Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 7

Chapter 73,625 wordsPublic domain

Mich hat es oft erbarmt, daß man hören und lesen muß, wie in manchen Anstalten und Häusern Leute zehn, zwanzig und mehr Jahre das Bett nie mehr verlassen können. Das sind bedauernswürdige Geschöpfe. So etwas begreife ich übrigens nicht und habe es nie begriffen, ganz wenige Ausnahmefälle abgerechnet; es hat ja auch die heilige Schrift ihren 38jährigen Kranken. Ich bin der festen Überzeugung, daß gar vielen dieser Betthüter und Betthüterinnen durch die einfachsten, mit Ausdauer und Pünktlichkeit fortgesetzten Wasseranwendungen wieder auf die Beine zu helfen wäre.

2. Das warme Vollbad

dient wie das kalte für Gesunde und Kranke.

Die Art und Weise, wie es +genommen+ wird, ist eine +zweifache+.

Man steigt +einmal+ in die mit Warmwasser so hoch angefüllte Badewanne (~a~), daß das Wasser den ganzen Körper überspült, kein Teil bloß, d. i. über Wasser, liegt. In dem Bade verweilt man 25-30 Minuten, dann geht man rasch in eine danebenstehende Wanne (~b~), die kaltes Wasser enthält, und taucht bis an den Kopf, nicht mit dem Kopfe, unter, oder in Ermangelung dieser zweiten Badewanne wäscht man den ganzen Körper möglichst rasch kalt ab. In einer Minute muß das kalte Bad, die kalte Waschung fertig sein. Schnell, ohne abzutrocknen, wirft man sich in die Kleider und macht bis zur völligen Trocknung und Erwärmung Bewegung (mindestens eine halbe Stunde) im Zimmer oder im Freien. Landleute können ruhig und sofort wieder zur Arbeit zurückkehren. Das Badewasser hat bei diesem ersten Bade eine Temperatur von 26-28°, bei älteren Personen von 28-30° ~R.~ Ich rate, mit einem Thermometer, das man leicht bekommt, mit Vorsicht und genau zu messen. Es genügt nicht, das Quecksilberröhrchen hineinzustecken ins Warme und sofort wieder herauszuziehen, dasselbe muß einige Zeit im Wasser belassen werden. Erst das Ruhigstehen des flüssigen Silbers gibt an, daß gut und lange genug gemessen sei. Wer immer +das Bad bereiten mag, nehme es mit der Bereitung und der damit verbundenen Verantwortung+ ernst. Gleichgültigkeit und Schlendrian sind nirgends weniger am Platze als bei derart wichtigen Diensten der Nächstenliebe.

Die +zweite+ Art, dieses Bad zu nehmen, ist folgende:

Die Badewanne wird gefüllt wie das erstemal, das Badewasser aber hat die höhere Temperatur von 30-35° ~R.~ Über die Zahl 35 sollen bei dieser Art Bäder die Wärmegrade nie steigen (wann, in welchen Fällen sie zur Anwendung kommen soll, muß stets extra gesagt sein), unter die Zahl 28 nie fallen; durchschnittlich rate und bereite ich sie selbst mit 31-33° ~R.~

Bei diesem Bade geht man nicht einmal, sondern dreimal ins Warme, nicht einmal, sondern dreimal ins Kalte. Es ist dieses Bad das sogenannte +warme Vollbad mit dreimaligem Wechsel+. Das ganze Bad dauert akkurat 33 +Minuten+; die verschiedenen Wechsel verteilen sich auf diese Zeit also (man lege die +Uhr+ auf ein Stühlchen neben die Wanne und zähle gut):

10 Minuten in das Warme, 1 Minute in das Kalte, 10 Minuten in das Warme, 1 Minute in das Kalte, 10 Minuten in das Warme, 1 Minute in das Kalte.

Mit Kalt muß ohne Ausnahme stets abgeschlossen werden. Gesunde, kräftige Leute setzen sich in die Wanne mit kaltem Wasser und tauchen langsam bis an den Kopf unter. Empfindsame Personen setzen sich und waschen rasch Brust und Rücken[9] ab, ohne unterzutauchen. Eine Ganzwaschung tut jedem, der die kalte Wanne zu sehr fürchtet, dieselben Dienste. Der Kopf wird nie naß gemacht. Sollte er naß geworden sein, so trockne man ihn ab; ebenso trockne man beim letzten Heraussteigen aus der kalten Wanne von allen Körperteilen die Hände allein, damit selbe beim Anziehen der Kleider diese nicht naß machen.

Bezüglich des Weiteren, insbesondere bezüglich der nach dem Baden notwendigen Bewegung gilt genau das beim ersten Bad Gesagte.

Ich schulde hier einige Bemerkungen.

+Warme Bäder allein+, d. i. ohne darauffolgende kalte Bäder oder kalte Waschungen, verordne ich +niemals+. Die erhöhte Wärme, zumal wenn sie längere Zeit andauert und einwirkt, stärkt nicht, sie schwächt und macht den ganzen Organismus schlaff; sie härtet nicht ab, sie macht die Haut gerade noch empfindsamer gegen alle Kälte; sie schützt nicht, sie bringt Gefahr. Das Warmwasser öffnet die Poren; es dringt kalte Luft ein, und die Folgen zeigen sich schon in den nächsten Stunden. Sämtlichen Übelständen helfen die auf die warmen Bäder folgenden +Kaltbäder oder Kaltwaschungen+ (ich kenne keine warme Wasser-Anwendung ohne die darauffolgende kalte) gründlich ab; das frische Wasser stärkt, die erhöhte Wärme herunterdrückend; es erfrischt, die überflüssige Hitze gleichsam wegwischend; es schützt, die Poren schließend und die Haut fester machend.

Dasselbe +Vorurteil von der plötzlichen Kälte+, die auf die Wärme folgt, begegnet uns hier schon wieder. Gerade mit Rücksicht auf die folgenden Kaltbäder können und müssen die Warmbäder in höherer Temperatur, als sonst normal ist und ich unter anderen Umständen raten würde, gegeben werden. Der Körper wird mit soviel Wärme erfüllt, gleichsam gewappnet, daß er den Anstoß der eindringenden Kälte gut aushalten kann. Wer beim ersten Male zu sehr vor der kalten Wanne zurückschrecken sollte, nehme eine Ganzwaschung vor. Er wird Mut bekommen. Es kommt alles nur auf die erste Probe an. Wer es einmal versucht hat, nimmt schon des Wohlbehagens wegen nie mehr ein warmes Bad ohne das darauffolgende kalte. Vielen, die anfangs vor Angst gezittert, später aber sich an den merkwürdig wirkenden Wechsel gewöhnt, denselben liebgewonnen haben, mußte ich strenge Grenzen ziehen, daß das Übermaß des Guten ihnen nicht zum Übel werde.

Das Prickeln, das Krabbeln in der Haut, welches man beim Wiedereinsteigen vom kalten ins warme Bad, besonders an den Füßen lebhaft verspürt, darf niemanden beängstigen; es wird einem später ein angenehmes Frottieren.

Besondere Vorbereitungen, um z. B. die richtige Wärmetemperatur im Körper herzustellen, sind bei beiden Arten dieses Vollbades nicht notwendig.

Auch hier wie bei allen Warmbädern benütze ich nie oder höchst selten bei Gesunden Warmwasser allein; ich mische stets Absud von verschiedenen Heilkräutern bei.

~a~) Das warme Vollbad für Gesunde.

Wenn ich Gesunden, d. h. relativ Gesunden (gesunden aber schwachen Menschen), warme Vollbäder verordne, so geschieht dieses nur dann, wenn solch geschwächte Leute zu den Kaltwasserbädern sich nicht entschließen können, und allein zu dem Zwecke, sie durch das Warmbad mit folgender kalter Waschung allmählich fürs frische Kaltbad vorzubereiten und reif zu machen.

Meine Grundsätze und meine Praxis sind in diesem Stücke folgender Art:

+Ganz gesunden und kräftigen Naturen+, deren frisches, gerötetes Aussehen gleichsam selbst Wärme und Lebensfeuer sprüht, +gebe ich warme Bäder selten, fast nie+. Sie verlangen auch nicht darnach, sie streben wie der Fisch ins kalte Wasser.

+Jüngeren, schwächlichen, blutarmen, nervösen Personen+ rate ich es als gut, besonders jenen, welche +Anlage+ zeigen zu +Krämpfen, Rheumatismen und ähnlichen Gebrechen+. Die +Hausmütter+, welche so frühe schon durch alle möglichen Mühseligkeiten aufgerieben werden, mögen hier obenan stehen. Jeden Monat ein solches Bad mit 28° ~R.~ und folgender kalter Abwaschung, 25-30 Minuten dauernd, würde genügen.

Bei Anlage zu +Gliedersucht+, +Gicht+, +Podagra+ sind zwei solcher Bäder in jedem Monat besser als eines.

Zur Sommerszeit sollen die jüngeren Personen die kalten Vollbäder versuchen.

+Bejahrten, schwächlichen Leuten+ empfehle ich der Reinlichkeit der Haut, der Auffrischung und Stärkung wegen +wenigstens allmonatlich ein warmes Vollbad+ mit 28-30° ~R.~ von 25 Minuten Dauer mit abschließender kräftiger Abwaschung. Sie werden jedesmal infolge der erhöhten Transpiration (Hauttätigkeit) und der lebendigeren Zirkulation (Umlauf) des Blutes wie neu aufleben.

~b~) Das warme Vollbad für Kranke.

In welchen Krankheiten das warme Vollbad anzuwenden sei, das besagen die einzelnen Krankheitsfälle. Beide Arten desselben kommen in Verwendung, und man hat bei gehöriger Vorsicht und Pünktlichkeit durchaus nichts zu fürchten.

Die Bäder verfolgen einen +doppelten Zweck+:

im einen Falle sollen sie durch +Zufuhr von Wärme+ die Körperwärme erhöhen, vermehren, im anderen Falle mitwirken zur +Auflösung und Ausleitung+ von Stoffen, welche der kranke Körper allein aus eigener Kraft nicht mehr entfernen kann.

Die warmen Vollbäder +werden bereitet+ als

Heublumenbäder, Haberstrohbäder, Fichtenreiser- (Nadel-) Bäder, gemischte Bäder.

Die Bereitung und Wirkung der zwei ersten Bäder wurde der Hauptsache nach schon bei der Abhandlung über das warme Sitzbad angegeben. Nur einige Punkte seien der Vorsicht halber wiederholt.

~aa~) Das Heublumenbad.

Ein kleines Säckchen mit Heublumen angefüllt kommt in einen Kessel heißen Wassers und bleibt mindestens eine Viertelstunde im Sude. Der ganze Absud wird in die mit Warmwasser bereitstehende Wanne geschüttet und die Mischung, bis sie die vorgeschriebene Temperatur erreicht hat, mit warmem oder kaltem Wasser aufgefüllt. Dieses Bad, das leichteste und häufigste, ist eigentlich das unschuldigste, das normale Bad zum Wärmen des Körpers. Auch Gesunde können es jeder Zeit benützen. Bei mir zu Hause geht mancher Wassermann, von solchem Heublumenduft umschwängert, Dorf auf und ab. Das kaffeebraune Wasser öffnet eindringlich die Poren und löst Anstauungen im Körper auf.

~bb~) Das Haberstrohbad.

Nachdem ein ordentliches Büschel Haberstroh in einem Kessel siedenden Wassers eine halbe Stunde lang gesotten, verfährt man mit dem Absude wie oben.

Dieses Bad wirkt stärker als das Heublumenbad und ist bei +Nieren- und Blasenbeschwerden+, +bei Stein-+, +Gries-+ und +Gichtleiden+ vorzüglich.

~cc~) Das Fichtenreiser- (Nadel-) Bad

wird also bereitet: Man nimmt Fichtennadeln, je frischer, desto besser, klein zerhackte Ästchen (Reiser), selbst recht harzige, gleichfalls zerschnittene Tannenzapfen und siedet die ganze Masse, bunt durcheinander geworfen, eine halbe Stunde in heißem Wasser. Mit dem Absude verfährt man wie oben. Auch dieses Bad hat günstigen Einfluß auf Nieren- und Blasenleiden; doch schwächeren als das Haberstrohbad. Seine Hauptwirkung betrifft die Haut, welche es zur Tätigkeit spornt, und die inneren Gefäße, welche es stärkt. Dieses wohlduftende und stärkende Fichtennadelbad ist +so recht+ das obenerwähnte +Bad der älteren Leute+.

~dd~) Gemischte Bäder

nenne ich jene, bei denen, wenn gerade das notwendige Quantum irgend einer dieser Heilpflanzen abgeht, die Absude von mehreren zusammengegeben werden in ein Bad. Am häufigsten habe ich so gemischt die Absude von Heublumen und Haberstroh, indem schon die Pflanzen zusammen gekocht wurden. Das Haberstrohbad wird auf diese Weise auch wohlriechender.

+Bäder wären schon gut+, sagt mir einer, das weiß ich; +aber die Sache kommt zu teuer und ist viel zu umständlich+.

Mit Recht könnte mir derjenige meiner Leser diesen Einwand erheben, welchen ich nach Reichenhall, nach Karlsbad oder sonst einem Bade schicken, oder welchem ich etwa verordnen wollte, er solle die kleinen, schwarzen, sorgfältig verpfropften, teueren Fichtennadelextrakt-Fläschchen kaufen und in jedes Bad die Hälfte oder ein Dritteil des Inhaltes gießen.

So aber hat +niemand+ auch nur den +geringsten Grund zur Klage, zur Entschuldigung zu einem Einwande+. Der Ärmste selbst kann sämtliche Bäder mit Leichtigkeit bereiten und er hat in jedem Falle den reinsten Extrakt, wie er ihn echter und unverfälschter an keinem Orte bekommen kann.

Gerade +für ärmere und unbemittelte+ Leute habe ich solche Bäder lange Zeit gesucht, damit auch sie der Wohltat des Bades, das auf die Gesundheit vielfach so großen Einfluß übt, nicht ganz verlustig gehen müssen.

Der Reisen bedarf es dazu nicht, höchstens eines Ganges auf den Heu- oder Stroh-Speicher oder in den nahen Wald. Kosten tun die Bäder auch nur ein paar Schritte oder ein gutes Wort. Heublumen und ein Büschel Haberstroh schenkt jeder Bauer jedem Armen; keine Tanne versagt ihm ihre Zapfen und ihr grünes Reisig. Eine hölzerne Stande (Zuber, Schaff) hat doch ein jeder unter dem Hausrate; im Notfalle borgt sie der Nachbar gerne.

Dieses genüge bezüglich des +Kostenpunktes+.

Was die Mühe, die Umständlichkeit abgeht, so stelle ich einzig die Frage: Ist es für dich, für deine Angehörigen weniger umständlich, wenn du wochenlang aufs Krankenlager geworfen wirst, oder wenn der verwahrloste, über Gebühr geschwächte und nie erfrischte, niemals neu aufgerichtete Körper langsam dahinsiecht?

Von +Mühe+ und +Arbeit+ kann da +gar nicht die Rede+ sein; ich müßte es Bequemlichkeit und Trägheit nennen, wem immer es zu viel wäre, meinen allergeringsten Anforderungen zu entsprechen. Wer solche Gesinnung hegen würde, verdiente in der Tat gar kein solches Bad.

3. Die Mineralbäder.

An dieser Stelle schulde ich ein Wort über die +Mineralbäder+, wegen deren ich sehr oft schon befragt wurde.

Meine unmaßgebliche Ansicht über diesen Punkt ist folgende.

Ich kann nach all den Grundsätzen meiner Wasserkur nicht dafür sein, weil ich alles Forcierte, alles Gewaltsame nicht billige, ganz gleich, ob von außen nach innen oder direkt nach innen gewirkt wird. Mein Urteil lautet und wird immer lauten: Die gelindeste Anwendung ist die beste, ob es sich nun um die Wasserheilmittel, oder ob es sich um Medizinen usw. handle, und wer mit +einer+ Anwendung seinen Zweck erreicht, soll ja +keine zweite+ gebrauchen. Wir müssen der Natur, dem kranken oder geschwächten Organismus sachte an die Hand gehen, nicht streng und stürmisch; wir müssen den kranken Körper sozusagen milde und leicht an der Hand führen, ihm bisweilen helfend und stützend unter die Arme greifen, aber ihn nicht allzusehr drängen, ihn nicht zerren und stoßen; wir müssen nicht durch dies und das absolut etwas einwirken wollen, sondern nur mitwirken, daß der Körper mit seiner Arbeit fertig werde, und sofort von dieser gelinden oder gelindesten Mitwirkung abstehen, sobald der Körper allein sich weiterzuhelfen weiß.

Niemandem wird es, um ein Beispiel meines Verfahrens anzuführen, entgangen sein, daß er die allbekannten +Wurzel-+ und +Drahtbürsten+, die +Frottiertücher+ usw. +bei mir nicht findet+. Ich habe diese Sachen früher angewendet, wenn auch nur in vereinzelten Fällen, aber die Erfahrung gemacht, daß das Wasser allein ohne diese doch mehr oder weniger gewaltsamen Manipulationen (der arme Körper hat dann auch zu aller Arbeit hin noch die gekneteten und gebürsteten Muskeln und die ebenso bearbeitete Haut in Ordnung zu bringen) die besten Wirkungen tut, wenn es nur richtig angewendet wird. Den Frottierdienst versieht bei mir den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch das grobe Linnen- oder Reistenhemd, welches ich hiermit warm empfehle.

Der Name +Mineralbad+ schon deutet eine +strenge Wirkung+ an. All diese Wasser, heißen sie, wie, und fließen sie, wo sie wollen, enthalten mehr oder weniger, gelindere oder schärfere Salze. Solche Salzwasser, von außen nach innen angewendet, kommen mir vor -- man verzeihe den Ausdruck -- wie der Fegwisch und der körnige Sand, welche ich zum Putzen, zum Reinigen des Silbers oder noch edleren Metalles anwenden wollte. Silber und Gold sind zart und fein. Sind das die inneren Organe weniger? Ein Hauch trübt das Silber, rauhe Putzmittel verletzen, verwunden es. Es wird bei solcher Bearbeitung wohl blank; Fegwisch und Sand nehmen den Staub und Schmutz gründlich weg. Ja nur allzu gründlich, und lange wird das Silberzeug solche Behandlung, besser gesagt Mißhandlung, nicht aushalten. Die Anwendung brauche ich nicht zu machen, auch nicht lang und breit zu erklären, an welch’ empfindsamem, weichem, überaus edlem Metall solche Wasser ihre Reinigungsarbeit vornehmen.

Und was sagt denn die +Erfahrung+ zu dieser Behauptung?

In großen Badestädten trägt man vielfach die Heimgegangenen nicht am Tage, sondern in der Nacht, nicht mit Gesang und Musik, sondern in aller Stille, um die Lebenden nicht unangenehm zu berühren und zu inkommodieren, auf den Friedhof zur letzten Ruhestätte. Aber man trägt manche, ziemlich viele hinaus. Es stirbt jährlich eine ziemlich große Anzahl Menschen in den verschiedensten Bädern. „Der oder die war in dem und dem Jahre das erstemal hier,“ heißt es; „es ist ihm, ihr vortrefflich bekommen.“ „Das alte Leiden kam wieder, und er, sie ging wieder hin.“ „In dem und dem Jahre war er das zweitemal dort,“ sagen die Angehörigen, „aber es bekam ihm weniger gut. Das Übel kehrte in erhöhtem Grade zurück; er ließ es sich nicht nehmen und reiste ein drittes Mal hin. Er kehrte sichtlich gekräftigt zurück, er schien prächtig kuriert zu sein. Aber er kehrte nur zurück, um daheim zu sterben. Manchem erspart der frühe Tod an Ort und Stelle noch die Reisekosten.“ Diese Geschichte und ähnliche andere habe ich zu unzähligen Malen erzählen hören.

Wer der Zerstreuung und der Gesellschaft wegen und rein zu äußerlichem Gebrauche derlei Orte besucht, hat obiges nicht zu fürchten; er hat nur mit seinem Geldbeutel zu rechnen, der vor allem anderen in die erbarmungsloseste Kur genommen und gründlich ausgepumpt wird.[10]

Auch gewöhnliche, selbst +Bauersleute+, denen der Kopf nicht mehr an der rechten, der demütigen Stelle steht, welche die besseren, studierten, gebildeten und fortgeschrittenen Menschen nachahmen, nachäffen wollen, besuchen zwar keine Badestadt, -- daran verhindert sie zum Glück der Herr Habenichts in der Hosen- und Westentasche, -- aber sie +fangen allerlei verkehrte+ Sachen an.

Zu mir kam einst ein Bauer und sagte: „So, jetzt habe ich das beste Mittel zur Reinigung des Körpers gefunden; es ist eine Art von Heilwasser und ich nehme dasselbe öfters.“ „Worin besteht es denn?“ fragte ich ihn. Nach einigem Zögern gestand er, daß er einen Löffel Salz in Wasser auflöse und das Salzwasser nüchtern trinke. Das putze sauber aus, und es sei ihm lieber (natürlich dem aufgeklärten, aber geldschwindsüchtigen Springinsfeld!) als das beste Mineralwasser. Ich warnte den Bauern, aber er ließ sich von seiner von ihm selbst erfundenen Kur nicht abbringen. Er trank noch eine Zeitlang fort; dann aber bekam er Magen- und Verdauungsbeschwerden, Blutarmut und starb, erschöpft und entkräftet und ausgefegt in den besten Mannesjahren.

Also immer hübsch bescheiden und vernünftig bleiben und niemals einen Reichen und Vornehmen, dem scheinbar Besseres geboten wird und zu Gebote steht, beneiden! Das wäre unchristlich und töricht.

Auch solche sollst du nicht schief ansehen, die wegen Kränklichkeit und Anlage zur Schwindsucht usw. sogenannte +klimatische+ oder +Luftkurorte+ besuchen können, die nach Meran gehen oder nach Südfrankreich oder nach Italien oder gar nach Afrika. Ich denke mir immer: für den Fisch ist der beste Ort das Wasser, für den Vogel das herrlichste Heim die frische Luft und die freie Natur; für mich das zuträglichste, das günstigste Klima der Ort, an dem, die Gegend, in der Gottes Schöpferhand mich gebildet hat. Will die Luft mir zu rauh werden, nun, dann suche ich mich abzuhärten; auch in Krankheiten wird mir das heimatliche Wasser die gleichen Dienste tun wie jenes, das in fremden Landen fließt. Soll ich sterben nach Gottes Willen, gut, einmal muß es doch sein, und die heimatliche Erde, sagt man, deckt leichter; in ihr ruht es sich besser und friedlicher.

Welches sind denn die +jährlich+ von neuem approbierten +Erfahrungen+ auch über solche mild oder hoch gelegene Luft-Badestätten?

Ich stelle nur die zwei Fragen: Wie viele von denen, die wirklich krank dahin flüchteten, sind gründlich geheilt heimgekehrt? Ferner Wie viele sind für immer, besonders in den wärmeren Kurorten, geblieben und dort begraben worden!

So bleibe im Lande, nähre dich redlich und wasche dich täglich!

V. Teilbäder.

Ich fasse die folgenden Bäder unter dem Namen Teilbäder zusammen, einmal, weil sie einzelne Körperteile betreffen, vorzüglich aber, um dieser Kleinigkeiten wegen nicht noch weitere größere Abschnitte machen zu müssen.

1. Das Hand- und Armbad.

Der Name besagt genug, und an Ort und Stelle wird bei den betreffenden Krankheiten gesagt sein, wann und in welchen Fällen diese Bäder anzuwenden sind, ob kalt, ob warm, wie lange, ob 2-3 Minuten, ob eine Viertelstunde, wie oft zu wiederholen, in welchem Kräuterabsud usw.

Bezüglich der Anwendung genüge die +eine+ Bemerkung:

Es hat z. B. jemand einen bösen Finger. Ich wirke nicht allein auf den Finger, sondern auch auf die Hand, auf den Arm, auf den ganzen Körper. Der böse Finger ist nur eine böse Frucht des bösen Zweiges, des bösen Astes, des bösen Stammes. Ist der Stamm in Ordnung, liefert er genügenden und guten Saft, so muß auch die Frucht eine gute werden.

Die Anwendungen, resp. die Verbesserung der Zweige und Äste, d. i. der Hand und des Armes, geschehen neben den Wickeln durch die Hand- und Armbäder.

2. Das Kopfbad.[11]

Zu den wichtigsten Teilbädern zählt das Kopfbad. Dasselbe kann kalt oder warm, am besten +in folgender Weise+ genommen werden.

Man stellt ein Gefäß mit Wasser auf einen Stuhl und hält den Oberkopf (siehe Abbildung), den eigentlichen Haarboden, ins kalte Wasser ungefähr eine Minute, ins warme 5-7 Minuten. Soweit das Wasser am Hinterhaupte die Haare nicht berührt, kann mit Aufgießen durch die hohle Hand nachgeholfen, d. h. es können die trocken gebliebenen Haare gleichfalls benetzt werden.

Nach dem Bade soll man die Haare sorgfältigst abtrocknen. Ja +immer+, sei es, daß sie durch Guß oder Dampf naß werden, und ich rate große Vorsicht und Genauigkeit an, da bei Vernachlässigung leicht schwere Kopfleiden, wie Kopfrheumatismus u. a., die Folge sein könnten. Nach der Abtrocknung bleibe man im Zimmer oder setze eine die ganze nasse Haarfläche bedeckende Mütze auf, bis Kopfhaut und Haare völlig trocken sind.

Viele wenden ein kürzeres Verfahren im Kopfbade an, besonders junge Leute vom Lande. Sie tauchen ihren Kopf öfters nacheinander unter im Brunnentroge wie die Enten im Teiche oder halten den Kopf unter die Röhre. Es tut ihnen wohl so. Ganz recht! Sie sollen es nur nicht zu arg (zu lange und zu oft) treiben und die Regeln des Abtrocknens gut merken.

Gut ist das kalte Kopfbad dem, der kurzgeschnittenes Haar hat. Bei langem Haare[12] dringt das Wasser schwerer durch auf die Haut, -- was eigentlicher Zweck des Bades ist, -- und die Trocknung schreitet langsamer voran. Solchen rate ich stets das warme Kopfbad an wegen seiner längeren Dauer.

Die Kopfbäder verordne ich zuweilen gegen +Kopfleiden+ -- dann sind es immer kalte und kurze --, meistens jedoch solchen Personen, bei denen der +Haarboden+ insbesondere der Tummelplatz +aller möglichen Geschwüre+ und +Geschwürchen+, +flechtenartiger, trockener Ausschläge+, eine förmliche Fundgrube von +Schuppen+ und +Staub+ und gar noch von anderem ist, was freilich eher und besser die Nacht als der Tag, nur nicht das Haar bedecken sollte. Mitunter bekommen diese auch warme Kopfbäder von längerer Dauer, abschließend mit kalter Übergießung oder kalter Abwaschung.

Ich mache auf diese Kopfbäder wohl aufmerksam. Wenn auf dem Lande, im kleinen Häuschen und im noch kleineren Stübchen den ganzen Winter hindurch die ohnedies kleinen Seh- und Luftlöcher, Fenster genannt, niemals geöffnet werden, so entsteht zuletzt eine Luft, die man förmlich schneiden kann und die jeden eintretenden Fremden mit Wucht zurückschlägt.

Und wenn in einer Stube nie gereinigt, nie aufgewaschen wird, wie muß dann zuletzt der Boden aussehen?

Kann es dem armen Haarboden anders gehen, wenn die langen Haare oder die zwei- oder dreifachen Kopfumhüllungen das halbe Jahr hindurch keinen Lufthauch und keinen Sonnenstrahl hineindringen lassen auf die ohnedies im verborgenen lebende Kopfhaut? Und wenn da nie ein Wasser oder eine Lauge gründlich, recht gründlich ihre Arbeit tut, wie mag es zuletzt aussehen?

Auch da kann sich ein Morast von Krusten usw. bilden, eine Fäulnis, und manche Mutter weiß zu erzählen, was solche Fäulnis zeitigt.