Part 33
Hat das Leiden +im oberen Teile des Körpers+ seinen Sitz, so ist der +Oberguß+ eine vorzügliche Anwendung, verbunden mit dem +Knieguß+, letzterer höchstens eine halbe Minute lang. Bei günstiger Jahreszeit wird kaum eine Anwendung und Übung übertroffen von dem +Barfußgehen im nassen Grase+. Das kräftigt den Körper am meisten, und +nie darf man Furcht hegen+, sich in irgendeiner Weise zu schaden. +Auch das Gehen auf nassen Steinen ist gut+; es leitet das Blut nach unten und fördert den rascheren Blutumlauf und so die Blutbildung überhaupt. Noch sei hier ein Wort gesprochen über die +Kost+ solcher Kranken, die mehr als andere und zum Widerwillen stets den Refrain hören müssen: „Nur gut essen und trinken.“ +Die einfachste Kost+ ist die +beste+; nichts Hitziges, Gewürzhaltiges, keine Säuren; jene Kost, welche das Kind am leichtesten ertragen kann und bei der es im Wachstum am besten gedeiht. +Eine merkwürdige Erfahrung+ möchte ich nicht für mich behalten. Das +sicherste+ und oftmals für das +Vorhandensein der Schwindsucht den Ausschlag gebende Zeichen+ war mir, wenn der Kranke recht gern Gesalzenes aß, Salz auf Brot streute, Fleisch in Salz tauchte, mit Vorliebe nach Saurem, nach Gewürz haschte. +Ein sehr gutes Nahrungsmittel+ ist die +Milch+, die vor allem empfohlen werden soll, aber ja nicht Milch allein: sie würde dem Kranken bald widerstehen. Auch die +Kraftsuppen+ sind sehr zu empfehlen, wieder im Wechsel, selbst wenn die eine oder andere dem Kranken besonders zusagt. Nicht zuletzt verdienen genannt zu werden +recht einfache bürgerliche Mehlspeisen+ ohne alle komplizierte, gekünstelte Zubereitung. Das natürlichste und am wenigsten Widerwillen erzeugende +Getränk+ bleibt stets das +Wasser+, vielleicht untermischt mit etwas Wein. Auch +Milch, gestockte Milch+, dient gut. Für +Bier+ und +Wein trete ich nicht ein+. +Noch eine Bemerkung+ möge hier Platz finden. +In den höheren+ und +höchsten Stadien+ dieser Krankheit treten +heftige Fieber+ ein mit +stärkerem Schweiße+ und darauffolgendem Frost. Es läßt sich mit +Erfolg+ nichts dagegen tun. Dem Kranken indessen geschieht +Erleichterung+, wenn man nach dem Schweiße ihm +Rücken+, +Brust+ und +Unterleib+ mit frischem Wasser kräftig +abwäscht+.
+Eine tüchtige Lehrerin+ wurde längere Zeit von einem berühmten Arzte behandelt ohne Erfolg. Da sie zuletzt in ihrem Berufe nicht mehr arbeiten konnte, erhielt sie vorläufig auf drei Vierteljahre Pension. Nach Verlauf dieser Frist war der Zustand nicht viel besser geworden; der Arzt erklärte sie in seinem Zeugnisse für „unheilbar“, also auch künftig als untauglich für ihren Beruf. Freunde rieten ihr das Wasser an, und sie logierte sich in einem Nachbarorte meiner Pfarrgemeinde ein. Der Patientin war es anfangs kaum möglich, eine halbe Stunde weit zu gehen, so entkräftet und geschwächt fühlte sie sich. Sie gebrauchte nach Vorschrift Wasseranwendungen, und in 4-5 Wochen war sie vollständig hergestellt. Sie hat dann um Reaktivierung angehalten, und es kostete sie nicht geringe Mühe, wieder auf ihre Stelle zu kommen. Man wollte an die Heilung nicht recht glauben. In Person stellte sie sich dem Minister vor, der über ihre kräftige Gesundheit staunte, noch mehr aber über das im Zeugnis des Arztes stehende fatale Wort: „unheilbar.“ Schon ist sie +11 Jahre+ wieder auf ihrem Posten, erfreut sich der besten Gesundheit und kann ihrem Berufe ungestört nachkommen. Welches Leiden die Ärzte an dieser Kranken gefunden, ob Abzehrung, ob Schwindsucht, ich hatte es nie erfahren. Alle Anzeichen indessen sprachen dafür, daß sie schwindsüchtig werde. Der Bruder des Fräuleins war an diesem Übel gestorben, und ganz ähnliche Leiden seien, erklärte sie, dessen Tode vorausgegangen. Es war hohe, aber noch die rechte Zeit, der Krankheit zu steuern, und das Wasser hat ihr gesteuert. +Als Heilmittel+ wurden angeordnet: +viel Aufenthalt in frischer Luft+, +häufiges Barfußgehen+ im Morgentau, +Bäder+, von den kleinsten und schwächsten bis zu den letzten und stärksten, alle stets kalt. Dazu kam +Kräutertee+ und eine +einfache, kräftige Landkost+.
+Ein Herr von Stand+ erzählt: „Ich war nie fest und erfreute mich zu keiner Zeit einer solchen Gesundheit, wie sie manchem das ganze Leben hindurch geschenkt ist. Gleichwohl konnte ich meine Studien glücklich beenden, auch meinem Berufe bislang gut vorstehen. Seit ein paar Jahren ist dieses anders geworden. Wo ich hinkomme, werde ich von jedermann bedenklich angeschaut, und oft schon drang zu meinem Ohr das leise Flüstern der Freunde: Der lebt auch nicht mehr lang. Der Gedanke an den Tod ist mir selbst kein fremder Gast mehr, ich müßte ja blind sein für all die Anzeichen. Wie die frische Gesichtsfarbe, so sind die Kräfte geschwunden. Der Appetit, dieser beste Uhrenzeiger, deutet zur Genüge an, daß im Körper die Feder, die Lebenskraft ausgegangen, am Springen ist. Schon peinigt der recht schwere Atem, mehr noch ein Husten, der selbst andere schreckt, sichere Boten in die ewige Heimat. Die Ärzte erklären, +ich sei schwindsüchtig+. Sie haben mich seit einiger Zeit aufgegeben, raten mir aber noch, nach Meran zu reisen in ein milderes Klima. (Armer Schelm, dachte und fühlte ich, nicht einmal zu Hause, in der Fremde sollst du sterben!) +Auf der Reise nach Meran+ hörte ich von den Wirkungen des Wassers, und ich erkundigte mich, ob dasselbe auch für meine gebrechliche Natur etwa noch Heilkraft hätte. ‚Sie können es versuchen,‘ lautete die Antwort. Der Anfang war nicht leicht. Ich trug sehr warme Kleidung, und doch fror mich noch immer. Nun hieß es auf einmal: Das wollene Hemd, das Sie auf dem bloßen Leib tragen, der wollene Halsbund, doppelt geschlungen, müssen nach und nach wegfallen. Es beschlichen mich ganz eigenartige Gedanken. Wie wird’s mir gehen mit einer Kleidung, die mehr kühlend als wärmend ist? Dazu machte mich das kalte Wasser erschauern. Und es war schon so nahe. +Vorsichtig+ und +überaus maßvoll begannen die Übungen+, ganz anders, als man es sich denkt und davon sprechen hört. Und merkwürdig! Nach zwei Tagen schon konnte ich ein Wollkleid ablegen, ohne nachteilige Folgen zu verspüren; nach 5 Tagen opferte ich mein zweites. Nach 6-7 Tagen war der wollene Halsbund auch schon gefallen. Durch die Wasseranwendungen bekam ich eine sehr angenehme Naturwärme, die sich von Tag zu Tag steigerte. Mit der zunehmenden Naturwärme nahm das schwere Atmen ab, der Husten ließ nach. Wie die Besserung, so nahm zu die freudige Stimmung der Seele. Hörte ich früher sagen: ‚Wie lange wird der noch leben?‘ so jetzt: ‚Aber der gedeiht!‘ Sechs Wochen dauerte die Behandlung. Wider Erwarten und zum Staunen aller, die mich früher gesehen hatten, trat ich nicht den Weg zur ewigen Ruhe, sondern mit neuem Leben den alten Berufsweg wieder an. Ich dankte Gott, meinem Schöpfer, für meine Heilung und auch dafür, daß er uns im Wasser ein so kräftiges und naheliegendes Heilmittel gegeben. Allen Menschen möchte ich zurufen: Lernet das Wasser und seine Wirkungen kennen und schätzen, ihr werdet vielem Ungemach auf eurer Wanderung durchs Leben entgehen und viel glücklicher und zufriedener euere Berufsaufgabe lösen. Und nach dieser Aussaat im Berufe richtet sich ja die Ernte drüben im Jenseits.“
„Du bist +begierig+, lieber Leser, +zu hören, wie das Wasser bei mir angewendet wurde+? Wie ein Hirtenknabe oft unter den Regen kommt, manchen Tag Guß auf Guß aushalten muß und dadurch abgehärtet wird, so bekam mein Oberkörper täglich +zwei Güsse+ (Obergüsse). +Anfangs+ spielte der Wasserstrahl +nur eine halbe Minute, nach einiger Zeit eine Minute lang+. Täglich mußte ich sodann im +nassen Grase gehen+ oder +auf nassen Steinen+. Nach allgemeinem Vorurteile meinte auch ich mir dadurch alle möglichen Beschwerden zuzuziehen. Recht bald indessen fühlte ich das größte Behagen, und ich wäre am liebsten Barfüßler geworden. Es nahte der Spätherbst, es fiel Schnee. Ich ging eine Minute lang im frischgefallenen Schnee. Das hört sich schauerlich an. Auch mich durchfuhr ein schauerliches Rieseln, da ich langsam Schuhe und Strümpfe ablegte. „Mutig voran!“ rief ich mir selbst zu. Und einmal gewagt war ganz (nicht halb) gewonnen. Ich überzeugte mich von der wohltätigsten Wirkung, welche ich nie erwartete. Ich durfte auf mein Begehren dieses öfter wiederholen und kann jedem Wasserscheuen hoch und teuer versichern, daß ich in meinem Leben nie solche Naturwärme empfunden habe wie nach diesen Schneepartieen. Es brennen die Füße zwei, höchstens drei Minuten von der Schneekälte; dann aber entwickelt sich eine Wärme, die den Schnee nicht mehr achten läßt. In wenigen Tagen brachte ich es dahin, daß ich nicht mehr eine, sondern 10 Minuten bis eine Viertelstunde den Schneelauf fortsetzte. Gerade das +Schneegehen+ brachte eine außerordentliche Zunahme der Kräfte und Verminderung des harten Atems. Von Katarrh zeigte sich keine Spur. Hätte man mir so etwas früher erzählt, ich hätte es für Torheit, ja Wahnsinn, für den Ruin der Gesundheit gehalten. Während 14 Tagen verfuhr ich also. Dann hörte das Barfußgehen auf, und es blieben nur die +Ober-+ und +Untergüsse+ in stärkerer Form ein- bis zweimal täglich. +Nach ungefähr drei Wochen+ war der Organismus in Ordnung. Bis zu völliger Erstarkung vergingen wieder drei Wochen. Statt nach Meran zu gehen und dort zu sterben, kehrte ich zurück in die liebe Heimat, um dort von neuem tüchtig in meinem Berufe zu arbeiten.“
Es kommt ein Mann und erzählt: „Mir fehlt es im Hals und in der Brust. Anfangs hatte ich einen recht starken Katarrh; dann habe ich meine Stimme fast ganz verloren, hatte Wochen hindurch ein heftiges Brennen im Hals und in der Brust, zudem häufig Fieber. Habe mehrere Ärzte gehabt, mußte vielerlei und viel inhalieren. Kleine Linderung habe ich bekommen, aber keine Hilfe. Jetzt bin ich ganz abgemagert und kann schon lange nichts mehr tun; doch Gehen paßt mir noch am besten. Meine Füße sind immer kalt, Appetit besser als früher.“
Anwendungen: 1) Täglich zweimal einen Knieguß oder im Wasser gehen. 2) Täglich am Morgen und Nachmittag einen Oberguß. 3) Täglich zwei kleine Tassen Tee trinken von ~Foenum graecum~. 4) Jeden zweiten Tag ein kaltes Sitzbad, eine Minute lang. So drei Wochen fortmachen.
Star
siehe oben S. 172 unter „Augen-Star“.
Steinleiden.
Ein Herr K. in D. schreibt: „Ich war bereits sechs Monate sehr krank und wurde behandelt an Stein- und Nierenleiden, auch war ich stark mit Hämorrhoiden geplagt. Drei Ärzte gebrauchte ich; allein keiner konnte mir helfen. Da ich absolut keinen Dienst mehr machen konnte, stellte ich mir einen Stellvertreter ein auf ein halbes Jahr. Nun erfuhr ich indirekt, daß der Arzt sich geäußert habe, daß mein Leiden nicht zu kurieren sei. Ein anderer Arzt gab mir den Rat, ich solle mich in Heidelberg operieren lassen an Stein; allein ich dachte, lieber zu Hause sterben als in einer fremden Stadt. Ich tat also nichts; mein Leiden wurde immer ärger, und ich sage Ew. Hochwürden, daß ich statt Wasser mindestens vier Schoppen Blut uriniert habe. Ich sah ganz getrost meinem Ende entgegen und fügte mich in das schwere Schicksal. Zu Ehren der Mutter Gottes ließ ich hl. Messen lesen und dachte oft, wenn in der Nacht arge Schmerzen mich nicht schlafen ließen: Ach, wann werde ich wohl von meinem Leiden erlöst werden? Endlich hat mich der liebe Gott erhört, nachdem ich für 113 Mark 30 Pfg. Medizin und Mineralwasser schon getrunken usw. Ich hörte an meinem Krankenbette von Ihrem Buche, ließ mir dasselbe kommen, begann sofort mit der Kur -- in acht Tagen spürte ich keine Schmerzen mehr, mein Urin wurde so klar wie ein Brunnenwasser (vorher war er so trüb wie ein verdorbenes Bier), und heute, nach 4 Wochen, bin ich trotz meines Alters von 60 Jahren so gesund und munter wie ein 18jähriger Bursche; ja, wenn es keine Schande wäre, so würde ich auf Fastnacht tanzen. Trotzdem der Arzt nicht mehr an meine Genesung glaubte, bin ich jetzt vollständig gesund. Wäre mir Ihr Buch nicht in die Hände gefallen, ich wäre wohl schon im Grabe.“
Stimme, Verlust derselben.
So wichtig ist für uns Menschen die Stimme, daß wir schon etwas ausführlicher von ihr reden dürfen.
Es kommt im Leben +häufig vor+, daß die +Stimme teilweise oder ganz verloren+ geht. Man weiß oft keine Ursache. Manche können noch heiser sprechen, manche aber müssen die Zuflucht zur Feder oder zum Griffel nehmen.
So kam vor 17 Jahren +ein Priester+ zu mir, der lange Zeit Papier und Blei mit sich tragen mußte, um zu notieren, was er anderen mitteilen wollte. Er war ganz und gar unfähig, seinem Berufe als Priester nachzukommen. Überall, wohin man ihm geraten, hatte er Hilfe gesucht. Er bekam Gurgelwasser, er wurde magnetisiert, elektrisiert, man setzte Schröpfköpfe an, vierzehnmal brannte man mit Höllenstein den Hals aus, so daß ein Arzt erklärte, er werde die Sprache nie wieder bekommen; solches Unheil, Narben usf. hatte der Höllenstein angerichtet. Als nichts mehr helfen und kein Arzt Heilung bringen konnte, da wurde das kalte Wasser das Heilmittel, dem der Priester nächst Gott seine Hilfe verdankte. Dieser Priester schien ganz gesund zu sein. Die Gesichtsfarbe indessen war nicht frisch, vielmehr trübe und krankhaft. Schmerzen fühlte er im ganzen Körper keine besonderen; er meinte, ihm fehle nichts außer der Stimme. +Wie kann ein Sprachorgan zum Sprechen unbrauchbar sein, wenn es weder verletzt ist, noch irgendwelcher Schmerz empfunden wird?+ Wenn ich einem ein Tuch über den Mund binde, so ist kein Sprachorgan verletzt, und doch kann der Betreffende nicht mehr reden. Torheit wäre es, suchte ich das Übel im Halse. Ich muß das Tuch wegnehmen, und die Rede hat wieder ihren Fluß. Die Sprachorgane können ganz gesund sein, aber +verschiedene Einwirkungen, gleichsam Über- und Unterbindungen derselben, hindern zu sprechen. Was sind das für Einwirkungen?+
Wenn ein Bächlein durch ein Tälchen läuft, und werfen die losen Hirtenbuben Steine in sein Bett und verstopfen den Lauf mit Schlamm und Erde, so ist das Wasser gehindert, seinen geregelten Lauf fortzusetzen; es muß nach rechts und links aus dem Bette weichen, Auswege suchen, Vertiefungen, in denen es weiter fließt oder sich aufhält. Gerade so geht es oft im menschlichen Organismus. Könnte man hineinschauen in dieses vieladrige Stromgebiet, so würde man sehen, daß dem Blutlaufe oft gerade solche Hindernisse gelegt werden. Die Folgen sind Blutstauungen, Schleimhautschwellungen. Wer hat noch nie ein sogenanntes Überbein an einer Hand, am Fuße gesehen? Denke dir nun eine solche Anschwellung, oder was immer sie sei, nach innen gebildet, wie sie drückt. Muß das gedrückte Organ nicht in seiner Tätigkeit beeinträchtigt, gestört werden? Hänge der klangvollsten Glocke einen Quersack an, aller Ton ist dahin. Und da hilft kein Brennen und kein Hämmern. -- Doch zurück zu unserem stummen Herrn! Der erste +Oberguß+ ließ mich die gewaltigsten Anstauungen, fast schon Geschwulstbildungen, erkennen. Das waren die Missetäter, die mit ebenso vielen Fesseln die Sprachorgane, die Stimmbänder, gefangenhielten und an ihrer Tätigkeit hinderten. Wurden jene entfernt, so waren diese gelöst. Die Entfernung der Anstauungen geschah durch auflösende und ableitende Wasseranwendungen. Als auflösende Anwendung steht in erster Linie der +Kopfdampf+. Dieser erzeugt Schweiß über den ganzen Oberkörper hin. Ein kalter Abguß unmittelbar darauf wird das Aufgelöste wegschwemmen und die Natur kräftigen. Da der Patient ziemlich beleibt ist und bei solchen Personen gewöhnlich Blutandrang nach oben stattfindet, so leite man das Blut mehr nach unten durch einen +Fußdampf+ mit folgendem kalten Abguß. Diese zwei Anwendungen (die in unserem Falle zusammengehören) können +in jeder Woche einmal+, wenn die Korpulenz ziemlich stark ist, +auch zweimal+ genommen werden.
Eine +zweite Anwendung+, die in ähnlicher Weise im ganzen Körper auflösend wirkt, ist der +spanische Mantel+. Dazu kommen +kalte Bäder+ (1-2 in der Woche, höchstens eine Minute lang), +Halbbäder+ (bis an die Magengegend) mit kräftigen Waschungen des Oberkörpers; ein +Ober-+ und +Unterguß+ statt des Bades tun ähnliche Dienste. Diese Anwendungen, pünktlich vollzogen und verbunden mit einer geregelten Lebensweise -- nicht viel zu sitzen, Bewegung im Freien, kleine Handarbeiten -- machten alles gut. Die ganze Maschine kam wieder in den richtigen Gang, und das Rädchen der Stimme lief ohne Pinseln und Brennen und Elektrisieren von selbst mit in der alten trefflichen Weise. Niemand hatte geglaubt, daß dieser Priester je seine Stimme wieder erhalte. In sechs Wochen war er vollkommen hergestellt, und heute noch, nach 17 Jahren, hat seine Stimme einen Wohlklang und eine Kraft, die jeden erfreut, der sie zu hören bekommt.
+Ein Priester+ im Queistale hatte seine Stimme dermaßen eingebüßt, daß er zur Pastoration seiner Gemeinde fünf Jahre hindurch einen Hilfspriester halten mußte. Innerhalb dieser fünf Jahre suchte er die berühmtesten Ärzte auf. Er inhalierte viel, die Mandeln wurden ihm ausgeschnitten, alles vergebens. Man suchte das Leiden natürlich nur stets im Halse, bis endlich der letzte Arzt, der ihm den Hals untersuchte, erklärte, er finde im Halse absolut kein Übel, wisse aber auch nicht, warum er nicht reden könne. Erst auf diese Erklärung hin nahm der Patient die Zuflucht zu der immer so gescheuten und gefürchteten Wasserkur. Er bekam die Stimme, noch bevor ein halbes Jahr vorüber war, und eine so starke Stimme, wie er sie früher nicht stärker hatte; er meinte, eine halb so starke würde auch ausgereicht haben.
Auch bei diesem Herrn +fehlte in den Sprachorganen nicht das Geringste+. Dagegen fand ich den Hals, wenn auch nicht in besonderer Weise, doch stärker als normal, den Oberkörper aber unverhältnismäßig stark im Vergleiche zu den ziemlich abgemagerten Händen und Füßen. Früher hatte der Herr, wie er erzählte, öfters die Kolik, die regelmäßig nicht lange dauerte. Die Natur suchte auf diese Weise sich immer selbst zu helfen; doch konnte sie die krankhaften Stoffe nie gänzlich auswerfen. Die Koliken hörten später auf, und der Kranke fühlte bloß von Zeit zu Zeit Beengungen auf der Brust, die aber nicht besonders lästig waren. Es erging da, wie es in manchem Haushalte zu gehen pflegt. Wenn vom untern Stock des Hauses einer in den obern Stock zu einer andern Familie einzieht, dann gibt es Einschränkungen; die beiden Hausherren finden sich nicht mehr zurecht. Da hilft kein Inhalieren, auch kein Ausschneiden der Mandeln, nicht einmal das Abschneiden des Zäpfchens, -- da hilft allein das Ausziehen. Hat man den gesamten Organismus in Ordnung gebracht, dann wird die Stimme auch wieder kommen.
Dieser Kranke mußte +in der Woche einmal oben+ und +unten kräftig schwitzen+ (+Kopf-+ und +Fußdampf+) und +gerade so kräftig gießen+ (+Ober-+ und +Unterguß+). Damit sodann die aufgedunsenen Körperteile durch die Kälte zusammengezogen würden, stieg +er jede Woche viermal ins kalte Wasser+ bis unter die Arme, so kurz als möglich, nie mehr als eine Minute; dabei wusch er den Oberkörper kräftig ab. Dazu kam zuletzt ein +spanischer Mantel+. Nach +vier Wochen+ genügte +die Hälfte der Anwendungen+, +d. i. in der Woche ein Ober-+ und +Unterguß+ und ein +Halbbad+ mit Waschung des Oberkörpers. +Später+ durfte er nicht plötzlich aussetzen; er mußte +längere Zeit hindurch die eine oder andere Anwendung+ noch vornehmen, und zwar der Reihe nach, wie er sie bei der Heilung selbst vorgenommen hatte. +Dazu bedarf es meist keiner besonderen Anregung.+
Mit dem Gefühle der Kraftsteigerung wächst das Verlangen nach der Wasseranwendung und das Vertrauen zu derselben. Man staunt nur mehr über die wasserscheuen, empfindsamen Mitmenschen, die wohl Gesicht und Hände waschen, aber einen Höllenlärm anschlagen, wenn aufs Wasser die Rede kommt. ~Habeant sibi!~ Sie mögen es selbst büßen.
Bei unserm Herrn kam die Stimme wieder, wie sie besser nie gewesen. Das alte Übel kehrte nie wieder. Seit der Heilung sind heute mehr als 16 Jahre verstrichen.
+Ein Studienrektor+ in den schönsten Jahren konnte drei Vierteljahre seinem Berufe als Lehrer nicht mehr vorstehen; es fehlte ihm die Stimme. Er suchte bei den nächsten Ärzten Hilfe; dann wandte er sich an namhafte Spezialärzte. Nach wochenlangem Inhalieren, Elektrisieren usw. wurde ihm erklärt, die Stimmbänder hätten ihre Elastizität gänzlich verloren. Und weil alle Einwirkung umsonst gewesen, so könne man vorläufig nichts tun als abwarten, wie sich die Sache weiter gestalte; er solle wenigstens ein Jahr frei von aller Tätigkeit sein und sein Sprachorgan ruhen lassen. Dieses war dem Herrn zu arg, und er nahm die Zuflucht zur Wasserkur. In sechs Tagen hatte er seine Stimme wieder, in sechs Wochen war sie so klangvoll und stark wie in den besten früheren Zeiten. Dieses geschah vor 4½ Jahren, und der Herr darf keine Sorge haben; seine Stimme wird ihm bleiben. -- +Die Antwort auf die Frage: „Was hat da gefehlt?“+ will ich nicht schuldig bleiben. Das Aussehen des Patienten war wohl etwas welk, aber im ganzen nicht krankhaft. Eines hätte etwas auffallend sein können, daß nämlich der sonst gut gewachsene Herr den Kopf etwas vorwärts geneigt hielt. Er hatte den besten Appetit, besaß die volle Naturkraft; einzig und allein die Stimmbänder sollten von der Mutter Natur so stiefmütterlich behandelt worden sein, daß sie jetzt so elendiglich verkümmerten und alle Elastizität verloren? Das ist nicht denkbar. Meine Behauptung, es fehle den Sprachorganen gar nichts, verletzte den Herrn nicht wenig, und meine Praxis, nach welcher ich kein einziges Mal in seinen Hals schaute, in dem allein doch er sein Hauptgebrechen vermutete, brachte ihn fast außer Fassung und wollte ihm alles Vertrauen rauben. Ich dagegen wollte dem Herrn beweisen, daß dem Halse gar nichts fehle, daß deshalb auch kein Mittel für den Hals anzuwenden sei, wie auch faktisch keines angewendet wurde. +Wo lag die Wurzel des Übels?+ Auf der +oberen Seite der Schulterblätter+, quer über dem oberen Rücken, zu beiden Seiten des siebenten Halswirbels hatte der Herr ganz kleine Erhöhungen wie kleine Pölsterlein. Wer aber nicht gesucht hätte, hätte sie auch nicht gefunden. Sie drangen etwas einwärts und drückten so auf die Sprachorgane. Der noch junge Mann wurde +kräftig begossen+; er bekam den +Schal+, +Halbbäder+ und den +spanischen Mantel+. +Zuletzt+ reichten +Halbbäder+ mit Waschungen des Oberkörpers aus. Die Scheu vor Wasser verwandelte sich später in ein fast zur zweiten Natur gewordenes Bedürfnis nach Wasser. Keine Woche verging mehr ohne einige Anwendungen, die frisch und wohl erhielten. Wie oft kann ich die Bekräftigung hören: Jetzt weiß ich selber, daß die Anwendungen mir gut tun; ich werde sie im Leben nie mehr aufgeben.
+Gräfin N.+, 15 Jahre alt, erzählt: „Ich hatte vor zwei Jahren Diphtheritis, wie der Arzt sagte, im höchsten Grade. Auf diese Krankheit bekam ich Kopfleiden zum Verzweifeln. Nach einigen Wochen verlor ich nach einem heißen Bade die Stimme, so daß ich keinen Laut mehr geben konnte und jede Mitteilung durch Aufschreiben machen mußte. Meine Eltern suchten mir die ersten Ärzte. Ich mußte Monate hindurch inhalieren, verschiedene mineralische Stoffe einnehmen; ich wurde elektrisiert, mehrere Wochen hindurch alle Tage; mir wurden Blutegel an den Hals gesetzt, daß ich öfters in Ohnmacht fiel. Am Halse herum wurde schrecklich operiert. Mit Grausen denke ich an die Einzelheiten. Was ich alles eingenommen, will ich nicht schildern. So ging es fort über zwei Jahre, und schließlich erklärten einige Ärzte, ich werde an Schwindsucht sterben. Darin kamen alle überein, die Stimme könne und werde ich nie und nimmer erhalten. +Wie ich fühle und was ich leide?+ Ich habe das ganze Jahr nicht eine Stunde warme Füße, eiskalt sind meine Hände, eiskalt mein Kopf. Ich weiß seit Monaten kein Mittel, weder im warmen Zimmer, noch mit wärmenden Kleidern, mich zu erwärmen. Ich mag nicht essen und kann nicht essen. Was ich genieße, peinigt mich; ich möchte oft verzweifeln. Ich bin erst 15 Jahre alt, kenne aber kein so unglückliches Geschöpf wie +mich+.“