Part 8
Leider ist nur zu wahr: die +Kopfpflege+ wird vielfach +sehr vernachlässigt+. Man wäscht jahraus, jahrein jeden Morgen sein Gesicht und meint, damit sei es abgetan. Damit ist es noch lange nicht abgetan. Ich empfehle die Kopfpflege im Interesse der notwendigen Reinlichkeit, dann der Gesundheit der Jungen wie der Erwachsenen; in erster Linie soll sie den Müttern empfohlen sein.
3. Das Augenbad
ist kalt oder warm zu nehmen. Man bereitet es in +beiden+ Fällen seinen Augen folgendermaßen: Man taucht das Gesicht in das kalte Wasser ein, öffnet die Augen und läßt diese ¼ Minute gleichsam baden. Dann erhebt man sich, setzt ungefähr ¼-½ Minute aus und taucht Stirne und Augen von neuem ein. Die Wiederholung kann geschehen 4-5 mal. Das warme (24-26° ~R.~) Augenbad soll stets mit kalt abschließen, sei es, daß man das letzte Bad kalt nimmt, oder daß man zum Schlusse die Augen mit frischem Wasser abwäscht. Desgleichen sei das Badewasser nicht warmes Wasser allein, sondern wieder +Kräuterwasser+. ½ Löffel +gemahlener Fenchel+ oder Absud von +Augentrost+ haben mir stets gute Dienste geleistet.
~a~) Das +kalte Augenbad+ wirkt vortrefflich bei +gesunden, aber schwachen Augen+. Es stärkt und erfrischt den ganzen Sehapparat in seinen inneren und äußeren Bestandteilen.
~b~) Das +warme Augenbad+ (lauwarm) wird verwendet, um Geschwülste am äußeren Auge aufzuweichen und ungesunde dicke eiterige Flüssigkeit in dem inneren Auge zu lösen und auszuziehen.
~C.~ Dämpfe.
Wie unsere sämtlichen Wasseranwendungen, so wirken auch die Dämpfe in der gelindesten Form und deshalb durchaus ungefährlich und unschädlich. Gleichwohl erheischt die Anwendung der Wasserdämpfe +große Vorsicht+. Was den Kranken, der richtig und nach Vorschrift anwendet, gesund macht, kann bei Nachlässigkeit und Sichgehenlassen einen Gesunden krank machen. Wer z. B. unmittelbar nach einem Dampfbade ohne vorhergehende Abkühlung ins Freie, an die kühle Luft tritt, kann nicht nur krank, er kann tödlich krank werden, die Anwendung ist daran so unschuldig wie ein neugeborenes Kind. Diese erste Bemerkung soll zur Vorsicht, nicht zur Ängstlichkeit ermahnen. Ich wiederhole, daß +bei richtigem Gebrauche niemals eine, selbst nicht die leiseste Gefahr zu befürchten ist+.
+Sind Dämpfe zur Heilung überhaupt notwendig?+ Wenn eine Hausfrau ihre Wäsche reinigt, so gebraucht sie warmes und kaltes Wasser. Das warme Wasser soll das zu Entfernende auflösen, das kalte Wasser soll das Gelöste wegschwemmen. Ein ähnlicher Prozeß (Vorgang) vollzieht sich beim Heilverfahren. Auch bei Krankheiten muß Verschiedenes, wie Blutanstauungen, verdorbene Säfte usw. auf- und ausgelöst werden. Das geschieht durch die Wärme. Sodann muß der Körper gekräftigt und widerstandsfähig gemacht werden. Das geschieht durch die Kälte.
Jeder Körper muß demnach ein gewisses Quantum, ein gewisses Maß von Wärme haben, wenn seine Arbeit vonstatten gehen soll.
Der gesunde Körper besitzt in sich Naturwärme genug, er braucht keine Zutat.
Jeder kränkelnde Körper fühlt sehr bald den Abgang, das Fehlen der notwendigen inneren Wärme. Dieselbe muß auf irgend eine Art ersetzt werden. Bei vielen Patienten genügen die Wickelungen und Umschläge; bei anderen tun die Dämpfe, diese künstliche Zufuhr, ich möchte sagen Einpressung der Wärme, bessere Dienste.
+Worin besteht das richtige Dampfverfahren?+
Diese Frage zu beantworten ist nicht leicht. Ich teile lediglich meine Erfahrungen mit und gestehe gleich im Anfange, daß ich dieses Verfahren öfters änderte.
Anfangs schloß ich mich der allgemeinen Praxis an, welche +ganze+ Dampfbäder vorzog, und diese befolgte ich 13 Jahre lang. Da ich indessen im Verlaufe dieser Jahre die erwarteten Wirkungen nicht sah, änderte ich daran. Innerhalb drei Jahren geschah dies sogar dreimal, bis ich endlich die jetzige überaus gelinde, alles Schroffe sorgfältig vermeidende Art, den Dampf nicht gleichzeitig auf den ganzen Körper, +sondern nur auf Teile+ desselben einwirken zu lassen, als die vortrefflichste und vorteilhafteste anerkannte und schon seit vielen Jahren mit dem besten Erfolg praktiziere.
Doch ich muß etwas weiter ausholen.
Vor ungefähr 30 Jahren kamen auch bei uns in Süddeutschland die russischen Dampfbäder in Übung. Da viele Familien nicht imstande waren, diese damals nur Großstädten eigenen Gesundheitsbäder zu gebrauchen, so erfand man, wie ich mir die Sache erkläre und denke, als Ersatz dafür den bekannten +Schwitzkasten+, der ähnliche Schweißtreibungsdienste leisten sollte.
Auch ich ließ mir einen solchen Schwitzkasten fabrizieren, d. i. einen Kasten mit einer schließbaren Eingangstüre und einer Öffnung dem Himmel zu, durch welche man bequem den Kopf stecken konnte. Die Zufuhr des Dampfes geschah von außen; der Patient oder Schwitzlustige saß oder stand im Innern des Kastens und betrachtete mit stiller Resignation (Ergebung in sein Schicksal) das vor ihm angebrachte Thermometer. Ein trockenes Tuch umhüllte den Hals, um das Entweichen des Dampfes zu verhindern; nasse Kompressen oder Umschläge bedeckten den Kopf, um ihn, während der ganze Körper schon nach 10-15 Minuten in größtem Schweiße war, kühl zu erhalten. Das Dampfbad beschloß ein Vollguß (eine Gießkanne Wasser) oder ein Vollbad. So oft größere Schweiße erwünscht waren, ließ ich zweimal, je 15 Minuten lang, in dem Kasten Aufenthalt nehmen mit jedesmaliger rascher, eine halbe Minute währender Abwaschung.
Die Art und Weise der Bereitung dieser Ganzdampfbäder schien mir unübertrefflich, mir war nur unbegreiflich, daß die Erfolge nicht ebenfalls vorzügliche waren. Zur Winterszeit insbesondere hatte die Sache große Schwierigkeiten. Innerhalb weniger Minuten brachte der heißeste Dampf, welcher den ganzen Körper gleichmäßig einhüllte, von allen Seiten ihn gleich heftig angriff, auch den ganzen Körper in starken Schweiß und damit in große Empfindsamkeit der Kälte gegenüber. Mir wenigstens war es stets sehr schwer, nach dem Bade die ganze Hautfläche gegen die frische kalte Winterluft so zu schützen, daß nicht irgend ein Fleck der Haut Schaden gelitten und längere Zeit Beschwerden, zuweilen heftige Schmerzen bereitet hätte.
Ich probierte viel, wie diesem Übelstande abzuhelfen sei, und dachte noch mehr darüber nach.
Da führte mich gerade zur Winterszeit einmal der Weg nach München; ich litt an ziemlich heftigem Katarrh. Der Zufall spielte mir ein Blatt in die Hand, welches auf der letzten Seite die ans Wunderbare grenzenden Wirkungen der russischen Dampfbäder in einem überschwenglichen Lobeshymnus pries. Unter anderem hieß es: Man probiere es nur; ein einziges Dampfbad ist imstande, den heftigsten Katarrh zu heilen. „Das muß ich doch mal sehen,“ dachte ich, und -- gedacht, getan. Ich suchte die Anstalt auf, nahm ein solches Bad und in der Tat, ich fühlte nach der allerdings russischen Dampfkur keine Spur mehr von meinem Katarrh. Aber nur langsam! Kaum waren 5-6 Stunden verflossen, da saß im ganzen Körper ein neuer Katarrh, doppelt so heftig als der alte, den ich im russischen Bade zurückgelassen.
„Ah so!“ dachte ich und sagte mir leise ins Ohr: „Diese Art Dampfbäder zu nehmen kann nicht die richtige sein. Ich sehe ganz ab von mir selbst; wie aber soll ein Geschwächter, ein Kranker, vollends ein Schwerkranker etwas anwenden, was selbst einen kräftigen, gesunden Mann erschaudern macht? Fürwahr, ein solcher muß anders bedient werden.“
All die weiteren Forschungen und Versuche brachten mich zu der Überzeugung, daß derselbe Grundsatz, welcher für sämtliche Wasseranwendungen gilt, auch bei den Dämpfen Geltung hat, daß nämlich +die gelindeste Anwendung auch stets die beste ist+. Die gelindeste Anwendung nenne ich die +einfachste+ und die +den Körper am meisten schonende+. Niemals werde ich (z. B. zur Vermehrung der Naturwärme) irgend einen Dampf gebrauchen, wo eine kleine Wasseranwendung, ein Guß oder ein Halbbad ausreicht; niemals werde ich den ganzen Körper durch ein Ganzdampfbad quälen und ausmergeln in Fällen, in denen Dämpfe auf einzelne Körperteile genügen. ~Ne quid nimis~, d. h. ich bleibe auch beim Dampfverfahren auf der goldenen Mittelstraße: nichts der Natur abzwingen wollen, sondern ihr an die Hand gehen, sie freundschaftlich stützen und durch kleine Hilfsmittel einladen, daß sie selbst und allein und freiwillig den Dienst tue.
Meine +sämtlichen Dämpfe+ sind eigentlich nur +Teildämpfe+, d. h. sie berühren direkt nur Teile des Körpers; dennoch bleibt keiner derselben ohne Einwirkung auf den ganzen Körper. Gerade +darin+ scheint mir der +große Vorteil+ zu liegen. Die Dämpfe berühren oder, wenn man will, schwächen nur die leidende Körperstelle und lassen den übrigen gesunden Körper intakt, unberührt, ungeschwächt. Dieser behält seine volle Kraft und ruht, während der leidende, vom Dampf angegriffene Teil in voller Arbeit ist, unterdessen gleichsam eine Weile aus, um dem geschwächten Mitgenossen alsbald von seiner Kraft mitzuteilen.
Viele meiner Dampfanwendungen dienen lediglich dazu, +den Wasseranwendungen vorzuarbeiten+, +dieselben+, z. B. durch Steigerung der Körperwärme, +zu ermöglichen+, vielleicht +wirksamer zu machen+ oder +im Innern des Körpers+ (z. B. durch Auflösung in Luftröhre und Lunge) den von außen tätigen Wasseranwendungen +in die Hand zu arbeiten+. +Ganz selten+ nur kommt einer der Dämpfe für sich allein als abgeschlossene +ganze Anwendung+ vor.
Die notwendigen +Vorsichtsmaßregeln+ bezüglich der Abkühlung, Bekleidung, Bewegung enthält die spezielle Beschreibung der einzelnen Dämpfe.
Noch muß ich warnen vor einer +Täuschung+.
Sehr oft kommt es vor, daß einer der verschiedenen Dämpfe, insbesondere der Kopf- und Fußdampf, in besonderer Weise günstig wirkt. Sie machen, weil sie stark auflösen und ausscheiden, sehr leicht, ungemein behaglich, viele Patienten überaus froh und glücklich. Die Gefahr liegt nahe, daß sie +das Gute mißbrauchen+, den betreffenden Dampf +zu häufig vornehmen+ und so unüberlegterweise ihrer Gesundheit großen Schaden zufügen. ~Modus est in rebus!~ Nur immer weise Maßhaltung sich zur Regel und Pflicht machen!
Zur +Belehrung+ will ich einige +besondere+ Fälle anführen.
Ein +Rekonvaleszent nach Typhus+ oder einer anderen schweren Krankheit hat noch bedeutende Anstauungen am oder im Kopfe oder anderswo. Dämpfe täten da treffliche Dienste. Ganz gewiß, aber sehr sparsame und leichtere Kopf- oder Fußdämpfe; denn wir haben es mit einem blut- und säftearmen Individuum zu tun. Um ein Zündhölzchen auslöschen, brauche ich keinen Schmiedeblasbalg, der leise Atem reicht aus.
Dasselbe gilt von allen +blutarmen Personen+. Die wärmenden Dämpfe bereiten ihnen Wohlbehagen; zu viele Dämpfe aber wären ebenso viele Blut-Wärme- und Lebenssauger.
Aber +starke, korpulente Leute+ können sicherlich viele Dämpfe, vieles Schwitzen ertragen?
Diese sehr oft am allerwenigsten, aus dem einfachen Grunde, weil sie blutarm sind. Gerade bei solchen Individuen bin ich mit Dämpfen überaus sparsam und greife mit Vorliebe nach den Wickeln, um auf gute Transpiration (Ausdünstungen) der Haut hinzuwirken. Wo diese in Ordnung ist, ist Vielschwitzen nicht notwendig.
Ein Patient klagt über heftige +Schmerzen in den Füßen+. Er wünscht Fußdämpfe auf die ausgemergelten, spindeldürren Beine. Wie töricht, wollte man seinem Wunsche willfahren! Ein solcher in der Tat armer „Häuter“, wie die Tiroler bezeichnend sagen, hat nichts Weiters auszuschwitzen und herzugeben. Man appliziere ihm statt der Dämpfe Halbbäder und öftere Kniegüsse.
Die von mir angewendeten +Dämpfe+ sind der Reihe nach folgende:
1. Der Kopfdampf.
Die Anwendung des Kopfdampfes erheischt einige +kleinere Vorbereitungen+. Zu dessen Vornahme nämlich sind notwendig ein +kleines Holzgefäß+ (s. Fig. 7), mehr tief als weit, mit +Öhren+, auf welche man bequem die Hände stützen kann, und einem gut abschließenden +Deckel+; sodann zwei +Stühle+ und zum Zudecken des Behandelten eine +größere Wolldecke+. Von den Stühlen dient der eine höhere zum Sitzen, der zweite niedrigere als Untergestell des Holzgefäßes (Schaff, Schafferl, Kübel, Gelte).
Wenn all die genannten Gegenstände bereitstehen, wird das auf den niedrigeren Stuhl gestellte Holzgefäß bis zu Dreiviertteilen angefüllt mit +strudelndem Wasser+ und mit dem Deckel und einem feuchten Tuche gut verschlossen, damit bis zum Gebrauche möglichst wenig Dampf entweiche. Der Patient hat den ganzen Oberkörper bis zu den Beinkleidern entblößt und über diese als abschließende Binde ein trockenes Tuch gelegt, um den niederrinnenden Schweiß aufzuhalten und das Naßwerden der Beinkleider zu verhindern. Er setzt sich auf den größeren Stuhl und stützt die flachen Hände auf die Öhren des Holzgefäßes, den Oberkörper über das Gefäß hinneigend (s. Figur 8). Oberkörper und Gefäß werden sodann mit der großen Wolldecke locker, aber nach allen Seiten hin derart eingehüllt, daß auch nicht durch die kleinste Öffnung Dampf entweicht. Jetzt erst entfernt der Behandelnde, dem Behandelten gerade gegenüberbefindlich und von unten her die Wolldecke etwas lüftend, in die Höhe hebend, den abschließenden Deckel mit dem angefeuchteten Tuche; der Dampf dringt ungehindert wie ein glühender Strom auf Kopf, Brust, Rücken, auf den ganzen Oberkörper ein und beginnt seine auflösende Arbeit.
Wer zur Aufsicht und Bedienung beigegeben ist, sorge wohl dafür, daß schwächere Patienten, denen der Rücken leicht wehe tut, bequem sitzen, eine gute Stütze im Rücken haben usw. Dagegen achte er nicht auf Klagen und die verschiedenartigsten Ausrufe wie: Ich halte es nicht ferner aus, mich muß der Schlag treffen u. a.
Im ersten Augenblicke mag mancher ob der ungewohnten Glühtemperatur erschrecken, doch bald hat er sich an das tropische, das heiße Klima gewöhnt und schnell einige +kleinere Vorteile+ gefunden. Beim ersten Ansturme der hitzigen Wolken suche er eine mehr aufrechte Stellung einzunehmen, den Kopf zu heben, nach verschiedenen Richtungen zu wenden usw. Mit dem Angewöhnen und dem Nachlassen der Hitze kehrt der Oberkörper in die vorgeschriebene, gebückte Stellung zurück.
+Zu befürchten hat man absolut nichts.+ Ich kenne nicht +einen+ Fall, in welchem der Kopfdampf, genau nach Vorschrift angewendet, im geringsten geschadet hätte. Ich habe denselben den verschiedensten Personen in den verschiedensten Krankheiten appliziert und stets gute Erfolge erzielt. Schaden zugefügt haben nie die Dämpfe, wohl aber jene Selbstklugen sich selbst, welche ohne alle Vorsicht und Regel taten, wie es ihnen gut dünkte, nicht wie die Ordnung es vorschrieb. Eine Anwendung +dauert 20-24 Minuten+. Der Patient soll während der ganzen Dauer nicht nur willig mit seinem Kopf herhalten, er soll auch nach Vermögen +Augen, Nase, Mund öffnen+ und an Dampf einströmen lassen, was und wieviel er nur ertragen kann.
Nach Umlauf der Zeit von 20-24 Minuten wird die Wolldecke entfernt und der ganze Oberkörper mit frischem Wasser kräftig abgewaschen. Der Patient macht sich zur Winterszeit im Zimmer, zur Sommerszeit im Freien Bewegung, bis die gehörige Trocknung und die normale Wärmetemperatur der Haut eingetreten ist.
Ich schulde an dieser Stelle noch +einige wichtige+ und nicht zu übersehende +Bemerkungen+.
Der +reine+ Wasserdampf wirkt auf manche Augen, ebenso beim Einatmen auf den Magen zuweilen nicht ganz günstig. Deshalb +mische+ ich dem heißen Wasser stets +Kräuter+ bei. Zunächst empfehle ich +Fenchel+, der sich vortrefflich bewährte. Ein Löffel gemahlener Fenchel reicht aus für eine Anwendung. Auch Kräuter von +Salbei+, +Schafgarbe+, +Minze+, +Hollunder+, +Spitzwegerich+, +Lindenblüten+ tun treffliche Dienste. Und wenn dir auch diese abgehen, so nimm eine Handvoll +Brennesseln+ oder +Heublumen+ und mische sie bei; das Kräutchen mag verachtet sein, sein Dienst ist dennoch gut.
+Bei gewöhnlichen Menschen+ tut der Dampf bald seine Wirkung; den meisten derselben rinnen schon nach den ersten fünf Minuten die Schweißtropfen von der Stirne, nach 8-10 Minuten perlen sie hervor aus allen Poren.
Es gibt jedoch +Patienten+ -- es sind in der Regel +blutarme Individuen+ mit wenig Naturwärme -- bei denen der Dampf nicht so leichte Arbeit hat. Man hilft nach, indem man im Herde ungefähr den sechsten Teil eines Ziegelsteines glühend macht und denselben ca. 10 Minuten nach Beginn der Anwendung in das Dampfbad bringt. Es braust gewaltig, und die Wolken steigen von neuem dichter und lebhafter auf.
Unmittelbar nach beendigtem Kopfdampf, der wie die folgende Abkühlung im Winter stets in +erwärmten Räumen+ vorzunehmen ist, soll man es +nie wagen, ins Freie zu gehen ohne vorherigen kalten Abguß+, wodurch die durch den Dampf geöffneten Poren wieder geschlossen werden. Zur Winterszeit verbleibe man vor solchem Austritt ins Freie noch ungefähr eine halbe Stunde im gewärmten Zimmer, in demselben auf- und abgehend. Ohne diese Vorsicht könnte man sich leicht nicht nur einen Katarrh, sondern unter Umständen eine schwere, tödliche Krankheit zuziehen. Der genannte +kalte Abguß ist auf mehrfache Weise möglich+. Die einfachste Art, welche ich besonders bei schwächeren, fremder Hilfe bedürfenden Personen empfehle, besteht darin, daß man mit einem Handtuche und frischem Wasser den Patienten +rasch abwäscht+. Bei +Kopfgeschwülsten+, +Ausschlägen+ am Kopf, +Ohrenfließen+, überhaupt bei Leiden, welche große Ausscheidungen aus dem Kopfe verlangen, muß beim ersten und zweiten Kopfdampfe diese Art des Abgusses, vielmehr Abwaschens stattfinden. Die Folgen des Versäumnisses, wie heftiges Ohrensausen usw., wären wenn auch nicht gerade gefährlich, doch unangenehm. Bei den folgenden Anwendungen, nach bereits erfolgten größeren Ausscheidungen aus dem Kopfe, kann die zweite Art des Abgusses, der eigentliche +Abguß+ an die Stelle der Waschung treten. In +Form des Obergusses+ werden 1-2 Gießkannen kalten Wassers über die bedampften Stellen +langsam+ gegossen, den Kopf, d. i. die Haare ausgenommen; die Brust wird kräftig gewaschen. Das +weitere+ Verhalten ist dasselbe wie nach den Güssen, d. i. nach sorgfältiger Abtrocknung des Gesichtes und der Haare zieht man, ohne den übrigen Körper abzutrocknen, rasch die Kleider an und gibt sich in Bewegung oder in Handarbeit bis zur völligen Trocknung und normalen Erwärmung des Körpers.
Wer nach dem Kopfdampf Gelegenheit hat, +rasch ein kaltes Vollbad+ von höchstens einer Minute zu nehmen, macht seine Sache gleichfalls gut durch Benützung solcher Gelegenheit.
Die Wirkungen dieser Anwendung sind +bedeutende+; sie erstrecken sich auf die ganze Hautfläche des Oberkörpers, deren Poren sie öffnen, sodann auf das Innere des Körpers, indem sie in der Nase, in den Luftröhren, in der Lunge usw. auflösen und ausleiten. Bei +Erkältungen+ durch Nässe oder raschen Temperaturwechsel, bei +Kopfleiden+, Ohrensausen, +rheumatischen+ und +krampfhaften Zuständen+ im Genick und auf den Schultern, bei +Enge auf der Brust+, bei noch nicht vorgerücktem +Schleimfieber+, lauter Begleiter und Begleiterinnen der verschiedenen Katarrhe, tut der Kopfdampf vorzügliche Dienste. Zwei Anwendungen innerhalb drei Tagen bringen in der Regel vollständige Heilung. +Beginnende Katarrhe+ hebt gewöhnlich ein einziger Kopfdampf auf und aus, sie mögen sitzen, wo sie wollen.
Wer einen +aufgedunsenen Kopf+, einen +unverhältnismäßig vollen Hals+, +angeschwollene Halsdrüsen+ hat, nehme wöchentlich zwei bis drei solcher Dämpfe. Bei +Augenentzündungen+, welche von Kälte, Erkältungen usw. herrühren, und bei +Triefungen+ tue man ebenso. Der letztere Patient darf noch größeren Erfolg hoffen, wenn er am Abende des Tages, an welchem er dem Kopfe den Dampf gibt, seinen Füßen ein viertelstündiges warmes Fußbad mit Asche und Salz verabreicht.
Bei +Kongestionen+, selbst nach Schlaganfällen, habe ich den Kopfdampf mit den günstigsten Erfolgen angewendet. Man läßt sich bei diesen freilich heikeln Fällen von der Meinung täuschen und beängstigen, als ziehe so ein Dampf noch vollends alles Blut in den Kopf. Die Furcht ist unbegründet. Indessen habe ich selbst die Praxis -- und ich rate dieselbe in den genannten zwei Fällen einem jeden an --, die Anwendung stets auf 15-20 Minuten zu beschränken und dem Dampfe auf den Kopf tunlichst bald einen Dampf auf die Füße folgen zu lassen.
Da der Kopfdampf stark auflösend wirkt und allzu reichliche Schweißbildung leicht allzusehr schwächen könnte, so darf diese Anwendung +nicht zu oft+ vorgenommen werden. Als +Regel+ soll gelten, daß man die Zahl 2 in der Woche nicht überschreite. +In seltenen Fällen+, in welchen +ganz besondere Auflösungen+ und +Ausscheidungen+ notwendig sind, kann eine Woche hindurch der Kopfdampf jeden zweiten Tag zur Anwendung kommen, jedoch mit verkürzter Dauer (Minimum [geringste Zeit] 15 Minuten, Maximum [längste Zeit] 20 Minuten).
2. Der Fußdampf.
Die Arbeit welche der Kopfdampf am Oberkörper vornimmt, leistet der Fußdampf dem Unterkörper, in erster Linie den Füßen.
Die +Anwendung+ geschieht +folgendermaßen+:
Über den zum Sitzen bereit gehaltenen Stuhl wird der Länge nach eine ziemlich breite und dichte Wolldecke ausgebreitet. Darauf setzt sich der zu Behandelnde mit bekleidetem Oberkörper, mit entkleideten Füßen (Beinen). Vor ihn kommt wie zum Fußbade das mit heißem Wasser etwas über die Hälfte gefüllte Holzgefäß zu stehen. Es ist das auch zum Kopfdampf benützte Gefäß (~a~, Fig. 9). Auf dem oberen Rande desselben, zu beiden Seiten der Öhren liegen zwei schmale Holzstäbe, auf welche der zu Behandelnde die Füße bequem aufstellen kann. Man suche dieselben durch irgend eine kleine Vorrichtung zu befestigen, daß die Gefahr des Nachgebens und des Verbrühens der Füße den Patienten nicht ängstigt.[13] Hat dieser sodann seine Stellung eingenommen und steht das dampfende Wasser vor ihm, so wird die dichte Wolldecke derart um die Beine und das Holzgefäß gelegt, daß kein Dampf unbenützt verloren geht und durch eine große Wollröhre das warme Element von unten nach oben, zu den Füßen, zu dem Unterleibe und weiter aufsteigt.[14] (S. Fig. 11.) Zu den Fußdämpfen benütze ich in der Regel leichtere strudelnde +Absude von Heublumen+. Wie beim Kopfdampfbade, so kann ich bei dieser Anwendung den Dampf und damit die Wirkung steigern, indem ich nach je 5 oder 10 Minuten das glühende Stück eines Ziegelsteines in das heiße Wasser sachte und vorsichtig einsenke. Man lasse die Steine ja nicht ins Wasser fallen; dieses müßte ein Spritzen und Brandwunden absetzen. Die Zahl der glühenden Ziegelstücke, sowie die +Dauer des Fußdampfes+ richten sich genau nach dem höheren oder geringeren Grade der Wirkung, welche man erzielen will. Oft soll +lediglich der untere Teil der Füße+ in Schweiß gebracht werden, wie z. B. bei Fußschwitzern; manchmal aber sucht man die +ganzen Füße, die Schenkel inbegriffen+, +öfters den ganzen Unterleib+, zuweilen den +ganzen Körper+ durch einen Fußdampf in Schweiß zu bringen. Viele habe ich gesehen, denen bei dieser höchst einfachen und primitiven Anwendung der Schweiß von der Stirne rann wie bei der forciertesten (angestrengtesten) Schwitztour unter 2-3 Federbetten. Bei den +leichtesten Anwendungen+ wird ein glühendes Ziegelstück und eine Zeitdauer von 15-20 Minuten genügen; um die +größte Wirkung+ eines eigentlichen Schwitzdampfbades zu erzielen, wird es notwendig werden, die glühende Masse alle 5-10 Minuten zu erneuern und die Anwendung +bis zu 25 und 30 Minuten+ auszudehnen.
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