Chapter 8
Mellefont. Nicht so, Sir! Diese Heilige befahl mehr, als die menschliche Natur vermag! Sie können mein Vater nicht sein.--Sehen Sie, Sir (indem er den Dolch aus dem Busen zieht), dieses ist der Dolch, den Marwood heute auf mich zuckte. Zu meinem Unglücke mußte ich sie entwaffnen. Wenn ich als das schuldige Opfer ihrer Eifersucht gefallen wäre, so lebte Sara noch. Sie hätten Ihre Tochter noch und hätten sie ohne Mellefont. Es stehet bei mir nicht, das Geschehene ungeschehen zu machen; aber mich wegen des Geschehenen zu strafen--das steht bei mir! (Er ersticht sich und fällt an dem Stuhle der Sara nieder.)
Sir William. Halt ihn, Waitwell!--Was für ein neuer Streich auf mein gebeugtes Haupt!--Oh! wenn das dritte hier erkaltende Herz das meine wäre!
Mellefont (sterbend). Ich fühl es--daß ich nicht fehlgestoßen habe!-- Wollen Sie mich nun Ihren Sohn nennen, Sir, und mir als diesem die Hand drücken, so sterb ich zufrieden. (Sir William umarmt ihn.)--Sie haben von einer Arabella gehört, für die die sterbende Sara Sie bat. Ich würde auch für sie bitten--aber sie ist der Marwood Kind sowohl als meines--Was für fremde Empfindungen ergreifen mich!--Gnade! o Schöpfer, Gnade!
Sir William. Wenn fremde Bitten itzt kräftig sind, Waitwell, so laßt uns ihm diese Gnade erbitten helfen! Er stirbt! Ach, er war mehr unglücklich als lasterhaft.--
Eilfter Auftritt
Norton. Die Vorigen.
Norton. Ärzte, Sir.--
Sir William. Wenn sie Wunder tun können, so laß sie hereinkommen!-- Laß mich nicht länger, Waitwell, bei diesem tötenden Anblicke verweilen. Ein Grab soll beide umschließen. Komm, schleunige Anstalt zu machen, und dann laß uns auf Arabellen denken. Sie sei, wer sie sei: sie ist ein Vermächtnis meiner Tochter.
(Sie gehen ab, und das Theater fällt zu.)
(Ende des Trauerspiels.)
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Miß Sara Sampson, von Gotthold Ephraim Lessing.
End of Project Gutenberg's Miss Sara Sampson, by Gotthold Ephraim Lessing