarza. Die Länge der Messer schwankt zwischen 22 und 32 cm. Ein eiserner Ring hält die oben abgebildete Waffe über dem Gewehrlauf fest. Diese Bajonette stammen mindestens aus der Zeit, in der sie in Bayonne erfunden sein sollen.

Sicher bekannt ist nur, daß die Franzosen das Bajonett bei ihren Kämpfen in den Niederlanden im Jahre 1647 benutzten und dadurch die Waffe bekannt wurde.

92.

Not macht erfinderisch.

Als der Hohentwiel, die herrliche Burg im Hegau, 1641 lange belagert wurde, kamen die Belagerten auf den Einfall, sich eine Maschine zu erbauen, die bei jedem Wind gehen mußte. Wir erkennen deutlich rechts neben der Windmühle das riesige, dicht auf einem Turm liegende Rad dieser Windturbine, deren Kraft den Belagerten das Wasser pumpen und Getreide mahlen konnte.

93.

Versteckte Schießwaffen.

Das Gewehr galt sowohl im Kampf, als auf der Jagd in der ersten Zeit nicht als eine Herrenwaffe. Nur langsam gab der Ritter Lanze, Streitaxt und Schwert als erste Angriffswaffe auf. Als die Gewehre zu treffsicheren, gefährlichen Waffen geworden waren, versteckten findige Waffenschmiede sie gern in Prunkwaffen für hohe Herrn. So sehen wir hier einen Barten von sorgsamer Metallarbeit, der in seinem Schaft ein Feuerrohr birgt. Der Mechanismus des Feuersteinschlosses ist in einem Wulst untergebracht.

94.

Lobspruch deß edlen / hochberühmten Krauts Petum oder Taback / von dessen Ankunfft / vnd gar löblichen Gebrauch bey manchen teutschen Helden / sampt desselben waaren Krafft vnd Wirckung.

Der Tabak wurde in Mitteleuropa durch den dreißigjährigen Krieg erst allgemeiner verbreitert. Kein Wunder, daß man diese „Unsitte“ nach dem Krieg auszurotten versuchte. Aus einem in ABC-Form verfaßten Flugblatt gegen den Tabak, das im Jahre 1652, also vier Jahre nach jenem verhängnisvoll langen Krieg erschien, sei hier einiges mitsamt den Bildern mitgeteilt. Zunächst wird das Kraut schlecht gemacht, „weil es von wilden Leuten kömmt“; denn es „pflegt toll und voll und wilde Leut zu machen“. Dann wird bei jedem Buchstaben etwas gegen den Tabak vorgebracht.

Bei C heißt es zu unserm ersten Bild:

Der Teutsche lobt die neue Trunkenheit / die sich gar wol zu der Bierkanne schikket. er tuht jetzt auch ein Maul voll Rauchs bescheid dem es allzeit im Sauffen sonst geglücket. Schad ists / daß / die so viel erfunden haben / die Teutschen nicht erdacht auch diese Gaben.

Der Veix / der kaum geschmeckt vor die Tür / kömmt wieder / raucht und schmaucht im Haus herümme / und denkt / er sey dadurch ein brav Monsieur; zum Sauffen hat er gar eine gute Stimme. Die Mutter murrt / die Schwester / ob den Buben / sein Rauch beist sie fast alle aus der Stuben

Beim Buchstaben D lesen wir:

Manch armer Tropf offt kaum in Kleidern stak: noch steckt diß Kraut in seiner leeren Taschen. hat er sonst nichts / so hat er doch Taback; das truckne Maul plegt er damit zu waschen. diß Kräutlein ist nit Stolz / ist voll Erbarmen: man find es / wie bey Reichen / auch bey Armen. Viel denken dann: der Kerle dörft je nicht deß Praches; ließ er dafür die Hosen flicken. Ja / Momus / hör zuvor / was ihn anficht: er muß sich so in sein Verhängnis schikken, Tabak fürn Hunger hilft: es ist gar Zucker bey ihm das Brod / drüm schmäucht der arme Schlucker.

Beim E heißt es:

So ist ein Kraut gewachsen für den Tod: diß Kräutlein hier läßt niemand hungers sterben. Do leiden jo die Weiber Hungersnoth / Taback läßt sie die Nachtspeiß nit erwerbe. er rückt das Fleisch offt ihnen aus den Zähnen / macht Faste-nächt. Sie pflegens zu erwähnen. Die eine klagt der andern: Ach mein Mann der pflegt soviel des Plunders einzusauffen / daß er hernach / du weist wol was / nit kann. er schläft bey Nacht / und kan sonst nichts als Schnauffen. Küßt er mich dann, so pflegt sein Mund zu stinken. wie ein Schornstein. Der Teufel hol diß Trinken.

Und beim F steht:

Sie wünschen offt / daß der ersoffen wär und straks erstickt / der erstlich Rauch gesoffen / und der dies Kraut geholet über Meer. Der Landsknecht wolt nicht / daß es eingetroffen: Taback kürzt ihm im Feld die langen Stunden / die Asche dient zu seines Pferdes Wunden. Was führt der Krieg nit in die Länder ein? der Bauer / daß ihn zwar sein Äcker kostet / hat so gelernt Französisch / Welsch / Latein: das Teutsche ist in seinem Maul verrostet. Hat ihm sonst nichts genutz das Einquartieren / so lehrt es ihn doch Rauch im Munde führen.

95.

Der Philosoph als Kriegstechniker.

Der große Philosoph und Staatsmann Leibniz hat sich viel mit der Technik befaßt. Wir besitzen von ihm z. B. in Hannover noch eine großartige Rechenmaschine, die ihren Verfertiger fast ein ganzes Vermögen gekostet hat. Leibniz war auch an der Erfindung der Dampfmaschine beteiligt, und besonders rührt die selbsttätige Öffnung und Schließung der Ventilhähne von ihm her. Auch die Heißluftmaschine ist seine Erfindung. Ferner sprach er zuerst die Idee des Aneroidbarometers aus.

1714 weist er auf die Vorteile leichter Metallpontons an Stelle der schweren hölzernen Kähne zum Brückenbau hin. Gleichfalls konstruierte er einen Distanzmesser.