Modernste Kriegswaffen - alte Erfindungen
Part 11
Am 17. Mai 1836 stellte Andreas Jacob Hartmann den Antrag auf Benützung der Ludwigsbahn zum Waren- und Gütertransport. Das Direktorium ging jedoch nicht darauf ein. Es erwiderte dem Antragsteller am 10. Juli 1836: „Erst wenn die erforderliche Anzahl von Personenwagen vorhanden sind, möchte die Möglichkeit gegeben sein, Warentransporte von größeren Quantitäten versuchsweise anzustellen, obschon fast im voraus zu entnehmen ist, daß dieselben bei den niedrigen Frachtpreisen und bei den Auslagen, welche der Transport der Waren zur Bahn und von dieser nach dem Hause des Empfängers verursacht, wofür die Boten 3 Kr. per Zentner im ganzen erhalten, kein befriedigendes Resultat geben werden. Der Transport von Pakets, Schachteln und Briefen aber bleibt auch für die Zukunft eine unausführbare Idee, da der Verwirklichung derselben einmal die Post- und Botenordnung entgegensteht, und die dadurch bedingte Vermehrung des Dienstpersonals und die Ausgaben für passende Lokalitäten in Nürnberg und Fürth selbst bei dem stärksten Betrieb in keinen Verhältnissen zu den Einnahmen steht, abgesehen davon, daß abermals eine große Anzahl von Familien, namentlich in Fürth, dadurch brotlos gemacht werden dürfte. Der Antrag des Hartmann ist weder zeit- noch zweckmäßig.“ Die Abweisung des Hartmannschen Antrages, die ihren hauptsächlichsten Grund in dem Mangel an Transportwagen hatte, hinderte indes nicht, bald darauf einen Versuch mit dem Gütertransport zu machen, allerdings in einem sehr bescheidenen Umfang. Dem Bierbrauer Lederer wurde nämlich am 11. Juli 1836 gestattet, mit den ersten nach Fürth gehenden Wagen zwei Fäßchen Bier an den Wirt zur Eisenbahn gegen Vergütung von je 6 Kreuzern Transportlohn unter der Bedingung zu senden, daß die Fäßchen von dem Wirt bei Ankunft des Wagens sogleich abgeholt werden. Direktorial-Kommissär Dr. Löhner sollte Sorge tragen, daß dieser kleine Anfang des Gütertransportes in gehöriger Ordnung vor sich gehe, „um solchen vielleicht späterhin ins Große ausdehnen zu können,“ wie die Direktorial-Ordre hinzufügt.
123.
Ein Eisenbahnjubiläum.
Als im vergangenen Jahr unsere Eisenbahnen die Riesenmassen der Heere mit einer Ruhe und einer Gleichmäßigkeit beförderten, als seien sie Uhrwerke, haben wir im Ernst der Zeit ganz vergessen, daß wir das Jubiläum der Truppentransporte in Preußen begehen könnten.
Wir lesen nämlich in der Geschichte der Unteroffizierschule in Potsdam folgendes beim Jahre 1839: „An den Herbstübungen des Gardekorps, welches in zwei Zeltlagern in der Umgegend von Potsdam zusammengezogen war, nahmen auch das Lehr-Infanterie-Bataillon und in dessen Reihen die kräftigsten Zöglinge des dritten Jahrgangs der Schulabteilung teil. Das Infanterielager befand sich am Fahrländer See, das der Kavallerie vor dem Brandenburger Tor, zwischen Schafgraben und Pirschheide. Nach beendigtem Manöver kehrte die Berliner Infanterie per Eisenbahn in ihre Garnison zurück. Von der Plattform des Bahnhofsgebäudes aus sah Seine Majestät der König der Verladung und der Abfahrt der Truppen zu, damals insofern ein interessanter Anblick, als es das erste Mal war, wo dergleichen Truppenbeförderungen auf der Eisenbahn stattfanden.“
124.
Ein Dampfluftschiff von 1842.
Als man 1835 in Paris eine Europäische Luftschiffahrtsgesellschaft gegründet und mit dem Bau eines großen Luftschiffes begonnen hatte, das den Verkehr zwischen Paris und London aufnehmen sollte, regten sich überall die Erfinder. In Deutschland zog der Nürnberger Mechaniker Leinberger vergebens mit dem Modell seines Dampfluftschiffes herum, um die Mittel zum Bau eines großen Dampfluftschiffs zu erlangen. Wie naiv man damals an die gewaltige Aufgabe der Luftschiffahrt ging, beweist die Anordnung des Schornsteins der Dampfmaschine, der mitten durch die Ballonhülle hindurchführt.
125.
Der rettende Trompeter.
Die blutige Fackel des Bürgerkrieges hatte bereits dreimal über Wien aufgelodert, als der verhängnisvolle 6. Oktober 1848 über die Hauptstadt hereinbrach.
Damals lebten in Wien die aus Regensburg gebürtigen Mechaniker Johann Nepomuk und Leonhard Mälzel. Der Jüngere von ihnen, Leonhard, war ein großes musikalisches Genie und der Kaiser von Österreich hatte ihn schon im Jahre 1827 wegen seiner vielen auf das beste ausgeführten mechanischen Musikwerke zum „musikalischen Kammermaschinisten“ ernannt. Die Brüder Mälzel lebten in guten Verhältnissen und manches wertvolle Stück war in ihrer Wohnung zu finden. Was Wunder, daß unlautere Elemente der Revolution sich an ihrem Eigentum vergreifen wollten, gehörte doch der eine der Brüder, wie gesagt, zum kaiserlichen Hofstaat. Gruppenweis sammelten sich Leute an jenem verhängnisvollen Tage vor den Fenstern des Mälzelschen Hauses und immer lauter wurden die Drohungen gegen den Mann, der wegen seiner Anhänglichkeit an den Kaiser unbeliebt war. Zwar hatten die kaiserlichen Truppen schon die ganze Gegend eingeschlossen und Leonhard Mälzel hätte auf jeden Fall für seine Person Schutz gefunden, doch er fürchtete die Zerstörung seiner wertvollen Musikapparate. Immer mehr Volk sammelte sich, immer drohender wurde das Geschrei der Menge. Einige pochen an die Tür, andere wollen zu den Fenstern hereinklettern, da erscheint hinter den Gardinen die mächtige Gestalt eines kaiserlichen Trompeters in Paradeuniform und schmettert seine Fanfare über die vor Schreck gelähmte Menge. Alles stob auseinander und im Augenblick war die Umgebung des Mälzelschen Hauses wie ausgestorben. Denn wo ein kaiserlicher Trompeter war, mußte mindestens auch eine Eskadron Kürassiere zum Schutz des kaiserlich-musikalischen Kammermaschinisten untergebracht sein. Mälzel und seine großen Kunstwerke waren gerettet, gerettet durch einen künstlichen Trompeter, den Mälzel kurz vorher vollendet hatte. Dieser Trompeter ist heute im Münchener Museum zu sehen. Mittelst einer Kurbel werden starke Federn aufgezogen. Vor Beginn des Spieles hebt der Trompeter den rechten Arm, der das Instrument hält, in die Höhe, und 2 Blasbälge zwischen den Schultern sitzend, erzeugen, vom Laufwerk getrieben, den Wind.
Noch heute ist dieser mechanische Trompeter betriebsfähig und kann seine militärischen Signale, die einst ihm und seinem Meister das Dasein retteten, erklingen lassen. Es ist einer der wenigen, noch erhaltenen Automaten aus vergangener Zeit.
126.
127.
Luftbomben im Jahre 1849.
Unter dieser Überschrift ging Anfang Juni eine Nachricht durch die Presse, die folgenden Wortlaut hatte:
Über eine frühere Beschießung Venedigs aus Luftfahrzeugen befinden sich in den Sammlungen des Wiener Kriegsarchivs Aufzeichnungen von hohem Gegenwartsinteresse, die die Neue Freie Presse mitteilt. Der österreichische Linienhauptmann und Doktor der Philosophie und der freien Künste, Heinrich Hauschka, erzählt in seiner Schrift „Die Belagerung von Malghera und Venedig“ folgendes aus dem Jahre 1849:
Im Monat Juli wurden Versuche angestellt, mittelst Luftballons Bomben aufsteigen zu lassen. Bei Erreichung des Scheitelpunktes der belagerten Stadt sollte sich die Bombe von ihrem Ballon trennen, herabfallen und mittelst Perkussion explodieren. Die Zufälligkeiten des Windes, welcher in den oberen Luftschichten eine andere Richtung als in den unteren hatte, ließen diese Versuche, sowohl vom Lande als von der See aus auf dem Dampfer „Vulkan“, nicht recht glücken, denn die meisten Bomben fielen ins Wasser. Der Kapitän der englischen Brigg „Frolio“, sowie der eines griechischen Fahrzeuges, welche zur selben Zeit in Venedig waren, schilderten die Angst der Einwohner und Schiffe, überhaupt den moralischen Effekt als sehr groß. Diese sinnreiche Idee ging vom damaligen Artillerieoberleutnant Franz Uchatius aus. Dadurch dürfte es feststehen, daß es mit dieser Art Ballons möglich ist, Bomben und andere Feuerwerkskörper bis auf 5000 Klafter Distanz sowohl vom Lande als auch von der See aus zu werfen, sobald die Grundbedingung, eine günstige Windrichtung, vorhanden ist, und daß hierdurch viele der größeren Städte, welche bisher durch ihre umliegenden Werke vor einem Bombardement gesichert waren, es jetzt nicht mehr sind.
Tatsächlich gelang es im Verlaufe der Belagerung mehrmals Bomben in der Richtung gegen Murano zu bringen und sie über feindliche Schiffe zu dirigieren. Auch der französische Dampfer „Panama“ wurde durch einen solchen Ballon bedroht. In dem offiziellen Kriegsbericht wurde gemeldet, daß am 25. Juli 1849 zwei mit Schrapnells versehene Ballons vom Dampfer „Vulcano“ aufstiegen und am Lido über dem Giardino Pubblico in 1500 Meter Höhe und 6300 Meter Entfernung sich entladen haben. Die Panik, die durch die Ballonbomben verursacht wurde, wird übereinstimmend als sehr groß geschildert, und die heute in Venedig bestehende Fliegerfurcht mag dem damaligen Stande der Luftschiffahrt entsprechend der Wirkung gleich gewesen sein, welche die Uchatius-Flieger hervorgerufen haben.
128.
Von einem chloroformierten Bären.
Es war im Jahre 1852. Professor Schönlein war bei König Friedrich Wilhelm IV. um die Erlaubnis eingekommen, die Wirkungen des damals neuen Chloroforms an einem lebenden Wesen, das operiert werden sollte, zu versuchen. Einen Menschen wollte man nicht dazu opfern, aber der König erteilte die Erlaubnis, daß ein großer Bär des zoologischen Gartens, dem, weil er erblindet war, der Star gestochen werden mußte, für das Experiment herhalten durfte. Die Operation gelang. Doch -- leider -- der Patient wachte nicht mehr auf. Die Berliner ulkten natürlich über dieses Mißgeschick der Ärzte und der König war nicht einer der letzten Lacher. Der Bildhauer Wolf modellierte daraufhin eine kleine Gruppe, die dem König so sehr gefiel, daß er sie im Guß verlangte. Man sieht in einem Sessel den Bär im Schlafrock und Schlafmütze regungslos zusammengekauert. Um ihn herum stehen ratlos die Ärzte, denen der Bildhauer die Physiognomie von Tieren gegeben hatte. Dem König gefiel der Guß so sehr, daß er die Erklärung dazu in einem Vers verlangte. Der Dichter, dem dies am besten gelänge, bekäme zur Belohnung einen weiteren Abguß von der Gruppe. Da studierte auf der Berliner Universität der Sohn des Berliner Professors Karl Heyse, der spätere Dichter Paul Heyse, damals 22 Jahre alt; der schickte folgenden Vers ein:
Der Bär ist jetzt ein toter Mann, Das Chloroform ist schuld daran, Ein ärztliches Kollegium Ging mit dem Vieh zu menschlich um, Das Füchslein grinst, das Bärlein flennt, Der Wolf setzt’ ihm dies Monument.
129.
Schneemäntel im Krimkrieg.
Man könnte sagen: als es andersherum war, als heute, war es ebenso wie jetzt. Nämlich so:
Als die Engländer und Franzosen anno 1855 mit den Türken gegen die Russen verbündet waren, belagerte man diese in der Feste Sebastopol. Und die Russen machten damals häufig Ausfälle aus der Festung, wobei sie -- wie im jetzigen Krieg wieder -- in weiße Mäntel gehüllt waren.
Über diese sonderbaren Schneemäntel berichtete damals die „Times“ ihren Lesern. Der Berliner Kladderadatsch griff diese Nachricht auf und erläuterte sie durch unser eigenartiges Bildchen: „Die Russen machen jetzt häufig Ausfälle aus Sebastopol, bei welchen sie ganz in weiße Mäntel gehüllt, auf der blendenden Schneedecke nicht zu bemerken sind, da dieselben aber keine Schlemihls sind, so werfen sie notgedrungen einen Schatten, und erkennen so die Belagerer die nahende Gefahr.“
Daß Peter Schlemihl ein Mann des Märchens ist, der keinen Schatten besaß, und darüber sehr unglücklich war, das hat uns ja Adalbert von Chamisso einst erzählt.
130.
Das Aero-Brot.
Wie „leicht“ es einmal den Menschen gemacht würde, sich in die Luft zu erheben, ahnte ein Witzbold der Zeitschrift „Punch“ der Zeit voraus im Jahr 1860; da ißt, wer zu einer kleinen Luftreise aufgelegt ist, zum Frühstück mit der ganzen Familie etwas gashaltiges „Aero-Brot“ und die aeronautische Reise beginnt sogleich. Wer länger reisen will, fastet lange genug vorher und stillt seinen Heißhunger durch eine besonders große Brotmenge.
Sieht es nicht so aus, als ob die Familie, die hier in die Höhe gestiegen ist, sich im Brot vergriffen hätte? Ich glaube, die wollten allesamt nur ihr einfaches Frühstück einnehmen, um zur Arbeit gehen zu können. Nun müssen sie „steigen“ und machen lange Gesichter.
131.
Die Luftschiffahrt im Kriege von 1870/71.
Als die Deutschen im Winter 1870 bis 1871 Paris eingeschlossen hatten, konnte man durch Brieftauben zwar Nachrichten aus der Festung hinaus schicken, doch die Verbindung zur Festung mittelst Brieftauben wurde den Franzosen zu unsicher. So versuchten sie denn den Nachrichten- und Personenverkehr durch Luftfahrzeuge zu erreichen, und sie kamen dabei sogar -- was wenig bekannt ist -- bis zum Bau eines militärischen Luftschiffes.
Von Paris aus stiegen insgesamt 64 Luftballons während der Belagerung auf. Außer den 64 Führern beförderten sie 91 Personen, darunter am 7. Oktober den Diktator Gambetta, um die Regierung in Tours zu übernehmen. Außerdem wurden 363 Brieftauben auf diese Weise aus der Festung ins Land befördert, so daß die Tauben mit Nachrichten in die Festung zurückfliegen konnten. Endlich wurden noch über 9000 Kilogramm Depeschen und eine besondere Zeitung „Ballon-Poste“, die die Neuigkeiten der Hauptstadt in die Provinz tragen sollte, von den Ballonen mitgenommen.
Zwei dieser Ballone gingen verloren, davon einer im atlantischen Ozean. Fünf Lufballone fielen in die Hände der Belagerer. Krupp hatte in aller Eile ein Ballongeschütz konstruiert; es bestand aus einem sehr großen Gewehr, das in einem Gestell drehbar auf einem vierrädrigen Wagen stand. Zwei Exemplare dieses ersten Kruppschen Ballongeschützes befinden sich im Berliner Zeughaus, andere Exemplare in den Waffensammlungen zu Dresden und München.
Außer diesen Freiballonen verwendeten die Franzosen in Paris Fesselballone, um unsere Stellungen zu erkunden. Sie verfielen dabei auf den originellen Gedanken, die Drahtseile, an denen die Ballone gehalten wurden, an einer Lokomotive zu befestigen, so daß sie den Ballon in der Luft hin- und herfahren lassen konnten.
Ihre Versuche, mittelst Luftballonen bei günstigem Wind von verschiedenen Städten des Landes aus nach Paris zu gelangen, schlugen gänzlich fehl.
Als die Not im belagerten Paris immer größer wurde, von den Armeen und der Regierung im Lande aber keine Hilfe kam, erinnerte man sich der Versuche, die der Ingenieur Giffard in den Jahren 1852 und 1855 mit einem Luftschiff gemacht hatte. Das Kriegsministerium beauftragte einen tüchtigen, doch mit lufttechnischen Dingen nicht vertrauten, Marineingenieur, namens Dupuy de Lôme, ein lenkbares Fahrzeug zu bauen, das über die Köpfe der Belagerer hinweg bei Nacht den Verkehr zwischen Paris und dem Lande unternehmen sollte. Mit allem Eifer ging man sogleich an den Bau. Da es nicht möglich war, in Paris eine geeignete Betriebsmaschine für das Luftschiff zu finden, begnügte der Erbauer sich mit dem Antrieb der Luftschraube durch Menschenkraft: acht Soldaten mußten in der Gondel mittelst Kurbeln die Luftschraube drehen. Das Luftschiff hatte eine Länge von 36,2 Metern und einen Durchmesser von 14,84 Meter.
Doch ehe das Luftschiff fertig war, hatten wir Paris genommen. Erst am 2. Februar 1872 konnte dieses Luftschiff seine einzige Probefahrt machen. Es hatte eine zu geringe Geschwindigkeit und wurde deshalb sogleich auf Abbruch verkauft.
Unsere günstige Lage im deutsch-französischen Krieg stellte an uns keine lufttechnischen Aufgaben. Dennoch wurden Anfang September 1870 in Köln zwei Luftschifferabteilungen mobil gemacht, die bei der Belagerung von Straßburg zu Erkundigungen aufstiegen. Als sie nach dem Fall von Straßburg nach Paris geschickt wurden, konnte unsere Einschließungsarmee die Ballone nicht verwenden, weil es dort an Gas zur Füllung fehlte.
132.
Die Bilderpostkarte von 1870/71.
Auch die heutige Ansichtspostkarte wurde aus dem Krieg geboren.
Die Postkarte selbst war erst am 25. Juni 1870 zum erstenmal zur Ausgabe gelangt. Bald nachher kam der Krieg. Da druckte, es war am 16. Juli, der Buchhändler August Schwartz in Oldenburg, auf eine gewöhnliche Postkarte ein in seiner Druckerei vorhandenes Bildchen ab, das einen Artilleristen an seinem Geschütz zeigt. Seine Schwiegereltern waren nämlich in Marienbad, und hatten große Not, sich durch den Truppenaufmarsch bei der Mobilmachung bis Oldenburg durchzuschlagen. Bis Magdeburg waren sie gekommen, mußten dort aber Aufenthalt nehmen. So begrüßte der Schwiegersohn sie dort in der Hoffnung auf baldiges Wiedersehen mit der oben abgebildeten Karte, deren Bildchen ein Hinweis auf den Kriegszustand sein sollte.
Im Oktober 1875 erschien diese artilleristische Bilderkarte mit 24 ähnlichen Karten, die teils humoristische, teils ernste Bilder trugen, bei Schwartz im Handel.
Alsbald nahmen Gasthäuser und Vergnügungsorte die Idee der Bilderpostkarte zu Reklamezwecken auf.
133.
134.
Knalldämpfer an Gewehren.
Johann Joachim Becher, der Sohn eines Pfarrers aus Speyer, ein im 17. Jahrhundert vielgelesener Schriftsteller, kam später in Verruf, weil die Eigenart und die Menge der von ihm geäußerten Ideen so garnicht in den ruhigen Gedankengang des bezopften Gelehrtentums des 18. Jahrhunderts passen wollte. Erst den neueren Bestrebungen zur Erforschung der Geschichte der Naturwissenschaften, besonders der Geschichte der Chemie, ist es zu danken, daß man sich die Werke von Becher näher ansah. Wir lernten in ihm einen zwar unruhigen aber äußerst vielseitigen und fruchtbaren Geist kennen. So berichtet er z. B. schon von der Brauchbarkeit des Gases zur Beleuchtung, von der Nutzbarkeit des Torfes, von der Spritfabrikation aus Kartoffeln und von vielen andern erst weit später verwirklichten Ideen.
In Bechers Buch „Närrische Weißheit Und Weise Narrheit Oder Hundert / so Politische alß Physicalische / Mechanische und Mercantilische Concepten und Propositionen / Deren etliche gut gethan / etliche zu nichte worden / Samt den Ursachen / Umbständen und Beschreibungen derselben“ (Frankfurt 1682) wird unter anderen Ideen auch von einem Knalldämpfer für Gewehre berichtet. Es heißt nämlich im ersten Teile des Buches -- wo diejenigen Erfindungen aufgeführt werden, „welche dem euserlichen Ansehen nach närrisch, irraisonnable und ohnmöglich geschienen, dennoch in praxi wohl succedirt, und mit Nutzen reussiret“ -- und zwar im 21. Kapitel: „Dousons Kunst-Rohr, welches da schießet mit gemeinem Pulver und Bley, als ein ander Rohr, und doch keinen Knall tut, und besteht die Kunst allein in Bereitung des Rohrs.
Diese Invention schickt sich zu den vorigen zweyen (diese beiden Erfindungen behandeln das Süßwasserbereiten aus Meerwasser auf kaltem Wege), denn ob sie wohl mechanisch ist, so thut sie doch einen wunderlichen Physikalischen Effect: Man hat zwar vor diesem viel vom stillen Pulver gesagt, es ist aber gedachtes Pulver still geblieben, und nie vor den Tag kommen, so viel mir allzeit wissend, und so fleißig ich nach demselben gefraget. Dieses Dousons Rohr aber hat gantz eine andere Bewandtniß, denn er nimmt gemein Pulver und gemein Bley in der ordinari-Ladung und thut weiter nichts darzu, schießet so stark als ordinari, und wird doch kein Knall gehöret, und bestehet die Kunst allein in dem Rohr, dessen Structur den Knall supprimirt. Ich habe zwar selbst den Effect dieses Rohres nicht gesehen, aber Se. Hoheit, der Prinz Ruprecht haben mir etliche mahl gesagt, daß sie dergleichen Rohr haben, und die Probe darmit gethan, wie es mir dann auch Douson selbsten bekräfftiget.“
Becher lebte in den letzten Jahren seines Lebens in England. Auch Ruprecht von der Pfalz hielt sich von 1673 bis zu seinem Tode in Windsor auf. Ruprechts physikalische und mathematische Sammlungen sind zum Teil heute noch in England erhalten. Es wäre also nicht unmöglich, daß ein in seinem Besitz gewesenes Rohr, „dessen Structur den Knall supprimirt“, sich noch jetzt in England vorfände.
Der von Becher genannte „Douson“ hieß richtig d’Esson. Er war 1604 zu Reims geboren und machte sich als Kupferstecher und Mechaniker einen Namen. Er wird bei allerlei Erfindungen damaliger Zeit genannt, doch ist sein Name meist verstümmelt, z. B. als: du Son, Tousson, Deson, Lisson, d’Egmond, d’Aigmond usw.
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Petroleum als Waffe.
Das heute im Lande so begehrte Petroleum ist nicht von Amerika aus bei uns bekannt geworden, sondern schon das Altertum kannte Erdölquellen und verwendete deren Produkt als Waffe. Der bedeutendste Kriegsschriftsteller des römischen Kaisertums, Flavius Vegetius, der um die Völkerwanderungen schrieb, berichtet nämlich, daß man in besonders konstruierten Brandpfeilen Harz, Schwefel, Erdpech oder Erdöl brennend eingoß und so gegen den Feind schoß. Die Brandpfeile trugen hinter der Spitze eine spindelförmige, durchlöcherte Hülse, die mit Werg vollgestopft und mit den erwähnten brennbaren Stoffen getränkt war. Ein solcher Feuerpfeil durfte aber nur von einem mäßig gespannten Bogen abgeschossen werden. Er hatte also keine große Kraft und reichte nicht weit. Auch wußte der Feind, daß man diese Feuerpfeile durch Aufwerfen von Erde ersticken könne.
Man trachtete deshalb früh nach der Erfindung von Feuerwerkssätzen, die nicht leicht ausgelöscht werden könnten. Als eine der ersten Errungenschaften der Kriegsfeuerwerkerei ist wohl allen aus dem Geschichtsunterricht noch das sogenannte griechische Feuer in Erinnerung. Richtig heißt es „Byzantinisches Kriegsfeuer“, denn es wurde unter den byzantinischen Kaisern erfunden, und dieser Zeit galt das Wort Grieche als ein schlimmes Schimpfwort. In diesem Kriegsfeuer war nur das Erdöl enthalten; sicherlich, weil es schon bei etwa 40 Grad sehr leicht entzündliche und in Vermischung mit Luft explosive Dämpfe entwickelt. Die Erfindung des byzantinischen Feuers wird auf Kallinikos, einen Kriegsbaumeister aus Heliopolis in Syrien, zurückgeführt. Das Erfindungsjahr soll das Jahr 671 sein. Schon 678 zerstörten die Byzantiner mit diesem Feuer eine Belagerungsflotte der Araber vor Kyzikos. Im Jahre 716 wurde die Hauptstadt Byzanz zum ersten Male durch griechisches Feuer verteidigt. Den größten Triumph erlangte die Erfindung im Jahre 941, als Kaiser Konstantinos VII. mit seiner aus 15 Fahrzeugen bestehenden Flotte durch griechisches Feuer die aus mehr als 1000 Schiffen bestehende Flotte der Russen vor Byzanz vertrieb und zum Teil zerstörte. Der Kaiser erkannte die Wichtigkeit dieser Erfindung, und sagte deshalb in seinen Schriften über die Staatsverwaltung darüber: „Ein Engel, das sage jedem, der dich darüber fragt, ein Engel brachte diese Wundergabe dem ersten christlichen Kaiser Konstantin, und trug ihm auf, dies flüssige Feuer, das aus Röhren Verderben auf die Feinde speit, einzig für die Christen und nur in der christlichen Kaiserstadt Konstantinopel zu bereiten. Niemand, so wollte es der große Kaiser, sollte dessen Zubereitung kennen lernen; kein anderes Volk, wer es immer sei.... Deshalb ließ er selber im Hause des Herrn eine Tafel aufhängen, auf der mit großen Buchstaben eingegraben stand, daß, wer dieses wichtige Geheimnis einem fremden Volke verrate, als ehrlos und des christlichen Namens für verlustig erklärt wurde; ihn, den niederträchtigen Verräter, treffe die härteste und grausamste Strafe.... Als dennoch ein Großer des Reichs dies Geheimnis verriet, traf ihn die Strafe des Himmels: eine Flamme kam, als er in das Gotteshaus eintrat, vom Himmel herab, ergriff ihn und enthob ihn den Blicken der von großem Schrecken ergriffenen Sterblichen.“