Part 32
Dürfte ich den Katarrh mit einem kleinen Kinde vergleichen, so wäre das Schleimfieber das ausgewachsene Kind. +Schleimfieber entsteht+ regelmäßig aus Katarrhen, und aus beiden kann alles werden, wie an anderer Stelle gesagt ist. Die +Heilung+, also auch die Anwendungen sind bei beiden Übeln dieselben. Wer Katarrh schnell und leicht kurieren will, der lege sich ins Bett, wasche sich selbst alle Stunden Brust und Unterleib, den Rücken lasse er sich von einem andern kräftig abwaschen. Drei bis vier solcher Waschungen in einer Nacht heilen einen erst begonnenen Katarrh. Macht der Katarrh Fortschritte, d. h. entzünden sich Teile im Halse, im Kopfe, in der Brust, so haben wir das ausgebildete Schleimfieber, welches demnach nichts anderes ist als ein den ganzen Körper quälender Katarrh. Dabei bleiben jene Stellen, an denen der Katarrh begonnen, sei es die Rachenhöhle, sei es die Brust, bis zu eingetretener völliger Heilung stets die empfindlichsten.
Schweiß.
„Ja, das ist ein Kreuz, dieser Fußschweiß, der sich nun schon so lange an meine Sohlen heftet und mich überallhin auf der Ferse verfolgt!“ So klagen manche, ja sehr viele. „Was ist doch das?“ fragen sie, „häufig ganz kalte Füße, dann wieder ein Brennen und Stechen, und -- dieser Geruch!“
Wahr ist’s; aber noch größeres Kreuz, +die traurigsten Folgen+ bringt nicht selten, sogar meistens +vertriebener Fußschweiß+. Mir ist ein Herr bekannt, dem geraten wurde, er solle täglich ein paarmal die Füße mit kaltem Wasser waschen; der Schweiß werde schon nachlassen. Freilich der Fußschweiß ließ nach, er hörte zuletzt ganz auf. Die Folgen? Die letzten Dinge wurden ärger als die ersten; eine lästige und gefährliche Krankheit rächte den vertriebenen Fußschweiß. Jeden Vernünftigen frage ich: Ist’s denn auch anders möglich? Wer den Fuchs aus seinem Erdverstecke treiben will, darf die Höhle, das Fuchsloch doch nicht zustopfen. Einen solchen Jäger würden die Spatzen auspfeifen, und die Hasen würden ihm zum Spott Männchen machen.
+Der Fußschweiß besteht+ in nichts anderem als in +faulen Säften+, welche auch die Gefäße, die sie anfüllen und verpesten, halbfaul machen. Dieses +die Ursache des schrecklichen Geruches+, der Menschen, selbst Tiere aus dem Hause treibt, den Fußschwitzern zur großen Plage gereicht und sie zu gemiedenen Menschen macht.
+Was ist da zu tun?+ Ein Kleid, das in Teer gefallen ist und weithin üblen Geruch verbreitet, wird niemand zu reinigen suchen, indem er von Zeit zu Zeit es mit einem Schwamme abwischt. Die Wäscherin wird eine gute Lauge machen, das schmutzige Stück einbeizen und so den harzigen Teer ausziehen. Ein guter Wäscher des Fußschweißes wird sein, wer alle faulen und faulenden Säfte, so tief dieselben dringen mögen, auflöst und aus- und abwäscht resp. ausleitet. Nebenbei muß er die Haut und die Gefäße, soweit sie durch Fäulnis gelitten haben, heilen und kräftigen.
Am besten und sichersten werden +beide Füße ganz eingewickelt in Tücher+, die in +Heublumenabsud+ oder in +Absud von Fichtenreisern+ getaucht sind. Diese Umschläge saugen die faulen Stoffe auf, und die beiden Kräuter haben zugleich kräftigende und heilende Wirkung. Man nehme 5-6 solcher Wickel innerhalb zehn Tagen; hernach vierzehn Tage lang täglich ein +warmes Fußbad+ (das bis an die Waden hinausreicht) von je zehn Minuten mit dreimaligem Wechsel und jedesmaliger kalter Abwaschung (höchstens eine Minute dauernd). Schließlich wird ausreichen +in der Woche+ ein obenbeschriebener +Fußwickel+ oder ein +solches Fußbad+. +Nach gestillten Fußschweißen+ ist’s vortrefflich, zuweilen eine Viertelstunde +im nassen Grase barfuß+ zu gehen. Wer das nicht kann, gehe vor dem Schlafengehen einige Minuten +in seinem Zimmer barfuß+ auf und ab. Man sollte nicht glauben, wie vorteilhaft, wie +erfrischend+, kräftigend und abhärtend die frische Luft auf so entblößte, dem Wollstrumpfzwange entrissene und einige Minuten der goldenen Freiheit sich freuende Füße wirkt. ~Probatum est!~ d. i. Übung macht den Meister!
Körperschweiß, ungesunder.
+Nicht bloß Fußschweiße gibt es+, es gibt auch ungesunde +Körperschweiße+. Ein Herr von Stand schwitzte jede Nacht so, daß am Morgen die ganze Matratze durchnäßt war und das Kopfkissen und das Oberbett trieften, ein nächtliches schweres Kreuz, das ihn immer mit Angst vor dem Schlafengehen erfüllte.
Zu dieser Last gesellte sich noch eine zweite, nicht geringe Unannehmlichkeit. Bei der größten Sorgfalt und der sorgfältigsten Einhüllung und Vermummung nämlich konnte der Herr im Winter des +ewigen Katarrhs+ nie los werden. Dazu das stete Schwitzen; man roch die Kleider selbst schon von weitem. Ein lästiges Übel in der Tat! Und nun das Mittel aus der Apotheke?
+An schnelle Heilung+ darf bei diesem Leiden nie gedacht werden, nur an allmählige Kräftigung, Stärkung des durch so vieles Schwitzen entkräfteten Körpers und an fortgesetzte Ausleitung der krankhaften Säfte. Ungeduldig darf so ein Patient nicht werden. Der unsrige hat bewiesen, was bei Ausdauer und Pünktlichkeit die Anwendung von Wasser vermag. Als Lohn seiner Treue erhielt er die volle Gesundheit wieder. Doch das genügt mir nicht, sagt ein barscher Leser. Wenn ich +so ein Leiden+ bekomme, +was müßte ich tun+? +Ziehe dreimal in der Woche+, so gebe ich ihm zur Antwort, +den spanischen Mantel+ an. Hindert dich während des Tages dein Beruf, so lege ihn beim Schlafengehen als Nachthemd um auf 1½-2 Stunden. +Wasche dich zwei- bis dreimal wöchentlich+, oder wenn du, wie unser Patient, schlaflose Nächte hast, +zwei- bis dreimal in der Nacht+ vom Bette aus! Solltest du gerade im Schweiß sein, so wasche dich doppelt kräftig, aber schnell, gehe gleich wieder, ohne dich abzutrocknen, zu Bett und decke dich gut zu; habe indessen, wenn möglich, das Bett nicht in einem ganz kalten Zimmer! Merke dir gut: mit dem +spanischen Mantel+ mußt du die Anwendungen +beginnen+. Und wenn du seine wohltätigen Wirkungen erfahren hast, wirst du -- es ist dein eigenster Vorteil -- schon aus Dankbarkeit es nicht verabsäumen, ihn wöchentlich wenigstens einmal auf 1½-2 Stunden zu tragen. Auch +eine einmalige Ganzwaschung in der Woche+ als weitere Zugabe sollte dir den Wasserappetit nicht verderben. Eine große Zahl von Leuten könnte ich nennen, die nach Ablegung des Vorurteils, „man könne sich durch solche Anwendungen nur schaden,“ aus wasserscheuen Individuen ebenso große Wasserfreunde geworden sind. Wie stemmt sich das Schoßhündchen, und wie winselt und keucht es, wenn ich’s ins Wasser werfen will! Wie viel solcher Helden habe ich gesehen! Doch die früher nur „hundelten“ (eine verpönte Art des Schwimmens), sind allmählich prächtige und gewandte Schwimmer geworden.
Viel- und Leichtschwitzen.
+Es gibt Naturen, die sehr leicht+ und +viel+ in +Schweiß kommen+, die bei jeder, selbst der geringsten Anstrengung wie im Schweiß gebadet und deshalb, abgesehen von der Mattigkeit und Müdigkeit, den Katarrhen, Erkältungen, Entzündungen usw. recht ausgesetzt sind.
+Ein Beamter+, der mich eines schönen Tages aufsuchte, klagte mir, er sei eben nicht gesund, er leide viel an schwerem Atem, und die Ärzte halten ihn für leber- und nierenleidend. Das größte Unglück aber bestehe darin, daß er keine Medizin ertragen könne; jeden Löffel voll müsse er stets wieder herausbrechen. „Das größte Glück, wollen Sie sagen,“ unterbrach ich den Herrn, dessen Leiden sich durch einen scharfen, peinlichen Schweißgeruch schon verraten hatte. Und ich begann als Wahrsager zum Staunen des Beamten: „Sie schwitzen viel beim Gehen, auch morgens beim Aufstehen.“ „Ja, so ist’s! Woher wissen Sie das?“ Statt der Antwort gab ich den Rat, er möge sich eine Badewanne mit kaltem Wasser anfüllen lassen. Wenn er, in Schweiß gebadet, heimkomme, dann solle er sich rasch ausziehen, bis an die Magengegend sich in diese Wanne setzen und den Oberkörper schnell und kräftig abwaschen; das Ganze dürfe höchstens eine Minute dauern. Schnell, ohne abzutrocknen, solle er seine Kleider wieder anziehen und auf seinem Zimmer zirka eine Viertelstunde sich Bewegung machen. „Was,“ rief der Herr Beamte aus, „Ew. Hochwürden treiben bittern Spott mit mir! Gott bewahre! Da würde mich ja augenblicklich der Schlag treffen! Wie oft bin ich vor der geringsten Vernässung und Verkältung gewarnt worden, und Sie heißen mich in eine Badewanne steigen, in kaltes Wasser!“ Ich blieb ruhig, aber ich mußte alle Beredsamkeit aufbieten, dem Herrn das Unschädliche dieses Verfahrens begreiflich zu machen. Unter anderem fragte ich ihn. „Wenn Sie so im Schweiße nach Hause kommen, schwitzend, daß Ihnen das salzige Wasser über Gesicht und Stirne rinnt und die Finger aneinander kleben, haben Sie Furcht und nehmen Sie den geringsten Anstand, sofort die Hände und das Gesicht zu waschen?“ „Nein, das tue ich jedesmal.“ „Haben Sie je den geringsten Nachteil verspürt?“ Der Herr besann sich -- er fürchtete meine Folgerung --, sagte alsdann aber ein kräftiges: „Nein.“ „Nun gut,“ erwiderte ich, „lassen Sie diese Wohltat auch einmal dem ganzen schwitzenden Körper zukommen; versprechen Sie mir, es auch nur einmal zu tun.“ Nach kurzem Schweigen gab er das Versprechen. Nach 14 Tagen begegnete ich ihm wieder. „Nun, leben Sie noch? Wie ist’s gegangen?“ „Wie dankbar bin ich Ihnen, Herr Pfarrer!“ sprach er. „Alle Furcht ist mir nun benommen. Kann ich’s denn nun öfter so machen? Es tut gar so gut!“ Ja, es tat gar so gut: alle Armseligkeiten und körperlichen Übelstände wurden allmählich beseitigt. Der Herr lebt noch; er wird zu 80 Jahren nicht mehr weit haben. Wären alle, denen ich schon freundschaftlich geraten, so folgsam gewesen (leider ist oft Spott und Hohnlachen der Lohn), sie hätten sich selbst viele bittere Stunden und das zu frühe, schmerzensvolle Ende ihres Lebens erspart, sie lebten vielleicht heute noch. Die Konservierung eines Gebäudes ist nicht schwer, wenn man jedes Jahr das Ganze durchmustert und jeden Fehler an Dach- und Mauerwerk gleich ausbessert. Die täglichen Launen, verkehrten Stimmungen und Unaufgelegtheiten sind Schäden am Mauerwerk unseres oft recht armseligen Seins, und wie viele hundert solcher Launen und Unaufgelegtheiten schleppt der beladene Mensch mit sich jede Woche, wie viele tausend jeden Monat und jedes Jahr!
Vielfach, ja meistens haben all’ diese Dornen und Brennesseln, oder wie sie heißen, ihre Wurzel in kleinen Indispositionen, Störungen des Körpers. Es sind Dachmoose oder Mauerfresser an der gebrechlichen Hütte deiner Seele, nicht gefährlich, aber lästig; sie rauben vielfach die Heiterkeit, die Fröhlichkeit, die innere Zufriedenheit. Manche können dem Körper und Geiste mit der Zeit auch schädlich werden, sie können einem das Leben verleiden. Die einzige Anwendung, wie sie der Beamte machte, reicht oft aus, dem Menschen einen neuen Humor, eine andere Stimmung zu geben. Mancher verhöhnt vielleicht diese Bemerkung. Das ist mir gleich. Der Hohn benimmt ihr nicht die Wahrheit.
+Noch eine Bemerkung+ schulde ich an dieser Stelle. Wohl +kaum etwas wird im Leben+, selbst von einsichtsvollen Menschen, +so sehr gefürchtet+, als wenn sie im +Schweiß+ das +kalte Wasser anwenden+ sollen. Diese Meinung mag von der Wahrnehmung herrühren, daß solche, die im Schweiß gebadet plötzlich an die Kälte kommen oder sich der frischen Luft, besonders der Zugluft aussetzen oder sich gar vernetzen, sich schon oft gründlich verdorben haben. Das gebe ich alles gerne zu. Es kommt eben hier wie sonst im Leben nicht allein und nicht in erster Linie auf das „Was“, sondern auf das „Wie“ an, +wie+ die Leute die Anwendung mit Wasser vornehmen. Meine nach so langer Erfahrung und Übung gewonnenen +Grundsätze+ sind:
~a~) Wer naß ist durch Schweiß, Regen usw., +darf sich nicht der Kälte oder Zugluft aussetzen+; das würde sich rächen.
~b~) +Wen friert, der soll ja nichts mit Wasser anfangen.+
~c~) +Wer vom Regen+ usw. +durchnäßt+ worden, soll sich so rasch als möglich trocken umkleiden.
~d~) +Wer aber schwitzt+, sei es krankhaft oder durch Gehen oder durch Arbeit, +darf ganz kurz+ (wie bei der Beschreibung der Anwendung genau besagt ist), ein +kaltes Bad+ nehmen oder eine +kalte Ganzwaschung+ vornehmen; er muß aber (ohne abzutrocknen) schnell +trockene+ Kleidung anziehen und sich Bewegung machen, bis auch der Körper trocken ist. Dieses sollte doch einmal selbst die heißblütigsten Sanguiniker beruhigen und befriedigen!
Schwermut.
Ein Herr zog sich durch Überanstrengung und Geschäftssorgen folgendes Leiden zu: Ohrensausen, anhaltendes Eingenommensein des Kopfes, Abnahme des Denkvermögens sowie auch des Gedächtnisses, so daß er für seine Berufstätigkeit ganz unfähig war. Dabei befand er sich in unbeschreiblich trüber Gemütsstimmung, und häufig traten Angstzustände auf. Schlaf meistens schlecht. Die Körperkräfte des sonst robusten Mannes schwanden, das Körpergewicht verminderte sich erheblich. Der äußerst schwermütige Kranke unterzog sich in Wörishofen folgender Behandlung: Oberguß, Rückenguß, Wassergehen, in der Woche zwei Wickel, einen spanischen Mantel und zum innerlichen Gebrauche Wermuttropfen, teils allein, teils mit Arnika und auch mit Tausendguldenkraut gemischt. Von diesen Tropfen rühmt er eine ganz besondere Wirkung. Nach achtwöchentlicher Kur fühlte er sich vollkommen gesund und arbeitsfähig; seine Gemütsstimmung war wieder gehoben und heiter und ist es auch geblieben. Das Körpergewicht hatte jetzt 22 Pfund zugenommen.
Schwindel.
Ein Priester in den besten Mannesjahren fühlte eine fortschreitende Abnahme der Kräfte, besonders in den Beinen. Nur mit der größten Anstrengung konnte er eine Viertelstunde weit gehen und hatte das Gefühl, seine Beine brechen zusammen. Außer diesem Leiden hatte er sehr viel +Schwindel+, so daß er in einem offenen Raum gar nicht auf längere Zeit stehen konnte, ohne sich an einem festen Gegenstande anzuhalten. Wollte er sich am Altare umwenden, so mußte er sich stets festhalten. War der Schwindel etwas leichter, so fühlte er gewaltigen Druck in der Brust und eine Bangigkeit, als treffe ihn ein Schlaganfall.
Patient gebrauchte viel Mineralwasser und Medikamente; alles ohne Erfolg. Sein Aussehen war nach dem allgemeinen Urteile sehr gut, Appetit in Ordnung, aber Schlaf mangelhaft.
+Erfolg+: Bereits drei Wochen lang von seinem Berufe entfernt ging er täglich viel barfuß (im Gras, auf nassen Steinen und im Wasser bis unter die Knie), bekam anfangs täglich zwei Obergüsse und einen Knieguß, später Halbbäder und Bäder im Schweiß. Am Schlusse seiner Kur machte er den Versuch, in einem Tage 4 Stunden weit zu gehen, was gut gelang ohne Ermüdung. Er fühlte sich nun ganz gesund und war freudig gestimmt für seine Berufstätigkeit.
Schwindel bei einem Greis.
Ein Herr, 74 Jahre alt, erzählt:
„Ich habe häufig starken Schwindel und mitunter einen gewaltigen Druck auf dem Kopf; zeitweilig sind meine Füße ganz kalt, und wenn’s im Kopf gut ist, so habe ich regelmäßig große Beschwerden im Unterleib. Stuhlgang ohne Hilfsmittel habe ich gar nie. Das Buch „Meine Wasserkur“ hat mich veranlaßt zur Fragestellung, ob man in meinem hohen Alter auch noch Wasser anwenden könne mit Erfolg; wenn nicht, dann übergebe ich mich ruhig meinem Schicksale in diesem Alter. Wenn es noch anwendbar ist, gehe ich ins kalte Wasser wie der Jüngste.“
In drei Wochen war der alte Herr so gut, daß er bereute, seine Berufstätigkeit schon einem anderen übergeben zu haben.
Die Anwendungen bestanden in folgendem: Erster Tag: am Morgen den oberen Körper mit Wasser und Essig waschen, nachher einen Knieguß nehmen; am Abend ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang. Zweiter Tag: am Morgen wieder Oberguß mit einem Gießer, gleich darauf auf nassen Steinen gehen (5 Minuten lang); nachmittags: ein kaltes Sitzbad, eine Minute lang. Dritter Tag: am Morgen im Wasser gehen, zwei Minuten lang; gleich darauf die ganzen Arme ins Wasser halten; nachmittags: ein Oberguß, gegen Abend ein Sitzbad. Vierter Tag: in der Frühe im Wasser gehen bis an die Knie (drei Minuten lang); gleich darauf die Arme ins Wasser (zwei Minuten lang); am Nachmittag: ein Rückenguß. Fünfter Tag: am Morgen einen Rückenguß, am Nachmittag ein Halbbad (eine Minute lang). So wurden die letzteren stärkeren Anwendungen fortgesetzt. Der +Schwindel verlor sich ganz+, der Stuhlgang kam in Ordnung, die schlechten Gase waren beseitigt, die allgemeine Naturwärme war wieder hergestellt, und so war die Maschine wieder in Ordnung. Der Greis bekam geradezu jugendliche Frische und den besten Humor.
Es mag vielleicht auffallen, warum man bei diesem hochbetagten Mann nur eine einzige warme Anwendung vorgenommen hat und nicht länger mit warmen Anwendungen verfahren ist.
Der Grund ist einfach dieser, weil noch ziemlich viel Kraft und Naturwärme vorhanden war; sonst hätte er durch Waschungen vom Bett aus und wieder ins Bett entweder mit warmem Salzwasser oder mit Essig und Wasser zu einer größeren Naturwärme gebracht werden müssen. Wird die Naturwärme bei alten Leuten durch warme Waschungen erhöht, und man nimmt dann versuchsweise eine kalte Waschung vor, so verschmähen sie recht bald das warme Wasser und ziehen das kalte vor, weil sie dadurch bessere Wirkung und vermehrte Naturwärme verspüren.
Ein 78jähriger Priester hatte solchen Schwindel, daß er gar nicht mehr in die Höhe schauen und nicht sicher auf dem Wege gehen konnte; er war ziemlich beleibt. Das ganze Aussehen machte den Eindruck, daß der arme Greis keine Naturwärme mehr habe. Trotz all dieser Gebrechen, die zu der Annahme verleiten konnten, es sei doch mit dem Wasser nichts mehr anzufangen, verjüngte sich sein Aussehen ganz auffallend. Der Schwindel verschwand, sowie alle Furcht beim Gehen, kurz, der Hochbetagte wurde einer Lampe gleich, welche Aufguß zum Weiterbrennen bekommt.
Wenn ein Hochbetagter es liest, wird er fragen: Was geschah mit ihm? Die Antwort lautet:
Am ersten Tage von unter den Armen ganz einwickeln, das Tuch in heißes Wasser eingetaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden, 1½ Stunden lang; am nachmittag: eine Waschung mit Wasser und Essig, ganz warm. Am zweiten Tag: in der Frühe einen Fußdampf, 20 Minuten lang; gleich darauf mit frischem Wasser ganz kurz abgießen; am nachmittag: wieder eine Ganzwaschung wie am ersten Tage. Am dritten Tag: einen Kopfdampf (20 Minuten lang), gleich darauf einen Oberguß. Am vierten Tag: in der Frühe einen kalten Oberguß, darauf einen Knieguß; nachmittags: ein nasses Hemd anziehen, 1½ Stunden lang. Am fünften Tag: am morgen ein warmes Fußbad mit Asche und Salz; nachmittags: einen Oberguß und Knieguß. Von dieser Zeit an nur mehr kalt, und zwar im Wechsel: Oberguß und Knieguß vormittags; zwei Stunden später: im Wasser gehen und die Arme ins Wasser halten; nachmittags: bloß Oberguß. So ungefähr 6 Tage fortfahren, und es reicht aus, in der Woche ein oder zweimal in der Nacht vom Bett ganz waschen und wieder ins Bett. Zu Haus ist nichts mehr notwendig, als in der Woche zweimal im Wasser gehen und die Arme ins Wasser halten. In der Woche ein Sitzbad nehmen, dies kann auch warm genommen werden. -- Innerlich einen Tee von Fenchel, Schafgarbe und Salbei.
Schwindsucht.
Wie eine Schlange im Grase oder Gerölle versteckt auf ihre Beute lauert, so steckt und herrscht oft schon lange die Schwindsucht im Körper, ehe sie sich zeigt. Ihr Anfang ist eine Fäulnis, die an irgend einer Stelle entsteht, nach und nach durch Vereiterung um sich greift und Organe des Körpers zerstört. Es kann dieses geschehen +in der Brust+: +in der Lunge+, +im Rippenfell+; +im Unterleib+: +im Darm und in den Nieren+; +im Hals+: +in der Luftröhre+, +im Kehlkopf+ usw., an den edelsten und wichtigsten Organen. An jeder Stelle, an der solche Fäulnis sich zeigt, treten alsbald auch +Störungen+ ein im +Blutumlauf, im Blute und in den Säften+. Dem Menschen, den es trifft, ergeht es wie dem Baume, dessen Blätter anfangen, zur Unzeit gelb zu werden und abzustehen. Seine Lebensadern haben aufgehört, den Lebenssaft zu geben. Der Baum wird nicht mehr recht genährt, daher das Welken und Absterben. Und da hilft keine Sonne und keine frische Luft. Dasselbe können wir vom Schwindsüchtigen sagen. Das Blut, dieser Lebenssaft, nimmt ab, der Kranke „fällt ab“, wie der Volksmund sagt, und erlischt am Ende wie ein Licht, lebensunfähig.
+Hat die Schwindsucht einmal tief sich eingefressen+ und bereits ein Organ des Körpers zerstört, dann ist der Mensch verloren. +Hat sie sich+ aber an dem einen oder anderen Teil des Organismus +angesetzt+, so kann +gerade mit Wasser eine Heilung ganz leicht eintreten+. Das +Traurigste bei solchen Kranken+ ist, daß die ersten Zeichen scheinbar so unbedeutend sind. Der Kranke hat nur ein Hüsteln, das ihm auch gar nicht besonders wehe tut. Nicht einmal ausspucken muß er oder doch höchst wenig. Kommt von Zeit zu Zeit der Husten stärker, so tröstet sich der Kranke: „Es ist nichts weiter als ein gelinder Katarrh, hab’s schon oft gehabt, wird bald wieder nachlassen.“ Selbst wenn der Körper welker wird, der Schwindsüchtige eine Abnahme der Kräfte spürt, immer hat er seine Entschuldigung. „Der Katarrh dauert diesesmal etwas länger; aber ich kann ja meinem Beruf doch noch vorstehen.“ +Gewöhnlich haben derlei Kranke bei diesem Stadium der Krankheit schon mehr gelitten, als sie selbst glauben+: die Blutbildung hat abgenommen, die Säfte haben sich vermindert, die kranken Stellen dehnen sich immer weiter und weiter aus. Sucht dann der Kranke nach Hilfe, so ist er sicher schon zu spät daran, und was er tut und anwendet, das tut er meistens nur zur Abkürzung seines Lebens. Ich bemerke all dieses +zur Warnung+, solche Zustände, die unter dem Namen „Katarrh“ die ganze Welt erfüllen, nicht zu vernachlässigen. In +Fällen, in denen die Schwindsucht vorangeschritten ist, einen höheren Grad erreicht hat+, versuche ich (erkläre dieses auch von vornherein jedem Patienten) mit Wasser nichts mehr anzufangen;[45] denn die Natur vermag den Kampf mit dem frischen Wasser nicht mehr aufzunehmen. Das wäre ebenso töricht, wie wenn ein Schwächling es versuchen wollte, einen robusten, kräftigen Mann zu meistern. +Die fortgeschrittene Schwindsucht erkennt man daran+, daß der Kranke ziemlich häufig hustet, mit dem Husten sehr viel Auswurf abgeht; ferner, daß derselbe schwer atmet, der Appetit nachgelassen hat usf. Solange der Auswurf noch oben auf dem Wasser schwimmt (man stelle die Probe an), braucht man nicht alle Hoffnung aufzugeben. Sinkt er zu Boden, dann ist’s meistens bei Matthäus am Letzten, zu Ende mit aller Hoffnung und Hilfe. Der Kranke soll sich in Gottes Willen ergeben und sich ruhig auf das letzte Stündlein vorbereiten.
Dagegen behaupte ich -- und ich könnte dafür eine Reihe von Beispielen anführen --, daß +beim Beginne der Schwindsucht das Wasser als das erste und sicherste Heilmittel sich bewährt+. Es erfrischt und belebt den welk werdenden Körper, wirkend wie Öl, das man in das Räderwerk der Maschine gießt; es bringt einen lebendigen Blutumlauf hervor und weckt so in dem schlaff gewordenen untätigen Organismus neues Leben. Dann rüttelt es, wie ein Sieb die Mohnkörnchen, die faulenden Säfte auf und scheidet sie aus. +Man beachte indessen wohl: es dürfen gar nie stark auflösende und stark ausleitende Anwendungen vorgenommen werden.+ Man muß +vorherrschend auf Stärkung des Organismus abzielen, auf daß die wieder kräftig gewordene Natur selbst die faulen Stoffe ausscheide. Vor allem erheischt die Vorsicht, daß die Naturwärme nicht geschwächt, erschöpft, vollends ausgesogen werde+. Das hieße der Krankheit in die Hände arbeiten. +Nur ganz kurz dauernde Anwendungen+ sind hier am Platze; sie sollen, wie gesagt, anregen, stärken, beleben. +Ich möchte es nicht wagen+, mehrere totale Anwendungen, die auf den ganzen Körper sich erstrecken, vorzunehmen, falls die Zeichen ein Fortschreiten der Schwindsucht andeuten.