Part 5
Wer mit gerunzelter Stirne einem Feinde zur Versöhnung die Hand bietet, wird schwerer zu Werke kommen, als wer ihm freundlichen Antlitzes und frohen Herzens die Hand reicht. Dieses Bild will mir nicht übel dünken da, wo es sich um die Anwendung von Eis oder um Wasser handelt. Von jeher habe ich die Eis-Auflagen, namentlich auf die edelsten Körperteile (Kopf, Augen, Ohren usw.) zu den schroffsten und gewaltsamsten Mitteln gerechnet, welche überhaupt zur Anwendung kommen können. Sie gehen der Natur nicht helfend an die Hand, daß sie anfange, selbst wieder zu arbeiten; sie erzwingen gewaltsam etwas von ihr, und das muß sich rächen. Eistuch und Eisbeutel, und wie die Dinge heißen, sind in meiner Werkstätte unbekannte Größen und sollen es auch für alle Zukunft bleiben. Man stelle sich nur einmal die kolossalen Gegensätze vor: drinnen im Körper die Glühhitze, draußen der Eisberg, dazwischen das leidende Glied, das von beiden bearbeitete Organ von zartem Fleisch und Blut. Die Ergebnisse solcher Arbeit habe ich stets nur mit großem Bangen erwartet und mein Bangen war in den meisten Fällen sehr gerechtfertigt.
Ich kenne einen Herrn, der ein ganzes Jahr hindurch bei Tag und bei Nacht auf einem Fuße Eis-Auflagen zu tragen hatte, ohne jede Unterbrechung. Fürwahr, da müßte ja geradezu ein Wunder geschehen, wenn diese Eisscholle nicht alle Hitze, aber auch die unentbehrliche Naturwärme davontragen sollte! Von Heilung des Fußes war keine Spur zu sehen.
Aber, entgegnet mir jemand, in vielen Fällen hat’s in der Tat geholfen. Mag sein, daß das Übel den Zwangsmitteln nicht widerstehen konnte. Welches waren indessen die Folgen? Unzählige sind zu mir gekommen mit teilweisem Verluste des Gesichtes, mit größerer oder geringerer Taubheit, mit Rheumatismen der verschiedensten Art, besonders mit Kopfhaut-Rheumatismus und sonstiger großer Empfindsamkeit des Kopfes usw. Woher das alles? „Ja, da und dort und dann,“ so lauten die Antworten, „hat solches der leidige Eisbeutel getan, dieses Übel trage ich nun schon seit so und so vielen Jahren.“ Gewiß, und die meisten werden es tragen bis zum Ende ihrer Jahre.
Noch einmal sei es gesagt: ich spreche durchaus gegen jede Eis-Auflage und behaupte dagegen, daß das Wasser, richtig angewendet, jedwede, auch die stärkste Hitze, in welchem Teile oder Organe des Körpers dieselbe immer wüte, zu dämmen und zu tilgen imstande ist. Wenn eine Feuersbrunst nicht mehr durch Wasser gelöscht werden kann, dann kann sie auch nicht durch Eisschollen gelöscht werden. Das sieht ein jeder sehr gut ein.
Ich sagte soeben: Hilfe wird bringen, wer das Wasser +richtig+ anwendet. Darunter verstehe ich freilich nicht, daß man z. B. bei einer Entzündung am oder im Kopf, wie man sonst die Eisplatte, den Eisbeutel auflegt, nun möglichst viele nasse Kopfwickel, Auflagen usw. gebrauchen müsse. 100 Eisplatten und Kopfwickel werden das Zuströmen des Blutes nach der entzündeten Stelle, wodurch die Hitze sich steigert, nicht aufhalten. Ich muß das Blut anders wegzuleiten, zu verteilen suchen, mit anderen Worten: ich muß neben den Anwendungen auf die leidende Stelle auch solche auf den ganzen Körper machen. Diesen Feind in oder am Kopf z. B. werde ich zu allererst bei den Füßen des Patienten angreifen und allmählig dann gegen den ganzen Körper vorrücken.
Das Eis leistet im übrigen auch mir bei meiner Wasserkur durch indirekte Verwendung treffliche Dienste. Es kühlt zur Sommerszeit das Wasser, wenn es anfangen will, lau zu werden. --
Wie ich über das +Aderlassen+, die +Blutegel+ und all die wie immer gearteten Blutentziehungen denke?
Noch vor 50, 40, 30 Jahren war selten eine Frau, die sich nicht zwei-, drei-, viermal zur Ader gelassen hätte; die Halbfeiertage und natürlich die günstigsten Zeiten waren gleich am Jahresanfange im Kalender strenggläubig gewählt und rot oder blau angestrichen worden. Die Land- und anderen Ärzte, die Bader und Rasierer selbst nannten ihre eigene Arbeit in dieser Beziehung eine förmliche „Metzgerei“. Auch Anstalten, Klöster hatten ihre Aderlaßzeit und die vor allem andern streng eingeführte Diät (Lebensweise) genau bezeichnet. Man wünschte sich Glück vor und gratulierte sich nach den überstandenen blutigen Strapazen. Diese mögen zuweilen nicht gering gewesen sein. Ein geistlicher Herr aus jener Zeit versicherte, 32 Jahre lang habe er sich zur Ader gelassen, in jedem Jahre viermal, und bei jedem Aderlaß 8 Unzen Blut verloren. Tut in Summa 8 × 4 × 32 = 1024 Unzen Blut.
Neben dem Aderlaß gingen noch Blutegel, Schröpfköpfe u. a. um; es war gut gesorgt für jung und alt, für hoch und nieder, für Männer und Frauen.
Wie doch die Zeiten sich ändern! Dieses Treiben hielt man lange für das ~unum necessarium~, das einzige und absolut Notwendige des Gesundseins und Gesundbleibenwollens. Und wie denkt man heutzutage darüber? Man belächelt und bespöttelt diesen Irrwahn der Alten, diese Naturwissenschaftlichkeit, zu meinen, daß irgend ein Mensch zu viel Blut habe. Vor ungefähr zwei Jahren sagte mir ein literarisch tätiger Arzt des Auslandes, der einer neueren Schulrichtung folgt, er habe sein Leben lang noch nie Blutegel gesehen. Viele Ärzte schreiben die Blutarmut unserer Zeit dem früheren Übelstand und Mißbrauch des Aderlasses zu. Sie mögen recht haben, nur ist dieses nicht die einzige Ursache.
Doch zur Sache! Meine Überzeugung ist folgende: Beim menschlichen Körper stimmt alles so wunderbar zusammen, der Teil zum Teil und jeder Teil zum Ganzen, daß man nicht ansteht, das Gebilde des Körpers ein einziges Kunstwerk zu nennen, dessen Idee nur in Gottes Schöpfergeist ruhen konnte, und dessen Inswerksetzung nur durch Gottes Schöpferkraft möglich war. Dieselbe Ordnung, dasselbe Maß, dieselbe Harmonie besteht zwischen Einnahme und Verbrauch der zum Unterhalte, zur Erhaltung des Körpers notwendigen Stoffe, wenn anders der vernünftige und freie Mensch durch rechten Gebrauch des ihm Gegebenen nach Gottes Willen mitarbeitet und nicht durch Mißbrauch desselben die Ordnung verkehrt und Mißklänge in die Harmonie bringt. Da der Sachverhalt ein derartiger ist, so kann ich mir nicht denken, wie die Blutbildung allein, dieser wichtigste aller Prozesse im menschlichen Körper, ohne Ordnung, ohne Zahl und Maß, ungeordnet und übermäßig vor sich gehen solle.
Jedes Kind, so denke ich mir die Sache, bekommt von seiner Mutter mit dem Leben als Erbteil gleich bei der Geburt ein Quantum, eine Portion Blutbildungsstoff mit, mag man letzteren nennen, wie man will, gleichsam die Essenz, ohne welche kein Blut fabriziert, bereitet werden kann. Geht diese Essenz aus, so hört auch die Blutbildung, mit ihr das eigentliche Leben auf. Absterben, hinsiechen nenne ich nicht mehr „leben“. Durch einen jeden Blutverlust nun, geschehe es durch Fall, Sturz oder durch Aderlaß, Blutegel, Schröpfköpfe, geht ein Teilchen oder Teil dieses Blutbildungsstoffes, dieser Lebensessenz verloren; um so viel hat der Mensch weniger, kürzer zu leben. Jede Blutentziehung bedeutet soviel als Verkürzung des Lebens, denn im Blute ist das Leben.
Man wendet ein: Nichts geht rascher als Blutbildung; Blut verlieren, Blut gewinnen, ist fast ein und dasselbe. --
Unglaublich wunderbar schnell geht die Blutbildung vor sich, das gestehe ich vollkommen zu. Aber man entschuldige folgendes Erfahrungsargument (Beispiel); es wird meine Leser aus dem Bauernstand interessieren und sie werden es bestätigen müssen. Wer ein Stück Vieh schnell fett machen will, zapft ihm einen großen Teil Blutes ab, läßt ihm zur Ader und füttert es dann recht gut. In ganz kurzer Zeit wird neues, schönes Blut in Menge fließen. Dabei gedeiht das Stück außerordentlich und nimmt zu an Fettigkeit. Nach 3-4 Wochen läßt man nochmals Blut ab und füttert wieder kräftig und gut, gibt auch viele und kräftige Tränke. Das Gedeihen ist prächtig, und selbst ein altes Stück Vieh wird beim Schlachten so viel und so schönes Blut zeigen wie ein junges. Sehen wir uns indessen das Blut näher an! Das künstlich gebildete Blut ist nur mehr wässeriges, fades, lebensunfähiges Blut. Das Stück Vieh hat keine Kraft, keine Leistungsfähigkeit, keine Ausdauer mehr, und wird es nicht bald geschlachtet, so wird sich binnen kurzem die Wassersucht ansetzen.
Sollte es bei dem Menschen anders sein? Wer schon mehr als 60 Jahre zählt und ein bißchen Erfahrung und Einsicht hat ins Menschenleben, weiß, wie gerade der unmäßige Aderlaß der Voreltern Einfluß hatte auf Fähigkeiten, Talente, Lebensdauer der Nachkommen. Der im Beginne dieser Abhandlung angeführte Herr, der so viele Unzen Blut lassen mußte, starb in den schönsten Mannesjahren an der Wassersucht. Und wenn eine Frau, es sind dieses Tatsachen, 300mal, eine andere 400mal sich zur Ader ließ und dabei namenlos schwach und krank wurde, mußte da die folgende Generation nicht schwächlich und gebrechlich, zu Krämpfen und anderen Leiden veranlagt sein?
Ich gestehe gerne zu, daß es Fälle geben kann, welche aber stets zu den Ausnahmen gehören, +in denen+, da andere rasch wirkende Mittel nicht zur Hand sind, +der Aderlaß eine augenblickliche Gefahr beseitigt+.
Sonst aber frage ich jeden vernünftigen Unparteiischen: Was ist besser, sich Stück für Stück vom Lebensfaden abzwacken zu lassen, oder durch richtige Wasseranwendung das Blut so zu verteilen, daß selbst der Vollblütigste kein zu großes Quantum Blut besitzt? -- Wie und durch welche Anwendungen diese Verteilung zu geschehen habe, ist an passender Stelle des öfteren erörtert.
Gewöhnlich bekommt man zu hören, daß bei +drohenden Schlaganfällen+ der Aderlaß das einzige Rettungsmittel sei. Da erinnere ich mich soeben des Falles, wo nach einem stattgehabten Schlagflusse der erste Arzt in der Tat schnell zur Ader ließ, der zweite Arzt aber bestimmt erklärte, der Kranke müsse gerade infolge dieses Aderlasses sterben, was auch geschah. Nicht Blutreichtum und Blutüberfluß führen, wie irrtümlicher Weise die Leute meinen, in der Regel einen Schlag herbei, sondern Blutarmut. „Er ist am Schlage verschieden“ heißt gewöhnlich soviel als: mit dem Ausgehen des Blutes ist ihm auch das Leben ausgegangen. Das Öl hat aufgehört zu fließen und zu befruchten; deshalb ist der glimmende Docht völlig erloschen.
Welch nützliche Dienste gerade nach Schlaganfällen das Wasser leistet, lese man im dritten Teile nach. Ich bemerke hier nur noch, daß gerade mein Vorgänger im pfarrlichen Amte dreimal vom Schlage gerührt und nach dem dritten Male vom Arzt als lebensunfähig erklärt wurde. Das Wasser hat ihn nicht nur im Augenblicke gerettet, sondern noch mehrere Jahre seiner Gemeinde erhalten.
~B.~ Bäder.
I. Fußbäder
Die Fußbäder können kalt und warm zur Anwendung kommen.
1. Das kalte Fußbad
besteht darin, daß man +1-3 Minuten bis an oder über die Waden in kaltem Wasser steht+.
Bei +Krankheiten+ dienen kalte Bäder vornehmlich dazu, das Blut von Kopf und Brust abwärts zu leiten; sie kommen indessen meist nur in Verbindung mit anderen Anwendungen vor, zuweilen in Fällen, in denen Ganz- oder Halbbäder von den Patienten verschiedener Ursachen wegen nicht ertragen werden.
Bei +Gesunden+ bezwecken sie Auffrischung (Entziehung der Mattigkeit) und Kräftigung und sind Landleuten insbesondere zur Sommerszeit anzuraten, wenn nach anstrengenden, sehr ermüdenden Tagen nachts der Schlaf sich nicht einstellen will. Sie ziehen die Müdigkeit aus, bringen Ruhe und guten Schlaf.
2. Das warme Fußbad
kann auf verschiedene Art genommen werden.
~a~) In warmes Wasser von 25-26° ~R.~ bringt man +eine Hand voll Salz+ und die doppelte Quantität +Holzasche+. Nach gehöriger Mischung benützt man das Fußbad ungefähr 12-15 Minuten.
+Zuweilen+ gebe ich -- es muß solches stets besonders verordnet werden -- so ein Fußbad mit einer Temperatur +bis+ zu 30°, jedoch stets mit darauffolgendem +kalten+ Fußbad von der Dauer einer halben Minute.
Die Fußbäder dienen vortrefflich überall da, wo wegen Kränklichkeit, Gebrechlichkeit, mangelnder Körperwärme usw. strenge und kalte Mittel nicht leicht gebraucht werden können, da zu geringe oder gar keine Reaktion stattfindet, d. h. das kalte Wasser wegen Blutmangels zu wenig Wärme entwickelt.
Es sind die eigentlichen Fußbäder für +schwächliche+, +blutarme+, +nervöse+, +sehr junge und sehr alte+, vorherrschend für +Frauens-Personen+ und erweisen sich sehr wirksam bei allen +Störungen im Blutumlaufe+, +bei Kongestionen+, +Kopf-+ und +Halsleiden+, +Krämpfen+ usw.
Sie leiten, ziehen das Blut nach den Füßen und wirken beruhigend.
Solchen, die an +Fußschweiß+ leiden, empfehle ich dieselben +nicht+.
Bei unserem Landvolke sind diese warmen Fußbäder allbekannt und deren Wirkungen, wie der häufige Gebrauch zeigt, allgemein bekannt.
~b~) Ein heilkräftiges Fußbad ist das +Heublumen-Fußbad+.
Man übergießt („schwellt an“) eine kleine Schürze (3-5 +Hand+ voll) Heublumen[5] mit strudelndem Wasser, deckt das Gefäß zu und läßt die ganze Mischung bis zu der angenehmen Fußbadwärme von 25-26° ~R.~ erkalten.
Es ist +ganz gleichgültig+, ob die Heublumen selbst im Fußbade verbleiben, oder ob nach Entfernung derselben der Absud allein zur Verwendung komme. Gewöhnliche Leute lassen der Einfachheit und Zeitersparnis wegen in der Regel alles beisammen.
Diese Fußbäder wirken +auflösend+, +ausleitend+ und +stärkend+ und dienen sehr gut bei +kranken+ Füßen, des weiteren bei +Fußschweißen+, +bei offenen Schäden+, +bei Quetschungen aller Art+ (ob durch Schlag, Stoß, Auffallen usw. entstanden, ob blutend oder blutunterlaufen), bei +Geschwülsten+, bei der +Fußgicht+, +bei Verknorpelungen+ an und bei +Fäulnis zwischen den Zehen+, bei +Nagelgeschwüren+, bei +Verletzungen+ durch zu enge Schuhe usw. Im allgemeinen kann gesagt werden: +diese Fußbäder dienen all jenen Füßen vortrefflich, deren Säfte mehr krankhaft und zur Fäulnis neigend als frisch und gesund sind+.
Ein Herr litt entsetzlich an der Fußgicht. Er schrie vor Schmerzen. Ein solches Fußbad mit Fußwickel, der in den Absud getaucht war, benahm nach einer Stunde die gräßlichen Schmerzen.
~c~) An das Heublumenfußbad schließt sich enge an das =Haberstrohfußbad=.
In einem Kessel werde Haberstroh eine halbe Stunde lang gesotten und der Absud zu einem Fußbade von 25-26° ~R.~ verwendet, in dem man 20-30 Minuten aushält.
Nach meinen Erfahrungen sind diese Fußbäder +unübertroffen+, wenn es sich um +Auflösung aller möglichen Verhärtungen+ an den +Füßen+ handelt. Sie dienen somit bei +Verknorpelungen+, +Knoten+ usw., den Folgen von Gicht, +Gliedersucht+, Podagra, bei +Hühneraugen+, +bei eingewachsenen faulenden Nägeln+, bei durch Gehen entstandenen +Hitzblattern+. +Selbst offene, eiternde Füße und durch zu scharfen Fußschweiß verwundete Zehen+ können in diesem Fußbade behandelt werden.
Ein Herr schnitt sich das Hühnerauge aus. Die Zehen entzündeten sich; ein +bösartiges+ Geschwür ließ an Blutvergiftung denken. Täglich drei Haberstrohfußbäder und bis über die Fußknöchel reichende Fußwickel, in solchen Absud getaucht, heilten den Fuß innerhalb vier Tagen.
Einem Kranken drohten sämtliche Zehen eines Fußes wegzufaulen. Geschwülste, dunkelblau gefärbt, legten wiederum die Besorgnis vor Blutzersetzung nahe. Die Fußbäder und Fußwickel halfen in kurzer Zeit wieder auf die Beine.
In manchen Fällen verordne ich bei den genannten Fußbädern (man lese die einschlägige Stelle bei: „Warmes Vollbad“ S. 57) wie bei den warmen Vollbädern den +dreimaligen Wechsel+. Den Abschluß bildet auch hier wie dort das Kalte. Eine stete Ausnahme bildet jedoch das oben unter a erwähnte 25 bis 26° warme Fußbad mit Beigabe von Asche und Salz. Dasselbe hat den Zweck, das Blut in verstärkter Weise von oben nach unten zu ziehen und daselbst zu verteilen. Wer auf dieses warme Fußbad also noch ein kaltes folgen ließe als Abschluß, der würde das stark nach den Füßen geleitete Blut abermals von unten nach oben zurückschrecken, und es würde dasselbe keineswegs mehr in so ausgiebiger Menge in die Füße hinabfließen, in der es durch das warme Wasser mit Asche und Salz hinabgezogen wurde. Die erste, gewollte Wirkung würde auf diese Art wenigstens teilweise aufgehoben und der Zweck vereitelt. Auf das warme Fußbad mit Beigabe von Asche und Salz folgt also nie ein kaltes.
~d~) An eine besondere Art von Fußbädern, die mehr fester als tropfbar flüssiger Natur sind, möchte ich hier nur erinnern. Wer in die Möglichkeit ihres Gebrauches gesetzt ist, verschmähe dieselben nicht! Ich habe sie oft, sehr oft mit großem Erfolge angewendet.
Man lege in ein Gefäß (Fußkübel) den noch +warmen Malztreber+. Die Füße bohren sich leicht ein und fühlen sich in der wohltuenden Wärme bald heimisch. Das Bad kann 15 bis 30 Minuten währen. -- Noch stärker wirken die Trebern der Weintrauben. Das sogenannte „Trebernhocken“ ist in den Weingegenden beim Volke bekannt und das Trebernbad von den Landleuten als sehr günstig wirkend erprobt.
Wer an +Rheumatismus+, +Gicht+ oder ähnlichen Übeln leidet, wird die Heilwirkung am besten spüren.
Eine +Bemerkung+, welche +für sämtliche Fußbäder+ gilt, ist folgende: Bei Personen, die mit +Krampfadern+ behaftet sind, sollen die Fußbäder nie weiter als +bis zu den beginnenden Waden+ reichen und die Temperatur von 25° ~R.~ nicht übersteigen.
Fußbäder mit +einfachem warmem Wasser, ohne jede Beimischung+, nehme und verordne +ich nie+.
II. Halbbäder.
Im allgemeinen verstehe ich unter Halbbädern jene Bäder, welche den Körper im höchsten Falle bis zur Mitte des Unterleibes, ungefähr bis zur Magengegend herauf bespülen, aber sehr oft unter diesem höchsten Wasserstande bleiben. Ich mußte ein +Mittelding+ haben +zwischen+ den +Vollbädern+, die mir zu viel, +und zwischen+ den +Fußbädern+, die mir zu wenig bieten. Für dieses Mittelding wählte ich mit Verlaub den Namen Halbbäder.
Die +Anwendung+ kommt in +dreifacher+ Art vor:
1. +ins Wasser stehen, so daß dieses reicht bis über die Waden oder über die Knie+;
2. +ins Wasser knien, so daß die ganzen Schenkel mit ins Wasser kommen+;
3. +ins Wasser sitzen+. Die dritte Art nur verdient mit Recht den Namen des +eigentlichen Halbbades+; es reicht bis zur Mitte des Unterleibes, bis in die Nabelgegend.
Alle drei Anwendungen, die +stets nur in kaltem Wasser+ vorgenommen werden, zählen in erster Linie mit zu den +Abhärtungsmitteln+. Sie betreffen demnach +Gesunde+, die noch stärker, +Schwächlinge+, die stark, +Rekonvaleszenten+, die vollends gesund und stark werden wollen. In +Krankheitsfällen+ muß ihr Gebrauch speziell und +ausdrücklich vorgeschrieben+ sein, sonst soll man damit keine Versuche anstellen, sie könnten unter Umständen nicht gut ausfallen.
Bei jeder Art des Verwendens, sie betreffe Gesunde oder Kranke, ist die Anwendung +stets+ eine +Teilanwendung+, d. h. sie kommt nur in Verwendung mit anderen Anwendungen vor und darf die +Gebrauchszeit ½-3 Minuten+ nie übersteigen.
+Die Nummern 1 und 2+, ins Wasser stehen und ins Wasser knien, habe ich bei solchen Personen, die +an Kraft+ durch die verschiedensten Ursachen +gänzlich heruntergekommen+ waren, beim Beginne der Wasserkur stets mit großem Erfolge angewendet. Ich will diese Ursachen nicht nennen, sondern nur andeuten, daß es viele gibt, welche den Druck des Wassers bei Vollbädern anfangs ohne die unangenehmsten Folgen nicht ertragen können. Man gehe über diesen Punkt nicht mit vornehmem Naserümpfen oder mit Lachen hinweg. Ich wäre gerne bereit, nicht einige, nein, Hunderte von schlagenden, lebendigen Beispielen aus den verschiedensten Klassen und Ständen anzuführen. Gerade solche (wegen zu großer Schwäche und Armseligkeit) Kranke haben mich auf diese zwei Anwendungen gebracht; ihr Zustand erforderte diese diskrete, maß- und rücksichtsvollste Wasserbehandlung -- manchmal durch lange Wochen hindurch, so lange, bis sie mehr gekräftigt auch mehr aushalten konnten.
Als +zweite abhärtende Übung+ wird mit beiden Nummern gewöhnlich verbunden +das Eintauchen der Arme bis zu den Achseln+ (s. Abhärtungsmittel S. 29). Neben +Stählung der Natur+ verordne ich diese eine ganze (aus zwei Teilanwendungen bestehende) +Anwendung speziell gegen kalte Füße+.
Die +Nummer 3+, das eigentliche Halbbad ist wohl zu beachten; ich empfehle dieses allen +Gesunden+ auf das eindringlichste. Die +Unterleibsschwächen+ und +Unterleibskrankheiten+ -- und deren Zahl ist Legion, deren Ursache im Grunde nur eine: Mangel an Abhärtung, Verweichlichung -- werden durch sie im Keime erstickt, die schon seßhaften beseitigt. Diese Halbbäder +kräftigen den Unterleib+, +erhalten und mehren die Kraft+. Tausende und Tausende von Menschen tragen eine, zwei, mehr +Leibbinden+ und anderes. Machen die es besser? Oft schlimmer; sie binden die Verweichlichung, das Gebrechen erst recht sozusagen in den armen Leib hinein. Man probiere einmal langsam, aber entschieden unser Halbbad! Die Klagen über +Hämorrhoiden+, +Windkolik+, +Hypochondrie+, +Hysterie+ usw. werden sich in Bälde bedeutend mindern, Übel, die jetzt im kranken und geschwächten Unterleib ihr geistverrückendes Spiel treiben.
Gesunden gebe ich den Rat, sie sollen morgens beim Aufstehen den Oberkörper waschen, nachmittags oder abends sodann unser Halbbad nehmen. Haben sie zur Waschung in der Frühe keine Zeit, so mögen sie im Halbbade selbst die Waschung des Oberkörpers (der Brust und des Rückens) vornehmen.
Über den Gebrauch der einen oder anderen unserer drei Anwendungen in Krankheitsfällen mögen Beispiele ein Wort sagen.
Ein junger Mann wurde +durch den Typhus derart geschwächt+, daß er zu jeder Arbeit unfähig war. Längere Zeit hindurch kniete er jeden 2. oder 3. Tag 1, später 2-3 Minuten ins Wasser.
Er erholte sich von Woche zu Woche mehr und wurde kräftig wie früher.
Jemand leidet an +heftigen Kongestionen+, die vom Unterleibe (es kommt dieses häufig vor) ausgehen. Er wäscht den einen Tag den Oberkörper kräftig ab, den andern Tag kniet er ins Wasser. So setzt er es eine geraume Zeit fort und wird frei.
+Magenleiden+, die von Blähungen, verhaltenen oder versessenen Winden herrühren, werden ebenso geheilt.
+Das Austreiben solcher Gase+, die nach Krankheiten zu den belästigendsten Übeln gehören können, ist ein Spezifikum, d. i. eine ganz besondere Wirkung unseres Halbbades.
III. Sitzbäder.
Die Sitzbäder kommen +kalt+ und +warm+ zur Verwendung.
1. Das kalte Sitzbad
wird in folgender Weise genommen.
Die eigens für die Sitzbäder gefertigte Sitzbadewanne (Fig. 2) oder in deren Ermangelung das weite, nicht tiefwandige Gefäß aus Holz, Blech oder Zink (Fig. 3) wird zum vierten oder fünften Teile etwa mit Kaltwasser angefüllt. In diese Wanne setzt man sich ausgekleidet wie auf einen Stuhl derart, daß der halbe Unterleib bis in die Nierengegend und die obere Hälfte der Schenkel in das Wasser kommen. Die andere Schenkelhälfte gegen die Knie zu und die Füße kommen außer Wasser zu stehen (Fig. 4). Wer schon einige Praxis hat, braucht sich nicht ganz auszukleiden. Die Dauer eines Bades beträgt eine +halbe bis drei Minuten+.
Diese kalten Sitzbäder gehören nebst den Halbbädern zu den +bedeutsamsten+ und +wirksamsten Anwendungen speziell für den Unterleib+. Sie sind +Luft+ (Gas) +ausleitend+, die schwache +Verdauung+ und den +Stuhlgang befördernd, den Blutumlauf regelnd, stärkend und deshalb bei Bleichsucht, Blutfluß+ und +ähnlichen Zuständen+, +bei Unterleibsgebrechen der delikatesten Art+ nicht genug zu empfehlen. Niemand braucht die naßkalte, nur 1-2 Minuten dauernde Anwendung zu fürchten. Gut und nach Vorschrift ausgeführt kann dieselbe niemals schaden.
Um +Erkältungen vorzubeugen+, um +gefeit+, +gekräftigt+, +unempfindlich+ zu werden +gegen den häufig so arg mitspielenden Temperaturwechsel+, nehme man öfters solche Sitzbäder, am besten +nachts vom Bette+ aus. Man erwacht zu irgend einer Stunde, steigt schnell ins Sitzbad (das Auskleiden bleibt erspart) und sofort, ohne abzutrocknen, wieder ins Bett. Vor oftmaligem Gebrauche hintereinander möchte ich jedoch warnen, weil dadurch das Blut zu sehr in die Sitzteile geleitet wird und so Hämorrhoiden großgezogen werden; 2-3 mal in der Woche geht an.