Part 9
Dem Dampfbade folgt +stets+ die +kalte Abkühlung+, welche sich ganz richtet nach der Ausdehnung der schwitzenden oder in Schweiß gebadeten Stellen. Füßen, welche nur bis an die Knie schwitzen, genügt eine rasche kalte Abwaschung mit einem Linnentuche, kräftigeren Naturen ein Knieguß. Bei mitschwitzenden Schenkeln und Unterleib reicht ein Halbbad aus. Ist der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen, so muß auch der ganze Körper entweder durch ein Halbbad mit Waschung des Oberkörpers oder durch ein Ganzbad oder durch eine Ganzwaschung abgekühlt werden. Die Regeln über die Vornahme dieser Anwendung lese man an den betreffenden Stellen (bei den Bädern und Waschungen), die Regeln über das Verhalten nach dem Fußdampfe beim Kopfdampfe nach. Sie gelten auch hier ohne allen Unterschied.
Die +Anwendung+ des Fußdampfes +geschieht+ vornehmlich bei den +verschiedenartigsten Fußleiden+, so bei +starken übelriechenden Fußschweißen+, wo es gilt, die faulen Säfte aufzulösen und auszuleiten; bei +angeschwollenen Füßen+, die auf Säfte und Blutstauungen schließen lassen; bei +kalten Füßen+, in denen die Transpiration auf Nullgrad steht und zu denen das Blut sozusagen den Weg nicht mehr findet. Diese Dämpfe wecken neue Tätigkeit und bringen frisches Leben, sind zuweilen auch nur, wie bei den einzelnen Krankheiten gesagt werden wird, notwendige vorbereitende Übungen, welche anderweitigen Wasseranwendungen die Wege ebnen und deren Erfolg sichern.
Wer an +Nagelgeschwüren+, +eingewachsenen Nägeln+ usw. leidet, wer +Blutvergiftung+ befürchten muß, z. B. wegen unglücklicher Behandlung von Hühneraugen, Ausreißen von Nagelwurzeln usw., lasse sich baldigst diesen Dampf bereiten.
+Gesteigerte Anwendungen+, welche mehr oder weniger auf den ganzen Körper wirken sollen, kommen vor bei +krampfartigen+, besonders +durch Erkältung+ entstandenen Leiden des +Unterleibes+; bei +Kopfleiden+, deren Ursache auf Kongestionen, zu heftigen Blutandrang nach dem Kopfe zurückzuführen ist.
Bei +blutarmen Individuen+, denen vor dem Beginne irgend einer Kaltwasseranwendung mehr Wärme einzupumpen ist, haben mir leichtere Fußdämpfe sehr oft große Dienste erwiesen.
Als +Regel bezüglich der Wiederholung+ dieser Anwendung gilt wie beim Kopfdampfe, daß man damit recht sparsam sei. Einmal, zweimal in der Woche wird man öfters, dreimal nur selten lesen, letzteres nur bei Einzelfällen, welche stets diese Notiz ausdrücklich enthalten müssen.
Nun noch eine Bemerkung!
Oft schon sind mir +Klagen+ zugekommen +wegen der zu großen Umständlichkeit+ der von mir verordneten Dämpfe. Ich frage jeden Wohlmeinenden: Was ist einfacher, mein Fußdampf oder ein Schwitzbad nach so und so vielen Tassen heißen Thees, nach so und so vielstündiger Tortur, unter so und so vielen Federbetten, ein Schwitzbad, welches selten, fast nie vorübergeht ohne die heftigsten Kopfschmerzen und anderes Weh!
3. Der Leibstuhldampf.
Dieser Dampf tut seiner leichten Bereitung, bequemen Applizierung und überaus schuldlosen, d. i. ungefährlichen Wirkung wegen besonders in +Krankheiten große Dienste+. Selbst Schwerkranke, bei denen wegen Schwäche oft sehr schwer der erwünschte Schweiß zu erzielen ist, können auf diese Weise recht leicht zum Schwitzen gebracht werden.
In den irdenen oder blechernen Topf des Leibstuhles wird die strudelnde Mischung geschüttet. Der Patient setzt sich, die Bedienung sorgt, daß kein Wölkchen des wohltuenden Rauches unnütz entweicht. Rasch steigt der heiße Qualm zum Körper auf und erzeugt in Bälde schwächeren oder stärkeren Schweiß, der sich manchmal zu einem förmlichen Schwitzbade, d. h. zu einem allgemeinen Schwitzen des ganzen Körpers steigert. Die Anwendung +dauert 15-20 Minuten+. Erscheint es notwendig, den Kranken in länger dauerndem Schwitzen zu erhalten, so bringt man (da das Sitzen beschwerlich und der Dampf vielleicht für längere Dauer nicht wirksam wäre) ihn zu Bette; es wird ohne jede besondere Auflage die Schweißkur, d. i. das Schwitzen, fortdauern. +Nach dem Dampfe+ soll eine Ganzwaschung, ein Halbbad mit Abwaschung des Oberkörpers oder ein Vollbad je nach Können des Patienten die ganze Anwendung beschließen. Bei +Schwerkranken+ wird stets die Ganzwaschung am leichtesten und ungefährlichsten vorgenommen werden können.
Die +Wirkung des Leibstuhldampfes+ ist, wie von selbst einleuchtet, auflösender und ausleitender Natur. Die Ausscheidungen geschehen in Form und durch Abgang des Schweißes. +Niemals+ benütze ich für diese Dämpfe das +Wasser allein+; +stets+ mische ich +Kräuter+ bei und zwar wieder die bekannten Kräuter von Heublumen, von Haberstroh, vor allen andern indessen von Zinnkraut.
Bei +Nieren-+ und +Steinleiden+ wende ich Dämpfe an von +Haberstrohabsud+;
bei +krampfhaften+ oder +rheumatischen Zuständen+ des +Unterleibes+, bei +Blasengeschwüren+, bei +beginnender Wassersucht+ solche von +Heublumenabsud+.
Wie die Dämpfe mit Anwendung von Kaltwasser wechseln, lese man nach im dritten Teile bei den einzelnen Krankheiten.
Die auffallendsten und erstaunlichsten Erfolge habe ich erzielt mit Dämpfen von +Zinnkrautabsud+ in all’ den höchst peinlichen Fällen, in welchen das +Urinieren+ (Wassermachen) +unmöglich+ wurde und infolgedessen die entsetzlichsten, wahnsinnigsten Schmerzen den armen Patienten quälten und fast zur Verzweiflung brachten. Die meist durch Erkältung und Entzündung entstandenen krampfhaften Zustände der Blase wurden durch den heißen Zinnkrautdampf in verhältnismäßig kurzer Zeit gehoben, und das Organ tat wie früher seine reinigenden Dienste.
4. Besondere Dämpfe auf einzelne kranke Stellen.
Im Wechsel mit anderen Wasseranwendungen dienen in vielen Fällen die Dämpfe sehr gut bei +Leiden an den Augen, in den Ohren, im Mund, an den Fingern, an der Hand, am Arme, an den Zehen, am Fuß+ usw. Einige Beispiele mögen dieses klar machen.
Ein giftiges +Insekt sticht in die Hand+, in den Arm, das Glied schwillt an und schmerzt heftig, die Entzündung droht um sich zu greifen usw. Im Vereine mit Hand- und Armwickeln werden Dämpfe auf die leidende Stelle bald Linderung der Schmerzen und Hilfe bringen. Zu dem Zwecke hält man die Hand oder den Arm über ein Gefäß, welches das strudelnde, dampfende Wasser enthält.
Wegen irgend einer durch +Giftstoffe verunreinigten Wunde droht Blutvergiftung+; es ist Gefahr im Verzuge. Rasch soll ein auflösender und ausleitender Hand- oder Fußdampf bereitet werden.
Es wird jemand von einem +wutverdächtigen+ Hunde gebissen. Bevor ein Arzt und andere Hilfe zur Hand sind, kann rascher durch Dampf dem Gefährdeten wenigstens vorläufige Hilfe gebracht werden.
+Heftige Krämpfe+ quälen ganz bestimmte Stellen an Händen und Füßen. Man säume nicht, sie bedampfen zu lassen.
Zu äußeren Anwendungen der genannten Arten verwende ich +in der Regel Absude von Heublumen+.
+Für Augendämpfe+ dient sehr gut +Absud von Fenchelpulver oder Augentrost+ oder +Schafgarbe+;
+für Ohrendämpfe Absud+ von +Taubnesseln+ oder +Brennesseln+ oder +Schafgarbe+;
+für Verschleimung im Halse Absud von Schafgarben+ oder +Spitzwegerich+ oder +Brennesseln+.
Bezüglich der +Anwendungszeit+ überschreite man +20 Minuten nie+; die +kürzeste+ Dauer umfaßt +10 Minuten+.
Jene +Dämpfe+, welche zum +Einatmen+ dienen, nach innen wirken oder die Augen und Ohren betreffen, sollen vorsichtigerweise +niemals übermäßig warm oder gar heiß+ genommen werden.
~D.~ Gießungen.
Die bei mir zur Anwendung kommenden Gießungen (Güsse) sind folgende:
1. Der Knieguß.
Die Füße werden bis über die Knie entblößt, die Beinkleider möglichst weit zurückgeschlagen und, um sie vor Nässe zu schützen, gegen die zu begießenden Stellen zu mit einem Tuche (Handtuche) bedeckt. Man setzt sich sodann auf einen Stuhl und stellt beide Füße ähnlich wie beim Fußbade in ein bereitstehendes Gefäß. (S. Abbildung.) Wer sich aber stehend den Guß geben läßt, handelt nicht schlechter. Der Guß geschieht mit einer kleinen Gießkanne, am besten mit einer Treibhausgießkanne, die mit einer Hand leicht dirigiert wird. Die erste Kanne, die schneller und voller strahlend ausgegossen werde, benetzt beide Füße, von den Zehen bis über die Knie. Die folgenden Kannen bespülen in schwachem Strahle, der bald höher, bald tiefer auffällt, einzelne Fußstellen, besonders die Kniescheiben (in der Mitte, rechts und links davon) und die Waden in einer Art, daß das Wasser über die Beine ziemlich gleichmäßig hinunterläuft. Der Inhalt der letzten Kanne wird nicht gegossen, sondern aus der größeren Öffnung in zwei oder drei Malen über die Füße wie zur Abspülung hingeschüttet. Zu einem Kniegusse können 2-10 Gießkannen verwendet werden, wovon eine 13-15 Liter hält.
Die Wirkung des Schenkelgusses ist die erhöhte Wirkung eines Kniegusses; daher könnte er jederzeit diesen letzteren vertreten und ersetzen. Als Vertreter aber geht es ihm wie den Ersatzmännern bei öffentlichen Ämtern: es kommt in meinem Wasseramte selten zur Verwendung. Er bildet die natürlichste Brücke, den natürlichsten Übergang vom Knieguß zum Unterguß, erhöhtem, verstärktem Schenkelguß, Schenkelguß im weiteren Sinne des Wortes. So oft im folgenden und in allen meinen Schriften der Name Schenkelguß erscheint, habe ich (+immer+ möchte ich sagen) den +verstärkten+ Schenkelguß im Auge.
3. Der Unterguß
(erhöhter, verstärkter Schenkelguß) besteht darin, daß mit der ersten Gießkanne rückwärts unten am Fuße beginnend der Körper bis über +die Hüfte+ benetzt wird und die folgenden drei bis vier, ja sechs Kannen Wasser gleichmäßig den ganzen Unterkörper (auch von vorne), vorzüglich aber Kreuz- und Lendengegend gut bespülen. Weil er sich auf den ganzen Unterleib erstreckt, so ist sein Name „Unterguß“ auch gerechtfertigt; am vorteilhaftesten wird er gleich dem Schenkelguß stehend genommen. (Siehe Abbildung.)
Dieser Guß muß +regelmäßig nach dem Fußdampfe erfolgen+, wenn nicht etwa das Halbbad oder das Knien in die Badewanne vorgezogen wird. Seine Wirkung ist um so stärker, je mehr Wasser dazu verwendet wird, und je höher der Strahl auffällt. +In der Regel+ soll derselbe nicht höher als etwa spannehoch fallen.
4. Der Rückenguß
bildet die Fortsetzung des vorher beschriebenen Gusses nach oben in der Weise, daß mit der ersten Gießkanne voll Wasser die ganze Rückseite des zu Begießenden von der Ferse bis zum Nacken benetzt wird; der Inhalt weiterer 3-5 Kannen, dessen Strahl höher oder tiefer, stärker oder schwächer auffallen kann, wird vom Halse bis hinunter zum Steißbein einerseits und von dem linken bis zum rechten Schulterblatte anderseits gleichmäßig ausgegossen. Ziemlich reichlich wird dabei die Rückensäule bedacht, aber nicht überflüssig ist nebstbei die Bemerkung, daß bei sehr empfindsamen, erregbaren Personen, besonders anfangs, die Wirbelsäule +selbst+ möglichst geschont werden möge. +Rasches Abwaschen+ der Brust, des Unterleibs und der Arme soll den Rückenguß stets begleiten oder beschließen. Ich sage +begleiten+ oder +beschließen+: ersteres kann dadurch bewerkstelligt werden, daß das Wasser, welches, während der Nacken begossen wird, nach vorne abfließt, zur Abwaschung verwendet wird; letzteres geschieht unmittelbar nach dem Gusse, so oft ersteres unterlassen wurde. Bei den Beinen kann man das Abwaschen ersparen, indem man in stehender Körperhaltung den Guß nimmt, in welchem Falle das Wasser beim Ablaufen von oben eine volle Abspülung vornimmt.
Der Rückenguß wirkt besonders +stärkend+ auf das +Rückgrat+ ein und +fördert+ den +Blutumlauf+ günstiger und stärker als die vorigen Gußarten.
5. Der Ganz- oder Vollguß
erstreckt sich, wie der Name besagt, auf den ganzen Körper, vom Halse bis zu den Fußspitzen. Derselbe wird folgendermaßen erteilt:
Der Patient sitzt in der Badewanne oder in einem weiten Holz- oder Blechgefäß auf einem schmalen Brettchen, bekleidet mit Badehosen oder dem Badehemde. Wer ihn kniend oder stehend nehmen will, trifft auch keine schlechte Wahl. Der Guß geschieht zum Teil von der Rückseite, zum Teil von der Vorderseite mit ungefähr 4 Gießkannen Wasser. Die erste Kanne netzt den ganzen Körper an. Die weiteren drei und mehr Kannen werden in der Art verwendet, daß der Strahl nach allen Körperteilen hinzielt, vorzüglich nach dem Rückenmark und den Hauptnervengeflechten, also ins Genick und zu beiden Seiten desselben, sodann in die Magengegend (Magengrube, Sympatikus in der Magengegend).
+Gesunden+, besonders +korpulenten Personen+, ist dieser Guß sehr zu empfehlen. Er härtet ab, steigert die Zirkulation des Blutes, kräftigt und hebt diese blutarmen und wasserscheuen Individuen aus ihrer übergroßen Empfindsamkeit und Empfindlichkeit heraus.
+Wer sich kalt+ fühlt und +wem fröstelt+, der darf den Guß nicht nehmen, er stelle denn zuerst die richtige Naturwärme her, sei es durch Bewegung, sei es durch künstliche Nachhilfe, etwa den Fuß- oder Kopfdampf. Sonst aber kann er Sommers und Winters vorgenommen werden, im Winter selbstverständlich in einem gewärmten Lokale.
Bei +Kränklichen+ und +Schwächlichen+ darf, ja soll das Wasser etwas temperiert („abgeschreckt“) werden und wenigstens die Temperatur haben, welche das Wasser in Badeanstalten zur Sommerszeit hat (15-18°~R.~).
Die Berichte der einzelnen Krankheiten enthalten, in welchen Fällen und wie oft der Ganzguß anzuwenden sei. Ich ziehe denselben vielfach dem Vollbade vor und verwende ihn statt desselben da, wo ich durch Aufgießen auf eine besonders leidende Stelle in nachhaltiger Weise einwirken will. Bei +Rheumatismen+ geschieht dieses ziemlich oft.
+Kranken+, bei denen ich +besonders starke Auflösungen+ und Ausleitungen erzielen möchte, gebe ich nach dem Vollgusse noch folgende Anwendung. Das durch den Guß naß gewordene Hemd wird rasch so ausgewunden, daß es nicht mehr träufelt, und dann als Wickel benützt (s. Wickelungen), in welchem der Patient 1 bis 1½ Stunden bleibt. Andernfalls muß es selbstverständlich ausgezogen und durch trockene Wäsche ersetzt werden. Der Patient selbst macht sich Bewegung, bis er völlig warm und trocken ist.
Hier nur eine +flüchtige Bemerkung+. Die an manchen Orten üblichen, hoch und deshalb sehr +stark auffallenden Güsse+ und +heftigen Duschen+ habe und billige ich nicht. Ich sehe absolut nicht ein, was so gewaltige Wasserschläge bei Gesunden und erst bei Kranken erzielen sollen. Zum Waschen des Körpers braucht man keine Feuerspritze; wem würde solches einfallen?
Zum Begießen sind diese förmlichen Wasserstürme nicht notwendig; denn entweder ist die Krankheit heilbar und so durch geringere Anwendung ihr beizukommen, oder sie ist nicht heilbar; dann würde diese schroffe Behandlung auch nichts nützen, eher schaden.
6. Der Oberguß
ist das Gegenstück zum Unterguß.
Der zu Behandelnde entkleidet sich bis auf die Beinkleider. Das Einfließen des Wassers in letztere hindert ein übergelegtes, abschließendes Tuch. Das Gefäß, in welches das Wasser abfließt, dann statt auf der Erde auf einem Stühlchen stehen. Das Bücken wird stärkeren Personen dadurch leichter gemacht; auch der Kopf wird geschont, d. i. durch dessen mehr gehobene Haltung der Blutandrang zu demselben gemindert. Der Patient stützt beide Hände auf den Boden des Gefäßes, so daß der Oberkörper eine horizontale Lage annimmt und das Wasser beim Gießen ins Gefäß abfließt. (S. Abbildung.)
+Die erste Kanne+ verbreitet sich, ausgehend vom rechten Arm und der rechten Schulter, über den ganzen Rücken bis zur linken Schulter und dem linken Oberarm (~a~). Sie dient in erster Linie zur Anfeuchtung der ganzen Gußstelle. Die zweite (~b~), ebenso die dritte Kanne (~c~) bewegen sich hauptsächlich über das große sympatische Nervengeflecht zu beiden Seiten des 7. Halswirbels, sodann über den ganzen Rücken und das Rückgrat, stets abschließend mit einem der beiden Oberarme. +Die ganze Gußstelle+ soll drei- bis viermal +gleichmäßig übergossen+ werden, der Begossene gleichsam +drei Wasserauflagen+ bekommen, welche über den Oberkörper, über die Brust in das Gefäß abfließen. Wer aber nicht geübter, erprobter Begießer ist, dem gebe ich den guten Rat, einfach so zu gießen, daß das Wasser auf den Rücken des zu Begießenden recht gleichmäßig verteilt wird, so daß dasselbe eine förmliche Decke bildet und der Rücken wie etwa mit einem Tuche überlegt erscheint. Der +Kopf+ werde +möglichst geschont+, der Hals dagegen tüchtig begossen. Wer lange Haare hat, dessen Kopf greife ich gar nicht an; wer kurze Haare hat, den begieße ich zart und wenig. Bei +nervösen Personen+ sei man achtsam, daß der +Rückgrat+ oder auch nur eine Stelle desselben zu stark oder zu lange begossen werde. Der Strahl würde fast wie ein stechendes Messer empfunden und nicht ertragen werden, wenn auch durchaus keine Gefahr ist. Je nach Bedarf und Absicht läßt der Begießende den Strahl voller oder geteilter, höher oder tiefer, d. i. stärker oder schwächer auffallen. Zugleich habe er ein +Ohr+, ob der Patient über besondere Schmerzen an irgend einer einzelnen Stelle klagt, und ein +Auge+, ob er vielleicht Symptome von Ausschlägen, Geschwüren, Blutanstauungen (blaue Flecken), Blutwülsten usw. gewahr wird.
+Je gleichmäßiger+ das Wasser über die begossenen Teile läuft, um so leichter ist der Guß auszuhalten, und um so schneller tritt an allen Stellen gleichmäßige Wärme ein.
Es gibt Personen (darunter zählen insbesondere diejenigen, welche entweder schon stark beleibt sind oder zum Starkwerden Anlage haben), bei denen man lange auf +Reaktion+ warten kann. Man sieht dieses daran, daß die Haut weiß, farblos bleibt, wie vor dem Gusse, nicht rot wie vom aufgescheuchten, geweckten, den begossenen Stellen zuströmenden Blute. Da +helfe+ ich dadurch +nach+, daß ich nach der ersten Kanne den nassen Rücken leicht mit der Hand abwasche und durch diese kleine Reibung die Haut zur Tätigkeit reize. Beim dritten und vierten Gusse schon ist in der Regel vollständige Reaktion vorhanden.
Bei +schwächlichen+ Personen reicht zum Gusse eine Kanne aus.
+Anfänger+ traktiere man mit 1 oder 2, +Fortgeschrittene+ mit 2 oder 3, +Gesunde+ und +Kräftige+ mit 5 bis 6 Kannen. Übertreiben soll man bei vorhandenem Wohlbehagen in keinem Falle.
Vor und nach dem Gusse wasche man sich schnell die Brust, trockne nach demselben die Hände und das Gesicht, ziehe rasch, ohne sonst irgend abzutrocknen, die Kleider an und begebe sich in Bewegung oder an die Arbeit.
Der +Oberguß+ ist (wenn nicht eine Abwaschung stattfindet) +stets notwendig+ nach dem Kopfdampf.
Sonst kommt er +regelmäßig+ vor in Verbindung mit dem Knieguß, und zwar in der Reihenfolge, daß zuerst er und nach vollständiger Bekleidung des Oberkörpers der Knieguß vorgenommen wird. Betont sei aber nochmals, daß eine +Notwendigkeit+ nicht vorliegt, daß dem Oberguß der Knieguß folgen +müsse+.
+Beide Güsse zählen+ mit zu den +Abhärtungsmitteln+; sie wirken erwärmend, (gleichmäßige Zirkulation des Blutes), stärkend, förmlich elektrisierend und können von Personen beiderlei Geschlechts ohne allen Nachteil angewendet werden.
Ich kenne solche, welche jeden Morgen beim Aufstehen sich selbst beide Güsse applizieren. Sie nehmen zuerst den Oberguß vor, indem sie durch geschickte Handhabung der kleinen Kanne sich das Wasser über den Rücken laufen lassen, noch besser, indem sie sich in der Waschküche oder in einem Badelokal den Wasserhahn klein drehen und den mäßigen Strahl auf den Rücken spielen lassen. Sie wandern unter dem Strahl einher, wie es ihnen selbst beliebt und wohltut. Hernach richten sie den Hahn oder die Kanne ebenso auf die Knie. In fünf Minuten ist alles vorüber und dem ganzen Körper eine große Wohltat erwiesen.
+Wer sich scheut, den Guß von einem andern zu erbitten+, und dazu selbst die Gewandtheit nicht besitzt, wasche sich den Oberkörper mit recht kaltem Wasser. Dann stelle er die bis über die Knie entblößten Füße in ein zum Teil mit Wasser gefülltes Gefäß, schöpfe mit was immer von dem Wasser und schütte dieses langsam über die Knie und den untern Fuß. Selbst bei dieser primitiven Selbstverabreichung der beiden Güsse wird die Wirkung nicht fehlen.
7. Der Armguß.
Wie die Beine bei Knie- und Schenkelguß für sich allein in Behandlung kommen, so kann es öfters auch sehr zweckdienlich sein, die Arme speziell zu begießen.
Der Guß beginnt vorne an den Händen und nimmt seinen Lauf hinauf bis gegen die Achseln; er wird stets beiderseits vorgenommen und für gewöhnlich reicht eine Kanne zu 15 Liter für +einen+ Arm aus. Bald wird dieser Guß verordnet und genommen als +einfaches Abhärtungsmittel der Arme+, bald ist er sehr +nützlich zur Auflösung der Stauungen+ in denselben, bald +um Entzündungen zu dämpfen und deren Schmerz zu lindern+, und bald um Gicht und Rheumatismus aus den Armen zu verscheuchen. Für Blutarme und Bleichsüchtige ist er eine große Wohltat. Wer einen sprudelnden Brunnen zur Verfügung hat, der halte beide Arme eine Minute unter denselben und ich werde ihm gewiß nicht den Vorwurf machen, daß sein Armguß kein richtiger ist.
8. Der Kopfguß.
Wollte ich diesen Guß ganz verschweigen, so würde ich einer Anwendung in meinem Heilverfahren nicht gerecht werden, der ich doch bei Augen- und Ohren-Gebrechen große Dienste und Erfolge zu verdanken habe. Dabei gießt man das +Wasser über den Kopf+ und läßt +den Strahl+ =um= +die Ohren+, +auf die Backen+ und selbst +zwei Sekunden auf das geschlossene Auge+ spielen. Zuerst verwendet man hiezu +eine+, später +zwei+ Kannen voll Wasser. Wieder ist es nicht überflüssig, die Mahnung beizufügen, daß nach dem Kopfgusse das Haupthaar +sorgfältig+ abgetrocknet werden muß.
~E.~ Waschungen.