Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 35

Chapter 353,539 wordsPublic domain

+Abschluß der äußeren Luft+, +Feuchterhalten+ der +aufgelegten Tücher+, +neues Auflegen der kühlenden Masse+, +große Reinlichkeit+ sind die Haupterfordernisse und Hauptbedingnisse zu sicherer und schneller Heilung von Brandwunden.

Als +Hausmittelchen+ bei kleineren Brandwunden (für Köche und Köchinnen ist dieses besonders wichtig) gelten in erster Linie +Sauerkraut+ und +Krautwasser+. Ersteres wird frisch von der Krautstande weg auf die verbrannte Stelle gelegt und überbunden. In letzteres tauche man drei- bis viermal im Tage den überlegten Lappen und binde denselben gut zu. Sollte reines Krautwasser zu scharf sein (zu stark beißen, brennen), so verdünne man es mit gewöhnlichem Wasser. Manche geben +Kartoffeln+, die gerieben aufgebunden werden, manche dem +Lein-+ oder +anderem Öl+, das einmal aufgetragen und mit Wollwatte luftdicht abgeschlossen wird, den Vorzug. Alle diese Mittelchen sind gut.

Eine beim Kochen beschäftigte Person hatte das Unglück, mit siedendem Wasser und durch das von unten auflodernde Feuer die Hand und den Arm bis zum Ellenbogen sich zu verbrennen. Ärztliche Hilfe war alsbald zur Stelle, aber trotz der sorgfältigsten Behandlung konnte nach vielen Wochen die Wunde nicht geheilt werden. Nun griff die Person zu den von mir angegebenen Mitteln, welche schon fast nach einem Tage die Schmerzen stillten und die Heilung einleiteten und allmählich herbeiführten.

Die Anwendungen waren: 1) Die ganze Brandwunde wurde mit Eierklar (Eiweiß) und Öl so dick wie möglich aufgetragen und mit einem feuchten Lappen überbunden; die ersten Tage zweimal frisch wiederholt. 2) Alle Verbrandung, Säfte und Unrat wurden durch angeschwellte Heublumen ausgeleitet und aufgelaugt. Es bildeten sich bei der Heilung mehrere Geschwüre; um diese auszuleiten, wurde gekochtes ~foenum graecum~ angewendet. Mit diesen Mitteln im Wechsel wurde die Hand, die man für verloren hielt, wieder in den rechten Zustand gebracht.

Vergiftung des Blutes.

+Joseph+ schlachtete eine Kuh und schnitt sich mit dem blutigen Messer eine tiefe Wunde in den Daumen. Er achtete nicht darauf, bis sich heftige Schmerzen einstellten und die Hand so anschwoll, daß er die Finger nur mehr mit großer Mühe bewegen konnte. Die Hitze stieg, und bald zeigten sich gelbliche und bläuliche Flecken an Finger und Hand. Ein Arzt gab ihm Mittel zum Waschen und Überschlagen. Allein die Schmerzen, die schon bis zum Ellenbogen reichten, wurden immer unausstehlicher, und der Arme fühlte recht gut, daß eine krampfartige Entzündung im Innern immer weiterfresse wie Feuer.

Man rief mich. Ich riet +Hand-+ und +Armdämpfe+ viermal des Tages, je eine halbe Stunde lang zu nehmen. Außer dieser Zeit wand er die Hand bis über die Ellenbogen in angeschwellte Heublumen.[46]

Alle eineinhalb bis zwei Stunden, d. i. jedesmal, so oft der Schmerz sich in besonders fühlbarer Weise steigerte, wurden die Heublumen erneuert, d. i. neu angeschwellt und neu aufgelegt. Dieses Verfahren brachte nicht allein Linderung, sondern gänzliche Heilung. Das Umsichgreifen des unheilverkündenden Brandes hörte am Abende des ersten Tages auf. Die ganze Entzündung war nach vier Tagen beseitigt.

+Ein Herr+ schnitt sich ein +Hühnerauge+ aus, das entzündet war, und ahnte nicht das Geringste. In wenigen Tagen war die Entzündung derart, daß offenbare Zeichen und Schmerzen einer Blutvergiftung vorhanden waren. Viele, die Ähnliches mitangesehen, hielten den Armen für verloren.

Der Patient nahm +täglich zwei Fußbäder+ von +abgebrühten Heublumen+ (dieselben sollen im Fußbade mitgegeben werden), und +täglich+ wurden die Füße +ein paarmal+, je auf zwei Stunden, +mit Tüchern, in Absud von Zinnkraut+ getaucht (jede Stunde neu einzutauchen), umwunden. Da am Körper schon Spuren der Vergiftung offenbar wurden (schlechtes Aussehen, Appetitlosigkeit), kamen zu obigen Partialanwendungen +täglich eine Waschung des Oberkörpers+ und +ein Unterwickel+ von eineinhalb Stunden. In wenigen Tagen war der Herr außer Gefahr, in 10 Tagen gesund. Er trank +täglich zwei Tassen Wermut-+ und +Salbeitee+ (beide Kräuter gemischt).

Auch derlei +kleine Fußgebrechen+ erheischen große Vorsicht. Als +Vorbeugemittel+ kenne ich keine besseren als +öfteres Barfußgehen+ (wenn es im äußersten Falle auch nur im Zimmer geschähe, z. B. 15-30 Minuten vor Schlafengehen) und häufigere +kalte+, für schwächere Leute +lauwarme Fußbäder+. Die +Reinlichkeitspflege der Füße+ ist ein wichtiges Kapitel in der Gesamt-Gesundheitspflege des Körpers.

Ein korpulenter +Pfarrer+ wollte seinen dicken Hals durch Jodsalbe, die ihm der Arzt verordnet hatte, wieder in die normale Verfassung bringen. Um schneller zum Ziele zu kommen und dem Kropfe sobald als möglich zu entrinnen, griff er viel zu tief in den Jodsalbentopf. In kurzer Zeit magerte der kräftige Herr so ab, daß er kaum mehr die Hälfte Körpergewicht hatte. Der Arzt erklärte ihn für aufgegeben, weil das Jod das Blut vergiftet habe.

In solchen Fällen war der „Wasserpfarrer“ dann immer gut genug; ich sage dieses ohne alle und jede Anzüglichkeit und ohne jede Bitterkeit. Es soll ein Scherz sein! Der Kranke bekam +warme Bäder mit Absud von Fichtenreisern+ von 28-30° ~R.~ mit folgender kalter, aber rascher Abwaschung, +Ober-+ und +Unteraufschläger+, den +Ober-+ und +Unterguß+, den +Unterwickel+ in Absud von Fichtenreisern getaucht, jeden Tag zwei Anwendungen in der bezeichneten Reihenfolge. Daneben mußte er +barfuß+ gehen im betauten Grase. +Nach innen+ wirkte gut +täglich eine Messerspitze Kreidemehl+ oder +gelöschten Kalkes+, in einem Schoppen Wasser gut ausgelöst, auf zwei bis viermal zu trinken; gleichfalls täglich +ein bis zwei Löffel Provencer-Öl+, daneben einfache, +kräftige Hausmannskost+. -- Das Wasser hat auch in diesem Falle seine Dienste gut getan.

Verstopfung.

Gibt es viele Leute, die häufig an Diarrhöeen leiden, so gibt es noch eine weit größere Anzahl von solchen, die mit +hartem+ Stuhlgang geplagt sind, daher zu Mitteln ihre Zuflucht nehmen müssen, welche freilich auf den Stuhlgang wirken, deren Ende aber meist Verderben ist. Kühn kann man sagen: Je länger jemand solche Mittel gebraucht, umsomehr leidet die ganze Natur. +Wer möchte die Unzahl von Mitteln nennen, die zum Laxieren+ und +zur Beförderung des Stuhlganges verwendet werden+? Ich kannte einen Bader, der weit und breit den Ruf hatte, die Leute gut auszureinigen. Was tat er? Er nahm sehr häufig Gansdr..., sott ihn ab, und mit diesem Absud bediente er die geehrten Kunden. Noch anderes könnte ich auf Verlangen berichten. ~Mundus vult decipi!~ Die Welt will einmal betrogen werden! Doch das galt hauptsächlich den „dummen Bauern“. Die vornehme Welt wird schon anders behandelt. Unzählige Fläschchen mit verschiedenem Mineralwasser werden da täglich durch den Körper gejagt, und in der Tat, sie bewirken die reichlichsten Stuhlgänge. Mir brachte einst ein Kranker ein gewaltiges Quantum Quecksilber, das er eben aus dem Leibstuhle genommen. Es wurde ihm eingegeben, um Stuhlgang zu bewirken. Wie viele Morrisonspillen wurden seinerzeit verschluckt, und wie viele Menschen haben viel zu früh ihr Grab gefunden! Kaum wird an irgend einer Krankheit so mannigfaltig und so unglücklich operiert und probiert, als wenn es sich um harten Stuhlgang handelt. Und meistens ist die Folge, daß, je mehr und je länger man anwendet (und zuletzt erfolgt kein Stuhlgang mehr ohne Abführmittel), die Not stets um so größer wird. So klagte mir auch einmal ein von der Medizin gänzlich verlassener Mann, daß nicht ein Tag vorübergehen dürfe, wo er nicht ein Klistier oder sonst drastische Mittel nehmen müsse, um den notdürftigsten Stuhlgang zu haben. So weit haben ihn diese leidigen Hilfsmittel (?) gebracht, und der Mann zählte noch lange nicht 40 Jahre.

Es ist ein großer Fortschritt der Medizin unserer Zeit, daß sie all die gewaltsamen Mittel verpöne, und viele Ärzte -- man muß es zu ihrem Ruhme sagen -- haben Hunderte von sogenannten Geheimmitteln chemisch zerlegt und allen Vernünftigen den Betrug aufgedeckt. Dennoch schleicht das Gespenst der Geheimmittelei noch in tausend Familien ein und richtet Schaden an.[47]

Wem es an Stuhlgang fehlt, +dem fehlt es meistens im ganzen Organismus+, nicht bloß im Magen oder in einem anderen besonderen Körperteil, und ich lebe der festen Überzeugung, die eine große +Anzahl von Fällen+ mir stets bestätigte, daß wieder das Wasser das allersicherste und das unschädlichste Heilmittel ist, das auf Gottes Erde gefunden werden kann. Es hilft, indem man es nach innen anwendet und von außen wirken läßt.

Eine der ersten Fragen, die der Arzt an den Kranken stellt, lautet: Wie ist’s mit dem Stuhlgang bestellt? +Ist der Stuhlgang geregelt+, so hat man das erste Zeichen der Gesundheit; +ist der Stuhlgang ungeregelt+, so ist’s ein Zeichen einer beginnenden Krankheit, und wird einem +ungeregelten Stuhlgang nicht abgeholfen+, so geht man früher oder später einer schweren Krankheit entgegen, vielleicht dem frühen Tode.

Wenn es im Sommer lange nicht mehr regnet, wird die Erde trocken und spröde. Wenn im Körper die notwendige Feuchtigkeit, Flüssigkeit nicht ordnungsgemäß verarbeitet ist und sich irgendwo Hitzen bilden, so tritt auch im Körper gleichsam Trockenheit ein und deren unausbleibliche Folgen.

+Vor vielen Jahren+ schon nahm man zur Heilung dieses Übels seine +Zuflucht zur Wasserkur+, zum Wassertrinken. Ich selbst habe Leute gekannt, die täglich 3, ja 4-6 Maß Wasser tranken. War das gut? Es war des Guten zu viel, und der größere Teil der sich brüstenden „Wasserhelden“ hat sich mehr geschadet als genützt. Der Körper hielt diese unvernünftige Wasserkur nicht lange aus. +Mein Grundsatz+ ist: Wer am gelindesten mit Wasser einwirkt, kuriert am sichersten und besten.

Wer an hartem Stuhlgang leidet, +nehme morgens+ vom Frühstück an bis Mittag jede halbe Stunde einen Löffel Wasser. Er wird bessere Wirkungen erzielen mit diesem kleinen Quantum, als wenn er einen halben Schoppen oder noch mehr auf einmal trinkt. Am Nachmittag kann der Patient ebenfalls jede halbe Stunde oder jede Stunde einen Löffel voll Wasser nehmen. Das stetige, wenn auch sparsame Aufgießen wirkt kühlend und mehrt die Säfte. Nebenher kann der Leidende Wasser trinken, wenn’s ihn dürstet.

+Statt des Wassers+ dienen auch eine +größere Anzahl von Teen+, die aus leicht zu findenden Pflanzen gewonnen werden. Wer kennt nicht die +Dornschlehblüte+? Ihr Tee wirkt trefflich. Tee von +Hollunderblüten+ wirkt kühlend, lösend und benimmt die innere Hitze; wenn 3-4 Körnchen Aloë daran gemischt, ist er ein reinigendes, kühlendes, auflösendes und ableitendes Arzneimittel; 6-8 +Hollunderblätter+, grün zur Frühlings- und Sommerszeit gepflückt und als Tee gesotten, sind ebenfalls kühlend. Man trinke morgens eine halbe Tasse und abends eine Tasse. Keine Hausapotheke sollte diese schuldlosen Arzneipflänzchen verwerfen, zumal sie der liebe Herrgott, der oberste Doktor und Apotheker, uns allen umsonst wachsen läßt.

Zur Anwendung des Wassers nach innen kommen nun die +äußeren Anwendungen+. Der Patient +wasche+ beim Aufstehen oder Schlafengehen +kräftig den Unterleib+ mit einer Hand voll Wasser. Das Mittel ist höchst einfach und wirkt doch recht gut, bei manchen (schwächeren Naturen) genügend.

Wenn diese Anwendung zu leicht ist, dem gieße man von Zeit zu Zeit +frisches, kaltes Wasser auf die Kniee+, ein bis drei Minuten lang (Knieguß), eine vorzügliche Anwendung, um Stuhlgang zu erzeugen.

Ist dieses nicht ausreichend und große Hitze im Innern vorhanden, so lege sich der Patient +in der Woche ein paarmal+ auf einen +Unteraufschläger+, auch der +Oberaufschläger+ tut gute Wirkung. Desgleichen wirkt kräftig ein +kaltes Sitzbad+, in der Woche zwei- bis dreimal zu nehmen. +Ein kaltes Vollbad+, wenn es ganz kurz genommen wird, ist auch nicht zu verschmähen.

All die genannten Anwendungen werden den trägen, schlaffen Organismus wecken, beleben, in neue Tätigkeit bringen, stärken. Die Rädchen sind neu geölt, die ganze Maschine läuft wieder gut, und der ergiebige Stuhlgang wird sicherlich nicht ausbleiben.

+Nichts geht über die+ unschädlichen und sicheren +Wassermittel+, und was ist leichter, als Wasser zu trinken, sich mit Wasser zu waschen?

An dieser Stelle sei noch ein Wort über die+ Brechmittel+ gesagt. Widernatürlich schon kommt mir das drastische Abführen mit Mineralien und Giften vor, seien es nun Pulver oder Pillen oder anderes. Noch weit widernatürlicher aber ist alles, was zum Erbrechen reizen soll, oftmals leider wiederum Gifte. Erbärmlich ist’s, einen so mißhandelten und gemarterten Menschen leiden zu sehen. Mir will dabei jedesmal das Blut, vielmehr die Galle in den Kopf schießen. Man wird bemerkt haben, daß ich die so bekannten und allgemein benutzten Abführmittel, wie Rhabarber, Sennesblätter, Bittersalz, Glaubersalz usw., oben nicht aufgeführt habe. Und der Grund? Diese an sich unschädlichen Mittel sind mir dennoch viel zu stark; es kann ja noch auf gelindere Art geholfen werden.

Auf eine Mücke oder einen Floh macht niemand Jagd mit der Flinte. Um so mehr +verwerfe+ ich ganz entschieden die +unausstehlichen Brechmittel+, heißen sie nun Brechwasser oder Brechweinstein, führen sie was immer für Titel. Will einmal alles oben hinaus -- es gibt ja solche Fälle -- so mache es am Ende wie jener Bauer, der, als er großen Brechreiz spürte, in kurzem Verfahren den Finger in den Hals steckte und so dem Reize gründlich abhalf. +Stets wirke man auch beim heftigsten Brechreiz nur auf geregelten Stuhlgang.+ Mein stärkstes Mittel zu diesem Zwecke ist der +Wühlhuber+. Dieser Tee hat das Merkwürdige, daß er, wie er einerseits reichlichen Stuhlgang bewirkt, andererseits selbst Diarrhöen stillt (man probiere es mit einer halben Tasse). Er sucht die kranken, verlegenen Stoffe im Körper auf und leitet sie aus. Sind keine mehr vorhanden, sind alle ausgeschieden, so hört seine Wirksamkeit von selber auf. Daher die Doppelwirkung. Charlatanerie -- mag mancher naserümpfend sagen! Ob er’s sage oder nicht, das ist mir einerlei. Die Tatsache bleibt fest bestehen. Gerade deshalb sind alle scharfen Laxiermittel so schwächend, so arg und so schädlich in ihren Folgen, weil nicht kranke Stoffe allein hinausgejagt werden, sondern alles ohne Unterschied. Die Treibjagd beginnt und endet mit der Niederlage auch der edelsten, zur Fortpflanzung der Kräfte notwendigen Säfte. Wer hat dieses nicht selbst schon empfunden? Daher die große Schwäche, die schnelle und riesige Abnahme der Kräfte nach solchen Kuren. Wie töricht, wie folgenschwer! ~Sapienti sat!~ Schaden macht klug oder sollte wenigstens klug machen.

Wassersucht.

Wenn der Regen längere Zeit anhält und die Sonne wenig scheint, wird auf manchem Grunde das Wasser nicht in die Tiefe sickern, auch von der Sonne nicht aufgesogen werden. Es entstehen so kleine Pfützen von stehendem Wasser, das später absteht, sauer und faul wird und nicht am besten einwirkt auf die Pflanzen, die in seiner Umgebung gedeihen sollen.

So ungefähr geht es in einem menschlichen Körper zu zur Zeit, da sich die Wassersucht ansetzt, die hauptsächlich in solchen Organismen sich entwickeln kann, in denen Blut und Säfte zu wässerig sind, die kein normales, lebenskräftiges Blut mehr besitzen. Vom Blute zehren alle Organe und Bestandteile des Körpers; es ist der Kraft- und Lebensquell, aus dem jedes das für seinen Zweck Brauchbare schöpft. Aus dem Moraste, aus ungesunden Pfützen, aus krankem Blute aber kann nichts Kraft und Leben Gebendes geholt werden; daher das schlaffe Fleisch, die welken Gefäße, daher die Anstauungen -- lauter Vorboten der Wassersucht!

Schon im Äußern sieht man es solchen Menschen an: junge Leute erscheinen plötzlich alt (der oder die, hört man sagen, hat rasch gealtert), die Gesichtsfarbe steht ab, die Muskeln und Nerven hängen wie gesprungene Saiten welk an den Knochen, verschiedenerorts, besonders um die Augen, bilden sich bereits Wassersäcke. Man braucht sie nur anzutasten, und die Wasserkügelchen springen einem unter den Fingern weg. Der ganze Körper trägt bald eine Menge solcher Zwerchsäcke, als ob er gleichsam um gutes Blut bettelte; er bekommt aber nur Wasser.

Die Wassersucht zählt +verschiedene Arten+. Entstehen die Anstauungen zwischen Haut und Fleisch, so haben wir die +Hautwassersucht+. Wird der Unterleib an einem oder mehreren Orten gleichsam ein See, so nennt man es +Bauchwassersucht+. Wird die Körper-Blutpumpe, das Herz, bezw. der Herzbeutel wassersüchtig, so heißt es die +Herzwassersucht+ usw. Auch +nach vielen Krankheiten+ entsteht gerne die Wassersucht, und es geht dann in der Regel nicht mehr lange. Gar vielen ist sie die Bötin zu Tod und Grab geworden, oder sie war gleichsam die letzte Sturzwelle, die das Lebensschifflein, nur mehr ein Wrack, in den Grund bohrte. +Nach+ Scharlach erscheint sie besonders häufig, wenn er nicht gut ausgeheilt wird, wenn noch Giftstoff drinnen bleibt und der geschwächte Körper nicht die Kraft hat, ihn hinauszuwerfen. Der ganze Körper fängt dann an zu schwellen.

+Hat die Wassersucht schon+ weit um sich gegriffen, +einen hohen Grad+ erreicht, +so ist meistens nicht mehr zu helfen wegen des Blutmangels+. Im Beginne (bei noch nicht fortgeschrittener Zersetzung) kann oft recht schnell geholfen werden, wenn man von innen und von außen zugleich das faule Wasser auszupumpen sucht. Beispiele sollen dies klar machen.

Einer +Bäuerin+, ca. 48 Jahre alt, beginnt der ganze Körper anzuschwellen, sie kann kaum mehr gehen. Die Entkräftung ist schon groß, das Atmen eine große Last. Ich riet ihr, sie solle sogleich +Rosmarin in Wein+ ansetzen und täglich zwei Weingläser Rosmarinwein trinken, im ganzen ungefähr ein Viertelliter. Der Wein stärkte die Kranke ungemein, wie sie sagte, und trieb sehr viel Wasser ab. +Äußerlich+ gebrauchte sie +täglich+ während mehrerer Tage den +kurzen Wickel+, je eineinhalb Stunden, längere Zeit hindurch (ungefähr 4 Wochen) täglich +zwei Halbbäder+ von je einer Minute Dauer mit Waschung des Oberkörpers. Die Bäuerin gesundete und konnte ihrem Berufe wieder ganz und ungehindert vorstehen.

+Ein Knabe+ von 12 Jahren hatte Scharlach und wurde nach aller Meinung gesund. Nach 6 Wochen bekam er die Wassersucht. Der ganze Körper schwoll an. +Ein Hemd, in Salzwasser+ getaucht, drei Tage nacheinander je eineinhalb Stunden vorschriftsmäßig getragen, hat den Knaben vollständig geheilt.

Bei einem +Weibe+ von 54 Jahren setzte sich die +Bauchwassersucht+ an. Die Füße und der Leib seien, wie mir berichtet wurde, entsetzlich geschwollen. Die Kranke soll durch ihre Tochter +täglich zwei Messerspitzen Attichwurzelpulver+ in einem Schoppen Wasser drei Minuten lang sieden lassen und den Tee in zwei bis drei Intervallen (Zwischenräumen) trinken. Dazu bekomme sie +acht Tage lang täglich einen Unterwickel+ von je einer Stunde. Die folgenden 10 Tage werde der Wickel jeden zweiten, die weiteren 14 Tage jeden dritten Tag gegeben. -- Die Kranke genas vollkommen, und zwar schon nach drei Wochen. Das Wasser sei, erfuhr ich später, in großen Quantitäten als Urin abgegangen.

+Attichwurzel+ hat sich mir bei der +Bauchwassersucht+[48] wie +Rosmarin+ bei der +Herz-+ und +Brustwassersucht+ als das beste innere Mittel erwiesen.

Bei der +Herzwassersucht+ kann als vortreffliche äußere Anwendung täglich ein +Ober-+ und +Unteraufschläger+ angewendet werden. Nach innen gebe man täglich zwei Gläser Rosmarinwein zu trinken.

+Georg+, ein junger Mann von 36 Jahren, ist innerhalb acht Tagen am ganzen Körper in auffallender Weise angeschwollen, Kopf, Hals, Hände, Füße zeigen Geschwülste und unter der Haut eine Menge Wasser. +Acht Tage lang+ zog er +zweimal im Tage den spanischen Mantel+ an, weitere 9 Tage einmal, die letzten 10 Tage nach je drei Tagen. „Ich bin ein ganzer Spanier geworden,“ scherzte der Mann. „Das Klima, wenn auch nicht gar besonders spanisch, hat mir gut getan. Ich bin wieder ganz hergestellt.“

+Eine Notiz+ darf ich hier nicht vergessen, da gerade bei dieser Krankheit jeder Anfänger mit Wasser leicht sich und andere täuschen könnte. +Bei der Wassersucht darf das Wasser nie warm+ angewendet werden, +weder in Form von Dämpfen, noch in Form von warmen Bädern+. Das Übel gewänne dadurch außerordentlichen Vorsprung, da das warme Wasser schlaff und welk macht und die Schlaffheit der Organe, die Untätigkeit derselben bei dieser Krankheit nachgerade das Hauptübel ist. Die +kältesten Anwendungen sind hier die besten+; nur sollen sie nie zu lange und nicht anders als vorgeschrieben gebraucht werden; bei schwachem Blute ist auch die Naturwärme eine schwache.

Ein Gastwirt, 50 Jahre alt, erzählt: „Mein ganzer Leib ist schon ziemlich stark geschwollen. Der Arzt behauptet, ich bekomme die Wassersucht. Ich habe schon viel eingenommen, es wird aber von Tag zu Tag schlimmer. Mein linker Fuß, besonders der Oberschenkel, ist sehr stark angeschwollen. Der rechte Fuß fängt auch schon an, dicker zu werden. Durst habe ich viel; beim Bier wird der Durst noch ärger; auch das Wasser hilft nichts. Muß ich sterben, oder gibt’s für mich noch eine Hilfe?“

Ich erwiderte: „Gebrauchen Sie folgendes: 1) Jeden Tag einen Oberguß und Knieguß; 2) in der Woche dreimal einen kurzen Wickel, das Tuch vier- bis sechsfach, eineinhalb Stunden lang; 3) in jeder Nacht einmal ganz waschen vom Bett, nicht abtrocknen, gleich wieder ins Bett; so drei Wochen lang, dann Bericht.“

Dieser lautete sehr günstig. Darauf verordnete ich folgende Anwendungen: 1) In jeder Woche drei Halbbäder, eine Minute lang; 2) in der Woche drei Rückengüsse; 3) zweimal den spanischen Mantel, eineinhalb Stunden lang; 4) täglich eine Tasse Tee trinken in drei Portionen von zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, 10 Minuten lang gesotten, während des Tages zu trinken.

Nach sechs Wochen war der Kranke vollständig gesund. Es stellte sich außer Schlaf der beste Appetit und die volle Kraft wieder ein. Diese Erklärung sendete mir der Geheilte drei Monate nach der Kur.

Wirbelleiden.

Ein 16jähriger Knabe war mit Verkrümmung der Wirbelsäule behaftet. Er wurde von mehreren berühmten Ärzten als Rückenmarkleidender ohne Erfolg behandelt. Sie schickten den Kranken in eine Heilanstalt, wo ihm verschiedene Streckverbände angelegt wurden. Der Erfolg war, daß er, während er noch mit großer Mühe eine kurze Strecke in die Anstalt gehen konnte, dieselbe nach 17 Wochen mit zwei Krücken verlassen mußte mit dem Urteil der Ärzte, es lasse sich nichts Weiteres mehr machen. Ein edler Menschenfreund gab dem Vater des kranken Sohnes „Meine Wasserkur“, und aus dieser nahmen sie die Waschungen mit Wasser und Essig vor und brachten den Kranken so weit, daß derselbe mit Hilfe eines Stockes ziemlich gut gehen konnte. Hierauf brachte man ihn zu mir in der Erwartung, daß er hier vollends geheilt werde. In 17 Tagen war die Hauptkur vorüber. Der Kranke ging wie jeder andere in diesem Alter, wenn auch nicht mit derselben Kraft, so doch mit großer Sicherheit ohne Stock und ohne allen Schmerz. Die Behandlung bestand in folgendem: Aus recht grobem leinenen Stoff wurde ein Leibchen (Weste) gemacht, dieses, in Wasser getaucht, in welchem Haberstroh gesotten wurde, angezogen; über das nasse Leibchen kam ein trockenes und endlich darüber eine wollene Decke. Über Nacht wurde es liegen gelassen. So jeden zweiten, später jeden dritten Abend. Jeden Tag bekam der Kranke zwei Obergüsse und einen Knieguß oder Wassergehen und ein Halbbad. Die weiteren Anwendungen (nach den 17 Tagen) waren: In der Woche zwei Halbbäder, zwei Obergüsse und einmal das Leibchen noch anziehen.

Würmer.