Modernste Kriegswaffen - alte Erfindungen

Part 6

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Handgranaten waren bereits im 15. Jahrhundert, wie eine im Hofmuseum zu Wien befindliche Handschrift berichtet, den deutschen Heeren bekannt. Sie bestanden aus zwei hölzernen Halbkugeln, die mit Pulver und „Schifferstein“ angefüllt waren. Irdene Handgranaten beschrieb 1559 der berühmte Kriegstechniker Reinhard v. Solms, und zwei Jahre später zeigte Brechtel in einem Holzschnitt, wie man die Granaten mit der Hand werfen mußte. Daß die Sprödigkeit der Granatenhülle für die Wirkung der Handgeschosse von besonderem Werte sei, berichtet zuerst Boillot im Jahre 1598; er wußte allerdings kein anderes Material als sprödes Glockenmetall zu empfehlen. Ums Jahr 1600 bildete Sebastian Hälle Handgranaten mit Fallzündern ab. Graf Johann v. Nassau beschrieb im Jahre 1610 die Herstellung der Handgranaten zum ersten Male eingehend. Er erzählt, daß die am meisten angewandte Art die Größe eines Granatapfels habe, und daß man deshalb den Geschossen ihren Namen gegeben habe. Das Gewicht seiner Handgranaten schwankte zwischen 1,5 und 3 Pfund. Als Material kamen bei ihm Eisen, Bronze oder Glas zur Verwendung. Vor dem Wurf wurde die Brandröhre entzündet und krepierte, wenn der Zündsatz verbrannt war. Eine zweite Art, die Johann v. Nassau beschrieb, entzündete sich beim Aufschlagen auf die Erde. Die Granatenwerfer, ehemals „Granatierer“ genannt, waren meist freiwillige Musketiere. Sie trugen im Tornister zehn Handgranaten und eine Lunte. Als Waffe trugen sie eine Pistole. „Oft werden die Granatierer von ihren eigenen Granaten gesprengt, und an diesem gemeinen Unheil und miserablen Verstümmelungen der Menschen“ seien meistens die Feuerwerker schuld, so berichtet Michael Mieth, einer der bedeutendsten Artilleristen des 17. Jahrhunderts. Mieth war wohl der erste, der das Werfen der Handgranaten aus kleinen, tragbaren Mörsern empfahl. Am 22. Oktober 1711 zeigte der berühmte Mechaniker Gärtner aus Dresden Peter dem Großen auf der Durchreise nach Karlsbad einen Granatenwerfer, der auf eine Entfernung von 1300 Schritt Granaten schleuderte. Der Vorteil dieser Maschine war der, daß man sie „als eine Flinte“ auf der Schulter tragen konnte. In Preußen schieden die letzten Handgranaten 1885 aus; der russisch-japanische Krieg brachte der alten Waffe wieder neue Anerkennung.

49.

Die „Maus“.

Wer heute eine Maschine konstruieren will, muß die vielen Einzelteile genau kennen, deren man sich zur Erreichung eines gewissen Zweckes zu bedienen vermag. Da gibt es Nieten, Schrauben, Keilarten, Hebel, Lager, Gestänge und eine Unzahl von eigentümlichen Bewegungsmechanismen.

Es ist höchst erstaunlich, daß manche dieser Einzelheiten in gewissen Zeitabständen wieder als Neuheiten aufgetaucht sind. Die Kurbel ist doch wahrlich eine Erfindung, die ein Alter von Jahrtausenden hat und doch wurde sie zur Dampfmaschine im Jahre 1780 neu erfunden und sogar patentiert. Infolgedessen konnte der berühmte James Watt sie damals zu seiner Dampfmaschine nicht verwenden!

Ich freue mich nun immer, wenn es mir gelingt, bei den pfiffigen Ingenieuren des Mittelalters Maschinenteile zu finden, die erst nach Jahrhunderten in der Technik öffentlich vorkommen. Das schönste Beispiel für das Alter mancher Maschinenteile ist die hier abgebildete „Maus“. Diese Maschine soll gleich einer Maus ein Loch unter der Stadtmauer hindurchgraben. Ich stelle mir den wohl mit Eisenplatten beschlagenen Kasten recht groß vor. Der Erfinder dachte sich wohl diese Maschine in einen Minengang zu bringen und ihn dort vorwärts zu schieben. Wenn die hinten sichtbare Kurbel gedreht wird, setzt sich eine in dem Kasten liegende Förderschnecke in Bewegung, um das Erdreich nach hinten zu schaffen, das von den Messern gelöst wird, die an den Achsen der Laufräder sitzen.

Ich halte die Ingenieure des Mittelalters nicht für so blöd, daß sie diese Maschine genau so gebaut haben, wie die Zeichnung es angibt. In allen ihren Handschriften versuchen sie ihre Geheimnisse zu bewahren. Nur der Mann vom Fach sollte ihre Aufschriften verstehen. So wohl auch hier. Hier soll es doch nur darauf ankommen, zu zeigen, wie man beim Untergraben der Mauer die Erde mit Hülfe einer Förderschnecke rückwärts schaffen kann, und wie man mit walzenförmig gestellten Messern die Erde wegzuschneiden vermag. Die Ausführung müßte eine wesentlich andere sein. Dieser anscheinend närrische Gedanke birgt die Konstruktion der ums Jahr 1800 aufgekommenen, heute als Transportvorrichtung überaus wichtigen „Schnecke“ und ebenso die Idee des rotierenden Spiralmessers, das erst seit dem Jahre 1812 an Tuchschermaschinen aufkam.

50.

Ein Unterseeboot im Jahre 1460?

Die Königliche Bibliothek in Dresden besitzt eine sehr schön gemalte Handschrift des Ingenieurs Valturio aus der Zeit von 1460. Im Jahre 1472 erschien der Inhalt dieser Handschrift als erstes technisches Buch im Druck.

Sowohl in der Handschrift als auch in den Druckausgaben findet man ein ringsum geschlossenes Boot in zwei Ansichten dargestellt. In der oberen Darstellung sind die beiden Spitzen des Bootes abgenommen. Es soll also wohl gezeigt werden, auf welche Weise man das Boot zu besteigen hat. In der unteren Darstellung ist das Boot ganz geschlossen. Außen an dem Fahrzeug erkennt man kleine Schaufelräder. Auf ihren Achsen sitzen Kurbeln, um die Räder zu drehen. Der Zeichner hat sich die Darstellung wieder einmal recht bequem gemacht, indem er auch die Kurbeln so zeichnet, als ob sie außen säßen. In Wirklichkeit müssen die Achsen natürlich in das Innere des Bootes führen, damit die Insassen von dort aus die Schaufelräder in Bewegung setzen können.

Dieses sonderbare Boot wird allgemein für das erste Tauchboot gehalten. Mir sind in dieser Beziehung neuerdings Bedenken aufgestiegen und ich möchte die Zeichnung nur auf ein Boot beziehen, das teilweise unter Wasser geht. Es soll dann soweit eintauchen, daß die Achsen der Schaufelräder noch ein wenig über dem Wasser liegen.

Das erste Tauchboot, von dem wir sichere Nachricht haben, wurde im Jahre 1623 auf der Themse versucht. 1663 versuchte man ein solches Fahrzeug in Rotterdamm und 1692 ein ähnliches in Deutschland auf der Fulda. Seitdem haben sich viele Erfinder mit der Konstruktion von Unterseebooten beschäftigt.

51.

Alte Kriegsautomobile.

Der genannte Valturio zeigt uns auch zum ersten Male, wie man sich einen _Kriegs_kraftwagen bauen kann.

Bereits im Jahre 1257 sagt der Gelehrte Roger Baco, „es können Wagen hergestellt werden, die von keinem Tier gezogen werden und mit unglaublicher Gewalt daherfahren.“ Der Ingenieur Fontana, dessen Teufelslaterne und Torpedo wir schon kennen lernten, zeichnete im Jahre 1420 einen Kraftwagen, der mittelst eines Seilantriebes von dem bewegt wurde, der darin fahren wollte. Im Jahre 1421 führte man bei der Belagerung von Zateo an der Eger einen Sturmschild vor, der von den darunter stehenden hundert Mann mittelst eines besonderen Mechanismus fortbewegt wurde. Die Memminger Chronik berichtet, daß am 2. Januar 1447 ein Wagen ankam, der „ohn Roß, Rindter und Leutt“ fuhr. Er wurde von dem Meister bewegt, der in dem Wagen saß. Auf welche Weise dies geschah, habe ich nicht sehen können, weil der Wagen „wol verdeckht“ gewesen sei. Und die Chronik von Pirna weiß zu erzählen, daß im Jahre 1504 ein Wagen „mit rädern und schraubengezeug“ von seinem Erfinder nach Dresden gefahren werden sollte. Die Straße war aber zu schlecht, sodaß der Meister wieder umkehren mußte. Ähnliche Nachrichten finden sich später noch häufig.

Valturio will zum erstenmal eine Naturkraft, den Wind, zur Fortbewegung des Wagens verwenden, und er hofft ihn so für den Krieg brauchbar zu gestalten. Bei Betrachtung des Bildes müssen wir uns an die ungewöhnliche, im Mittelalter sehr beliebte Darstellungsart, einen Gegenstand von mehreren Seiten zugleich zu zeigen, gewöhnen. Wir sehen nämlich den Wagen nicht nur von vorn, sondern auch von beiden Seiten. Das Wagengestell ist sehr hoch und es soll mit starken Bohlen gegen feindliche Geschosse verschalt werden. Die vier Laufräder weisen zwischen den Laufkränzen Zahntriebe auf, in die große Zahnräder eingreifen. Diese Räder werden durch kleine Zahngetriebe bewegt, an denen je ein Windrad sitzt. In der Zeichnung sind die Räder viel zu klein geraten. Wie der Wagen gelenkt werden soll, ist nicht gezeigt. Als diese Abbildung wenige Jahre nach ihrer ersten Veröffentlichung in einem deutschen Buch erschien, verstand man sie so wenig, daß man das ganze Bild auf dem Kopf stehend abdruckte.

Zur praktischen Verwendung kamen die durch Windkraft bewegten Wagen im 16. Jahrhundert. Besonders gerühmt wird das Fahrzeug, in dem Prinz Moritz von Nassau-Oranien -- bekanntlich einer der Ahnen des deutschen Kaisers -- nach der Schlacht von Nieuport (2. Juli 1600) mit dem gefangenen Admiral Don Francisco de Mendoza „an den holländischen Ufern, wo es eben war, zur ~recreation~ angefahren“. Es gibt von diesem Wagen verschiedene Darstellungen, die einen flach gebauten, langen Wagen zeigen, der von zwei großen Segeln fortbewegt wird. Es erschien damals aber auch ein prächtiger Kupferstich, der den Wagen in übertriebener Form zeigt. Ich bilde ihn hier nach einer Photographie ab und verweise auf die Geschützrohre und auf den Mann unter dem Großsegel, der das Herannahen des Wagens durch Hornsignale ankündigt.

52.

Brief-Schießen.

Wäre ich nicht in Neuß auf die Welt gekommen, so hätte ich seine Chronik wohl nie gelesen, und könnte nicht von der sonderbaren Begebenheit erzählen, die sich zutrug, als diese Stadt, die am Niederrhein bei Düsseldorf liegt, im Jahre 1475 von Karl dem Kühnen und dem Bischof von Köln belagert wurde. Die Stadt war eng vom Feinde umschlossen, und so der Besatzung und den Einwohnern jede Verbindung nach außen hin abgeschnitten. Die Kölner Bürger waren mit ihrem Bischof nicht einig, und sie beschlossen denn den Neußern Schießpulver und Lebensmittel zuzuführen. Doch ihre Versuche scheiterten an der Wachsamkeit der Belagerer. So verfielen sie denn auf eine List. Sie schossen am 21. April 1475 drei Kanonenkugeln, in denen Briefe enthalten waren in die Stadt Neuß hinein. Die Neußer, zunächst bestürzt über die Beschießung, schöpften aus der Hülfe, die die Kölner ihnen in ihrer Kugelpost versprachen, neue Hoffnung. Einen ganzen Monat lang ging diese Kugelpost zwischen Neuß und dem Lager der Kölner Bürger über die Köpfe der Belagerer hinweg. Bald schossen die Neußer einen Brief, bald antworteten die Kölner auf gleiche Weise. Das Stadtarchiv in Köln besitzt noch heute die aus Neuß herausgeschossenen Originalbriefe. Die Neußer Chronik berichtet über diese sonderbare Postverbindung in einem Kapitel „wie uyssz (aus) dem coelschen heir (Heer) troestlich brieve binnen Nuyß geschossen wurden“.

Die Erfindung der Kölner besingt der Neußer Chronist:

Köln! Dich mag Gott bewahren! In Dir sind viele wohl erfahren Und tapfere Mannen eingesessen, Und Weisheit groß und ungemessen. Alwo die Kunst man hat erfunden, Des Briefe-Schießens zu diesen Stunden Ich will glauben, das dergleich Nicht mehr gesehen ist auf Erdenreich!

Im Jahre 1789 machte jemand der Pariser Regierung den Vorschlag, eine schnelle Verbindung der Armeen der Republik mit Paris auf folgende Weise zustande zu bringen. Es sollten in Schußweite um die Hauptstadt nach allen Richtungen hin besondere Stationen für die Kugelpost erbaut werden. Die von Paris abgeschossenen Kugeln sollten hohl und ihre Hälften durch Scharniere verbunden sein. Die zu befördernde Nachricht hätte in der hohlen Kugel Platz gefunden. Die Geschütze dieser Post wären fest eingemauert, sodaß die Schußrichtung bei gutem Wetter stets gegeben wäre. Die Kugeln würden auf den Stationen in einem besonderen Kugelfang aufgelesen, sogleich wieder in das Geschütz der Station geladen und zur nächsten Station abgeschossen. Auf diese Weise wäre eine schnelle Beförderung von Nachrichten durch ganz Frankreich möglich. Der Erfinder dieser Kanonenpost ging sogar soweit, daß er einen ausführlichen Plan der notwendigen Gebäude zeichnete und diesen seinem Manuskript beilegte. Das Manuskript befindet sich jetzt in Besitz des Grafen von Klinckowstroem in München.

Im Jahre 1831 schlug Ingenieur Alexander Gordon der englischen Militärverwaltung vor, lange hohle Geschosse zur Beförderung von Depeschen und Briefen auf drei Meilen Entfernung zu verwenden.

53.

Geschützbespannung von hinten.

In einer in Heidelberg aufbewahrten, von Philip Mönch verfaßten Bilderhandschrift des Jahres 1496 fand ich eine Malerei, die ich hier in Umrissen wiedergebe. Es wird gezeigt wie man ein schweres, mit Schutzschild versehenes Geschütz bis in die Feuerstellung schieben kann. Anscheinend soll das Geschütz sogar während der Fahrt abgeschossen werden, denn der im Vordergrund stehende Krieger nähert den Luntenstock dem Zündloch. Diese Idee, das Geschütz vorwärts schieben zu lassen, findet sich in späterer Zeit noch mehrfach.

54.

Wie wir zur Zigarre kamen.

Das schon die römischen Soldaten ein Pfeifchen zu schätzen wußten, haben wir in einem früheren Artikel gehört. Sie mußten sich mit Lawendel, Hanf oder ähnlichem begnügen. Den Tabak lernten wir erst nach der Entdeckung Amerikas im Jahre 1497 kennen.

Die Amerikaner rauchten ehemals den Tabak aus Pfeifen, deren Rohre in zwei Spitzen ausliefen. Diese steckte man in die Nase, um so den Rauch einzusaugen. Daß man aber auch die Zigarre schon vor der Entdeckung Amerikas kannte, zeigt der hier abgebildete Außenpfeiler an der ehemaligen Stadt Palenque in Mexiko. Man sieht einen Gott oder einen Priester des Maya-Volkes in den Stein gehauen, der eine gewaltige Zigarre im Mund hält, und ihr große Dampfwolken entströmen läßt. Noch heute findet man auf den Philippinen die riesige Familienzigarre, an der alle, vom kleinen Kinde bis zur Urgroßmutter des Hauses, saugen. Auch jedem eintretenden Gast wird die Familienzigarre ohne weitere Förmlichkeiten in den Mund gesteckt.

In Europa wurde die Zigarre erst ziemlich spät bekannt, und zwar durch die Holländer. Wohl die früheste Nachricht findet sich in einem Wörterbuch vom Jahr 1735: „Seegars sind Tabaksblätter, die so zusammengerollt werden, daß sie sowohl zur Pfeife als auch allein brauchbar sind.“ Fünfzig Jahre später wurde das öffentliche Zigarrenrauchen in einzelnen Städten von Amerika bereits bestraft. So heißt es in der Polizeiverordnung von Newburyport: „Jede Person, die Pfeife oder Sergars rauchend auf den Straßen und Plätzen, Alleen, Werften befunden wird, verfällt einer Strafe von zwei Schilling für jeden einzelnen Fall.“

In Deutschland versuchte Hans Heinrich Schlottmann in Hamburg die Zigarrenfabrikation, die er in Spanien kennen gelernt hatte, im Jahre 1788. Damals wurden von Hamburger Seeleuten vereinzelt Zigarren in Hamburg geraucht. Das Schlottmannsche Unternehmen ging so schlecht, daß er sein Fabrikat verschenken mußte, um es bekannt zu machen. Erst als mehrere Schiffe Zigarren aus Amerika brachten und Abnehmer dafür fanden, ging es mit Schlottmanns Unternehmen besser. Es dauerte aber noch bis zum Jahre 1796, ehe die Zigarre ein Bedürfnis des Hamburger Rauchers geworden war. Wie wenig bekannt die Zigarre vor hundert Jahren im übrigen Deutschland noch war, sieht man aus den ersten Auflagen des Brockhaus’schen Konversations-Lexikons: „Cigarros sind Blätter, welche man zu fingerdicken hohlen Cylindern zusammenrollt, und dann an einem Ende anzündet, mit dem andern in den Mund genommen und so geraucht werden. Ob aber dadurch den Rauchern der Geschmack veredelt oder verbessert werde, ist wohl nicht gut zu bestimmen, eben weil es -- Sache des Geschmackes ist.“

* * * * *

Kürzlich mußte die Postbehörde vor der Versendung von Zigarren mit Selbstzündern warnen, weil diese neue Art feuergefährlich ist, und die Feldpost gefährdet. Diese Selbstanzünder tragen an der Spitze eine Zündmasse. Reibt man diese auf einer rauhen Fläche, so setzt sich die Zigarre in Brand.

Wie neu diese Selbstzünder sind, kann man in Zeitschriftenartikel des Jahres 1835 nachlesen, wo sie damals beschrieben werden.

55.

Die erste Flaschenpost.

Ist ein Schiff auf See in Gefahr, dann wirft man eine gutverschlossene Blechbüchse oder Flasche, in der sich die Nachricht von den letzten Schicksalen der Besatzung befindet, ins Meer. Auch in diesem gegenwärtigen Weltkriege haben einzelne solcher Flaschenposten uns Nachrichten von untergegangenen Schiffen gebracht. Manches Mal dauert es Jahre, ehe eine Flaschenpost angetrieben oder aufgefunden wird. Bisher nahm man stets an, die Erfindung dieses eigenartigen Verkehrsmittels sei jüngeren Datums.

Doch schon in den Tagebüchern des Kolumbus, des Entdeckers von Amerika, finden wir hierüber eine Nachricht. Als der große Seefahrer auf der Rückreise von seiner glücklichen Entdeckung in der Nacht vom 14. zum 15. Februar 1493 einen schweren Sturm zu bestehen hatte, glaubte er, die letzte Stunde seines kleinen Schiffes sei gekommen. Er verschloß deshalb eine kurze aber genaue Nachricht des Entdeckungsweges in ein kleines Faß, verpichte es und warf es über Bord. Diese erste Seepost kam nie an, wohl aber der kühne Seefahrer. Wären beide verschollen geblieben, wer weiß, ob so bald einer wieder den Wagemut besessen hätte, die kühne Fahrt zu unternehmen.

Fast 300 Jahre dachte niemand mehr an eine solche Seepost. Da schlug man im Jahre 1784 schwimmende Flaschen vor, um die Meeresströmungen kennen zu lernen. Und am 17. August 1786 wurde die erste genau bezeichnete Flasche im Golf von Biscaya in Spanien ausgeworfen; sie landete am 9. Mai 1787 an der Küste der Normandie in Frankreich.

56.

Die Schnellfeuergewehre von Kaiser Maximilian I.

Kaiser Maximilian I., der den Ehrennamen „der letzte Ritter“ führt, kann auch den Titel „der erste Artillerist“ für sich in Anspruch nehmen. Von seinen Bemühungen um die Ausgestaltung des Artilleriewesens zeugen noch heute die überaus prächtigen, in seinem Auftrag gemalten Inventare der Zeughäuser seiner Lande. Die Feuerwaffen, sowohl die großen Geschütze, wie die kleinen Gewehre, bekamen durch die Bemühungen des Kaisers erst den ihnen gebührenden Platz im Heer.

Besonders bemühte sich der Kaiser um die Einführung mehrläufiger Geschütze und Gewehre. Bei den Geschützen dieser Art lagen drei bis sechs Rohre gleich Orgelpfeifen nebeneinander. Man nannte sie deshalb Totenorgeln. Auch kommt ein Geschütz in den Zeughausbüchern vor, bei dem fünf Lagen von je acht Rohren übereinander liegen. Die Zündlöcher einer jeden Lage waren durch einen gemeinsamen Kanal miteinander verbunden, sodaß dieses Schnellfeuergeschütz fünf Salven von je acht Schuß hintereinander abgeben konnte.

Sonderbar ist der Gedanke des Kaisers, vier Gewehrrohre auf einem Schaft zu vereinigen. Er nannte diese, oben abgebildete Gewehrart „Schaufelpüchsen“. Wir erkennen, wie ein Krieger die Schaufelbüchse unter dem rechten Arm hält, während er sie mit der linken Hand richtet. Ein Kriegsknecht zündet den einen Lauf der Schaufelbüchse mittelst einer Lunte. War auch der nebenliegende Lauf auf diese Weise abgeschossen, so wendete der Schütze das Gewehr, und es konnten alsdann das dritte und das vierte Rohr der Schaufel abgeschossen werden. Ein etwas umständliches Verfahren.

Die Abbildung zeigt über den beiden Schützen zwei Schaufelbüchsen in deutlicherer Darstellung.

57.

Das erste Wellblech.

Die große Bedeutung des gewellten Bleches ist im gegenwärtigen Kriege beim Bau von Unterständen wieder erkannt worden. Soviel man bisher wußte kam das Wellblech zuerst im Jahre 1837 als Zinkplatten von 16 Zoll Länge und Breite auf, und wurde damals zu einem der Dächer des Botanischen Gartens in Paris verwendet. Man stellte es zunächst mittelst eines Fallwerkes her, versuchte seit 1854 in Amerika aber auch die Herstellung auf dem Walzwerk.

Der Zweck des Wellbleches ist, die Tragfähigkeit des Bleches wesentlich zu erhöhen. Und seine Erfindung wurde ursprünglich auf Grund der Erfahrungen in der Schlacht gemacht. Als nämlich gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Formen der eisernen Leibpanzer immer breiter wurden, erfuhr man, daß ein solcher Panzer nicht mehr die genügende Widerstandskraft gegen Hieb und Stoß hatte. Deshalb wellte man unter Kaiser Maximilian zuerst den Brustteil und alsbald auch die übrigen Teile der Rüstung vom Helm bis zu den Fersen. Auf diese Weise erhielt man selbst bei Verwendung dünner Bleche eine große Widerstandsfähigkeit der Rüstung. Genau wie bei unserm Wellblech.

58.

Feuertiere.

Wie man schon im Altertum Elefanten verwendete, um die Reihen der Feinde zu durchbrechen, so versuchte man im ausgehenden Mittelalter durch Tiere Feuerbrände in die Reihen der Feinde zu schaffen. Wir sehen hier die Zeichnung eines Büffels, der auf einem besonderen Sattel den an einer langen Stange hängenden Feuertrog vor sich trägt. Durch einen Schutzschild ist das Tier vor den Flammen geschützt. Meistens aber waren die Feuerbrände Hunden oder Katzen an die Schwänze gebunden, sodaß die Tiere in ihrer Todesangst vor dem Feuerbrand mit wilder Wut in die feindlichen Reihen stürzten.

59.

Leonardo da Vinci.

Es ist wenig bekannt, daß der große Maler und Bildhauer Leonardo da Vinci in seinem Hauptberuf Ingenieur, zuletzt „General-Ingenieur“ für die oberitalienischen Festungen war. Wir besitzen noch heute mehrere tausend technische Handzeichnungen dieses vielseitigen Mannes, der sicherlich auch ein großer Erfinder war. Am meisten beschäftigte ihn die Konstruktion von Flugmaschinen, Fallschirmen, Werkzeugmaschinen, Hebezeugen und Maschinen für die Weberei und für die Tuchmacherei. Seine Geschütze sind meistens Hinterlader, und zu den Gewehren erfand er wahrscheinlich das Radschloß.

60.

Leonardos Rebhühnermörser.

Eine sehr große Malerei von Leonardo zeigt uns, wie man zwei Mörser mit vielen Kugeln laden kann, deren Zwischenräume durch besonders geformte Geschosse ausgefüllt sind. Unter die Geschosse ladet man ein starkes Brett, den sogenannten Spiegel. In der Abbildung sieht man die beiden Bretter kurz vor der Mündung der Mörser herausfliegend. Sobald die einzelnen Geschosse am Ziel aufschlagen, soll aus besonderen Bohrungen ein neuer Geschoßregen herausdringen.

61.

Gewalzte Geschützdauben.

Leonardo zeichnete unter seinen vielen Maschinen ein Walzwerk, das er durch die im Vordergrund sichtbare Wasserturbine antreiben läßt. Das rechts vorn sichtbare Zahnrad bewegt die lange rechte Schraubenspindel, an der das zu ziehende, glühende Eisen angehängt ist. Dieses Eisen soll eine solche verjüngte Form bekommen, daß sich etwa zwölf dieser Eisen zu einem Geschützrohr zusammenschweißen lassen. Die endgültigen Querschnitte eines Eisens erkennen wir in den beiden rechts sichtbaren kleinen Skizzen. Die allmähliche Verjüngung des Eisenstabes wird in der Maschine dadurch bewirkt, daß eine oben links allein gezeichnete stählerne Spirale das glühende Eisen immer mehr zusammenpreßt. Die Wirkung der Maschine läßt sich in der deutlichen Skizze ohne weiteres verfolgen.

62.

Ein Dampfgeschütz.