Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 34

Chapter 343,639 wordsPublic domain

Daß dieses arme Kind das kalte Wasser scheute, läßt sich denken. Auch die Eltern mochten nicht für das Wasser eintreten, wohl um das frostige Kind nicht auch noch damit zu quälen. Nur +eine+ Seele nahm sich des bemitleidenswerten Geschöpfes an, und sie suchte Hilfe beim Wasser. Ich konnte ihr solche in Aussicht stellen -- wenn auch nicht in nächster Zeit, bei maßvollem Gebrauche und pünktlicher Anwendung, und zugleich mit Sicherheit erklären, daß den Sprachorganen nicht das Mindeste fehle. Hier gelte es vor allem, den übermäßig geschwächten Körper, der nur mehr eine Ruine sei, neu zu beleben und zu kräftigen. Sobald die Normalkraft zurückkehrt, werde die Sprache nicht lange mehr auf sich warten lassen.

Das Mädchen ist im höchsten Grade blutarm; dieses beweist die Kälte am ganzen Körper; nur auf der Brust allein fühlte es noch eine gewisse Wärme. +Es muß eingewickelt werden, daß Blutbildung+ und richtige +Zirkulation eintritt+. Die Kranke soll bei einfacher Kost +täglich zwei- bis dreimal die Hände bis an die Ellenbogen, die Füße bis über die Knöchel ins Wasser+ halten oder, noch besser, +im nassen Grase+ oder +auf nassen Steinen+ barfuß gehen. So widersinnig es manchem scheinen mag, es sind dieses vortreffliche Mittel, wieder Wärme in die kalte, halbabgestorbene Natur, besonders in die blutarmen Extremitäten, die Hände und die Füße zu bringen. +Geradeso+ muß +am Körper Wärme+ erzeugt und neue Tätigkeit angebahnt werden. Es soll deshalb die Kranke +täglich ein- bis zweimal Rücken+, +Brust+ und +Unterleib+ kräftig mit kaltem Wasser waschen. Die ersten Versuche kosteten Überwindung; mit dem Erwachen der Wärme kam neuer Mut; es war gleichsam ein Frühlingswehen, das dem armseligen Körper nochmals ein Wiedererstehen ankündigte. Die Kranke tat einen Schritt weiter, sie rückte mit den Füßen tiefer ins Wasser und hielt die Arme längere Zeit in das nasse Element. Aus einer halben Minute wurde eine ganze. Diese Übungen währten zirka 9-10 Tage. Ihnen folgten +gelinde Knie-+ und +Obergüsse+, +je einer+ jeden zweiten oder vierten Tag, der eine vormittags, der andere nachmittags. Mit diesen Anwendungen wurde zirka 14 Tage fortgefahren. Dann kamen +täglich ein Halbbad+ (bis an die Magengegend) eine Minute lang und +ein Oberguß+. Die Verteilung, welche Anwendung vormittags, welche nachmittags genommen wurde, blieb sich gleich. Bezüglich der Kost mußten leichtverdauliche, für Blut- und Säftebildung günstige Nährstoffe gewählt werden: +einfache, unverfälschte+, durch scharfe Gewürze usf. nicht verdorbene +Hausmannskost+. +Das beste Getränk+ bildet +Milch+, wenig Bier; Hitziges sollte gar nicht genommen werden. +Kraft+ und +Stimme kamen+ bei unserer Patientin +wieder+. Um die Gesundheit und die Kräfte zu befestigen, sollen obige Übungen noch längere Zeit fortgesetzt werden. Sie können indessen nach und nach wegfallen, je nachdem die Kräfte langsamer oder schneller wiederkehren.

Ein +Mädchen+ von 16 Jahren verlor ohne jede Veranlassung seine Stimme und konnte bei seiner Heiserkeit nur mit der größten Anstrengung sich verständlich machen. Es befragte Ärzte; diese verordneten Mittel, aber selbe wirkten nicht. Das Mädchen sah bei gutem Appetite blühend aus, der Kopf war voll und rund, der ganze kurze Hals ziemlich, fast zu stark gefüllt. Man merkte, daß das Atmen etwas schwer ging. Die Füße waren immer kalt. In sechs Wochen war das Mädchen vollständig geheilt. +Durch welche Anwendungen?+ Die blühende Farbe, der volle und heiße Kopf, sowie die kalten Füße zeigten klar an, daß der Blutandrang allzu stark nach oben zielte. Daher die stärkere Ausbildung der oberen Körperteile, vielleicht auch Anstauungen von Blut. Bei der Heilung mußte allererst gesorgt werden, daß eine +gleichmäßige Naturwärme+ im ganzen Körper eintrete, nicht am Kopfe Hitze herrsche und an den Füßen Kälte. Das Mädchen nahm +täglich zwei- bis dreimal ein kaltes Fußbad+, höchstens eine Minute lang, mit darauffolgender Bewegung im Freien. Dazu ging es recht fleißig +barfuß+ in dem durch Tau oder Regen +genäßten Grase+ oder +auf nassen Steinen+. Leiteten diese Anwendungen das Blut und damit die Wärme nach den unteren Extremitäten, so mußte durch neue Wassermittel alles Angestaute und Aufgedunsene am Kopf, Hals und Oberkörper aufgelöst und abgeleitet werden. Dazu taugt am besten und während der ersten Woche +täglich ein spanischer Mantel+, der in der zweiten und dritten Woche nur jeden zweiten oder dritten Tag, noch später jede Woche nur einmal appliziert wurde. Nach ca. vierzehn Tagen wurde zur Stärkung und Kräftigung +wöchentlich ein Halbbad+ genommen, höchstens eine Minute lang dauernd, mit Waschung des Oberkörpers. Statt des Halbbades und der Waschung ließe sich mit gleichem Erfolge ein +Ober-+ und +Unterguß+ anwenden. Bildung der Wärme war somit der erste, Auflösung und Ausleitung aller überflüssigen Stoffe der zweite, Kräftigung der Natur der dritte Teil des Heilverfahrens. Der Körper nahm zu an Kraft, die Stimme wurde reiner und klangvoller, als sie früher gewesen, für den Gesang, worin das Mädchen sich in besonderer Weise übte, geradezu ausgezeichnet.

Typhus und seine Folgen.

Wie bei der Blatternkrankheit die Blattern, die Geschwüre nach außen dringen, +so bilden sich beim Typhus Geschwüre+ nach innen. Je nach dem Sitze dieser Krankheit spricht man von +Kopftyphus+ und von +Unterleibstyphus+. In manchen Erkrankungsfällen setzen sich zwar Geschwüre an; sie kommen aber nicht zur Entwicklung, wie es ja auch z. B. Blutgeschwüre gibt, welche eine zeitweilige Entzündung zeigen, dann aber wieder gänzlich verschwinden. Diese Art Typhus hat einen eigenen Namen, auf den bei Landleuten aber nicht viel ankommt. Ich lasse ihn deshalb weg.

Was die +Heilung+ betrifft, so hat man vor allem ein +Dreifaches+ zu merken:

+fürs erste, daß man die Fieberhitze nicht zu weit kommen lasse+, es könnte sonst alle Kraft und aller Saft des Körpers elendiglich verbrannt werden;

+fürs zweite+, daß die +Geschwüre+, wenn schon solche vorhanden sind, ich sage am besten aufgelöst werden, oder daß, +wenn sich noch keine Geschwüre+ gebildet haben, +der Bildung derselben vorgebeugt+ werde, mit anderen Worten, daß der die Geschwüre füllende Giftstoff ausgeleitet werde;

+fürs dritte, daß dieser Giftstoff möglichst schnell+ seinen Abschied aus dem Körper erhalte.

+Kein Mittel+ wird sich zu dem dreifachen Zwecke +tauglicher+ erweisen und sicherer +als das Wasser+: es kühlt, es löst auf, es wäscht aus.

Johann ging zur Beerdigung seines Bruders, der am Typhus gestorben war. Unvorsichtigerweise zog er ein Kleidungsstück des Verstorbenen an, und nach wenigen Tagen erfaßte auch ihn der Typhus im höchsten Grade. Groß war die Hitze, noch größer die Bangigkeit. Neben die Bettlade hatte sich Johann rasch eine +Wasserkufe+ stellen lassen. Sobald die Hitze und die Bangigkeit recht fühlbar wurden, ging der Kranke ins Wasser auf höchstens eine Minute. +Er setzte sich in die Kufe+, so daß das Wasser bis in die Magengegend reichte, wusch schnell mit einem groben Handtuche den Oberkörper, zog rasch, ohne abzutrocknen, ein frisches Hemd an und legte sich wieder ins warme Bett. Drei Tage tat er also, jeden Tag drei- bis fünf- oder sechsmal. Eine Uhr hatte er zu diesem Zwecke nicht nötig. Die Fieberhitze war ihm die Badeuhr: den ersten Tag zeigte sie auf sechs, den zweiten auf drei, zuletzt auf ein einmaliges Eintauchen. In fünf Tagen war alle Gefahr vorüber. Doch jetzt ergriff der Typhus die Frau des Genesenden. Sie wandte dieselbe Kufe, welche der Mann gebraucht hatte, als Badewanne an. In wenigen Tagen war auch bei ihr das Übel geheilt.

+Das Getränk+ beider Kranken bildete das Wasser, auch gestandene (geronnene Milch). +Gegessen wurde gar nichts+, bis geweckter Appetit eintrat. Dann spazierte bei den armen Leutchen auf: +Brotsuppe+, +Milchsuppe+, +Brennsuppe+, auch ein Kartöffelchen, selbst zwei schadeten nicht im geringsten. Nach wenigen Tagen erfolgte die Rückkehr zur gewöhnlichen Kost.

+Max+, ein halber Riese, besuchte den am Typhus erkrankten Schwager Johann; er glaubte, so eine Krankheit könne ihm nichts anhaben. Nach acht Tagen indessen bricht die Riesenkraft, und der Heldenmut macht sich Luft in Jammertönen. „Ich kann nicht mehr gehen, nicht mehr stehen; mich drückt’s, und nach allen Seiten tut’s mir weh.“ Er hat den Typhus gefangen.

Eine Badewanne besaß Max nicht, wohl aber ein größeres Holzgefäß. Da kniete er hinein und wusch sich mit einem rauhen Handtuche und dem kältesten Wasser (in zirka einer Minute) den ganzen Körper, +so oft die Hitze einen hohen Grad erreichte+.

+Acht Tage+ setzte er diese Kur fort. Nach sechs Tagen verlangte er schon nach der Suppe; nach zehn Tagen stand er auf und hatte in kurzer Zeit die verlorenen Kräfte wieder erlangt. Der Genesene ward später andern gleichfalls an Typhus Erkrankten ein kundiger Lehrmeister.

Zu einer Zeit, in welcher innerhalb fünf Wochen ungefähr 20 Personen durch die oben beschriebenen Anwendungen geheilt und gerettet wurden, erbte auch ein +zweijähriges Kind+ den Typhus. Niemand hatte geglaubt, daß das zarte Geschöpflein dem Tode entrinnen würde. So oft es recht jammerte und weinte, tauchte es +die Mutter bald in etwas (durch warmes Wasser) gemildertes Wasser+ mit folgender Abwaschung, oder sie wickelte das Kleine in Linnen ein, welches in lauwarmes Wasser getaucht war. Nach zwölf Tagen war das kleine Wesen wieder frisch.

Solchen Kranken, die leicht ein erstes Erschrecken ganz von dem kalten Wasser abwendig machen könnte, +gestatte ich sehr gerne gemildertes, etwas gewärmtes Wasser+ zu den Anwendungen, lediglich aus dem soeben angegebenen Grunde. Immer bleibt im +allgemeinen das frischeste Wasser das zur Anwendung beste+, sei es Brunnen-, Bach- oder Quellwasser.

+Ein Mädchen+ wird aus dem Institute heimgeschickt. Es klagt über heftiges Kopfweh, raschen Wechsel von Hitze und Kälte und ziemlich starkes Abweichen. Zum Arbeiten, Gehen ist das Kind unfähig.

Am ersten Tage wusch man der Kranken +dreimal Rücken+, +Brust+ und +Unterleib+ und band einmal zwei Stunden lang ein +nasses Handtuch auf den Unterleib+. Den zweiten Tag nahm sie +Halbbäder+ mit Waschung des Oberkörpers, so oft die Hitze dieses verlangte. Am dritten Tage genügten bereits zwei, am vierten ein solches Halbbad. Das Kind war außer Gefahr und schnell wieder frisch.

+Mehr denn ein Dutzend Fälle+ könnte ich aufführen, in denen Kranke, die nach allopathischen und anderen Methoden behandelt wurden, +schließlich so armselig+, +so blut-+ und +säftearm+, +so ausgezehrt+ wurden, daß sie sich gar nicht mehr recht erholten. Die fatalen Betäubungsmittel, das teure Chinin usw. hatten den Magen insbesondere in den miserabelsten Zustand gebracht.

Solchen +überaus geschwächten Typhus-Rekonvaleszenten+ rate ich gewöhnlich, sie sollen +drei- bis viermal+ im +Tage eine kleine Tasse Wermuttee+ trinken, bald werden sich reichliche und gute Magensäfte bilden; dann mögen sie sich +täglich drei- bis viermal Rücken+, +Brust+ und +Unterleib+ kräftig mit +Wasser+ und +Essig+ waschen lassen.

Freilich gehört eine große Entschlossenheit dazu, besonders wenn der Herr Patient den sogenannten gebildeten Kreisen angehört, das allgemein gefürchtete Wasser anzuwenden. Zarten Seelen, welchen diese mit gewisser Vorliebe sogenannte „Roßkur“ leise Ohnmachtsanfälle bereiten könnte, gebe ich den Rat, sie mögen +einen Schwamm+ nehmen, ihn in kaltes Wasser eintauchen und sich damit +Brust+ und +Unterleib+ waschen, wie sie jeden Morgen sich Gesicht und Hände waschen. Tun sie dieses nur einen Tag lang, sie werden recht bald die wohltuenden Wirkungen verspüren und mit Mut und Vertrauen auch ihren Rücken und die anderen Körperteile dem Wasser anbieten.

Wem auch solches zu hart, zu arg und zu mühsam ist, der tue, wie er wolle. Die Folgen hat der Patient selbst allein zu tragen.

Große Angst befällt die +Vorsteher einer Anstalt+, wenn in einem Hause oder gar in einem Institute so eine ansteckende Krankheit aufkommt. Ohne Übertreibung behaupte ich: Wenn in einem Schlafsaale 10 Kinder liegen, und es bekommt eines den Typhus, sicher wird bei dieser Behandlungsweise mit Wasser kein zweites Kind angesteckt werden. Die Ansteckung geschieht ja meistens durch die ungesunde Ausdünstung des Körpers. Nach unserer Methode aber saugen die nassen Tücher diese ein und ersticken so die Ansteckungsstoffe im Keime. Bei stets erneuter reiner Luft ist der Atem nicht besonders zu fürchten. Daß die +Exkremente+ solcher Kranken stets so schnell als möglich entfernt und, wenn immer tunlich, an separaten Orten ausgeschüttet werden müssen, versteht sich von selbst.

* * * * *

Ein +Franzose von Stand+ schreibt wörtlich: „Während mehrerer Jahre litt ich an Rheumatismus und hatte einen sehr starken Nasen- und Rachenkatarrh, der mir die eustachische Röhre angriff und dadurch das Gehör beschädigte.

In den Jahren 1877 und 1878 nahm ich während zweier Monate Douchen von Schwefelwasser in ~Aix-les-Bains~ in Frankreich, aber ohne den geringsten Erfolg.

Im Jahre 1879 riet man mir, den Lebenswecker von Baunscheidt zu probieren; ich folgte diesem Rat und unterzog mich 5-6 Wochen lang einem wahren Martyrium; denn jede Woche setzte man mir diesen Lebenswecker auf den ganzen Rücken, ins Genick und hinter die Ohren. Dieses brachte die schöne Wirkung hervor, daß mein nervöser Zustand und mein Katarrh wenigstens um die Hälfte zunahm!!

Im Juli 1879 ging ich zum besten Ohrenarzt in Straßburg, auch dieser fand kein Mittel, meinen Nasen- und Rachenkatarrh zu beseitigen. Da mein Gehör krank war und der Katarrh sich immer mehr fühlbar machte in der eustachischen Röhre, so suchte ich überall nach einem Arzt, der mir helfen sollte. Durch eine besondere Gelegenheit kam ich nach Aachen, wo ~Dr~. Schw. (Kehlkopfarzt) mir angeraten wurde. Dieser versuchte, binnen 3-4 Wochen mich zu heilen durch Ätzen mit Höllenstein. In der dritten Woche bekam ich den +Typhus+, wie ich meine, infolge der allzu großen Nervenreizung, welche das Ätzen des Höllensteins mir verursachte. Es war der schlimme +Fleckentyphus+, der mich so heftig angriff, daß ich 41,2 Grad Fieber bekam. Als Blutungen eintraten, verzweifelte man an meiner Rettung. Von den vielen Einspritzungen verschiedener Giftmittel will ich hier gar nicht reden.

Nach sechs Wochen kam ich wieder zum Leben zurück, aber eine vollständige Genesung trat nicht ein. Seit dem Typhus (Spätjahr 1879) war ich in einem fortwährend leidenden Zustande; Magen und Unterleib waren sehr angegriffen. Die leichtesten Speisen taten mir wehe, und Stuhlgang hatte ich nie ohne Klistier. Ich war so reizbar, daß ich mir bei der geringsten Aufregung nicht zu helfen wußte. Nie konnte ich vor 12 Uhr nachts zur Ruhe kommen. Infolge des Typhus hat auch mein Katarrh und die Ohrenkrankheit sehr zugenommen. Fast war ich taub geworden.

Im Jahre 1880 ging ich nach Paris zu dem berühmten Ohrenarzt ~Dr.~ D. -- ohne Erfolg. Von Paris ging ich nach Lyon zum Ohrenarzt ~Dr.~ I., alles ohne den geringsten Erfolg.

Alles Inhalieren, alles Ätzen, das ich wieder während 5-6 Wochen anwandte, half nichts. Im Jahre 1881 brachte ich fünf Monate im Spital zu Straßburg zu. Der Arzt wollte vor allem den Magen und Unterleib heilen. Aber man wußte mir schließlich nichts weiter zu verordnen als eine Milchkur, mit der ich viele Jahre lang erbärmlich durchkommen mußte.“

Soweit der Kranke, der, als er bei mir ankam, nur noch einer wandelnden Leiche glich. +Mag wohl das Wasser in solchen verzweifelten+ und +veralteten Fällen+ noch +Hilfe+, wenigstens +Linderung bringen+?

Wir antworten mit einem kühnen „Ja“. +Die ersten Anwendungen+ müssen selbstverständlich +auflösender+ Natur sein und besonders +auf Kopf+ und +Füße+ wirken. Nebenbei muß auf Auflösung im Innern eingewirkt werden. Auch stärkende Anwendungen können dazwischen hineinfallen. Die +Anwendungen+ waren der Reihe nach ungefähr +folgende+: +Kopfdampf+, 24 Minuten lang, mit darauf folgendem Ober- und Unterguß, +Fußdampf+, +Ober- und Unterguß+, +kurzer Wickel+, +Kopfdampf+, +Ober- und Unteraufschläger+, +kurzer Wickel+, +warmes Bad+ mit einem Wechsel ins +kalte Bad+, +Kopfdampf+, +Ober- und Unteraufschläger+. +Auf jeden Tag+ fiel eine oder (je nach Befinden des Patienten) +zwei Übungen+. So wurde 3-4 Wochen lang fortgefahren. Darauf folgten einige Zeit hindurch +wöchentlich+ noch +zwei Ganzwaschungen+, am besten nachts vom Bette aus, außerdem +jede Woche ein Halbbad+, ein bis zwei Minuten lang. +Nach innen+ beschleunigten die Heilung zwei bis drei +verschiedene Tees+, die abwechselnd genommen wurden.

Die Tees bestanden aus Mischungen von Schafgarbe, Salbei, Johanniskraut, drei bis viermal in der Woche eine Tasse; von Wacholderbeeren, Spitzwegerich (ebenso genommen).

+Zwei Bemerkungen+ erachte ich an dieser Stelle noch für angebracht. Bei unserem Falle war besonders auf +reichliche Transpiration+ zu sehen, da viele der im Krankenbilde erwähnten +Störungen+, wie die verzerrten Gesichtszüge und die aufgedunsene, schwammige Masse, klar auf Anstauungen und Verhärtungen schließen ließen, die zum Teil nach außen sichtbar zu Tage traten, zum Teil versteckt im Innern lagerten.

Bei den Anwendungen findet sich der +Fußdampf nur einmal, der Kopfdampf öfters. Warum das?+ Der Kopf war aufgedunsen, die Füße der Hünengestalt spündeldürr. Auf den Kopf durfte der Dampf, ohne Schaden fürchten zu müssen, wiederholt wirken -- er fand sein Arbeitsfeld. An den Füßen war nichts zu tun, sie waren schon mager genug, und die verlorene Wärme an denselben mußte durch andere Mittel wieder hergestellt werden. In derlei Fällen läßt sich mit den Dämpfen, die stets Vorsicht erheischen, nicht spassen. Bis zur Schwindsucht haben derlei geschwächte Naturen ohnedies nur einen Schritt.

Der Herr schied mit großem Danke und in sichtlicher Besserung.

Unterleibsentzündung

siehe oben Seite 210.

Unterleibsverschleimung.

Es kommt ein Herr und erzählt: „Ich habe beständig große Schmerzen in der Nierengegend; es wird mir oft fast unerträglich. Die Ärzte, deren ich mehrere hatte, erklären es als Nierenleiden und Anschoppungen im Unterleibe; ich fühlte auch stets mehr oder weniger starken Drang nach oben, hatte viel Reiz zum Erbrechen, heftiges Kopfleiden, viel Schwindel, weiß mich oft kaum recht zu halten, viel Säure im Magen; es geht sehr wenig Urin ab; ohne Fußschmerz bin ich gar nie, und stehen kann ich nur ganz kurze Zeit. Ich habe viel Schweiß und große Müdigkeit; meine Gesichtsfarbe ist stets abgestanden. Ich bin etwa vierzig Jahre alt.“

Der gute Herr hatte wirklich allen Mut verloren, und weil alle Medikamente ihm nichts nützten, suchte er Hilfe durchs Wasser.

Die Anwendungen waren folgende: 1) Täglich zwei Obergüsse und zwei Kniegüsse; späterhin 2) täglich ein Rückenguß und zwei-, auch dreimal täglich im Wasser gehen, öfter ein bis zwei Stunden lang auch im nassen Gras. Es war warme Sommerszeit; deshalb konnten die Anwendungen verdoppelt werden. Es ging außerordentlich viel Urin ab; der Brechreiz ließ schon am zweiten Tage nach; die Farbe änderte sich, und wie neue Frische, so trat auch neuer Mut und neues Leben ein. In 14 Tagen war er vollständig hergestellt. Wäre die Sommerszeit nicht gewesen, hätte die Kur vielleicht 14 Tage länger gedauert.

Veitstanz.

Ein Vater erzählt: „Ich habe eine Tochter, die jetzt 10 Jahre alt ist, und die von klein auf nie ganz gesund war. Das Zahnen war für das Mädchen so hart, daß man glaubte, sie müsse sterben. Zudem wurde ein Fuß dünner als der andere. Jetzt hat dieses Mädchen den Veitstanz; es kann nicht essen und nicht schlafen, und es ist schauerlich anzusehen, wenn die Krämpfe kommen. Ich habe bei vielen Ärzten Hilfe gesucht, aber der Zustand wurde immer schlimmer.“

„Guter Mann, siedet Grummet eine halbe Stunde lang mit Wasser, nehmt ziemlich viel, so daß das Wasser recht dick wird, tut etwas Salz daran, taucht ein grobes Hemd in das Wasser, windet es aus und zieht es so dem Kinde an; wickelt dann das Kind in eine Wolldecke gut ein und laßt es eineinhalb Stunden darin liegen; wenn es schläft, bis es aufwacht, auch wenn die zwei Stunden vorüber sind. Macht es acht Tage hindurch täglich zweimal so, dann bringt Nachricht!“

Nach acht Tagen kam der Mann und erzählte: „Das Mädchen hat einen fürchterlichen Ausschlag am ganzen Körper, besonders auf dem Rücken und auf der Brust, aber es wird ganz heiter, es tut ihm nichts mehr weh, die Krämpfe sind beseitigt, und das Mädchen kann gut schlafen, bekommt schon Appetit. Was soll ich jetzt noch weiter tun?“

Antwort: Gebt dem Kinde alle drei Tage das Hemd nochmal an wie bisher; und noch vierzehn Tage so fortgemacht, wird das Kind gesund sein. Gebt ihm auch noch diese Tropfen, jeden Tag ungefähr zwanzig Tropfen in Wasser, wie bisher. (Die Tropfen sind aus Wermut, wie in der „Apotheke“ oben S. 112 angegeben ist.)

Verbrennungen.

Ein Bauernhaus brannte nieder. Der Bauer fiel bei der Rettungsarbeit ins Feuer und verbrannte sich Gesicht und Hände derart, daß er jedermann unkenntlich wurde. Der Arzt überlegte die Brandstellen, auch den total verwüsteten Haarboden mit mehreren Pflastern. Von den Fingern und dem halben Arm hingen Haut und Fleisch in Fetzen herunter. In halber Verzweiflung und in rasenden Schmerzen flehte der Unglückliche um den Tod, daß er doch erlöst würde. Der Arzt erklärte eine Heilung für ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Zustand wollte, daß der zuständige Pfarrer gerade verreist war. Für ihn übte ich während dreier Tage die Pastoration in der Gemeinde aus, und dieses führte mich zu dem verunglückten Manne. Ich konnte den Jammer nicht ertragen, sann hin und her, das überaus traurige Schicksal zu erleichtern und dem jungen Verunglückten wenigstens insoweit zu helfen, daß er ruhiger sterben könne. Ich ließ all die kleinen, steif angepappten Pflästerchen entfernen, rührte rasch mit einer Feder aus rohem Eiweiß, Leinöl und saurem Rahm einen Brei an und trug, um den Zutritt der äußeren Luft abzuschließen, diese Salbe möglichst dicht auf die leidenden Stellen auf. Darüber legte ich abgenutzte, leinene, deshalb recht weiche, nasse Lappen und als Zudecke obendrauf, ebenfalls gut aufliegend und anschließend, ein trockenes Tuch. Nach je zwei Stunden wurde das trockene Tuch sachte weggehoben, mit einem Schwamme das nasse Tuch von neuem schonend, aber kräftig angefeuchtet, um das Trocknen und überaus wehtuende Ankleben zu verhindern. Morgens und abends mußte stets auch der feuchte Lappen entfernt und so schnell wie möglich zum alten Brei neuer aufgetragen werden. Kaum glaublich ist es, in welch kurzer Zeit der Verunglückte wieder hergestellt wurde. Die erste Anwendung schon bot mir viel Trost und ließ den Hoffungsstern von ferne leuchten; doch behielt ich’s für mich. Nach einer Viertelstunde nämlich legten sich schon in etwas die fürchterlichen Schmerzen, und die drohenden Krämpfe, welche jenes bekannte unheimliche Zucken am ganzen Körper als bevorstehend ankündigte, wurden abgewendet.

+Nach innen+ ließ ich +täglich zweimal einen Löffel kühlendes Baumöl+ geben. +Salatöl+ hätte dieselben Dienste getan. Unter der luftdicht abschließenden Decke bildete sich +merkwürdig schnell eine frische Haut+. +Die streng gehandhabte Reinlichkeit+ -- nach den ersten Leidenstagen schon wurde täglich ein paarmal mit lauem Wasser aller Eiter sorgfältig entfernt -- half mitarbeiten. In 14 Tagen war der Bauer fast hergestellt. Der Arzt selbst erklärte, er halte die Heilung fast für ein Wunder. Nie hätte er an die Möglichkeit geglaubt, derlei gewaltige Brandschäden zu heilen.

+Einem Dienstboten+ wurde von einer Kamphinflamme die eine Hälfte des Oberkörpers, wie mit dem Zirkel abgemessen, so entsetzlich verbrannt, daß ein Arm, die halbe Brust und eine Seite des Kopfes nur mehr schwarze, mit gelben und roten untermischte Brandflecken zeigten und die Haut überall weggestreift werden konnte. Der Anblick war schrecklich, und der Unglückliche litt verzweiflungsvolle Schmerzen. Genau das Verfahren wie oben rettete ihn und schenkte ihn in 4 Wochen seinem Berufe und Hausherrn wieder.